In der Forschungsarbeit geht es um die Konzepte Staatsbürgerschaft und Identität, die durch das Phänomen der Entgrenzung zunehmend unter Druck geraten und herausgefordert werden. Dabei ist Staatsbürgerschaft und Entgrenzung ein sehr gegensätzliches Begriffspaar, welches sich durch ein beständiges Spannungsverhältnis auszeichnet.
Staatsbürgerschaft kann als ein historisch gewachsenes Konzept angesehen werden, dessen Genese mit dem Aufkommen des modernen Nationalstaats einherging. Analog dazu entwickelte sich das herkömmliche Verständnis kollektiver Identität. Das Phänomen der Entgrenzung hingegen ist deutlich jünger und konstituiert sich durch mehrere jüngere Entwicklungen, als da wären Transnationalisierung, Globalisierung und Europäisierung. Dabei wird in der praktischen Umsetzung des Forschungsvorhabens insbesondere auf Letztere eingegangen, da die Rückwirkungen der Europäisierung insbesondere bei der jüngeren Generation Deutschlands eine gewichtige Rolle spielt und deren Sozialisation außerdem nachhaltig geprägt hat.
An dieser Stelle setzt das Erkenntnisinteresse der Forschung an, dabei interessiert in erster Linie das Vorhandensein der europäischen Identität, sowie deren Ausprägung. Dass neben der unbestreitbar vorhandenen nationalen Identität, eine europäischen Parallelidentität im Begriff ist sich zu entwickeln, scheint ebenfalls gesichert. Allerdings besteht Uneinigkeit über die Gestaltung derselben sowie ihrer jeweiligen Art der Ausprägung. In der Forschungsarbeit soll zwischen mehreren möglichen Ausprägungsarten unterschieden werden, um dem diffus vorhandenen europäischen Identitätskonzept etwas mehr Kontur zu verleihen. Anfangs soll zuerst das Bestehen einer europäischen Identität festgestellt werden, um daraufhin eine Tendenz des identitären Bezugsrahmens innerhalb dreier Ausgestaltungsformen herauszuarbeiten. Dabei soll unterschieden werden zwischen Wirtschaftsbündnis, Wertegemeinschaft und politischem Bündnis. Dies soll im Fokus der vorliegenden Forschungsarbeit stehen, erfragt durch Erfahrungen und Beweggründe jüngerer deutscher Erwachsener, die den identitären Bezugsrahmen zur Europäischen Union beeinflussen und bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Relevanz des vorliegenden Themas
- Forschungsstand
- Erkenntnisinteresse
- Theoretischer Teil
- Das Konzept der Europäischen Identität
- Staatsbürgerschaft und Identität
- Ausgestaltungsformen des identitären Bezugsrahmens zur EU
- Die Europäische Union als Wirtschaftsbündnis
- EU als politische Union
- EU als Wertegemeinschaft
- Darstellung aus forschungsmethodischer Sicht
- Stichprobenauswahl
- Datenaufbereitung
- Auswertung der Daten
- Einzelfallanalysen
- Auswertung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Forschungsarbeit beschäftigt sich mit den Konzepten Staatsbürgerschaft und Identität im Kontext der Entgrenzung. Sie analysiert die Spannungen zwischen dem historisch gewachsenen Verständnis von Staatsbürgerschaft und den modernen Phänomenen der Transnationalisierung, Globalisierung und Europäisierung. Im Fokus steht dabei die Entwicklung einer europäischen Identität und ihre Ausprägung im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftsbündnis, Wertegemeinschaft und politischer Union.
- Die Herausforderungen an Staatsbürgerschaft und Identität durch die Entgrenzung
- Die Ausprägung der europäischen Identität
- Die Rolle der Europäisierung in der Sozialisation jüngerer Generationen
- Die verschiedenen Ausgestaltungsformen des identitären Bezugsrahmens zur EU
- Die Auswirkungen aktueller politischer Ereignisse auf die europäische Identität
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und die Relevanz des Themas vor. Es wird ein Spannungsverhältnis zwischen Staatsbürgerschaft und Entgrenzung aufgezeigt und die Rolle der Europäisierung für die jüngere Generation Deutschlands hervorgehoben.
- Relevanz des vorliegenden Themas: Dieses Kapitel zeigt anhand aktueller politischer Ereignisse wie dem „Grexit“, dem Brexit und der Flüchtlingskrise auf, dass das traditionelle Konzept der Staatsbürgerschaft trotz der Entgrenzungsphänomene nicht obsolet ist. Der Rückzug in nationale Gefilde gewinnt an Relevanz und beeinflusst die Entwicklung einer europäischen Identität.
Schlüsselwörter
Staatsbürgerschaft, Identität, Entgrenzung, Europäische Identität, Wirtschaftsbündnis, Wertegemeinschaft, politische Union, Globalisierung, Europäisierung, Transnationalisierung, jüngere Generation, Deutschland, politische Ereignisse, nationale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Wie beeinflusst die „Entgrenzung“ das Konzept der Staatsbürgerschaft?
Phänomene wie Globalisierung und Europäisierung setzen das traditionelle, nationalstaatliche Verständnis von Staatsbürgerschaft unter Druck.
Welche drei Formen der europäischen Identität werden unterschieden?
Es wird unterschieden zwischen der EU als Wirtschaftsbündnis, als Wertegemeinschaft und als politisches Bündnis.
Welche Rolle spielt die Europäisierung für die jüngere Generation?
Die Europäisierung hat die Sozialisation jüngerer Erwachsener in Deutschland nachhaltig geprägt und zur Entwicklung einer parallelen europäischen Identität geführt.
Machen Krisen wie der Brexit die Staatsbürgerschaft obsolet?
Nein, aktuelle Ereignisse zeigen, dass nationale Identität und der Rückzug in nationale Gefilde trotz Entgrenzung wieder an Relevanz gewinnen.
Was ist das Ziel dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit will dem diffusen Konzept der europäischen Identität mehr Kontur verleihen, indem sie Erfahrungen und Beweggründe junger Deutscher analysiert.
- Quote paper
- Samuel Kohnle (Author), 2018, Staatsbürgerschaft im Spannungsfeld der Entgrenzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958880