Gender in der Modebranche. Von Männlich/Weiblich zu Unisex


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gender

3. Gender Shift

4. Gender in der Modegeschichte

5. Unisex

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

Einleitung

Jeden Tag, bevor wir zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität gehen, fragen wir uns, welche Kleidung wir anziehen sollen. Ob Anzug oder Jogginghose - Kleidung spielt in unserem Alltag eine besondere Rolle. Jedes Kleidungsstück, das wir tragen, spiegelt nicht nur unsere Identität wieder, sondern viel mehr, als wir tatsächlich denken, wie wir es im Verlauf dieser Arbeit bemerken werden. Warum ich mich für dieses Thema in meiner Arbeit entschieden habe, lässt sich in zwei Sätzen erklären: Einerseits war ich immer an der Frage nach der eigenen Identität, bedingt durch das Aussehen, interessiert und andererseits finde ich, dass die Tatsache, dass Mode ein Spiegel der Gesellschaft ist, sehr bemerkenswert.

Mit unserer Kleidung ist es uns möglich zwischenmenschlich zu kommunizieren, ohne uns der wörtlichen Sprache zu bedienen. Mode ist eine Form der nonverbalen Kommunikation und kann dem Gegenüber sehr viel über seine Identität und Persönlichkeit erzählen. Sei es sportlich oder schick, Hippie oder Punk oder männlich oder weiblich. In dieser Arbeit möchte ich dabei den Fokus auf die Thematik Gender und Kleidung legen, denn als allererstes offenbart die Kleidung, die wir tragen, ob wir ein Mann oder eine Frau sind. Allerdings ist diese Klassifizierung in männlich und weiblich heutzutage nich mehr ganz so einfach. Das Spiel von Identität und Geschlecht in der Mode ist ein langfristiger Trend, der in den Jahren wiederholt aufgetaucht und inszeniert wurde. Um den Umfang der Arbeit im vorgegebenen Rahmen zu halten, wird im folgenden nur ein Teil der wissenschaftlichen Quellen referiert.

Einleitend zur Thematik wird zunächst der Begriff „Gender“ erläutert, der das Verständnis dieser Hausarbeit voraussetzen soll. Im Folgenden soll versucht werden zu klären, inwieweit Mode den gesellschaftlichen Wandel widerspiegelt und Ausdruck einer androgynen Revolution der Gesellschaft ist. Dazu wird erläutert inwieweit der „Gender Shift“ diesen Wandel bedingt hat und es wird auch ein kurzer geschichtlicher Überblick über den Verlauf der Kleiderordnung von Mann und Frau wiedergegeben. Ihren Abschluss findet die vorliegende Arbeit in den Schlussbemerkungen, die die Ergebnisse und meine eigenen Gedanken zusammenfassen.

Gender

Gender ist ein allgängiger Begriff in unserer heutigen Gesellschaft, doch was er genau im Kontext bedeutet ist vielen nicht bekannt. Es ist daher wichtig den Begriff näher zu untersuchen und zu definieren, da die Begriffe Gender und Sex in der Alltagssprache oft als Synonym verwendet werden. Der Begriff „Gender“ stammt vom lateinischen Wort „generare“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie „erzeugen“.1 In diesem Zusammenhang ist mit Gender nicht das biologische Geschlecht gemeint, sondern die Geschlechterrolle, die einem Menschen von der Gesellschaft zugeordnet wird. Bis in die 1990er Jahre beschäftigte sich die angloamerikanische feministische Debatte mit der Frage, ob die Bestimmung des Geschlechts wesentlich ist oder sozial konstruiert. Aus dieser Debatte geht die Unterscheidung zwischen "Sex" als biologischem Begriff und "Gender" als sozial determiniertem Begriff hervor.2 Die Differenzierung von Mann und Frau basiert auf der Biologie und hat weitreichende Konsequenzen für die soziale Positionierung des Einzelnen und dessen Selbstwahrnehmung. Der Körper wird allgemein als "natürliche" Tatsache und damit als unveränderliche Grundlage der Geschlechtsbestimmung angesehen.

