Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika

Vorbilder aus Afrika machen Schule


Unterrichtsentwurf, 2020

45 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Afrika Karte

Die Heldinnen und Helden aus Afrika im Überblick

Rahmendaten zum Projekt

Vorschläge zur Projektgestaltung

Porträts und Arbeitsblätter
Wangari Maathai
Thomas Sankara
Oumou Sangaré
Ousmane Sembène
Ama Ata Aidoo
Ken Saro-Wiwa
Waris Dirie
Steve Biko
Leymah Gbowee
Bonga Kwenda

Materialhinweise

Ergänzende Materialien

Bildnachweise

Einleitung

Afrika ist die Wiege der Menschheit. Dennoch wissen wir wenig über die Geschichte und Kulturen unseres Nachbarkontinentes. Von Anfang an prägte Europas wirtschaftliches Interesse an Afrikas Bodenschätzen und Rohstoffen das Verhältnis beider Kontinente. Die Hab- und Machtgier der Kolonialmächte eskalierte in der Entvölkerung Afrikas, denn mit der Versklavung seiner Menschen wurde der ungeheure Bedarf an Arbeitskräften in der „Neuen Welt“ gedeckt. An einem gleichberechtigten Kulturaustausch war und ist Europa nicht interessiert. So hat es bis heute keine konsequente und verantwortungsbewusste Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialgeschichte gegeben. Dadurch bleibt diese unbewältigt, und koloniale Einstellungen und Bilderwelten wirken bis in die Gegenwart und reproduzieren auf diese Weise fragwürdige Identitätszuweisungen, die gegensätzliche Wertvorstellungen von Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft festlegen. In Zeiten der Globalisierung, die auf bestehende Abhängigkeitsverhältnisse aufbaut, ertrinken heute vor den Toren Europas tausende Menschen, weil wirtschaftliches Kalkül ihre Rettung verbietet.

Und so steht einmal mehr unser Nachbarkontinent mit negativ besetzten Bildern als „Krisenkontinent“ im Fokus der medialen Berichterstattung. Fakt ist: Das Image Afrikas ist im kollektiven Bewusstsein der Europäerinnen und Europäer im Kern ungebrochen negativ geblieben. Afrika erscheint als Armenhaus der Welt, seine Menschen als Bittsteller und passive Opfer der Weltgeschichte. Das ist auch in Deutschland so und spiegelt sich nicht nur in der mangelnden Qualität der Afrika-Berichterstattung in den Medien wider, sondern auch in der lückenhaften Darstellung unseres Nachbarkontinentes in Schulbüchern. Afrikanische Stimmen und Zeugnisse sind kaum präsent. Häufig liefert schon die kartografische Darstellung Afrikas im Schulatlas ein verzehrtes Bild des Größenverhältnisses zwischen Europa und Afrika, dem zweitgrößten Kontinent der Erde, der dreimal größer ist als Europa und 551 Länder hat.

Das vom Verein Checkpoint Afrika zum Projekt „Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika“ konzipierte Unterrichtsmaterial möchte dazu beitragen, den Blick auf unseren Nach­barkontinent durch positive Beispiele und Gegenbilder grundlegend zu verändern. Dabei geht es nicht darum, politische und soziale Missstände in afrikanischen Ländern zu ignorieren. Vielmehr soll den Lernenden und Lehrenden ein differenziertes und realitätsnahes Afrikabild vermittelt werden, um zu einer respektvollen Verständigung zwischen den Menschen beider Kontinente beizutragen.

Dieser Aufgabe haben sich Schülerinnen der Jahrgangsstufen 9-11 eines Gymnasiums in Münster zusammen mit ihren Lehrer*innen im Kunstunterricht gestellt und sie bravourös gemeistert. In Teamarbeit entstanden ausdrucksstarke Texte und Bildporträts zu charismatischen und historischen Persönlichkeiten aus Afrika, die sich in ihrer Heimat in herausragender Weise für mehr Gerechtigkeit und ein besseres Leben einsetzen oder eingesetzt haben. Die Arbeitsergebnisse der Jugendlichen bilden die Basis für das vorliegende Unterrichtsmaterial und zeugen von ihrem Interesse am afrikanischen Kontinent und der Bereitschaft von ihm zu lernen.

