Der Einfluss von Subkulturen auf die Biographie am Beispiel des szenetypischen Verhaltens im Bereich Graffiti & Ultras


Akademische Arbeit, 2019

26 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsaufbau

3. Forschungsstand – Theorien zum Thema

4. Die Narrationsanalyse
4.1 Analytische Abstraktion
4.2 Wissensanalyse

5. Diskussion der Ergebnisse

6. Fazit

7. Quellenangaben

8. Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Forschungsarbeit handelt es sich um die mögliche Beeinflussung einer Jugendbiographie durch die Zugehörigkeit unterschiedlicher Subkulturen während der Adoleszenz.

Durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Themenschwerpunkten der Biographieforschung sowie szenetypischem Verhalten subkultureller Gruppierungen von der Ultra- und Graffiti-Szene wird im Laufe dieser Arbeit die übergreifende Forschungsfrage „Inwiefern die Zugehörigkeit einer Subkultur die Biographie beeinflusst“ beantwortet.

Die gewählte Thematik findet ihre persönliche Relevanz in dem Interessengebiet der Autorin eigener jugendbiographischer Abläufe wieder. Mit Beginn der Adoleszenz, einige Zeit nach dem Tod von 2Pac Shakur und Notorious B.I.G (US-Amerikansiche Rap-Legenden) im Jahre 1997, war Hip-Hop und afroamerikanisches R`n`B nicht mehr wegzudenken. Innerhalb der Peers wurde diese Musikrichtung nicht ausschließlich als diese wahrgenommen, sondern „man“ identifizierte sich damit. Es war ein Lifestyle! Und ist es heute noch.

Damit einhergehend nahm das künstlerische Darstellen dieses Interesses und das „sich verewigen“ an Bus- und Bahnhaltestellen, Schulen, Häuserwänden usw. durch Graffitis deutlich zu und gehörte bei Teilen von Jugendgruppen dieser Generation mit dazu.

Sich mit etwas identifizieren, aufzufallen und gesellschaftliche Regeln zu missachten, sich abheben, verweigern, rebellieren und gegen den Mainstream sein, waren idealtypische Verhaltensweisen Jugendlicher der 90er.

Die identitätsbildende Phase der Jugend hat einen enormen Einfluss auf die Entwicklung innerhalb der Adoleszenz und ist verbunden mit prägenden Eigenschaften, Normen und Wertevorstellungen des Weiteren biographischen Ablaufs.

Aufgrund ähnlicher jugendkultureller Erfahrungen, gemeinsamer Interessen und bestehender Kontakte eines Kommilitonen ergab sich die Idee, einen Graffiti- und Ultraanhänger zu interviewen und sich mit dem Thema Subkulturen und dessen Einfluss auf den biographischen Ablauf näher zu befassen.

Die folgende wissenschaftliche Arbeit beinhaltet die Auswertung des geführten narrativen Interviews anhand der Narrationsanalyse nach Schütze und befasst sich mit Theorien der forschungsrelevanten Themen. Ebenso zeigt sie den aktuellen Forschungsstand von Subkulturen auf, um abschließend die Forschungsfrage zu beantworten.

Aufgrund der anteilig gemeinsam erarbeiteten Forschungsarbeit können sich Inhalte dieser schriftlichen Ausarbeitung mit denen von r ähneln.

2. Forschungsaufbau

Gegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Untersuchung der Zugehörigkeit eines Jugendlichen zu unterschiedlichen Subkulturen und in wieweit diese dessen Biographie beeinflusst.

Zu Beginn dieser Forschung wird der Fokus auf die Thematik von „Subkulturen“ gelegt und eine möglichst weitgefasste Forschungsfrage erarbeitet, welche innerhalb des narrativen Interviews ausreichend Freiraum für uneingeschränkte biographische Erzählungen lässt (die Forschungsfrage wird innerhalb des Interviews nicht an den Interviewten weitergegeben bzw. als offizielle Frage formuliert).

Aufgrund eines bestehenden Vertrauensverhältnisses zum Interviewpartner wurde das Interview durch den o.g. Kommilitonen allein geführt, um möglichst detaillierte Aussagen und tiefgreifende Einblicke bezüglich der subkulturellen Inhalte sowie eine möglichst freie und offene Erzählstruktur des biographischen Ablaufs zu erhalten.

