Bis zu 300.000 Sportbegeisterte haben sich allein in Berlin auf der Fan-Meile versammelt, um sich gemeinsam auf metergroßen Bildschirmen, ein Fußballspiel anzusehen. Es ist der 13. Juni 2014 und Deutschland steht im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Argentinien. Am Ende gewinnt die deutsche Nationalmannschaft mit 1:0 und feiert damit den lang ersehnten vierten Weltmeistertitel. Knapp 68 Jahre zuvor fand auch ein internationales, großes Sportereignis statt. Das Bild war im Grundprinzip ähnlich: auch hier versammelten sich Schaulustige, um sich gemeinsam ein übertragenes sportliches Ereignis anzusehen. Damals hatte man sich in einem kleinen Raum nahe Berlin versammelt, um das Geschehen, auf einem 18 mal 22 Zentimeter großen Bildschirm zu verfolgen. Es ist der 1. August 1936 und die olympischen Spiele in Berlin finden ihren Anfang. Am Ende sichert Deutschland sich den ersten Platz im Medaillenspiegel und die XI. Olympischen Spiele gehen als erste Medienspiele in die Geschichte ein. Doch nicht nur das, die Olympischen Sommerspiele 1936 revolutionierten die Übertragung des Sportgeschehens soweit, dass ihre Auswirkungen bis heute, in der allseits präsenten, medialen Sportberichterstattung, zu spüren sind. Im Folgenden soll erläutert werden, inwiefern die Olympia-Berichterstattung von 1936 die Sportsendungen bis heute prägen.
Inhaltsverzeichnis
1. Olympia
2. Die Berichterstattung der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin
2.1 Live-Übertragungen
2.2 Leni Riefenstahls Olympia
2.2.1 Ästhetik in Leni Riefenstahls Olympia
2.2.2 Montage in Leni Riefenstahls Olympia
3. Sportsendungen nach 1936 und deren Parallelen zu Riefenstahl und dem Fernsehsender „Paul Nipkow“
3.1 Sportfilme
3.2 Live-Berichterstattungen
4. Ein Meilenstein der Sportberichterstattung
5. Nach den olympischen Spielen ist vor den olympischen Spielen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den historischen Einfluss der Olympia-Berichterstattung von 1936 auf moderne Sportsendungen und analysiert, inwieweit technische und ästhetische Standards von damals noch heute die mediale Darstellung sportlicher Großereignisse prägen.
- Analyse der historischen Live-Berichterstattung der Spiele von 1936.
- Untersuchung der filmischen Ästhetik und Montagetechniken in Leni Riefenstahls "Olympia".
- Vergleich historischer Inszenierungen mit zeitgenössischen Sportfilmen und Berichterstattungen.
- Nachweis der Kontinuität von Inszenierungsmerkmalen in modernen Formaten.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Montage in Leni Riefenstahls Olympia
Die Montage kann als Zusammenfügen mehrerer Einzelteile verstanden werden, sei es in der Kunst mit Hilfe von Schere und Kleber oder in der Filmindustrie durch technische Hilfsmittel. Spricht man vom Film, sind mit den Einzelteilen Filmsequenzen gemeint.
Ein technisches Hilfsmittel, dessen sich auch Riefenstahl annahm. Das Resultat der Montage-Anwendung in Fest der Schönheit war eine der unvergessenen Sportfilmszenen der Geschichte – das Turmspringen der XI. Olympischen Spiele. Riefenstahl filmte die Sportler in ihrer Flugphase gegen den Himmel und schnitt dies in Zeitlupe. Im Film ist zu sehen, wie sich diese Turmspringer permanent in der Luft befinden und nie ankommen scheinen; eine Folge der Montage in dieser Szene. Riefenstahl fügte die einzelnen Flugsequenzen der Springer zusammen. Dabei nutze sie nicht nur die Realbewegung, sondern spielte einzelne Sprünge auch rückwärts ab. Es wirkt, als bestünde in diesen vier Filmminuten eine dauerhafte Schwerelosigkeit. Eine bis dahin noch nie gesehene Anwendung der Montage. In Olympia treibt Riefenstahl diese Montage noch einen Schritt weiter. Beim Marathonlauf erhöht sie gar die Schnittfrequenz der einzelnen Filmsegmente. Das Hinzufügen spannungsvoller und immer schneller werdender Musik lässt den Marathon immer mehr zu einem „immer härteren Kampf der Läufer gegen sich selbst“ werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Olympia: Einführung in die historische Bedeutung der olympischen Medienberichterstattung und deren Verbindung zu modernen Fan-Erlebnissen.
2. Die Berichterstattung der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin: Darstellung der technischen Entwicklung des Fernsehens und der ästhetischen Regiearbeit von Leni Riefenstahl.
3. Sportsendungen nach 1936 und deren Parallelen zu Riefenstahl und dem Fernsehsender „Paul Nipkow“: Analyse der methodischen Übernahme historischer Stilelemente in spätere Sportfilme und Live-Reportagen.
4. Ein Meilenstein der Sportberichterstattung: Fazit über die dauerhafte Etablierung technischer und ästhetischer Standards, die 1936 begründet wurden.
5. Nach den olympischen Spielen ist vor den olympischen Spielen: Ausblick auf die zeitlose Faszination sportlicher Großereignisse und deren mediale Inszenierung über die Jahrzehnte.
Schlüsselwörter
Olympia 1936, Leni Riefenstahl, Sportberichterstattung, Fernsehgeschichte, Filmästhetik, Montagetechnik, Live-Übertragung, Sportfilm, Medieninszenierung, XI. Olympische Spiele, Paul Nipkow, Filmische Darstellung, Sportereignisse, Zeitlupe, Geschichte des Fernsehens.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der olympischen Berichterstattung von 1936 auf die heutigen Standards der Sportmedien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Filmästhetik, den Anfängen der Live-Fernsehübertragung und der Entwicklung der Montagetechnik im Sportfilm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, wie die technischen und künstlerischen Innovationen während der Spiele von 1936 die mediale Sportberichterstattung bis heute prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine medienwissenschaftliche Analyse historischer Filmdokumente und vergleicht diese mit zeitgenössischen Beispielen der Sportberichterstattung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Analyse der Live-Übertragungen, die filmtheoretische Untersuchung von Leni Riefenstahls Werken und den Vergleich mit modernen Produktionen wie etwa "Tokyo Olympiad".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Olympia 1936, Riefenstahl, Filmästhetik, Montage, Live-Übertragung und Medieninszenierung.
Warum spielt Leni Riefenstahl eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Riefenstahl setzte mit ihren Filmtechniken in "Olympia" Standards für die Inszenierung menschlicher Körper und Bewegungsabläufe, die bis heute als Vorbild für Sportaufnahmen dienen.
Inwiefern beeinflusste der Fernsehsender „Paul Nipkow“ die Berichterstattung?
Der Sender leistete Pionierarbeit bei der ersten Live-Übertragung, die es einem Publikum ermöglichte, sportliche Ereignisse zeitnah außerhalb der Stadien zu verfolgen.
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- Manuel Wiesinger (Author), 2018, Inwiefern prägt die Olympia-Berichterstattung von 1936 Sportsendungen bis heute?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958246