Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur


Seminararbeit, 1997
10 Seiten

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Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Biographische Einleitung zu der Zeit der Entstehung des Textes "Das Unbehagen in der Kultur" (um 1930)
2.1 Zusammenfassung des Textes "Das Unbehagen in der Kultur" von Sigmund Freud
2.2 Welchen Einflüssen dankt die Kulturentwicklung (nach Freud) ihren Ursprung, wie ist sie entstanden und wodurch wurde ihr Lauf bestimmt?

3 Biographische Einleitung zu der Zeit der Entstehung des Textes "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität" (um 1908)
3.1 Zusammenfassung des Textes "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität (1908)" von Sigmund Freud
3.2 Ursachen der wachsenden Nervosität
3.3 Die Entwicklungsgeschichte des Sexualtriebes (Unterscheidung in drei Kulturstufen)

4 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich mich zunächst mit dem Text "Das Unbehagen in der Kultur", von Sigmund Freud, geschrieben im Jahre 1930 befassen. Ich werde auf folgende Fragen eingehen: "Was versteht man unter dem Begriff Kulturerwerb", "Welchen Einflüssen dankt die Kulturentwicklung ihren Ursprung, wie ist sie entstanden und wodurch wurde ihr Lauf bestimmt".

Anschließend werde ich den Text "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität", geschrieben von Sigmund Freud, im Jahre 1908 hinzuziehen und auf die "Ursachen der wachsenden Nervosität", "Die Entwicklungsgeschichte des Sexualtriebes" und den "Sublimierungsbegriff" eingehen. Zuvor werde ich jeweils auf die Umstände der Jahre eingehen, in welchen Sigmund Freud die Texte verfaßt hat.

2. Biographische Einleitung zu der Zeit der Entstehung des Textes "Das Unbehagen in der Kultur" (um 1930)

Den Text "Das Unbehagen der Kultur", hat Freud im Jahre 1929 fertiggestellt.

In diesem Jahr wurde er in dem von Arnold Zweigs veröffentlichtem Essay mit dem Titel "Freud und der Mensch" als Befreier von religiösem und pathologischem Terror gefeiert.

Im Herbst reist er mit seiner Tochter Anna nach Berlin, um sich einer erneuten Krebsbehandlung zu unterziehen.

Durch den Wall Street Börsenkrach wird auch in Europa eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Die erste Tagebuchnotiz Freuds in diesem Jahr lautet: "Im Nobelpreis übergangen".

An der Universität in Wien kommt es zu antisemitischen Ausschreitungen. Ein Jahr später zwingt ein Herzanfall Freud, das Rauchen zu unterlassen.

Im Herbst 1930 stirbt seine Mutter. Daraufhin fährt seine Tochter Anna nach Frankfurt, um dem ihn verliehenen Goethe-Preis entgegenzunehmen. (vgl. S. Freud Museum Wien, Online Service der Sigmund Freud Gesellschaft, http://freud.tO.or.at/freud/welcome.htm)

2.1 Zusammenfassung des Textes "Das Unbehagen in der Kultur" von Sigmund Freud

Nach Beendigung seiner Arbeit "Das Unbehagen in der Kultur", beschreibt Freud sie seiner Bekannten Lou-Andreas-Salom é in einem Brief vom 28. Juli 1929 folgendermaßen: " sie handelt von Kultur, Schuldgefühl, Glück undähnlichen hohen Dingen...".(Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S.12)

Freud ist der Meinung, daß uns das Leben viele Schmerzen und Enttäuschungen bereitet. Um dieses Leben erträglicher zu machen, nehmen wir Linderungsmittel, lenken uns ab, suchen uns Ersatzbefriedigungen oder nehmen Rauschstoffe. Wir streben nach Glück; wir wollen glücklich werden und bleiben.

Das Streben von uns Menschen verfolgt zwei Ziele, ein positives und ein negatives Ziel.

