Utilitarismus


Seminararbeit, 1999

16 Seiten


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Inhalt

Vorwort

Definitionen

Biographien
- Jeremy Bentham
- John Stuart Mill

Fragestellungen
1. Geben Sie einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Utilitarismus!
- Was ist Utilitarismus?

- Geschichte
2. Gegen welche Angriffe verteidigt der Autor den Utilitarismus?
3. Unterscheiden Sie die utilitaristischen Gedankengänge von Mill und Bentham (Erläutern Sie!)!
4. Grenzen Sie den Utilitarismus von der Kant’schen Pflichtethik ab und bewerten Sie diesen!

Anhang
- Quellennachweise
- Begriffserklärung

Impressum

Vorwort

Die Ausarbeitung über Utilitarismus sollte eigentlich nur die Fragestellungen zu dem Text „Individuelle Lust und allgemeines Glück“ von Ferdinand Fellman beinhalten, da wir aber der Meinung waren und sind, dass dies für das richtig Textverständnis nicht ausreicht, haben wir uns zusätzliches Material besorgt, über multimediale Lexika, Buchbände von Lexika, Internetbibliotheken und des Lehrbuch „Ethik 11“. Mit Hilfe diesem Materials ist es möglich gewesen die Biographien und eine erweiterte Beantwortung der Fragen zu verfassen. Die nötigen Quellenangaben und Begriffserklärungen, zum Verständnis von Definitionen und Zusammenhängen finden Sie im Anhang. Für den Nachweis, der Texte sind nicht nur die Quellenangaben vorhanden, sondern wir haben auch die Quellen in Textform im angehängt.

Definitionen

1. „Utilitarismus (engl. utilitarianism, von lat. utilitas, Nutzen) nennt man die ethische Position, die eine Handlung danach bewertet, ob sie im Vergleich mit anderen Handlungsalternativen die größte Anzahl positiver, nicht-moralischer Werte, z. B. Glück, Reichtum, Gesundheit, Schönheit, Einsicht usw., hervorbringt. Der Utilitarismus wird der konsequentialistischen(1 ) Ethik und dem Eudämonismus(2 ) zugerechnet und ist eine altruistische(3 ) Ethik.“(Quelle 1)
2. „Unter „Utilitarismus" versteht man diejenige ethische Theorie, die eine Handlung danach bewertet, ob sie im Vergleich mit anderen Handlungsalternativen die größte Anzahl positiver, nicht-moralischer Werte hervorbringt, Der ethische Wert wird als davon abhängig definiert, inwieweit die Handlung die Anzahl der positiven Werte nicht- moralischer Art, z. B. Glück, Reichtum. Schönheit, Gesundheit, Einsicht usw., zu vermehren mag.“(Quelle 2)
3. „eigentlich Nützlichkeitsstandpunkt; frühbürgerl., von J. Bentham u. J. S. Mill vertretene Lehre u. Spielart des Eudämonismus(2 ), nach der die moral. Anschauungen und Handlungen hinsichtl. ihrer Ziele u. Motive auf mehr individuell als gesellschaftl. verstandenen Nützlichkeitserwägungen beruhen. Der U. spielte im 17. u. 18. Jh. eine relativ fortschrittl. Rolle; er entlarvte die heuchler. Rechtfertigung der feudalen Ausbeutung namentl. durch die Kritik an der religiösen Moral. Der U. ist letztl. theoret. Verallgemeinerung u. Rechtfertigung der bourgeoisen Praxis, bes. der nach persönl. Bereicherung strebenden bürgerl.-kapitalist. Privateigentümer.“(Quelle 3)
4. „Die utilitaristische Moral kann also definiert werden als die Gesamtheit der Handlungsregeln und Handlungsvorschriften, durch deren Befolgung ein Leben der angegebenen Art für die gesamte Menschheit im größtmöglichen Umfange erreichbar ist; und nicht nur für sie, sondern, soweit es die Umstände erlauben, für die gesamte fühlende Natur.“(Quelle 4)
5. „allg Nützlichkeitsstandpunkt; Philos frühbürgerliche ethische Lehre vom Nützlichkeitsstreben für das Individuum bzw. die Gesellschaft“(Quelle 5)
6. „m. Gen.-nur Ez. Lehre, dass der Nutzen Grundlage und Zweck des menschl. Handelns sei und der Gemeinschaft dienstbar gemacht werden müsse;“(Quelle 6)