Die genutzte Befragungsmethode des narrativen Interviews zählt zu den qualitativen Forschungsmethoden und dient der Erhebung unterschiedlicher Daten eines Interviewpartners, welcher möglichst offen und weit gefasst über den eigenen biographischen Ablauf berichten soll. Die verlaufstypische Abfolge eines narrativen Interviews erfordert eine gute Vorbereitung von offenen Fragestellungen, um den Erzählstimulus nicht zu unterbrechen oder durch immanente Zwischenfragen zu beeinflussen. Nach Vollendung des Interviews wird mit Hilfe des Computerprogramms f4 eine Abschrift/Transkript des gesamten Interviews erstellt.

Die Narrationsanalyse nach Schütze dient der Auswertung und Interpretation aller Interviewinhalte. Hierzu werden verschiedene Abschnitte und Sinneinheiten gebildet, um die sprachlichen Darstellungsformen zu erfassen. Diese werden nicht anhand inhaltlicher Aussagen, sondern anhand formal sprachlicher Kriterien kategorisiert und festgemacht. Die drei Kategorien sind als Erzählformen zwar voneinander zu unterscheiden, treten jedoch selten als Reinform auf und bedingen sich somit oftmals gegenseitig. Die Biographieforschung hat hier einen doppelten Auftrag. Die Rekonstruktion des Lebenslaufs einerseits und andererseits die damit in Verbindung stehende subjektive Wahrnehmung des Interviewten zu analysieren.

Zur weiteren Auswertung werden innerhalb der analytischen Abstraktion vier Grundtypen des Handelns identifiziert. Hierbei wird zwischen institutionellen Ablaufmustern, biographischem Handlungsmuster, der Verlaufskurve und dem biographischen Wandlungsprozess unterschieden. Die institutionellen Ablaufmuster beschreiben ein „selbst gewähltes Hineinbegeben in einen institutionalisierten biographischen Ablauf und anschließendes Handeln entsprechend der institutionellen Vorgaben“ (Kleemann 2009, S. 73). Die biographischen Handlungsmuster werden als „selbst initiierte und gesteuerte Entwicklungen jenseits institutionalisierter Vorgaben bzw. Erwartungen“ (Kleemann 2009, S. 73) definiert. Die dritte Prozessstruktur ist die Verlaufskurve, welche durch soziostrukturelle und äußerlich schicksalhafte Bedingungen getriebene Handlungen beschreibt, welche nicht selbstbestimmt auf die eigene Biographie einwirkt und sowohl positive als auch negative Verlaufsfolgen haben kann. Diese Prozessstruktur wird im Gegensatz zu den anderen eindeutig als reaktiv beschrieben. Die vierte Funktion macht den biographischen Wandlungsprozess sichtbar, welcher als Übergangsphase beschrieben wird und meist an eine negative Verlaufskurve anknüpft. Angestoßen durch plötzliche biographische Veränderungen, welche von außen und nicht selbst initiiert sind. Die analytische Abstraktion unterstützt anhand des o.g. Kategorisierens das Erkennen von Beziehungen innerhalb gewonnener Ergebnisse, welche dann zu einer biographischen Gesamtstruktur zusammengefasst werden. Die darauffolgende Wissensanalyse zeigt anhand subjektiv dargestellter Inhalte und reeller Handlungen des Interviewten Übereinstimmungen oder Abweichungen auf. Darauffolgend werden Ergebnisse anhand von Kenntnissen diskutiert, um abschließend die Forschungsfrage zu beantworten.

Hinsichtlich des Einzelinterviews stellt diese Forschungsarbeit keine repräsentative Forschung dar und kann letztendlich mit ihren Ergebnissen nicht auf die Gesamtgesellschaft bezogen werden (vgl. Kleemann 2009, S. 65 fff.).

Forschungsgegenstand:

Die interviewte Person ist männlichen Geschlechts, zum Zeitpunkt des Interviews 33 Jahre alt und seit Beginn der Jugend kontinuierlich in Berührung mit subkulturellen Gruppierungen. Als besonders prägnant bilden sich die Orientierung an der Graffiti-Szene sowie der Bremer Ultra-Bewegung heraus.