Einerseits will es die Abwesenheit von Schmerz und Unlust, andererseits will es ein starkes Lustgefühl erleben. Der Lebenszweck besteht also aus dem Programm des Lustprinzips (das Streben nach Bedürfnisbefriedigung), welches die Leistung des seelischen Apparates von Anfang an beherrscht. Die Absicht, daß der Mensch glücklich sein soll, ist laut Freud nicht im Schöpfungsplan enthalten. Für den Menschen ist es leichter Unglück anstatt Glück zu erfahren.

Das Unglück droht, laut Freud, von drei Seiten her:

1. Durch das Leiden vom eigenen Körper, z. B. durch den Verfall, Auflösung, Schmerz und Angst.
2. Durch das Leiden von der Außenwelt, z. B. durch übermächtige, unerbittliche und zerstörende Kräfte gegen den Menschen.
3. Durch das Leiden aus Beziehungen zu anderen Menschen, welches wir schmerzlicher als jedes andere Leiden empfinden.

Die Aufgabe der Leidvermeidung drängt die der Lustgewinnung in den Hintergrund. Folgende Methoden zählt Freud zur Vermeidung von Unlust auf:

1. Eine uneingeschränkte Befriedigung aller Bedürfnisse, wobei der Genuß der Vorsicht vorherrscht.
2. Schutz gegen das Leid, welches aus menschlichen Beziehungen erwachsen kann, durch das Fernhalten von anderen Menschen. So kann das "Glück" der Ruhe entstehen.

Triebbefriedigung (existentielle Zufriedenheit) bedeutet also Glück und Bedürfnisbefriedigungsverweigerung (einen Mangelzustand nicht beseitigen, somit kann ein erwünschter Zustand nicht erreicht werben) bedeutet Leiden.

Zur Beeinflussung des Leids gibt es wie gesagt die chemische Methode, in der wir durch körperfremde Stoffe ein sofortiges Lustempfinden erhalten, die Libidoverschiebung, wodurch die Triebziele so verlegt werden, daß sie von der Außenwelt nicht getroffen werden oder die Beendigung aller Beziehungen, um der Ursache des Leidens (der Feind) auszuweichen. Die Folge dieses Leidens ist laut Freud, das wahnsinnig werden der Menschen. Am ungeschützten gegen das Leiden sind wir also, wenn wir Menschen lieben.

Das Lebensglück wird vorwiegend im Genuß der Schönheit (ursprüngliche Eigenschaft des Sexualobjektes) gesucht, wo immer sie sich in unseren Sinnen und unserem Urteil zeigt, z. B. in der Schönheit menschlicher Formen und Gesten von Naturobjekten und Landschaften, sowie künstlerischen und selbst wissenschaftlichen Schöpfungen (vgl. S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S.441). Diese ästhetische Einstellung zum Lebensziel bietet wenig Schutz gegen drohendes Leiden, vermag aber für vieles zu entschädigen ( S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S.441). Freud steht auf dem Standpunkt der individuellen Libidoökonomie, das heißt, daß jeder selbst herausfinden muß, welcher für ihn der richtige Weg ist. Das hängt davon ab, wieviel reale Befriedigung er von Außen zu erwarten hat, inwieweit er sich von Außen unabhängig macht und wieviel Kraft er braucht, um seinen Wünschen nachzugehen.

Eine Behauptung, die Freud in seinem Text aufgreift ist: "..., einen großen Teil der Schuld an unserem Elend trage unsere sogenannte Kultur; wir wären viel glücklicher, wenn wir sie aufgeben und in primitive Verhältnisse zurückfinden würden." (S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S. 445) Freud beantwortet dies mit dem Argument, daß alles womit sich die Menschen gegen die Leidensquellen schützen wollen, der Kultur angehört.

Kultur bezeichnet die Gesamtheit aller Leistungen und Einrichtungen, in denen sich unser Leben von dem der tierischen Ahnen entfernt und welche zwei Zwecken dienen:

1. "Dem Schutz des Menschen gegen die Natur" (S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S. 448 f) und
2. "Der Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander" (S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S. 449)

Erste kulturelle Taten der Menschen waren, z.B. der Gebrauch von Werkzeugen, die Zähmung des Feuers, sowie der Bau von Wohnstätten (Kulturerwerb).