Biographien

1. Bentham, Jeremy (Quelle 7)

„ Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter - Leid (pain) und Freunde (pleasure) - gestellt . . . Die Menschen suchen die Lust und vermeiden den Schmerz. “

- Britischer Philosoph, Ökonom und Jurist
- verfasste die „Doktrin des Utilitarismus“
- geboren: 15.02. 1748 in London (England)
- laß mit 3 Jahren verschiedene Abhandlungen
- spielte mir 5 Jahren Violine
- lernte mit 6 Jahren Latein und Französisch
- ging mit 12 bzw. 13 Jahren an die Universität von Oxford um Jura zu studieren (Alter nicht genau nachweisbar)
- arbeitete an einer ständigen Reformierung des Rechtssystems und an einer allgemeinen Theorie von Gesetz und Moralität
- veröffentlichte kurze Arbeiten über seine Gedanken
- 1789 wurde er mit „Introduction to the Principles of Morals and Legislation(4 )“ weltberühmt
- wer Führer der „philosophischen Radikalen“
- sie gründeten und verfassten die „Westminster Review“ (Zeitung) als Sprachrohr für ihre reformistischen Ideen
- gestorben: 06.06. 1832 in London (England)
- wollte, dass sein Körper vor seinen Freunden seziert wird
- sein Skelett steht voll bekleidet und mit einem Wachskopf versehen in einem

Glaskasten des „University College of London“, bei dessen Gründung er behilflich war

- Benthams Ideen hatten großen Einfluß auf die Reformen im letzteren Teil des 19. Jahrhunderts. Sie beeinflußten unter anderem die Verwaltungsmaschinerie der Britischen Regierung, die Strafgesetzgebung und die Durchführung des Zivil- und Strafrechts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. John Stuart Mill (Quelle 7)

„ Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein. “

- Britischer Philosoph und Ökonom
- Schüler von Jeremy Bentham
- geboren: 20.05. 1806 in London (England)
- frühzeitig und weitreichende Schulausbildung durch seinen Vater
- lernte mit 3 Jahren griechisch
- im Alter von 17 schloß er Studiengänge in griechischer Literatur und Philosophie, Chemie, Botanik, Psychologie und Jura ab
- im gleichen Alter setzte er sich für die Redefreiheit und das Wahlrecht der Arbeiter ein
- er vertrat auch die Liberalen im Parlament und setzte sich für die Gleichberechtigung der Arbeiter und Frauen ein
- 1822 begann er als Sekretär im Prüfungsbüro seines Vaters im „India House“ zu arbeiten
- 1828 wurde er Assistent seines Vaters
- bis 1856 war er für die Beziehungen des „India House“ mit den Staaten von Indien verantwortlich
- Ende 1956 wurde er Chef des Prüfungsbüros, eine Stelle, die er bis zur Auflösung des Geschäftes 1858 als er in Rente geht inne behält
- er lebte in Saint Véran in der Nähe von Avignon in Frankreich bis er 1865 ins Parlament eintritt als Mitglied von Westminster
- nach der Niederlage bei der Wahl von 1868 kehrte er nach Frankreich zurück
- gestorben: 08.05. 1873 in Avignon (Frankreich)
- hatte großen Einfluß auf die britischen Gedanken des 19. Jahrhunderts nicht nur in der Philosophie und Ökonomie, sondern auch auf den Gebieten der Politwissenschaften, der Logik und Ethik.

