Gottesvorstellungen von Jugendlichen erarbeitet an Einzelbefragungen und verglichen mit der Theorie


Seminararbeit, 1999

103 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis:

1. Die Schüleräußerungen
1.1. Einleitung
1.2. "Ich glaube nicht an Gott, weil"
1.3. "Menschen glauben an Gott"
1.4. "Ich glaube an Gott, weil..."

2. Interpretation der Schüleräußerungen
2.1. Gruppe I: "Ich glaube nicht an Gott, weil..."
2.1.1 Gottesbilder und Gottesvorstellungen..
2.1.2. Gotteserwartungen
2.1.3. Gottesbeziehungen
2.1.4. Religiöses Urteil
2.1.5. Fazit
2.2. Gruppe II: "Menschen glauben an Gott"
2.3. Gruppe III: "Ich glaube an Gott, weil..."
2.3.1. Gottesbilder und Gottesvorstellungen.
2.3.2. Gotteserwartungen, Gottesbeziehungen und Äußerungen über Jesus
2.3.3. Religiöses Urteil
2.3.4. Fazit
2.3.5. Horst und Ulrich (20 + 21)
2.3.5.1. Gottesbilder, Gottesvorstellungen und Aussagen über Jesus
2.3.5.2. Gotteserwartungen und Gottesbeziehungen...
2.3.5.3. Religiöses Urteil
2.3.5.4. Fazit

3. Wie hilfreich war die Theorie Fowlers bei der Interpretation?
3.1. Einleitung
3.2. Zuordnung der Äußerungen zu den einzelnen Glaubensstufen

4. Reaktionen des Religionsunterrichtes
4.1. Die Frage nach der Existenz Gottes..
4.2. Ist Gott Helfer in allen Lebenssituationen?
4.3. Kritik an der Kirche

5. Schlußwort

6. Literaturverzeichnis

1. DIE SCHÜLERÄUSSERUNGEN

1.1. EINLEITUNG

Die Schüleräußerungen, die ich in dieser Arbeit interpretiere, habe ich während meines Allgemeinen Schulpraktikums an einer Hauptschule im nordwestlichen Niedersachsen erhoben.

Den Schülerinnen und Schülern einer 10.Klasse wurde folgender Text vorgelegt:

"Wähle bitte wenigstens einen Satzanfang oder Satz und schreibe dazu Deine Meinung, die Du mit mehreren Sätzen begründen sollst.

Laß' Dir Zeit (Du hast 45 min!).

Gib' Dein Geschlecht und Dein Alter an.

- Gott ist...
- Ich glaube an Gott, weil...
- Ich glaube nicht an Gott, weil...
- Wie stellst Du Dir Gott vor?
- Woran denkst Du bei dem Wort Gott?
- "Worauf Du Dein Herz hängst und verläßt, das ist eigentlich Dein Gott." (Martin Luther)"1

Die sieben Schülerinnen und 14 Schüler waren zwischen 15 und 17 Jahren.

Elf gaben an, nicht an Gott zu glauben (4w/7m) (Gruppe I). Zwei Schüler machten keine Aussagen hinsichtlich ihres Glauben an Gott (Gruppe II). Ihre Aussagen blieben unverbindlich neutral. Acht Schülerinnen und Schüler schrieben, daß sie an Gott glauben (Gruppe III).

Die Schüleräußerungen sind insgesamt sehr ehrlich und offen. Ich habe nicht den Eindruck, daß sich die Schülerinnen und Schüler in irgendeiner Weise zurückgehalten haben.

Ich werde die Schüleräußerungen der drei Gruppen zunächst interpretieren. Allerdings muß ich an dieser Stelle gleich anmerken, daß jede Interpretation nur ein Versuch sein kann, die einzelne Schülerin oder den einzelnen Schüler zu verstehen. Um über den jeweiligen Glauben der Schülerinnen und Schüler verläßliche Aussagen zu machen, müßten mit ihnen vertiefende Einzelinterviews geführt werden. Dennoch ergibt sich insgesamt ein interessantes Bild über das, was Jugendliche glauben, was und wie sie über Gott denken.

Den Schülerinnen und Schüler habe ich Namen gegeben, um die Äußerungen besser zu unterscheiden.

1.2. "ICH GLAUBE NICHT AN GOTT, WEIL..."