3. Forschungsstand – Theorien zum Thema

Die Subkulturforschung wird im englischsprachigen Raum in drei grundlegende und bedeutende Phasen eingeteilt. Von Beginn der 1920er Jahre bis Ende der 1960er Jahre Chicago School, 1970-1980 die Cultural Studies des CCCS of Birmingham und 1980 bis heute die Reaktionen und Modifikationen der Subcultural Studies (vgl. Marchart 2008, S. 99).

Inhalte sind hier u.a. innerhalb der Gesellschaftsanalyse kriminelle Subkulturen und Konfliktsubkulturen, welche als identifizierbare Gesellschaftsteile beschrieben werden, die sich von dieser unterscheiden, ihr aber ebenso unterliegen (vgl. Jacke 2009, S. 139). Marchart benennt dies als eine zweifache Subkulturalität. Angehörige einer Subkultur vollziehen eine Abgrenzung ihrer Herkunft (Stammkultur, Sozialraum, Klasse), aber ebenso besteht eine Abneigung gegenüber der dominanten Machtkultur der Gesellschaft (vgl. Marchart 2008, S. 99). „Die Subkulturstudien beschreiben die symbolisch-rituell vermittelten Identitätsbildungsprozesse von Subkulturen in einem von Machtverhältnissen geformten sozialen Raum“ (Marchart 2008, S. 99).

Schwendter meint, der Kulturbegriff sei zwar ausreichend definiert, jedoch nötig zur Ableitung unterschiedlicher Definitionen zum Verständnis des Subkulturbegriffs der Neuzeit.

Kultur bezeichnet jegliche komplexe Fähigkeiten, welche das Individuum als Teil der Gesellschaft erwerben kann - Sozialisationsprozess. Demnach ist Subkultur ebenfalls ein Teil einer konkreten Gesellschaft, welche sich von gesamtgesellschaftlichen Bezügen in ihrem Ausmaß vorhandener herrschenden Institutionen etc. unterscheidet (vgl. Schwendter 1978, S.11). Innerhalb literarischer Recherche treten wiederkehrend Begriffe wie Jugendkultur, Gegenkultur und Szene neben dem eigentlichen Subkulturbegriff in Erscheinung. Diese sind zwar auf verschiedene Autoren zurückzuführen, unterscheiden sich jedoch nicht zwangsläufig in ihren Definitionen. Die hier im Fokus stehenden Jugendgruppierungen unterscheiden sich essentiell aufgrund ihrer freizeitorientierten Präferenz und ihrer damit in Verbindung stehenden Stile, Sprache und Haltungen vom gesamtgesellschaftlichen Mainstream. Als Gegenkultur werden adoleszente Gruppierungen bezeichnet, welche bestehende gesellschaftliche Normen und Werte ablehnen. Die britischen Cultural Studies klassifizieren hier in soziale Schichten um von der für die Arbeiterklasse bestimmten Begriffs der Subkultur abzugrenzen.

Laut Schröder und Leonhardt stellt Jugendkultur den Terminus als übergeordnete Bezeichnung für sozial adoleszente Gruppen dar, welche als Teilkultur einer Gesellschaft betrachtet wird, wenn Gemeinsamkeiten eines Lebensstils zu einem ortsunabhängigen Zusammengehörigkeitsgefühl führen (vgl. Schröder/Leonhardt 1998, S. 17). Als Szene bezeichnen Schröder und Leonhardt „die Anhänger eines Lebensstils in einem regional begrenzten Raum“ (Schröder/Leonhardt 1998, S 19).

