Juden im Nationalsozialismus


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

7 Seiten


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1. Hintergründe der Abneigung

a. Rassenlehre

Wenn man sich fragt, wie es kommen konnte, dass die Verfolgung der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus von einer sehr großen Schicht der Gesellschaft getragen wurde, muss man sich klar machen, dass Abneigung gegen dieses Volk auch schon vor der Machtergreifung des NS-Regimes vorhanden war. Neben deutlich geprägter Judenfeindschaft und rassenideologischem Antisemitismus konnten allgemeine Verhaltenspositionen wie Fremdenhass, Neid und blinder Gehorsam in den Dienst der Nationalsozialisten gestellt werden. Viele fanden sich nicht damit ab, dass das jüdische Volk einen sehr schnellen Aufstieg in der Industriegesellschaft verbuchen konnte, dass es durch das sofortige Einsetzen neuer Techniken zu dieser Zeit anderen Ländern einiges voraus hatte. Als oft reicher und viel zu ehrgeiziger Mensch wurde ,,der Jude" nun für den wirtschaft- lichen Niedergang, den sozialen Abstieg und die politische Instabilität des deutschen Reiches verantwortlich gemacht. So lassen sich in groben Zügen die Grundgedanken aufzeigen, aufgrund derer die Juden, eigentlich nur eine Religion, als eine Rasse und später dann sogar als ,,Untermenschen" abgestempelt waren.

b. NS-Ideologie

Die Grundzüge der nationalsozialistischen Weltanschauung im Bezug auf die Rassenlehre lassen sich folgendermaßen gliedern :

- Wesen, Charakter, Eigenschaften und Lebensweg eines Menschen haben ihren Ursprung einzig und allein in der Rasse, der er angehört.

- Der Arier, normalerweise blond, blauäugig, groß, kräftig, schön, stellt die ranghöchste und wertvollste Rasse dar. Man muss für seine weitere Ausbreitung kämpfen. ,,Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenmischung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Welt werden." (Mein Kampf, S.438). Dagegen steht die jüdische Rasse am tiefsten, ja nur für das Schlechte, Zerstörerische. Sie ,,beraubt" die Arier ihres edlen Erbgutes.

-Man muss sich in seiner Betrachtung der Dinge ganz einfach auf Gobineau (1855) beziehen, denn sogar dieser Wissenschaftler erklärte den Arier zum besseren Menschen.

2. Öffentliche Maßnahmen gegen Juden

a.

Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurden insgesamt ca. 250 Gesetze erlassen, welche die Juden aus den öffentlichen Lebensbereichen ausgrenzten und ihnen schließlich das Leben zur Hölle machten. Es kam zu zahllosen Überfällen und willkürlichen Verhaftungen. Diese Entwicklung ging folgendermaßen von statten:

- 1. April ´33 : Auf zum Boykott jüdischer Geschäfte ( ,, Kauft nicht bei Juden ! Deutsche wehret euch !" )

- Frühjahr ´33: Öffentliche Verbrennung der Werke jüdischer Künstler (Komponisten, Schriftsteller, Maler)

- 15.September ´35: Nürnberger ,,Rassengesetze"

(§1 Eheschließung zwischen Juden und Deutschen verboten §3 Juden dürfen deutsche Frauen unter 45 Jahren nicht beschäftigen

§4 Juden ist das Hissen der Nationalflagge verboten, ebenso wie das Tragen der Reichsfarben)

- 18.März´38: Verbot der Herstellung von Waffen und Munition

- 26.April: Juden müssen Vermögen über 5000 DM anmelden

- 14.Juni: Jüdische Gewerbebetriebe müssen gekennzeichnet werden

- 25.Juli: Berufsverbot für jüdische Ärzte und Rechtsanwälte

- 17.August: Alle Juden müssen zusätzlich die Vornamen Israel oder Sarah annehmen

- Zahlreiche Verhaftungen

Zahl der seit ´33 ausgewanderten Juden steigt auf 170 000,

38 15 000-17 000 Juden nach Polen abgeschoben

Erste ö ffentliche Gro ß aktion der Partei: Die Reichskristallnacht (siehe ff.)

