Bichsel, Peter - Die Tochter - Textbeschreibung #


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
4 Seiten

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Textbeschreibung

Die Tochter von Peter Bichsel

Markus Hediger

Die Kurzgeschichte"Die Tochter"von Peter Bichsel handelt vom Verhalten und den Gefühlen eines Ehepaares ihrer in der Stadt arbeitetenden Tochter gegenüber. Es werden ihre um die Tochter kreisenden Gedanken beschrieben, während sie am gedeckten Esstisch auf deren Ankunft warten. Die Handlung dieser Kurzgeschichte spielt in der Zeit der 50. Jahre. Plattenspieler sind modern,"In ihrem Zimmer hatte sie einen Plattenspieler,..." (Z .11) und der Vater bekommt seine Lohntüte vom Bürofräulein (vgl. Z. 14-15).Heute würde man von CDs und Überweisungen reden, aber trotz dieses zeitlichen Unterschiedes könnte die Geschichte auch heute noch passieren, mit veränderten äußeren Bedingungen.

Es ist ein für diese Zeit alltägliches Thema. Wie es für eine Kurzgeschichte üblich ist, sind Anfang und Schluss offen. Was vorher bzw. danach passiert/e, wird nur andeutend vermittelt, so dass man sich ganz auf das Geschehen konzentriert. Die Rahmenhandlung, wie schon erwähnt, beginnt mit den Eltern.

Sie sitzen, abgestuft in einer Hierarchie,"...,der Vater oben, die Mutter auf dem Stuhl nahe der Küchentür,..." (Z. 5-6),am Essenstisch. Monikas Platz ist leer, sie fehlt noch. In der beschriebenen Hierarchie steht sie aber ganz oben. Selbst der Vater, der als das Familienoberhaupt fungiert, bewundert ihren Lebensstil, was sie alles kann und das, was sie aus sich macht," Stenografieren kann sie auch, dachte er jetzt. Für uns wäre das zu schwer" (Z. 43-44).

Die Tochter selber nimmt nicht am Ablauf der Geschichte teil, sie wird lediglich durch Gedanken der Eltern beschrieben. Man bekommt den Eindruck einer eher konservativen, einfachen, nicht armen, nicht reichen, bescheidenen Familie, die durch die "Moderne" der Tochter äußerlich verändert wird, und für diese einfachen Leute ist diese Tochter, die so viel mehr hat als sie selber,"Sie war größer gewachsen als sie , sie war auch blonder und hatte die Haut, die feine Haut von Tante Maria " (Z. 7-9),etwas Aufregendes. So spektakulär, dass sie viel und stolz über sie reden, Vermutungen anstellen, was sie gerade tut in der Stadt, "Dann versuchten sie wenigstens, sich genau vorzustellen..." (Z. 23).

Weil die Tochter später nach Hause kommt, muss gewartet werden, der Tagesablauf verschiebt sich. Dies nehmen die Eltern in Kauf. Nicht Monika wartet auf die Eltern, nein, wenn sie nach Hause kommt, warten die Eltern schon mit Kaffee und Abendbrot auf sie. Sie muss sich nur setzen. In der Szene des Setzens werden die Eltern mit Monika auf eine Stufe gesetzt. Sie, das eher einfache kleinbürgerliche Ehepaar, sitzen mit der feinen Lady gemeinsamen am Tisch, und dies gefällt den Eltern,"Und dann stellten sie sich mehrmals vor in dieser Stunde, wie sie heimkommt, die Tasche und das Modejournal unter dem Arm, ihr Parfum; stellten sich vor, wie sie sich an ihren Platz setzt, wie sie dann zusammen essen würden" (Z. 27-29).Aber die Eltern bleiben so, wie sie sind, finden es zwar entzückend, wie vornehm sich ihre Tochter gibt,"...sie aßeine Kleinigkeit, wie sie sagte, in einem Tearoom. Sie war dann ein Fräulein" (Z. 18-19)und was sie alles beherrscht, ihren Job, für die damalige Zeit etwas sehr hoch Angesehenes, aber sie verändern sich nicht. Früher wurden die "normalen" Frauen Hausmädchen oder Hausfrau, einen Bürojob in einer Firma in der Stadt zu haben, war etwas Besonderes, ein Teil Emanzipation. Wenn ihre Tochter in einiger Zeit für immer aus dem Haus verschwände, würde es wieder sein, wie zu der Zeit, als Monika noch nicht in der Stadt arbeitete," Bald wird sie sich in der Stadt ein Zimmer nehmen, das wussten sie, und dass sie dann wieder um halb sieben essen würden,..." (Z. 30-31). Es ist also nicht so, dass die Eltern sich aus ihrem normalen Leben herausrütteln ließen oder in irgendeiner Weise veränderten, nein, sie bleiben die Alten.

