Mit Blick auf die bevorstehende Heim-WM 2006 brauchte es dringend Reformen in der Ausbildung von deutschen Nachwuchsspielern. Der deutsche Fußball-Bund (DFB) und die deutsche Fußball-Liga (DFL) zogen dabei an einem Strang und führten unter anderem neue Trainingssteuerungen, Jugendförderprogramme und Fußballinternate ein. Mittlerweile hat sich aus den Erfahrungen der EM 2000 und den daraus resultierenden Reformen ein sehr gutes Konzept zur Ausbildung von Nachwuchsspielern entwickelt. Bestätigt wurden diese erfolgreichen Maßnahmen durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.
Wie dieses Konzept der Nachwuchsförderung konzipiert ist und welche Chancen und Probleme es mit sich bringt, wird mittels der vorliegenden Arbeit erläutert. So soll im ersten Teil der Musterweg eines Jugendspielers anhand des DFB-Fördersystems dargestellt werden. Des Weiteren folgt eine Erläuterung der Chancen und Probleme dieses Systems. Überdies werden im letzten Teil noch Lösungsansätze für die vorhanden Probleme gegeben. Abgerundet wird die Arbeit dann durch den Schluss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Musterweg eines Jugendspielers anhand des DFB-Fördersystems
2.1 DFB-Stützpunkt
2.2 Nachwuchsleistungszentrum
2.3 Fußballeliteschule
2.4 U-Nationalmannschaft und U19 Bundesliga
3. Chancen des DFB-Fördersystems
3.1 Professionelle fußballerische Ausbildung
3.2 Professionelle schulische Ausbildung
4. Probleme des DFB-Fördersystems
4.1 Probleme bei der Talentsichtung
4.2 Relative Age Effect
5. Lösungsansätze für die Probleme des DFB-Fördersystems
5.1 Bio-Banding
5.2 Erweiterungen der NLZ-Kapazitäten
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Struktur der deutschen Nachwuchsförderung im Fußball, ausgehend von den Reformen nach der Europameisterschaft 2000. Ziel ist es, den idealtypischen Werdegang eines Jugendspielers darzustellen sowie die Chancen und bestehenden Probleme des Systems kritisch zu hinterfragen und mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen.
- Struktur des DFB-Fördersystems (Talentpyramide)
- Chancen der professionellen Ausbildung im NLZ und an Eliteschulen
- Problematiken der Talentsichtung und der Selektionsstrategie
- Analyse des Relative Age Effect (RAE) im Jugendbereich
- Entwicklung von Lösungsansätzen wie Bio-Banding und Kapazitätserweiterungen
Auszug aus dem Buch
4.2 Relative Age Effect
Das große Problem in der deutschen Jugendfußballarbeit, welches auch wissenschaftlich und statistisch nachgewiesen werden kann, ist der „Relative Age Effect“ (RAE). Unter dem RAE versteht man die „Abweichung der Verteilung der Geburtstage von selektierten Sportlern (Kader, Auswahlmannschaften, hohes Wettkampfniveau) von deren Verteilung in vergleichbaren Normalpopulationen“ (Lames, 2008, S.1). Es ist sehr auffällig, dass Sportler, die selektiert wurden, vermehrt in den ersten beiden Quartalen eines Jahres geboren sind als in den letzten beiden. Folgende Grafik stellt diesen Fakt deutlich dar:
Die Grafik zeigt den Vergleich zwischen den Geburtsmonaten der DFB-Stützpunktmitglieder und der Geburtenverteilung im entsprechenden Ausschnitt der deutschen Bevölkerung. Es ist zu sehen, dass der Graph, der die Geburtsmonate der DFB-Stützpunktmitglieder angibt, im Laufe eines Jahres kontinuierlich sinkt. Der Graph, der die entsprechende deutsche Bevölkerung darstellt, ist das gesamte Jahr konstant auf einer Höhe. Dementsprechend sind zu Jahresbeginn und zu Jahresende auch die größten Unterschiede zu sehen. So befindet sich der prozentuale Anteil der im Januar geborenen DFB-Stützpunktmitglieder bei knapp 13% und der im Dezember geborenen bei 5%. Der Anteil der entsprechenden deutschen Bevölkerung liegt über das Jahr verteilt konstant bei ungefähr 8-9%. So ergibt sich teilweise ein Unterschied von bis zu 5% (vgl. Lames, 2008, S.1-3). Es kann also nicht abgestritten werden, dass es den Relative Age Effect im Nachwuchsbereich des deutschen Fußballs gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Nachwuchsförderung, insbesondere die Reformen nach dem Misserfolg bei der EM 2000.
