Grundzüge und Theorie der Wahrnehmungspsychologie - ein zentraler Begriff d. Psychologie


Seminararbeit, 1998

16 Seiten, Note: 13 (2+)


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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. MECHANISMEN DER WAHRNEHMUNG UND DEREN PSYCHOLOGISCHER BEDINGUNGEN
2.3. TENDENZ ZUR GUTEN GESTALT
2.4. ABWEHRMECHANISMEN
2.4.1. VERDRÄNGUNG
2.4.2. REAKTIONSBILDUNG
2.4.3. PROJEKTION
2.4.4. REALITÄTSLEUGNUNG
2.4.5. VERSCHIEBUNG
2.4.6. RATIONALISIERUNG
2.4.7. REGRESSION

3. WAHRNEHMUNGSGRENZEN UND -VERÄNDERUNGEN
3.1. UNTERE UND OBERE WAHRNEHMUNGSSCHWELLE
3.2. UNTERSCHIEDSSCHWELLEN
3.3. ADAPTION
3.4. VERSCHMELZUNG

4. WAHRNEHMUNGSTÄUSCHUNG
4.1. GEOMETRISCH - OPTISCHE TÄUSCHUNG
4.1.1. PONZO - TÄUSCHUNG
4.1.2. DIE POGGENDORFF - TÄUSCHUNG:
4.1.3. MÜLLER - LYER - TÄUSCHUNG
4.1.4 DIE KORRIDOR - TÄUSCHUNG
4.1.5. DIE MOND - TÄUSCHUNG

LITERATUR:

1. EINLEITUNG

Manchmal werden Polizeibeamte von Menschen wegen Wahrnehmungsstörungen um Hilfe gebeten (Fallbeispiel 1), die sich in ihrer Wohnung z B. durch angebliche Wanzen oder sich bestrahlt fühlen. Es sich dabei um massive Wahrnehmungsstörungen, die vorwiegend bei schweren psychischen Krankheiten vorkommen. Die Ursache für solche Wahrnehmungsstörung können biochemische Fehlfunktionen, organische Hirnveränderungen, Drogenwirkungen, Vergiftungen, aber auch extreme Streßerlebnisse sein. Auch bei sogenannten Gesunden ist die Wahrnehmung nicht immer so objektiv, wie wir uns das gerne wünschen würden. Personen erleben manchmal Wahrnehmungsveränderungen, wenn sie bei Katastropheneinsätzen mit schrecklichen Eindrücken konfrontiert werden. Plötzlich kommen andere Menschen und /oder der eigene Körper irreal erscheinen. Bei starker Angst in lebensbedrohlichen Situationen kann es ebenfalls zu massiven Wahrnehmungsveränderungen kommen. Manche Kriegsteilnehmer oder Personen, die sich bei einem Unfall in Todesnähe fühlten, haben vielfach von fremdartigen Wahrnehmungsphänomenen berichtet (Bläckmors, 1988). Unsere Wahrnehmung funktioniert aber auch m manchmal in völlig neuartigen Situationen irritiert, z B. im 3D Kino im Vergnügungspark oder wenn wir das Mal tauchen.

Unsere Wahrnehmung ist störbar

Im Fallbeispiel 2 kommt es aufgrund von Aufmerksamkeits - und Wahrnehmungsdefiziten zu einem Verkehrsunfall. Der Autofahrer hat sich in diesem Fall nicht vorsätzlich fahrlässig verhalten. Verschiedene Einflußfaktoren können dazu beigetragen haben, daß er den Radfahrer nicht wahrgenommen hat. Vielleicht war er nach der langen Autofahrt übermüdet, vielleicht hat er sich auf den geschmückten Hauseingang gegenüber zu lange konzentriert und ist dann automatisch in seine Hof einfahrt eingebogen, ohne seine Aufmerksamkeit auf den Gegenverkehr zu lenken. Seine Aufmerksamkeit war vielleicht nicht voll auf den Straßenverkehr gerichtet, da er gedanklich schon zu Hause war Vielleicht hat die Leistungsfähigkeit seiner Sinnesorgane nicht ausgereicht, um das schwachleuchtende Fahrradlicht in der Dämmerung zu erkennen Es kann sein, daß er Sehprobleme bei Dämmerlicht hat.

