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Arnold Gehlen: Naturwissenschaft und Technik als Institution

Title: Arnold Gehlen: Naturwissenschaft und Technik als Institution

Seminar Paper , 1998 , 17 Pages

Autor:in: Daniel Burckhardt (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Anlass für diese Hausarbeit ist mein Referat über den in den aktuellen Sammelband „Technikphilosophie“ aufgenommenen Text „Neuartige kulturelle Erscheinungen“ von Arnold Gehlen. Dieser bildet das zweite Kapitel der 1957 in „rowohlts deutscher enzyklopädie“ erschienen Schrift „Die Seele im technischen Zeitalter: Sozialpsychologische Probleme in der industriellen Gesellschaft“.

In dieser phänomenologischen Betrachtung stellt sich Gehlen mit einer kulturkritischen Fragestellung in die Nähe Spenglers3, ohne aber dessen „polemische Tönung gegen Technik“ zu übernehmen, die Gehlen als Zeichen sieht, „dass unsere Gesellschaft die innere Auseinandersetzung mit den tiefgreifenden Veränderungen in ihr selbst, wie sie im Zuge der Industrialisierung vor sich gingen, noch nicht beendet hat.“

Die Aufmerksamkeit der folgenden Arbeit gilt Gehlens Beschreibung von Technik, wie wir sie im ersten Kapitel der „Seele“ ausgeführt finden. Ich versuche sie, in den allgemeineren Rahmen seiner Anthropologie und seiner Institutionenlehre einzubetten. Im letzten Abschnitt will ich aufzeigen, dass Gehlens These von der von den Naturwissenschaften ausgehenden und sämtliche Kulturgebiete erfassenden Abstrahierung und Entsinnlichung nicht der einzige Grund für den in der Gegenwart gering gewordenen Halt eines naturwissenschaftlich-technischen Weltbildes ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Gehlens Anthropologie

3 Entlastung - Institution

4 Gehlens Technikverständnis

4.1 Der qualitative Übergang zur Superstruktur

4.2 Technik oder technische Denkweise

4.3 Entsinnlichung und Primitivisierung

5 Naturwissenschaft und Technik als Institution

5.1 Über die Geburt der Freiheit aus der Entfremdung

5.2 Abstraktion als Grund für den geringen Halt von Technik als Institution?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, Arnold Gehlens technikphilosophische Überlegungen – insbesondere aus seinem Werk "Die Seele im technischen Zeitalter" – in den breiteren Kontext seiner Anthropologie und Institutionenlehre einzubetten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern Gehlens These einer umfassenden Abstrahierung und Entsinnlichung durch Naturwissenschaft und Technik den schwindenden Halt eines naturwissenschaftlich-technischen Weltbildes in der Gegenwart erklären kann.

  • Anthropologische Grundlagen des Menschen als "Mängelwesen"
  • Die Funktion von Institutionen als Entlastungsmechanismen
  • Die Entwicklung von Technik als Organersatz und Superstruktur
  • Wechselwirkungen zwischen Naturwissenschaft, Technik und Industrie
  • Phänomene der Entsinnlichung und Primitivisierung der Kultur
  • Das Spannungsverhältnis zwischen technischer Rationalität und existentieller Sinnstiftung

Auszug aus dem Buch

4.1 Der qualitative Übergang zur Superstruktur

Betrachten wir als ein Beispiel für technische Entwicklungslinien den Weg von der Bogenwaffe über das Schiesspulver zur heutigen Raketentechnik – Ablösung der menschlichen Kraft durch eine chemische Reaktion und Erweiterung um ein komplexes Lenk- und Steuerungssystem –, so scheint der Gedanke an bloss graduelle Verschiebungen absurd zu sein: was Technik heisst, hat sich qualitativ verändert. Der fundamentale Übergang kann nicht an der Ablösung des Werkzeuges durch die Maschine, der Übertragung und Nutzbarmachung von Kräften festgemacht werden: vorgespannte Fallen in der Steinzeit und eine weitverbreitete Mühlentechnik im Mittelalter haben dieses Prinzip schon früher umgesetzt.

Der entscheidende Punkt ist für Gehlen die im 17. und 18. Jahrhundert entstandene „Verschwisterung“ von Technik und Naturwissenschaft. Die Naturwissenschaft verschaffte sich mit experimentellen Anordnungen – man denke an die schiefe Ebene Galileis, die Luftpumpe Boyles – mit der Maschine vergleichbare Einrichtungen, die „reine, abstrakt isolierte Naturphänomene produzieren“ und damit den Einfluss von Spekulationen reduzieren. Basis der experimentellen Methode wird die Erweiterung des „Konstruktivismus“ Gottes auf den Menschen: „Wir erkennen die Natur der Fakten, weil wir sie unter Bedingungen erarbeitet haben, die wir vollkommen kontrollieren.“ Umgekehrt bietet Naturerkenntnis, Wissen um das Wirken der Kräfte, eine Basis für technische Umsetzungen und damit schnellere Innovation.