Fragestellungen

1. Geben Sie einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Utilitarismus!

Begriffsklärung:

Die Begründer des Utilitarismus waren Jeremy Bentham und John Stuart Mill. Wobei Jeremy Bentham die dominierende Rolle spielt. Der Utilitarismus bewertet die Handlungen danach, ob die größte Anzahl von positiven, nichtmoralischen Werten gegenüber anderen Handlungsalternativen hervorbringt.

Den Utilitarismus kann man in 4 Prinzipien unterteilen:

1. Folgenprinzip

Die Richtigkeit einer Handlung wird aus ihren Folgen bestimmt und nicht aus ihrer Eigenschaft heraus.

2. Nutzenprinzip

Die Folgen der Handlungen werden nach dem Nutzen beurteilt. Ob dieser positiv oder negativ ist.

3. Lustprinzip

Dort gilt als höchster Wert die Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse und Interessen. Das letzte Ziel ist die höchste Interessen- oder Bedürfnisbefriedigung bzw. das geringste Versagen der Befriedigung.

4. Sozialprinzip

Dabei geht es nicht um den Egoismus des einzelnen oder der Gesellschaft, sondern das Wohl aller Betroffenen.

Diese vier Prinzipien kann man zu einem Prinzip, nämlich zu dem des Utilitarismus zusammenfassen.

Die Inhalte des Utilitarismus unterscheiden sich von Bentham zu Mill, deshalb finden sie weitere Erklärungen zu Utilitarismus unter der Frage 3!

Geschichte

Der Utilitarismus läßt sich geschichtlich gesehen bis zum 20. Jahrhundert in 8

Hauptströmungen unterteilen. Die erste Strömung ist die der Antike, bei welcher diejenige Handlung sittlich gut ist, welche uns beglückt.

Als zweite Strömung zählt die von Jeremy Benthan, bei welcher alle Handlungen als Wunsch die Lust haben und als Vermeidung das Leid haben.

Danach folgt die Strömung von John Stuart Mill, bei welcher die Norm das größte Glück der Allgemeinheit ist.

Als vierte Strömung zählt die von Henry Sidwick, diese besagt, dass moralische Handlungen auch der Gerechtigkeit verpflichtet sind.

Die fünfte Strömung beruht auf den Marxismus-Leninismus, wobei sämtliche Handlungen im Dienst und Nutzen der sozialistischen Gesellschaft stehen sollen.

Die sechste Strömung wird als Strömung des Amerikanischen Pragmatismus bezeichnet, bei dieser zählt das Motto, „Wahr ist, was nützlich macht.“

Die siebte, als Moderner Regelutiltarismus, bezeichnete Strömung, handelt danach, die Nutzen menschlicher Handlungen zu maximieren.

Die achte und letzte Strömung ist die des Modernen Interessenutilitarismus, bei dieser geht es darum die Interessen aller Betroffenen zu maximieren.

Der Utilitarismus wurde in seiner charakteristischen Form vom britischen Theologen William Paley (1743-1805) in seinem Werk „Principles of Moral and Political Philosophy“ (1785) und durch den britischen Juristen und Philosophen Jeremy Bentham in seinem Werk „Introduction to the Principles of Morals and Legislation(4 )“ (1789) grundlegend formuliert. Paley verbindet den Utilitarismus mit dem individualistischen Hedonismus und dem theologischen Autoritarismus. Bentham gebraucht die Theorie des Utilitarismus auch als ein Fundament für das Gesetz und politische Reformen. Andere erwähnenswerte Vertreter waren der britische Jurist John Austin (1790-1859) und die britischen Philosophen James Mill (1773-1836) John Stuart Mill. James Mill interpretierte und popularisierte die utilitaristische Theorie in einer großen Zahl von Artikeln, die größtenteils für die „Westminster Review“ verfasste wurden. Der britische Philosoph Henry Sidgwick (1832-1900), ein zeitgenössischer Anhänger von Mill, stellte eine umfassende Präsentation von Mill’s Utilitarismus in seinem Werk „Methods of Ethics“ (1879) dar. Später versuchten die britischen Philosophen, Herbert Spencer (1820-1903) und Sir Leslie Stephen (1832-1904), erstmalig in „Data of Ethics“ (1879) und später in „Science of Ethics“ (1882), die utilitaristische Idee mir den Prinzipien der biologischen Evolution von Charles Darwin zu verbinden.