Die porträtierten fünf Männer und fünf Frauen - unter ihnen zwei Friedensnobelpreisträgerin­nen - haben ganz unterschiedliche Biographien und kommen aus verschiedenen afrikani­schen Ländern. Einige von ihnen haben über ihre Landesgrenzen hinaus in ganz Afrika Kult­Status. Bei uns, in ihrem Nachbarkontinent Europa, sind sie eher nicht bekannt. »Wir werden es wagen, die Zukunft zu erfinden«. Dieses Zitat von Thomas Sankara, dem revolutionären Staatsoberhaupt von Burkina Faso, charakterisiert auch die Vision der anderen neun wegweisenden Persönlichkeiten: Wangari Maathai, Umweltaktivistin und Friedensnobelpreis­trägerin aus Kenia; Oumou Sangaré, malische Musikerin und Frauenaktivistin; Ken Saro- Wiwa, Umweltaktivist und Bürgerrechtler aus Nigeria; Leymah Gbowee, Friedens- und Frauenaktivistin sowie Friedensnobelpreisträgerin aus Liberia; Steve Biko, südafrikanischer Anti-Apartheid-Kämpfer; Waris Dirie, Fotomodel und Frauenaktivistin aus Somalia; Bonga Kwenda2, angolanischer Sänger und Volksheld; Ama Ata Aidoo, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin aus Ghana sowie Ousmane Sembène, senegalesischer Filmemacher und Schriftsteller. Sie alle verkörpern vorbildhafte Identifikationsfiguren, die ihr außerordentliches Engagement für Menschenrechte eint.

Über den Unterricht erschlossen sich den Klassen und Lehrkräften zudem zehn afrikanische Länder, die ihnen zuvor kaum oder gar nicht bekannt waren. Und über die sehr persönliche und intensive Auseinandersetzung mit ihrem in Wort und Bild porträtierten Global Hero erfuhren die Jugendlichen, dass Engagement und Ausdauer bei der Verwirklichung auch schwierigster Zielsetzungen zum Erfolg führen. Ihre neu gewonnene Sicht auf Afrika haben sie nicht nur in Text und Bild, sondern auch in Radiosendungen, Videobeiträgen und einer Ausstellung der außerschulischen Öffentlichkeit präsentiert. Zugänglich sind alle Arbeits­ergebnisse auf der Website von Checkpoint Afrika e.V.

Das vorliegende Unterrichtsmaterial ist das Ergebnis der hohen Motivation und kreativen Arbeit vieler junger Menschen. Mit den Resultaten, insbesondere den liebevoll gestalteten und detail­getreuen künstlerischen Collagen, zollen sie den vorgestellten Persönlichkeiten aus Afrika Re­spekt und Anerkennung.

An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an alle Schülerinnen, die beim Projekt mitgewirkt und mich mit ihrem Engagement inspiriert und tief beeindruckt haben. Dank auch an die engagierten Lehrer*innen und den Bürgerfunk der Volkshochschule Münster. Ebenfalls bedanke ich mich bei einem befreundeten Ethnologen aus Sierra Leone, der die Arbeit im Pilotprojekt begleitet und um seine Sicht erweitert hat. Sie alle haben entscheidend zum Erfolg des Projektes beigetragen. Und nicht zu vergessen: ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen, die durch ihre Arbeit und Unterstützung zum Gelingen des Unterrichtmaterials beigetragen haben.

Im Folgenden finden Sie Informationen und Bilder zu den zehn starken Persönlichkeiten aus Afrika sowie konkrete Vorschläge für die fachspezifische und fächerübergreifende Projekt­durchführung. Abschließend möchte ich Ihnen ein Zitat mit auf den Weg geben, das mich in meiner langjährigen ethnologischen Arbeit entscheidend geprägt und geleitet hat. Es stammt von dem französischen, auf Martinique geborenen Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Vordenker der Entkolonialisierung Frantz Fanon.