Im Fallbeispiel 3 handelte es sich um einen Unfall, der vom ADAC gestellt wurde (ADAC Motorwelt 3/81).

Die Auswertung der Aussagen nach dem Unfall ergab:

Die meisten Zeugen hatten im wesentlichen den Unfall korrekt geschildert, aber einzelne Details falsch gesehen, falsch kombiniert oder in der Erinnerung hinzugefügt. Mutmaßungen und Schlußfolgerungen wurden als sichere Erkenntnisse weitergegeben.

2. Mechanismen der Wahrnehmung und deren psychologischer Bedingungen

2.1. Der Mensch hat viele Möglichkeiten, seine Umgebung wahrzunehmen. Er kann

- sehen
- hören
- riechen
- schmecken
- tasten und auf der Haut empfinden
- seinen Körper bewegen (Orientierung im Raum) hat
- Gleichgewicht (Bewegung im Raum, Schwerkraft)
- im Körperinneren empfinden - Organe (Druck, Schmerz ).

Grundsätzlich besteht der Wahrnehmungsprozeß aus 3 Stufen:

- ein Reiz (z. B. Licht, Schallwellen) trifft auf den Körper
- der Reiz wird im Gehirn wahrgenommen und identifiziert
- der Reiz wird klassifiziert und eingestuft / eingeordnet ( Obst - Gemüse, Freund - Feind)

2.2. Faktoren, welche die Wahrnehmung beeinflussen

2.2.1. Biologische Faktoren

- Hormone
- Stoffwechsel
- Hirnstrukturen
- Leistungsfähigkeit der einzelnen Sinnesorgane
- Drogeneinfluß

2.2.2. sonstige Einflüsse

- Umgebung
- Situation (z. B. Wetter- und Lichtverhältnisse)

2.2.3. Psychologische Faktoren

- Aufmerksamkeit und Interesse
- Gedächtnis (Erfahrung, Wissen, Gedanken)
- Gefühle
- Erwartungen
- Einstellungen

Wenn eine Person etwas wahrgenommen hat, dann wird dieses Wahrgenommene mit den Erfahrungen, die derjenige bisher gemacht hat, mit dem Wissen, das er besitzt und mit seiner aktuellen Gefühlslage abgeglichen.

Das Wahrgenommene wird dann in Sprache umgesetzt und dabei interpretiert und bewertet.

Bei jedem Menschen ist dieser Prozeß unterschiedlich, da jeder eine andere Entwicklung, Erziehung und berufliche und gesellschaftliche Sozialisation erfahren hat. Jeder hat deshalb auch unterschiedlich Einstellungen, Interessen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen an das, was er gerade wahrnimmt.

Deshalb kann es auch sein, daß ein Teil unserer Klasse manche Unterrichtsstunden als langweilig und ewig lang bezeichnet, während andere sagen, daß der gleiche Unterricht interessant war und wirklich schnell herumgegangen ist.

Oder ein anderes Beispiel:

Jeder wird sich ja vorstellen können, daß eine einzige Straße ganz anders wahrgenommen wird, je nachdem, ob ein kleines Mädchen entlang gelaufen ist, ein Polizeibeamter oder jemand, der gerade Hunger gehabt hat.

Jedem fällt etwas anderes auf, wofür andere Dinge wiederüberhaupt nicht wahrgenommen werden. Bei jedem liegt die Aufmerksamkeit also woanders.

Diese Aufmerksamkeit muß jetzt aber gar nicht bewußt herbeigeführt worden sein (willkürlich/aktiv), sondern kann auch unbewußt vorhanden sein (unwillkürlich/passiv).

Das sieht man z. B. dann, wenn ein Autofahrer im Straßenverkehr unterwegs ist und seine willkürliche Aufmerksamkeit dem Straßenverkehr gewidmet ist. Plötzlich fällt sein Blick aber auf ein interessantes Werbeplakat, auf daß sich seine unwillkürliche Aufmerksamkeit lenkt, und prompt fährt er auf seinen Vordermann auf.