Das Problem des Utilitarismus wird heutzutage immer wieder von Philosophen und Wissenschaftlern aufgenommen und diskutiert, dies führt zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedensten Parteien (Gegner und Befürworter). Der Utilitarismus findet heute hauptsächlich in den amerikanischen Staaten Anwendung, im Gegensatz zu europäischen Ländern.

2. Gegen welche Angriffe verteidigt der Autor den Utilitarismus?

- Weil der Utilitarismus das Prinzip des allgemeine Glücks verwendet, liegt der Vorwurf nahe, dass der Utilitarismus die Moralität dem Nutzen opfere und das Leid der einen durch die Freude der anderen aufwiege
- Dem Utilitarismus wird vorgeworfen, dass sein Prinzip des allgemeinen Glücks den einzelnen Menschen nicht ernst nehme
- Sein Nützlichkeitsprinzip kommt der Gesellschaft nicht zu nutze und gleich gar nicht den Benachteiligten, sondern unterstützt nur den Gruppenegoismus der Privilegierten
- Da der Utilitarismus egoistisch geprägt ist, macht dieser das Wesen des Menschen aus
- Der utilitaristische Gedanke besteht in menschenverachtender Nutzenkalkulation von Lustquanten
- Es könnten nur „Lustexperten“ mit dem Utilitarismus umgehen, da dieser von der Lustbefriedigung bestimmt wird
- Mill schließt in logisch unzulässiger Weise vom Sein auf das Sollen

3. Unterscheiden Sie die utilitaristischen Gedankengänge von Mill und Bentham (Erläutern Sie!)!

Da John Stuart Mill einer von Jeremy Benthams Schüler war, ist er natürlich mit Benthams Theorien über den Utilitarismus konfrontiert worden, daher resultieren auch verschiedene Auffassungen.

Jeremy Bentham

Benthams Ethik wird auch als „Schweineethik“ bezeichnet.

Bentham sagt, dass die Natur die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter (Leid und Lust) gestellt ist. Er ist der Meinung, dass sich das Maximum für Lust und das Minimum von Unlust mit dem hedonistischen Kalküls(5 ) berechnen lasse.

Alle menschlichen Handlungen haben ihr Motiv im Wunsch nach Lust und in der Vermeidung des Leids, d.h. jeder möchte, dass ihm nicht schlechtes (Leid) widerfährt, sondern seine Lust befriedigt wird, indem er seinen Wunsch realisiert.

Bei ihm wird die Lust und das Leid der Gesellschaft über die Lust und das Leid des einzelnen gestellt, dies drückt er im hedonistischen Kalkül(5 ) aus, d.h. dass man als einzelner Rücksicht auf die Lust und das Leid der anderen nehmen soll. Und dass eine Handlung auch noch positiv tendiert, wenn einer von mehreren Personen ein Leid erfährt.

Damit ein einzelner die Lust und das Leid anderer berücksichtigt, wird dieser mit vier Sanktionen konfrontiert.

1. Die physische Sanktion (Lust und Leid, die als direkte Konsequenz des Handelns erfahren wird)
2. Die politische (juristische) Sanktion (der Einfluß von Politik und Rechtssprechung auf des einzelnen Lust und Leid)
3. Die moralische Sanktion (die Beurteilung des Handelns durch die anderen)
4. Die religiöse Sanktion (der Einfluß auf die Handlungen, der durch den Glauben an göttliche Belohnung und Strafe entsteht)

Bei Bentham sind alle Befriedigungen der materiellen Lüste auf gleicher Ebene, d.h. dass ein Mozartfan, der die Zauberflöte hört, qualitativ genauso befriedigt wird, wie ein Kleinkind, das mit seinem Lieblingsspielzeug spielt.

