Der Kommentar zu Aristoteles` "Peri hermeneias" von Anicius Manlius Severinus Boethius. Ein Überblick


Zusammenfassung, 1995

6 Seiten


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Stephanie Junkers - PS "Anicius Manlius Severinus Boethius: Aristoteles - Kommentare" -

Anicius Manlius Severinus Boethius: Kommentar zu Aristoteles' "Peri hermeneias" 2. Ausgabe

Zusammenfassung

Aristoteles Kap. 7 (Buch):

Dinge können allgemein (universal) oder einzeln (partikulär) sein.

Allgemeines: wird über ein oder mehrere Dinge [B.: Zugrundeliegendes] ausgesagt/prädiziert Einzelnes: wird von nichts [B.: Zugrundeliegendem] ausgesagt

Z. B. "Mensch" ist Allgemeines, "Platon" (bei A. "Kallias") Einzelnes

Boethius:

Bedeutung einer Aussage durch die vorhandenen Gedanken

-> Gedanken sind Ebenbilder der Dinge -> und so sind Ding und Aussage über ein Drittes verbunden

das Dritte sind die Gedanken [intellectus] (durch aktives Denken entstanden, Gedanken durch verstandesmäßiges Nachdenken)

Bejahung und Verneinung durch die Gedanken und das Verstehen (Qualität des Begreifens), Vorstellung und Gedanken urteilen über das Ding

In 2. Hinsicht erhalten die Aussagen ihre Bedeutung durch das dem Gedanken zugrundeliegende Ding

Aussage Qualität durch die Aussprache der Beurteilung durch die Gedanken

Aussage Quantität durch die den Gedanken zugrundeliegenden Dingen

Eine Qualität kann entweder ein Einzelnes besitzen (Platonität als Qualität Platons) oder aber in mehreren Dingen eigen sein (z.B. Menschentum als Qualität des Menschen)

Qualität von etwas Einzelnes ist nur einem allein eigentümlich -> partikulare Qualität

Qualität von etwas Allgemeinem ist jedem Teil davon eigentümlich -> universale Qualität

Mensch -> ein "Universale"

Platon und Platonität -> "Partikulares"

Universale Qualität kann mehrdeutig sein, z.B. können mit der Aussage "Mensch" alle Menschen d.h. die Spezies Mensch, wie aber auch nur ein einzelner Mensch gemeint sein. In diesem Sinne ist auch die Qualität (worüber wurde "Mensch" ausgesagt?) Menschentum mehrdeutig

Universale Qualität ("Mensch") braucht eine sprachliche Erweiterung der Quantität/ der Zahl nach, denn sie ist entweder Vielheit oder Einheit. Diese Erweiterungen können z.B. "jeder" oder "ein gewisser" sein. Sprachliche Zusätze sind inhaltliche Eingrenzungen und Bestimmungen (B.: Distributionen und Determinationen)

Die universale Qualität ("Mensch") wird mit einem anderen Universale ("jeder") verbunden in universaler Weise ausgesprochen

Die universale Qualität ("Mensch") wird mit einer Partikularität ("ein gewisser") verbunden in partikulärer Weise ausgesprochen

Ein in partikulärer Weise ausgesprochened universales Ding ist dennoch nicht in der selben Weise partikulär, z.B. "ein gewisser Mensch" und "Platon"

"Platon" ist etwas von Natur aus einzelnes, es sagt etwas nur einem eigentümliches -wenn es mehrere mit diesem Namen gibt, über wenige nur ihnen eigentümliches- aus

"Ein gewisser Mensch", wird durch den Zusatz zwar als etwas einzelnes, nur auf einen zutreffendes definiert, ist aber ohne den Zusatz ein Universale und so nicht eindeutig zuzuordnen

Die Qualität "Menschentum" bezieht sich auf jeden einzelnen Menschen, auf ihre natürlichen Existenz, ihre natürlichen Eigenschaften ("allgemeine Eigenschaften")

Das Wort "Platon" ist der Eigenname eines Menschen und bezieht sich auf dessen Person. Bei andere Menschen mit diesem Eigennamen bezieht sich "Platon" ebenfalls nur auf ihre Person. Das Wort "Platon" ist nämlich nicht ein natürlicher Begriff, sondern ein "Kunstwort" (es unterliegt einer Satzung). So ist das Wort "Platon" gleich, aber die Aussage des Wortes immer verschieden d.h. "Platon" kann über verschiedene ausgesagt werden, aber seine Eigenschaften nicht. Eigenschaften von bestimmten Personen ("partikuläre Eigenschaften") sind von Natur aus nur ihnen zuzuordnen

Der Geist bezieht partikulare Qualitäten durch den Verstand natürlicherweise auf ein Einzelnes und universale Qualitäten auf mehrere

In universaler Weise ausgesagte Universale ("jeder Mensch") sindeine quantitative Aussagen

Wenn ich Partikulare aussage, sage ich etwas über die Qualität und Eigenschaft eines Einzelnen, es ist keine quantitative Aussage

In partikularer Weise ausgesagte Universale wie z.B. ein gewisser Mensch sind deshalb nicht genauso Partikulare wie z.B. Platon, weil sie keine Aussage über die Individualität eines Einzelnen machen, sondern lediglich durch den Zusatz der quantitativen Bestimmung das Universale als eine unbestimmte Einzelheit definieren. Das Universale könnte so jeder bestimmte Mensch sein

Theophrast: "ein gewisser Mensch ist gerecht" -> "partikulär unbestimmt"

Einem einzelnen Menschen wird eine bestimmte Eigenschaft zugeordnet -> "partikulär"

Aber die Aussage enthält keine Bestimmung der Person, wer er oder sie ist, welche Eigenschaften sie ausmachen u.s.w. -> "unbestimmt"

Fragen:

Wieso bezieht sich ein Partikulares auf eine bestimmte Eigenschaft?