(1) Jochen, 16

Ich glaube nicht an Gott, weil es so etwas wie Gott nicht geben kann. Bei soviel Leid und Unheil würde solch eine Gestalt helfen. Unser sogenannter Gott ist ein Bild, wo Menschen dran festhalten, da sie es von ihren Familien eingeprägt bekommen und so beeinflußt werden und keine eigene Meinung über Gott bilden können. Wenn es Gott gäbe, müßte er Kriege, Krankheiten, Seuchen und Epidemien im Keim ersticken und es würde keine Toten mehr geben. Auch der Hunger auf der Welt müßte durch ihn bekämpft werden. Doch meine Meinung ist, daß Gott nur Einbildung und eine Wunschfigur ist. Da es Menschen gibt, die sich an ihn klammern und irgendein Wunder immer dem "Gott" zusprechen und sagen "das war Gott", obwohl es nur Glück oder sowas war.

(2) Frank, 16

Mir ist es eigentlich alles scheißegal, aber ich glaube nicht an Gott, weil (etwas ist durchgestrichen, unleserlich).

Beim Wort Gott denke ich daran, daß jetzt wieder einmal ein langweiliger Kirchenbesuch drankommt.

(3) Matthias, 16

Ich glaube nicht an Gott, weil es für mich der größte Unsinn ist, den es gibt. Ich finde es ist nur ein Glaube sonst nichts. Man sollte an sich selbst glauben und nicht an solchen Schwachsinn wie Gott. Das Wort Gott ist nur ein Platzhalter für das, was man glaubt.

Wie stellst du dir Gott vor? Gar nicht.

Woran denkst du bei dem Wort Gott? Ich denke nur daran, daß "es" Gott war, der die Welt erschaffen hat, obwohl ich das nicht glaube.

Meine Mutter wie Geschwister und Freunde, da "hängt" zum größten Teil mein Herz.

(4) Rainer, 16

Gott ist ein alter Mann, hatte einen weißen Bart und ein weißes Gewand. Gott wurde noch nie gesehen und keiner kann sagen, wo er lebt. Ich behaupte auch, daß die Kirche Gott ganz falsch betrachtet und darstellt. Jeder Mensch sollte an was denken (Hauptsache gut) wie er es will. Man kann einen Menschen nicht zwingen, an irgend etwas zu glauben. Ich glaube nicht daran, was in der Bibel über Jesus steht.

(5) Nicole, 15

Gott ist eine Phantasiegestalt der Menschen. Man hat ihn erfunden, weil die Menschen an etwas "Höheres" glauben wollen. Es kann ja wohl sein, daß es Wunder gibt, die man sich nicht erklären kann, aber dann zu sagen, das hat Gott getan oder Gott hat mir ein neues Leben geschenkt, finde ich total Scheiße.

Das ist genauso für mich, als wenn man jetzt noch an den Weihnachtsmann oder Osterhasen glaubt. Ich glaube nicht an Gott, weil, wenn es ihn geben würde, er doch das Leid in Afrika beenden könnte. Ich glaube grundsätzlich nur an das, was ich auch sehe.

Wenn es ihn wirklich gibt, dann soll er sich gefälligst bemerkbar machen und das Leid auf der Welt beenden.

(6) Eva, 16

Gott ist: Irgendwas, Irgendwo!

Ein Mensch kann nicht sagen was Gott bzw. wer Gott ist. Gott ist halt irgendwo und irgendwer.

Ich behaupte auch, daß die Kirche Gott ganz falsch betrachtet und darstellt.

Jeder Mensch sollte so an Gott (oder an irgendwas g lauben (Hauptsache gut)) wie er es will. Man kann einen Menschen nicht zwingen, zu glauben. Das mit Gott ist akzeptabel, aber Jesus! Das ist ein Thema für sich. Ich glaube nicht an das, was in der Bibel über Jesus steht.

ReKi (Reinkarnation) ist was anderes, als das, was mit Jesus war (ich betone war). Eine Seele kann wandern, aber nur wenn noch was offen in seinem Leben steht. Aber im gleichen Körper, das kann es einfach nicht gewesen sein. Das ist meine Meinung.

(7) Melanie, 16

Ich glaube nicht an Gott, weil er ein ausgedachtes Objekt ist. Die Leute glauben wie verrückt an Gott, aber sie denken gar nicht richtig nach. Ich habe schon mehrere Leute gefragt, wie sind Neger entstanden, aber mir kann keiner eine Antwort geben. Adam und Eva waren doch weiß, wie konnten dann Neger entstehen?

Ich stelle mir keinen Gott vor, weil er nicht existiert. Ich brauche doch nicht für <=zu> Gott zu beten, weil er mich doch nicht schuf, er hat Adam und Eva geschaffen, aber doch nicht mich. Ich werde vielleicht an Gott glauben, wenn ich ihn sehe, aber ich habe ihn noch nie gesehen.