Bentham sah, genauso wie Adam Smith, keinen Gegensatz zwischen dem Glück des einzelnen und dem Glück der Gesellschaft, was bedeutet, dass das eine vom anderen abhängig gemacht werden kann. Das fundamentale Prinzip ist in diesem Fall laut Bentham das größtmögliche Glück der größtmöglichen Anzahl von Menschen. Dieses Prinzip verband er mit dem demokratischen Prinzip: „Jeder hat für einen, niemand für mehr als einen zu gelten“.

„Bentham ist mit seiner Theorie der Nutzenspsychologie für verschiedene Grenznutzentheoretiker ... Anknüpfungspunkt geworden.“(Quelle 1)

John Stuart Mill

Mill unterscheidet als erstes zwei Arten von Lust:

1. Die Lust des Geistes
2. Die Lust der Sinne

Unter der Lust des Geistes versteht man die qualitativ höhere Lust, die durch ein gesteigertes Selbstwertgefühl, nach Maslow das höchste Gut, befriedigt wird.

Unter der Lust der Sinne versteht man die Lust, welche durch materielle Befriedigung erreicht wird.

Bei ihm sind die sittlichen Werte nicht intuitiv und veränderlich, sondern genetisch, d.h. dass die sittlichen Werte eines jeden nicht angelernt oder aus dem Gefühl kommen, sondern angeboren sind (in der Menschheitsgeschichte ihre Wurzeln haben).

Mill erkannte, dass der utilitaristische Gedanke vom subjektiven Standpunkt aus besser formulierbar ist, d.h. dass man Handlungen nur von dem Standpunkt des einzelnen ausgehend beurteilen kann. Dies setzt aber ein gutes Einschätzungsvermögen gegenüber der anderen Personen voraus, da sonst das Ergebnis der Beurteilung nicht mehr rein subjektiv ist.

Er stellt den Wert eines jeden einzelnen gleich mit dem Wert der Gesellschaft, sogar mit dem der gesamten Menschheit, d.h. dass jede Handlung des einzelnen gleichbedeutend mit den Handlungen der Gesellschaft ist. Dies bestätigt auch den Grundgedanken des Utilitarismus (Das Wohl jedes einzelnen fördert, wenn auch nur indirekt, auch das Wohl der Gesellschaft).

Jedes einzelnes Individuum hat nach Mill sein selbstpersönliches Luststreben, d.h. dass nicht alle das gleiche streben nach Lust haben, sondern jeder einzelne nach einer anderen Lust strebt und diese anders erfährt.

Bei Mill kann von keinem erwartet werden, dass einer zugunsten des allgemeinen Glücks auf seine persönliche Lustbefriedigung verzichtet. Deswegen ist es erstrebenswert, dass die eigene Lust eingeschränkt wird um das allgemeine Glück zu realisieren, d.h. dass man die geistige Lust befriedigen muß, indem man die Lust der Sinne einschränkt.

Wenn man nach Mill die Mittel der Lust der Sinne nicht zur Befriedigung dieser einsetzt, sondern sich dieses nur vorstellt, dann befriedigt man die Lust des Geistes und die Mittel werden zu einem virtuellen Gut, welches von der Qualität höher ist, als das reale Gut.

Mill verknüpft die im Utilitarismus vorkommende moralische Verpflichtung mit der Golden Regel, d.h. jeder soll so handeln, wie man auch selber behandelt werden will.

Er sagt, dass das allgemeine Glück nur die Summe des Glücks der einzelnen ist, d.h. er bewertet dies ähnlich wie Bentham mit dem hedonistischen Kalkül(5 ). Bei ihm lernen die Menschen sich selbst zu achten, wenn sie ihr Selbstwertgefühl steigern, dies geschieht durch die Befriedigung der Lust des Geistes.