Inwiefern bezieht sich "Mensch" auf eine Eigenschaft?

Wie gebraucht Boethius die Unterscheidung Qualität?

Warum gebraucht er die Unterscheidung Quantität?

Stephanie Junkers - PS "Anicius Manlius Severinus Boethius: Aristoteles - Kommentare" - Thomas M. Schmidt - Wintersemester '95/'96

Anicius Manlius Severinus Boethius: Kommentar zu Aristoteles' "Peri hermeneias" 2. Ausgabe

erweiterte Zusammenfassung

Boethius beginnt mit einem Zitat aus dem 7. Kapitel aus Aristoteles' "Peri hermeneias".

Aristoteles stellt darin fest, daß Dinge entweder etwas allgemeines (universales) oder etwas einzelnes (partikulares) sind. In seiner Kategorienschrift bezeichnet Aristoteles einzelnes als 1. Substanz und Allgemeines, die Spezies als 2. Substanz. Allgemeines wird über mehrere Dinge [Boethius sagt in seinem Kommentar zu Aristoteles Kategorienschrift über mehreres "Zugrundeliegende"] prädiziert. Einzelnes wird von nichts [zugrundeliegendem] ausgesagt. Etwas Allgemeines ist z.B. "Mensch", etwas einzelnes "Platon" [bei Aristotels "Kallias"].

Von diesem Zitat ausgehend versucht Boethius nun Aristoteles' "Peri hermeneias" zu kommentieren. Zunächst stellt er fest, daß Aussagen [propositio] ihre Bedeutung [vis propositonum] durch die vorhandenen Gedanken [intellectus; verstandesmäßiges Nachdenken] erhalten. Die Gedanken sind Ebenbilder der ihnen zugrundeliegenden Dinge.

Das Ding und die Aussage über es sind somit über ein Drittes, die Gedanken, verbunden. Die Gedanken und das Verstehen, die Qualität des Begreifens, urteilen über das zugrundeliegende Ding und bejahen oder verneinen es so in der Aussage. Dies ist die erste Bedeutung einer Aussage, ihre erste Qualität. In zweiter Hinsicht erhält sie ihre Bedeutung durch das den Gedanken zugrundeliegende Ding. So läßt sich sagen, eine Aussage hat Qualität und Quantität: Qualität durch das Aussprechen der Beurteilung durch die Gedanken, Quantität durch die den Gedanken zugrundeliegende Dinge. Im Sinne eines logischen Quadrates läßt sich dies mit einem doppelten Gegensatz erklären, der erste Gegensatz von Bejahung [affirmation] und Verneinung [negation] bestimmt die Qualität, der zweite Gegensatz von Universalität und Partikularität bestimmt die Quantität einer Aussage.

