Analyse der Möglichkeiten der Nutzung des Sozialkompetenztrainings als Methode in der Sozialen Arbeit


Bachelorarbeit, 2020

85 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Teil I

2. Definition Soziale Arbeit
2.1. Anforderungen an die Soziale Arbeit
2.2. Soziale Arbeit unter Druck

3. Begriffe Methode und methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit
3.1. Begriff Methode in der Sozialen Arbeit
3.2. Wissenschaftliche Bedeutung
3.3. Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit

4. Weitere Begriffserläuterungen
4.1. Begriff Konzept
4.2. Begriff Technik

5. Klassische Methoden der Sozialen Arbeit
5.1. Die Einzelfallhilfe
5.2. Die soziale Gruppenarbeit
5.3. Die Gemeinwesenarbeit

6. Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe am Beispiel Tagesgruppe
6.1. Lebensweltorientierung: Einflüsse und Entwicklung auf Kinder und Jugendliche
6.2. Rolle der Sozialen Arbeit innerhalb der Tagesgruppe

Teil II

7. Überblick Soziale Kompetenz
7.1. Soziale Kompetenz: eine begriffliche Annährung
7.2. Soziale Kompetenz als Konstrukt
7.2.1. Soziale Intelligenz
7.2.2. Emotionale Intelligenz
7.2.3. Soziale Fertigkeiten
7.3. Sozial inkompetentes Verhalten
7.4. Diagnostik Soziale Kompetenz

8. Inhalte Sozialkompetenztrainings
8.1. Anwendungsgebiete und Ziele Sozialkompetenztrainings
8.2. Empirie Sozialkompetenztrainings
8.3. Entwicklung und Strömung
8.4. Weitere Modelle

9. Ausgewählte Beispiele von Trainings sozialer Kompetenzen
9.1. Selbstsicherheitstraining
9.2. Kompetenztraining in den Grundschulen
9.2.1. Ziele
9.2.2. Methodische Umsetzung
9.2.3. Struktur der Trainingseinheiten
9.2.4. Empirische Ergebnisse
9.3. Training FIT FOR LIFE
9.3.1. Ansätze und Ziele
9.3.2. Methoden
9.3.3. Empirische Wirksamkeit
9.4. JobFit-Training für Jugendliche
9.4.1. Ziele und Methoden
9.4.2. Zusammenfassung der Datenanalyse
9.4.3. Auswertung
9.5. Gruppentraining sozialer Kompetenzen nach Hinsch und Pfingsten
9.5.1. Zielgruppen
9.5.2. Ziele
9.5.3. Methodische Interventionen
9.5.4. Praktische Umsetzung
9.5.5. Empirische Erkenntnisse
9.5.6. Grenzen derMethodik
9.6. Ausgewählte Verhaltenstrainings für Langzeitarbeitslose
9.7. Sozialkompetenztrainings: Zusammenfassung

Teil III

10. Sozialkompetenztrainings und Soziale Arbeit: Diskussion
10.1. Gemeinsamkeiten zwischen Sozialer Arbeit und Sozialkompetenztrainings
10.2. Schwächen der Sozialkompetenztrainings
10.3. Ausgestaltung Sozialkompenztrainings als Methode in der Sozialen Arbeit
10.4. Verschiedene Ansätze Sozialer Arbeitund Sozialkompetenztrainings
10.5. Sozialkompetenztraining am Beispiel Tagesgruppe

11. Schlussfolgerungen und Ausblick

12. Literaturverzeichnis

Formalien

Hinweis auf Geschlechtsneutralität

An dieser Stelle soll auf die geschlechtsneutrale Formulierung von personengebundenen Substantiven oder Pronomen dieser Arbeit hingewiesen werden, um eine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts zu vermeiden. Dazu wird die Pluralform (Beispiel: die Professionellen) oder die Endung »-Innen« (Beispiel: Adressatinnen,) verwendet.

Grammatik und Orthographie

Mit Ausnahme von Originalzitaten, gilt im Text die deutsche Rechtschreibung.

Anführungszeichen

Diese Arbeit unterscheidet zwei Formen der Anführungszeichen. Zitationen sind mit den deutschen Anführungszeichen („ ... “) gekennzeichnet. Zur besonderen Markierung weiterer Begriffe werden französische Anführungszeichen (» ... «) verwendet.

Ergänzung Zitation

Indirekte Zitate sind im Text mit „vgl.“ gekennzeichnet.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zirkulärer Prozess des methodischen Planens und Handelns (Übernahme)

Abbildung 2: Erklärungsmodell sozialer Kompetenzen und Kompetenzprobleme GSK (Übernahme)

Abbildung 3: Formen der Selbstverbalisation (Übernahme)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht ziele der sozialen Kompetenz innerhalb des Kompetenztrainings in der Grundschule (Übernahme)

Tabelle 2: Module JobFit-Training (Übernahme)

Tabelle 3: Ziele des Trainings FIT FOR LIFE

1. Einleitung

Im Laufe des Lebens erwirbt der Mensch verschiedene Kompetenzen. Soziale Kompetenzen zu erlernen, ist bereits auf der Bildungsebene ein zentraler Lehrauftrag (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016, S. 11). Auch innerhalb des Gesundheitswesens, als Patient, sowie in der Wirtschaft und des beruflichen Alltags, ist die Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen, durch entsprechende Trainings, zunehmend bedeutsamer geworden. Der Erwerb sozialer Kompetenzen scheint damit einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Individuums selbst und des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu haben. Sozialkompetenztrainings werden bisher auf verschiedenen Ebenen genutzt und sind vorwiegend psychologisch orientiert.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird daher im Folgenden die zentrale Fragestellung analysiert, ob das Sozialkompetenztraining eine Methode in der Sozialen Arbeit sein kann.