Am Beispiel Straßenverkehr kann man auch gut verdeutlichen, daß in jedem gewisse Filtervorgänge ablaufen, die dafür verantwortlich sind, daß nur ein Teil all der Informationen, die auf uns einströmen, auch wahrgenommen wird. Der o. g. Autofahrer nimmt logischerweise nicht jeden Papierkorb, jeden Fußgänger auf dem Gehweg und jeden Gartenzaun wahr, weil das alles für ihn überhaupt nicht von Bedeutung ist.

Ein anderes Beispiel für diese Filtervorgänge ist auch ein frischgebackenes Elternpaar, das nachts zwar vom leisen Wimmern seines Baby 's aufwacht, aber nicht von den Betrunkenen, die laut grölend am Haus vorbeiziehen.

Das hängt auch damit zusammen, daß es sogenannte gibt, d. h. daß das Elternpaar dem Baby eine viel höhere Aufmerksamkeit entgegenbringt als irgendwelchen Leuten, die an ihrem Haus vorbeigehen.

2.3. Tendenz zur guten Gestalt

Die Wahrnehmung versucht vor allem immer, eine gewisse Ordnung herzustellen, also das, was wahrgenommen wird, mit dem, was bisher da war, in Einklang zu bringen und es irgendwie einzuordnen. Man bezeichnet dies auch als Gestaltbildung.

Außerdem gibt es eine gewisse Wahrnehmungskonstanz.

Diese sichert uns eine weitgehend gleichbleibende Umwelt; ein Buch bleibt für uns also immer z. B. auf dem Tisch stehend, egal aus welchem Winkel heraus wir es auch betrachten.

Dazu kommt noch die sogenannte Größenkonstanz; sprich wir nehmen weitgehend die wahre Größe eines Gegenstandes wahr, egal, wie weit er von uns entfernt ist.

Außerdem besitzt der Mensch Formkonstanz. wir also z. B. ein 5,-DM-Stück aufrecht hinstellen und es dann langsam drehen, so wissen wir doch ständig, daß das Geldstück eine runde, und nicht etwa eine ovale Form hat.

2.4. Abwehrmechanismen

Jeder Mensch hat auf seine Wahrnehmung bezogen auch gewisse Abwehrmechanismen. Diese haben wir zum Teil im Film über Sigmund Freud kennengelernt.

Sinn dieser Abwehrmechanismen ist es, irgendwie die Konflikte zwischen unseren Triebbedürfnissen und dem Gewissen zu bewältigen. Wir würden also manchmal gerne etwas tun, was sich aber nicht mit unseren Moralvorstellungen verträgt. Es muß also etwas geschehen, was das Ganze unter einen Hut bringt.

2.4.1. Verdrängung

-- gewisse Triebbedürfnisse, Gedanken, Gefühle oder Motive werden ins Unterbewußtsein gedrückt, so daß man sie ganz vergißt, sie also nicht mehr da sind.

Meistens reicht das aber nicht aus, und die verdrängten Dinge kommen immer wieder ,,hoch"

2.4.2. Reaktionsbildung

-- man handelt genau entgegen den ursprünglichen Bedürfnissen, z. B. werden tiefgehende Aggressionen in übertriebene Liebesbezeugungen umgewandelt.

Die Wahrnehmung wird verzerrt.

2.4.3. Projektion

- die eigenen Gefühle werden in das Gegenüber hineinprojiziert man empfindet z. B. den anderen als aggressiv, obwohl man es selbst ist.

2.4.4. Realitätsleugnung

-- man will etwas nicht wahrhaben, was soweit gehen kann, daß man etwas Ungewünschtes gar nicht wahrnimmt; es existiert für einen überhaupt nicht

2.4.5. Verschiebung

-- man hat z. B. Ärger mit seinem Chef und läßt diesen Ärger aber erst zu Hause an den Kindern aus (- es ist ja viel ungefährlicher, die Kinder anzuschreien, als den Chef !)