Sie sind zwar stolz auf ihre Tochter und freuen sich, dass sie es zu etwas gebracht hat, aber das Einzige, was sich bei ihnen verändert, ist nur ein kleiner Teil des Umfeldes,"Auf dem Schrank stand eine Vase aus blauem schwedischen Glas, eine Vase aus der Stadt, ein Geschenkvorschlag aus dem Modejournal" (Z. 33-35). Ja, wären die Eltern aufgerüttelt oder empört, so würden sie sicherlich auch dementsprechend reagieren, doch dies tun sie nicht, was zeigt, dass sie das Verhalten ihrer Tochter tolerieren. Denn alle schlechten Angewohnheiten Monikas, wie z.B. das Rauchen,"Andere Mädchen rauchen auch, sagte die Mutter" (Z. 38)werden verdeckt oder nicht wahrgenommen, um das makellose Antlitz der Tochter nicht zu beflecken.

Die Tochter Monika ist eine junge Frau, die in der Stadt als Bürofräulein arbeitet. Sie hat von ihren Eltern nicht viel übernommen, nicht ihre Werte und Ansichten, und benimmt sich auch dementsprechend anders, z.B. kauft sie für ihre Eltern Geschenkvorschläge aus ihrem Modemagazin, damals etwas völlig Neues. Es ist sehr einfach, man könnte denken, dass sie einfach einen Blick in das Magazin wirft, blind tippt und den Eltern dann irgendetwas schenkt. Ich denke aber, dass sie eher so fasziniert von all diesem Neuen ist, das es einfach dazugehört den Eltern einen Teil ihres Stils Nahezubringen. Und dies gefällt den Eltern, sie freuen sich über das Geschenk" ...eine Vase aus blauem schwedischen Glas, eine Vase aus der Stadt ..(Z. 33-34).Sie selbst bestellt sich aus diesem Katalog auch eine Menge Accessoires, Parfum, einen Hocker aus marokkanischem Leder usw. .Sie bleibt nicht so einfach und bescheiden wie die Eltern, genießt ihr neues Leben, ihren "Stil" -" Sie war dann ein Fräulein, das in Tearooms lächelnd Zigaretten raucht" (Z. 19-20.). Wenn die Eltern sie ungewollt aufdringlich danach fragen, ob sie nicht etwas auf französisch sagen könne oder Neuigkeiten aus dem Leben, der Stadt,"Kürzlich hatte er Monika gebeten Sie wusste aber nichts zu sagen" (Z. 41-42;43)dann blockt sie, meiner Meinung nach peinlich berührt, ab. Ich kann mir auch vorstellen, dass sie es als ein wenig störend und überdreht empfindet, wie informationsgierig die Eltern Dinge aus ihrem Leben erfahren möchten, mehr über "Die Tochter", um neuen Gesprächsstoff zu haben, um weitere, bewundernde Vermutungen anstellen zu können. Aber ich denke auch, dass die Eltern dies ganz unbewusst tun. Sie sind wie sie sind, im Grunde liebevoll und auf Monika stolz, nicht negativ, eher zeigen sie Elternliebe, indem sie sie bewundern, und abends auf sie warten(vgl. Z. 1). Ich denke mir, dass der Titel "Die Tochter" auf das schon ein wenig verlorengegangene Verhältnis zwischen Eltern und Tochter eingeht. Würde es "Ihre Tochter" heißen, könnte man sagen, das Verhältnis sei gut, Familienzusammenhalt. So ist es aber nur "Die Tochter", nicht einmal ein wenig Zugehörigkeit zu den Eltern wird damit vermittelt. Immer, wenn über die Tochter geschrieben wird, sind es lange, verschachtelte Sätze( vgl. Z. 31-33),wenn die Eltern sprechen, ist die Sprache einfach und monoton. Dies zeigt den "Klassenunterschied" der beiden Typformen. Der Autor schreibt zeitlich im Präteritum, benutzt den autorialen Erzähler (Im Gegensatz zum allwissenden Erzähler gibt er lediglich die Umstände wieder, ohne näher darauf einzugehen). Auch wird die Sprache dazu verwendet, um das Verhältnis zwischen den Eltern und der Tochter zu beschreiben"Die Bahnverbindungen sind schlecht" (Z. 1-2).Die Tochter ist zwar ein wenig ausführlicher beschrieben als die Eltern, es sind aber alles Typen, keine Charaktere. Begründend steht dafür, das sie keine Entwicklung durchmachen, sondern nur über sie erzählt wird, von einem unveränderten Zeitpunkt aus.

