Prüfungslehrprobe zur zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen - Technik


Unterrichtsentwurf, 1998
8 Seiten

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Erklärung:

Ich versichere, dass ich den Lehrprobenentwurf selbständig und nur mit den angegebenen Hilfsmitteln angefertigt habe und dass ich alle Stellen, die dem Wortlaut oder dem Sinne nach anderen Werken entnommen wurden, durch Angabe der Quellen als Entlehnung kenntlich gemacht habe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Voraussetzungen der Klasse

Die Technikgruppe besteht aus 12 Schülern.. Die Zusammensetzung der Technikgruppe änderte sich zum zweiten Schulhalbjahr der achten Klasse. Durch ein neues Konzept der Pestalozzischule haben die Schüler bereits zum zweiten Halbjahr der achten Klasse die Möglichkeit, sich zwischen Technik und HTW zu entscheiden. Im Zusammenhang mit einer neuen OiB Konzeption, in der die Schüler zwei Wochen in einem Betrieb ihrer Wahl arbeiten, soll mehr Praxisbezug erreicht werden und den Schülern die Entscheidung zur Berufswahl erleichtert werden.

Die Schüler bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. Der Onkel von Andreas besitzt zu Hause eine Werkstatt zur Reparatur von Autos und Motorrädern und er ist es daher gewohnt, mit Werkzeug umzugehen. Allerdings hat er Schwierigkeiten mit dem richtigen Einsatz der Werkzeuge, sachgemäßes und exaktes Arbeiten fällt ihm schwer. Die Idee, die Schüler in Teams arbeiten zu lassen, ist der Gruppe noch recht fremd. Die Einsicht, dass sie als Team Verantwortung übernehmen und gemeinsam arbeiten dürfen, ist noch nicht zu allen Schülern durchgedrungen.

Die Mitarbeit der restlichen Schüler ist zufriedenstellend, besonders Augenmerk ist also auf die oben erwähnten Schüler zu richten.

Die meisten Schüler arbeiten sehr schnell mit wenig Rücksicht auf Exaktheit.

2 Sachanalyse

2.1 Dübelverbindungen

1 Gedübelte Holzverbindungen sind besonders haltbar, besonders dann, wenn die Dübel eingeleimt werden. Wir können offen dübeln, d.h. die Dübelung bleibt sichtbar. Diese Verbindungstechnik kann einfacher durchgeführt werden als die verdeckte Dübelung, zu der wir Dübelhilfen benötigen. Die verdeckte Dübelung wird dort angewendet, wo Dübel nicht sichtbar sein sollen. Gerade an der Sitz- und Lehnfläche des Klappstuhls sind verdeckte Dübelverbindungen von Vorteil: Ein Splittern des Holzes kann vermieden werden und die Optik leidet nicht durch Schrauben oder ähnliche Verbindungen.

Der Fachhandel bietet Dübel an

- als Meterware in verschiedenen Stärken, glatt und geriffelt;
- als fertige Dübel in verschiedenen Stärken und Längen, meist geriffelt und angefast.

Da bei diesem Klappstuhl verschiedene Dübellängen verwendet werden können, bietet sich in unserem Fall die Meterware an. Es bietet sich jedoch an, die abgelängten Dübel anzufasen, damit sich besser in die Bohrung passen.

Für das Dübeln gilt:

Bohrungsdurchmesser = Dübeldurchmesser

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der verdeckten Dübelung müssen beide Teile einzeln gebohrt werden, und zwar so, dass die Bohrungen beim Zusammenfügen genau aufeinanderpassen. Dies gelingt uns mit Hilfe selbsthergestellter Bohrschablonen und Dübelhilfen. Anschläge und Schablonen sind Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern und eine präzise Fertigung ermöglichen. Sie werden je nach Bedarf an das Werkstück angepasst.

Wir können dabei so vorgehen:

- Mit Hilfe einer selbsthergestellten Bohrschablone wird Teil A gebohrt.
- In die Bohrungen des Teils A setzen wir die Dübelhilfen ein.
- Mit Hilfe eines Anschlags fügen wir Teil B passgenau an und stechen so die Bohrungsmittelpunkte in Teil B vor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Skizzieren der Einzelteile:

Eine Fertigungsskizze, nach der ein Gegenstand gefertigt werden kann, muss alle Informationen über Form und Abmessungen enthalten, die für die Fertigung notwendig sind. In unserem Fall genügt jeweils eine Ansicht, da der Gegenstand bereits gefertigt ist und lediglich die Bohrungen, die für die Dübelung von Bedeutung sind, skizziert werden sollen.