(8) Katja, 16

Ich glaube nicht an Gott, weil ich nicht religiös aufgewachsen bin. Aber manchmal bete ich trotzdem, wenn ich in Schwierigkeiten bin oder wenn ich irgendwelche Probleme habe. Ich glaube auch nicht an Gott, weil ich es mir nicht vorstellen kann, daß es ihn gibt. Daran kann ich nicht glauben.

"Worauf du dein Herz hängst und verläßt, das ist eigentlich dein Gott." Ich finde, das kann man nicht sagen, denn mein Herz hänge und verlasse ich nicht auf meinen Gott, sondern auf meine Familie und meinen Partner oder auf die Sachen, die mir wichtig sind.

(9) Thomas, 16

Gott ist eine Erfindung der Menschen, die vor <ein> paar Jahrhunderten was zum Glauben brauchten, weil es ihnen schlecht ging.

Ich glaube nicht an Gott, weil er eine Erfindung ist. Manchmal glaube ich an ihn (selten), wenn ich zum Beispiel im Lotto gespielt habe oder ein paar Wetten am Laufen habe.

Ich stelle mir ihn als unsichtbare "Macht" vor. Wenn ich an Gott denke, denke i ch an Kirche, Langeweile, "stocksteif".

(10) Fred, 16

Ich glaube nicht an Gott, weil ich ihn noch nicht gesehen habe. Ich kann ihn mir auch nicht vorstellen.

Bei dem Wort Gott glaube ich an gar nichts, weil ich nicht an Gott glaube.

Selbst wenn es einen Gott gibt, stelle ich ihn mir irgendwie hell vor, mit einem hellen Mantel und er hat irgend etwas auf dem Kopf (irgendeine Krone oder so etwas).

Wie ich schon sagte, ich glaube nicht an Gott und am meisten vertraue ich meinen Eltern und meinen Freunden, soweit ich ihnen vertrauen kann. Bei dem Wort Gott glaube ich an Gottesdienste und Beten.

Ich glaube nicht an Gott, weil bei mir noch kein Wunder passiert ist und weil er mir eigentlich noch nie geholfen hat. Und ich könnte Gott auch gar nicht vertrauen, weil ich (wie gesagt) ihn gar nicht kenne und weil ich keinen Grund kenne, ihm zu vertrauen. Ich habe damals an Gott geglaubt und ich habe ihm vertraut.

(11) Olaf, m., 16

Ich glaube nicht an Gott, weil...

1.3. "MENSCHEN GLAUBEN AN GOTT"

(12) Stefan, 16

Woran denkst du bei dem Wort Gott?

Gott ist der Schöpfer der Erde. Ohne ihn würde es vielleicht kein Leben auf der Erde geben. Außerdem hält Gott die Erde in seinen Händen. Gott herrscht über uns alle. Er ist halt unser Gott, an den alle denken. Er ist a ber nicht immer da, wenn man ihn braucht.

Warum ich nicht mehr zu Kirche gehe! Weil ich zu schnell einschlafe und weil es zu altmodisch ist.

(13) Uwe, 17

Gott ist was Besonderes, er hat die Erde, Menschen usw. erschaffen, er sorgt sich um die Menschen. Menschen glauben an Gott, aber nicht alle.

1.4. "ICH GLAUBE AN GOTT, WEIL..."

(14) Marie, 16

Gott ist... für mich ein Mensch, der in der Bibel und in anderen Büchern dargestellt wird. Der Glaube zu Gott wird dadurch verkörpert. Viele Menschen glauben daran. Ich glaube nur Bruchstücke, da ich mir die Geschichten der Bibel nicht direkt vorstellen kann.

Es mag ja vielleicht Wunder geben, aber ich glaube nicht daran. Es sterben Menschen, die durch andere getötet werden und Gott soll sie holen, so ein Schwachsinn.

(15) Ulf, m., 16

Gott ist eine Person, an die die Menschen glauben. Er soll uns beschützen. Wenn ein Unfall passiert ist, und alles gut gegangen ist, dann sagen die Leute meistens: Gott sei Dank.

Wenn ich an Gott denke, stelle ich ihn mir als Freund vor. Ab und zu habe ich meine Zweifel. Wenn ich das Wort Gott höre, denke ich immer an spießige

Pastoren

An Gott zu glauben ist nicht schlecht, aber mein Leben danach zu bestimmen tu ich nicht.

Das, was mich am meisten an der Glaubensgeschichte stört, ist die Kirche. Die Pastoren sind nicht aufgeschlossen. Das ganze ist total veraltet. Es muß alles neu überdacht werden und von den alten Vorstellungen weggegangen werden. Der Motorradgottesdienst in Berge ist ein gutes Beispiel.

(16) Rolf, 17

Gott ist eine große Macht, die nicht in unserer Welt existiert, aber eine große Gewalt auf uns hat.