Um sie zu beantworten, sind weitere Überlegungen notwendig. Welche Ansätze verfolgt die Soziale Arbeit und welche Bedeutung haben sie für die Praxis? Was beinhaltet der Begriff Methode? Welche Bedeutung haben soziale Kompetenzen? Was sind Sozialkompetenztrainings und welche Konzepte gibt es? Wie werden sie inhaltlich umgesetzt, welche empirischen Ergebnisse sind über deren Wirksamkeit bekannt? Gibt es Grenzen des Sozialkompetenztrainings? Welche Rolle hat, im Unterschied zur Sozialen Arbeit, die Psychologie?

Für die wissenschaftliche Analyse ist die Arbeit wie folgt aufgebaut: im Teil I der Thesis steht die Bedeutung der Sozialen Arbeit sowie deren methodische Ausgestaltung, im Mittelpunkt der Abschnitte. Ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe wird anschaulicher dargestellt. Der besondere Anspruch gegenüber den Heranwachsenden innerhalb einer Tagesgruppe sowie Ansätze der Sozialen Arbeit innerhalb des Hilfeprozesses werden deutlich.

Im Verlauf schließt sich eine begriffliche Eingrenzung sozialer Kompetenzen an. Darüber hinaus, werden verschiedene Konzepte, Ziele und die methodische Umsetzung ausgewählter Sozialkompetenztrainings herausgearbeitet und detaillierter vorgestellt.

Sie stellen zum einen den Umfang möglicher Anwendungsgebiete dar und differenzieren sich, zum anderen in ihrer empirischen Wirksamkeit (Teil II).

Abschließend verdeutlicht der Vergleich wesentlicher Aspekte der Sozialen Arbeit mit wichtigen Erkenntnissen des Sozialkompetenztrainings sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede (Teil III). Daraus können mögliche strategische Interventionen des Sozialkompetenztrainings für die Soziale Arbeit abgeleitet werden. Das Beispiel der Tagesgruppe ermöglicht einen praktischen Diskurs.

Teil I

2. Definition Soziale Arbeit

Die Grundsätze und Ziele der Professionellen in der Sozialen Arbeit werden, wie folgt, in Inhalt und Funktion beschrieben.

Soziale Arbeit ist eine, aus sozialpädagogischen Ansätzen, entstandene Wissenschaft (vgl. Lambers, 2016, S. 193 ff). Das Berufsfeld beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Schwierigkeiten und unterstützt Menschen bei der Bewältigung individueller Problemlagen, unter Achtung der Person und individuellen Lebenswelten. Im Hinblick auf u. a. politischen, wirtschaftlichen, soziologischen sowie psychologischen Einflüssen, die das Zusammenleben prägen und beeinflussen, handelt die Soziale Arbeit über „ein rechtliches und institutionalsiertes Handlungssystem“ (Braches-Chyrek, 2019, S. 7).

Die Soziale Arbeit bestimmt sich nach „den Prinzipien der Menschenrechte“ (Stimmer, 2012, S. 57) und der sozialen Fairness (vgl. Staub-Bemasconi, 2018, S. 216 ff). Sie dient der Stärkung der Selbstkompetenzen der Klientinnen und soll gleichzeitig das soziale Miteinander fördern. Soziale Arbeit ist wichtig, um gesellschaftliche Ausgrenzung zu thematisieren und damit eine Inklusion zu ermöglichen. Somit verteilen sich die Handlungsbereiche in der Sozialen Arbeit auf differenzierte Arbeitsfelder. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Generationen, (vgl. Thole, 2012, S. 439 ff) erfordern „ressourcenerschließende, erziehende, beratende, bildende, partizipationsfördende, sozial vernetzende, ermächtigende, alltagsbegleitende, pflegerische, betreuende, verwaltende, planende, organisierende und auswertende“ (Heiner, Meinhold, Spiegel & Staub-Bernasconi, 1995, S. 288) Kompetenzen an die Professionellen.

Die etwa seit 90 Jahren bestehende Internationale Vereinigung der Schulen für Soziale Arbeit (IASSW) sowie der IFSW (International Federation of social workers) legen sich im Jahr 2014 auf folgende originale Definition Sozialer Arbeit fest, die weltweit gültig ist.

Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of people. Principles of social justice, human rights, collective responsibility and respect for diversities are central to social work. Underpinned by theories of social work, social sciences, humanities and indigenous knowledge, social work engages people and structures to address life challenges and enhance wellbeing. The above definition may be amplified at national and/or regional levels. (IFSW, 2014)

Soziale Arbeit ist wichtig, um gesellschaftliche Ausgrenzung zu thematisieren und damit Inklusion zu ermöglichen. Die Anerkennung von Menschen mit Diversitäten bricht Vorurteile und stärkt die Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft.

Die Gründung der IASSW (International Association of Schools of Social Work) im Jahr 1928, deren erste Präsidentschaft Alice Salomon übernahm, und die damit immer weiter ausgebaute globale Vernetzung, stärkte den Berufsstand Soziale Arbeit international. Es wurden Bildungseinrichtungen des Berufsstandes ausgebaut. Die 1956 gegründete IFSW, stellt die internationale Vernetzung der Sozialarbeiterinnen dar. Beide Organisationen sind führend, innerhalb der Grundsätze und Richtlinien der Sozialen Arbeit. Als Mitglied der IFSW stellt der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) wichtige ethische Maximen für den Berufskodex (vgl. §4 DBSH, 2014) auf. Neben der Stärkung des gewerkschaftlichen Anteils, durch verschiedene Kooperationen, unterstützt dieser auch die professionelle Wissenschaftlichkeit des Berufes (vgl. §3 Abs. 2 Satz 3 DBSH, 2014).

2.1. Anforderungen an die Soziale Arbeit

Die Soziale Arbeit steht der Erfüllung verschiedener Anforderungen gegenüber. Neben verschiedenen Konflikten innerhalb der eigenen professionellen Rolle, wird ebenfalls die wirtschaftliche Seite reflektiert. Daraus entstehen widerum neue Handlungsansätze beruflicher Prozesses innerhalb der Sozialen Arbeit.