Einzelheiten dieser Sichtweise mögen umstritten sein: bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, wo im Zusammenhang mit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe und der Elektroindustrie erstmals von „science based industries“ die Rede ist, bleibt die Bedeutung der Naturwissenschaften für die Technik gering. Die theoretische Behandlung der thermischen Kreisprozesse hinkt der breiten Anwendung der Dampfmaschine hinterher. Auch die anderen, die industrielle Revolution zwischen 1725 und 1850 prägenden Erfindungen – hauptsächlich im Bereich der Textiltechnik – waren „in keiner Weise ausserhalb des Horizontes von in ihren Werkstätten experimentierenden intelligenten Handwerkern oder überschritten die konstruktiven Fähigkeiten von Zimmerleuten, Sägemüllern und Waffenschmieden.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Arbeit führt in die technikphilosophische Perspektive Arnold Gehlens ein und positioniert diese innerhalb seiner anthropologischen Lehre.

2 Gehlens Anthropologie: Dieses Kapitel erläutert den Menschen als "Mängelwesen", das sich zur Sicherung seiner Existenz durch Kultur und Institutionen selbst feststellen muss.

3 Entlastung - Institution: Es wird dargelegt, wie Institutionen als Systeme verteilter Gewohnheiten notwendige Stabilität und Reizreduktion für das menschliche Handeln bieten.

4 Gehlens Technikverständnis: Das Kapitel analysiert Technik als Organersatz und -entlastung sowie die Herausbildung einer technisch-wissenschaftlichen Superstruktur.

5 Naturwissenschaft und Technik als Institution: Hier wird die entlastende Funktion von Technik und Naturwissenschaft als Institution sowie die Problematik der durch Abstraktion erzeugten Entfremdung untersucht.

Schlüsselwörter

Arnold Gehlen, Technikphilosophie, Anthropologie, Institutionenlehre, Entlastungsprinzip, Superstruktur, Entsinnlichung, Primitivisierung, Mängelwesen, Weltoffenheit, Technokratiethese, Wissenschaftsgeschichte, instrumentelles Handeln, Entfremdung, Naturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Technikverständnis von Arnold Gehlen und dessen Einbettung in seine philosophische Anthropologie und Institutionentheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die menschliche Natur als "Mängelwesen", die Notwendigkeit von Institutionen zur Daseinsbewältigung und die kulturellen Auswirkungen der modernen, wissenschaftlich-technischen Welt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Ursprung des schwindenden Halts einer technisch-naturwissenschaftlichen Weltsicht durch Gehlens Konzepte der Abstrahierung und Entsinnlichung zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt eine phänomenologische Betrachtungsweise und ordnet Gehlens Thesen in seinen anthropologischen und institutionellen Rahmen ein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der anthropologischen Grundannahmen, die Rolle der Institutionen sowie eine tiefgehende Untersuchung der modernen Technik als qualitativen Übergang zur Superstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Technikphilosophie, Anthropologie, Institution, Entlastung, Superstruktur und Entsinnlichung geprägt.

Wie unterscheidet Gehlen zwischen Magie und moderner Technik?

Gehlen sieht in der Magie einen Vorläufer der Technik, der dem Bedürfnis nach Umweltstabilität und Vorhersehbarkeit dient, während moderne Technik auf der kontrollierten Beherrschung von Naturprozessen basiert.

Was bedeutet der Begriff "Superstruktur" in diesem Kontext?

Die "Superstruktur" beschreibt das durch die Verschwisterung von Wissenschaft, Technik und Industrie entstandene, kulturell durchdringende und weitgehend autonom wirkende System der Moderne.

Warum sieht Gehlen die "Entfremdung" nicht rein negativ?

Die institutionalisierte Entfremdung ermöglicht laut Gehlen eine "wohltuende Fraglosigkeit" im Alltag, die erst den Freiraum für produktives Handeln und technische Anwendung schafft.

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Details

Title
Arnold Gehlen: Naturwissenschaft und Technik als Institution
College
Technical University of Berlin
Course
Seminar Technikphilosophie
Author
Daniel Burckhardt (Author)
Publication Year
1998
Pages
17
Catalog Number
V95887
ISBN (eBook)
9783638085656
Language
German
Tags
Arnold Gehlen Naturwissenschaft Technik Institution Seminar Technikphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Burckhardt (Author), 1998, Arnold Gehlen: Naturwissenschaft und Technik als Institution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95887
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