„Nur durch eine Anstrengung des Neubeginns und der Selbstprüfung, durch eine ständige Anspannung ihrer Freiheit kann es den Menschen gelingen, die idealen Lebensbedingun­gen für eine menschliche Welt zu erschaffen.

Überlegenheit? Unterlegenheit?

Warum nicht einfach versuchen, den anderen zu berühren, den anderen zu spüren, mir den anderen zu offenbaren.

Ist mir meine Freiheit denn nicht gegeben, um eine Welt des Du zu errichten?“

Frantz Fanon3 Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an den Global Heroes aus Afrika und wünsche Ihnen gutes Gelingen bei der Projektarbeit. Über Rückmeldungen, gerne auch Fotos von den Arbeitsergeb­nissen Ihrer Schüler*innen, würde ich mich freuen.

Afrika Karte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte der politischen Gliederung von Afrika

Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika

Von TUBS - Eigenes Werk Diese W3C-unbestimmte Vektorgrafik wurde mit Adobe Illustrator erstellt. Diese Datei wurde mit Commonist hochgeladen Diese Datei enthält Elemente, die von folgender Datei entnommen oder adaptiert wurden: Ethiopia in Africa.svg (von TUBS)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22301650

Die Heldinnen und Helden aus Afrika im Überblick

Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen zeigen, wie die Welt ist und wie man sie besser machen kann. Auf der Suche nach Orientierung brauchen sie biografische Modelle, die ihnen die Umsetzung ihrer Ideale ermöglichen und sie ermutigen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Gerade in Zeiten der Globalisierung und des postkolonialen Denkens brauchen Heranwachsende Anregungen zur kritischen Reflexion ihrer Wertvorstellungen und die Möglichkeit zur Korrektur ihres durch Stereotypen geprägten Afrika-Bildes. Solche trans­kulturellen Anregungen geben ihrem Leben neue Impulse und helfen ihnen, in ihrer Persönlichkeit zu wachsen und zu reifen. In dem schwierigen Prozess, ihren Platz in der Welt zu finden und die Zukunft zu meistern, kommt der Schule und deren Umgang mit Diversität und Vielfalt eine zentrale Bedeutung zu. Das vorliegende Unterrichtsmaterial spricht diese Herausforderungen an und möchte durch die Beispiele der Vorbilder aus Afrika nicht nur den Horizont der Jugendlichen erweitern, sondern sie auch zu einem konstruktiven interkulturellen Dialog befähigen. In diesem Dialog muss die kritische Auseinandersetzung mit den vorherr­schenden kolonialen Menschenbildern eine zentrale Rolle spielen. Und vor allem die Bereit­schaft, von Afrika zu lernen.

Im vorliegenden Unterrichtsmaterial stehen zehn zeitgenössische Persönlichkeiten aus Afrika im Mittelpunkt. Sie sind Wissenschaftler*innen, Kulturschaffende und Politiker*innen, die mit ihrem visionären Denken und Handeln der Weltgemeinschaft zukunftsfähige Lösungen zur Bewältigung globaler Herausforderungen aufzeigen. Diese bedeutenden fünf Frauen und fünf Männer haben sich in ihren Heimatländern mit Mut, Entschlossenheit und Ausdauer gegen soziale und politische Missstände gewehrt. Zu den ausgewählten Persönlichkeiten gehören zwei Friedensnobelpreisträgerinnen und ein revolutionärer Staatspräsident, der europäische und afrikanische Machthaber gleichermaßen mit der erfolgreichen Realisierung seiner Vision eines autarken Afrikas das Fürchten lehrte.