Ich weiß nicht, warum ich an Gott glaube, es ist halt so, und der Mensch braucht den Glauben an etwas.

Ich stelle mir Gott wie elektrische Energie vor. Sie ist zwar nicht zu sehen, aber sie ist doch da und sie kann sehr viel bewirken. Der elektrische Strom ist so ähnlich wie Gott, er kann auch über Leben und Tod entscheiden.

Mich stören an der Kirche zwei Dinge:

1. Es gibt Pastoren, die sich gegen die menschlichen Bedürfnisse und Interessen wenden.
2. Ich finde den Gottesdienst zum Kotzen, da er nur für die alten Menschen gemacht wird.

(17) Stelle, 16

Gott ist, was man nicht sehen und nicht hören kann, man kann nur an ihn glauben. Ich glaube an Gott. Ich glaube, daß die Seele nach dem Tod noch im Himmel leben wird. Ich stelle mir unter Gott ein großes, männliches Gesicht vor. Bei dem Wort Gott denke ich an Glaube und Himmel.

Manche Völker haben einen bestimmten Glauben und Vorschriften. Z.B. man d arf bei Mädchen die Haare nicht abschneiden, Tuch tragen, nur Röcke tragen und <die Mädchen> dürfen nicht vor der Hochzeit mit einem Jungen gehen oder schlafen. Ich halte nichts von solchen Vorschriften, weil die Menschen das selber ausgedacht haben und das nicht von Gott kommt. Man kann auch an Gott glauben, ohne die Vorschriften und ohne in die Kirche zu gehen.

(18) Ursula, 16

Gott ist: eine Gestalt, die noch niemand gesehen hat und niemand sagen kann, wo er ist und wie er aussieht.

Ich glaube an Gott, aber nicht an Jesus, weil Jesus für mich nur eine Erfindung ist. Wie stellst du dir Gott vor? Ein kleiner, alter Mann mit kurzen Beinen, langen Armen und einem riesigen Kopf Woran denkst du bei dem Wort Gott? Ich denke an Himmel, Kirche, Liebe. Haß und Wetter!

Das ist Quatsch von Martin Luther, mein Freund ist doch nicht mein Gott und meine Familie auch nicht.

(19) Jan, 17

Gott ist eine Macht, die es irgendwo gibt.

Ich glaube an Gott, weil ich ein Christ bin und weil ich ein Mensch bin und weil ich an Wunder glaube * z.B. in den Köpfen der Menschen, in dem Weltraum...* Wie stellst du dir Gott vor? Ich stelle mir Gott vor als eine Kraft, die Menschen und Tiere, Pflanzen und die Welt steuert und beschützen tut.

Woran denkst du bei dem Wort Gott? An eine Macht, die die Welt bewacht und beschützt.

"Worauf du dein Herz hängst und verläßt, das ist eigentlich dein Gott." Jein. Man glaubt an Gott, aber die Familie, der Arbeitsplatz sind wichtiger als Gott.

(20) Ulrich, 16

Gott ist der Erschaffer der Welt, der Herrscher der Welt, er ist der Allmächtige, er ist ein unbekanntes Wesen. Er hat einen Sohn namens Jesus. Er ist unsterblich, er bestimmt unsere Träume, Gedanken und alles, was wir tun oder nicht tun sollen, er läßt die Gerechtigkeit wallten und nimmt jedem seine Sünden, egal ob derjenige ein Mörder oder ein Mönch ist.

Ich glaube an Gott, weil er mich beschützt, mir hilft bei schweren Entscheidungen, er bestimmt mein Leben, er weiß alles, was in Zukunft passiert, ich ihn vielleicht nach dem Tode sehen werde, er behandelt jeden Menschen gleich, er verzeiht mir alles, was ich getan habe, er mich schon 16 Jahre auf dieser Erde sein läßt, er hält jeden Menschen für etwas Besonderes, jeder Mensch ist einmalig. Er kann die Erde zerstören, wenn er Lust hat.

Ich stelle mir Gott als ein unsterbliches, großes, gutmütiges Wesen vor, das auch einen Sohn hat.

Das Wort Gott ist ein kleines Wort für ein großartiges Wesen, das die Welt erschaffen hat.

Ich denke viel an Gott und spreche zweimal am Tag ein Gebet, wo ich <um> Schutz für meine Familie bete und mich bei ihm entschuldige.