Der Begriff „Gender“ ermöglicht eine stärkere Berücksichtigung des Geschlechts, ohne das Denken durch „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ einzuschränken.3 Gender ist eine Konstruktion aus dem sozialen und kulturellen Geschlecht. Neue Lebensstile und gesellschaftliche Trends, aber auch die verschiedenen Medien und die Mode prägen in diesem Jahrhundert zunehmend die vermeintlichen Geschlechter. Auf diese Weise wird das Bestreben, über die beiden Geschlechter oder die Dualität der Geschlechter hinauszugehen, immer wichtiger. Es wird zunehmend fraglich, ob in der heutigen Gesellschaft noch eine allgemeine Männlichkeit oder Weiblichkeit existiert, aufgrund der zunehmenden Manifestationen von beidem und der daraus resultierenden zwischen Zone.

Gender Shift

Der „Gender Shift“ geht der Frage nach, welche Bedeutung Geschlechterrollen in unserer zukünftigen Gesellschaft haben werden und wie damit umgegangen wird, dass sich die Geschlechteridentität eines Individuums je nach Gefühlsempfinden verändern kann. Der Megatrend „Gender Shift“ basiert auf der gleichnamigen Trendstudie „Gender Shift“, die 2015 vom Zukunftsinstitut veröffentlicht wurde.

Megatrends umfassen verschiedene Bereiche des Lebens, darunter Stichwörter wie Globalisierung, gesunde Lebensweise, Frauenwandel oder demographischer Wandel. Durch solche Trends wird dafür gesorgt, dass sich neue Lebensstile, Bedürfnisse und Werte der Menschen langfristig entwickeln.4 In der Studie „Gender Shift“ wird eine Veränderung unserer bislang stark männlich dominierten Gesellschaftsstruktur diskutiert, bei der zunehmend eine Integration der Weiblichkeit stattfindet, die eine Art Androgyne in der Gesellschaft schafft. Dadurch wird dem Einzelnen immer mehr Freiheit und Unabhängigkeit seiner Persönlichkeit verleiht unabhängig von der traditionellen Rolle des männlichen oder weiblichen Geschlechts.5 Diese Veränderung zeigt sich insbesondere in der Mode- und Lifestyle-Branche, die in der folgenden Arbeit anhand einzelner Beispiele näher erläutert wird.

Dieser Entwicklung geht der Megatrend „Female Shift“ voraus, der die weltweite Emanzipation von Frauen dokumentiert. Diese steigende Emanzipation ermöglicht der neuen Frau Stereotype zu überwinden und in Männerdomänen einzutreten, sei es in ihrer Berufswahl oder im Freizeitbereich. Der aus dem „Female Shift“ folgende Megatrend „Gender Shift“ untersucht nicht nur die Frauen, sondern auch die Zwänge und Klischees der Rolle der Männer im sozialen System.6 Letztendlich betrifft die neue Entwicklung alle, unabhängig vom weiblichen oder männlichen Geschlecht oder der sexuellen Orientierung, wie heterosexuell, homosexuell oder transsexuell. Die männlich strukturierte Gesellschaft wird laut Zukunftsinstitut zunehmend von weiblichen Merkmalen überholt, bis sich schließlich eine androgyne Gesellschaft als Ganzes durchsetzt. Außerdem geht das Institut davon aus, dass sich der „Gender Shift“ langfristig auf politischer, kultureller und wirtschaftlicher Ebene durchsetzen wird. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschlechtsidentität, die sich immer mehr verändern und individualisieren wird.7

"In einer androgynen Gesellschaft wird jeder Einzelne sein persönliches Potenzial immer mehr ausleben können, ohne sich von den traditionellen Formen des Seins von Frauen oder Männern fesseln zu lassen, [.. .].“8

Nach dem enormen Erfolg der Auflösung von starren weiblichen Stereotypen, ist der Gender Shift der nächste Schritt, um jedem Einzelnen die Möglichkeit zu geben freier über seine eigene Identität zu entscheiden und auch ihr Geschlecht ohne biologische Aspekte zu bestimmen.

