Die Arbeit befasst sich mit der „Kriegsschuldfrage“ des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und der Person des preußischen Ministerpräsidenten und späteren deutschen Reichskanzlers: Otto von Bismarck. Hatte Bismarck diesen Krieg gewollt, vielleicht sogar willkürlich herbeigeführt? Oder hatten vielmehr Napoleon III. und seine Regierung den Krieg gesucht, etwa als „Rache für Sadowa“? Dabei wird nicht zuletzt zu untersuchen sein, ob man überhaupt von einer „Kriegsschuld“ im engeren Sinne sprechen kann.
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in die Diskussion der Kriegsschuldfrage seit 1870. Wer hat wann und warum diese Frage wie beantwortet und welche Gründe und Beweise sah man dafür? Anschließend werden mögliche Absichten Bismarcks bei der Aufnahme der „Hohenzollernschen Kandidatur“ für den spanischen Thron herausgearbeitet, jenem Ereignis, an dem sich der deutsch-französische Konflikt bekanntlich entzünden sollte. Es folgt eine Analyse der sogenannten „Julikrise“ 1870. Dabei wird die Rolle Bismarcks ebenso analysiert wie die seiner französischen Gegenspieler. Abschließend werden die Gründe und Ursachen für die „Emser Depesche“ untersucht, jenes Dokument, das allgemein als Anlass des Kriegs von 1870/1871 gilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Diskussion der „Kriegsschuldfrage“ von 1870
3 Die Aufnahme der Hohenzollernschen Thronkandidatur
4 Die „Julikrise“ 1870
5 Die „Emser Depesche“ und der Ausbruch des Krieges
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Otto von Bismarcks bei der Entstehung des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 sowie die damit verbundene „Kriegsschuldfrage“. Ziel ist es zu analysieren, ob Bismarck den Konflikt bewusst herbeigeführt hat oder ob andere Akteure und diplomatische Dynamiken für den Kriegsausbruch verantwortlich waren.
- Die historische Diskussion um die Kriegsschuld von 1870/71
- Die Hintergründe und Motive der spanischen Thronkandidatur
- Die diplomatischen Verwicklungen während der Julikrise 1870
- Die Rolle der Emser Depesche als Auslöser des Krieges
Auszug aus dem Buch
Die Aufnahme der Hohenzollernschen Thronkandidatur
Ihren Ausgang nahm jene Krise, die den preußisch-französischen Krieg auslösen sollte, mit der Hohenzollernschen Thronkandidatur. Nach der Entmachtung der spanischen Königin Isabella, im Zuge der spanischen Revolution von 1868, war auch Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, ein katholisch-süddeutscher Verwandter aus der Nebenlinie der preußischen Königsfamilie, in den engeren Kreis der Kandidaten für den spanischen Thron geraten.
Dass die Wahl der neu ins Amt gekommenen spanischen Regierung auf den Erbprinzen des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen fiel, den Prinzen Leopold, lag nicht sehr fern: Erst im April 1866 war, gleichfalls nach einem Staatsstreich, der zweite Sohn des Fürsten Karl Anton, des ehemaligen regierenden Herren von Hohenzollern-Sigmaringen, als Carol I. zum rumänischen König gewählt worden.
Beide Seiten, die preußische wie die französische, sahen in der spanischen Thronfolge schon relativ früh eine Möglichkeit im Sinne ihrer eigenen Interessen und Ziele „Bewegung in die internationale Szenerie“ zu bringen. Dennoch war der Stellenwert der Kandidatur für den preußischen Ministerpräsidenten Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen und für die preußische Politik zunächst von untergeordneter Natur, wie sich ganz unmissverständlich aus den Quellen ergibt. Vielleicht war er innerlich noch nicht engagiert genug, schließlich „waren die politisch brisanten Möglichkeiten dieses Projekts selbst noch nicht völlig zu überblicken“, urteilt u. a. Engelberg. Für Bismarck gewann die Kandidatur erst an Bedeutung als sich der neue spanische Ministerpräsident, Juan Prim, im September 1869 direkt an den preußischen König und schließlich an Bismarck selbst wandte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die umstrittene Kriegsschuldfrage des deutsch-französischen Krieges ein und skizziert das Forschungsinteresse an Bismarcks Rolle sowie den weiteren Verlauf der Arbeit.
2 Zur Diskussion der „Kriegsschuldfrage“ von 1870: Dieses Kapitel erläutert, wie sich die Sichtweise auf die Kriegsschuld im Laufe der Zeit entwickelte und wie insbesondere nach 1890 die Rolle Bismarcks kritischer hinterfragt wurde.
3 Die Aufnahme der Hohenzollernschen Thronkandidatur: Hier wird der Ursprung der Krise durch die spanische Thronfolge und Bismarcks anfänglich zögerliche, später entschlossene Haltung zur Kandidatur Leopolds untersucht.
4 Die „Julikrise“ 1870: Das Kapitel analysiert das Scheitern der Geheimhaltung und die eskalierende öffentliche Empörung in Frankreich, die den diplomatischen Konflikt massiv verschärfte.
5 Die „Emser Depesche“ und der Ausbruch des Krieges: Diese Ausarbeitung zeigt auf, wie Bismarck durch die redigierte Emser Depesche die nationale Stimmung nutzte, um Frankreich zur Kriegserklärung zu bewegen.
6 Fazit: Das Fazit resümiert, dass Bismarck keine langfristige Kriegsplanung verfolgte, sondern eine Politik mit offenem Ausgang betrieb, bei der der Krieg letztlich als Mittel zur Konfliktlösung in Kauf genommen wurde.
Schlüsselwörter
Otto von Bismarck, deutsch-französischer Krieg 1870/71, Kriegsschuldfrage, Hohenzollernsche Thronkandidatur, Emser Depesche, Julikrise, Napoleon III., Preußen, Diplomatie, Einigungspolitik, Nationalismus, Frankreich, spanische Thronfolge, Konfliktlösung, Machtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Verantwortung für den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und analysiert dabei insbesondere die Rolle von Otto von Bismarck.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die spanische Thronkandidatur, die diplomatischen Spannungen während der Julikrise 1870 und die Bedeutung der Emser Depesche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Bismarck den Krieg bewusst provozierte oder ob das Ereignis Ergebnis einer dynamischen, diplomatischen Eskalation war.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse auf Basis primärer Quellen und relevanter Forschungsliteratur, um die politischen Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entstehung der Hohenzollernkandidatur, dem Verlauf der Julikrise und der gezielten Zuspitzung durch Bismarck mittels der Emser Depesche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kriegsschuldfrage, Emser Depesche, spanische Thronkandidatur, Diplomatie und deutsche Einigungspolitik.
Welche Rolle spielte die „spanische Bombe“ in der Julikrise?
Die öffentliche Bekanntmachung der spanischen Thronkandidatur löste in Frankreich eine Empörungswelle aus, die den geplanten diplomatischen Coup gefährdete und zur weiteren Eskalation führte.
Wie bewertet der Autor Bismarcks Kalkül bezüglich des Krieges?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Bismarck keine starre Kriegsplanung verfolgte, sondern eine Politik der „offenen Möglichkeiten“ betrieb, bei der er militärische Auseinandersetzungen als Mittel zur Erreichung politischer Ziele in Betracht zog.
- Quote paper
- Jens Mühle (Author), 2014, Otto von Bismarck und die „Kriegsschuldfrage“ des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957902