4. Grenzen Sie den Utilitarismus von der Kant’schen Pflichtethik ab und bewerten Sie diesen!

Kant’s Pflichtethik steht im krassen Gegensatz zum Utilitarismus. Während beim Utilitarismus die Folgen einer Handlung berücksichtigt werden, wird bei Kant nur die Handlung selbst beurteilt. Bei Kant geschieht dies durch den hypothetischen und dem kategorischen Imperativ. Dabei wird eine Handlung zu einer Maxime erweitert und diese einer Prüfung unterzogen. Dies geschieht durch die Anwendung von zwei Prüfungsformeln (1. „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz wird.“ 2. „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals nur als Mittel brauchst.“). Wenn daraus folgt, dass die aufgestellte Maxime falsch ist, ist die Handlung nach Kant kategorisch verboten. Erweist sich die aufgestellte Maxime als richtig, so ist sie nach Kant nicht verboten. Das Lügen ist bei Kant kategorisch, d.h. generell (immer und zu jedem Zeitpunkt), verboten. Wogegen im Utilitarismus es nicht generell verboten ist, da dies von Konsequenz der Lüge abhängt, d.h. ob die Folgen für die beteiligten Personen überwiegend negativ bzw. positiv sind. Das Gefühl des moralischen Verpflichtetseins resultiert beim Utilitarismus aus dem Verzicht zugunsten des allgemeinen Glücks. Bei Kant hingegen ist das moralisch Verpflichtetsein eine Art des Sollens, das er als Zwang zu einer Handlung, die dem Menschen widerstrebt, definiert. Dadurch umgeht er den logischen Widerspruch zwischen Sollen und Sein, indem er sich keine Gedanken über das Sollen macht, d.h. der Utilitarismus betrachtet eine Handlung weitläufiger im Bezug auf ihren Ursprung und ihre Folgen. Dies lässt meiner Meinung nach den Utilitarismus vorteilhafter gegenüber der Kant’schen Pflichtethik erscheinen.

Die Goldene Regel ist, anders als beim kategorischen Imperativ von Kant, für kulturelle Entwicklungen offen. Dies beweist Mill’s Freiheits-Schrift, die das Recht des einzelnen auf Individualität ins Extreme steigert.

Aufgrund der vorangegangenen Ausführungen zum Utilitarismus, sind wir der Meinung, dass dieser in jedem Fall einfacher und vorteilhafter anwendbar ist, als Kant’s kategorischer Imperativ. Denn die Anwendung des kategorischen Imperativs erfordert eine gründliche und sehr abstrahierende Überlegung um eine Handlung beurteilen zu können. Dies lässt ihn sehr theoretisch und realitätsfern wirken, da meist nur Sonderfälle als praktische Beispiele genannt werden können. Beim Utilitarismus hingegen lässt sich jede Art von Handlung beurteilen, da sie in der Regel häufig in der Praxis, dem täglichen Leben, in Erscheinung treten. Ein weiterer Nachteil des kategorischen Imperativ von Kant ist, dass die Handlungen, durch die zu bildenden Maximen, sehr stark verallgemeinert werden. Auch findet er im Gegensatz zum Utilitarismus wahrscheinlich nur eine geringe Anwendung im gesellschaftlichen Leben. Der Utilitarismus fand nachweisbar eine Anwendung in der britischen Politik, speziell in der Gesetzesauslegung im Straf- und Zivilrecht. Aus diesem Grund ist der Utilitarismus auf jeden Fall bedeutsamer einzuschätzen als der kategorische Imperativ. Der Utilitarismus ist in allen Fällen, auf alle Personen und auf eine größere Anzahl von Personen anwendbar. Bei allen anderen uns bekannten Arten der Ethik muß man entweder eine Fallunterscheidung machen oder sie sind nicht auf mehrere Personen anwendbar. Dies macht ihn zu einem alltauglichen Mittel zur Handlungsbeurteilung.