Die Global Heroes aus Afrika repräsentieren ein kämpferisches, kreatives, reiches und stolzes Afrika, das seine Kraft aus dem ungeheuren Potential seiner Menschen und Kulturen schöpft. Sie stehen stellvertretend für unzählige andere afrikanische Menschenrechtsaktivistinnen, die sich tagtäglich, oft unter Einsatz ihres Lebens, gegen soziale Missstände und politische Willkür wehren. Drei der zehn vorgestellten Hoffnungsträgerinnen haben ihren Einsatz für eine bes­sere Welt und Zukunft mit dem Leben bezahlt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wangari Maathai (* 1940, † 2011)

Biologin, Politikerin, Umweltaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin aus Kenia

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thomas Sankara (* 1949, † 1987)

Revolutionärer Staatspräsident aus Burkina Faso Verfechter eines starken und autarken Afrikas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ousmane Sembène (* 1923, † 2007)

Schriftsteller, Filmemacher und Produzent aus dem Senegal; gilt als Vater des afrikanischen Kinos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ama Ata Aidoo (* 1942)

Schriftstellerin, Politikerin und Frauenaktivistin aus Ghana

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leymah Gbowee (* 1972)

Frauen- und Friedensaktivistin, Friedensnobelpreisträgerin aus Liberia

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bonga Kwenda (* 1942)

Politischer Aktivist und populärer Sänger aus Angola

Herzlichen Dank an die engagierten und kreativen Schüler*innen des Geschwister-Scholl- Gymnasiums in Münster für ihre ausdrucksstarken Porträts und informativen Begleittexte zu den „Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika“!

Info

Die Porträts und Texte zu den einzelnen Heldinnen und Helden aus Afrika finden Sie auf den beiliegenden Arbeitsblättern. Aus rechtlichen Gründen konnten im Unterrichtsmaterial keine Fotos der vorgestellten Persön­lichkeiten abgebildet werden.

Rahmendaten zum Projekt

Das ethnologische Unterrichtsprojekt „Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika“ möchte mit zehn herausragenden Persönlichkeiten der Gegenwart Schule machen und damit zur Verständigung zwischen Europa und Afrika beitragen. Es verbindet Kunst mit Politik und vermittelt Lernenden sowie Lehrenden ein differenziertes Bild von unserem Nachbarkontinent. Jugendliche lernen zudem durch die Beschäftigung mit den ausgewählten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Politik vorbildliche Verhaltensweisen und Strategien im Engagement für eine gerechtere Welt und bessere Zukunft.

Das Projekt richtet sich an Schülerinnen der Sekundarstufe I und II, ist für alle Schulformen geeignet und kann sowohl fachspezifisch als auch fächerübergreifend unterrichtet werden. Zum Beispiel in den Fächern: Kunst (Gestaltung der Bildporträts), Erdkunde, Deutsch, Englisch, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Musik, Sozialwissenschaften, Religionslehre/prak- tische Philosophie/Ethik, Französisch (Anfertigen der Textporträts jeweils zur Person und/oder zum Land), Biologie (s. Info-Kästchen).

Im fächerübergreifenden Unterricht, zum Beispiel in Kunst und Erdkunde, können die Teil­nehmenden vielschichtiger und nachhaltiger lernen. Im Kunstunterricht lernen sie die Bio­graphie und das Engagement, über den Erdkundeunterricht das jeweilige Land der Global Heroes aus Afrika kennen. Über die künstlerische Arbeit können die Schülerinnen den Bezug zur favorisierten Person intensiveren.

Je nach Fach lassen sich die entsprechenden Arbeitsschwerpunkte und Arbeitsaufträge für den Unterricht formulieren. Im Idealfall wird die Textarbeit immer mit der künstlerischen Arbeit verbunden. Insbesondere bei der Collagen-Erstellung hat sich das Arbeiten in Teams bewährt.

Das Zeitformat ist variabel und hängt von der Anzahl der vorgegebenen Persönlichkeiten sowie der Aufgabenstellung und Einbettung des Projektes in den Schulalltag ab: Je mehr Zeit, desto größer das Identifikationspotenzial der Jugendlichen mit den jeweiligen Global Heroes.

Das Unterrichtsprojekt lädt zum kreativen und freien Arbeiten ein, fördert die Urteils- und Deutungskompetenz der Schülerinnen sowie das verantwortungsbewusste Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung4. Damit setzt es im Klassenzimmer zentrale Bildungs- und Erziehungsziele des Globalen Lernens5 um: Befähigung zur konstruktiven Ausein­andersetzung mit fremden Kulturen, Perspektivwechsel, Orientierung an den Menschen­rechten und Anregung zur Beteiligung an zukunftsfähigen gesellschaftlichen Gestaltungs­prozessen. Es greift so zentrale Inhalte der aktuellen Agenda 20306 mit den 17 Nachhaltig­keitszielen auf, die bis zum Jahr 2030 weltweit umgesetzt werden sollen.