- Dezember ´38: Kein jüdisches Kind darf deutsche Schule besuchen

- Verbot Gold, Platin, Silber und Perlen zu besitzen oder zu verkaufen

- Januar ´39: Juden werden selbständige und wirtschaftliche Betriebe untersagt

- Juden kann die Wohnung fristlos gekündigt werden

- Oktober ´39: Juden müssen um 20 Uhr zu Hause sein

- September ´41: Juden müssen einen Davidstern/Judenstern tragen

Ab 1942

- Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, des Betretens von Grünanlagen und von Gaststätten, des Aufhaltens auf Bahnhöfen

- Verbot des Frisörbesuchs

- Juden dürfen keine Zeitschriften oder Zeitungen beziehen

- Verbot von Haustieren

- Ablieferungspflicht von Rundfunkgeräten, Schallplatten, Schreibmaschinen, Fahrrädern, Kameras, Pelz- und Wollkleider,...

- Keine Autos/Motorräder

- Keine weitere Versorgung mit Fischwaren, Fleischwaren, Weizenerzeugnissen,

Vollmilch, Obst, Süßwaren,...

Bis 1941: Auswanderungsdruck

Ab 23. Oktober ´41 :Auswanderungsverbot

ALS WICHTIGSTER PROPAGANDAAPPERAT DER NAZIS FUNGIERTEN JEGLICHE ZEITUNGEN WIE Z.B ,,STÜRMER"! (siehe folgendes Blatt)

b. Das Pogrom / Die Reichskristallnacht 7.-8. November ´38

Anlass: Am 7.11.´38 erschiesst der 17-jährige deutsche Jude Herschel Grynszpan in der deutschen Botschaft in Paris den Gesandschaftsrat Ernst vom Rath. Für diesen Anschlag macht das NS-Regime sofort die ,,jüdische Weltverschwörung" verantwortlich und richtet Grynszpan in einer öffentlichen Veranstaltung hin. Nach diesem Ereignis schürt Goebbels Propagandaapperat mit Hilfe der Zeitungen die bereits auf- keimenden Abneigungsgefühle der Bevölkerung, woraufhin diese in blanken Hass umschlägt. Das Volk drängt nun von sich aus zur entsprechenden ,,Antwort" auf den Parismord, was letztendlich den Befehl zum Pogrom auslöst.

Goebbels wörtlich: ,,Der Jude Grynszpan war Vertreter des Judentums, der Deutsche vom Rath war Vertreter des deutschen Volkes. Das Judentum hat also in Paris auf das deutsche Volk geschossen.

Pogrom (russ: Verwüstung, Verheerung;

Übergriffe auf Eigentum, Leben einer nationalen, religiösen, rassischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Bevölkerungsgruppe durch eine systematisch aufgehetzte Menge):

In der Nacht vom 7. auf den 8.November 1938 wurden 7500 jüdische Geschäfte, Synagogen und Schulen zerstört, Wohnungen in Brand gesetzt und alle jüdischen Mitbürger, die man zu fassen bekam, misshandelt. Insgesamt entstand ein Schaden von ca. 100 Mio. DM. Die NSDAP, die durch Rufparolen und Flugblätter zu diesen Greueltaten aufgerufen hatte, stellte Sperrposten zur Kontrolle der Geschehnisse im Morgengrauen auf. Überliefert wurde die Tatsache, dass die Gewalttätigkeit bei diesem Vorgehen und der Zerstörungseifer der aufgehetzten Masse, die vor Brandstiftung, Mord und Steinschlag nicht zurückschreckte, an die Praktiken der sogenannten Kampfzeit der letzten Jahre vor ´33 erinnern ließ. Bis zu dieser Nacht waren die Ausschreitungen bei der ,,Gegnerbekämpfung" zwar bekannt, wurden aber totgeschwiegen, da sich vieles in der Abschirmung durch KZs und Gestapo-Gefängnisse abspielte. Deshalb war die Überraschung und teilweise Bestürzung einiger Bürger in der Abenddämmerung des 7.Novembers ziemlich groß, jedenfalls bei denjenigen, die noch unwissend taten. Die Nazis legten die Brutalität an den Tag, die sie als Drohung im Vorfeld dieser Nacht stets im öffentlichen Bewusstsein gehalten hatte. Der Zynismus, mit dem die meisten nationalsozialistischen Täter bei anschließenden Gerichtsverhandlungen freigesprochen wurden, belegt die Auflösung des Rechtsstaates, die Juden galten als ,,vogelfrei".