Unter dem Begriff "Kulturerwerb" versteht man den Erwerb der Dinge, die der Mensch durch die Wissenschaft und die Technik hergestellt hat. Kulturell fallen auch eher unnütze Dinge, wie Blumenbeete oder Blumen vor dem Fenster unter den Begriff Schönheit. Das bedeutet, daß der Kulturmensch die Schönheit verehrt, egal ob er ihr in der Natur begegnet oder sie mit seinen Händen selbst herstellt und somit die Natur kopiert, z. B. wenn er sich die Blumen aus der Natur holt und vor sein Haus pflanzt (vgl. S. Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S. 452).

Der Mensch hat einen natürlichen Hang zur Nachlässigkeit, Unregelmäßigkeit und Unzuverlässigkeit. Die Folge ist, daß der Mensch sich die Natur als Vorbild der Ordnung nimmt (z. B. durch die Nachahmung der himmlischen Vorbilder). Eine besondere Stellung unter den Kulturanforderungen haben Schönheit, Reinlichkeit und Ordnung. Lebenswichtig ist für die Menschen jedoch die Beherrschung der Naturkräfte. Man kann also erkennen, daß Kultur nicht nur auf Nutzen bedacht ist. Der Antrieb der menschlichen Tätigkeiten ist das Streben nach Nutzen und Lustgewinn.

Das menschliche Zusammenleben wird dadurch ermöglicht, daß sobald sich eine Mehrheit zusammenfindet, die stärker als jeder Einzelne ist, diese gegen jeden zusammenhält. Die Macht dieser Gemeinschaft ist das "Recht" der Macht jedes Einzelnen. Der entscheidende kulturelle Schritt ist also die Ersetzung der Macht des Einzelnen durch die Macht der Gemeinschaft. Eine Folge ist, daß Mitglieder dieser Gemeinschaft in ihren Befriedigungsmöglichkeiten eingeschränkt werden, da Gerechtigkeit gelten soll. Zu diesem Recht haben alle Gemeinschaftsfähigen durch ihre Triebopfer etwas beigetragen.

Kulturentwicklung ist ein Prozeß, der über die Menschheit hinaus abläuft und auf Triebverzicht aufgebaut ist. Sie hat eine Nichtbefriedigung, durch Unterdrückung oder Verdrängung von mächtigen Trieben zur Folge.

2.2 Welchen Einflüssen dankt die Kulturentwicklung (nach Freud) ihren Ursprung, wie ist sie entstanden und wodurch wurde ihr Lauf bestimmt?

Da jeder sein Leben durch Arbeit verbessern wollte wurden andere Gesellschaftsmitglieder zu Mitstreitern/Mitarbeitern. Die Männer wollten von nun an die Frauen (Sexualobjekte) bei sich behalten. Diese blieben der Kinder wegen bei den "starken" Männern, wodurch Familien gebildet wurden. Später machten die Söhne die Erfahrung, daß eine Vereinigung stärker ist als der Einzelne.

Anschließend wurden Tabuvorschriften zum "ersten Recht".

Die Hauptbeschäftigung der Kultur ist also, die Menschen zu großen Einheiten zusammen zu tun. Die Frauen vertreten die Familieninteressen und die des Sexuallebens, denn die Kulturarbeit ist Männersache. Die Kultur stellt den Menschen immer schwierigere Aufgaben und nötigt sie zu Triebsimulierungen, denen die Frauen nicht so gut gewachsen sind. Somit fühlt sich die Frau durch ihre Kulturansprüche in den Hintergrund gedrängt und es ergeben sich Feindseligkeiten, welche Einschränkungen des Sexuallebens zur Folge haben. Laut Freud gibt die Kultur zu erkennen, daß eine sexuelle Beziehung nur auf Grund einer einmaligen, unauflösbaren Bindung eines Mannes an eine Frau gestattet ist, daß sie die Sexualität als selbständige Lustquelle nicht mag und sie nur als bisher untersetzte Quelle zur Vermehrung der Menschen zu dulden ist.