Die Sozialarbeiterinnen in der Praxis übernehmen die Rolle der Ratgeber, die gleichzeitig differenzierte Zusammenhänge erfassen und innerhalb der Wissensbezüge professionell und im Sinne der Klientinnen agieren. Gleichzeitig sind sie einigen Konflikten ausgesetzt. Es ist möglich, dass der Professionelle mit dem Zwiespalt u. a. zwischen Hilfe und Kontrolle (vgl. Thole, 2012, S. 443), Nähe und Distanz oder auch hinsichtlich des Berufes bzw. der eigenen Berufung konfrontiert ist. Ersteres meint das Doppelmandat (vgl. Lambers, 2016, S. 236). Dabei geht es zum einen um das Erfüllen der verschiedenen Aufträge gegenüber dem Staat und das Einhalten des damit verbundenen rechtlichen Rahmens. Zum anderen werden die Interessen der Klientinnen gewahrt. Die Soziale Arbeit setzt sich kritisch mit den Normen und Werten der Gesellschaft auseinander. Dabei steht sie auch einem Spannungsverhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft gegenüber (vgl. Thole, 2012, S. 250).

Der Profession obliegt der Erkenntnis einer konstruktiven Wirklichkeit und damit deren Befreiung (vgl. Lambers, 2016, S. 168 f).

Silvia Staub-Bernasconi erweitert die zwei Mandate um ein Drittes; das ethische Grundverständniss, unter dem die Professionellen, der Sozialen Arbeit, handeln (vgl. Staub- Bernaconi, 2018, 114 ff).

Um den Respekt und die individuellen Entscheidungen zu wahren, sind regelmäßige Reflexionen des Professionellen nötig. Psychischen Belastungen oder Unzufriedenheit sollen vorgebeugt werden. Darüber hinaus ist es wichtig, Missverständnisse zu vermeiden und eine vertrauensvolle Begleitung in einem bestimmten Zeitraum zu garantieren (vgl. Heiner et al., 1995, S. 102 ff).

2.2. Soziale Arbeit unter Druck

Die Angebote innerhalb der Arbeitsfelder der Sozialen Arbeiten stehen einem wirtschaftlichen Druck entgegen. Dieser Konflikt beinhaltet Lösungsstrategien im Ansatz der verschiedenen institutionellen Einrichtungen sowie deren Zielsetzung. Darüber hinaus ist es, für die Professionellen unvermeidlich, ressourcenorientiert zu arbeiten und sich dennoch, aus fachlicher Perspektive, für die Notwenigkeit sozialen Handelns, zu Gunsten ihrerKlientlnnen, einzusetzen (vgl. Heiner et al., 1995, S. 72 ff).

Die Autoren Patermann, Wiest und Tran sprechen sich für eine nationale, als auch globale Verantwortung der Sozialen Arbeit aus. Das durch ein globales Ungleichgewicht hervorgerufene Leid und Verletzungen der Menschenwürde, sehen sie die Profession in der Pflicht, auf der Makroebene zu handeln, da dies auch u. a. negative Folgen auf der nationalen Ebene haben kann. Gleichzeitig unterstellen Sie dem Berufsstand, sich deutschlandweit nicht genug für mehr staatliche Mittel, im Namen ihrer Kientinnen, einzusetzen und damit weitere Kürzungen und Einsparungen zu akzeptieren, auch wenn es die Hilfemaßnahmen erheblich einschränkt. Ferner deuten die Autoren an, dass aktuell die Unabhängigkeit der Sozialen Arbeit, durch die eigenen staatlichen Leistungsbezüge, eingeschränkt ist (Patermann, Wiest & Tran, 2018, S. 9).

Der Vorwurf einer „Zwei- Klassen- Sozialarbeit“ (Braches- Chyrek, 2019, S. 122) beschreibt einen aktuellen Diskurs zwischen selbst- aktivierenden Ansätzen und die Akzeptanz fehlender Grundversorgung der Professionellen, für ein menschenwürdiges Dasein, gegenüber den Klientinnen. Die Autorin fordert deshalb eine Reflexion und Erweiterung von „Konzepten, Methoden und Techniken in der Sozialen Arbeit“ (ebd., 2019, S. 123).

3. Begriffe Methode und methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit

In diesem Abschnitt sollen die Begriffe Methode und methodisches Handeln, innerhalb der Sozialen Arbeit, erläutert werden. Hinsichtlich der Wortbedeutung sowie wissenschaftlichen Erklärungen, werden die differenzierte Sichtweisen der Autoren deutlich. Dies ist eine wichtige Basis, um sich dem Thema, dieser Arbeit, anzunähem und das Grundverständnis der Begrifflichkeiten zu vermitteln.

3.1. Begriff Methode in der Sozialen Arbeit

Aus dem Begriff Methode, der altgriechischen Wortstämme „meta“ (hinterher) und „hodos“ (Weg), erschließen sich die Übersetzungen Wegebnung oder etwas Nachgehen.

Auch die Definition als „Arbeitsform oder Arbeitsprinzip“ (Wolf & Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 2002, S. 639) wird erwähnt.

Silvia Staub- Bernasconi (*1936) stellt heraus, dass die, durch Theorien begründete Wissenschaftlichkeit, auch im praktischen Berufsfeld der Sozialen Arbeit anwendbar sein muss. Die Sozialarbeitswissenschaftlerin betont, dass Methoden die Verbindung zwischen theoretischem Wissen und dessen Anwendung sind (vgl. Heiner et al., 1995, S. 11 ff). Darüber hinaus spricht sie sich dafür aus, dass durch eine (zu Methoden) dazugehörige reflexive Evaluation, die Professionalität weiterentwickelt werden kann (vgl. ebd., 1995, S. 74 ff). Methoden entstehen aus theoretischen Hintergrundwissen (vgl. Stimmer, 2012, S. 237, S. 12; vgl. Michel-Schwartze, 2009, S. 10).