3 Ziele

3.1 fachlich kognitive Ziele

- Die Schüler skizzieren und bemaßen die Einzelteile ihres Aufgabenbereiches mit den entsprechenden Bohrungen.

- Beginn der Fertigung der notwendigen Schablonen und Anschläge.

- Erstellen eines Arbeitsplanes, in dem die weitere Vorgehensweise festgeschrieben wird.

3.2 pädagogische Ziele

- Schüler erkennen in kleinen Teilschritten die Bedeutung von Teamarbeit
- Förderung der Schüler im Bereich der Kreativität, dem vernetzen und analytischem Denken.

4 Didaktische Vorüberlegungen

Der Strandstuhl wurde den Schülern im Vorfeld präsentiert, außerdem standen ein Regal oder ein CD-Ständer zur Auswahl. Die Schüler entschieden sich nach Abwägung verschiedener Gesichtspunkte für den Klappstuhl. Alle Gegenstände lassen sich der Lehrplaneinheit 3 „Wohnraumgestaltung - Herstellung eines Einrichtungsgegenstandes“ zuordnen. Die Schüler an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen wirkt sich positiv auf die Motivation aus. Zudem stellt auch die Auswahl zwischen verschiedenen Werkstücken einen Lerneffekt dar. So kam Von Martin z.B. der Vorschlag, HiFi-Boxen zu bauen. Die Abwägung der Kostenfaktoren und der Umsetzbarkeit im Technikunterricht ließ die Schüler zu der Einsicht kommen, dass der Klappstuhl wohl besser für unsere Zwecke geeignet sei. Zudem spielten noch jahreszeitliche Aspekte eine Rolle: Der Klappstuhl kann im Sommer auch außerhalb z.B. zum Baden oder Zelten verwendet werden. Auch der Anreiz, dass ein Werkstück gefertigt wird, welches jeder Schüler langfristig benutzen kann, wirkte motivierend.

Die hierbei erlernten Fertigkeiten haben auch Zukunftsbedeutung für die Schüler: Holzverbindungstechniken und Planung von Teilschritten helfen den Schülern, ihre Kenntnisse auch später im Alltag z.B. beim Bau von Einrichtungsgegenständen, anzuwenden. Bisher haben die hauptsächlich mit Schraub-, Nagel- oder Leimverbindungen gearbeitet. Das Dübeln, welches Im Möbelbau häufig Einsatz findet, ist eine Verbindungstechnik, die die Schüler beherrschen sollten. Wünschenswert wäre, dass einige Schüler in ihrem Praktikum die Möglichkeit hatten, weitere Erfahrungen zu Holzverbindungen zu sammeln, um diese in den Unterricht einfließen lassen zu können. Auch der Vergleich der Qualität von industriell gefertigten Gegenständen und selbstgefertigten Gegenständen wird im Laufe der Einheit deutlich.

Die Technikklasse teilt sich in drei Teams auf. Das Team hat die Aufgabe bestimmte Teilbereiche, wie z.B. die theoretische Aufarbeitung von Sachverhalten, gemeinsam zu lösen. Dies soll einerseits die theoretische Arbeit erleichtern, andererseits soll auch die Teamfähigkeit geschult werden. Kognitive Leistungen können vom Team erbracht werde, wobei jeder mit seinen besonderen Fähigkeiten einen Beitrag leisten kann. Auf diesem Weg erreicht man eine Differenzierung, bei der Rücksicht auf die Stärken und Schwächen des einzelnen Schülers genommen werden kann. Zudem können die Schüler auf diesem Weg die Notwendigkeit einer bestimmten Abfolge bei der Planung erkennen. Diese Erfahrung können die Schüler auch während des Projektes sammeln, welches gerade an unserer Schule angeboten wird: In verschiedenen Arbeitsgruppen planen die Schüler eine Überdachung eines Teils des Schulhofes, mit Dachkonstruktion, Mauerwerk und Einrichtung. Auch lassen sich verschiedene Aufgabenbereiche leicht verteilen, ohne dass jedesmal neue Gruppen gebildet werden müssen.