(21) Horst, 17

Gott ist der Vater von Jesus Christus aus dem Alten Testament. In der Zeit wo Jesus Christus gelebt hat, wurde Jesus als Sohn Gottes bezeichnet. Das Volk Nazareth bekannte sich dann zum Heiligtum von Gott. Die Menschen sahen Jesus, den Sohn Gottes, als Wunderheiler. Sie dachten Gott übertrage seine ganze Kraft und Wahrheit den kranken und den schwachen Menschen. Ich stelle mir Gott vor: Er wird als gutgläubiger Gott dargestellt. So stelle ich mir Gott vor.

Ich glaube an Gott, weil er eine Person ist, die man sich ganz verschieden vorstellen kann. Ich glaube an Gott, weil er mir in manchen schwierigen Situationen hilft und mir Kraft gibt, um wieder Sachen zu beenden.

Wie stellst du dir Gott vor?

Gott kann man sich ganz verschieden vorstellen. Kleine Kinder stellen sich Gott als netten, alten Mann vor, mit weißem Bart, einem weißen Gewand und einen Heiligenschein.

Woran denkst du bei dem Wort Gott?

Das Wort "Gott" wird oft in der Kirche, bei Gebeten angewandt. Der Pastor will mit dem Wort"Gott" uns daran erinnern, daß Gott unser heiliger Vater ist. "Worauf du..." . Ich hänge mein Herz an den Frieden und Fröhlichkeit auf der Erde. Das mir auf der Erde Freiden und Ruhe herrscht. Darauf kommt es mir an. Ich glaube nicht Diese Aussage verdeute <=verleugne) ich, weil ich an Gott glaube. Aber die Menschen, die dieses sagen, meine ich nicht. Sie glauben, daß Gott irgendwie einen Wunderheiler oder Hexenmeister darstellt. Deswegen meine ich, daß diese Aussagen falsch sind.

2. INTERPRETATION DER SCHÜLERÄUSSERUNGEN

2.1. GRUPPE I: "ICH GLAUBE NICHT AN GOTT, WEIL..."

Die Äußerung von Olaf (11) fällt aus dem Rahmen. Er hat lediglich den Satz "Ich glaube nicht an Gott, weil..." zu Papier gebracht. Mehr findet sich nicht.

Mit diesem Satz bekennt er, daß er nicht an Gott glaubt. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Oberflächlich gesehen könnte es sein, daß er seinen "NichtGlauben" nicht verbalisieren kann. Vielleicht hat er es nicht gelernt, seine Gefühle, Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte religiöser Fragen zu artikulieren. Oder hatte er einfach keine Lust, zu dem Thema etwa zu schreiben?

Die anderen zehn Schülerinnen und Schüler dagegen sagen offen und ehrlich, was sie von Gott, von dem Glauben und von der Kirche halten.

2.1.1. GOTTESBILDER UND GOTTESVORSTELLUNGEN

Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist Gott nicht existent. Gott ist ein "Bild" (1+5), eine "Einbildung", "Erfindung", "Phantasiegestalt" bzw. "Wunschfigur" der Menschen (1,3,5, 7-9), die etwas "Höheres" brauchten, an das sie glauben konnten (5+9). "Die Wirklichkeit Gottes wird psychologisch reduziert."2 "Gott" wird als Hilfsinstrumentarium angesehen, das als überweltliches Wesen den Menschen letzter Erklärungsgrund für Erfahrungen und Begebenheiten ist, die sich nicht erklären lassen.

Für Nicole (5) ist der Glaube an Gott genauso wie der Glaube an den Weihnachtsmann oder Osterhasen. "Heute", damit meint sie wohl die aufgeklärte, naturwissenschaftlich-rationale Welt, könne man daran nicht mehr glauben. Eva (6) schreibt, daß "ein Mensch nicht sagen (kann) was bzw. wer Gott ist". "Gott ist irgendwas, irgendwo!". Für Thomas (9) ist er eine "unsichtbare Macht". Rainer (4) und Fred (10) äußern ein konkretes Gottesbild. Für Rainer ist Gott ein alter Mann mit weißem Bart und Gewand. Interessant ist aber, daß Rainer nach diesem anthropomorphen Gottesbild sofort hinzufügt, daß Gott noch nie gesehen wurde und niemand weiß, wo er wohnt. Rainer kann diese Dialektik nebeneinader stehen lassen. Ähnlich ist es auch bei Fred. Er sagt, daß er sich Gott nicht vorstellen kann, weil er ihn noch nicht gesehen hat. Wenn es ihn allerdings gibt, dann stellt er sich ihn "irgendwie hell...mit einem hellen Mantel und irgend etwas auf dem Kopf" (Krone) vor. Beiden Schülern ist gemein, daß sie sich Gott in hellen (weißen) Farben vorstellen. Weiß als die symbolische Farbe für das Gute, das Leben, das Licht, die Auferstehung?!

