Die Grundschule ist die erste Institution, die alle Kinder gleich durchlaufen, und so allen Kindern die gleiche politische Bildung vermitteln könnte. Doch inwieweit verfolgt die Schule dieses Ziel, bzw. inwieweit sind sich Lehrer dieser Tatsache bewußt? Was für Themen kann man Kindern zutrauen und welche sind ungeeignet?
Schon Kinder können sich ,,politisch" verhalten, doch was ,,das Politische" in ihren Augen ist, stimmt nur zum Teil mit dem erwachsenen Bild von Politik überein. Erwachsenen fallen in Bezug auf Politik sofort Themen wie Regierung, Wirtschaftspolitik, Finanzwesen, etc. ein. Doch die Vorstellung solcher Schwerpunkte mit den Schülern zu bearbeiten, scheint einfach unmöglich. Dennoch können Politik und Themen des Gemeinwesens durchaus Aufgaben für die Grundschule werden. So wird mit dem Themenschwerpunkt "Schule/ Schulleben" der schulische Nahraum in besonderer Weise als Feld demokratischen Lernens und Handelns in der Grundschule genutzt. Dazu gehören Schülerparlamente ebenso wie die Gestaltung von unterrichtsfreien Zeiten und Räumen sowie Schulhofeinrichtung und Pausenversorgung. Die Einübung in parlamentarische Formen und Einrichtungen wie z. B. den Klassen- oder Schülerrat kann schon mit Acht- bis Zehnjährigen ,,kindergemäß" erfolgen. Geprägt wird dieses Feld also von Projekten der Organisation, Gestaltung und Koordination des Lebensraums Schule und der Interessen der Schülerschaft. Besonders aber die Vielfalt von Lernanlässen, wo methodisch- didaktischer Herausforderung und Anbindungen des Lernens an eine zumindest innerschulische Öffentlichkeit sind auffällig. Die Kinder können dabei erfahren, daß die Schule und ihr Lernen mit ihnen selbst zusammenhängt. Zudem können sie erleben, daß sie die Bedingungen ihrer Schule und damit die Art und die Themen ihres Lernens selbst mitgestalten können.
Achtung vor den Personen, den Individualitäten, auch den Denkweisen der Kinder sind ausschlaggebend für eine demokratische Denkkultur. Reformpädagogen entwickeln immer wieder neue Formen des Arbeitens, in denen die Arbeitsweisen und Rollen der Kinder wechseln, den Kindern der soziale Kontext aber immer deutlich ist: Sozialformen, die von den Kindern mit getragen und verbessert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Ist politische Bildung in der Grundschule überhaupt möglich?
2. Was bedeutet der Begriff " Politik "
2.1. Dimensionen politischen Lernens in der Grundschule
2.2 polity im politischen Lernen der Grundschule
2.3 policy im politischen Lernen der Grundschule
2.4 politics im politischen Lernen der Grundschule
2.5 Hilfestellungen zur Erschließung politischer Aspekte im Schulalltag
3. Was fordert der Rahmenplan Grundschule / Hessen ?
3.1 Übergreifende Orientierungen / Die Grundschule als Ort grundlegender Erfahrungen
3.2 Sinnerfahrung, Werterfahrung, religiöse Erfahrung
3.3 Didaktische Grundsätze
3.4 Pläne der Fächer/ Lernbereiche
3.5 Die Grundschule als Lebensraum und Lernstätte
4. Demokratisches Lernen in der Grundschule
4.1 Demokratische Beteiligung
4.2 SchülerInnen erlernen Demokratie als handelndes Subjekt
4.3 Handlungsorientierter Unterricht – demokratisches, wie auch soziales Lernen
4.4 Handlungsorientierter Unterricht in der Praxis
5. Ergebnisse einer Umfrage zur politischen Bildung in der Grundschule aus dem Jahre 1983
5.1 Ziele und Inhalte der Sozialkunde in der Grundschule
5.2 Wie politisch ist die politische Bildung im Spiegel der LehrerInnenmeinung?
6. Auswertung der selbst durchgeführten LehrerInnenbefragung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Voraussetzungen für politische Bildung an Grundschulen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie demokratische Prinzipien und politisches Lernen bereits im Grundschulalter kindgemäß in den Schulalltag und Unterricht integriert werden können, um den Grundstein für mündiges gesellschaftliches Handeln zu legen.
- Theoretische Fundierung des Politikbegriffs für das Grundschulalter
- Analyse der Anforderungen des Rahmenplans Grundschule / Hessen
- Praktische Implementierung demokratischer Lernprozesse im Schulalltag
- Förderung von sozialem Lernen als Basis politischer Kompetenz
- Empirische Untersuchung der Einstellung von Lehrkräften zur politischen Bildung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Ist politische Bildung in der Grundschule überhaupt möglich?