Da jeder Mensch eine Aggressionsneigung hat und diese auch bei anderen Menschen voraussetzt, wird das Verhältnis zum Nächsten gestört. Durch diese Feindseligkeit der Menschen gegeneinander ist die Kulturgesellschaft stets vor dem Zerfall bedroht. Auch die Arbeitsgemeinschaft würde sie nicht zusammenhalten, da die triebhaften Leidenschaften stärker als die Vernunft sind. Die Kultur muß also den Aggressionstrieben der Menschen Grenzen setzen, z. B. durch das Gesetz. Dieser Aggressionstrieb ist der Abkömmling und Hauptvertreter des Todestriebes (Destruktionstrieb). Die Kulturentwicklung muß den Kampf zwischen Eros und Tod, Lebenstrieb und Todestrieb zeigen, wie er sich an der Menschheit vollzieht. Dieser Kampf ist der wesentliche Inhalt des Lebens und deshalb bezeichnet man die Kulturentwicklung als "Lebenskampf der Menschenart". (vgl. Sigmund Freud, Gesammelte Werke, Das Unbehagen in der Kultur, S. 458f.)

Das zentrale Thema des Textes ist also der Gegensatz zwischen dem Glücksanspruch des Individuums und den von der Zivilisation auferlegten Einschränkungen. Freud geht davon aus, daß das menschliche Wunschstreben (welches durch drei Leidquellen bedroht ist) im Kampf mit der ganzen Welt liegt.

Das Wunschstreben, auch Lustprinzip genannt ist

1. durch die Übermacht der äußeren Natur, z. B. durch Gefahren
2. durch die Ohnmacht der inneren Natur, z.B. durch Krankheit und Tod, sowie
3. durch die von Haß und Feindschaft getränkten intersubjektiven Beziehungen bedroht.

Das Wunschstreben stellt sich in den Schutz der Kultur, um eine Glücksmöglichkeit gegen Sicherheit zu tauschen. Die Kultur schützt den Menschen gegen die Natur. Sie regelt das Zusammenleben der Menschen und fordert dafür von ihm Arbeitszwang und Triebverzicht. (vgl. Lexikon der philosophischen Werke)

3. Biographische Einleitung zu der Zeit der Entstehung des Textes "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität" (um 1908)

Im Jahre 1907 wurde Freud auf die Novelle von Jung aufmerksam und beginnt Träume zu analysieren.

Max Etingon, der bald zu einem der wichtigsten finanziellen Förderer der psychoanalytischen Bewegung wird, besucht Freud zum ersten Mal in Wien.

Der Patient, der unter dem Namen "Rattenmann" berühmt wurde, begibt sich zu Freud in Analyse.

1908 findet in Salzburg der 1. Kongreß für "Freudsche Psychologie" statt.

Die "psychologische Mittwochsgesellschaft" wird aufgelöst und wird unter dem Namen "Wiener Psychoanalytische Vereinigung" neu gegründet.

Es erscheinen: "Der Dichter und das Phantasieren", "Über infantile Sexualtheorien" und "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität".

(vgl. Sigmund Freud Museum Wien, Bergstrasse 19, Online Service der Sigmund Freud Gesellschaft, http://freud.tO.or.at/freud/welcome.htm)

3.1 Zusammenfassung des Textes "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität (1908)" von Sigmund Freud

Freud bezieht sich zunächst auf Christian von Ehrenfels (Philosoph und Entdecker der Gestaltqualitäten und Begründer der modernen Gestaltpsychologie, 1859 - 1932); ( vgl. Lingen Lexikon, 1973), der die Sexualmoral in die natürliche und kulturelle Sexualmoral aufsplittet (vgl. S. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S.111)

.Unter der natürlichen Sexualmoral versteht man, daß sich ein Menschenstamm bei Gesundheit und Lebenstüchtigkeit erhalten will und unter der kulturellen Sexualmoral, daß die Menschen zu intensiver und produktiver Kulturarbeit angespornt werden.