Alle SaP Kein SaP

Einige SaP Einige S nicht P

Im weiteren versucht Boethius die Aussageform weiter zu analysieren. Eine Qualität kann entweder ein einzelnes Ding besitzen, wie z.B. "Platonität" als Qualität Platons, oder aber in mehreren Dingen eigen sein, wie z.b. Menschentum als Qualität des Menschen. Die Qualität des Einzelnen ist nur einem allein übertragbar, nur einem eigentümlich und somit eine partikulare Qualität. Die Qualität eines Allgemeinen ist jedem eigentümlich, der Anteil hat an diesem Allgemeinen. Sie wird universale Qualität genannt. Boethius nennt als Beispiel für ein "Universale" "Mensch" und als Beispiel für "Partikulare" "Platon" b.z.w. "Platonität". Eine universale Qualität kann jedoch mehrdeutig sein. Zum Beispiel können mit der Aussage "Mensch" alle Menschen, d.h. die Spezies Mensch, wie aber auch nur ein einzelner Mensch gemeint sein. In diesem Sinne ist dann auch die Qualität Menschentum, d.h. worüber wurde "Mensch" ausgesagt, mehrdeutig. Die universale Qualität (hier "Mensch") braucht eine sprachliche Erweiterung der Zahl, d.h. der Quantität, nach, um eindeutig zu werden, denn entweder ist sie eine Vielheit oder eine Einheit. Solche Erweiterungen können z.B. "jeder" oder "ein gewisser" sein. Die sprachlichen Zusätze dienen so der inhaltlichen Eingrenzung und Bestimmung, Boethius nennt es Distribution und Determination. Die universale Qualität "Mensch" wird in Verbindung mit einem anderen Universale, z.B. "jeder", in universaler Weise ausgesprochen. Wird die universale Qualität jedoch mit einem Partikulare, z.B. "ein gewisser", verbunden, so wird sie in partikulärer Weise ausgesprochen. Dennoch ist ein in partikulärer Weise ausgesprochenes universales Ding nicht in der selben Weise partikulär, wie ein ursprüngliches Partikulare. "Ein gewisser Mensch" und "Platon" sind zwar beide partikulär, aber nicht in der selben Hinsicht. "Platon" ist etwas von Natur aus einzelnes, es sagt etwas über nur ihm eigentümliches [propieta] aus. Wenn es mehreren Dingen mit diesen Namen gibt, sagt "Platon" ebenfalls nur etwas ihnen eigentümliches aus. Denn die individuellen Eigenschaften kommen von Natur aus nur dem Einzelnen zu. "Ein gewisser Mensch" wird durch den Zusatz zwar als etwas einzelnes, nur auf ein Ding zutreffendes, definiert, ist aber ohne den sprachlichen Zusatz "ein gewisser" ein Universale und so mehrdeutig. Die Qualität "Menschentum" bezieht sich auf jeden einzelnen Menschen, auf seine natürlichen und universalen Fähigkeiten, denn die Eigentümlichkeiten der Spezies "Mensch" kommt von Natur aus allen Menschen zu. Das Wort "Platon" ist der Eigenname eines Menschen und bezieht sich auf dessen Person. Bei anderen Menschen und Dingen mit diesem Eigennamen bezieht sich "Platon" ebenfalls nur auf ihre Person. Das Wort "Platon" ist nämlich kein natürlicher Begriff, sondern ein "Kunstwort", es unterliegt einer konventionellen Satzung [positio], einem Akt der Benennung. So kann das Wort "Platon" bei verschiedenen Dingen gleich sein, aber die Aussage ist immer verschieden. "Platon" kann also über verschiedene Dinge und Personen ausgesagt werden, nicht aber seine individuellen Eigenschaften. Eigenschaften von bestimmten Personen und Dingen, d.h. partikuläre Eigenschaften [qualitas particularis], sind von Natur aus nur ihnen zuzuordnen. Der Verstand bezieht partikuläre Qualitäten ganz natürlich und automatisch auf einzelne Dinge und universale Qualitäten auf mehrere. In universaler Weise ausgesagte Universale, wie z.B. "jeder Mensch", sind letzlich also quantitative Aussagen. Wenn ich Partikulare aussage, sage ich etwas über die Qualität und Eigenschaft eines einzelnen Dinges, es ist keine quantitative Aussage. In partikularer Weise ausgesagte Universale, wie z.B. "ein gewisser Mensch", sind deshalb nicht in der selben Weise Partikulare, wie z.B. "Platon", weil sie keine Aussage über die Individualität eines einzelnen Menschen oder Dinges machen, sondern lediglich durch den Zusatz der quantitativen Bestimmung das Universale als eine unbestimmte Einzelheit definieren. "Ein gewisser Mensch" sagt nichts über die gemeinte Person aus, es könnte jeder gemeint sein, das einzige, das "ein gewisser Mensch" aussagt, ist, daß nur eine bestimmte Person gemeint ist. Boethius führt deshalb eine Unterteilung der partikulären Qualitäten ein. So haben "ein gewisser Mensch" und "Platon" beide partikuläre Eigenschaften, die des "Platon" beschreibt er jedoch auch als singuläre Eigenschaft [qualitas singularis]. Diese singulären Qualitäten beziehen sich in diesem Sinne nur auf ganz eindeutig bestimmte Personen und ihre individuellen Eigenschaften. Boethius unterscheidet also Individualität und Partikularität und bezieht sich hierin auf die griechische Antike, die diese Unterscheidung jedoch nie so vertiefte. Boethius schließt seine Überlegungen mit dem Satz "ein gewisser Mensch ist gerecht" von Theophrast. Boethius stimmt Theophrast zu, der diesen Satz als "partikulär unbestimmt" bezeichnete. Er ist partikulär, weil einem einzelnem Menschen die ganz bestimmte Eigenschaft "gerecht" zugeordnet wird. Zugleich ist die Aussage jedoch unbestimmt, weil die betreffende Person nicht genauer definiert wird, nicht erwähnt wird, welche Eigenschaften sie ausmachen.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Der Kommentar zu Aristoteles` "Peri hermeneias" von Anicius Manlius Severinus Boethius. Ein Überblick
Veranstaltung
Proseminar "Anicius Manlius Severinus Boethius: Aristoteles - Kommentare"
Autor
Jahr
1995
Seiten
6
Katalognummer
V95877
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anicius, Manlius, Severinus, Boethius, Kommentar, Aristoteles`, Peri, Ausgabe, Proseminar, Aristoteles, Kommentare, Thomas, Schmidt
Arbeit zitieren
Stephanie Junkers (Autor), 1995, Der Kommentar zu Aristoteles` "Peri hermeneias" von Anicius Manlius Severinus Boethius. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95877

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