2.4.6. Rationalisierung

für das eigene Verhalten werden vernunfts- und verstandesmäßige Erklärungen gegeben, die die eigentlichen Beweggründe verdecken z. B. verpflichtet jemand einen Nachgeordneten, etwas bestimmtes zu erledigen und nennt das "Aufgaben delegieren", obwohl er eigentlich nur zu faul ist, es selber zu tun

2.4.7. Regression

- Zurückfallen in eine frühere Entwicklungsstufe, die man eigentlich schon überwunden hatte z. B. sieht jemand einen Teil seiner Welt wie ein Kind

- es werden Wirklichkeit und Phantasie vermischt, wodurch das Denken unlogisch wird

3. Wahrnehmungsgrenzen und -veränderungen

Es gibt natürliche Grenzen , die uns nur bestimmte Wahrnehmungen ermöglichen. Das muß auch so sein, weil wir ja einer unendlichen Fülle von Informationen ausgesetzt sind, unsere Sinnesorgane aber nur ein bestimmtes und beschränktes Fassungsvermögen haben.

Das beginnt schon damit, daß wir nur vorne Augen haben und somit nicht sehen können, was sich hinter unserem Rücken abspielt.

Nun ist es aber auch so, daß das, was überhaupt auf unsere Augen trifft, auch nicht vollständig wahrgenommen werden kann, weil z. B. das menschliche Auge nur 30 - 50 Reize / sec über die Sehnerven an das Gehirn weiterleiten kann. Alle darüber hinausgehenden Reize sind also "weg".

Von diesen 30 - 50 Reizen, die überhaupt vermittelbar sind, werden jetzt noch einmal welche ausgefiltert, weil alle registrierten Reize nur bis zu 10 sec zur Verfügung stehen. Diejenigen Reize, die in dieser Zeit nicht weiterverarbeitet werden, können somit nicht ins Bewußtsein gelangen.

Ist ein Mensch jetzt zusätzlich krank, müde oder sind seine Sinnesorgane irgendwie gestört, so reduziert sich das Ganze noch einmal.

Das Gleiche passiert bei fehlender Aufmerksamkeit und Motivation.

3.1. untere und obere Wahrnehmungsschwelle

Reize müssen bestimmte quantitative und qualitative Eigenschaften haben, damit unsere Sinnesorgane darauf überhaupt ansprechen.

Es muß also z. B. eine gewisse Lichtstärke gegeben sein, damit wir überhaupt etwas sehen, oder ein Geräusch muß laut genug sein, damit wir es überhaupt hören.

Bei Tieren liegen diese Wahrnehmungsschwellen teilweise viel tiefer, z. B. beim Sehvermögen eines Adlers oder beim Hörvermögen einer Katze.

Das hat aber auch durchaus seinen Sinn, denn wären all unsere Sinnesorgane maximal leistungsfähig würden viel zu viele Informationen für uns wahrnehmbar sein (wer will schon hören, wenn sich die Luft erwärmt oder sehen, wie ein Sehnerv wächst.

3.2. Unterschiedsschwellen

Die Reize, die auf uns einwirken, müssen ein Mindestmaß an Unterschiedlichkeit aufweisen, damit wir sie überhaupt wahrnehmen können. Sind die Unterschiede zu klein, können wir keine verschiedenen Dinge feststellen, z. B. bei verschiedenen Grüntönen, die direkt nebeneinander liegen.

Bsp.: Eine Kerze im dunklen Raum wird von einer zweiten Kerze merklich in der Helligkeit unterstützt, ein Birnchen mehr oder weniger im Kronleuchter fällt aber absolut nicht auf.

Je stärker der Ausgangsreiz ist, desto größer muß der Unterschied werden, damit er für uns wahrnehmbar wird (Weber'sches Gesetz).

3.3. Adaption

Wenn eine Folge gleicher Reize längere Zeit anhält , sinkt in vielen Fällen die Wirksamkeit späterer Reize.

-- hält man sich z. B. längere Zeit in einem Raum mit schlechter Luft auf, dann riecht man es irgendwann gar nicht mehr.

Die Empfindlichkeit der Nerven wird dabei so verändert, daß die Nerven auf bestimmte Reize gar nicht mehr oder zumindest weniger stark reagieren.

3.4. Verschmelzung

Werden mehrere Reize schnell genug hintereinander dargeboten, so gehen sie ineinander über.

