Erich Fromm: Das Christusdogma


Referat / Aufsatz (Schule), 1994

6 Seiten


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1) Methode und Allgemeines

Sozialpsychologie < > Personalpsychologie

Die Personalpsychologie betrachtet unter Berücksichtigung der Erbanlagen die psychische Struktur des Einzelnen.

Die Sozialpsychologie betrachtet eine Gruppe von Menschen, die Gemeinsamkeiten haben. Je mehr Menschen, desto weniger wird der Einzelne berücksichtigt. Das ergebnis der Sozialpsychologie ist eine Aussage über den gemeinsamen psychischen Charakter der untersuchten Gruppe.

Gemeinsame psychische Tendenzen einer Gruppe von Menschen spielen eine wichtige Funktion in der Entwicklung der Gesellschaft.

Gleich Ergebnisse bei P. und S. können andere Bedeutung haben ( z. B. Vaterregression)

P. und S. unterscheiden sich im Grunde nicht wesentlich. Es ist meist nur ein quantitativer Unterschied, aber die Methodik ist bei beiden gleich.

Die psychische Struktur eines Menschen (einer Gruppe) wird geprägt von seiner Konstitution und seinen Erlebnissen (Lebensschicksalen).

Meßskala:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erlebnisse Konstitution

Die Konstitution ist eine unbekannte Größe und kann nicht gemessen werden.

Deshalb erforscht die Psychoanalyse den Einfluß der Erlebnisse auf die Psyche. Je mehr Einzelheiten (Erlebnisse), desto besser die Analyse. Es wird ein Zusammenhang von Triebentwicklung und Lebensschicksalen gesucht und die Auswirkung der Psyche auf das weitere Lebensschicksal.

Die Personalpsychologie beschäftigt sich meistens mit Kranken (Neurotischen), die sich nicht der Realität anpassen können.

Die Sozialpsychologie untersucht Gruppen "Normaler". Weil diese sich der realen Situation anpassen, sind Kindheitserlebnisse vernachlässigbar. Für eine Analyse ist die Kenntnis der Lebenssituation notwendig (wirtschaftliche, soziale Situation)

Unterscheidung der Triebe in Ich- und Selbsterhaltungstriebe und Sexualtriebe (>Freud) ( bzw. lebenserhaltende Triebe und Zerstörungstriebe) Selbsterhaltungstriebe (Schlafen, Essen,Trinken) sind essentiell zu befriedigen Die Sexualtriebe sind nicht zwingend. Sie können ersetzt und vertauscht werden. Die Sexualtriebbefriedigung wird durch die Lebensschicksale geprägt, deshalb sind sie maßgebend für die psychische Struktur des Menschen.

Jedes Individuum strebt nach maximaler Triebbefriedigung und minimaler Unlust => Glück = Lustgewinn Die Gesellschaft (die Realität) verlangt Triebverzicht ( im eigenen oder gesellschaftlichen Interesse oder für eine andere Klasse), aber befriedigt ebenso auch manche Triebe.

Die gesellschaftliche Stabilität wird durch Gewalt (kleiner Teil) und durch die spezielle Psyche des Menschen (Triebbefriedigung und Hilflosigkeit [Vaterfigur Gott und Herrschende] erreicht.

Die Herrschenden wollen die "gehorsame" Psyche der Unterdrückten beibehalten.

Dazu lenken sie Sexualtriebe in Phantasiebefriedigungen (Religion, Kunst, usw.) um. Die Unterdrückten sind nun weniger "gefährlich".

Das Verhalten des Menschen zu seinem Vater, wie auch zu Gott ist ambivalent. Religion ist Narkotikum (Illusion [> Freud] ) . Sie hat 3 Funktionen: 1) Trost; 2) Erklärung ihres Lebensschicksals; 3) Alibi für die Herrschenden.

Das Urchristentum

Palestina war ein Teil des römischen Imperiums. Die Masse der Bevölkerung wurde unterdrückt., sie durfte Steuern zahlen, aber sie konnte das römische Bürgerrecht nicht erwerben.

3 Klassen: 1) große Masse Prolterarier 2) Bürgertum 3) sehr kleine Schicht feudale, priesterliche und Geldaristokratie.

3 Parteien: 1) Sadduzäer (versnobte Oberschicht) 2) Pharisäer (mittleres und kleineres Bürgertum) [Ihre Lehren waren auf Vernunft, Ehrung der Alten und strenge Gesetzlichkeit aufgebaut. Das religiöse Leben Palestinas war weitgehend von ihnene bestimmt.] 3) Zeloten (Revolutionäre des Proletariats)

Je größer der Druck von Rom wurde desto mehr vergrößerte sich die Kluft und der Haß zwischen den Klassen.

