Diese Arbeit soll Erkenntnisse dazu liefern, welche präventiven Maßnahmen dabei helfen können, das Wohlbefinden der Fachkräfte im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) zu fördern. Wie können die wirksamen Belastungsfaktoren im ASD verringert werden und welche entlastenden Faktoren stehen ihnen gegenüber?
Aufgrund der aktuellen Corona-Krise soll zusätzlich beleuchtet werden, welche Auswirkungen Covid-19 auf die Arbeit im ASD hat. Diese Fragen sollen anhand einer qualitativen Forschung, im Rahmen von Experteninterviews, beantwortet werden.
Einführend wird eine Darstellung des Tätigkeitsfeldes des Jugendamts und insbesondere des Aufbaus, der Zielgruppen sowie der Funktionen des ASD erfolgen. Im theoretischen Hauptkapitel folgt die Beschreibung einer Auswahl von möglichen Ansätzen der Burnout-Prävention. Der darauffolgende Teil beinhaltet die durchgeführte Forschungsmethodik. Das angewandte Erhebungsverfahren, das Forschungsziel sowie die Leitfadenkonstruktion werden beschrieben. Weitergehend werden das Sampling und die Durchführung der Empirie geschildert. Um die Nachvollziehbarkeit gewährleisten zu können, werden die Aufbereitungsmethode der Interviews und die Datenauswertung anhand der qualitativen Inhaltsanalyse beschrieben. Daran schließen eine deskriptive Beschreibung, theoretische Rückbindung und eine Diskussion der Forschungsergebnisse an.
Den Schluss der Arbeit bildet das Fazit mit der Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und dem Ausblick auf einen möglichen zukünftigen Umgang mit der Arbeitsbelastung und der Durchführung der Burnout-Prävention im Tätigkeitsfeld des Sozialen Dienstes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Jugendamt
2.1 Der allgemeine Soziale Dienst (ASD) und seine Adressaten
2.2 Aufgabenbereiche und rechtliche Grundlagen
2.3 Das staatliche Wächteramt
3. Stress, Belastung und Beanspruchung
3.1 Belastungs-Beanspruchungs-Konzept nach Rohmert & Rutenfranz (1975)
3.2 Stressforschung
3.2.1 Stressmodell nach Selye (1956)
3.2.2. Transaktionales Stresskonzept nach Lazarus et. al. (1984)
4. Burnout
4.1 Definitionsversuch
4.2. Symptomatik & Verlauf
4.3 Ätiologie & Risikofaktoren
4.3.1 Persönlichkeitszentrierter Erklärungsansatz
4.3.2 Sozial-, arbeits-, und organisationspsychologischer Erklärungsansatz
5. Burnout im Tätigkeitsfeld des ASD
5.1 Arbeitsbezogene Präventionsmaßnahmen
5.2 Selbstfürsorge
5.2.1 Selbstfürsorgemaßnahmen im ASD
5.2.2 Coping
5.3 Aktueller Forschungsstand
5.3.1 Belastungen im ASD
5.3.2 Entlastende Faktoren und präventive Maßnahmen im ASD
6. Methodisches Vorgehen
6.1 Erhebungsverfahren
6.1.1 Interviewform
6.1.2 Fragenformulierung
6.1.3 Interviewleitfaden
6.1.4 Sampling & Durchführung
6.2 Datenauswertung
6.2.1 Qualitative Inhaltsanalyse
6.2.2 Ergebnisdeskription
7. Diskussionsteil
7.1 Gütekriterien der qualitativen Forschung
7.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Thesis untersucht das Burnout-Risiko bei Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) unter Berücksichtigung von Belastungsfaktoren, individuellen Bewältigungsstrategien und präventiven Maßnahmen. Ziel ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Gesundheit der Fachkräfte trotz hoher Arbeitsanforderungen und komplexer Problemlagen im Kinderschutz erhalten werden kann, wobei auch die Auswirkungen der Corona-Krise beleuchtet werden.
- Belastungssituation im ASD und Kinderschutzauftrag
- Wissenschaftliche Stress- und Burnout-Konzepte
- Selbstfürsorge und Coping als präventive Ansätze
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews
- Entlastende Faktoren und institutionelle Unterstützung
Auszug aus dem Buch
3.1 Belastungs-Beanspruchungs-Konzept nach Rohmert & Rutenfranz (1975)
Nach Rohmert & Rutenfranz (1975, zit. nach Rusch, 2019, S.33f.) umfasst der wertneutrale Belastungsbegriff die Gesamtheit aller externen Einflüsse, die körperlich und psychisch auf eine Person einwirken (vgl. DIN EN ISO 10075-1). Zur Beschreibung der einwirkenden Reize kann synonym der Begriff „Stressor“ verwendet werden (Uhle & Treier, 2019, S.119ff.). Stressoren können sowohl negativ oder positiv als auch unterschiedlicher Natur sein (Reiners-Kröncke et al., 2010, S.46). Negative Belastungen werden als Fehlbelastungen bezeichnet. Im Rahmen der Forschungsfrage stehen Fehlbelastungen im Hinblick auf arbeitsbezogene (z.B. hohe Fallzahlen), organisatorische (z.B. Personalmangel) und psychosoziale Stressoren (z.B. berufliche Konflikte mit Kollegen oder Klienten) im Fokus.