2. Musterweg eines Jugendspielers anhand des DFB-Fördersystems: Dieses Kapitel skizziert die verschiedenen Stufen der Talentförderung von den Stützpunkten bis hin zur U-Nationalmannschaft.
3. Chancen des DFB-Fördersystems: Hier werden die Vorteile der flächendeckenden fußballerischen Ausbildung sowie der schulischen Förderung erläutert.
4. Probleme des DFB-Fördersystems: Es werden kritische Aspekte beleuchtet, insbesondere die Herausforderungen bei der Talentsichtung und der einflussreiche Relative Age Effect.
5. Lösungsansätze für die Probleme des DFB-Fördersystems: Das Kapitel diskutiert innovative Ansätze wie das Bio-Banding und die Erweiterung von Kapazitäten in den Nachwuchsleistungszentren.
6. Schluss: Der Schluss fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses in der Talentförderung.
Schlüsselwörter
DFB-Fördersystem, Jugendfußball, Talentförderung, Nachwuchsleistungszentrum, Eliteschule des Fußballs, Relative Age Effect, Talentsichtung, Bio-Banding, Fußballmanagement, Ausbildung, Selektionsstrategie, Nachwuchsarbeit, Talententwicklung, Sportwissenschaft, DFL.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur und Effektivität der deutschen Nachwuchsförderung im Fußball seit dem Jahr 2000.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Ausbildungsweg junger Spieler, die Vor- und Nachteile der Förderstrukturen sowie wissenschaftlich belegte Probleme wie der Relative Age Effect.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Darstellung der Chancen und Probleme des vom DFB geschaffenen Systems, um aufzuzeigen, wie die Ausbildung optimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Statistiken zur Talentförderung sowie Modellen aus der Trainingswissenschaft.
Welche inhaltlichen Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt den „Musterweg“ eines Jugendspielers, die Vorteile professioneller Strukturen und die Herausforderungen bei der Talentsichtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Begriffe wie DFB-Fördersystem, Nachwuchsleistungszentrum, Relative Age Effect und Bio-Banding stehen im Zentrum der Arbeit.
Was genau versteht man unter dem "Relative Age Effect" im Fußball?
Es beschreibt das statistisch nachweisbare Phänomen, dass Spieler, die in der ersten Jahreshälfte geboren sind, aufgrund ihres biologischen Entwicklungsvorsprungs häufiger in Auswahlteams selektiert werden.
Wie kann das Problem der Chancenungleichheit durch Bio-Banding gelöst werden?
Beim Bio-Banding werden Spieler nicht nach dem Alter, sondern nach ihrem biologischen Reifegrad in homogene Gruppen eingeteilt, um Spätentwickler zu fördern und Frühentwickler stärker zu fordern.
Warum wird die schulische Ausbildung in dieser Arbeit betont?
Da nur ein sehr geringer Prozentsatz den Sprung in den Profifußball schafft, ist eine parallele schulische Ausbildung essenziell für die berufliche Absicherung der jungen Spieler.
- Arbeit zitieren
- Niklas Reuter (Autor:in), 2020, Idealtypische Fußball-Karriere eines Jugendspielers in Deutschland. Chancen und Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958278