Revolutionäre Bestrebungen: a)politische Aufstände b)religiös-messianische Bewegungen c)apokalyptische Literartur

Je aussichtsloser der Kampf gegen die Herrschenden wurde desto radikaler wurde das Proletariat, aber auch desto religiöser wurden ihre Bestrebungen. Die Hoffnungen der Unterschicht (am-haarez) lag in der Zukunft. Sie besaß fast nichts und konnte so auch nichts verlieren. Ihr Haß richtete sich gegen die Herrschenden (bewußt) und gegen ihren Gott (unbewußt => Vaterhaß). Ihre Phantasien ersehnten eine neue Weltordnung (=> Vaterliebe) ===> Ambivalente Beziehung zu Gott Die ersten Christen ware Proletarier

Die urchristliche Lehre versprach das, was sie sich wünschten: eine neue, bessere Welt und Bestrafung der "Bösen" ("gottlose" Reiche, Unterdrücker, Herrschende u.s.w.). Sie war Ausdruck des Haß gegen das System und die Herrschenden. Im Gegensatz zur Klassengesellschaft lebten die Urchristen in einer Art Kommune zusammen. Sie verband der gemeinsame Glaube, die Hoffnung und der Haß. Es gab keine "Verfassung" => Liebeskommunismus

Die adoptianische Lehre: Jesus war Mensch und wurde durch die Erhöhung (Auferstehung) Sohn Gottes.(bewußter Autoritätenhass <=> unbewußter Gotteshass) [Vorbilder eines sterbernden Gottes/Messias gab es sowohl im Judentum als auch in Kulten (Osiris, Attis und Adonis)]

Leidende Menschen (Proletariat) identifizierten sich mit dem leidende Jesus (unbewußte eigene Erhöhung).

Kreuz und Buße brachte Vergebung für den bewußten und unbewußten Hass.

Der Schwerpunkt des urchristlichen Glaubens war die Erhöhung Jesus zu Gott d.h. die Beseitigung des Vaters.

Das homo-ousianische Dogma

Homo-ousianisches Dogma = Jesus war und ist immer schon Gott gewesen. Binitätsdogma. Jesus und Vater = Gott (2 in 1). Athanasius.

Christentum weitete sich aus und gewann Anhänger der Unterschicht anderer Länder. Mit der Zeit bekehrten sich immer mehr Reiche. Die soziale Struktur der Christen veränderte sich.

Die Wohlhabenden waren dem Staat gegenüber nicht feindlich (Paulus = intellektueller Pharisäer, Sohn eines reichen Römers).

Ab der Mitte des 2. Jhdts. bekehren sich immer mehr Menschen aus der mittleren und höheren Schicht (viele Frauen).

Differenzen in den Gemeinden (Arme-Reiche, Sklave-Herr).

Unter Konstantin wurde Christentum Saatsreligion => Viele Wohlhabende schlossen sich dem Christentum an (herrschende Klasse)

Veränderungen im römischen Imperium: a) Fremdnationale konnten römisches Bürgerrecht erwerben; b) noch stärkerer Kaiserkult; c) Rezession / Rückgang der Produktionskräfte / Feudalisierung (starke Autoritäten, absolute Monarchie) => Mittelalter

Unterschicht hatte keine Aufstiegschance => Abfinden mit ihrer Lage.

Veränderungen im Christentum: a) baldige Endzeitgedanken treten zurück (geschichtliches Interesse), Schwerpunkt wurde das bereits Geschehene (unhistorisches Heil); b) Rückgang der ethischen Forderungen => kirchliches Gnadenmittel; c) mehr und mehr Staatsverbundenheit (Stütze des Staates); d) Institutionalisierung (Trennung Laie und Kleriker) => Autoritätenhass zu Autoritätenliebe; e) Dogmatisierung (Sündenvergebeung der Kirche); f) adoptianische Lehre => Logoschristologie (Gott wird Mensch) (Mensch wird Gott); g) Führer waren aus den herrschenden Klassen.

Durch die neue Lehre wurde der Vatermord, d.h. die revolutionären Gedanken durch Harmonie ersetzt.

Herrschende Klassen wolten keinen Autoritätenhaß => Umwandlung der Lehre. Unterschicht identifiziert sich weiter mit dem Leider Jesus am Kreuz => Unterwefung unter den Vater (unter die Autoritäten, passive Haltung) => Liebe, Gnade und Geborgenheit.

Sieg des Christentums über den Kaiserkult durch Identifizierung mit Jesus.