Da im Technikunterricht die Verknüpfung von Theorie und Praxis entscheidend ist, soll bei der Erstellung des Arbeitsplanes die Fertigung der entsprechenden Bohrhilfen einbezogen werden. Mit einem 45-minütigen theoretischen Block wären die Schüler sicherlich überfordert und würden die Motivation am Thema verlieren. Zudem sind die Bohrhilfen als Voraussetzung zur Erstellung eines Arbeitsplanes zu sehen. Zur Konstruktion der Schablonen und Anschläge könnte der Einsatz der Ständerbohrmaschinen notwendig sein. Obwohl die Schüler bereits mehrfach im Umgang mit diesen Maschinen unterwiesen wurden und ihnen die Sicherheitsregeln bekannt sind, muss dennoch darauf geachtet werden, dass sie während der Arbeit an den Maschinen nicht unbeaufsichtigt bleiben.

Einige Schüler hatten vor, das Rückenteil aus Stoff anzufertigen. Diese Option wurde den Schülern offengelassen, um die Interessen der Schüler zu berücksichtigen und nicht nur deduktiv zu arbeiten.. Jeder Schüler kann somit seinen individuellen Strandstuhl bauen. Allerdings konnte diese Arbeit nicht im Unterricht geleistet werden, da weder die Zeit, noch die notwendigen Nähmaschinen zur Verfügung standen. Deshalb durften sich die Schüler den entsprechenden Arbeitsplan mit nach Hause nehmen und das Stoffteil freiwillig anfertigen.

5 Methodische Vorüberlegungen

Zu Beginn der Stunde versammelt sich die Klasse üblicherweise vorne in der ersten Bankreihe. Dieses Ritual war notwendig, um einen klaren Unterrichtsbeginn zu schaffen. Anfangs herrschte eine gewisse Unruhe und auch Unverbindlichkeit zu Beginn des Unterrichts: Jeder Schüler fing bereits an zu Basteln oder sich mit Werkzeug zu beschäftigen, wobei die Arbeitsanweisungen verloren gingen. Deshalb beginnt der Unterricht jetzt vorne in der ersten Bankreihe mit der Intention, die Schüler über den Ablauf des heutigen Unterrichts zu informieren oder auch theoretische Fragen zu bearbeiten.

An der Tafel hängen drei verschiedene Plakate: Eines, das die in der letzten Stunde von den Schülern erarbeiteten Merkmale zum Dübeln zusammenfasst, und zwei andere mit Beispielen zur Konstruktion eines Anschlages. Die Merkmale zum Dübeln befinden sich zwar auch in den Ordnern der Schüler, jedoch haben so alle Schüler während der Arbeit das Plakat vor Augen und können sich so leichter orientieren. Die Merkmale zum Dübeln werden kurz wiederholt.

Daraufhin erhalten die Schüler ihre Ordner mit dem heutigen Arbeitsplan. Dieser wird gemeinsam mit den Schülern durchgesprochen, um eventuell auftretende Fragen im Vorfeld klären zu können.

Die Aufgaben werden auf die drei Gruppen verteilt. Da es sich beim Dübeln um einen Arbeitsgang handelt, den jeder Schüler in gleicher Art und Weise durchführen muss, bietet sich eine Aufteilung der Aufgaben an. Diese Arbeitsform ist den Schülern bekannt und deren Vorteile werden auch gerne in Anspruch genommen.

Die erste Aufgabe besteht nun darin, die Teile des jeweiligen Aufgabenbereiches auf einem beiliegenden Blatt zu skizzieren. Aus Gründen der Übersicht wird hier ein Din A 3 Blatt verwendet. Die Skizze ist notwendig, um sich über die exakte Lage der Bohrungen klar zu werden und eine Vorlage zur Fertigung der Schablone zu haben. Eine Skizze reicht in diesem Fall aus, da nur eine Ansicht notwendig ist und es hauptsächlich um die Position der Bohrungen geht. Eine Zeichnung würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Als Hilfestellung haben die Schüler sowohl das Modell, als auch die fertig abgelängten Einzelteile ihres Werkstücks.