Der Soziologe und Psychologe Franz Stimmer ergänzt Methoden als „mehr oder weniger differenziert planbare, geregelte und zielorientierte sowie konsequent und reflektierend zu verfolgende „Wege“ innerhalb des Problemlösungsprozess“ (Stimmer, 2012, S. 25). Die Abbildung 1 fasst den Prozess der Problemlösung zusammen. Nach einer Informationssammlung werden mögliche Ziele aus den zuvor formulierten Hypothesen entwickelt. Die Auswahl möglicher Arbeitsformen oder das Planen passender Konzepte schließt sich an. Auf dieser Grundlage können Methoden, Verfahren und Techniken geplant werden, um im weiteren Verlauf zu intervenieren.

Die Evaluation reflektiert den Prozess und wirkt sich widerum flexibel auf den zirkulären Prozess aus.

Stimmer bezeichnet „Basismethoden“ (ebd., 2012, S. 229) als Oberbegriff für generell geltende Methoden in der Sozialen Arbeit, unabhängig von spezifischen institutionellen Interventionen, die auf bestimmte Klientengruppen abgestimmt sind. Beispiele hierfür können die Klientenzentrierte Gesprächsführung, Psychodrama und Soziometrie sowie die Themenzentrierte Interaktion sein (vgl. ebd., 2012, S. 229 ff).

Daneben beschreibt Stimmer u. a. die Netzwerkförderung, Moderation bzw. die Zukunftswerkstatt, als weiter ausdifferenzierte Methoden (vgl. ebd., 2012, S. 259 ff).

Bezogen auf die professionelle Anwendbarkeit, auf das Individuum, unterliegen Methoden, ökonomischen sowie soziologischen Veränderungen (vgl. Braches- Chyrek, 2019, S. 9). Ausgehend von den klassischen Methoden der Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit, entstanden, seit den 80'er Jahren, viele weitere methodische Ansätze in der Sozialen Arbeit. Die Entwicklung ist daher auch in der Kritik, da sie eine Überflutung an Interventionen zur Folge haben könnte (vgl. Galuske, 2013, S. 24 ff).

Die Forschung der Methoden, unter empirischem Schwerpunkt, begann in der Sozialen Arbeit bereits Ende des 18. Jahrhundert. Der gesellschaftliche Wandel, geprägt durch Revolutionen, der Industrialisierung sowie dem Anstieg des Bevölkerungswachstums, gewann die Fürsorge immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig konnten erste Analysen bestimmter Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Einflüssen und Pauperismus gefunden werden (vgl. Braches-Chyrek, 2019, S. 117).

Nach den Anfängen der Sozialen Arbeit als Ausbildung an den gegründeten Frauenschulen, durchlief sie eine, durch zunehmende empirische Forschungen, Weiterentwicklung, hin zu einem wissenschaftlichen Anspruch (vgl. Thole, 2012, S. 1191).

3.2. Wissenschaftliche Bedeutung

Grundlegende Forschungen sind anhand qualitativer, quantitativer Segmente möglich (vgl. ebd., 2012, S. 1197; vgl. Braches-Chyrek, 2019, S. 117). Allerdings unterscheiden sie sich in den Gütekriterien, dem Aufwand und den Aussagen. Quantitative Forschungsansätze scheinen generelle Aussagen über den Forschungsgegenstand zu geben. Dagegen unterliegen qualiative Studien aufwändigen Durchführungsprozeduren mit einigen Störvariablen, die sich negativ auf Objektivität, Reliabilität und Validität auswirken können. Um dem entgegenzuwirken wurden Verfahren entwickelt, wie z. B. die dokumentarische Methode nach Bohnsack. Qualitative Aussagen über den Forschungsgegenstand sind für die Sozialen Arbeit wichtig, um die differenzierte Lebensentwürfe, im gesellschaftlichen Kontext zu ergründen. Die Praxis zeigt, dass die Problemlagen der Adressatinnen in den verschiedenen Arbeitsfeldern nicht zu verallgemeinern sind. Dennoch werden quantitativ kausale Zusammenhänge begründet (vgl. Braches-Chyrek, 2019, S. 117).

Bezüglich der aktuellen Forschungslage, innerhalb der Sozialen Arbeit, gibt es auch Anlass zur Kritik. So wurden aktuelle gesellschaftliche Veränderungen und langfristige Datenerhebungen bzw. möglichen Folgen und grundsätzliche Bedeutungen für die Soziale Arbeit bisher zu wenig erarbeitet (vgl. Thole, 2012, S. 1193).

Gleichzeitig sind sich einige Autoren einig, dass das Erreichen von Wissen und dessen Umgang zielführend für methodische Datenerhebungen sind (vgl. ebd., 2012, S. 1196; vgl. Braches Chyrek, 2019, S. 117). Nur so gelingt es den Akteurinnen, Soziale Arbeit als Profession und Disziplin zu stärken (vgl. Thole, 2012, S. 1198).

Die Empirie der angewendeten Methoden, in der Sozialen Arbeit, können eine mögliche Auskunft über eine Transparenz in der Professionalität der Anwendung, das Prüfen der Wirtschaftlichkeit sowie einen Nachweis über den Wirkungseffekt geben (vgl. Braches- Chyrek, 2019, S. 102 ff). Allerdings führt eine Ökonomisierung der Leistung zu einer möglichen Verknappung des Leistungsangebotes und können sich damit nachteilig auf die Klientinnen auswirken. Dabei spielt „die Komplexität der Fallbearbeitung, die notwenige Handlungs- und Wissensreflexion, hermeneutisches Fallverstehen oder ethische Handlungslinien in einer evidenzbasierten Praxis keine Rolle“ (ebd., 2019, S. 104).

