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Die ambivalente Darstellung der Prostituierten in der Lyrik des Expressionismus

Title: Die ambivalente Darstellung der Prostituierten in der Lyrik des Expressionismus

Seminar Paper , 2020 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Olivia Schulze Wierling (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Die vielseitige Darstellung des Frauenbildes ist ein oft bevorzugter Gegenstand in expressionistischen Werken und daher für eine genauere Analyse besonders reizvoll. Nach einer der Übersicht dienenden Einführung über das expressionistische Zeitalter beschäftigt sich diese Arbeit zunächst mit einer Einführung in den Themenkomplex der Frauendarstellung in der Moderne. Im Anschluss wird die Fragestellung untersucht, wie die zur gesellschaftlich marginalisierten Gruppe gehörenden Dirnen auf unterschiedliche Weise in der expressionistischen Literatur dargestellt werden, um anhand dessen aufzeigen zu können, dass Prostituierte eine zentrale weibliche Figur im Expressionismus darstellen und in diesen das Wesen mit dem Produkt vereinigt wird. So entsteht ein Warencharakter, der von Autoren in der expressionistischen Literatur auf unterschiedliche Art und Weise präsentiert wird. Durch die ambivalente Darstellungsweise wird die Prostituierten außerdem als Personifizierung der expressionistischen Welterfahrung erörtert.

Die Expressionisten erfuhren die Großstadt als ein Abbild der totalen Entfremdung, das Endprodukt einer Verfallsgeschichte der Menschheit. Künstler/-innen nahmen vieles als künstlich, feindlich, schnell und laut auf. In diesem Gebilde der Großstadt taucht die Prostituierte als eine zentrale Figur auf. Käufliche Frauen wurden in der genannten Zeit zum Gegenstand facettenreicher literarischer Positionen und Phantasien der zumeist männlichen Autoren und erfüllten eine Reihe unterschiedlicher Funktionen. Die Darstellung der Prostituierten erfolgt in der Dichtung und in Liedern auf unterschiedliche Art und Weise. So wird sie als Personifikation von Vitalität, Wahrhaftigkeit, Lebenserfahrung und existentieller Menschlichkeit dargestellt und tritt in einem degenerierten Umfeld als das Wilde, Ungebändigte und Zügellose im Menschen auf. Innerhalb der rückwärtsgerichteten und erstarrten Gesellschaft spiegelt die Prostituierte unter anderem auch das Idealbild eines nicht in den gesellschaftlichen Konventionen gefangenen Lebens wider. Ferner repräsentiert sie die Versinnbildlichung des noch nicht erforschten Leiblichen, des Sinnlichen, des Sexuellen in einer von moralischen Normen und Regeln dominierten bürgerlichen Gesellschaft. Die Dirne als Wesenhafte wird aber nicht immer als Geliebte, Einzigartige und Wahrhaftige dargestellt. Auch viele negative Charakterisierungen lassen sich in der Literatur der Expressionisten wiederfinden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das expressionistische Zeitalter

3. Die weibliche Moderne: Expressionismus und Geschlechterdiskurs um 1900

3.1 Frauen in der literarischen Konzeption des Expressionismus

4. Die Prostituierte als Schlüsselfigur

4.1 Die Prostituierte als Personifikation der expressionistischen Welterfahrung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die ambivalente Darstellung der Prostituierten in der Literatur des Expressionismus, um aufzuzeigen, wie diese Figur als zentrale weibliche Repräsentation die expressionistische Welterfahrung personifiziert und gesellschaftskritische Funktionen übernimmt.

  • Die gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts.
  • Die literarische Konstruktion von Weiblichkeit und Geschlechterrollen um 1900.
  • Die Analyse der Prostituierten als Symbolfigur zwischen Vitalität, Entfremdung und Warencharakter.
  • Die literarische Verarbeitung von Großstadtproblematik und Entmenschlichung.
  • Untersuchung exemplarischer expressionistischer Lyrik auf ihre Frauenbilder.

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Prostituierte als Personifikation der expressionistischen Welterfahrung

In dem als Beispiel gewählten Gedicht „An die Verstummten“, welches 1913 veröffentlicht wurde, wirft Georg Trakl die Großstadtproblematik des Expressionismus auf. Der Dichter legt bereits zu Beginn des Gedichtes eine wehklagende Stimmung an den Tag, denn der Sprecher empfindet die unbekannte Großstadt als wahnsinnig (V.1). In diesem düsteren Umfeld zwischen verkrüppelten Bäumen und dem „Geist des Bösen“ (V.3) taucht in Strophe zwei die Hure auf, die im kalten verregneten Wetter ein „totes Kindlein gebärt“. Die Prostituierte dient hier am Symbol der Käuflichkeit, Schuld und dem Zerfall der moralischen Werte, wird jedoch vom Dichter auch als Verlierer der Gesellschaft dargestellt, indem sie die Armut in der Großstadt präsentiert und die große Disparität zu der reichen Bevölkerungsschicht aufzeigt. Dass die Dirne offensichtlich keine Unterkunft oder Geborgenheit besitzt, geht daraus hervor, dass sie sich ganz offensichtlich dazu genötigt fühlt, ihr totes Kind bei schlechtem Wetter auf offener Straße austragen zu müssen. Gleichzeitig wird in ihr die Anonymität der Großstadt verkörpert, denn durch die fehlende Solidarität und der nicht vorhandenen Bereitwilligkeit der Bevölkerung zur Hilfe, wird das Gefühlskalte und die Thematik des Todes (V.6) durch ihr Wesen verkörpert.

