Logische Propädeutik bei Kamlah/Lorenzen


Ausarbeitung, 1999
2 Seiten

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Thesenpapier zum ReferatLogische Propädeutik

bei Kamlah/Lorenzen

Allgemein:

Mit konstruktiver Wissenschaftstheorie wird das philosophische Programm der

„Erlanger Schule“ innerhalb der Wissenschaftstheorie bezeichnet. Begründer waren die beiden an der Universität Erlangen tätigen Wissenschaftler Kamlah & Lorenzen mit ihrem erstmals 1967 erschienenWerk Logische Propädeutik.

Als Blütezeit gelten die 70er und 80er Jahre. Mitte der 70er Jahre weitete sich dieser Gedanke auf andere Universitäten aus. Sie wurde sowohl in weiteren dt. Universitäten aufgenommen, wie auch in Holland (E. M. Bath, E. C. W. Krabbe), Belgien und den USA (H. Robinson, P. T. Sagal, J. Silber).[1] In den 80er Jahren spezialisierten sich Schüler von Kamlah und Lorenzen auf verschiedene Schwerpunkte und vertieften so den Ansatz in Spezialgebieten und entwickelten ihn weiter.[2]

Geschichte:

Die historischen Wurzeln liegen in der Wechselbeziehung zwischen Phänomenologie & Göttinger Lebensphilosophie in den 20er Jahren, sowie in den Arbeiten H. Dinglers zur methodischen Ordnung des Aufbaus der Wissenschaften. Kamlah kam in den 20er Jahren, Lorenzen in den 30er Jahren in Göttingen mit dieser Diskussion in Kontakt. In diese Diskussion gehören auch die Heideggersche Reformierung des Phänomenologischen Programms, die Kamlah in Marburg kennen lernte und die von M. Heidecker beeinflußte Weiterführung der Phänomenologie durch O. Becker, mit der sich Lorenzen nach dem 2. WK. in Bonn auseinandersetzte. Weitere vorangengangene Gedanken waren von Dingler gekommen, der sich als Schüler Husserls verstand.[1]

Absicht:

Das Ziel dieser Theorie war:

1. Widerlegung Gadamers These von der Unausweichlichkeit eines hermeneutischen Zirkels.[1]
2. Die Gründung einer wissenschaftlichen Sprache, die, entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Sprache, es ermöglicht, eine Diskussion nach Regeln zu führen, ohne daß Mißverständnisse unter den Gesprächspartnern hinsichtlich der Bedeutung eines gebrauchten Begriffes auftreten.
3. Anhand einer methodisch geleiteten Rekonstruktion der Grundlagen einer These soll deren Gültigkeit überprüft werden. Diese Überprüfung findet durch eine geregelte Sprachkonstruktion statt.[2]

Methodik:

Diese zentrale Sprachkonstruktion, die von Kamlah/Lorenzen entwickelt wurde, hatte die Umgangssprache/Muttersprache zum Vorbild, da hier nach Kamlah/Lorenzen keine Begriffe auftauchen, die einen hohen abstrakten Gehalt beinhalten, wie z.B. das in der wissenschaftlichen Sprache vorkommende WortKonstruktivismus.Die Umgangssprache bedient sich eher beschreibender Worte und Sätze, deren Gebrauch wir durch die langjährige Schulung in unserer Kindheit sicherer sind. Aus diesem Gedanken heraus bildeten die zwei als Grundlage ihrer Sprachkonstruktion die sog.Prädikation, einen Satz mit beschreibenden Charakter, wie z.B.dies ist eine Straße.

Die dafür entwickelte Gleichung lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Straße bzw. P ist dabei der sog.Prädikatorder einen Sachverhalt aus unserer Umgebung beschreibt und dessen Rechtfertigung sich aus der lebensweltlichen Erfahrung des Subjektes ergibt.