Nach den Pogromtagen wurden die Juden aus der deutschen Wirtschaft total ausgeschaltet, was eine große Einschränkung ihrer sowieso schon bedrohten Existenzgrundlage darstellte. Dies bedeutete eine ,,Ariesierung" der Wirtschaft.

Die Deutschen, die anfangs nicht von der Enteignung jüdischer Firmen- oder Geschäftsinhaber überzeugt waren, verstummten spätestens dann, als alle Unternehmen und Handwerksbetrieben billig an alle möglichen Interessenten verkauft wurden. Viele bereicherten sich also an den Judenmorden.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt sozusagen der zweite Abschnitt der nationalsozialistischen

Judenverfolgung, eine Wende im Vollzug der Verfolgungsideologie und -politik, d.h. Juden wurden mit massiven Druck- mitteln zur Emigration gezwungen. In der Reichskristallnacht(!) wurden 91 Juden ermordet und weitere 26 000 in KZs gebracht und nur entlassen, wenn sie sich zur Auswanderung verpflichteten. Dies wurde bis 1941 erzwungen und war ab dem

23.Oktober des selben Jahres nach dem Beschluss der ,,Endlösung" verboten (Auswanderungsverbot).

3.Die Entwicklung der Judenverfolgung während der Kriegszeit (ab 1939)

Schon am 30.1.1939 kündigte Adolf Hitler in einer Rede an, dass das Ende eines kommenden Krieges ,, nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums" sein würde, ,, sondern die Vernichtung der j ü dischen Rasse in Europa".

Die ersten systematischen Mordaktionen erfolgten seit dem Polenfeldzug (1.9.'39), als Hitler ,,Einsatzgruppen der kämpfenden Truppe" mit dem Auftrag der Judenvernichtung einsetzte. Diese, laut Augenzeugen, sehr brutal und terroristisch vorgehenden Truppen waren mit den Aufgaben betraut, teilweise Juden zu erschießen, Pogrome anzuzetteln und überlebende Juden in Gettos größerer Städte zu transportieren. Der Abtransport jüdischer Bevölkerung aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei führte immer nach Osten, wo am 30.4.1940 dann auch bei Lodz das erste Judengetto gegründet wurde. Mit dem Motto ,,Anständigkeit nur gegenüber den Angehörigen des eigenen Blutes" und der Meinung ,,Untermenschen und Schädlinge" sind zu vernichten, vollzog die SS unter größter Geheimhaltung regelmäßige Massenerschießungen. Doch da diese auf die Dauer als ,,seelisch zu belastend" und umständlich galt, benutzte man die eigentlich für das Euthanasieprogramm 1939/41 geschaffenen Gaswagen, um den erwünschten Tötungen nachzukommen. Bei dieser Methode wurden abgedichtete Lastwagen mit Juden vollgestopft, und danach die Auspuffgase hineingeleitet. Doch auch diese Variante war für den Sonderbeauf - tragten der Judenverfolgung, Adolf Eichmann, nicht effektiv genug. So dass er am 20.1.'42 in Berlin die sogenannte `Wannseekonferenz´ einberief, bei der alle zu dieser Zeit führenden und leitenden Personen in Sachen Judenverfolgung anwesend waren. Hauptthema war die Systematisierung der Maßnahmen und die Entscheidung über die geeignetste ,,Endlösung" in der Angelegenheit Judenvernichtung. Dabei kamen sie zu folgendem Ergebnis:

- `Verfrachtung´ von 11 Mio. Juden zum Arbeitseinsatz nach Osten, wobei eine gewisse natürliche Verminderung erwartet und bestätigt wurde.