Gender in der Modegeschichte

„Da Mode sich in der Wechselwirkung von Kleidern und Körpern konstituiert, im Einwirken von Menschen auf die Kleider, die sie tragen (= inszenieren) und umgekehrt im Einfluss der Kleider auf die Menschen, kann man sie als eine Körperpraxis betrachten. Menschen und Kleider inszenieren einander wechselseitig und verändern sich dabei, und es entsteht dabei immer ein drittes, der Modekörper. Dieser ist in der Regel ein Geschlechtskörper. “9

Da Steeles Auffassung Schönheit ihre Wurzeln in sexuellen Empfindungen habe, soll dieser Geschlechtskörper dazu dienen sexuelle Anziehung durch männliche bzw. weibliche Modische Stilistiken zu erzeugen. Die modische Inszenierung von Identitäten ist daher auch immer als Inszenierung des Geschlechts war zunehmen.10

Laut Lehnert sei Mode zwar dominant, dennoch müsse sie sich nicht der Heteronormativität verpflichten. Mode sollte als eine Möglichkeit gesehen werden, von den bestehenden Normen abweichen zu können. Dazu zählen beispielsweise androgyne und unisex Stile, die an Formen im Raum ausgerichtet seien. Die Bandbreite der eigenen Identität ist extensiv, wobei die Mode sie einem Individuum einerseits ermögliche, da die eigene Identität nach außen transportiert werden kann, andererseits auch eingrenzen könne, da zeitgleich die wahre Identität eines Individuums unter der Kleidung versteckt werden kann.11

„Sie moduliert Identitäten und damit auch Geschlechtsidentitäten und gibt dabei (ungeachtet der Normativität, die gesellschaftlich den Geschlechtsidentitäten anhaftet), auch die Freiheit, die traditionellen Grenzen von Zweigeschlechtlichkeit zu überschreiten und viele Versionen und Nuancen zu erforschen. Entgegen dem, was oft propagiert wird, drückt Modebekleidung also Identität und folglich auch Geschlecht nicht einfach aus. Sie ist vielmehr stark in seine Hervorbringung involviert; sie ist eine alltagsrelevante Form von ,doinggender‘.“12

Bedingt durch sich immer weiter ändernde Normen und Gesellschaftsbilder ist die Identität kein monotoner Prozess, sondern ändert sich stetig mit. Die geltende Geschlechterordnung wurde im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte und wird immer neu in Frage gestellt. Beispielsweise gab es eine strikte Geschlechterhierarchie, welche jedem Geschlecht seinen festen Platz zuwies und die Frauen den Männern untergeordnet waren. So hat sich auch das, was in der Gesellschaft als männlich oder weiblich galt, im Laufe der Zeit verändert, z. B. trugen Jungen vor hundert Jahren rosa, weil diese Farbe Blut und Kampf repräsentierte und Mädchen trugen hellblau, da Blau die Farbe der Jungfrau Maria, des ewigen Weiblichen, ist.

Von der Antike, über die Renaissance, bis heute wurde in allen Kulturen geschlechtsspezifische Kleidung getragen, sei es unterschiedliche Gewänder für Männer und Frauen oder Kleidung, um seine Geschlechtsteile hervorzuheben13 In der frühen Neuzeit wurde die Kleiderordnungen entsprechend dem sozialen Stand der Menschen genau vorschrieben und so wurden bestimmte Farben, Schnitte und Materialien, wie Spitze dem Adel vorbehalte, welche für Bürger oder Bauern verboten waren. Das änderte sich erst langsam mit dem Umbruch der gesellschaftlichen Ordnung. Im 18. Jahrhundert verfolgte die Gesellschaft zunehmend das Ziel nach Individualität und Dualität der Geschlechter Persönlichkeit, um das Geschlecht und die sozialen Funktionen zu verbessern.14