Die Anonymität spiegelt sich auch in der fehlenden Information über den Vater des Kindes wider, wodurch sich an dieser Stelle erahnen lässt, dass das tot ausgetragene Baby durch einen käuflichen Geschlechtsakt entstanden ist. Wie solch ein Geschlechtsakt mit einer Prostituierten in der Regel abläuft, versucht Paul Boldt in dem Gedicht „Die Dirne“ (1914) zu beschreiben. Dabei bedient sich der Dichter eines lyrischen Ichs als Beobachter des Geschlechtsakts eines Mannes mit einer Prostituierten. In Vers 1 steht die käufliche Frau unbeteiligt und kühl vor dem Mann. Sie wird mit Fischen an heißen Sommertragen verglichen – regungslos und unbeteiligt. Ihre Zähne hat sie in sein Gesicht geschlagen und trinkt „entschlossen dies Gefühl“ (V.4). An dieser Stelle wird die Prostituierte als Wilde und Zügellose porträtiert, die ungebändigt dem Mann ins Gesicht zu beißen scheint.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der ambivalenten Darstellung der Prostituierten im Expressionismus vor und definiert sie als zentrale, mit Warencharakter behaftete Figur der literarischen Moderne.

2. Das expressionistische Zeitalter: Das Kapitel erläutert die technologischen, sozialen und weltanschaulichen Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die das neue, vom Ersten Weltkrieg geprägte Lebensgefühl der Expressionisten formten.

3. Die weibliche Moderne: Expressionismus und Geschlechterdiskurs um 1900: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem Geschlechterrollenwandel im Industriezeitalter und der männlich dominierten literarischen Konstruktion von Weiblichkeit untersucht.

3.1 Frauen in der literarischen Konzeption des Expressionismus: Dieses Kapitel analysiert das oft misogyn geprägte Frauenbild und die explizite Absage an die weibliche Emanzipation in vielen expressionistischen Texten.

4. Die Prostituierte als Schlüsselfigur: Die Rolle der Prostituierten als typisches Opfer des Kapitalismus und als ambivalente Ikone der Freiheit und Unabhängigkeit wird hier thematisiert.

4.1 Die Prostituierte als Personifikation der expressionistischen Welterfahrung: Anhand lyrischer Beispiele wird aufgezeigt, wie die Figur der Prostituierten als Symbol für moralischen Zerfall, Entfremdung und die Härte des großstädtischen Lebens fungiert.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Prostituierte eine zentrale Rolle als Personifikation der expressionistischen Welterfahrung einnimmt und sowohl gesellschaftskritische als auch utopische Funktionen in der Literatur erfüllt.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Literatur, Prostituierte, Geschlechterdiskurs, Moderne, Weiblichkeit, Großstadt, Kapitalismus, Entfremdung, Sozialkritik, Lyrik, Georg Trakl, Paul Boldt, August Stramm, Frauenbild

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung der Prostituierten innerhalb der Epoche des Expressionismus und untersucht, welche Funktionen diese Figur in den Texten der Zeit einnimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Geschlechterdiskurs um 1900, der sozioökonomischen Lage der Frau im Industriezeitalter, der expressionistischen Welterfahrung und der literarischen Typisierung der Prostituierten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, dass die Prostituierte eine zentrale, ambivalente weibliche Figur im Expressionismus darstellt, die als Personifikation der expressionistischen Welterfahrung und als Mittel zur Gesellschaftskritik dient.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von ausgewählten Gedichten und bezieht sich dabei auf kulturhistorische und gesellschaftskritische Kontexte der Zeit um 1900.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung des Expressionismus, die theoretischen Grundlagen des Geschlechterdiskurses in der Literatur sowie die konkrete Analyse der Prostituiertenfigur in Werken von Autoren wie Trakl, Boldt und Stramm.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Expressionismus, Geschlechterdiskurs, Großstadt, Prostituierte, Entfremdung und die literarische Konstruktion von Weiblichkeit.

Wie wird das Bild der Prostituierten bei Paul Boldt dargestellt?

Bei Paul Boldt wird die Prostituierte als eine Figur inszeniert, die den Geschlechtsakt als käufliche und teils aggressive Handlung vollführt, wobei die Frau als "Wilde" und "Zügellose" auftritt, um die Entromantisierung des Akts zu unterstreichen.

Welche Bedeutung kommt dem Bordell bei August Stramm zu?

Stramm nutzt das Bordell als Ort der Zerstörung moralischer Konventionen und thematisiert dort die Zerbrechlichkeit des Lebens, indem er das schnelle, entfremdete Treiben als Abbild einer gesellschaftlichen Krise schildert.

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Details

Title
Die ambivalente Darstellung der Prostituierten in der Lyrik des Expressionismus
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache & Literatur)
Course
Lyrik des Expressionismus
Grade
1,0
Author
Olivia Schulze Wierling (Author)
Publication Year
2020
Pages
16
Catalog Number
V958290
ISBN (eBook)
9783346299109
ISBN (Book)
9783346299116
Language
German
Tags
Prostituierte Hure Expressionismus Dichter Dirne Lyrik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Olivia Schulze Wierling (Author), 2020, Die ambivalente Darstellung der Prostituierten in der Lyrik des Expressionismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958290
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