Ich selbst habe eigentlich keine Spannung empfunden. Es ist eine recht einfach geschriebene Geschichte, kein Roman in dem Sinne, dass man sich in die Personen hineinversetzen könnte, als Leser der nicht aus dieser Zeit stammt. Für Leute, die die selbe oder eine ähnliche Situation schon miterlebt haben, wird es sicherlich anders sein, aber ich kann es nicht. Ich finde die Geschichte gut geschrieben, vor allem der schon erwähnte Wechsel zwischen der unterordneten Schreibweise bei der Tochter und den nebengeordneten Sätzen bei den Eltern lassen gut auf deren Unterschiede (verhalten) schließen. Allerdings gibt es sicherlich viele verschiedene Sichtweisen, jemand anders aus einer anderen Zeit wird vielleicht viel mehr eigene Emotionen einfließen lassen. Denn je andeutender die Geschichte, desto mehr gibt es zu interpretieren. Bemerkenswert und zu erwähnen ist aber auch das vermittelte Gefühl. Nachdem ich die Geschichte gelesen hatte und darüber nachdachte, konnte ich mich mit den Problemen der damaligen Zeit und dem "Klondicke-Denken" (Aufbruchsstimmung) der jungen Generation, die ihren Höhepunkt in den 70. Jahren fand, gut auseinandersetzen.

© Markus Hediger # Made in Baden-Württemberg 10 ClaSS "MöckMühL"

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Bichsel, Peter - Die Tochter - Textbeschreibung #
Autor
Jahr
1999
Seiten
4
Katalognummer
V95720
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurzreferat, 4 Seiten
Schlagworte
Bichsel, Peter, Tochter, Textbeschreibung
Arbeit zitieren
Markus Hediger (Autor), 1999, Bichsel, Peter - Die Tochter - Textbeschreibung #, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95720

Kommentare

  • Gast am 6.10.2000

    Beeindruckend!!.

    Finde diese Analyse äußerst gelungen!!
    Musste mich mit dem Text auch in Deutsch auseinandersetzten und habe das nicht so beeindruckend geschafft!!
    Mein Respekt!!
    Franziska

  • Gast am 16.11.2000

    Danke Markus!!!!!.

    Danke Markus!!!!!!!!!!!

  • Gast am 27.1.2001

    Thema verfehlt!!!.

    Thema eindeutig verfehlt!!!

  • Gast am 6.3.2001

    ist echt gut!!!!.

    dein Text hat mir wirklich geholfen wäre nett wenn wir mal kontakt haben würden!!!!!

  • Gast am 27.4.2001

    Bichsel Die Tochter.

    Ich finde den Text den markus gescrieben hat viel zu lang dann hätte er direkt die ganze geschichte aufschreiben können aber es sagt sehr viel aus

  • Gast am 16.5.2001

    Du hast mich gerettet!!!.

    du hast das wirklich super gemacht!!!
    du hast mich gerettet, ohne deine interpretation hätte ich meine prüfung vergessen können.
    vielen dank nochmal!!!
    bye

  • Gast am 20.8.2001

    die tochter.

    klasse!!!

  • Gast am 23.10.2001

    Die Tochter.