Haß auf Autoritäten => passive Haltung durch Unabwendbarkeit der Situation (Feudalisierung) => Selbsthaß / Buße => Liebe und Vergebung von Vater / Kirche }ungefährliche Masse, Festigung des Systems, Abhängigkeit der Menschen von den Autoritäten.

Alibi für Herrschende (Massen leiden aus Gnade Gottes) Hoffnung der Christen war das Jenseits.

Binitätslehre = Vater-Gott wird Mutter (Trösterin, Beschützerin, Vergebung). Marienkult, Kirche als Mutter ihrer Gläubigen.

Madonna mit Kind => Die immer noch leidenden Menschen wollen Geborgenheit => leidender Jesus (passiv-masochistisch-gefügig) wird gestillter Säugling (geliebtes Kind) => wachsende Passivität

Psychische Struktur (Passivität, Unterwerfung) war Ausdruck der gesellschaftlichen Struktur.

Katholizismus: Rückkehr zur Religion der großen Mutter, einstiger Sieger Jahwe verliert an Bedeutung Neuzeit: Gesellschaftliche Strukturveränderung => Aktivität der Massen möglich => Reformation => Rückkehr zum Vater-Gott.

Wandlung des Christentums

2. Jhd.: Kampf zwischen revolutionären und weltlichen Strömungen

Urchristliche Tendenzen (z.B. Montanismus / Monarchianismus)

Monarchianismus: a) adoptianischer Monarchiarismus (Jesus war Mensch) =>

Vatermord; b) Modalismus (Jesus war Erscheinungsform Gottes) => Gott litt am Kreuz }Gott bleibt Monarch => Monarchianismus => Einschränkung der Macht Gottes Massen des Volkes dachten monarchianisch.

Weltlich-hellenistische Tendenzen [z.B. Gnostiker (Verleugnung der Endzeitlehre, Geistbefreiung von menschlicher Hülle, Dreiteilung der Menschheit, Weltschöpfer war böser, schwacher oder mittlerer Gott => Verleugnung der Welterneuerung => Erkenntnislehre, individuelle Erlösung, Christus war nie ein Mensch => Herabsetzung Jahwes war kein Vatermord (waren keine Juden))].

Rationalisierung des Christentum => Logoschristologie der Apologeten.

Aus revolutionärer Religion wurde Betrachtung von Ideen und Lehrsätze (Mönchtum) => Passivität.

Kirchl. Weltwissenschaft => Allerweltsreligion.

Nizänisches Konzil (325): Entscheidung Konstantins gegen Arius (Jesus wurde vor der Weltzeit von Gott geschaffen, Jesus und Gott sind 2 Wesen, Jesus ist unvollkommen => kein reiner Adoptianismus) für Athanarius (Gott und Jesus sind 2 Wesen und doch eins); homo-ousios <=> homoi-ousios.

Kritik an einem anderen Deutungsversuch Dr. Theodor Reich (Lehrer am psychoanalytischen Institut in Berlin) "Dogma und Zwangsidee" => Entstehung des Dogmas durch Zwangsdenken

Fehler in der Methodik: a) Christentum (Christen) bildet keine Einheit; b) Lebenssituation der Menschen blieb unbeachtet => Nichtentwicklung des Menschen; c) Ambivalenz der Einheit in ihrer Gottesbeziehung

Ideologien müssen vom Menschen her verstanden werden (Fromm) und nicht Menschen durch Ideologien (Reik, extreme ideen-/dogmengeschichtliche Religionsforschung)

Inhaltliche Unterschiede: a) Gnostizismus war extreme Degradierung des Vaters; b) Sieg der vaterfeindlichen Tendenz durch Athanasius; c) Dogmenentwicklung durch Ambivalenz zum Vater-Gott (Zwangsdenken)

Fromm: Dogmen bedeuten Phantasiebefriedigung => sehr starke Wírkung auf das Unterbewußtsein => Bedeutung im Bewußtsein unklar => starker Glaube. Um ein Dogma (oder eine Ideologie) zu verstehen, muß die Wirkung auf das Unterbewußtsein berücksichtigt werden.

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Details

Titel
Erich Fromm: Das Christusdogma
Veranstaltung
Lehrerin: Frau Heiland - Fach Religion- 13. Klasse, FDG-Gymnasium FFM
Autor
Jahr
1994
Seiten
6
Katalognummer
V96024
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erich, Fromm, Christusdogma, Lehrerin, Frau, Heiland, Fach, Religion-, Klasse, FDG-Gymnasium
Arbeit zitieren
Stephanie Junkers (Autor), 1994, Erich Fromm: Das Christusdogma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96024

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