-- Kino - man sieht keine einzelnen Bilder, sondern einen fließenden Handlungsablauf Werden 2 Reize gleichzeitig dargeboten, kann es sein, daß der eine Reiz den anderen überdeckt

-- Deodorant überdeckt z. B. Körpergeruch

Es gibt aber auch den Maskierungseffekt bei verschiedenen Sinnesorganen so kann z. B. Schmerz die Hör- oder Sehschwelle heraufsetzen.

4. Wahrnehmungstäuschung

So, wie es, wie vorher beschrieben, Wahrnehmungsgrenzen und -veränderungen gibt, so kennen wir auch den Bereich der Wahrnehmungstäuschung.

4.1. Geometrisch - optische Täuschung

Insbesondere bei den eindrucksvollen geometrisch-optischen Täuschungen stellt sich die Frage, weshalb sich die Forschung mit diesen abseitigen Phänomen beschäftigen soll, da sie in der alltäglichen Wahrnehmung unserer Umwelt offensichtlich wenig zu tun hat.

Diese Täuschungen begegnen uns in aller Regel auf Bildern, jedoch gehören diese Bilder auch zu den Sachen, die wir tagtäglich wahrnehmen.

Man sollte aber nicht die Wahrnehmung selbst als Täuschung bezeichnen, was täuscht, ist vielmehr die Diskrepanz zwischen dem, was wir wahrnehmen, und dem, was objektiv in der Umwelt vorhanden ist - und nicht etwa die Diskrepanz zwischen Netzhautbild und wirklicher Szene. Häufig übersehen wir eine Täuschung, weil wir einfach nicht mit einem Maßband umhergehen und alles überprüfen.

Täuschungen sind aber nicht nur ein Bestandteil unserer täglichen Wahrnehmung, sondern sie spiegelt vor allem dieselben Gesetze und Mechanismen wider, auf denen wirklichkeitsgetreue Eindrücke beruhen. Wir können deshalb aus beidem wichtige Rückschlüsse gewinnen, und umgekehrt müssen Theorien beides erklären können.

Nachfolgend sollen die bekanntesten Theorien anschaulich erklärt werden.

4.1.1. Ponzo - Täuschung

Diese Täuschung wurde von dem italienischen Psychologen Mario PONZO entdeckt und induziert die Täuschung offensichtlich durch schräg zusammenlaufenden Linien. Man unterscheidet solche induzierenden Komponenten von Testkomponenten, über die man sich beim Betrachten täuscht.

Wie können der Einfluß von schrägen Linien auf die Wahrnehmung von waagrechten Linien erklärt werden?

Die heute gängigste Hypothese führt hier den gleichen Mechanismus ins Feld, auf dem auch die Größenkonstanz beruht. Die konvergierenden Linien erwecken einen Eindruck von Tiefe wie Straßenränder oder Eisenbahnlinien. So werden diese Figuren daher las räumlich empfunden. Deshalb können wir die Ponzo-Täuschung, ähnlich wie die Mond-Täuschung, als ein Beispiel für das „Emmertsche Gesetz“ betrachten, denn danach werden Netzhautbilder derselben Größe unterschiedlich wahrgenommen, wenn jeweils andere Entfernungen unterstellt werden.

Originalfigur von Ponzo:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.2. Die Poggendorff - Täuschung:

Diese Täuschung wurde im Jahre 1860 von J.C. POGGENDORFF entworfen.

Während man die Ponzo - Täuschung auf eine irrtümliche Tiefenwahrnehmung zurückführen kann, ist bei der Poggendorff - Täuschung eher eine Winkelverzerrung ausschlaggebend.

So werden spitze Winkel überschätzt, so daß man den Eindruck bekommt, gerade verlaufende Linien wären parallel versetzt. Hierbei wird die Theorie favorisiert, die von „Konturdetektoren“ ausgeht, wie sie bereits von HUBEL und WIESEL entdeckt wurden. So wird sie mit der verschiedenen Verarbeitung von Linien auf der Netzhaut erklärt.

Allerdings sind bei dieser Täuschung auch Tendenzen zur Tiefenwahrnehmung erkennbar.

