Anforderungen an die Person des Herrschers bei Aristoteles und Machiavelli


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Führungsköpfe früher wie heute

3. Aristoteles Politik & Machiavellis der Fürst

4. Der Staat bei Aristoteles und Machiavelli

5. Die Anforderungen an den Machthaber
5.1 Aristoteles Politik
5.2 Aristoteles Nikomachische Ethik
5.3 Machiavellis II Discorsi
5.4 Zusammenführung

6. Staat ohne Herrscher ist kein Staat

7. Literaturverzeichnis

2. Führungsköpfe früher wie heute

Die Führungsköpfe des Staates bestimmen das Geschehen des eigenen Gebietes. Sprechen wir heute über Politiker, sprachen Philosophen damals über Machthaber, Könige und Herrscher. Doch früher wie heute war dies eine leitende Rolle im Staatengebilde. Verschiedene Machthaber haben verschiedene Charakter, so regiert dabei auch jeder von ihnen unterschiedlich. Nichts desto trotz: Die Suche nach dem Ideal ist früher ebenso von Bedeutung gewesen, als das heute der Fall ist. Verschiedene Philosophen haben dafür vor mehreren hundert Jahren ihre Ansichten dazu abgegeben, wie regiert werden soll. Zwei Bedeutende Akteure in der Geschichte der politischen Philosophie waren dabei Aristoteles und Platon. Im Folgenden soll verglichen werden, welche Anforderungen an die Person des Herrschers von Aristoteles und Machiavelli gestellt werden. Dabei kann zu Beginn davon ausgegangen werden, dass Niccolo Machiavelli hierbei drastischere, für heutige Begriffe härtere, Anforderungen stellt, zumal dieser dafür bekannt ist, fernab von moralischen Wertvorstellungen zu handeln. Eine wichtige Figur, nicht nur im politikwissenschaftlichen Geschehen, sondern auch in der Ethik, ist Aristoteles. Dieser dürfte, auch in den Anforderungen an die Person des Herrschers, als Vertreter der Moral gelten und weniger drastische Mittel befürworten, respektive Anforderungen stellen.

Doch dass der zuerst genannte Machiavelli weniger drastisch ist, als er dargestellt wird, geht auch bei Jürgen Hartmann, Bernd Meyer und Birgit Oldopp (2002) hervor. Die Autoren nehmen eine ganz klare Stellung pro Machiavelli ein. Er wird dort stark verteidigt, untermalt mit Ausrufen. Hier wird der Menschheit zu Beginn gar vorgeworfen, den Begriff „machiavellistisch“ nicht wirklich zu kennen. Anders ist dies im Werk von Henning Ottmann, (2006) der Fall. Hier wird zwar auch auf den Fakt eingegangen, dass Machiavelli weniger brutal ist, als dargestellt - dabei wird aber eine wesentlich sachlichere Variante gewählt. Hinzu kommt, dass die moralverwerfende Einstellung kritischer untersucht wird, als es im Werk von Hartmann und Co der Fall ist. Ebenso sachlich analysiert Henning Ottmann (2001) das politische Geschehen der griechischen Philosophen zusammenfassend. Bei der Analyse über die politischen Ideen der Theoretiker greifen auch Wilhelm Bleek und Hans J. Lietzmann (2005), zu einem nüchternen Stil. Hierbei sind die Zusammenfassungen auf Grund der Anzahl der aufgeführten Philosophen und Ideengeber allerdings auf das Nötigste begrenzt und fallen daher eher sehr knapp aus. Bei Ambros Uchtenhage (1963) wird das Erscheinungsjahr in der Sprache spürbar, die hier aber dennoch auf einem sehr intellektuell, hohen, Niveau geführt wird.

Die Werke von Aristoteles {Politik 2017, Nikomachische Ethik 2003), sowie Machiavelli {II Discorsi 2006, Der Fürst 2001) sind freilich nicht nur in dieser Arbeit von unheimlicher Bedeutung, sondern auch in der Geschichte des politischen Denkens. Aristoteles schreibt hierbei sehr theoretisch und gibt Beispiele, während Machiavellis Werk als sehr praktisch orientiert zu bewerten ist.

