Soziale Zusammenarbeit und Kooperation sind für den Menschen als soziales Wesen elementar. (Zintz 2015) Auch die Fähigkeit zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen und zu erhalten zeichnet den Menschen aus. Beides sind Tätigkeiten, die während der Arbeit erfüllt werden. Marie Jahoda erwähnt deshalb unter anderem genau diese Faktoren in ihrem Buch vgl. (Jahoda 1986) als wichtige Elemente der Arbeit. Aus diesem Grund kann man verstehen, dass eine berufliche Wiedereingliederung nach Akutereignissen alsbald erfolgen sollte.
Auch vor dem Hintergrund, dass die Fähigkeit, einer Arbeit nachzugehen nach Abraham Maslow ein Defizitbedürfnis darstellt, welches erfüllt sein muss, um zur Selbstverwirklichung zu gelangen. (Geppert 2019) Als Beispiel solcher Akutereignisse wird in dieser Arbeit der Schlaganfall beleuchtet im Hinblick auf die Ursachen und Folgen. Auf Grundlage des theoretischen Wissens zum Apoplex widmet sich die Arbeit dann der Thematik der Reintegration von Schlaganfallbetroffenen. Dafür wird die Struktur des deutschen Arbeitsmarktes aufgezeigt sowie die Relevanz der Arbeit für das Individuum erläutert, bevor Eingliederungsmaßnahmen erwähnt werden. Zum Schluss der Arbeit werden verschiedene Maßnahmen vorgestellt, die den Wiedereingliederungsprozess vereinfachen können. Ein Résumé rundet die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Relevanz der Thematik
3. Forschungsstand
4. Den Schlaganfall verstehen
4.1 Ursachen
4.2 Folgen des klassischen Schlaganfalls
4.2.1 Neglect
4.2.2 Epilepsie
4.2.3 Akalkulie
4.2.4 Cerebrale Veränderungen
4.3 Sonderfall juveniler Apoplex
4.3.1 Ursachen
5. Organisation von Arbeit in Deutschland
6. Relevanz von Arbeit
7. Eingliederung in das Arbeitsleben
7.1 Allgemeine Voraussetzung zur Eingliederung
7.2 Die stufenweise Wiedereingliederung
7.2.1 Kostenträger während der Wiedereingliederung
7.2.2 Ablauf der Wiedereingliederung
7.3 Einsatz an einem anderen Arbeitsplatz
7.4 Umschulung
7.4.1 Die Berufsförderungswerke
8. Probleme bei Reintegration
8.1 Integrationsfachdienste
9. Hilfen für Wiedereingliederer
9.1 Allgemeine Möglichkeiten
9.1.1 Physiotherapie
9.1.2 Die Ergotherapie
9.2 Spezielle Möglichkeiten
9.2.1 Vor Reintegration
9.2.2 Nach Reintegration
10. Résumé
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Möglichkeiten der beruflichen Reintegration von Schlaganfallpatienten. Dabei wird analysiert, wie trotz medizinischer Einschränkungen eine Teilhabe am Arbeitsleben durch gezielte Reha-Maßnahmen und gesetzliche Rahmenbedingungen gefördert werden kann.
- Medizinische Ursachen und neurologische Folgen des Schlaganfalls
- Die Bedeutung von Arbeit für die psychische und soziale Stabilität
- Struktur des deutschen Arbeitsmarktes und Eingliederungsinstrumente
- Therapeutische Ansätze wie Physiotherapie und Ergotherapie
- Besonderheiten der Rehabilitation bei juvenilen Schlaganfällen
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Neglect
Das neuropsychologische Krankheitsbild Neglect fasst verschiedene Vernachlässigungsphänomene zusammen, die keine motorische oder sensorische Ursache haben. (Scheepers 2015, S. 328) Der Neglect wird auch Hemineglect oder halbseitige Vernachlässigung genannt. Zumeist betrifft die Schädigung die rechte Hemisphäre. Daraus resultiert eine Vernachlässigung des linken Außenraums. Circa zwei Drittel der Patienten mit rechtshirnigem Schlaganfall sind von einem Neglect betroffen. (Machner 2015, S. 3) Oft sind dabei mehrere Funktionen von den Einschränkungen betroffen. Diese können sich durch eine fehlende Reaktion bei Ansprache auf der nicht wahrgenommenen Seite, durch das Anziehen nur einer Körperseite oder das Beschreiben nur einer Blattseite äußern. (Götsch 2017, S. 202) Bei den Störungen, die auftreten können, unterscheidet man zwischen dem visuellen Neglect, dem akustischen oder auditorischen Neglect, somatosensiblen Neglect und dem motorischen Neglect.