Typische Beispiele :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.3. Müller - Lyer - Täuschung

Die vermutlich bekannteste geometrisch - optische Täuschung hat F. C. Müller - Lyer vor etwa 100 Jahren entdeckt: Ein Doppelpfeil, d.h. eine Linie zwischen zwei spitzen Winkeln, erscheint deutlich kürzer als eine gleich lange Linie, bei der die Pfeilspitzen umgekehrt sind. Zu dieser Figur gibt es inzwischen zahlreiche Varianten.

Müller - Lyersche Figur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine einhellige Erklärung für diese Täuschung existiert nicht, insbesondere bei räumlicher Verarbeitung.

Eine Hypothese erklärt die Täuschung mit dem „Emmertschen Gesetz“: Die näher scheinende Linie muß demnach kleiner aussehen als eine weiter entfernter wahrgenommene.

Eine andere Hypothese erklärt die Täuschung mit einer mangelhaften Koordinierung zwischen Gehirn und Augen- muskulatur.

Eine weitere Theorie geht von einem unzulänglichen Vergleich aus; Danach können wir Einzelheiten von Figuren beim ersten Betrachten noch nicht richtig aus dem Gesamtzusammenhang isolieren. So wird die Aufmerksamkeit unbewußt auf Komponenten gelenkt, die von der eigentlichen Figur ablenkt, bzw. mit dieser Figur zusammen betrachtet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.4 Die Korridor - Täuschung

Diese Täuschung ist bereits seit langen unter dem Begriff „perspektivische Täuschung“ bekannt. James GIBSON hat s ich neben anderen damit beschäftigt.

Hier kommen zu einer räumlichen Verarbeitung noch die Aspekte von Kontrast und Assimilation zu tragen. So spielen bei dieser Täuschung mehrere Faktoren eine Rolle, jede einzelne Figur entwickelt alleine diese Täuschung nicht, aber zusammen bilden sie dieses Phänomen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.5. Die Mond - Täuschung

Bereits in der Antike wurde die Beobachtung diskutiert, daß der Mond am Horizont viel größer erscheint, als hoch am Himmel. Anfänglich wurden physikalische Ursachen angenommen, dies läßt sich jedoch durch einfache Mondphotos widerlegen.

Heute weiß man, daß sich diese Sinnestäuschung durch Größenwahrnehmung und Konstanz erklären lassen. So gehen wir davon aus, daß der Mond größer sein müßte, wenn wir vergleichend den Horizont mit im Blick haben und der Mond kleiner sein müßte am Himmel, da wir zudem interpretieren, der Mond sei dann weiter entfernt.

Beispiel der Mond - Täuschung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur:

ZIMBARDO, P. G., Psychologie, Berlin, Heidelberg, New York, 1983

HERMANUTZ, Ludwig, SCHMALZL, Moderne Polizeipsychologie Schlüsselbegriffen, 1996

KRAUTHAN, G., Psychologisches Grundwissen für Polizeibeamte, 2. Auflage, 1993

ROCK, Irvin, Wahrnehmung, Vom visuellen Reiz zum Sehen und Erkennen, 6. Auflage, Heidelberg 1985

Prof. Dr. GUSKI, Rainer, Wahrnehmung, Verlag Kohlhammer GmbH, Band 7, Stuttgart 1989

OEPEN, Irmgard, SARMA, Amardeo (Hrsg.) , Parawissenschaften unter der Lupe, Rainer WOLF: „Sinnestäuschung und „New-Age“ - Esoterik: Aktuelle Parawissenschaften kritisch betrachtet“, S. 137 ff, Schriftenreihe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften e.V. ( GWUP ), ©Lit Verlag, Münster 1995

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Grundzüge und Theorie der Wahrnehmungspsychologie - ein zentraler Begriff d. Psychologie
Hochschule
Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung; ehem. VFH Wiesbaden  (Fachbereich Polizei)
Note
13 (2+)
Autor
Jahr
1998
Seiten
16
Katalognummer
V95921
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundzüge, Theorie, Wahrnehmungspsychologie, Begriff, Psychologie, Verwaltungsfachhochschule, Wiesbaden, Fachbereich, Polizei
Arbeit zitieren
Gernot Schuster (Autor), 1998, Grundzüge und Theorie der Wahrnehmungspsychologie - ein zentraler Begriff d. Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95921

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