Die schulische Projektarbeit kann medienpädagogisch durch Radio-, Video- oder Musikbei­träge der Jugendlichen erweitert und vertieft werden. Als Teil einer geplanten Öffentlichkeits­arbeit ist eine Ausstellung zum Projekt denkbar und wünschenswert.

Im Folgenden finden Sie Vorschläge zur fachspezifischen und fächerübergreifenden Projekt­gestaltung sowie Anregungen zur Umsetzung eigener Ideen.

Info

Die Global Heroes: auch im Biologieunterricht! Thema kann hier die wissenschaftliche Widerlegung der kolonialen Rassentheorien sein (s. ergänzende Materialhinweise: Jenaer Erklärung). Als beeindruckendes Beispiel für den Widerstand gegen Rassismus lässt sich die Lebensgeschichte des südafrikanischen Anti­Apartheid-Kämpfers Steve Biko anführen.

Im Musikunterricht zeigen die Beispiele von der malischen Sängerin Oumou Sangaré und des angolanischen Sängers Bonga Kwenda, wie mächtig Musik als politische Waffe sein kann.

Vorschläge zur Projektgestaltung

Das Projekt „Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika“ setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Projekteinführung, der Arbeitsphase und der Präsentation. In der Projekt­einführung werden die Inhalte, Ziele und Arbeitsaufträge sowie der zeitliche Rahmen geklärt. Zudem erhalten die Schüler*innen erste grundlegende Informationen zu den von Ihnen ausgewählten Persönlichkeiten und Menschenrechtsaktivist*innen aus Afrika. Danach erfolgt die Teambildung. Die Arbeitsphase beginnt mit einer Internetrecherche, um Informationen für das Verfassen des jeweiligen Textporträts und geeignete Materialien für die künstlerische Arbeit, zum Beispiel für die Collagen-Erstellung, zu finden. Nach Fertigstellung der Texte und der künstlerischen Arbeit erfolgt die Präsentation: Jedes Team stellt der Klasse seine in Wort und Bild porträtierte prominente Persönlichkeit aus Afrika vor.

Das Projekt „Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika“ deckt ein breites Themenspektrum ab und impliziert eine große Methoden- sowie Materialvielfalt. Wenn Sie den Einsatz von Filmen, Musik und Literatur im Unterricht schätzen, ergeben sich durch die vielfältigen Werke der afrikanischen Kulturschaffenden spannende Optionen zur Projekt­gestaltung. Die Teilnehmenden lernen so nicht nur neue Zugangsformen zu unserem Nachbarkontinent kennen, sondern gewinnen auch einen Einblick in die unterschiedlichen Le­benswirklichkeiten seiner Menschen. Anzumerken ist, dass die Werke afrikanischer Kulturschaffender europaweit einen schweren Stand haben. Damit bleiben wichtige und authentische Informationsquellen aus Afrika, auch in der Schule, ungenutzt.

Die Anlagen „Materialhinweise“ und „Ergänzende Materialien“ sollen Ihnen die Gestaltung und Durchführung der Projektarbeit erleichtern.

Planung und Vorbereitung der Projektarbeit

Bevor Sie mit dem Projekt an Ihrer Schule starten, sollten grundsätzliche Fragen geklärt werden. Wollen Sie es allein in Ihrem Fachunterricht oder fächerübergreifend mit einer Kollegin oder einem Kollegen durchführen? Möchten Sie eine externe Bildungsreferentin oder einen Referenten, beispielsweise aus einem afrikanischen Land, in den Unterricht einladen? Dazu bietet unter anderem „Das Eine Welt Netz NRW“ viele Möglichkeiten. Wie viele der zehn Persönlichkeiten sollen im Unterricht vorgestellt werden und wie viel Zeit möchten Sie dem­entsprechend in das Projekt investieren? Je mehr Zeit, desto größer ist das Identifikations­potenzial der Schülerinnen mit der Person. Und nicht zu vergessen: Möchten Sie für die Global Heroes aus Afrika über die Schule hinaus Öffentlichkeitsarbeit machen?