3.3. Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit

Die Sozialarbeiterin Marianne Meinhold distanziert sich von dem Begriff Methode und befürwortet in der Sozialen Arbeit eher ein „methodisches Handeln“ (Heiner et al., 1995, S. 185). Dabei beschreibt die Professorin, für psychologische und pädagogische Grundlagen der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, dass es nicht allein auf das Erreichen von Ergebnissen (vgl. ebd., 1995, S. 192 ff) ankommt. Vielmehr beginnt methodisches Handeln bereits bei der Erfassung und Planung von Handlungsschritten bis hin zur Durchführung, um dann die Interventionen abschließend zu bewerten (vgl. Heiner et al., 1995, S. 185). Darüber hinaus soll dieser Prozess den Sozialarbeiterinnen Möglichkeiten für individuelle Änderungen, innerhalb der methodischen Vielfalt, bieten und lässt sich somit jederzeit u. a. an die Lebensgestaltung und dem Willen der Klientinnen anpassen (vgl. ebd. 1995, S. 192). Meinhold erstellte ein „Rahmenmodell zum methodischen Handeln“ (Heiner et al., 1995, S. 184). Dabei unterscheidet sie die Ebenen Arbeitskontexte, Arbeitsprinzipien bzw. Verfahren und Techniken, um den Professionellen eine mögliche Struktur innerhalb des Handlungsfeldes anzubieten (vgl. Heiner etal., 1995, S. 185).

Methodisches Handeln erklärt Stimmer als „zirkulär orientierte Planung des Handelns und das konkrete Handeln selbst“ (Stimmer, 2012, S. 25). Stimmer setzt methodisches Handeln auch mit „Problemlösungshandeln“ (ebd., 2012, S. 26) gleich und akzentuiert dessen Wissenschaftlichkeit. In Abhängigkeit, der Art des Problems, dient das „Orientierungsraster“ (ebd., 2012, S. 29) dem Professionellen als Struktur für Planung in multidimensionalen Aufgaben und erfüllt gleichzeitig die Empirie (vgl. ebd., 2012, S. 26 ff). Allerdings kann diese Struktur, aufgrund fachkritischer Reflexion des Professionellen und einem individuellen, nicht vorhergesehenen Wechsel, durch dauerndes anpassen und damit verändern der Methoden, die zuvor bestimmte Orientierung, durch das Raster, nicht eingehalten werden. Dies sollte im Vorfeld strategisch mit in die Planung einbezogen (vgl. ebd., 2012, S. 34).

Hinsichtlich der Zielsetzung von methodischen Handeln in der Sozialen Arbeit, sollen Theorie und Praxis aufeinander aufbauen und sich nicht gegenseitig ausschließen (vgl. Heiner etal., 1995, S. 292).

Ausgehend von den Definitionsansätzen für Methode und methodisches Handeln, sollen die Erläuterungen von Stimmer und Meinhold als Grundlage dieser Arbeit dienen. Sie machen deutlich, dass die Hilfeprozesse für die Adressatinnen individuell und flexibel sind.

4. Weitere Begriffserläuterungen

Zur Vervollständigung und zum besseren Verständnis, im weiteren Verlauf, werden weitere Begriffe innerhalb der Sozialen Arbeit erläutert. Dabei geht es um die Begriffe »Konzept«, und »Technik« innerhalb des Handelns der Akteurinnen der Sozialen Arbeit.

4.1. Begriff Konzept

Unter »Konzept« allgemein wird eine Vorgehensweise oder ein Plan verstanden. Bei der Verwendung des Begriffs versteht, die Lehrstuhlinhaberin für Sozialpädagogik, Rita, „die Gesamtheit der Planung und Durchführung sowie die Begründung des professionellen Handelns“ (Braches-Chyrek, 2019, S. 9). Dabei geht um den Zusammenhang der fachlichen Beurteilung der Professionellen, inwiefern die geplanten Maßnahmen und die Nutzung entsprechend gewählter Methoden, die festgelegten Ziele erreichen können und deren Beeinflussung untereinander (vgl. ebd., 2019, S. 9).

Stimmer differenziert zwischen theoretischen und handlungsleitenden Konzepten. Theoretische Konzepte bilden, abhängig von den Einsatzgebieten der Sozialen Arbeit, zusammen mit praktischem Bezugswissen, weiter eine Grundlage für „handlungsleitende Konzepte“ (Stimmer, 2012, S.31f). Beispiele fürhandlungsleitende Konzepte in der Sozialen Arbeit sind u. a. die Grundlagen des Empowerments und Netzwerkansatzes, der lebensweltorientierten Kinder- und Jugendhilfe, Erlebnispädagogik oder der sozialökonomischen Orientierung (z. B. Straßensozialarbeit oder Gemeinwesenarbeit) sowie des Case- Managements. Darüber hinaus zählen zu einer konzeptuellen Umsetzung in der Sozialen Arbeit auch Inklusion, Partizipation und die Förderung der Vielfalt (Diversity).

Gleichzeitig beinhalten Konzeptionen zum einen wissenschaftliches Hintergrundwissen und zum anderen die, auf der Makroebene vereinbarten und für die Professionellen der Sozialen Arbeit maßgeblichen, Anforderungen (vgl. Heiner et al., 1995, S. 292 ff).

4.2. Begriff Technik

Die Auswahl an »Techniken« in der Sozialen Arbeit sind abhängig von den zuvor gewählten Methoden, die wiederum aus entsprechenden moralischen Grundprinzipien oder Wertvorstellungen gewählt werden. Sie unterliegen dem Willen des Hilfesuchenden (vgl. Stimmer, 2012, S. 34). Techniken, die in der Sozialen Arbeit verwendet werden, stammen ursprünglich auch aus verschiedenen Bezugswissenschaften, wie u. a. Psychologie, Pädagogik oder Sprachwissenschaften. Somit scheint ein umfangreiches professionelles Wissen ein Anspruch, für die Sozialarbeiterinnen, zu sein und erschwert, wie auch in der Methodendiskussion, mögliche Professionsansprüche (vgl. Heiner et al., 1995, S. 73; vgl. Galuske, 2013, S. 11, S. 25 ff).