Die Entwicklung des Subkulturtheorie-Ansatzes entstand aufgrund sozialer Probleme von zunehmender Bandenkriminalität in den Vereinigten Staaten (1968). Die postmoderne Subkulturtheorie bezieht sich nicht mehr ausschließlich auf kriminelle Jugendliche und Heranwachsende, sondern findet sich in einem entscheidend weitgefassten Objektbereich wieder, welcher in diversen Bereichen verwendbar ist. Der Subkulturansatz ist der Auffassung, dass sich innerhalb großer, sozialer, komplexer Gebilde die Bedeutung und Gewichtung von Normen und Werten einzelner Gesellschaftsmitglieder voneinander unterscheiden. Es wird davon ausgegangen, dass große soziale Konfigurationen durch Subsysteme in sich strukturiert sind, und es dennoch eine Übereinstimmung bestimmter Basiswerte mit dem übergeordneten und dominanten Wertesystem, mehr oder weniger abweichend, existiert und somit eine Zugehörigkeit des Gesamtsystems besteht. Diese angedeutete Werte- und Normendifferenzierung lässt eine Erklärung abweichenden Verhaltens herleiten (vgl. Lamnek 2018, S. 147f.).

Exemplarisch stellt der Subkultur -Begriff in der Mainstream-Soziologie westlich diversifizierte Bevölkerungssegmente dar, unter denen kulturelle Muster ethischer Gemeinschaften bis hin zu Gruppierungen wie Hip-Hop, Computer-Hacker oder Fußball-Hooligans zu verstehen sind (vgl. Hügel 2003, S.66).

Laut Brenner 2009 stellt sich auch die Ultrabewegung selbst die Frage nach der eigenen Bezeichnung und Zugehörigkeit der Sub- oder Jugendkultur. Die Antwort findet sich in Definitionen des Subkulturbegriffs wieder. Wird Subkultur als Abgrenzung zum Mainstream, überwiegend isoliert mit individuellen Interessen wie Kleidungsstil, Kommunikationsformen etc. innerhalb eines sozialen Gefüges betrachtet, trifft die Zuschreibung weniger auf Ultras zu. Zumal in der heutigen Gesellschaft u.a. stark abweichende Verhaltensweisen überwiegend akzeptiert werden und Personengruppen dieser von der Norm abweichenden Lebensstile nicht der Isolation ausgesetzt sind. Ultras im Kontext einer subkulturellen Erscheinung zu betrachten widerspricht der Tatsache, dass ein Großteil dieser mit eintreten kultureller und ökonomischer Unabhängigkeit sich von diesen abwendet (vgl. Gabler 2010, S. 17f.). Demnach wird der Begriff Jugendkultur dem Subkulturbegriff vorgezogen. Dem entgegen steht, dass in der heutigen Zeit eine Verlängerung der Jugendphase stattfindet. Ebenso wie die Entwicklung eigener Wertevorstellungen, Sprachstil und Kleidungsbesonderheiten als Identifizierung. Trotz des Ultra-Daseins ist eine völlige Isolation abzuwenden und die Möglichkeit eines Studiums o.ä. gegeben. Dennoch wird die Ultra-Szene zur Randgruppe der Gesellschaft gemacht, bedingt durch gesetzes- und ordnungswidriges Verhalten Einzelner. Dem sozialen Ansehen wird hierdurch Schaden zugefügt und ein Weg für die Existenz einer Gegenkultur geebnet (vgl. Gabler 2010, S. 17f.). Durch eine große mediale Aufmerksamkeit und der Verbreitung von Negativnachrichten kann das Diskriminierungsgefühl der Ultras durch diese Form der Stigmatisierung weiteres Fehlverhalten begünstigen und nach dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich völlig ungeniert“ den Wunsch nach klarer Abgrenzung zur Gesellschaft sowie dem gesamtgesellschaftlich verfasstem Regelwerk, welches offensichtlich Diskriminierung aufweist, abzulehnen (vgl. Gabler 2010, S. 129). In der heutigen Ultra-Kultur bilden soziale Themen wie Anti-Rassismus-Arbeit keine Seltenheit mehr und sind Teil der Identität von Ultragruppierungen (vgl. Gabler 2010, S. 188f.).