Zur Planung und Vorbereitung der Projektarbeit gehören folgende Aufgabenfelder:

- Steckbrieferstellung
- Arbeitsaufträge
- Materialauswahl
- Öffentlichkeitsarbeit (optional)

Steckbrieferstellung

Zur Vorstellung der Global Heroes aus Afrika in Ihrer Klasse empfiehlt es sich, Steckbriefe mit kurzen Angaben zur Biografie, zum Herkunftsland und Engagement vorzubereiten. Dazu liefern Ihnen die beiliegenden Arbeitsblätter mit den kurzen Textporträts erste Informationen. Weiterführende Angaben finden Sie in der deutschsprachigen Wikipedia und in den Materialhinweisen in der Anlage. Die Steckbriefe sollen Ihnen dabei helfen, den Schüler*innen einen ersten Eindruck der Persönlichkeiten aus Afrika zu vermitteln. Es kommt bei der Vorstellung nicht darauf an, die Teilnehmenden mit möglichst viel Informationen zu füttern. Denn die Aufgabe der Schüler*innen besteht ja darin, sich durch die eigene Internetrecherche umfassenderes Wissen zu der favorisierten Person anzueignen, um von dieser dann für die spätere Präsentation ein aussagekräftiges Text- und/oder Bildporträt erstellen zu können.

Arbeitsaufträge

Nach der Steckbrieferstellung steht die Klärung der Arbeitsaufträge an.

Im Zentrum stehen dabei drei Bereiche:

- Internetrecherche
- Texterstellung
- Künstlerische Arbeit

Trotz der Unterschiedlichkeit der afrikanischen Heldinnen und Helden sind die Aufgaben­stellungen bei allen gleich: Die Projektarbeit beginnt mit der Internetrecherche, dann erfolgt die Texterstellung und abschließend die künstlerische Arbeit. Konkrete Beispiele dafür finden Sie auf den beiliegenden Arbeitsblättern. Die Arbeitsaufträge eignen sich insbesondere für den Kunst- und Erdkundeunterricht, sind aber auch für andere Fächer möglich. Das Verfassen von ganz neuen Textporträts ist eine weitere Option. Im Pilotprojekt hat sich das Arbeiten in Teams bewährt.

Die Projektarbeit sollte mit einer Internetrecherche beginnen, damit die Schüler*innen selbstständig arbeiten und eigenes Material zur Bearbeitung der Arbeitsaufträge sammeln können. Im Internet gibt es fast zu allen ausgewählten Persönlichkeiten zahlreiche geeignete Fotos und eine gute deutschsprachige Quellenlage, so dass die Schüler*innen leicht eigene Ideen entwickeln können. Ausnahmen bei der Textrecherche bilden die ghanaische Schrift­stellerin Ama Ata Aidoo und die malische Sängerin Oumou Sangaré. Zu ihnen gibt es daher ausgewählte Links, um die Recherche zu erleichtern (s. Materialhinweise). Zur einheitlichen Gestaltung können Sie zum Beispiel Vorgaben zur Textlänge, Schriftart und -größe machen. Zudem sollte ein kurzes und prägnantes Zitat der jeweiligen Person den Text mit den wich­tigsten biographischen Daten und Angaben zum Engagement einleiten.