2.1.2. GOTTESERWARTUNGEN

Wenn ich gerade geschrieben habe, daß für die Schülerinnen und Schüler Gott nicht existent ist, so gilt dies nur auf den ersten Blick, denn schaut man genauer hin, so finden sich Hinweise, daß sie insgeheim mit der Existenz Gottes rechnen. Am deutlichsten wird dies bei Katja (8) und Thomas (9). Katja betet, wenn sie in Schwierigkeiten ist oder irgendwelche Probleme hat. Und Thomas glaubt an Gott, wenn er Lotto gespielt oder gewettet hat. Beide erwarten in ihren jeweiligen Situationen Hilfe von Gott. Für Beide ist Gott demnach "manchmal, trotzdem" (Katja) bzw. selten (Thomas) existent. Beide "möchten Gott persönlich spüren und als den Handelnden erfahren"3. "Zu fragen ist..., in welcher Grundhaltung Gottes Hilfe erbeten wird. Wird das `Dein Wille geschehe' mitgesagt"4, oder ist Gott für sie nur ein "Notnagel", der in bestimmten Situationen zu helfen hat, den man aber sonst in die Ecke stellen kann?

Auch Jochen, Rainer, Nicole, Melanie und Fred rechnen insgeheim mit Gott. Wenn Rainer, Nicole, Melanie und Fred schreiben, daß sie Gott noch nie gesehen haben bzw. wenn sie ihn sehen würden, dann auch an ihn glauben würden, so beinhalten diese Aussagen, daß die Schülerinnen und Schüler in ihrem Inneren mit Gott noch nicht abgeschlossen haben. Sie erinnern an den `ungläubigen Thomas' oder an die Pharisäer, die Zeichen fordern, um an Jesus Christus zu glauben. Die Bereitschaft zum Glauben ist da, aber es fehlt das Vertrauen, sich fallenzulassen. Bezeichnend ist es auch, daß die Schülerinnen und Schüler die Existenz Gottes vom Leiden in der Welt abhängig machen. Da es das Leid (in Afrika), da es Kriege, Krankheiten, Seuchen, Epidemien und den Tod in der Welt gibt, kann es Gott nicht geben. Die Ohnmacht Gottes angesichts des Leides führt in die Verleugnung seiner Existenz.

2.1.3. GOTTESBEZIEHUNGEN

Eine (feste) Gottesbeziehung5 hat keine/keiner der Schülerinnen und Schüler. Lediglich Katja und Thomas beten/glauben in bestimmten Situationen zu/an Gott. Bei Fred (10) scheint es einmal eine feste Gottesbeziehung gegeben zu haben, obwohl sich gerade bei ihm viermal der Satz "Ich glaube nicht an Gott" findet. Oder vielleicht gerade deshalb? Im letzten Satz schreibt Fred: "Ich habe damals an Gott geglaubt und ich habe ihm vertraut!" Gerade dieses "Vertrauen" deutet auf eine engere Gottesbeziehung hin, als die von Katja und Thomas. Und das Vertrauen ist enttäuscht worden. Zweimal benennt er es: "...ich könnte Gott auch gar nicht vertrauen..."; "...weil ich keinen Grund kenne, ihm zu vertrauen...". Welches Ereignis dieses Vertrauen zu Gott erschüttert hat, nennt Fred nicht. Er deutet nur an, daß bei ihm "noch kein Wunder passiert" sei, daß ihm "Gott noch nie geholfen habe". Soviel scheint jedenfalls sicher: Fred hat sich in einer Situation, die für ihn existentiell war an Gott gewandt und er ist von ihm enttäuscht worden.

An die Stelle der Beziehung zu Gott treten bei Matthias, Katja und Fred die Beziehungen zur Familie und zu Freunden (3, 8, 10). An den Personen dieser Gruppen "hängt ihr Herz", ihnen bringt man Vertrauen entgegen, wenn auch nur bis zu einem gewissen Punkt, wie es Fred formuliert. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen sind für die drei wichtig. Sie sind erlebbar und in gewisser Weise auch steuerbar. Hier hat man ein Gegenüber in der Welt, von dem man Hilfe, konkrete Hilfe, erwarten kann. Für Matthias ist zudem der Glaube an die eigene Stärke wichtig. Vielleicht hat er gerade eine solche Erfahrung gemacht. Bei Matthias finden sich gar keine Hinweise auf eine versteckte Glaubenssehnsucht. Auch die Aussage, daß er bei dem Wort Gott daran denkt, daß Gott die Welt erschaffen habe, wird von ihm nur als Wissensinhalt dargeboten6, aber keinesfalls als Glaubensaussage.

