Vor- und Nachteile eines Leitwährungssystems


Essay, 2001

7 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Literaturliste

Thomasberger, C. (1993): Europäische Währungsintergration und globale Währungskonkurrenz, J.C.B. Mohr: Tübingen

Herr, H. (1992): Geld, Währungswettbewerb und Währungssysteme, Campusverlag: Frankfurt

Jarchow H.J., Rühmann, P. (1997): Monetäre Aussenwirtschaft, Band II.

Internationale Währungspolitik, Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen

Tomann, H., [Stabilitätspolitik], Stabilitätspolitik. Theorie, Strategie und europäische Perspektive, 1997

Fragestellung: Diskutieren Sie das Pro und Contra eines Leitwährungssystems!

In dem folgenden Aufsatz werden die Stärken und Schwächen eines Leitwährungssystems diskutiert.

Grundsätzlich wird zwischen einem Regime der flexiblen und der festen Wechselkurse unterschieden, die ihrerseits unterschiedliche Auswirkungen der Fiskal- und Geldpolitik aufweisen. Ein Regime fixer Wechselkurse zeichnet sich dadurch aus, dass die Tauschparitäten zwischen den Währungen stetig konstant sind und auch gehalten werden. Gerät eine Austauschbeziehung zweier Währungen in ein Ungleichgewicht, so greifen die jeweiligen Zentralbanken mittels Kauf oder Verkauf von Devisen stabilisierend ein. So besteht die hauptsächliche Aufgabe der Zentralbanken die Wahrung der Stabilität der Wechselkursparität zwischen den Währungen. Ein Regime der flexiblen Wechselkurse lässt eine Schwankung der Austauschverhältnisse mindestens zweier Währungen zu. Die Zentralbanken intervenieren nicht sofort, wenn ein Ungleichgewicht auftritt, sondern verfolgen eher das Ziel der Preisstabilität bzw. der internen Stabilität des Landes.

Ein Leitwährungssystem ist durch ein Regime der festen Wechselkurse gekennzeichnet und wird angeführt durch ein Leitwährungsland, an dem sich die Nicht-Leitwährungsländer wirtschaftspolitisch orientieren. Die wichtigste Voraussetzung für ein Leitwährungsland ist die Liquiditätsprämie der Leitwährung. Sie beinhaltet die weltweite Verfügbarkeit und die damit implizite Anerkennung als Zahlungsmittel auf wichtigen Handelsplätzen der Welt.

Innerhalb eines Leitwährungssystems existiert eine Währungshierarchie zwischen den Ländern mit einer hohen und niedrigen Liquiditätsprämie. Aufgrund des Zuflusses liquiditätsorientierter Mittel findet sich das Land mit der höchsten Liquiditätsprämie – unabhängig von den geldpolitischen Aktivitäten – in der Position eines Leitwährungslandes. Damit ergibt sich eine Währungskonkurrenz zwischen Ländern mit international unterschiedlicher Liquiditätsgrade, die die polare Struktur des Leitwährungssystem erklärt. Die Asymmetrie des Zwangs zur Aufrechterhaltung der externen Zahlungsfähigkeit führt zu einer polaren Struktur innerhalb von Leitwährungssystemen, weil die Währungskonkurrenz eine Einseitigkeit liquiditätsorientierter Kapitalströme begründet. Wie die Stellung eines Leitwährungslandes den Zufluss von liquiditätsorientierten Kapital impliziert, so die Stellung eines Landes mit abhängiger Währung den Abfluss desselben. In einer einfach konstruierten Währungshierarchie ist das Spiegelbild der Überbewertung des Leitwährungslandes die Unterbewertung der Nicht – Leitwährungsländer. Daraus ergibt sich, dass das Leitwährungsland überwiegend Leistungsbilanzdefizite durch Kapitalbilanzüberschüsse finanziert, umgekehrt die Nicht – Leitwährungsländer vorwiegend ihre Zahlungsfähigkeit und Konvertibilität der Währung durch Leistungsbilanzüberschüsse stabilisieren.

Eine Einflussmöglichkeit der externen Stabilisierung – die im Grunde auf die Aufrechterhaltung der Konvertibilität zielt – ist die Nominallohnsteigerung bzw. Preisniveauveränderung eines Landes. Bei steigendem Nominallohn folgt eine Aufwertung der Währung bei gleichzeitiger Senkung der Konkurrenzfähigkeit durch den impliziten Preisniveauanstieg. Im Gegensatz zu den abhängigen Währungen ist das Leitwährungsland nicht in dem Zwang eine externe Stabilisierung zu sichern. Aufgrund der Tatsache, dass das Leitwährungsland nicht illiquide werden kann, weil es die Leitwährung stellt, hat es nur die Aufgabe der Wahrung des Vertrauens in die eigene Währung. Es stellt sich hier eine Stärke eines Leitwährungssystems heraus, welches darin besteht, dass die externe Stabilisierung durch die abhängigen Länder mit dem Ziel der Wahrung der Konvertibilität gesichert wird, gleichermaßen das Leitwährungsland durch seine Zinspolitik als wirkungsvollstes Instrument die Preisstabilität aller Länder sichert und die Währungskonkurrenz zwischen den Ländern reduziert. Daraus ergibt sich, dass das Vertrauen in die abhängigen Währungen vorhanden bleibt, weil die Wechselkursparitäten konstant bleiben. So besteht nur eine geringe Gefahr der Überschuldung der abhängigen Länder durch abrupte Abwertungstendenzen, wie es beispielsweise in einem System flexibler Wechselkurse möglich wäre.

Die Stabilität eines solchen Systems kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass unter der Führung eines Leitwährungslandes stabile internationale Kapitalströme und ein weltweit funktionierender Saldenausgleich der Zahlungsbilanzen gesichert wird. Somit sind explodierende Leistungsbilanzungleichgewichte und damit verbunden ein hoher Druck auf die Wechselkurse sehr unwahrscheinlich. Das das Leitwährungsland eine stabilisierende Funktion insbesondere im Finanzmarkt hat lässt sich aus der dem Leitwährungsland zugeschriebenen Rolle des sog. „ internationalen Lender of Last Resort“ beschreiben. Zentralbanken können innerhalb eines Währungssystems wie Geschäftsbanken in einem nationalen Bankensystem illiquide werden. In einem stabilen Leitwährungssystem gibt es nur die eine Zentralbank, die international nie zahlungsunfähig werden kann, nämlich die Zentralbank des Leitwährungslandes. Es funktioniert so, das im Falle der Zahlungsunfähigkeit aufgrund eines Leistungsbilanzdefizits Kredite an das Schuldnerland gewährt werden können, um die Anpassung an veränderte außenwirtschaftliche Restriktionen für abhängige Länder realisieren zu können. Mit diesem Instrument wird die Stabilität des Währungssystems unterstützt und insbesondere das Vertrauen in das Leitwährungsland gewahrt. Im diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass das Leitwährungsland oben beschriebene Finanzkrisen vorbeugen soll und kann. Durch die Offenhaltung der Märkte für Exportgüter aus Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen wird das Liquiditätsproblem gelindert oder gar gelöst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Vor- und Nachteile eines Leitwährungssystems
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Volkswirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Theorie und Politik zur monetären Koordination
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V9585
ISBN (eBook)
9783638162470
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vor-, Nachteile, Leitwährungssystems, Theorie, Politik, Koordination
Arbeit zitieren
Florian Schoetzke (Autor), 2001, Vor- und Nachteile eines Leitwährungssystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9585

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