Nach dem Abschluss der Textarbeit steht die künstlerische Arbeitsphase an. Es gilt im Kunstunterricht ein Porträt zu schaffen, das zeigt, wofür die Person steht und was sie und ihr Engagement ausmacht, durch inhaltliche Details ebenso wie durch die Auswahl passender Materialien. Im Pilotprojekt gab es dazu nur wenige Vorgaben: Das Bildporträt sollte auf einer stabilen Pappe in der Collagetechnik gestaltet werden (80 cm/100 cm). Natürlich sind auch andere Gestaltungsformen möglich. Das Ziel ist in jedem Fall, ein aussagekräftiges und künst­lerisch wertvolles, zugleich persönliches Porträt des gewählten Vorbildes zu gestalten. Insgesamt hatten die Schüler*innen bei der Umsetzung ihrer Arbeitsaufträge einen großen Spielraum, um ihre kreativen Ideen eigenständig umzusetzen und ihren individuellen Zugang zur ausgewählten Persönlichkeit finden zu können. Mit den Resultaten, insbesondere den liebevoll gestalteten und detailgetreuen künstlerischen Collagen, zollten die Jugendlichen den vorgestellten Global Heroes aus Afrika große Bewunderung, Respekt und Anerkennung.

Für Ihre eigene Projektarbeit zu den „Heldinnen und Helden aus Afrika“ sind auch alternative Aufgabenstellungen und Arbeitsformen möglich. Im Erdkundeunterricht könnten die Teilneh­menden zum Beispiel eigene Quizze zum afrikanischen Kontinent oder einzelnen Ländern er­stellen. Im Musikunterricht wären Quizze zu der Biographie der vorgestellten Musiker*innen, den jeweiligen Musikstilen und Instrumenten möglich. Oder es könnte fächerübergreifend ein musikalischer Beitrag zur abschließenden Projekt-Präsentation komponiert und eingeübt werden. Im Fach Deutsch könnten Quizfragen zu den Biographien der afrikanischen Schrift­stellerinnen überlegt, und deren literarische Werke vorgestellt werden.

Info

Die beiliegenden Arbeitsblätter zu den einzelnen Heldinnen und Helden aus Afrika basieren auf den Text- und Bildporträts von ehemaligen Schüler*innen eines multikulturellen Gymnasiums in Münster. Die Texte mit den Vornamen der Teammitglieder wurden auch für die gleichnamige Ausstellung zum Projekt übernommen.

Materialauswahl

Es empfiehlt sich, zu Projektbeginn eine aktuelle politische Afrika Karte im Unterrichtsraum aufzuhängen. Die Schüler*innen haben so die Gelegenheit, öfter einen Blick auf unseren Nachbarkontinent mit seinen 55 Ländern zu werfen.

[...]


1 Eingeschlossen ist dabei die Demokratische Arabische Republik Sahara, auch Westsahara genannt, die im Verlaufe des Westsahara­konfliktes 1976 von der Frente Polisario ausgerufen wurde. Der politische Status der Region ist bis heute ungeklärt.

2 Kuenda : deutsche Schreibweise des angolanischen Sängers

3 Fanon, Frantz (1952, dt.1980). Schwarze Haut, weiße Masken. S. 166. Frankfurt: Suhrkamp

4 Der Begriff steht für eine global zukunftsfähige Entwicklung, die Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten berücksichtigt.

5 Globales Lernen ist ein offenes pädagogisches Konzept, das einen tragfähigen Umgang mit kultureller Vielfalt und Differenz zu finden versucht und sich mit den Herausforderungen der heutigen Weltgesellschaft beschäftigt. Es fokussiert auf soziale Gerechtigkeit und fördert damit die weltweite Durchsetzung politischer, sozialer und ökonomischer Menschenrechte.

6 Kernbotschaften der Agenda 2030: Die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen, den Planeten schützen, Wohlstand für alle fördern, Frieden fördern und globale Partnerschaften aufbauen.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika
Untertitel
Vorbilder aus Afrika machen Schule
Autoren
Jahr
2020
Seiten
45
Katalognummer
V957821
ISBN (eBook)
9783346304728
ISBN (Buch)
9783346304735
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globales Lernen, Afrika, Antirassismusarbeit, Ethnologie, Interkulturelle Pädagogik, Perspektivwechsel, Menschenrechte, Kulturvermittlung, Literatur aus Afrika, Musik aus Afrika, Filmkunst aus Afrika, Aktionsethnolgie
Arbeit zitieren
Marita Samson (Autor)Checkpoint Afrika e.V. (Herausgeber), 2020, Global Heroes - Heldinnen und Helden aus Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957821

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