    Du hast mein Leben gerettet

  • Gast am 12.1.2002

    wat nu?.

    danke..erstmal hast mir geholfen.. nur was ist was bei deine interpretation!?

  • Gast am 22.3.2002

    Günny.

    au weia!
    ps.: Was soll ein Dingsymbol sein?

  • Gast am 17.4.2002

    Egal.

    Danke das du mein Leben gerettet hast. Ist echt supi !!!!!

  • Gast am 18.4.2002

    hallo.

    alles in ordnung!

  • Gast am 23.4.2002

    die tochter.

    Das häte ich auch geschafft!!!!!!

  • Gast am 26.8.2002

    HI.

    Hi ich hab die kurzgeschichte gerade im deutschunterricht und weiß nicht was der verfasser mit dieser geschichte ausdrücken Will!!

  • Gast am 12.9.2002

    Genial!.

    Also echt ganz großes DankeSchön!
    Ich hätte das nie so hingekrieg. Wo ich doch in Deutsch nicht so gut bin.

  • Gast am 1.10.2002

    Alle Achtung.

    Das ist momentan die beste Interpretation, die ich zu dieser Kurzgeschichte gelesen habe!!
    Respekt und danke an den Autor!!!!

  • Gast am 22.10.2002

    Die Tochter.

    Die Kurzgeschichte die tochter ist sehr lamgweilig und da wir sie schon ein paar mal in der schule gelesen haben können wir sie nicht mehr hören sie ist auch sehr kompkliziert zu verstehen
    MFG Uschi

  • Gast am 1.4.2003

    naja.

    Also ich finde das es eigentlich ganz gut gemachjt ist aber es entspricht nicht dem Muster das ich in der schule gelernt habe.
    Du gehst viel zu wenig auf die rhetorischen Mittel ein. Die Analyse der sprachlichen und inhaltlichen Mittel sollte normalerweise auch nicht in der Inhaltsangabe stehen.
    Noch ein Kritikpunkt ist, das du nicht auf die Intention eingegangen bist.

    Cya M4$t4ch34t4

  • Gast am 9.12.2004

    Die Tochter.

    Hallo,
    Ich schreibe morgen eine Interpretation über diesen Text. Deine Inhaltsangabe hast du außerordentlich gut gemeistert, finde ich.

    Drückt mir die Daumen!

    Liebe Grüße,
    Cu In Hell

  • Gast am 5.5.2008

    die tochter.

    ich finde die stellungnahme zur überschrift glungen. ich glaube aber, dass die tochter wegen der fragen der eltern nicht peinlich berührt ist, sondern sich durch die übertriebene bewunderung bedrängt fühlt und deswegen blockt

  • Gast am 28.9.2008

    zu "Die Tochter".

    "Die Tochter" von Peter Bichsel ist keine Kurzgeschichte. Wir behandeln diesen Text momentan in der Schule. Es ist ein Prosatext.
    Es geht um das Loslassen der Eltern von der Tochter, und um Kommunikationsprobleme, schwerwiegend bei Altersunterschied und sozialem Unterschied.
    Die Eltern sind einfache Leute, nicht besonders intelligent, nicht gebildet. Sie bewundern die Tochter (sie kann stenographieren, spricht französisch), fürchten jedoch zugleich, sie zu verlieren. Irene(die Tochter)antwortet nicht auf die Fragen/Bitten der Eltern (z.B.: "sag mal was auf französisch"), weil sie erwachsen ist, und die Eltern fragen stellen, als wären sie Kinder, oder weil sie einfach keine Lust hat zu antworten.
    Ihre Tochter führt ein modernes, urbanes Leben, was den Eltern fremd ist. Sie können lediglich versuchen, sich das Leben ihrer Tochter vorzustellen...

  • Gast am 2.11.2008

    die tochter.

    du hast mir nicht geholfen weil das zu lang und kompliezirt war aber trozdem danke.

  • Gast am 13.11.2008

    zu die tochter.

    es ist eine kurzgeschichte natürlich es hat alle merkmale einer kurzgeschichte. der vortrag hier ist teilweise gelungen teilweise auch nicht also meine lehrerin hätte da bestimmt haufenweise fehler gefunden jedenfalls hat sich die mühe bestimmt gelohnt weiter so

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