Diese Hausarbeit behandelt das Leben und Wirken Klaus Störtebekers. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, konzentriert sich der Inhalt auf die historische Person im Kontext seiner gesellschaftlichen Verhältnisse. Dazu sollen die mit dem Individuum in Verbindung stehenden Mythen entschlüsselt und Erklärungsansätze offengelegt werden. Das Augenmerk liegt weiterhin auf der Differenz zwischen Kaperfahrt und Piraterie, um dem/der Leser/in den Zugang zum Hintergrundwissen der Thematik zu erleichtern.
Ferner wird innerhalb dieser Abarbeitung die Fragestellung erläutert, inwiefern moderne Darstellungen Klaus Störtebekers als „Robin Hood“ zu rechtfertigen sind. Dazu sollen die Gewalttaten des Freibeuters in Relation mit der Heroisierung als Volksheld über-prüft werden. Auch sind die Umstände seiner Gefangennahme und seines Todes zu klären. Des Weiteren ist zu beantworten, ob die Vermarktung des Namens zur Mythologisierung der Persönlichkeit beigetragen hat. Zudem besteht die Problematik darin, dass gesellschaftliche Konstrukt des späten 14. frühen 15. Jahrhunderts im Nord- und Ostseeraum zu entflechten, damit ein Überblick über die Thematik gegeben ist. Um dies zu gewährleisten, wird beiläufig in dieser Hausarbeit auf die handelswirtschaftliche und politische Organisation der Hanse eingegangen. Zeitgleich setzt sich diese Abarbeitung zur Aufgabe, dem/der Leser/in zu verdeutlichen, dass Störtebeker als Anführer einer brutalen Bruderschaft nicht dem Ideal eines Volkshelden entsprach.
Zur Beantwortung der genannten Fragestellungen stützt sich die Arbeit im Wesentlichen auf den Forschungsstand zahlreicher Zeitschriften, Monografien und Sammelbände. Überdies ist die Tatsache zu erwähnen, dass die Quellenbasis der verwendeten Literatur hauptsächlich aus hanseatischen Chroniken und verschiedenartigen Kaperbriefen unterschiedlicher Regenten besteht. Dies ist anhand mangelnder schriftlicher Überlieferungen auf Seiten der Seeräuber zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. PIRATERIE UND KAPERFAHRT
2.1 Die Hanse
2.2 Die Differenz zwischen Piraterie und Kaperfahrt
2.3 Piraterie und Kaperfahrt zur Zeit Störtebekers
3. DER PIRAT KLAUS STÖRTEBEKER
3.1 Vitalienbrüder
3.2 Herkunft eines Gesichtslosen
3.3 Der „Robin Hood der Meere“
3.4 Gefangennahme und Tod
4. STÖRTEBEKERMYTHOS
5. FAZIT
6. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die historische Person Klaus Störtebeker im Kontext seiner gesellschaftlichen Verhältnisse, um moderne Mythenbildung und die Heroisierung als „Volksheld“ kritisch zu hinterfragen. Dabei wird das Ziel verfolgt, das Handeln der historischen Person von der späteren romantisierten Darstellung zu entflechten und die ökonomisch-politische Rolle der Hanse sowie die Differenz zwischen Kaperfahrt und Piraterie zu beleuchten.
- Historische Analyse der Person Klaus Störtebeker und der Vitalienbruderschaft.
- Differenzierung zwischen legitimierter Kaperfahrt und rechtswidriger Piraterie.
- Untersuchung der Entstehung und Festigung des „Störtebekermythos“.
- Kritische Bewertung der Heroisierung als „Robin Hood der Meere“.
- Rolle der Hanse im Kontext des Seeraubs im späten 14. und 15. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der „Robin Hood der Meere“
Mit der Verwendung der Metapher „Robin Hood“ wird Bezug zu einer Persönlichkeit genommen, welche in einer bestimmten Situation das Eigentum eines Wohlhabenden entwendet, um es unter seinesgleichen oder anderen Bedürftigen aufzuteilen. Dabei strebt das Individuum eine möglichst gewaltfreie Anwendung der Straftat an, damit das Ideal des gerechten Gesetzlosen bewahrt bleibt. Zudem sicherte diese sich mit dieser Taktik den Rückhalt innerhalb der Bevölkerung. Dank der Mythologisierung Störtebekers findet diese Metapher auch bei seinen Taten Anklang. Der als „Robin Hood der Meere“ betitelte Freibeuter wird dabei als Volksheld verklärt und in seinem Kampf gegen die Rechtsstaatlichkeit unterstützt. Außer Acht wird dabei jedoch gelassen, dass er sich aufgrund seiner Mitgliedschaft in einer Piratenbruderschaft zahlreichen Untaten schuldig machte. So kaperten die Vitalienbrüder unter Störtebeker und Godeke Michels Handelsschiffe, die nicht in einem Feindverhältnis mit ihrem Auftraggeber standen.