2.1.4. RELIGI Ö SES URTEIL

Aussagen, die das religiöse Urteil betreffen sind schon angeklungen. So, wenn die Schülerinnen und Schüler behaupten, daß es Gott nicht geben kann, weil das Leid auf der Welt existiert.

Interessant ist auch das Argument, daß religiöse Sozialisation den Glauben fördert/garantiert (Katja, 9) und daß der Glaube an Gott eine Art Traditionsgut der Familien ist, das von Generation zu Generation weitergegeben wird (Jochen, 1). Jochen moniert, daß sich die Menschen so "keine eigene Meinung über Gott bilden können", sondern "beeinflußt werden". Auch Rainer und Eva7 (4+6) wenden sich dagegen, einen Menschen zu zwingen, an etwas zu glauben. Jeder Mensch solle glauben, was er wolle, Hauptsache, es sei gut.

Eventuell kommen Jochen, Rainer und Eva zu diesen Aussagen, weil sie daheim (von den Eltern oder Großeltern) einen sanften Druck in Sachen Glauben verspürt haben oder noch verspüren. Vielleicht wenden sie sich aber auch ganz allgemein gegen das Christentum als gesellschaftliche Autorität.

2.1.5. FAZIT

abgeschrieben haben. 11

Obwohl alle elf Schülerinnen und Schüler deutlich sagen, daß sie nicht an Gott glauben, ist bei den meisten ein Hinweis zu finden, daß sie zumindest die Existenz Gottes nicht völlig leugnen (auch wenn es zunächst so aussieht8 ). Lediglich bei drei Schülern9 habe ich den Eindruck, daß ein solcher Hinweis in den Äußerungen nicht zu finden ist. Auch, wenn die Schülerinnen und Schüler Gott und den Glauben in das Reich der Fabeln und Phantasien verweisen. Dieses sind Urteile, die es ernstzunehmen gilt und die nicht so einfach vom Tisch gewischt werden können. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem Glauben auseinander. Sie stellen die "ontologische Frage" (Ist Gott wirklich?) sowie die "Geltung- und Wahrheitsfrage"10 (Ist das über Gott Gesagte wahr und überzeugend?). Auf diese existentiellen Fragen ist religionspädagogisch zu reagieren.

Leider hat man als Religionspädagoge in den Schulen nur wenig Zeit (1-2 Stunden pro Woche), um diese wichtigen Fragen anzusprechen, um den Schülerinnen und Schülern Seelsorger und Helfer auf ihrem Glaubensweg zu sein.11

2.2. GRUPPE II: "MENSCHEN GLAUBEN AN GOTT"

Stefan und Uwe lassen nicht erkennen, ob sie persönlich an Gott glauben. Beide sprechen davon, daß die Menschen an ihn glauben/denken. Für Stefan sind es alle, die an unseren Gott denken, für Uwe glauben nicht alle an ihn. Weder Stefan noch Uwe ordnen sich in dieses Kollektiv ein. Stefan spricht zwar zweimal in der 2.Person Plural, doch wird nicht deutlich, ob er sich hier miteinbezieht oder nicht. Für beide Schüler ist Gott der Schöpfer der Erde und der Menschen. Stefan betont mehr die bewahrenden, herrschenden Eigenschaften Gottes. Für Uwe ist Gott der- genug, der sich um die Menschen sorgt. Diese Fürsorge vermißt Stefan, denn für ihn ist Gott "nicht immer da, wenn man ihn braucht." Verbirgt sich hinter diesem "man" auch Stefans Gotteserfahrung? Ich tendiere dahin, diese Frage zu bejahen, denn insgesamt macht Stefan positive Äußerungen über Gott (Schöpfer, Lebens- spender, bewahrender Herrscher). Dieses deutet daraufhin, daß er zumindest mit Gott rechnet, ja wahrscheinlich sogar an ihn glaubt. Direkte Aussagen dazu macht er allerdings - genauso wie Uwe - nicht. Eine Gottesbeziehung der beiden Jungen ist aus ihren positiven Äußerungen dennoch anzunehmen.

2.3. GRUPPE III: "ICH GLAUBE AN GOTT, WEIL..."

Innerhalb dieser Gruppe gibt es Unterschiede hinsichtlich der "Qualität" der Aussagen, die den Satz "Ich glaube an Gott, weil..." begründen. Auf der einen Seite haben wir Marie, Ulf und Rolf (14-16), die ihre Glaubensaussagen relativieren. Auf der anderen Seite stehen Ulrich und Horst (20+21), bei denen ich eine gelebte Gottesbeziehung herauslese. Ulrich und Horst werde ich am Ende gesondert interpretieren, da ihre Aussagen sehr komplex sind und deshalb als Einheit betrachtet werden müssen.