Die Bestrebungen und Grundsätze der Ultras zeichnen sich u.a. durch bedingungslose Liebe zum Verein aus, welche nicht mit der Akzeptanz der Repräsentanten (Spieler, Trainer, Funktionäre) einhergehen muss, da diese beliebig, kurzfristig und austauschbar sind. Tradition, Emotion und Fankultur bilden das Konstrukt des Objekts der Ultra-Liebe (vgl. Gabler 2010, S. 67f.). Trotz angestrebter Autonomie und Freiheit ist das Territorium der Ultras kein regelfreier Raum, sondern er ist geprägt durch zu erfüllende Erwartungen durch ein ausnahmsloses Minimum an Präsenz zu jedem (Heim-)Spiel. Aufgrund enormer zeitlicher Verpflichtungen des Vereins gegenüber, soll die Gemeinschaft bspw. einen Familienersatz bieten, oftmals auch als bessere Alternative zum bisherigen sozialen Umfeld (vgl. Gabler 2010, S. 71).

Graffiti als Subkultur erlebte in der westlichen Welt sowohl in den 80er Jahren und frühen 90er Jahren, als auch erneut in den 2000ern im Zusammenhang mit der Hip Hop-Bewegung einen Boom. Graffiti wird als 4. Element des Hip Hop´s beschrieben und meint das ungefragte, illegale Verbreiten und Anbringen von Schriftzügen, Logos, Figuren, Skulpturen und das Nutzen bestimmter Malstile durch Wiederholung im öffentlichen Raum. Ziel dieser Subkultur ist es, sich als Künstler und oder als Crew einen Namen zu machen und sich durch künstlerisches Können, Kreativität und Vielfalt von anderen abzuheben und Anerkennung für Talent, Einfallsreichtum und Mut (durch das Sprühen und Taggen an ungewöhnlichen gefährlichen Stellen) zu erhalten (vgl. Reinecke 2012, S. 27ff.).

4. Die Narrationsanalyse

Innerhalb der folgenden Analyse wird der Name der interviewten Person mit A. abgekürzt. Nach themenübergreifenden Recherchen sowie inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema dieser Arbeit folgt im nächsten Schritt die Auswertung auf Grundlage der Narrationsanalyse nach Schütze.

4.1 Analytische Abstraktion

Im Hinblick auf die einzelnen Sequenzen des Interviews wird innerhalb der Analyse der biographischen Gesamtstruktur deutlich, dass der jugendbiographische Werdegang des Interviewten vorwiegend durch biographische Handlungsmuster geprägt ist. Diese sind vor allem durch eine selbst initiierte und bewusste Entwicklung ohne institutionelle Vorgaben eingetreten. Die verschiedenen Jugendkulturen werden als eigenständige Räume mit jeweils individuellem Regelwerk und (Handlungs-)Vorgaben betrachtet, sind jedoch nicht klar definiert oder als Werte und Normen festgeschrieben innerhalb eines gesamtgesellschaftlichen Rahmens formuliert und akzeptiert. Ebenfalls spricht die Zugehörigkeit der o.g. Jugendkulturen für eine ohne weiteren Handlungsplan zukunftsorientierter Ziele. Ein Ausbrechen aus bisherigen, bekannten, gewohnten, gesellschaftlich erwünschten und akzeptierten Handlungsmustern institutioneller Gegebenheiten ist hier denkbar und stellt, gerade in dieser vorliegenden Biographie, eine deutlich selbstgewählte und bedachte Entscheidung(sfreiheit) in den Handlungsmustern dar. Ziel dieser Vorgänge ist die Selbstverwirklichung, welche in Teilen innerhalb des Interviews reflektiert, dargestellt und somit manifest ist. Die Adoleszenz der vorliegenden biographischen Abfolge von Handlungen jeglicher Strukturen der analytischen Abstraktion ist deutlich durch die Zugehörigkeit von Jugendkulturen wie Ultras und der Grafitti-Szene geprägt. Eine Beantwortung der Forschungsfrage wird im weiteren Verlauf erfolgen.

Laut Erzählungen von A. erfolgt der Einstieg in die Jugendkulturen im frühen Jugendstadium. So wird auf die Aufforderung, ab der Pubertät die eigene Biographie darzustellen, wie folgt geantwortet: „ Ab der Pubertät (mhpfff). Wann fängt die Pubertät an? Wahrscheinlich so mit 10? 10 11? Je nachdem, also ja doch schon, ich glaube, ähm ja, Freunde, Interessen. Ich glaube, ich habe mit 10 angefangen zu sprühen“ (I.Z. 4f.). Hier wurden erste Aktivitäten unternommen, mit Hinblick auf eine zukünftige Zugehörigkeit zur Graffiti-Szene (vgl. I.Z. 10f.). Durch unterschiedliche Handlungen, wie das Kaufen von Sprühdosen und deren Nutzung im öffentlichen Raum, welche der o.g. Jugendszene zugesprochen werden, verdeutlicht der Interviewte seine persönlichen und selbstbestimmten Bestrebungen, dieser Kultur aktiv beizuwohnen und sich somit innerhalb dieser selbst zu verwirklichen (vgl. I.Z. 12 fff.).