Während dieser Kaperfahrten kamen zahllose Seeräuber ums Leben, wurden versklavt oder als Mittel zur Lösegelderpressung eingesetzt. Zudem fanden Methoden der Gefangennahme Anwendung, welche dem Prinzip eines „Robin Hoods“ widersprechen. Demnach verwahrten die Vitalienbrüder gefangengenommene Geiseln in Transportfässern, die nur mit einer Öffnung für den Kopf der betroffenen Opfer versehen waren. Des Weiteren wurden die Kaufleute und Seemänner für den Rest der Kaperfahrt in diesem Zustand unter Deck verstaut. Folglich ist anzunehmen, dass etliche Geiseln aufgrund ihres Verwahrungszustandes verstarben. Ferner werden weitere schwerwiegende Straftaten in den isländischen Annalen erwähnt. Dort ist die Rede von Plünderungen und Verletzungen des Kirchen- und Frauenrechts in der Stadt Bergen. Es ist hierbei anzunehmen, dass es sich um Kirchenschändigungen und Vergewaltigungen seitens der Vitalienbruderschaft handelte. Betrachtet man abschließend den Auszug dieser von der Bruderschaft begangenen Straftaten, ist eine Heroisierung Störtebekers als Repräsentant dieser Gemeinschaft fraglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Piraterie, die Vorstellung der historischen Person Klaus Störtebeker und die Definition des Forschungsrahmens sowie der Zielsetzung.
2. PIRATERIE UND KAPERFAHRT: Erläuterung der Hansegeschichte und der rechtlichen sowie faktischen Unterschiede zwischen organisierter Kaperfahrt und räuberischer Piraterie im Spätmittelalter.
3. DER PIRAT KLAUS STÖRTEBEKER: Analyse der Vitalienbrüder, der unsicheren Herkunft der historischen Figur, der Mythenbildung als „Robin Hood“ sowie der Umstände seiner Gefangennahme und Hinrichtung.
4. STÖRTEBEKERMYTHOS: Untersuchung der Entstehung und künstlerischen Verarbeitung des Störtebeker-Mythos von historischen Chroniken bis hin zu modernen Festspielen.
5. FAZIT: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Heroisierung des Piraten vor dem Hintergrund seiner nachweislichen Grausamkeit und kriminellen Handlungen hinterfragt wird.
6. LITERATURVERZEICHNIS: Aufstellung der verwendeten Fachliteratur, Quellen und Sammelbände.
Schlüsselwörter
Klaus Störtebeker, Piraterie, Kaperfahrt, Vitalienbrüder, Hanse, Likedeeler, Mythos, Volksheld, Robin Hood der Meere, Seeräuberei, Mittelalter, Geschichte, Nordsee, Ostsee, Simon von Utrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Figur Klaus Störtebeker und der kritischen Auseinandersetzung mit seinem Bild als „Volksheld“, das durch spätere Mythenbildung und mediale Inszenierung geprägt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Felder sind die Geschichte der Hanse, das Seerecht im Mittelalter (Unterschied Piraterie vs. Kaperfahrt), die historische Realität der Vitalienbrüder und die Entstehung des Störtebeker-Mythos.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der historischen Realität eines brutalen Anführers einer Räuberbruderschaft und der romantisierenden Figur des „Robin Hood der Meere“ aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse des Forschungsstandes, die Auswertung zeitgenössischer Chroniken, hanseatischer Akten und die kritische Rezeption existierender Sekundärliteratur zu diesem Thema.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Rahmenbedingungen (Hanse, Thronfolgekriege), das Leben und Wirken Störtebekers, die grausamen Methoden der Vitalienbrüder sowie die Entwicklung und Vermarktung des Störtebeker-Mythos untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Störtebeker, Piraterie, Vitalienbrüder, Hanse, Kaperfahrt, Mythos, Volksheld und historische Quellenanalyse.
Warum wird Störtebeker in der Arbeit kritisch als „Robin Hood der Meere“ hinterfragt?
Weil die historische Überlieferung auf eine brutale Bruderschaft hinweist, die nachweislich Verbrechen wie Plünderungen, Folter und Gewalt gegen Zivilisten beging, was dem moralischen Anspruch eines „Robin Hood“ diametral widerspricht.
Welche Rolle spielte Simon von Utrecht bei der Gefangennahme Störtebekers?
Simon von Utrecht wurde von der Hansestadt Hamburg gezielt rekrutiert und militärisch mit spezialisierten Schiffen (Schniggen) ausgestattet, um die Seeräuber auf Helgoland zu stellen und Störtebeker schließlich gefangen zu nehmen.
Wie erklärt die Arbeit das Fortbestehen des Mythos heute?
Der Mythos wird durch eine Wechselbeziehung aus künstlerischer Verarbeitung (Dichtung, Musik), kommerzieller Nutzung (Festspiele, Biersorten) und einer ideologischen Vereinnahmung (sozialistisches Bild vom Kampf gegen die Hanse) aufrechterhalten.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Klaus Störtebeker im Kontext seiner gesellschaftlichen Verhältnisse. Eine kritische Betrachtung des Mythos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957941