Beispiele von Techniken der Methode der „klientenzentrierten Gesprächsführung“ sind u. a. »Strukturierung«, »Spiegeln« bzw. »Aktives Zuhören« (vgl. ebd., 2012, S. 237 ff).

In der Sozialen Arbeit scheinen Methoden festgelegte Kategorien bzw. Strukturen zu sein, bei deren detailierter Ausgestaltung, durch den Professionellen, diese, durch methodisches Handeln, auf die jeweiligen Probleme der Adressatinnen abgestimmt werden. Für die Sozialarbeiterinnen ist es im entsprechenden Arbeitsfeld deshalb notwenig, professionell- reflexiv und fachlich-empirisch, in geplanter und strukturierter Weise, den Hilfeprozess zu begleiten und unterstützen. Entsprechend mögliche individuelle Veränderungen im Verlauf, haben Auswirkungen auf methodische Interventionen. In diesem Fall sind diese fachlich bzw. empirisch zu begründen. Die einzelnen Stufen, beginnend von der Theorie, über Methoden bis hin zu Techniken. Dennoch ist zu bedenken, dass die literarischen Bezüge oft nicht eindeutig zwischen u. a. Methoden und Techniken differenzieren (vgl. Michel-Schwartze, 2009, S. 14).

5. Klassische Methoden der Sozialen Arbeit

In Bezug auf Soziale Arbeit werden drei klassische Methoden unterschieden, dessen historische Entwicklung ist für die methodische Arbeit im Berufsfeld der Sozialen

Arbeit bedeutsam sind: es handelt sich im Folgenden um die Einzelfallhilfe, die soziale Gruppenarbeit sowie die Gemeinwesenarbeit. In der Beantwortung der zentralen Fragestellung dieser Thesis ist es insofern wichtig, um eine kurze Entwicklungsgeschichte der Methoden in der Sozialen Arbeit darzustellen. Charakteristische Merkmale und Ziele sollen deutlich werden, um sie dann im späteren Verlauf der Arbeit mit denen des Sozialkompetenztrainings zu vergleichen.

5.1. Die Einzelfallhilfe

Ausgehend, der von ihr begleiteten Ausbildung einer Gruppe ehrenamtlicher Helferinnen („Friendly Visitors“), bei der es um die Unterstützung von Personen und dessen gewonnenen Erkenntnissen geht, spielte Mary Richmond (1861-1928) für die Entstehung der Einzelfallhilfe und Professionalisierung der Sozialen Arbeit, zusammen mit ersten eigenen empirischen Forschungen, Lehrtätigkeiten und Publikationen eine bedeutungsvolle Rolle (vgl. Braches-Chyrek, 2019, S. 19; Stimmer, 2012, S. 272 ff).

Die Einzelfallhilfe („Casework“), eine, seit 1890 in den USA, entwickelte Form der Gesprächsführung, lernte Alice Salomon (1872-1948), zwischen 1923 und 1924, während eines Aufenthaltes in den USA, kennen und berücksichtigte sie 1926 in ihrem Buch „Soziale Diagnose“. Damit erweiterte sie die pädagogische Sichtweite und sicherte auch die Eigenständigkeit der Sozialen Arbeit, als Profession (vgl. Braches- Chyrek, 2019, S. 20).

Bis 1933 zählte Casework als Fach an den Wohlfahrtsschulen. Ziel ist das „Hilfe- zur Selbsthilfe- Prinzip“ (Stimmer, 2012, S. 272). Über die Selbststärkung, sollen die Klientinnen auf eine eigenständige Problemlösung „zugreifen“. Casework fokussiert sich damit auf eine individuellere Hilfeform. Die Intervention (Behandlung) wird, über eine Beratung, durch die Anamnese (Vorgeschichte), Diagnose (Untersuchung) bestimmt (vgl. Nando, 2010, S. 59 ff).

In neuerer Zeit wurde die Einzelfallhilfe interdisziplinär um weitere Methoden sowie um eine systemische Sichtweise ergänzt. Das „Case-Management“ beinhaltet eine zeitlich begrenzte, unterstützende Hilfeplanung für Einzelne und der Familie, in komplexen Problemlagen. Dabei werden mehrere Fachkräfte in den Gesamtprozess (multiperspektivische Problemlagenanalyse) der Beratung, Begleitung oder Betreuung miteinander, nebeneinander oder nacheinander einbezogen (vgl. Stimmer, 2012, S. 74 ff).

5.2. Die soziale Gruppenarbeit

In der Historie entwickelte sich in den 1950'er Jahren die soziale Gruppenarbeit als zentrale Methode der Sozialen Arbeit heraus und versteht sich damit erweiternd zu den Kompetenzen der Einzelfallhilfe.

Die Wichtigkeit von Gruppen ist für den Menschen von großer Bedeutung. Sozialisationsprozesse in der Gemeinschaft tragen zu der Entwicklung des Menschen wesentlich bei. Das zeigt sich besonders, neben einer schützenden Wirkung (z.B. innerhalb der Familie), auch bei Lernprozessen, Identitätsentwicklungen sowie der Reifung von Werten und Normen (vgl. Stimmer, 2012, S. 275).

Die Einteilung von Gruppen ist nach dem Typ möglich. Gruppen, in primärer Hinsicht (z. B. Familie), definieren sich über ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Eine emotionale Bindung ist dabei maßgeblich. Eher sekundär sind größere Gemeinschaften, wie z. B. eine Schulklasse, in der nicht jeder in Beziehung zum Anderen steht, hier ist eher der Nutzen im Vordergrund (vgl. Stimmer, 2012, S. 275; Braches-Chyrek, 2019, S. 55 ff).