Da der Utilitarismus für uns am leichtesten verständlich ist, gegenüber den anderen Ethikarten, und uns persönlich am meisten interessiert, möchten wir ihm den Vorrang vor allen anderen uns bekannten Ethikarten geben.

Wir sind zu dem Schluß gekommen, dass der Utilitarismus ein allgemein anwendbares, leicht verständliches und praxisorientiertes Mittel zur Beurteilung von menschlichen Handlungen ist!

Anhang

Begriffserklärung

(1) Denk- u. Verhaltensweise, die im Unterschied zum Egoismus durch Rücksicht auf das Wohl anderer bestimmt ist; Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit (Quelle X)

(2) auf das Streben nach Glück u. Genuß als Motiv, Ziel u. sittl. Kriterium des menschl. Handelns gerichtete, weitverbreitete Strömung in der Geschichte der Ethik ... Je nach der Auffassung von Glück u. Genuß differenziert sich der E. in Altruismus, Hedonismus, Utilitarismus usw. Der E. enthält progressive Züge, da er seine eth. Forderungen auf Diesseits richtet, was oft eine atheist.-materialist. Tendenz . . . (Quelle X1)

(3) siehe konsequent

(4) In diesem Werk stellt er den Utilitarismus als Basis für Reformen dar. Er behauptet, dass man wissenschaftlich herausfinden kann, was moralisch vertretbar ist, in Anlehnung an das Prinzip des Nutzens. Handlungen sind dann richtig, wenn sie dazu geneigt sind die größtmögliche Freude für die größtmögliche Anzahl von Menschen hervorzubringen. Durch eine Art von moralisch-mathematischer Berechnung von Freude und Angst könnte man sagen ob die Handlung richtig oder falsch ist. (Quelle 7)

(5) Die dieser Formel geht es darum den Wert aller Freuden und den Wert aller Leiden für jede einzelne Person, die durch diese Handlung betroffen ist, zu addieren und diese gegen einander aufzuwiegen. Wenn der die Freuden überwiegen, dann ist das Interesse für diese eine Person gut, wenn die Leiden überwiegen, dann ist es schlecht. Wenn man die mit jeder Person gemacht hat, dann zähle man die Personen, für die die Interessen positiv sind und diejenigen für die sie negativ sind. Wenn die Anzahl der Personen überwiegt, für die die Interessen positiv sind, dann so gilt eine allgemein gute Tendenz für die Handlung. Wenn das negative überwiegt, dann ist die Tendenz für die Handlung schlecht.

Quellen

1. http://www.chemnitz-online.de/wiedemann/philex/utilitar.htm

2. http://www.phil.uni-passau.de/philosophie/4006-WS9798.html

3. Meyers Universal Lexikon (1981) (Band IV) (Seite 429)

4. John Stuart Mill (1803-1873)

5. Der Große Duden (1979)

6. Die neue deutsche Rechtschreibung (1996)

7. Microsoft Encarta94

X. Meyers Universal Lexikon (1981) (Band I) (Seite 79)

X1. Meyers Universal Lexikon (1981) (Band I) (Seite 663)

Alles, von uns nicht als Quelle definierte Textstellen haben wir aus dem Text „Individuelle Lust und allgemeines Glück“ von Ferdinand Fellmann bzw. aus dem Lehrbuch „Ethik 11 Verantwortlich Leben“ (Seite 95 bis Seite 110)

Impressum:

Wörter: 3365

Zeichen: 20153

Autoren: Oliver Bischoff (26.09. 1981- ?) Gregor Hoyer (25.06. 1981- ?)

Bearbeitungsdauer: Sonntag, den 24.01 1999 14.00 - 20.45 Montag, den 25.01 1999 17.30 - 01.00

Quelltexte

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Utilitarismus
Autoren
Jahr
1999
Seiten
16
Katalognummer
V95971
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Utilitarismus
Arbeit zitieren
Gregor Hoyer (Autor)Oliver Bischoff (Autor), 1999, Utilitarismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95971

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