3. Aristoteles Politik & Machiavellis Der Fürst

Für Aristoteles ging es vor allem um den Menschen. So ist der sogenannte zoonpolitikon auch eines der Hauptaugenmerke in seinem Werk „Politik“. Dieser Begriff beschreibt für ihn ein soziales Wesen, das nach Gemeinschaft strebt und diese zum Überleben braucht. Konkret formuliert also ein Mensch, der als Grundbestimmung das Zusammenleben mit anderen Menschen innehat. Menschen mit dieser Beschreibung, die zoon politikon, leben bei Aristoteles in der polis. Das ist der öffentliche, politische Bereich, in dem alle Bürger, ausgenommen Frauen, Sklaven und Metöken, gleichberechtigt sind. Der Raum der polis wird mit dem oikos, dem privaten Raum unterschieden. Dort herrschen hierarchische Beziehungen. Der Mann steht über der Frau, der Vater über seinem Kind und der Herr über seinem Sklaven. Beim Menschen unterscheidet Aristoteles aber auch. So gibt es für ihn zwei Seelenteile, die einen Menschen von Tieren und Pflanzen unterscheiden. Der Mensch ist nicht nur ein zoon politikon, sondern auch ein zoon logon echon, ein rationales, Vernunft- und sprachbegabtes Wesen. Funktionen, die andere Lebewesen nicht besitzen und den Menschen somit von Tieren und Pflanzen abgrenzen.

Aristoteles ist ein Freund von Unterscheidungen, das merkt man auch in seiner Differenzierung von theoretischer und praktischer Philosophie. Weiterführend behandelt sich Aristoteles aber nicht nur mit dem Menschen, sondern gibt auch Auskunft über seine Ansichten zur politischen Institutionenlehre. Er unterscheidet bei der Anzahl der Regierenden zwischen einem oder einigen Regierenden, sowie der Möglichkeit, dass alle regieren. Seine primär bevorzugte Regierungsform ist dabei eine Politie, eine Mischung aus Demokratie und Oligarchie. Dort regieren alle unter guter Verfassung und orientieren sich am Gemeinwohl. Zusammenfassend wird klar, dass bei Aristoteles vor allem der Mensch von hoher Bedeutung ist, sei es nur im Staat oder im Werk selbst. Machiavelli, auf der anderen Seite, ist bekannt dafür, die Politik komplett von der Moral des Menschen zu entkoppeln. Ziel der Politik ist die Aufrechterhaltung der Herrschaft, die Machterreichung sowie die Machtbewahrung. In Machiavellis erstem Werk, II Principe befasst er sich mit dem richtigen Verhalten eines Herrschers. Was musst ein Fürst tun, um die Herrschaft zu bekommen und was muss er tun, um diese zu erhalten? Das sind die zentralen Fragen in U Principe unter dem Deckmantel der Monarchie. In U Discorsi stellt Machiavelli die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Der staatsförmige Leitfaden hier: Die Republik und die Frage danach, was das gesellschaftliche Zusammenleben sichert. U Discorsi erscheint wie ein Ratgeber für das politische Geschehen in einer Republik. Er erläutert dabei nicht nur Vor- und Nachteile einer Republik, sondern richtet Tipps an den Fürsten, die Republik und die Art und Weise, wie idealerweise Krieg geführt werden soll. Einen roten Faden lässt er dabei missen - die Handlungsvorschläge scheinen niedergeschrieben, wie sie Machiavelli eben gerade in den Sinn gekommen sind. Befürwortet Machiavelli in UPrincipe die Moralentkopplung frei nach dem Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel“, so ist dies in II Discord nicht mehr der primäre Leitspruch.