Der Impuls zum Einstieg in die Graffitikultur erfolgt durch den Bruder eines Freundes von A.. So beschreibt er.: „Ähm. Und sind über den großen Bruder eines Freunds, haben wir, ähm, der hat irgendwie seine Eddings immer dabei gehabt (...) und die haben immer Irgendwie, haben in der Schule viel getaggt“ (I.Z.7f.). Durch ein weiteres in der Abfolge späteren Interesses an dem Fußballverein Werder Bremen, welches sich zeitlich im Alter von acht oder neun Jahren durch ein Geburtstagsgeschenk einer Eintrittskarte ereignet, überschneiden sich innerhalb des biographischen Ablaufs immer wieder Phasen von intensiven Graffitiintentionsbewegungen und des Fußballinteresses (vgl. I.Z. 29f., 36f., 39f.). Unter Anbetracht der Fußballverlaufskurve, welche folgend weiter dargestellt wird, kann der Einstieg in den o.g. Zeilen als äußerliche Bedingungen betrachtet werden. Die Beteiligung in einem jungen Alter an Stadionbesuchen können als nicht-selbstbestimmtes biographisches Einwirken betrachtet werden, welches die Verlaufskurve der Jugendphase beeinflusst.

Die aktive und intentionale Handlung, sich im Zuge der siebten Klasse, erneut dem Graffiti zu widmen, welches mit einem kurzzeitigen Fußballdesinteresses einhergeht, zeigt einen wiederkehrenden Wechsel der verschiedenen Handlungsmuster auf (vgl. I.Z. 42fff.). Folgendes Zitat verstärkt diese Aussage zusätzlich: „…genau das Jahr 99, ähm als es dann auch so fußballmäßig wieder irgendwie mein interessenmäßig in den Fokus gerückt ist…“ (I.Z. 61f.). Ebenso in Zeile 79f. erwähnt A. erneut, dass er sich dem Fußball und dem intensiven Interesse auch an regelmäßigen Auswärtsspielen teilzunehmen, widmet. Hier jedoch können unterschiedliche Muster als aktiv und reaktiv gewertet werden. Die o.g. Angaben zeigen ein intrinsisches Interesse, welches eine selbstgesteuerte Entwicklung zur Folge hat und durch aktive Handlungen zur Selbstverwirklichung innerhalb der Bremer Ultras führt. Der erneute Einstieg in die Fußball-/Fanszene erfolgt durch Fremdeinwirkung und wird anhand folgender Aussage deutlich: „die Mutter kam zu uns und hat gesagt, eye ihr müsst eigentlich mal wieder ins Stadion gehen. So geht`s nicht weiter, die eigenen Fans haben die Mannschaft ausgepfiffen“ (I.Z. 69ff.). Hier kann ein Getrieben sein durch äußerliche und soziostrukturelle Bedingungen eines Jugendlichen nicht ausgeschlossen werden und steht als reaktiv beeinflusste Verlaufskurve des biographischen Ablaufs dem Handlungsmuster eins selbstbestimmten Handelns gegenüber.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Subkulturen auf die Biographie am Beispiel des szenetypischen Verhaltens im Bereich Graffiti & Ultras
Hochschule
Universität Bremen  (Erziehungs- und Bildungswissenschaften)
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V957898
ISBN (eBook)
9783346315922
ISBN (Buch)
9783346315939
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Graffiti, Ultras, Biographie Jugendliche, Subkultur, Einfluss, Qualitative Forschung, Schütze, Interviewanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Der Einfluss von Subkulturen auf die Biographie am Beispiel des szenetypischen Verhaltens im Bereich Graffiti & Ultras, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957898

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