Anschließend sollen Überlegungen zu der Bohrschablone angestellt und skizziert werden. Die Skizze soll angefertigt werden, da viele Schüler unüberlegt arbeiten und deshalb häufig Fehler machen und Material verschwenden. um dies zu vermeiden, soll sichergestellt werden, dass vor der Fertigung theoretische Überlegungen angestellt werden.

Diese Methode erschien mir sinnvoll, da die Schüler mit einer Problemstellung konfrontiert werden, die es zu lösen gilt. Dies fördert einerseits die Motivation und stellt höhere Anforderungen im Bereich der sogenannten Schlüsselqualifikationen wie vernetztem und analytischem Denken, Kreativität und Teamfähigkeit. Ist die theoretische Arbeit im Vorfeld geleistet, beginnt die Fertigung der Schablone und des Anschlags. Hierbei können sich die Mitglieder eines Teams aufteilen: Diejenigen, die nicht mit der Fertigung beschäftigt sind, können sich bereits die Arbeitsschritte überlegen, die zum Bohren und Dübeln notwendig sind. Dadurch soll vermieden werden, dass Schüler ohne Tätigkeit sind, und auch dass sich die Schüler eine Arbeit nach ihren Interessen aussuchen können. Wird bei der Konstruktion einer Schablone oder eines Anschlags die Ständerbohrmaschine benutzt, so sollten die Schüler während dieser Phase beaufsichtigt werden und gegebenenfalls auf die Sicherheitsregeln hingewiesen werden.

Sind die Arbeiten sämtlicher Gruppen erledigt, so versammelt sich die Klasse mit ihren Ergebnissen in der ersten Bankreihe. Falls erhebliche Unterschiede im zeitlichen Ablauf innerhalb der Gruppen bestehen, so kann eine schnellere Gruppe bereits mit der Fertigung beginnen, allerdings erst, wenn der erstellte Arbeitsplan vom Lehrer begutachtet wurde. Sind noch Mängel vorhanden, so muss sich das Team nochmals mit dem Plan auseinandersetzen.

In der ersten Bankreihe werden die Gruppenergebnisse präsentiert. Jede Gruppe stellt den zwei anderen die jeweilige Konstruktion und Vorgehensweise vor. Die anderen Gruppen versuchen die Idee nachzuvollziehen und prüfen den Arbeitsplan auf seine Umsetzbarkeit.

An dieser Stelle endet auch die Unterrichtsstunde mit der Vorausschau: Mit Hilfe der heute gefertigten Hilfsmittel können wir in der nächsten Stunde direkt mit der Fertigung beginnen. Falls die Gruppenarbeiten den zeitlichen Rahmen übersteigt, wird sich trotzdem in der ersten Reihe versammelt und die bisherigen Ergebnisse präsentiert. Auch dann ist der Fortgang klar und für die Schüler dennoch motivierend. Den Abschluss der Stunde bildet das Aufräumen des Werkraumes. Zu diesem Zweck werden in jeder Stunde ein Werkzeug- und Kehrdienst bestimmt. Auf diese Weise kommen alle Schüler in regelmäßigen Abständen an die Reihe.

6 geplanter Stundenverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7 Medien

- Plakate an der Tafel zum Thema Dübeln und Anschlagkonstruktion.ßArbeitsplan für die Schüler im Technikordner
- Holzleisten zur Fertigung von Anschlägen und Schablonen.ßModell eines Klappstuhls

8 Literatur

- Bildungsplan des Landes Baden Württemberg
- Buch „ Technik an Hauptschulen“ Henzler / Leins, Verlag Handwerk und Technik.

[...]


1 Sachanalyse teilweise entnommen aus „Technik an Hauptschulen“ S. 33 + 51

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Prüfungslehrprobe zur zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen - Technik
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
Lehramt an Grund- und Hauptschulen
Autor
Jahr
1998
Seiten
8
Katalognummer
V95831
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhand eines Modells skizzieren die Schüler den Aufbau des Klappstuhls und erstellen einen Arbeitsplan
Schlagworte
Prüfungslehrprobe, Staatsprüfung, Lehramt, Grund-, Hauptschulen, Technik, Pädagogische, Hochschule, Weingarten
Arbeit zitieren
Jens Weigand (Autor), 1998, Prüfungslehrprobe zur zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen - Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95831

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