Immanuel Kant - Die drei Kritiken


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

5 Seiten, Note: 15 Punkte


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Immanuel Kant - Philosophie

1724 - 1804

1 Was f ü r eine Philosophie man w ä hle, h ä ngt davon ab, was f ü r ein Mensch man ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein toter Hausrat, den man ablegen k ö nnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat.

1. Das Leben des Immanuel Kant

Man sieht in Kant den größten (deutschen) Philosophen der Neuzeit. Sein Auftreten be- deutete eine neue Epoche und seine Werke wurden von vielen als der Höhepunkt der Phi- losophie angesehen. Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg (Preußen) als Sohn eines Sattlermeisters geboren. Nach der Gymnasialzeit in der Vaterstadt begann er dort 1740 sein Studium. Zunächst widmete er sich der Theologie, die gab er jedoch zu- gunsten der Philosophie und der Naturwissenschaften später auf. Mit 22 Jahren wurde er Hauslehrer bei einer vornehmen Familie in Ostpreußen und eignete sich dabei eine philo- sophische Bildung an. 1755 kehrte er wieder zurück nach Königsberg, wo er an der Uni- versität den Titel eines Magisters der Philosophie erwarb. Er erhielt allerdings erst nach 15 Jahren eine Professur für Logik2 und Metaphysik3 und damit eine feste Anstellung. Nach 1770 entstanden seine großen philosophischen Werke, die drei Kritiken: „Die Kritik der reinen Vernunft“, „Die Kritik der praktischen Vernunft“ und „Die Kritik der Urteilskraft“. Ich gehe später auf zwei dieser Werke, durch die er überall berühmt wurde, näher ein. Er hielt über 40 Jahre lang Referate und Vorlesungen, die sehr beliebt und zahlreich besucht wa- ren. Obwohl er die Umgebung von Königsberg nie verlassen hatte, wußte er über fremde Länder und Völker in seinen geographischen Vorträgen zu berichten.

Kant starb am 12. Februar 1804 in seiner Geburtsstadt. Seine Bedeutung für das Deut- sche Geistesleben, ja im weiteren Sinne für ganz Europa, kann nicht hoch genug einge- schätzt werden. Er setzte sich mit den Grundfragen des menschlichen Denkens und der menschlichen Sittenlehre auseinander. Die Philosophie des 19. Jahrhunderts fußt völlig auf seinem Werk. Kant war wohl einer der wichtigsten Philosophen der Aufklärung. Er be- antwortete die Frage: „Was ist Aufklärung?“ folgendermaßen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“4

2. Die vorkritische Periode

2.1 Der Weg zum ersten Buch der drei Kritiken: „Kritik der reinen Vernunft“

Kant nahm die neuzeitlichen Gedanken in voller Breite auf und gestaltete sie zum System. Das Eigenartige ist, daß Kant die Grundtendenzen der alten Metaphysik nicht über Bord warf, sondern neu zu begründen und zu verstehen begann.

Den Zeitabschnitt bis zum Erscheinen seiner ersten Kritik, „Kritik der reinen Vernunft“, bezeichnet man als „vorkritische Periode“ in Kants Entwicklung. Diese Periode befaßt sich mit naturwissenschaftlichen Fragen. Er schrieb über das Feuer, Vulkane, Erdbeben, über physische Geographie und die Theorie der Winde. Grundlage für seine Anschauungen bildete für ihn die Physik Newtons.

Kant versuchte, eine Theorie der Weltentstehung und der Planetenbewegung zu geben. Newton bezog sich bei seiner Theorie auf Gott folgendermaßen: Es sei Gottes Werk, daß die Planeten nicht auf die Erde stürzen. Kant jedoch versuchte mit seiner Anschauung, nämlich den Gesetzen der Anziehung und Abstoßung zu beweisen, daß es keiner natürli- chen Kräfte bedarf, um aus dem anfänglichen Chaos eine „harmonische Welt“ zu formen.

2.2 Das kritische Problem

Das Hauptwort für dieses Kapitel heißt „Rationalismus“5, d. h. es ist Vernunftphilosophie. Dies ist Aussage der Leibniz-Wolffschen Philosophie, die sich durchaus mit der Metaphysik verstand, der Kant zunächst angehörte. Dann jedoch wechselte er über zum Empirismus6, Aussage der Empiristen war: „Es ist nichts im Verstande, was nicht zuvor in den Sinnen gewesen wäre.“ Hierbei ist allein die Erfahrung die Quelle der Erkenntnis und auch der Grenze. Solch ein Denken schließt die Metaphysik völlig aus, bei der die Erfahrung für das Übersinnliche keine Grundlage bildet.