„Die beiden Geschlechter gelten zunehmend als physisch und psychisch grundlegend verschieden. Die Mode wird zur bürgerlichen Angelegenheit und zur Sache der (Ehe-)Frauen, deren soziale Funktion sich zunehmend auf das Private und Häusliche einschränkt [...]. Männer schmücken sich nicht länger, sie kleiden sich seriös und stilistisch reduziert in Anzüge, die ihre Seriosität, ihre Korrektheit, ihr Leistungsethos, ihr ,Sein‘ betonen. Sie hatten, so befand die Geschlechterideologie, es nicht mehr nötig, ein buntes Pfauenrad zu schlagen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Kleidung der Männer wird folglich seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr mit Mode gleichgesetzt.“15

Mode wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum Themengebiet der Frau gemacht, wodurch sich eine klare Struktur der sozialen Rollenverteilung und ein Dualismus entwickelte. Frauenmode bedeutet im Gegensatz zur schlichten Männermode Fülle und Glanz.

„[...] Frauen schmückten sich und machten sich selbst äußerlich zum schönsten Besitz der Männer, sie ,bewiesen‘ deren Bedeutung, indem sie durch ihre unpraktische ‘ Kleidung vorführten, dass sie nicht arbeiten mussten.“16

[...]


1 vgl. Rastetter: Sexualität und Herrschaft in Organisationen: Eine geschlechtervergleichende Analyse, VS Verlag für Sozialwissenschaften 1994, S. 36

2 Prof. Dr. Doderer (2019): Gender Studies. Düsseldorf: Peter Behrens School of Arts

3 vgl. Schmelzer: Gender Turn - Gesellschaft jenseits der Geschlechternorm, Bielefeld: transcript Verlag 2013, S. 15.

4 vgl. Naisbitt; Aburdene: Megatrends 2000: Ten New Directions for the 1990's, New York: William Morrow & Co 1990, S. 9ff.

5 Prof. Dr. Doderer (2019): Gender Studies. Düsseldorf: Peter Behrens School of Arts

6 vgl. Kelber, Kirig, Muntschick: Gender Shift, Wien: Zukunftsinstitut 2015, S. 7f.

7 vgl. Kelber, Kirig, Muntschick: GS 2015, S. 12f.

8 Kelber, Kirig, Muntschick: GS 2015, S. 12f.

9 Lehnert: Mode: Theorie, Geschichte und Ästhetik einer kulturellen Praxis, 2. unveränderte Auflage 2015, Bielefeld: transcript Verlag 2013, S.37

10 vgl. Lehnert: M 2015, S.37

11 vgl. Lehnert: M 2015, S.37f.

12 Lehnert: M 2015, S.37f.

13 vgl. Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider, 2 Teile, Tl.1, Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900, Düsseldorf, Zürich: Artemis & Winkler 2000, S.189.

14 vgl. Lehnert: M 2015, S. 39.

15 Lehnert: M 2015, S. 39.

16 Lehnert: M 2015, S. 40

17 vgl. von Pape, Cora: Kunstkleider - Die Präsenz des Körpers in textilen Kunst-Objekten des 20. Jahrhunderts, Bielefeld: transcript Verlag 2008, S.59.

18 vgl. Lehnert: M 2015, S.41.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Gender in der Modebranche. Von Männlich/Weiblich zu Unisex
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V958142
ISBN (eBook)
9783346301956
ISBN (Buch)
9783346301963
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Unisex, kleidung
Arbeit zitieren
Rebecca Pajares Hammacher (Autor:in), 2020, Gender in der Modebranche. Von Männlich/Weiblich zu Unisex, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958142

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