Der visuelle Neglect macht sich bemerkbar, indem die Betroffenen Vernachlässigung beim Sehen einer Hälfte ihrer räumlichen Umgebung zeigen. Der akustische Neglect manifestiert sich, indem die Betroffenen nicht mehr auf akustische Reize reagieren. Der somatosensible Neglect beschreibt die Vernachlässigung von sensorischen Reizen auf der betroffenen Seite. Es bleiben dadurch auch Reaktionen auf schmerzhafte Reize aus. Beim motorischen Neglect werden der Arm oder das Bein auf der betroffenen Körperseite nur vermindert eingesetzt. Zusätzlich wird auch der Arm auf der nicht betroffenen Seite kaum auf die vernachlässigte Seite geführt. Diese exakte theoretische Trennung der einzelnen Neglectformen ist jedoch laut Prosiegel und Böttger (2007) nicht ganz korrekt, da sich die Formen im klinischen Alltag oft nicht gänzlich trennen lassen und es Überschneidungen gibt. Die „Neglectphänomene“ (Ruhr Universität Bochum 03.09.2019) sind dabei auch sehr stark von der Belastbarkeit und der Ermüdung des Patienten abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Arbeit für den Menschen als soziales Wesen dar und führt in die Problematik der beruflichen Wiedereingliederung nach einem Schlaganfall ein.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die hohe Aktualität und gesellschaftliche Relevanz der Integration von Schlaganfallpatienten in das Erwerbsleben.
3. Forschungsstand: Hier wird der wachsende Wissensstand der modernen Schlaganfallforschung diskutiert und auf die bisherigen Defizite hinsichtlich der beruflichen Reintegration hingewiesen.
4. Den Schlaganfall verstehen: Das Kapitel bietet einen medizinischen Überblick über die Ursachen und vielfältigen Folgen des Apoplex, einschließlich spezieller Formen wie dem juvenilen Schlaganfall.
5. Organisation von Arbeit in Deutschland: Es wird die Differenzierung zwischen dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt dargelegt, um die Grundlagen für Integrationsbemühungen zu schaffen.
6. Relevanz von Arbeit: Hier wird die zentrale Rolle der Erwerbstätigkeit als Medium zur Therapie und für die gesellschaftliche Teilhabe des Individuums analysiert.
7. Eingliederung in das Arbeitsleben: Dieses Kapitel beschreibt konkrete Maßnahmen wie das Hamburger Modell, Umschulungen und Arbeitsplatzanpassungen für den Wiedereinstieg.
8. Probleme bei Reintegration: Die Hürden im Reintegrationsprozess, wie fehlende gesellschaftliche Akzeptanz und bürokratische Barrieren, werden hier kritisch beleuchtet.
9. Hilfen für Wiedereingliederer: Das Kapitel stellt umfassende therapeutische und rehabilitative Ansätze wie Physio-, Ergo- und Hirnleistungstraining vor, die den Genesungsprozess unterstützen.
10. Résumé: Abschließend wird das Fazit gezogen, dass trotz guter Ansätze weiterer Forschungsbedarf besteht, um die Inklusion von Schlaganfallpatienten nachhaltig zu verbessern.
Schlüsselwörter
Schlaganfall, Apoplex, berufliche Reintegration, Rehabilitation, Arbeitsleben, Neglect, Epilepsie, Akalkulie, Ergotherapie, Physiotherapie, Berufsförderungswerk, Wiedereingliederung, Arbeitsmarkt, Inklusion, Neuroplastizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem komplexen Prozess der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die medizinischen Hintergründe des Schlaganfalls, die Bedeutung von Erwerbstätigkeit, gesetzliche Rahmenbedingungen sowie diverse therapeutische Unterstützungsangebote.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Möglichkeiten und Maßnahmen aufzuzeigen, wie betroffene Patienten trotz neurologischer Einschränkungen erfolgreich wieder in das Berufsleben integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Aufarbeitung theoretischer Grundlagen, ergänzt durch Modelle der Rehabilitation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung medizinischer Folgen, die Analyse des Arbeitsmarktes, die Vorstellung konkreter Eingliederungsinstrumente und therapeutischer Behandlungskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schlaganfall, berufliche Reintegration, Rehabilitation, Arbeitsassistenz, Neuroplastizität und Teilhabe am Arbeitsleben.
Was ist das „Hamburger Modell“ im Kontext dieser Arbeit?
Es bezeichnet die stufenweise Wiedereingliederung, bei der die Belastung und Arbeitszeit sukzessive an die Leistungsfähigkeit des Patienten angepasst werden.
Warum wird der „juvenile Schlaganfall“ gesondert betrachtet?
Da Schlaganfälle zunehmend auch jüngere Menschen im Erwerbsalter treffen, stellt diese Gruppe eine besondere Herausforderung für das deutsche Reha-System dar.
Welche Rolle spielen Integrationsfachdienste bei der Rückkehr in den Beruf?
Sie dienen als unterstützende Instanzen, die sowohl Patienten als auch Arbeitgeber beraten und bei der praktischen Durchführung der Reintegration helfen.
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- Anonym (Author), 2020, Reintegration von Schlaganfallpatienten in das Berufsleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958302