- Überlebende wurden danach in Durchgangsgettos aufbewahrt, in welchem sie auf die Endlösung warten mussten

- Endlösung: Tötung durch Gas in ortsfesten Vernichtungsstätten (Konzentrationslager)

Es kann noch erwähnt werden, dass die Juden diesem Treiben nicht tatenlos zusahen, sondern sich einmal verbündet haben, um gegen die SS zu kämpfen.

Doch dauerte dieses Aufbäumen der Juden nicht länger als einen Monat, bevor er brutal niedergeschlagen wurde. Dies belegen noch ein paar Zahlen:

Juden: 56 065 Tote

Ca. 10 000 Verschüttete

SS: 16 Tote

95 Verletzte

4. Konzentrationslager

Die ersten KZs zur systematischen Ermordung der Juden wurden im Osten eingerichtet, und zwar bei Auschwitz, Belzec,Chelmno, Seit ´34 trug die SS die alleinige Verantwortung und beutete die Juden mit der Parole ,,Vernichtung durch Arbeit" regelrecht aus. Gefangenenkleidung war kennzeichnend für den Inhaftierungsgrund und die Härte der Zwangsarbeiten, die da waren die Kleider der bereits ermordeten Genossen zu sortieren und Goldzähne aus den Schädeln herauszubrechen und zu sammeln. Aber auch harte körperliche Arbeit wurde erwartet, da die SS-Wächter den Auftrag hatten, wie ,,der Soldat vor dem Feinde" zu handeln. Die Lebensverhältnisse waren unmenschlich, was so viel hieß, als dass man die Menschen in Baracken wie Tiere hielt, die Versorgung und sanitären Anlagen unzureichend waren. Ca. 700 000 bis 800 000 der

1,600 000 Gefangenen starben in den KZs, was nicht nur auf Schwerstarbeit, Hunger, Seuchen, Überanstrengung und Misshandlungen zurückzuführen ist, sondern auch Folge der schlimmen medizinischen Versuche ist. Hier wäre die Zwillingsforschung zu erwähnen oder das Austesten der Schmerzgrenze eines Menschen durch Aufschlitzen des Körpers ohne Betäubung, u.a. .

Vielfältige Methoden der Strafe und Folter wurden in solchen KZs praktiziert: Essensentzug Schläge mit dem Gummihammer Haft im Stehbunker Ausprügelungen Baumhängen Ertränken in Regentonnen Tödliche Injektionen Auspeitschungen Exekutionen ...

Im Januar ´42 wurde auf der Wannseekonferenz der NSDAP die weitaus bequemere Tötung von 14,7 Mio. Juden (Wunschvorstellung Hitlers) mittels Gas beschlossen. In Güterwaggons wurden die ,,Todeskandidaten" vorsortiert und unter dem Vorwand einer Desinfektionsmaßnahme danach mit aus Duschköpfen strömender kristallisierter Blausäure erstickt. Täglich starben z.B. im KZ Birkenau 2400 Menschen. Einige der bekanntesten und wichtigsten KZs sind neben Auschwitz Theresienstadt, Buchenwald oder Dachau.

BIS HEUTE STREITEN SICH GESCHICHTSFORSCHER OB DER JUDENMORD ZUR ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS` VON ANFANG AN GEPLANT ODER NUR ALS REAKTION AUF KRISEN IN DER NS-DIKTATUR AUSGEFÜHRT WURDE. JEDOCH IST BEKANNT, DASS OFFENTSICHTLICH EIN STARKER ANTISEMITISMUS VON VORNEHEREIN VORHANDEN WAR. IN DER ZEIT DES NS-REGIMES STARBEN ZWISCHEN 6-7 MIO. JUDEN!!!

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Details

Titel
Juden im Nationalsozialismus
Autor
Jahr
1999
Seiten
7
Katalognummer
V96019
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Andreas Albrecht (Autor), 1999, Juden im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96019

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