Kant nahm also Abschied von der Metaphysik und stellte sich folgende Aufgabe: er wollte herausfinden wer Recht hat, Rationalisten oder Empiristen. Dazu untersuchte er die Struk- tur des menschlichen Denkapparates. Erst durch das Herausfinden von den Quellen unse- rer Erkenntnis, ihr Geltungsgebiet und ihre Grenzen kann es ihm gelingen festzustellen, ob Metaphysik möglich ist und wie sie aussehen muß. Kant widmete sich dieser Frage 15 Jahre, es dauerte aber noch weitere 11 Jahre, bis er die Welt mit der „Kritik der reinen Vernunft“ überraschte.

3. Die Kritik der reinen Vernunft

Kants drei Kritiken gehören zu den inhaltsreichsten und schwierigsten der Weltliteratur. Er bezeichnet das Kernstück der ersten Kritik als „das schwerste, das jemals zum Behuf der Metaphysik unternommen werden kann“7. Deshalb gab er selbst, nach dem Erscheinen des Buches, eine vereinfachte und verkürzte Version heraus, die sogenannte „Prolegome- na“.

Mit seinem Hauptwerk, „Kritik der reinen Vernunft“ begründete er die neue Erkenntnistheo- rie (Philosophie, die nach den Wegen, Möglichkeiten und Grenzen der Erkenntnis fragt). Kritik bedeutet in diesen Büchern nicht wie heutzutage Beurteilung sondern Durchleuch- tung, Überprüfung, Grenzbestimmung. Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile: die tran- szendale Elementarlehre und die transzendale8 Methodenlehre. Um es kurz zu sagen, es ist Hauptbuch der kritischen Philosophie, d. h. der Philosophie, die sich bemüht, bewußt zu zeigen, was menschliches Erkennen ist. Kant begann seine kritische Prüfung beim wis- senschaftlichen Erkennen überhaupt, in dem er fragte: Wie ist reine Mathematik und reine Naturwissenschaft möglich? Aber über diese Fragestellung hinaus galt sein eigentliches Interesse der Frage: Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich? Metaphysische Er- kenntnisse müssen lauter Urteile a priori9 enthalten. Es muß etwas geben,was wir vor aller Erfahrung, d. h. a priori besitzen. Er will zeigen, daß in unserem Erkennen Bestandteile enthalten sind, die aus uns selbst kommen und schon vor aller Erfahrung a priori da sind, für jeden denkenden Geist im gleichen Sinn gelten und damit notwendig sind. Das ist seine berühmte kopernikanische Wende. Laut Kant muß es synthetische Urteile a priori geben. Unsere Urteile sollen Erfahrungsurteile sein, Erweiterungsurteile, kurz, wie Kant es ausdrückt: synthetische Urteile. Darum lautet die Hauptfrage der Kritik der reinen Vernunft: „ Wie sind synthetische 10 Urteile a priori m ö glich?

4. Kritik der praktischen Vernunft

Dieses Buch richtet sich nach den ethischen Fragen: Wie soll ich richtig leben und han- deln? Um das moralisch richtige Handeln zu bestimmen, entwickelte Kant eine Formel, die er kategorischer Imperativ nannte. Danach soll der Mensch so leben, daß alles, was er tut, auch von anderen Menschen getan werden kann, ohne daß dadurch der Menschheit insgesamt ein Schaden entsteht.