4. Der Staat bei Aristoteles und Machiavelli

Der Begriff Staat stammt aus der Neuzeit - bei den Griechen gab es ihn gar nicht. Den Beginn feierte Machiavelli in seinem Werk U Principe. Darüber hinaus wurde der Term über mehrere Jahrhunderte hinweg geprägt und angewendet. So lässt sich der Staat nach dem Soziologen Max Weber beispielsweise als eine Form rationaler Herrschaft definieren. (Vgl. Ottmann 2001a: 8) Die sinnliche Bedeutung über einen Staat, also einen politischen Raum, in dem die Menschen handeln, meist angetrieben von einer oder mehreren Führungskräften, die gab es bereits in der Zeit der Griechen, beispielsweise bei Aristoteles. Er bildet den Staat aus seinem Menschenbild, den zoonpolitikon, heraus. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 26) Der Staat wird bei Aristoteles als polis bezeichnet - der öffentliche Raum, in dem sich eben jene gesellschaftsbedürftigen Menschen dem Austausch widmen. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 31) Dementsprechend muss auch der Start so angeordnet sein, dass der Mensch sich dort tugendhaft, auf einem Weg zum guten Leben, entfalten kann. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 26 f.) Seine ideale Staatsform ist die selbstauserkorene Politie, eine Mischform aus Demokratie und Oligarchie, bei der es auch Herrscher braucht. Diese stellen für ihn die Gelehrten dar. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 29) Machiavelli hingegen löst sich bei deiner Staatstheorie von Aristoteles Denkweise über einen, von Natur aus geselligen Menschen und einer daran orientierten Verfassung. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 41) Machiavelli war gar für die strikte Trennung und Ethik und Politik und so war auch sein Staat ein Gebilde um einen Herrscher, der alle Mittel zum Zweck nutzt, um an die Macht zu kommen und in Folge dessen eine stabile politische Ordnung im Sinne der freiheitlichen Republik zu bilden. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 43 f.) Neben der Republik war das Fürstentum seine einzige Alternative für eine ideale Staatsform. (Vgl. Ottmann 2006: 17) Bei der letzteren Form führt er vermehrte Unterscheidungen durch. Ist das Fürstentum erblich oder neu und wenn es neu ist, ist es gemischt (halb alt, halb neu) oder ganz neu und so weiter. (Vgl. Ottmann 2006: 18) Gegenüber gestellt, handelt es sich bei beiden politischen Denkern um Staatsformen, die einen Herrscher oder mehrere benötigen. Die Staatsdefmition von Max Weber, über eine Form rationaler Herrschaft, trifft hier definitiv zu. (siehe Seitenbeginn) Je nach Staatsform, verändert sich die Herrschaftsvariante und je nach Herrschaftsvariante verändert sich auch die staatliche Dominanzbeziehung. „War die traditionale Herrschaft persönlich, so ist die staatliche Herrschaft versachlicht. War die traditionale Herrschaft zersplittert, so ist die staatliche zentralisiert. Und wenn die traditionale Herrschaft rechtlich willkürlich war, so ist die staatliche in ihren Verfahren berechenbar.“ (Ottmann 2001a: 8)

Zentral dabei: Der Herrscher. Und wer sich so intensiv mit einem Staat und somit auch den Herrschern davon auseinandersetzt, der kommt nicht daran vorbei, seine Anschauungen über die Position des Herrschers niederzuschreiben. Beste Beispiele hierfür sind Aristoteles und Machiavelli, in deren Staatsvorstellungen auch die Tipps für das ideale Handeln eines Herrschers, ein fester Bestandteil waren.

5. Die Anforderungen an den Machthaber

5.1. Aristoteles Politik

Um einen Vergleich der beiden Anforderungen an den Machthaber aufzustellen, sollen im Folgenden zunächst die Ansichten diesbezüglich von Aristoteles aufgezeigt werden. Die erste Problematik, die sich hierbei stellt ist, dass Aristoteles kein Befürworter der Alleinherrschaft war. Sein bevorzugtes Staatssystem bestand aus dem Herrschen aller Personen im Sinne des Allgemeinwohls in der Politie. Die Tryannis sei für ihn gar „am wenigsten von allen eine Staatsverfassung“ (Aristoteles 2017: 1311b]). Trotzdem stellt er Anforderungen, sollte es hier einen Herrscher geben. In Aristoteles Hauptwerk Politik führt er hierfür vier verschiedene Arten der Königsherrschaft auf. Je nach Machterlangung unterteilt er diese in Heroenzeit, die barbarische Königsherrschaft, die Aisymnetie, sowie die lakedaimonische Königsherrschaft (Vgl. Aristoteles 2017: 1286a]). Erste Anforderungen stellt Aristoteles unter anderem bei der Judikative. So muss der Herrscher in einem Staate selbst Gesetzgeber sein. Menschen können in Einzelfällen besser Rat geben, so Aristoteles. Da diese aber auch falsch liegen könnten, sollte der Herrscher keine entscheidenden Gesetze formulieren (Vgl. Aristoteles 2017: [1286a). Das Wort „Herrscher“ ist Singular und steht für eine Person. Nichts desto trotz sollte sich die Person des Regierenden bei seinen Entscheidungen beraten lassen, „denn auch heute noch machen die Alleinherrscher viele zu ihren Augen, Ohren, Händen und Füßen“ (Aristoteles 2017: [1287b). Wenngleich Aristoteles sich mit seinen Schriften in einer Zeit 300 vor Christus bewegt, so hat das zu-Rate-holen bis heute Stand gehalten. Aristoteles warnt hier aber auch und führt eine Gefahr auf: Im Normalfall sucht sich der Herrscher für seine Beratung Personen aus seinem Freundeskreis, respektive Freunde seiner Herrschaft. Sucht und findet er allerdings keine Freunde, sondern Personen anderer Ideologien, so handeln diese Personen auch nicht nach der Entscheidung und dem Willen des Alleinherrschers. (Vgl. Aristoteles 2017: [1287b)

