Diese Diplomarbeit untersucht, unter welchen Bedingungen eine regionale Koordination einzelner Länder im internationalen Steuerwettbewerb die Wohlfahrt erhöhen kann. Dabei wird u.a. auf die effiziente Besteuerung bei nicht-perfekter Kapitalmobilität, das Modell von Huizinga und Nielsen, die Wirkung einer marginalen Steuererhöhung, und die komparativ-statische Analyse eingegangen.
Das Standardmodell der Theorie des internationalen Steuerwettbewerbs zwischen symmetrischen Ländern um mobiles Kapital kommt zu dem Ergebnis, dass wohlfahrtsmaximierende Staaten aufgrund der aus dem Steuerwettbewerb resultierenden Externalitäten ineffizient niedrige Steuern und Staatsausgaben wählen, was zu einem Unterangebot der vollständig durch Quellensteuern finanzierten öffentlichen Güter führt. Die zentrale Externalität, die aus dem Steuerwettbewerb entsteht, ist die Externalität bezüglich der Bemessungsgrundlage: Eine Erhöhung der Steuer auf den mobilen Faktor Kapital in einem Land führt zu einer teilweisen Verlagerung dieses Faktors in andere Länder. Im Fall symmetrischer Länder führt eine gemeinsame Erhöhung der Steuer in allen Ländern zu einer Internalisierung dieses externen Effektes und somit zu einer Wohlfahrtserhöhung für alle Staaten. Solche Vereinbarungen von Quellensteuersätzen sollen im weiteren Verlauf als eine Möglichkeit zur Koordination der Steuerpolitik betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Regionale Koordination bei nicht-perfekter Kapitalmobilität
2.1 Effiziente Besteuerung bei nicht-perfekter Kapitalmobilität
2.2 Das Modell von Huizinga und Nielsen
2.2.1 Modellbeschreibung
2.2.2 Bestimmung der optimalen Steuersätze
2.2.3 Die Effekte einer vereinbarten Quellensteuererhöhung
2.2.4 Kritische Würdigung des Modells
3. Regionale Koordination zwischen großen Ländern
3.1 Modellbeschreibung
3.2 Die Wirkung einer marginalen Steuererhöhung
3.3 Die komparativ–statische Analyse
3.4 Kritische Würdigung des Modells
3.4.1 Wahl der Strategievariablen (Wildasin,1991)
3.4.2 Asymmetrische Länder (Beckmann, 2005, S.10-12)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen eine regionale Koordination der Quellenbesteuerung von Kapital innerhalb einer Gruppe von Ländern vorteilhaft ist, wenn das Kapital in nicht partizipierende Drittstaaten ausweichen kann.
- Theorie des internationalen Steuerwettbewerbs bei nicht-perfekter Kapitalmobilität
- Modellierung von Koalitionsbildungen zwischen Ländern unterschiedlicher Größe
- Analyse spieltheoretischer Konzepte wie Nash- und Stackelberg-Gleichgewichte im Steuerwettbewerb
- Einfluss von Transaktionskosten und asymmetrischen Länderspezifika auf die optimale Steuerpolitik
- Diskussion von Alternativen wie dem Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Modellbeschreibung
Im folgenden 3 – Länder - Modell wird versucht, eine hinsichtlich der Zusammensetzung der Union und der Größe der einzelnen Länder differenziertere Analyse der Vorteilhaftigkeit einer regionalen Koordination durch eine vereinbarte Steuerpolitik innerhalb einer Koalition zwischen den Ländern A und B durchzuführen. Daher wird angenommen, dass es sich bei Land A um ein im Vergleich zu den anderen betrachteten Ländern großes Land innerhalb der Koalition handelt. Land B sei als kleines Land eine „Steueroase“ innerhalb dieser Koalition. Land C sei eine „Steueroase“ außerhalb der Koalition. Im Rest der Welt wird der Bruttozinssatz i* für Geschäfte zwischen den Banken bestimmt, weshalb die betrachteten Länder als klein im Vergleich zur gesamten Welt angesehen werden können. Das Modell erlaubt es, auf Grund der unterschiedlichen Größe der Länder explizit regionale Koordination im asymmetrischen Steuerwettbewerb zu untersuchen, indem sowohl die Effekte einer kooperativen Lösung auf Land A als auch auf Land B ermittelt werden, wobei die Asymmetrie der Länder dadurch abgebildet wird, dass der Fokus der Analyse auf der Kapitalflucht von Land A in die anderen beiden Länder liegt und deshalb nur Kapitalgeber und –nehmer aus Land A betrachtet werden.