Darüber hinaus unterscheidet die Literatur auch verschiedene Entwicklungsstränge im 20. Jahrhundert. Während sich, eher erzieherisch wirksam, in Abkehr von starren pädagogischen Regeln, eigene individuelle Gemeinschaften bildeten, erfolgten zunehmend, ab 1920, Untersuchungen innerhalb der Strukturen einer Gruppe. Kurt Lewin (1890 -1947) entwickelte ein Modell, dass die Phasen der Gruppenbildung beschreibt. Zusammen mit dem Pioneer der Gruppenarbeit, Jakob Levi Moreno (1989­1974) stellte er empirische Untersuchen gegenseitiger Einflüsse der Beziehungen innerhalb der Gruppenmitglieder auf (vgl. Stimmer, 2012, S. 276 ff).

Moreno entwickelte die „Methode des Psychodramas (Rollenspiel, soziodramatische und soziometrische Verfahren)“ (ebd., 2012, S. 276 ff).

Die deutsch-amerikanische Sozialarbeiterin Giesela Konopka (1910-2003), entwickelte 1969 „Verfahrensschritte der Sozialen Gruppenarbeit“, die sich zwischen „Beobachtung und Klärung der Fakten“, eine „Analyse und Diagnose“ und der „Situationsbewältigung“ (Braches-Chyrek, 2019, S. 55) aufteilten. Dabei geht es um eine stetige umfassende Informationssammlung des Professionellen sowie die Einschätzung der Klientinnen innerhalb der Gruppe, um mögliche Konflikte zu erkennen und zu überwinden, aber auch Ressourcen einzelner und der Gruppe zu stärken (vgl. ebd., 2019, S. 55 ff).

Braches- Chyrek führt weiter geltende Grundsätze in der Sozialen Gruppenarbeit, wie der gegenseitigen Achtung der Diversitäten innerhalb der Mitglieder und eine Stärkung der Bedürfnisse und Wünsche deren Beteiligten, auf (vgl. ebd., 2019, S. 56 ff). Um dabei umfassende Informationen über die Mitglieder der Gruppe zu erhalten, wird dem Professionellen u. a. soziologisches, psychologisches, medizinisches sowie pädagogisches Wissen vorausgesetzt, um einzelne Charaktere zu analysieren, Veränderungen der Beziehungsgefüge zu erkennen und unter Einbezug aller Mitglieder, in prozesshaft- gestalterischer Weise zu arbeiten. Eine stetige kritische Reflexion der eigenen Arbeit, unter Beachtung und Auseinandersetzung möglicher Spannungsfelder, durch z. B. „Nähe und Distanz sowie Hilfe und Kontrolle“ (Braches Chyrek, 2019, S. 57), ist für ein professionelles Arbeiten notwendig.

Gruppenarbeit als erzieherische Maßnahme „soll älteren Kindern und Jugendlichen bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen helfen“ (§ 29 Satz 1 SGB VIII). Über die Interaktion der Gruppe kann der Umgang mit Streitigkeiten und Spannungen, sowohl innerhalb der Mitgliederlnnen, als auch nach außen, im gesellschaftlichen Leben trainiert werden. Die Grundlage dafür bilden Techniken und Verfahren. Dessen Auswahl orientiert sich an dem jeweiligen Hintergrund der Anwendung sozialer Gruppenarbeit. Diese sind abhängig von der jeweiligen Bildungseinrichtung bzw. Initiativen und Vereine oder der (niedrigschwelligen) Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (vgl. Braches-Chyrek, 2019, S. 58). Somit wurde im Verlauf der Entwicklung eine Wissenschaftlichkeit deutlich, damit sie als wirksame Methode in der Sozialen Arbeit anerkannt ist (vgl. ebd., 2019, S. 53 ff).

5.3. Die Gemeinwesenarbeit

Die Gemeinwesenarbeit entwickelte sich, nach englischen und amerikanischen Vorbild der „Settlementbewegung“, etwa ab den 1920'er Jahre, auch in Deutschland. Die zahlreich gegründeten Kollektive (z. B. Soziale Arbeitsgemeinschaft Berlin Ost, Volksheim Hamburg), deren Bestrebungen es waren, sich für die Verbesserung der einzelnen Stadtteile und der damit verbundenen, teilweise menschenunwürdigen, Lebensumstände der dort lebenden Menschen einzusetzen, schlossen sich, etwa fünf Jahre später, zur Deutschen Vereinigung der Nachbarschaftssiedlungen zusammen (vgl. Stimmer, 2012, S. 278; Braches, Chyrek, 2019, S. 80).

Dabei konnten strukturelle Veränderungen einzelner Quartiere geschaffen werden, in die eine Nachbarschaftshilfe sowie zentrale Hilfeeinrichtungen und Treffpunkte der Bewohner geschaffen wurden. Ziele waren es, neben makropolitischer Verbesserung der Lebensverhältnisse, auch präventive Maßnahmen zum friedlichen Zusammenleben, zu schaffen. Hierbei wurden die Menschen selbst motiviert, das eigene Wohnumfeld nachhaltig zu gestalten. Im weiteren Verlauf sollten, ab Mitte der 1920'er Jahre, die Sozialarbeiterinnen in die Gestaltung neuer Stadtteile einbezogen werden (vgl. Stimmer, 2012, S. 278).

Etwa 40 Jahre später entstand die Gemeinwesenarbeit, als professionelle Handlungsmethode in der Sozialen Arbeit. Konzepte, wie „Empowerment, Netzwerkarbeit, Case Management“ (Stimmer, 2012, S. 206) können dabei ebenso nützlich sein, wie die Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch (vgl. ebd. , 2012, S. 206).