Eine Folge der natürlichen Sexualmoral ist die mögliche Schädigung der einzelnen Menschen durch ihre auferlegten Opfer, die so stark werden kann, daß eventuell das kulturelle Endziel in Gefahr geraten kann.

Charakteristisch für die kulturelle Sexualmoral ist die doppelte Moral für den Mann, das heißt, daß sexuelle Vergehen nicht so schlimm geahndet werden wie bei der Frau. Für die Frau ist, im Gegensatz zum Mann, der Sexualverkehr nur in der Ehe zugelassen. Alles andere ist total verpönt.

Eine Gesellschaft, die sich auf eine solche doppelte Moral einläßt, hat so gut wie keine Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe. Sie ist also gezwungen ihre Mitglieder zum Selbstbetrug, zur Schönfärberei, zum Lügen und zum Betrug anderer anzuleiten. Durch das glanzvolle erscheinen lassen der Monogamie, wird die virile Auslese lahmgelegt, was zur Folge hat, daß sich die kulturelle Sexualmoral noch schädlicher auswirkt.

Die virile Auslese ist zur Verbesserung der körperlichen und seelischen Verfassung, da die vitale Auslese bei den Kulturvölkern durch Menschlichkeit und Hygiene auf ein Minimum gesenkt wird. Diese unter den der kulturellen Sexualmoral zur Last gelegten Schädigungen ist z.B. "die moderne Nervosität".

"Wir in unserer Familie sind alle nervös geworden, weil wir etwas Besseres sein wollten, als wir nach unserer Herkunft sein können"(Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S.112)

Laut Freud haben einige Nervenärzte die wachsende Nervosität als eine Folge des modernen Kulturlebens gefolgert.

Er selbst ist der Meinung, daß der schädigende Einfluß der Kultur, sich auf die schädliche Unterdrückung des Sexuallebens der Kulturvölker (oder der Schichten, bestimmte Gruppen der Bevölkerung), (Duden, Das Bedeutungswörterbuch, 1970), durch die bei ihnen herrschende kulturelle Sexualmoral reduziert (vgl. S. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 115).

Freud unterscheidet zwischen zwei Gruppen von den nervösen Krankheitszuständen:

1. die eigentlichen Neurosen und
2. die Psychoneurosen (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 115)

Bei den eigentlichen Neurosen scheinen die Störungen/Symptome sich in körperlichen oder seelischen Leistungen zu äußern, also toxischer Natur zu sein, das heißt, sie verhalten sich ähnlich wie die Erscheinungen, welche bei großer Zufuhr oder Entzug von Nervengiften auftreten. Diese Neurosen können durch spezielle Einflüsse des Sexuallebens hervorgerufen werden. Sie sind nicht erblich bedingt.

Bei den Psychoneurosen wurde durch die Psychoanalyse bekannt, daß die Leidenssymptome (Hysterie, Zwangsneurosen...) psychogen sind und das diese unbewußten Komplexe sexuellen Inhalt haben. Das heißt, daß sie durch die Sexualbedürfnisse unbefriedigter Menschen entstehen und für sie eine Art von Ersatzbefriedigung darstellen. Laut Freud sollte man in den Momenten, in denen das Sexualleben geschädigt werden kann, seine Wünsche zunächst unterdrücken und seine Ziele verschieben (Sublimierung).

Bei den meisten nervösen Personen sind Störungen beiderlei Herkunft (toxische- und psychogene Neurosen) zu erkennen. (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 111fff.)

3.2 Ursachen der wachsenden Nervosität

Unsere Kultur ist also auf der Unterdrückung von Trieben aufgebaut. Dadurch, daß jeder Einzelne ein Teil seines Besitzes, seiner Machtvollkommenheit und seiner aggressiven Neigungen abtreten mußte, ist der gemeinsame Kulturbesitz an materiellen und ideellen Gütern entstanden. Dieser Verzicht wurde durch die Lebensnot und durch die Familiengefühle ermöglicht und steigerte sich im Laufe der Kultur. Das Stück Triebbefriedigung, auf welches man verzichtet hat, wurde der Gottheit geopfert (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 117).