Unvollständige Kapitalmobilität wird wie im Modell von Genser und Haufler durch Transaktionskosten erklärt, welche allerdings hier bei Transfers innerhalb und außerhalb der Union auftreten. Die Transaktionskosten bei Transfers zu Land B werden für einen gegebenen Haushalt aus A als kleiner angenommen als bei Transfers zu Land C. Als Begründung hierfür können geringere Entfernungen, aber zum Beispiel auch eine größere Sicherheit durch gemeinsame rechtliche oder institutionelle Standards in der Union angeführt werden. Über diese unterschiedlichen Transaktionskosten werden die Effekte einer Koalitionsbildung modelliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Theorie des internationalen Steuerwettbewerbs ein und stellt die Fragestellung nach der Vorteilhaftigkeit einer regionalen Koordination der Quellenbesteuerung unter Berücksichtigung von Kapitalmobilität und asymmetrischen Ländern.
2. Regionale Koordination bei nicht-perfekter Kapitalmobilität: Hier werden Modelle analysiert, die nicht-perfekte Kapitalmobilität durch Transaktionskosten begründen und die optimale Steuerpolitik in kleinen und asymmetrischen Koalitionen untersuchen.
3. Regionale Koordination zwischen großen Ländern: Dieses Kapitel betrachtet Modelle, in denen Länder einen signifikanten Einfluss auf den Weltmarktzins haben, und analysiert die Auswirkungen regionaler Koalitionen auf das Nash-Gleichgewicht.
4. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die praktische Relevanz, insbesondere im Hinblick auf den Informationsaustausch als Alternative zur Quellensteuerkoordination.
Schlüsselwörter
Steuerwettbewerb, Quellensteuer, Kapitalmobilität, Regionale Koordination, Asymmetrische Länder, Nash-Gleichgewicht, Stackelberg-Gleichgewicht, Transaktionskosten, Steuerpolitik, Wohlfahrtsökonomie, Finanzverfassung, Kapitalflucht, Steueroase, Informationsaustausch, Fiskalischer Föderalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und unter welchen Voraussetzungen eine regionale Koordination der Quellenbesteuerung von Kapital für eine Gruppe von Ländern vorteilhaft ist, wenn das Kapital in nicht teilnehmende Drittstaaten abfließen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem internationalen Steuerwettbewerb, den Auswirkungen unvollständiger Kapitalmobilität sowie der Modellierung von Steuersatzkoordination zwischen Ländern unterschiedlicher Größe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob eine regionale Koordination der Steuerpolitik erstrebenswert ist, wenn die Durchsetzbarkeit einer globalen Koordination unwahrscheinlich ist und Kapitalflucht in Drittstaaten vermieden werden soll.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in den Modellen verwendet?
Die Arbeit nutzt spieltheoretische Konzepte, insbesondere die Modellierung als Nash-Gleichgewicht und Stackelberg-Gleichgewicht, sowie mathematische Optimierungsverfahren unter Berücksichtigung nationaler Überschussfunktionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Regionen mit nicht-perfekter Kapitalmobilität (unter Einbeziehung von Transaktionskosten) und Regionen mit großen Ländern, die einen Einfluss auf den Weltmarktzins haben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Steuerwettbewerb, Kapitalmobilität, asymmetrische Länder, regionale Koordination, Quellensteuer und strategische Komplementarität.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Steueroasen" im 3-Länder-Modell?
Land B fungiert als Steueroase innerhalb der Koalition, während Land C als Steueroase außerhalb der Koalition dient, um die Auswirkungen von Kapitalflucht auf die Steuerbasis des großen Landes A explizit abzubilden.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Nash- und Stackelberg-Gleichgewicht relevant?
Die Unterscheidung ist entscheidend für die Bewertung der Wohlfahrt, da eine sequentielle Spielabfolge (Stackelberg) vorteilhafter sein kann als eine simultane (Nash), insbesondere wenn große Länder als Initiatoren der Steuerpolitik agieren.
Können regionale Koalitionen die Wohlfahrt auch für Nicht-Mitglieder verbessern?
Unter bestimmten Bedingungen, wie etwa bei strategischen Komplementen der Steuersätze, kann eine Harmonisierung innerhalb der Koalition die Wohlfahrt nicht nur der Mitgliedsländer, sondern auch die der Nicht-Koalitionäre erhöhen.
Warum ist eine rein steuerliche Koordination laut Fazit möglicherweise unzureichend?
Das Fazit betont, dass eine reine Koordination der Steuersätze durch Umgehungsmöglichkeiten (z.B. durch Arbitrage oder Definitionen der Bemessungsgrundlage) unterlaufen werden kann, weshalb bindende Absprachen zur Harmonisierung oder ein Informationsaustausch notwendig sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Zur Vorteilhaftigkeit regionaler Koordination im internationalen Steuerwettbewerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958636