Er drückte diesen Satz folgendermaßen aus: „ Handle so, da ß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten k ö nne. “ 11 Unter Maxime verstand Kant einen Grundsatz oder Vorsatz, der nur einen einzelnen Menschen betrifft, und nicht für die Allgemeinheit gilt. Eine Maxime wäre z. B. der Vorsatz: „Ich trinke keinen Alkohol“. Dieser Vorsatz gilt nur für mich, ob andere trinken ist dabei egal. Ein Imperativ ist bei Kant ein Gebot, ein Befehl oder eine Regel. Ein kategorischer Imperativ ist demnach ein unbedingtes sittliches Gebot, dem man unter allen Umständen gehorchen soll. Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Aufgrund eines hohen Geldverlustes in der Spielbank bin ich gezwungen mir Geld bei einem Freund zu leihen. Ich sage ihm, daß ich es ihm baldmöglichst zurückgeben werde. Ich weiß jedoch, daß ich niemals in der Lage sein werde ihm diese Summe zurückzubezahlen. Natürlich geht mir dabei die Frage durch den Kopf, ob ich nicht unerlaubt und pflichtwidrig handle. Wenn ich mir nun trotzdem das Geld „leihe“ so lautet die Maxime meiner Handlung: Wenn ich in Geldnot bin, so werde ich mir Geld leihen und versprechen es zurückzugeben, obwohl ich weiß, ich werde es niemals tun. Die nächste Frage wäre dann: Will ich, daß alle Menschen sich dieses Prinzip bzw. diese Maxime aneignen? Die Folge ist ganz klar: Ich würde meinen Zweck und das Versprechen niemals einhalten können, da niemand mir glauben schenken und Geld leihen würde.

Menschen, die nach dem kategorischen Imperativ handeln, sind frei. Diese Freiheit hebt sie über alle anderen Geschöpfe hinweg. Der Mensch ist verantwortlich für sich und seine Taten, er besitzt als sittlich handelnder Mensch eine Würde. Dieses Bewußtsein seiner Freiheit läßt ihn „ gleichsam einen heiligen Schauer über die Größe und Erhabenheit seiner wahren Bestimmung fühlen.“12

5. Poesie zu Kant

Als poetische Gestaltung des Buches „Kritik der praktischen Vernunft“ kann man die Verse Friedrich Schillers aus den „Worten des Glaubens“ ansehen:

„ Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei

Und w ü rd er in Ketten geboren,

La ß t euch nicht irren des P ö bels Geschrei,

Nicht den Mi ß brauch rasender Toren.

Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht. “

6. Schlußwort

Über Kant kann ich nur eines sagen: Kant hat eine der größten Leistungen vollbracht, die die Geschichte der Philosophie kennt. Sein Denken stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des philosophischen Geistes dar. Seine Werke waren und sind heute noch von großem, unschätzbarem Wert.

[...]


1 Philosophie: Forschendes Fragen und Streben nach Erkenntnis des letzten Seins, der Ursprünge des Denkens, der Stellung des Menschen im Universum

2 Logik: Lehre vom folgerichtigen Denken, vom richtigen Schließen aufgrund gegebener Aussagen

3 Metaphysik: Laut Kant: Metaphysisch sind alle Erkenntnisse, die sich auf das beziehen, was jede mögl. Erfahrung überschreitet; Metaphysik werden in der Philosophiegeschichte alle system. Entwürfe bezeichnet, die sich auf der letzten bzw. der ersten Gründe konzentrieren

4 Kant, Immanuel in: Biermann, H./ Schurf, B.: Texte, Themen und Strukturen, Berlin 1993, S. 174

5 Rationalismus: Geisteshaltung, die das rationale Denken als einzige Erkenntnisquelle ansieht

6 Empirismus: Philosophische Lehre, die als einzige Erkenntnisquelle die Sinneserfahrung, die Beobachtung, das Experiment gelten läßt.

7 Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft, in: Störig, Joachim Hans: Kleine Geschichte der Philosophie, Frankfurt a. M. Feb. 1987, S. 392

8 transzendental: Bei Kant, dasjenige, was der Erfahrung als apriorische Bedingung einer mögl. Erkenntnis vorausgeht, diese aber nicht überschreitet.

9 a priori: Von vorneherein

10 synthetisch: Verbindend, zusammensetzend

11 Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft, in: Biermann, H./ Schurf, B.: Texte, Themen und Strukturen, Berlin 1993, S.175

12 Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft, in: Beier, H./ Leiner, F./ Wagner, R.: Vorkurs Deutsch, München 1991, S. 151

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Immanuel Kant - Die drei Kritiken
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
1998
Seiten
5
Katalognummer
V95888
ISBN (eBook)
9783638085663
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Klasse 12
Schlagworte
Immanuel, Kant, Kritiken
Arbeit zitieren
Katja Dieterich (Autor:in), 1998, Immanuel Kant - Die drei Kritiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95888

Kommentare

  • Gast am 1.4.2003

    Kant.

    Wirklich absolut gelungen!
    Total hilfreich, wenn man einen Einstieg braucht, das ganze Wirrwarr zu verstehn ;)
    Bisher die beste Schularbeit die ich je gelesen hab.
    danke

    Julian

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