Der Sexualtrieb besteht aus mehreren Partialtrieben. Er stellt der Kulturarbeit große Kraftmengen zur Verfügung, weil er sein Ziel verschieben oder schwächer werden kann. Dies nennt man die Fähigkeit der Sublimierung. Das heißt, ein ursprünglich sexuelles Ziel wird gegen ein anderes, nicht mehr sexuelles, aber ein mit ihm psychisch verwandtes Ziel vertauscht.

Die ursprüngliche Stärke des Sexualtriebes ist bei den einzelnen Individuen unterschiedlich groß. (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 117f.)

3.3 Die Entwicklungsgeschichte des Sexualtriebes (Unterscheidung in drei Kulturstufen)

1. Die Betätigung des Sexualtriebes ist über die Ziele der Fortpflanzung hinaus frei.
2. Alles am Sexualtrieb ist unterdrückt, bis auf das, was der Fortpflanzung dient.
3. Nur die rechtmäßige Fortpflanzung ist als Sexualtrieb zugelassen (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 118).

Durch die Einschränkungen der sexuellen Betätigungen nimmt die Lebensängstlichkeit und die Todesangst zu. Dies stört die Genußfähigkeit des einzelnen, sowie die Bereitwilligkeit den Tod für irgendwelche Ziele auf sich zu nehmen. Die Folge ist eine verminderte Neigung zur Kindererzeugung und somit wird diese Gesellschaft vom Anteil an die Zukunft ausgeschlossen.

Freud stellt nun die Frage, ob unsere kulturelle Sexualmoral der Opfer wert ist, welche sie uns auferlegt. (vgl. Freud, Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, S. 118ff)

Sigmund Freud starb am 23. September 1939, im Alter von 83 Jahren. Am 1. August (knapp zwei Monate vor seinem Tod) zwang seine Krankheit ihn, seine Praxis endgültig aufzugeben. Ein Versuch für Freud die britische Staatsbürgerschaft zu erlangen schlug fehl. Der letzte Eintrag in Freuds Tagebuch stammt vom 25. August und lautet: "Kriegspanik".

4. Literaturverzeichnis:

Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur und andere Kulturtheoretische Schriften, 4. Auflage. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1997.

Freud, Sigmund: Gesammelte Werke, 14. Band, Werke aus den Jahren 1925-1931, Das Unbehagen in der Kultur. Fischer Verlag.

Sigmund Freud Museum Wien. Bergstraße 19, Online Service der Sigmund Freud Gesellschaft. http://freud.tO.at/freud/welcome.htm

Bibliographisches Institut: Duden Band 10, Das Bedeutungswörterbuch, Dudenverlag, Mannheim 1970.

F. A. Brockhaus: Lingen Lexikon, Lingen Verlag, Freiburg i. Br. 1973. Hildesheim, d. 26.07.97

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur
Autor
Jahr
1997
Seiten
10
Katalognummer
V95919
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund, Freud, Unbehagen, Kultur
Arbeit zitieren
Sabrina Schrötter (Autor), 1997, Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95919

Kommentare

  • Gast am 30.1.2003

    Nicht Vollständig.

    Die arbeit eignet sich allenfalls zum ersten Einholen von Informationen, da besonders wichtige Erklärungsansätze Freuds nicht aufgenommen wurden. So fehlen z.B. bei "Das Unbehagen in der Kultur" gänzlich seine Vermutungen hinsichtlich der Vorsichtsmaßnahmen, welcher sich die Kultur zu ihrem eigenen Schutze bedienen muss z.B. Die Verinnerlichung der äußeren Autörität inform des Über-Ichs. Auch die von Freud vermutete "phylogenetische" Entwicklungsgeschichte wurde nicht aufgegriffen. Somit fehlen auch die zentralen Punkte - gerade dort, wo der Text sehr komplex wird, endet die Zusammenfassung, die ca. 5 Kapitel (unvollständig) umfasst, anstatt der gegebenen 8. Bei der Zusammenfassung von "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität" sieht dies leider ähnlich aus.

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