Des Weiteren muss ein Herrscher, respektive König, „über eine Macht verfügen, diese Macht muß aber so groß sein, daß sie jedem, sowohl einem einzelnen als auch mehreren zusammen, überlegen ist, jedoch geringer als die der Menge“ (Aristoteles 2017: [1286b). Durch die Überlegenheit der Macht über Einzelnen, als auch Mehreren, wird die Herrschaft legitimiert. Diese Überlegenheit sorgt unterstützend auch für eine gewisse Autorität. Diese Macht darf aber nicht größer, als die der Menge werden, da sonst ein komplettes Machtmonopol entsteht und die Bürger so das Gefühl verlieren, sich gegen den Herrschenden auflehnen zu können, sollten sie die Annahme bekommen, unterdrückt zu werden. Gleichzeitig zeigt er aber auf, dass für eine Königsherrschaft eine gewisse Gleichberechtigung vorhanden sein muss. Von Natur aus gleiche Bürger haben die selbe Würde, daher sollte für diese, so Aristoteles in seinem Diskurs, gleiches Recht gelten (Vgl. Aristoteles 2017: 1287a]). In gleicher Manier ist es aber auch schädlich, „dass Gleiche Ungleiches erhalten“ (Aristoteles 2017: 1287a]).

5.2 Aristoteles Nikomachische Ethik

Wenngleich Aristoteles kein Befürworter der Alleinherrschaft war, so hat er doch wenige Anforderungen an die Person des Herrschenden in seinem Werk Politik gestellt. Doch für dieses Thema bedarf es eine genauere Betrachtung in die Werke des „Philosophen“, wie er im Mittelalter, sowohl in der christlichen, als auch in der islamischen Welt einfach betitelt wurde. (Vgl. Bleek et al. 2005: 19) In seiner dritten Fassung zu Ethik, die Nikomaschische Ethik, widmet er sich der richtigen Operation eines Menschen und dessen Verhalten auf dem Weg zu dem, von Aristoteles auserkorenen, Ziel: Das Glück. Hier kommt das Partizipieren in der Gemeinschaft hinzu, wodurch man automatisch ein Teil der polis, des Staates wird. So können Aristoteles Ratschläge an den Menschen in Nikomachische Ethik auch als Ratschläge an einen Herrscher verstanden werden, zumal er für den Begriff des Herrschers auch vermehrt Synonyme verwendet. Das Verhältnis zwischen herrschen und beherrscht werden, geht zurück bis in den Naturzustand des Menschen. Ein Naturzustand, in dem die Menschen nach Aristoteles von Geburt an einen Gemeinschafsdrang verspüren, mit dem sie im weiteren Verlauf nach dem Glück streben. (Vgl. Hartmann et al. 2002: 26 f.) Um das soeben angesprochene Glück zu erreichen, braucht es ein Leben in der Philosophie. Denn wer „ein aktives Leben des Geistes führt und den Geist pflegt, von dem darf man sagen, sein Leben sei aufs beste geordnet und er werde von den Göttern am meisten geliebt“ (Aristoteles 2003: [1179a 4-26]). Doch selbst wenn man sein Leben komplett der geistigen Anschauung widmet, bedarf es trotzdem „Gesundheit des Leibes [...], Nahrung und sonstige Pflege“, sowie einen „beträchtlichen Aufwand“, um glücklich zu werden (Aristoteles 2003: [1178b 17 - 1179a 4]). Nichtjeder Mensch hat hierfür aber gar die Möglichkeit dazu. Nach Aristoteles kann man über drei Varianten zu einem wertvollen, glücklichen Menschen werden. „Durch Naturanlage, durch Gewöhnung oder durch Belehrung“ (Aristoteles 2003: [1179b 14 - b 35]). Das zuerst genannte steht freilich nicht in der Macht des Menschen, frei nach dem sarkastischen deutschen Sprichwort: „Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen“. Für eine Gewöhnung bedarf es trotzdem einen trefflichen Charakter