Die Grundschule ist die erste Institution, die alle Kinder gleich durchlaufen, und so allen Kindern die gleiche politische Bildung vermitteln könnte. Doch inwieweit verfolgt die Schule dieses Ziel, bzw. inwieweit sind sich Lehrer dieser Tatsache bewußt? Was für Themen kann man Kindern zutrauen und welche sind ungeeignet?
Schon Kinder können sich ,,politisch" verhalten, doch was ,,das Politische" in ihren Augen ist, stimmt nur zum Teil mit dem erwachsenen Bild von Politik überein. Erwachsenen fallen in Bezug auf Politik sofort Themen wie Regierung, Wirtschaftspolitik, Finanzwesen, etc. ein. Doch die Vorstellung solcher Schwerpunkte mit den Schülern zu bearbeiten, scheint einfach unmöglich. Dennoch können Politik und Themen des Gemeinwesens durchaus Aufgaben für die Grundschule werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Ist politische Bildung in der Grundschule überhaupt möglich?: Diese Einleitung reflektiert die grundsätzliche Machbarkeit und Notwendigkeit politischer Bildung im Grundschulalter und wirft Fragen zur methodisch-didaktischen Umsetzung auf.
2. Was bedeutet der Begriff " Politik ": Das Kapitel differenziert den Politikbegriff durch die englischen Unterkategorien "polity", "policy" und "politics", um ihn für die Grundschule anwendbar zu machen.
3. Was fordert der Rahmenplan Grundschule / Hessen ?: Hier werden die Vorgaben und Erziehungsziele des hessischen Rahmenplans hinsichtlich ihrer Bedeutung für politische Lernprozesse und didaktische Grundsätze analysiert.
4. Demokratisches Lernen in der Grundschule: Der Abschnitt fokussiert auf konkrete Formen der Partizipation und des handlungsorientierten Unterrichts als gelebte Demokratie im Schulalltag.
5. Ergebnisse einer Umfrage zur politischen Bildung in der Grundschule aus dem Jahre 1983: Dieses Kapitel präsentiert die Daten einer empirischen Studie, die das Verständnis und die Praxis von Lehrkräften bezüglich der politischen Bildung untersucht.
6. Auswertung der selbst durchgeführten LehrerInnenbefragung: Eine Analyse der eigenen Umfrageergebnisse gibt Aufschluss darüber, wie befragte Lehrkräfte heute politische Bildung im Unterricht verorten und gewichten.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Grundschule, Demokratisches Lernen, Handlungsorientierter Unterricht, Soziales Lernen, Sachunterricht, Partizipation, Politikverständnis, Rahmenplan, Lehrerbefragung, Gemeinsame Lebensgestaltung, Mitbestimmung, SchülerInnen, Sozialkompetenz, Schulleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration politischer Bildung in den Grundschulalltag und untersucht, wie demokratische Grundstrukturen für Kinder in diesem Alter erlebbar gemacht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition politischer Lernbereiche, die Umsetzung von Demokratie im Schulalltag, die Rolle des handlungsorientierten Unterrichts sowie die Einstellung von Lehrkräften zu diesem Bildungsauftrag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass politische Bildung nicht als isoliertes Fach, sondern als fächerübergreifender und lebensweltlicher Prozess an der Grundschule stattfinden muss, um Mündigkeit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit didaktischen Konzepten und Vorgaben des Rahmenplans mit einer empirischen Auswertung durchgeführter Befragungen von Lehrkräften.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung des Politikbegriffs, die Analyse relevanter Lehrpläne sowie die detaillierte Darstellung demokratischer Beteiligungsformen im Unterricht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Demokratisches Lernen, Handlungsorientierung, Partizipation und die subjektive Lebenswirklichkeit der Grundschulkinder.
Wie bewerten die untersuchten Lehrkräfte die Bedeutung des Faches Sozialkunde?
Die Befragungen zeigen, dass Lehrkräfte den sozialkundlichen Bereich zwar als wichtig erachten, dabei jedoch eher ein Verständnis von „Mitmenschlichkeit“ und „Gemeinschaftskunde“ favorisieren, statt klassisch politikwissenschaftliche Inhalte zu fokussieren.
Welche Rolle spielt der handlungsorientierte Unterricht für die politische Bildung?
Er gilt als Plattform für interdisziplinäres Lernen, da er den Kindern durch Mitbestimmung und aktives Handeln ermöglicht, soziale Prozesse zu reflektieren und demokratische Spielregeln in der Praxis zu erproben.
- Quote paper
- Marjan Rosetz (Author), 2002, Politische Bildung in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9568