Mit dieserPrädikationwerden die sog.Elementarsätzegebildet, die als Basis des Diskurses dienen. Dieser Vorgang hat zu Beginn einer jeden Diskussion zu stehen und soll nach Kamlah & Lorenzen gemeinsam von den Gesprächspartnern stattfinden, so werden Mißverständnisse hinsichtlich der Bedeutung eines Begriffes vermieden. Der neue Gehalt dieser Gedanken liegt in der internalistischen Legitimation der Begriffsbildung. Es bedarf keiner weiteren

Instanz oder gar Messgeräten zur Definition von Sachverhalten, wie es im Gegensatz bei externalistischen Rechtfertigungen der Fall ist.[3] So wird nach Kamlah/Lorenzen eine Zirkelhaftigkeit von vornherein ausgeschlossen.

Durch die Einführung weiterer Junktoren wieekönnen dieseElementarsätzezu komplexen Sätzenmiteinander verknüpft werden, wodurch sich ihr Sachverhalt von Grund auf logisch Nachvollziehen läßt.[1]

Solche Verknüpfungen kommen auch in der von uns verwendeten Umgangssprache vor, z.B. durch und, oder durch entweder-oder Aussagen. Eine durch und verknüpfte Aussage (symbolisiert durch ^) wird alsKonjunkturbezeichnet und ist nur wahr, wenn die verknüpftenTeilaussagenbeide wahr sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weitere Junktoren sind z.B:

- Disjunktion>-< (entweder-oder)
- Negation¬ (nicht)
- Negatkonjunktur ψ (weder-noch)

Diese Definitionen derJunktorenstellt lediglich den zweiten Schritt (1. Schritt: Bildung derPrädikatoren) in ihrer logischen Propädeutik dar, die versucht, rein formal die Sätze einer Theorie darzustellen. Nach und nach entsteht ein Konstrukt, was noch weitaus umfassender wird, als es das hier dargestellte erahnen läßt. Ich habe dieses Konstrukt nun lediglich in seinen Grundzügen dargestellt, doch denke ich, der Ansatz ist deutlich geworden.

Um diesen zu vertiefen, bedarf es der Auseinandersetzung mit ihrem Buch.

1973: Kamlah, Wilhelm/Lorenzen, Paul. Logische Propädeutik, Vorschule des vernünftigen Redens. Mannheim: B.I. Wissenschaftsverlag. 2. Auflage.

Kamlahs & Lorenzens Begründung von wissenschaftlichen Sätzen besagt:

Verteidigungsfähigkeit von konstruktiv und logisch eindeutig aufgebauten Sätzen im nach Dialogregeln geführten Diskurs.[2]

Durch ihre Methode konnte beispielsweise die Analysis innerhalb der Mathematik bestätigt werden.

Kritik:

Findet sich u.a. bei Gebhard Kirchgässner.[2]

Halten wir noch einmal das nach dem Referat gemeinsam im Unterricht erarbeitete fest:

- Dieser Ansatz, eine Theorie auf wahr oder falsch zu prüfen, nimmt als Kriterium die Sprache. So wird ein menschlicher Aspekt innerhalb dessen als Bezugspunkt gewählt.
- Die logische Propädeutik bejaht den synthetischen Aprorismus.
- Hier wird nicht wie etwa beim logischen Empirismus von einer Ursprache ausgegangen.

[...]


[1] 1984: Mittelsraß, Jürgen (Hrsg.).Enzyklopädie Philosophie & Wissenschaftstheorie 4. Mannheim: J.B. Metzler. S. 746.

[2] 1999: Häußling. A.Konstruktive Wissenschaftstheorie. Arbeitspapier Proseminar WS 99/00, Einführung in die Wissenschaftstheorie.

[3] Vergleiche dazu Gedanken der amerikanischen analytischen Philosophie.

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Details

Titel
Logische Propädeutik bei Kamlah/Lorenzen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Einführung in die Wissenschaftstheorie
Autor
Jahr
1999
Seiten
2
Katalognummer
V95864
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logische, Propädeutik, Kamlah/Lorenzen, Einführung, Wissenschaftstheorie
Arbeit zitieren
Mathias Fuchs (Autor), 1999, Logische Propädeutik bei Kamlah/Lorenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95864

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