Eine psychische Beanspruchung definieren Rohmert & Rutenfranz hingegen als direkte Auswirkungen einer Belastung auf und in einer Person (Rusch, 2019, S.33). Langfristige Konsequenzen werden Beanspruchungsfolgen genannt (ebd.). Es kann sich sowohl um (langfristig) hinderliche (z.B. Frust o. Burnout) als auch um förderliche Folgen (z.B. Aktivierung o. Gesundheitserhaltung) handeln (ebd.). Ob und in welchem Ausmaß Beanspruchungsreaktionen und -folgen entstehen, ist sowohl von der Qualität, Intensität und der Dauer der Stressoren als auch von den individuellen psychischen und körperlichen Ressourcen einer Person abhängig (ebd.). Insbesondere die Bewältigungsfähigkeit ist hierbei von Bedeutung. Die Beanspruchung fällt umso niedriger aus, umso besser eine Individuum mit Belastungen umgehen kann bzw. umso mehr förderliche Ressourcen vorhanden sind. Um das Konzept beispielhaft auf das Tätigkeitsfeld des ASD zu beziehen, bedeutet das, dass ein objektiv gleicher Stressor bei einer Fachkraft, die über mehr Berufserfahrung und damit über mehr Ressourcen verfügt, zu einem anderen Beanspruchungsmaß führt als bei einem Berufseinsteiger.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Arbeitsüberlastung im ASD ein und begründet das Forschungsinteresse an präventiven Maßnahmen gegen Burnout.
2. Das Jugendamt: Dieses Kapitel erläutert die Struktur, die Aufgabenbereiche und das staatliche Wächteramt des Jugendamtes bzw. des ASD.
3. Stress, Belastung und Beanspruchung: Hier werden theoretische Grundlagen aus der Stressforschung, wie das Konzept nach Rohmert & Rutenfranz sowie Stressmodelle von Selye und Lazarus, dargelegt.
4. Burnout: Dieses Kapitel widmet sich der Definition, den Symptomen, dem Verlauf und den ätiologischen Erklärungsansätzen des Burnout-Syndroms.
5. Burnout im Tätigkeitsfeld des ASD: Die theoretischen Erkenntnisse werden auf das spezifische Arbeitsfeld übertragen, wobei präventive Möglichkeiten, aktuelle Forschungsergebnisse und entlastende Faktoren analysiert werden.
6. Methodisches Vorgehen: Hier wird die qualitative Forschungsmethodik, bestehend aus Experteninterviews und deren Auswertung durch qualitative Inhaltsanalyse, beschrieben.
7. Diskussionsteil: Die Forschungsergebnisse werden im Kontext der Theorie diskutiert, Gütekriterien geprüft und ein abschließendes Fazit gezogen.
Schlüsselwörter
Burnout, Allgemeiner Sozialer Dienst, ASD, Stress, Belastung, Beanspruchung, Prävention, Selbstfürsorge, Kinderschutz, Sozialarbeit, qualitative Forschung, Experteninterview, Coping, Arbeitsbelastung, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Burnout-Risiko bei Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), analysiert Belastungsfaktoren und erforscht präventive Maßnahmen sowie Strategien zur Gesundheitserhaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Arbeitsbelastung im ASD, das Burnout-Syndrom, Stressbewältigung (Coping), Selbstfürsorge und die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeit im Kinderschutz.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die hohen Belastungsfaktoren im ASD reduziert und die Gesundheit der Fachkräfte durch individuelle und institutionelle Maßnahmen gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wurde eine qualitative, theoriegenerierte Forschungsmethodik gewählt, die Experteninterviews mit Fachkräften aus verschiedenen Sozialen Diensten umfasst und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wird.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen des Jugendamts, Stress- und Belastungskonzepte, Definitionen und Verläufe von Burnout sowie Strategien der Selbstfürsorge und Burnout-Prävention im beruflichen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Burnout, ASD, Kinderschutz, Stressbewältigung, Selbstfürsorge, Belastungsfaktoren und Prävention sind die maßgeblichen Begriffe.
Wie wirkt sich die Corona-Krise konkret auf die Arbeit im ASD aus?
Die Corona-Krise führt zu strukturellen Veränderungen (Homeoffice, Kontaktbeschränkungen), erschwert die Überprüfung des Kindeswohls und erhöht die Sorge vor einer Dunkelziffer bei Kindeswohlgefährdungen.
Welche Rolle spielen Berufsanfänger bei der Arbeitsbelastung?
Berufsanfänger gelten als besonders belastet, da sie noch keine Routine besitzen. Ihre Einarbeitung stellt für erfahrene Fachkräfte eine zusätzliche zeitliche Belastung dar.
Warum wird Teamarbeit als Entlastung hervorgehoben?
Das Team wird als „Sicherheitsfaktor“ betrachtet, der Rückendeckung bietet, kollegiale Beratung ermöglicht und ein stützendes Arbeitsklima schafft, das den Einbruch einzelner Mitarbeiter verhindern kann.
- Arbeit zitieren
- Tanja Albrecht (Autor:in), 2020, Burnout im Allgemeinen Sozialen Dienst. Belastung, Risiko und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957917