im Vornherein. Ein Charakter, der das Edle liebt und das Unedle verabscheut. Ein Charakter, der ebenso nicht unerlässlich ist, wenn es darum geht, zu einem edel handelnden Menschen, respektive Herrscher, belehrt zu werden (Vgl. Aristoteles 2003: [1179b 14 - b35]f.). So wird man also nicht als guter Herrscher geboren, sondern zu einem gemacht. Entspricht man dem Charakter nicht, stellt man sich also als unbelehrbar und unverbesserlich dar, so soll nach Züchtigung ein Stoß aus der Gemeinschaft folgen (Vgl. Aristoteles 2003: [1179b 35 - 1180a 21]). Eine Anforderung Aristoteles wird hier also durch den Weg zur Herrscherposition dargestellt. Frei nach dem Leitsatz des Grundsatzes seines Lehrers, Platon, der das Beliebt-sein bei den Menschen als die beste Basis jeder Herrschaft darstellte (Vgl. Uchtenhagen 1963: 97). Steht man bereits an der Macht, so ist für den Philosophen wichtig, edel zu handeln, selbst ohne eigenen, großen Besitz. Bekanntlich, so Aristoteles, „handelt der einfache Bürger nicht minder rechtlich als der Machthaber; er übertrifft ihn sogar“ (Aristoteles 2003: [1179a 4-26]). Im Umkehrschluss stellt Aristoteles hier die Anforderung, sich weniger auf den Besitz zu begrenzen, sondern primär gut zu handeln. Ein glücklicher Mensch wird dadurch ausgezeichnet, dass er selbst mit wenig, ihm zur Verfügung stehenden Besitz, das Edelste getan hat. Somit sorgt er auch für Überzeugungskraft. Hierbei reicht es nicht einfach, ethische Werte zu kennen, nein - Aristoteles fordert den Versuch, diese Werte auch zu Besitzen und sie in die Tat umzusetzen, um ein trefflicher Mensch zu werden. Somit schafft ein Herrscher, auch junge Leute anzuregen und diese zu begeistern (Vgl. Aristoteles 2003: [1179a 26 - b 14]) - eine Fähigkeit, die heut zu Tage viele Politiker an sich selbst missen. Neben Wissen über ethische Werte ist auch eine gute Allgemeinkenntnis in einer Herrscherposition von Nöten. Diese sorgt für Erfahrung, mit der sich eine Vorstellung über Anwendungen in Teilgebieten bildet (Vgl. Aristoteles 2003: [1180a 21 - b9]f.) Andersrum „wird man zu erwarten haben, daß jemand, der in Praxis oder Theorie ein Fachmann werden will, die Richtung auf das Allgemeine einschlägt“ (Aristoteles 2003: [1180b 9-28]). Hier ist Aristoteles Wille nach der geistigen Anschauung für das Glück erneut zu erkennen. So auch im Folgenden, wo er den Wissenden als Idealperson erklärt, um Personen zu Erziehen und sie in eine gute Verfassung zu bringen (Vgl. Aristoteles 2003: [1180b 9-28]). Somit schließt sich der Kreis bei Aristoteles. Es braucht ein Leben mit der Philosophie, um glücklich zu werden. Es braucht vor allem tugendhafte, wissende Menschen um zu regieren und intelligente Personen, um Personen zu lehren. Der Einzelne, der viel bewirken kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Anforderungen an die Person des Herrschers bei Aristoteles und Machiavelli
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V958247
ISBN (eBook)
9783346301536
ISBN (Buch)
9783346301543
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Aristoteles, Anforderungen, Herrscher, Vergleich, Il Discorsi, Nikomachische Ethik
Arbeit zitieren
Manuel Wiesinger (Autor), 2018, Anforderungen an die Person des Herrschers bei Aristoteles und Machiavelli, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958247

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