Andersch, Alfred - Vater eines Mörders - Gebhard Himmler - ein Mann wie er im Buche steht


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
5 Seiten, Note: 1-

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Gliederung

A, Direktor Gebhard Himmler leitet das Wittelsbacher Gymnasium in München

B, Der Rex inspiziert die Untertertia und übernimmt die Unterrichtsstunde, wobei seine autoritäre Machtentfaltung deutlich wird
I Allgemeine Charaktereigenschaften des Oberstudiendirektors
1. Äußerlichkeiten: Kleidung und Gestalt
2. Er kennt seine Schüler und alle deren Noten
3. Umgang mit seiner Machtposition als Schulleiter
a) er nützt seine Macht aus
b) er trägt seine Macht zur Schau
4. Er liebt seinen Beruf
5. Schulisch Grundsätze
6. Militärische bzw. politische Einstellung
II Spezielles Verhalten in Zwiegesprächen
1. mit Konrad von Greiff
2. mit Franz Kein
III Bedingen sich Gebhard Himmler und Heinrich Himmler?

C, Eine derartige Schulgeschichte könnte heute so nicht mehr passieren Gesamtbild des Rex

Der Direktor Gebhard Himmler des Wittelsbacher Gymnasiums in München von 1928 ist in der authentischen Erzählung ,,Der Vater eines Mörders" von Alfred Andersch eine Hauptperson, an der die autoritäre Schulwirklichkeit von deutlich gemacht werden kann. Alfred Andersch beschreibt seine eigenen Schulerfahrungen als Schüler Franz Kein anhand einer Geschichtsstunde der besonderen Art.

Zu Beginn einer Geschichtsstunde kommt der Rex in die Untertertia B, um die Klasse zu inspizieren. Nach kurzer Zeit übernimmt er die Stunde und stempelt den Klassenlehrer zu einer Randfigur ab. ,,Keinen Zweifel mehr konnte es in diesem Augenblick geben, daß der Rex die Stunde übernommen hatte. Kandlbinder würde von nun an nur noch eine Randfigur sein"(S.30).

Gebhard Himmler ,,ist wirklich ein Rex"(S.17) wegen seiner beeindruckenden Gestalt und nicht nur weil alle Oberstudiendirektoren ,Rex` genannt werden. Er hat ,,dünnes weißes Haar"(S.48) und ist circa sechzig Jahre alt. Während dieser Stunde trägt er ,,einen dünnen hellgrauen Anzug, seine Jacke war aufgeknöpft," und ,,unter ihr wölbte sich ein weißes Hemd über seinem Bauch".(beide S.13) Er hat eine ,,Brille mit dünnem Goldrand, hinter der blaue Augen scharf beobachteten". (S.16)

Der ,,hohe Herr"(S.34) weiß überraschenderweise über alle Schüler, auch über diejenigen, die er nicht unterrichtet, sehr gut Bescheid. Der Rex, ,,der es sichtlich genoß, wie die Klasse darüber staunte, daß er den Greiff |, einen Schüler,| so durch und durch kannte"(S.44), legte es sogar darauf an, dass die Schüler erfahren, dass er die Noten, Namen und Familienverhältnisse kennt. ,,Er demonstriert damit vor der Klasse, daß er über die Leistungen des Schülers Franz Kein genauso im Bilde war wie über diejenigen von Konrad Greiff."(S.74) Auch als der Rex Franz Kien auf der Schülertoilette antraf, sprach er ihn mit seinem Namen an, obwohl er vorher noch nie etwas mit ihm zu tun hatte. (S.113)

Der Rex nützt seine Vormachtstellung als Direktor der Schule aus, weil er sowohl dem Konrad aus niederen Beweggründen gleich eine Stunde Arrest verpasst, als auch dem Klassenlehrer seine Beaufsichtigung aufhalst. Für ihn ist es selbstverständlich, dass der Lehrer die Aufsicht übernimmt, weil er selbstüberzeugt erklärt: ,,Tut mir Leid, Herr Kandlbinder, daß ich ihnen den Nachmittag verderben muß".(S.43) Kandlbinder muss deshalb für die Frechheit v.Greiffs gegenüber dem Rex büßen.

Dass der ,,alte Himmler" ein Gefühl der Macht braucht, ist ihm sehr deutlich anzumerken. Er gibt sich selbst ein Gefühl der Verfügungsgewalt, indem er die Klassen und die Schule beispielsweise mit ,,meine Untertertia"(S.56) und ,meine Schule` bezeichnet. Auch das Streitgespräch mit Konrad von Greiff könnte viel früher enden, wenn er nicht, nachdem er die Situation schon beherrscht, immer noch weitermachen würde, ihm seine Macht demonstrieren zu wollen. Es ist ,,eigentlich unnötig, dass er immer noch weiter quasselt...". (S.47) Man merkt, dass er eine große Liebe zu seinen Fächern und ein großes Interesse für ,,eine Schallplatte mit der Stimme des Sokrates"(S.35) hat. ,,Aber zunächst kehrte erbloß den Kenner heraus, den Gelehrten, der aus Liebhaberei in der Abiturklasse den Unterricht in Geschichte gab, obwohl er, - als Rektor der Schule- , nicht verpflichtet war, zu unterrichten."(S.49)

Seine Grundsätze im Schulleben sind, dass kein Schüler widerspricht, dass man Lehrer nicht mit Namen anspricht, dass man keine politischen Abzeichen in der Schule trägt und dass es einfacher ist, den Schulstoff auswendig zu lernen. Deutlich werden diese Regeln und deren strikte Einhaltung in den Szenen, als sich von Greiff wehrt, ,,weil es das auf der Schule einfach nicht gibt, daß ein Schüler seinem Lehrer, -und noch dazu dem Rex!- , widerspricht"(S.52), als von Greiff den Rex anspricht, denn er hat ,,die erste aller Schulregeln mißachtet, Lehrer hatten keine Namen, sie hatten Titel"(S.54), als er den Hugo Aletter dazu auffordert, sein selbstgebasteltes Hakenkreuzsymbol abzunehmen(S.66ff) und auch als er Franz Kein den Rat gibt, den Schulstoff auswendig zu lernen. (S.111) Gebhard Himmler gehört der Bayerischen Volkspartei an und ist damit ,,schwarz bis auf die Knochen". (S.60) Da er kein Antisemit ist -,,er findet nichts dabei, mit Juden zu verkehren..." (S.61)- hat sein Sohn, Heinrich Himmler, die Beziehung mit ihm abgebrochen. Obwohl oder gerade deswegen, weil Politik in seiner Familie eine große Rolle spielt, duldet er an seiner Schule, wie oben bereits erwähnt, keine politischen Abzeichen. Er wünscht sich, dass ,,das Reich bald wieder stark genug" (S.46) ist, sodass die Schüler wieder Disziplin lernen. Als geschichtlicher Hintergrund ist zu erwähnen, dass diese Schulgeschichte während der Weimarer Republik spielt.

Wenn man die Prüfungen von Franz Kien und von Konrad Greiff näher betrachtet, so stößt man darauf, dass der Rex geplante Gesten benutzt, um eine größere Wirkung zu erreichen. Angeberisch erscheint beispielsweise sein Vortrag über die Herkunft des Namens ,,von Greiff", der in der Situation nur eine zweitklassige Bedeutung hat und somit dem Direktor nur zum Prahlen mit seinem Wissen dient. Ein unsachliches Benehmen ist ihm auch vorzuwerfen, als er die Unverfrorenheit besitzt, Konrad persönlich anzugreifen und sogar noch dessen Familie mit in das Zwiegespräch hineinzieht. Er versucht, ,,den Gemütlichen darzustellen" (S.50) und bewahrt Ruhe, um zu zeigen, dass er sich während des Wortgefechts als

Überlegener fühlt. Äußerst kindisch finde ich ihn, als er mit seinen Vorfahren ,,aufzutrumpfen"(S.52) versucht. Sein Konter ,,Wir Himmlers sind viel älter" sagt überhaupt nichts aus und die anschließende schlagfertige Antwort ,,Gratuliere!" (beide S.53) von Konrad löst im Direktor einen versteckten Zorn aus. Gegen Schluss des Gesprächs sieht man noch die Hinterlist, die Gebhard Himmler anwendet, indem er versucht ihn psychisch fertig zu machen. Er bezweckt mit folgendem Satz, dass von Greiff glaubt, auch seine Familie würde nicht mehr zu ihm halten: ,,Ich werde deinem Vater schreiben und ihn bitten, dich von dieser Schule zu nehmen."(S.55)

Die Prüfung Kiens läuft völlig anders ab: einerseits gibt er ihm immer wieder Hilfestellungen ,,als er bemerkte, dass Franz unfähig war, den Einstieg in den Satz zu finden, ließ er sich herbei, ihm eine Hilfe zu geben"(S.79) und andererseits macht er ihn immer nieder, um sich zu beweisen. Man könnte behaupten, dass der Rex die Schüler daraufhin prüft, ob sie zur Unterordnung und zur Anpassung bereit sind und nicht nur auf deren Griechisch-Kenntnisse, was sich damit belegen lässt, dass genau die beiden, die Widerstand leisten, später vom Schulbetrieb ausgeschlossen werden.

Der Rektor erkundigt sich, was Franz später werden wolle. Was bezweckt er damit? Versucht er Franz zur Leistung zu animieren, indem er erklärt, dass das Fach Griechisch wichtig für seinen Traumberuf sei, oder folgt er dem humanistischem Ziel, die Schüler universell zu bilden? Verhält er sich menschlich oder ist er der ,sture Schulmann`?Auch in diesem Gespräch wendet er einen psychologischen Trick an: Er schließt Franz aus der Gemeinschaft der Klasse aus, um ihm einen Halt zu nehmen: ,,Du, sagte er, und in der Art, wie er dieses >du< akzentuierte, lag unverkennbar die Absicht, Franz schon jetzt aus der Klasse, aus der Gemeinschaft seiner Mitschüler auszuschließen."(S.88)

Auf die Frage, ob aus einem solchen Vater ein Massenvernichter wie Heinrich Himmler hervorgehen musste, kann man verschieden antworten, weil es wohl am Leser und seiner Weltansicht liegt, wie er sich entscheidet. In Bezug auf die Familie und die Erziehung gibt es bestimmt die Möglichkeit das autoritäre Klima, das bei den Himmlers zu Hause herrschen muss, in den Vordergrund zu stellen. Man kann sich vorstellen, dass sich ein Heinrich Himmler durch die Autorität seines Vaters keine echte eigene Meinung bilden konnte und durfte. Dass ein menschliches Wesen diesem Druck nicht ewig standhalten kann, ist klar, aber das dieses ein Ausmaß von dieser Targweite mit sich ziehen muss, ist stark in Frage zu stellen. Als Gegenpunkt muss gesagt werden, dass man sich ab einem gewissen Alter eine klare eigene Meinung anlegt. Außerdem hat sich H.Himmler schon länger von seinen Eltern getrennt und hat dadurch eine eigene Verantwortung für sich selbst. Er hat bestimmt nach dieser Zeit eine eigene Entwicklung durchgemacht und deshalb sind die Taten Heinrich Himmlers während des Dritten Reiches nicht durch eine zu strenge Erziehung zu entschuldigen.

Auch die politische Lage war entscheidend und die sehe ich als Hauptgrund, denn ich denke, dass er sich lieber an die Wünsche und Ziele Hitlers hielt.

Man mag es vielleicht auch als Schicksal, als Vorbestimmung, sehen, die man nicht ändern kann, aber das wäre eben die angesprochene, persönliche Weltsicht. Ich selbst denke, dass man sich nicht nur nach der Erziehung richtet, sondern für mich sind eher die gesellschaftlichen Verhältnisse entscheidend. Er hat getan, was Adolf Hitler wollte und hatte dazu bestimmt auch selbst schlechte Absichten. Mit einer Verschiebung der Schuld wäre die Problematik zu einfach abgehandelt. Somit komme ich zu dem Entschluss, dass es einzig und allein seine eigene Schuld war.

Heutzutage ist eine Stundenhandlung wie diese wohl nicht mehr vorstellbar, zumal es schon anzuzweifeln ist, dass es zur damaligen Zeit möglich war, einen Schüler - als Rektor- willkürlich zu entlassen. Als Gesamtbild des Rex steht ein intelligenter Mann, der selbst sehr streng erzogen wurde und seine Erziehung so weiter geben möchte. Er scheint vom Leben geprägt zu sein.

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Details

Titel
Andersch, Alfred - Vater eines Mörders - Gebhard Himmler - ein Mann wie er im Buche steht
Note
1-
Autor
Jahr
1999
Seiten
5
Katalognummer
V95727
Dateigröße
365 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ja, ich würde mich natürlich auch freuen, wenn mir jemand kurz Bescheid gibt, wenn er Teile aus meinem Aufsatz verwendet. Wenn Ihr nicht zu denen gehört, die sich erst am letzten Tag auf ihre Arbeiten vorbereiten, dann kann ich auf Wunsch noch die Verbesserungsvorschläge der Lehrerin verschicken.
Schlagworte
Andersch, Alfred, Vater, Mörders, Gebhard, Himmler, Mann, Buche
Arbeit zitieren
Andreas Steigerwald (Autor), 1999, Andersch, Alfred - Vater eines Mörders - Gebhard Himmler - ein Mann wie er im Buche steht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95727

Kommentare

  • Gast am 22.9.2001

    Geschichtsstunde?.

    Es war eine Grieschichstunde!!!

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