Die drei klassischen Methoden stellen in der Gesamtheit den Weg der Professionalisierung der Sozialen Arbeit dar. Die unterschiedlichen Ansätze ergänzen sich im besten Fall, durch die Zusammenarbeit zwischen den Professionellen und den Klintlnnen. Zeitgleich ist festzustellen, dass die methodische Nutzung aus einer Vielzahl an Inerventionsmöglichkeiten besteht. Methoden der Sozialen Arbeit orientieren sich an den Bedürfnissen der Adressatinnen. Deshalb gilt es auch „den Konflikt zwischen Standard und Individualität zu überwinden“ (Michel-Schwartze, 2009, S. 12).

6. Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe am Beispiel Tagesgruppe

Der folgende Abschnitt gibt einen praxisnahen Bezug auf die Rolle der Sozialen Arbeit innerhalb des Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe. Die Entwicklung, von Kindern und Jugendlichen, ist von verschiedenen Einflüssen abhängig. Über die Soziale Arbeit in Tagesgruppen werden die Ansätze der Lebenweltorientierung, des Empowerments, der Partizipation und Prävention deutlich.

6.1. Lebensweltorientierung: Einflüsse und Entwicklung auf Kinder und Jugendliche

Eine lebensweltorientierte Kinder- und Jugendhilfe basiert auf der Theorie einer Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch, die er 1980 entwickelte, und ist im Achten Jugendbericht handlungsleitende Maxime (Bundesminister für Jugend Familie, Frauen und Gesundheit, 1990, S. 17). Gemeint ist die Umwelt, in der Menschen leben und existieren. Die Entwicklung der Kinder und Jugendliche ist beeinflusst von sozialer Ungleichheit hinsichtlich Demografie, ihrer regionalen Unterschiede (Stadt und Land), Ethnien oder Geschlecht. Der Verlust „traditioneller Werte und Normen“ (Moser, 2006, S. 96) sowie eine immer größere werdende gesellschaftliche Flexibilität und die Faszination für extreme (Selbst-) Erfahrung, drängt die klassische Familie zurück. Der erzieherische Einfluss von außen nimmt zu (vgl. ebd., 2006, S. 97 ff). Die Spanne zwischen Kindheit und Erwachsenenalter vergrößert sich (vgl. ebd., 2006, S. 110). Gleichzeitig stehen einige Kinder auch mit den Prozessen der eigenen Entwicklung und den schulischen Leistungen im Konflikt. Die Intensität, in der Kinder auf belastende Situationen reagieren, ist abhängig von den unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Fröhlich- Gildhoff deutet hier z. B. den Übergang von der Kita in die Schule oder während der Pubertät an. In dieser Zeit reagieren Kinder stärker auf Belastungen (vgl. Fröhlich- Gildhoff & Rönnau- Böse, 2009, S. 24).

Wenn bestimmte Entwicklungsstufen nicht vollständig gelingen, können „Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensstörungen und psychische Störungen“ entstehen (Jugert, Rehder, Notz & Petermann, 2016, S. 55).

Viele Familien stehen vor neuen Herausforderungen bei der Erziehung ihrer Kinder. Aufgrund veränderter Sozialisationsprozesse, wie der Pluralität einzelner Lebensentwürfe oder individueller Lebenslagen, dient die Kinder- und Jugendhilfe als Hilfe- und Unterstützungsangebot. Niedrigschwellige und kostenlose Angebote sind dabei wichtig, um den Zugang zu Adressatinnen zu erhalten. Über eine Annährung, geht es um die Förderung von sozialen Kompetenzen in Schule und Familie und sind deshalb auch für die Soziale Arbeit relevant.

6.2. Rolle der Sozialen Arbeit innerhalb der Tagesgruppe

Die Kinder- und Jugendhilfe, als Hilfe- und Unterstützungsangebot, soll zur Stärkung der Erziehungsverantwortung, des Erziehungsrechts und der Erziehungspflicht der Eltern beitragen und dient dem präventiven Schutz der Kinder vor bestimmten Entwicklungsrisiken (§1 Abs. 3 S. 3 SGB VIII). Das Handlungsfeld „Förderung der Erziehung in der Familie“ ist rechtlich im Achten Sozialgesetzbuch (§16- §21 SGB VIII) festgelegt.

Das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe teilt sich in drei große Bereiche: zur Unterstützung in der Erziehungsarbeit können Eltern bei den ambulanten Hilfen beispielsweise eine Beratungsstelle aufsuchen oder eine Familienhilfe in Anspruch nehmen. Stationäre Hilfen umfasst die Betreuung junger Menschen rund um die Uhr in einer Unterkunft mit entsprechender Begleitung außerhalb der Herkunftsfamilie. Eine stundenweise Betreuung, tagsüber, von Kindern, über eine Tagesgruppe, ist innerhalb der teilstationären Hilfen möglich.

Tagesgruppen sind, je nach Einrichtung, auf unterschiedliche Schwerpunkte ausgerichtet. In kleinen Gruppen werden Kinder und Jugendliche in einem multiprofessionellem Team, u. a. aus Pädagoginnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen, begleitet. Sie sollen „die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Eltemarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib des Kindes oder Jugendlichen in seiner Familie sichern“ (§ 32 S.l SGB VIII), um das „Recht auf Förderung seiner Entwicklung“ (§1 Abs. 1 SGB VIII) zu gewährleisten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Analyse der Möglichkeiten der Nutzung des Sozialkompetenztrainings als Methode in der Sozialen Arbeit
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. Bonn
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
85
Katalognummer
V960224
ISBN (eBook)
9783346310996
ISBN (Buch)
9783346311009
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialkompetenztraining, Soziale Arbeit, Methoden
Arbeit zitieren
Iris Saddam Lafta (Autor), 2020, Analyse der Möglichkeiten der Nutzung des Sozialkompetenztrainings als Methode in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960224

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse der Möglichkeiten der Nutzung des Sozialkompetenztrainings als Methode in der Sozialen Arbeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden