Sophokles - Antigone - Analysieren Sie das Gespräch Kreon-Haimon und werten Sie die Haltung der beiden Protagonisten!


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
6 Seiten, Note: 1

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Gliederung:

1. Einordnung des Gesprächs in das Drama ,,Antigone"
1.1. Angaben zu Sophokles und seinem Drama
1.2. Demokratie und Götterglaube im antiken Griechenland

2. Inhalt
2.1. Kurze Inhaltswiedergabe des Dramas ,,Antigone"
2.2. Zeit- und Handlungseinordnung des Gesprächs
2.3. Inhalt des Gesprächs

3. Analyse des Gesprächs
3.1. Aufbau und auffällige sprachliche Mittel mit deren Wirkung
3.2. Haltung und Wendung der Protagonisten im Gespräch
3.2.1. Haimon als Vertreter des Volkes
3.2.2. Kreon - Der Mann der die Gesetze macht
3.3. Wertung der gegensätzlichen Attitüden
3.4. Absicht des Sophokles - Hochmut kommt vor dem Fall !!!
3.5. Aktualität des Themas

4. Kurze Zusammenfassung

Neben ,,König Ödipus" ist ,,Antigone" die wohl berühmteste Tragödie des griechischen Dramatikers Sophokles, der in der Polis Athen von 496 bis 406 vor Christi lebte. Groß angelegte Wesenszüge, entschlossenes Handeln und Unbedingtheit ohne Kompromisse, dadurch sind Sophokles` Tragödiengestalten gekennzeichnet. Sein Theaterstück ,,Antigone" wurde 442 vor Christi in seiner Heimatstadt Athen aufgeführt und schildert darin die Verhältnisse in der damals führenden ökonomischen und politischen Macht Griechenlands: Athen.

Perikles, der als führender Demokrat dieser Zeit gilt, schaffte eine Volksversammlung, die Ekklesia, und Wirtschaft sowie Kultur kamen unter ihm zur Blüte. Doch waren Frauen im antiken Athen politisch machtlos, was Sophokles lobenswert in seinen Werken kritisiert.

Zeus, Eros, Ares, Hades: Götter des antiken Griechenlands, ein zweites Merkmal der damaligen Zeit. Es gab und gibt nahezu Götter für alles. Man verehrt, feiert und fürchtet sie in Griechenland.

Sophokles nun stellt in ,,Antigone" Probleme an der antiken griechischen Demokratie, die damals als fortschrittlich galt, im Gegensatz zur heutigen jedoch massive Lücken aufweist, und Konflikte im Götterglaube dar. Als markante Hauptszene im Werk ist das Gespräch Kreons, dem Herrscher von Theben, mit seinem Sohn Haimon, dem Verlobten der Antigone, Kreons Nichte, zu sehen.

Zugrunde liegt dem Drama der Erlaß Kreons, der es den Bewohnern von Theben bei Todesstrafe verbietet, den vor ihren Toren im Kampf gegen sie gefallenen Polyneikes zu bestatten. Polyneikes Bruder, Eteokles, der im Zweikampf ebenfalls gestorben ist, soll jedoch eine feierliche Beerdigung erhalten, weil er Theben verteidigt hat. Es entsteht ein Konflikt, weil Polyneikes der Bruder der Antigone war und diese ihn entgegen dem Gesetz bestattet. Diese Nachricht erhält Kreon und läßt Antigone zu sich rufen, damit sie die Konsequenzen ihrer Tat trägt: Kreon will Antigone nach seinem Gesetz in Dunkelhaft stecken, bis sie dort den Hungertod stirbt. Diese Nachricht gelangt nun auch zu Haimon, der ab Vers 635 bis 765 seinen Vater Kreon mit seinen Gedanken konfrontiert:

Als Haimon auftritt, wird er von Kreon gefragt, ob er zu seiner Verlobten Antigone oder zu seinem Vater, dem Herrscher von Theben, steht. Der ruhige Haimon versichert ihm, auf Seiten des Vaters zu sein. Kreon macht nun in einer längeren Rede seinen

Standpunkt erneut klar. Nach Kreon sollen Kinder dem Vater gehorchen und darum sei es für Haimon besser, von Antigone, dem ,,dem schlimmen Eheweib im Haus" (Z. 651), abzulassen. Sein Todesurteil begründet er damit, daß er beim Volk und vor allem bei der Verwandtschaft seine Autorität bewahren muß. Zuchtlosigkeit und Untreue gegenüber dem Herrscher sind seiner Meinung nach das Verwerflichste.

Nun beginnt Haimon eine Rede, wobei er zuerst seine Treue gegenüber seinem Vater bekundet um ihm dann zu sagen, wie das Volk über das erlassene Gesetz denkt. Er rät seinem Vater, ,,nicht nur die eigene Denkart gelten" zu lassen. Auch der Kluge könne, so Haimon, noch dazulernen und Fehler zugeben. Somit ist Gesetze zu ändern keine Schande.

Nachdem der Chor Haimons sowie Kreons Worte lobt, beginnt das Streitgespräch, die Stychomythie zwischen den beiden. Dabei zeigt sich Haimon um seien Vater besorgt, der gegen sein Volk herrscht. Der Disput der beiden eskaliert und Kreon droht, Antigone vor den Augen Haimons sterben zu lassen, woraufhin dieser seinem Vater droht, ihn für immer zu verlassen. Das Gespräch endet damit, daß Haimon wegrennt.

Haimon hat in diesem Streitgespräch ungefähr den gleichen Redeanteil wie sein Vater. Jeder hält am Anfang eine etwas längere Rede, um den Sachverhalt aus seiner Sicht zu beurteilen und darzulegen. Kreon verwendet dabei und im Verlauf des Disputs viele Imperative, um seiner Wut über Haimons Kritik an seinem Gesetz Ausdruck zu verleihen: ,,Regierungslosigkeit ist doch das Übelste!", ,,O schmutziges Wesen, einem Weibe untertan!", ,,Bald büßt du dein Belehren, Unbelehrbarer!". Kreon will seinem Sohn das Dogma aufdrücken, daß er allein der Herrscher sei und alle Polisbewohner seine Gesetze akzeptieren und nicht bezweifeln sollen, ,,ob's klein scheint, ob gerecht, ob nicht so ganz gerecht" (Z. 667).

Haimon dagegen spricht ruhig, gelassen und vernünftig. Seine Imperative sind sachliche, klare Forderungen und guter Rat an seinen Vater: ,,O hege doch in dir nicht die Sinnesart, daß einzig das, was du sagst, recht ist, andres nicht!", ,,Ach laß doch nach im Zorn, gewähre Widerruf!", ,,Meine Sorge gilt ja dir!". Haimon will ja nicht seines Vaters Autorität in Frage stellen, er will ihn nur vor einem zu schweren Urteil und seiner Hybris, dem Frevelmut der Selbstüberschätzung, bewahren. Diese Aufforderungen sollen den Vater ermutigen, den Fehler zuzugeben und sein Todesurteil aufzuheben.

Auch fällt auf, wie der Vater seinen Sohn im Verlauf des Gesprächs anredet: ,,mein Sohn", ,,dieser Mann", ,,er", ,,Nichtswürdger", ,,O schmutziges Wesen", ,,Frechling", ,,Unbelehrbarer", ,,Sklavisch dem Weib Verfallner". Kreon beginnt mit einer lieben Anrede. Später ist Haimon für ihn nur noch ein Mann, dann spricht er ihn in der dritten Person an und es folgen üble Beleidigungen.

Kreon denkt, er sei der, der im Recht ist und er müsse es seinem Sohn unbedingt klarmachen, da dieser erstens noch jung und unerfahren ist, Kreon sich also nicht von einem ,,Frechling" belehren läßt, und zweitens meint er, Haimon sei blind vor Liebe und widerspricht seinem Vater aus Leidenschaft zu einem ,,Weib", was unvertretbar wäre.

Kreon argumentiert also autoritär und mit Bezug auf juristische Grundsätze. Er rechtfertigt sich nur mit der Vormachtstellung des Mannes und seinem Plus an Lebensjahren und -erfahrung seinem Sohn gegenüber: ,,Uns also, reif an Jahren, gäbe dieser Mann, noch unreif, gute Lehren im Vernunftgebrauch?" (Z. 727), ,,Denn heißt es weichen, dann doch lieber einem Mann, als das man von uns sagt, wir gäben Weibern nach." (Z.679).

Haimon dagegen hält sich an allgemeine Grundsätze und begründet seine Forderungen korrekt: ,,Bin ich jung - nicht auf die Jahre, sondern auf die Leistung kommt es an!", ,,...daß sie, die es doch weniger verdient, als je ein Weib, für schönste Ruhmestat am schlimmsten enden soll?". Er wendet sich an den Verstand seines Vaters und zeigt ihm sein Mitleid.

Haimon spricht auch in poetisch - emotionalen Metaphern zu seinem Vater:

,,Du siehst am Bergstrom, den Gewitter schwellen l äß t, den Baum, der nachgibt - schau, er rettet sein Gezweig! Der starr sich stemmt, den reißt`s entwurzelt fort ins

Nichts!".

Selbst ein großer, starker, mächtiger Baum gibt dem Gewitter nach, damit er sein schönes Ansehen behält und nicht umgeworfen wird. Haimon meint, sein Vater solle sich so natürlich wie der Baum verhalten, denn dann werden die Götter ihn in Ruhe lassen. Wenn er sich diesen aber widersetzt, so wird großes Unheil über ihn kommen, nämlich sein Untergang. Dadurch wird auch deutlich, daß er das Gesetz der Götter dem eigenen Rechtsanspruch unterwerfen will.

Haimon meint also, man sollte vernünftig, gut überdacht, und vor allem dem Volk zum Vorteil herrschen, was auch in seiner Aussage ,,Im Ödland wärst du passend als Alleinregent." (Z.739) zum Ausdruck kommt. In der Wüste also, wo Kreon auf keinen anderen Rücksicht nehmen müßte, kann er allein regieren. Eigene Interessen sollte man nicht mit aller Gewalt durchsetzen, eher sollte man als Regent fähig sein, von anderen, die einen beraten, zu lernen und deren Hilfe anzunehmen. Da Kreon nur seine Meinung gelten läßt, sagt Haimon treffend: ,,Du willst nur reden, gar nicht reden lassen." (Z. 751). Kreon will dagegen fast fanatisch seine Prinzipien durchsetzen. ,,Soll ich für sonstwen Landesfürst sein, als für mich?" fragt er. Kreon ist ein unbedingter Verfechter des

Staatsinteresses, und er meint, als Herrscher von Theben macht er die Gesetze, und jeder hat sie zu befolgen. Er hört nicht auf seines Sohnes Rat, im Gegenteil, er will ihm sogar noch eine der schlimmsten Strafen zufügen, nämlich seine Geliebte sterben zu sehen.

Aus dieser gegensätzlichen Argumentation läßt sich erkennen, daß Vater und Sohn zwei verschiedene Persönlichkeiten sind und es so zum Konflikt kommen muß, der für Haimon schließlich unlösbar wird und im Selbstmord endet.

Durch dieses Gespräch lassen sich die beiden Protagonisten recht gut charakterisieren: Kreon, der Tyrann in Theben , ist gekennzeichnet von der Hybris, der frevelhaften Selbstüberschätzung. Diese Eigenschaft gehört absolut nicht zu einem Regent, der sollte nämlich vernünftig und verantwortungsvoll sein Volk regieren und seine Gesetze gut überdenken. Ich denke, Haimon wäre der richtige Herrscher in Theben, denn er ist, obwohl er um einiges jünger ist, seinem Vater weit voraus: Er argumentiert logisch, korrekt und ist absolut nicht ,,sklavisch dem Weib verfallen", sondern stellt lediglich Forderungen im Sinne der Moral und des Volkswillens. Denn für niemanden gibt es einen Grund, seine Familienangehörigen nicht zu bestatten, und nichts anderes tat ja Antigone. Haimon will ja nicht nur, weil sie seine Verlobte ist seinen Vater zum umdenken bewegen, sondern auch, weil dieses Gesetz einfach unrecht gegenüber einem Menschen ist. Niemand kann es jemandem absprechen, seinen Bruder nicht zu beerdigen. Kreons Hybris besteht nun darin, daß er auch nachdem sein eigener Sohn ihm den Rat zum Überdenken des Gesetzes gegeben hatte, nicht darauf gehört hat und somit sein Gesetz höher als das Göttergesetz gelten lassen hat.

Ich denke, genau das wollte Sophokles mit dieser Szene zeigen. Auch hat er damit ein für damals sowie heute vorhandenes Problem aufgezeigt: Wenn jemand an der Macht ist, die ihm vom Volk übertragen wurde, dann soll er verantwortungsvoll mit dieser Macht umgehen und sie nicht mit Willkür von Gesetzgebung ausnutzen. Im antiken Griechenland war es der Tyrann Kreon, 1933 -1945 Adolf Hitler und heute Diktatoren wie Milosevic auf dem Balkan. Der Unterschied Kreons zu den bei den beiden letztgenannten ist jedoch, daß er sein Fehlverhalten zwar in zu später Einsicht begreift, die heutigen Herrscher jedoch oft gar nicht.

Kreon verhält sich in dem Disput mit seinem Sohn Haimon also wenig wie ein guter Regent, während dieser als Vertreter einer jüngeren Generation viele Eigenschaften aufweist, die ein Volksvertreter haben sollte, um sein Volk so gut es geht zu regieren.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Sophokles - Antigone - Analysieren Sie das Gespräch Kreon-Haimon und werten Sie die Haltung der beiden Protagonisten!
Veranstaltung
Deutschunterricht
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V95728
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit Denkanstößen von Andy Eisbach und Roman Huditsch (nichts geklaut)! DANKE!!!
Schlagworte
Sophokles, Antigone, Analysieren, Gespräch, Kreon-Haimon, Haltung, Protagonisten, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Andrea Günzel (Autor), 1999, Sophokles - Antigone - Analysieren Sie das Gespräch Kreon-Haimon und werten Sie die Haltung der beiden Protagonisten!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95728

Kommentare

  • Gast am 29.11.2000

    Diese Interpretation sux!.

    Also ich muß ja mal was zu dieser Arbeit sagen:
    Da mußten wir in einer Klausur doch glatt diese Szene interpretieren, die ich zuuufälligerweise auswendig gelernt habe - und zwar genau diese toolle Arbeit, für die man angeblich ne 1 bekommen hat (was ja eigentlich in der 13.Klasse gar nich geht, da 01 punkte ner 5- entsprechen).

    Da hab ich doch alles sooooooo schön toll interpretiert und formuliert wie es Madame Auto gemacht hat... UND WAS PASSIERT????

    Nix da mit ner 1 bzw. 15 Punkten, ich hab jämmerliche 07 punkte bekommen - und man hat mir genau die Passagen angestrichen, die ich exakt abgeschrieben hab. BIST DU DENN SO DUMM, SONNE SCHEISS ARBEIT ZU VERÖFFENTLICHEN???

    Naja, immerhin mußt ich so die ganze Arbeit nich einmal nachdenken bzw. den Text lesen. Dafür dank ich dir ja.

    Aber der Rest SUXXXXXXXXXXXXXXXXX!!!!

  • Gast am 21.11.2004

    Blubb.

    ein Glück, dass ich diesen Kommentar gelesen, sonst hätt ich auch so gehandelt...
    mein Beileid Kumpel, aber so ist das nunmal mit dem Web...
    bzw ist Deutsch eine Ansichtssache, und stark Lehrer abhängig.

    Denn meiner Meinung nach, hat Kreon keinen Fehler gemacht.

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