2.3.1. GOTTESBILDER UND GOTTESVORSTELLUNGEN

Für Marie (1) und Ulf (15) ist Gott ein Mensch/eine Person, an den die Menschen glauben. Marie sagt hierzu nichts weiter. Für sie wird Gott "in der Bibel und anderen Büchern dargestellt". Sie selber glaubt nur "Bruchstücke", da sie sich "die Geschichten der Bibel nicht direkt vorstellen kann." Sie verneint nicht, daß es Wunder gibt, doch sie glaubt nicht daran. An welche "Bruchstücke" sie glaubt, sagt sie allerdings nicht. Sind es etwa die Geschichten, in denen sich Gott oder Jesus den Menschen wie ein Mensch, also ohne ein Wunder zu vollbringen, zuwendet (AT, Joh, 8, 1ff), da Gott für sie ein Mensch ist?

Ulf dagegen konkretisiert seine Aussagen dahingehend, indem er sagt, Gott stelle er sich als Freund vor. Auch er denkt an die menschliche Zuwendung Gottes.

Für Rolf, Stella, Ursula und Jan ist Gott eine ferne, distanzierte Macht/Kraft. Irgendwo, unsichtbar, nicht hörbar, nicht auf dieser Welt. Aus diesen Aussagen ziehen sie aber nicht die Konsequenz, deswegen sei der Glaube an Gott Unsinn. Stella drückt dies so aus: "man kann nur an ihn glauben". Für Jan ist Gott die Macht/Kraft, die ganze Schöpfung (Menschen, Tiere, Pflanzen, Welt) "steuert", "beschützt" und "bewacht". Gott als "Macht, die es irgendwo gibt", greift für ihn aktiv in das Weltgeschehen ein. Er sagt allerdings nicht, daß Gott auch auf sein Leben Einfluß hat. Die Begründungen, weshalb er an Gott glaubt, klingen distanziert und allgemein: 1. weil er Christ ist, 2. weil er ein Mensch ist und 3. weil er an Wunder glaubt. Ich habe lange über diese Begründungskette nachgedacht. Ist es einfach nur eine leere Floskel, wenn er sagt, er sei Christ, nach dem Motto: als Christ muß man ja schließlich an Gott glauben? Oder ist dies eine Bekenntnisaussage? Verbirgt sich dahinter die natürliche Gotteserkenntnis (ein Mensch, jeder Mensch glaubt an Gott)?

Und der Wunderglaube? Ist er b ezogen auf naturwissenschaftliche Entdeckungen, die bewundernswert sind, wie das Funktionieren des menschlichen Gehirns oder die wundersame, unendliche Weite des Weltalls? Sind dies für ihn Beispiele für die Wunder Gottes? Für Jan ist Gott in jedem Fall eine positive Macht. Er ist Lenker, Beschützer und Wächter.

Für Rolf (16) ist Gott in dieser Welt nicht existent. Dennoch hat er "Gewalt über uns", ähnlich wie die elektrische Energie: sie ist unsichtbar und doch da und kann viel bewirken, kann über Leben und Tod entscheiden.

Ein anderes Gottesbild hat Ursula (18). Sie stellt sich Gott wie einen kleinen, alten Mann mit kurzen Beinen, langen Armen und einem riesigen Kopf vor. Besonders die langen Arme und der riesige Kopf fallen mir auf. Stehen die langen Arme und der riesige Kopf für die Allmacht Gottes? Er könnte überall eingreifen, er weiß alles? Und die kurzen Beine dann dafür, daß er es aber nicht tut, denn mit kurzen Beinen kann man schlecht laufen, sich nicht gut bewegen?!

Interessant finde ich die Assoziationen, die Ursula bei dem Wort Gott kommen: "Himmel" (soll Gott hier "wohnen"?), "Kirche" (sie spricht von Gott), "Wetter" (Gott macht es), "Liebe" (Gott das Prinzip/der Garant des Guten).

Aber wieso der Haß? Denkt sie an die Greueltaten der Menschen, die im Namen des dreieinigen Gottes gemordet haben (Missionierung der Kolonien, Inquisition, Hexen- und Ketzerverbrennungen)?

2.3.2. GOTTESERWARTUNGEN, GOTTESBEZIEHUNGEN UND ÄÜSSERUNGEN ÜBER JESUS

Oder kommt in Ursulas (18) Äußerung ein Aspekt ihrer Gottesbeziehung zum Vorschein? Hat sie Gott gehaßt oder haßt sie ihn, weil er irgendwann in ihrem Leben nicht da war, als sie ihn brauchte? Dennoch sagt sie ja, daß sie an Gott glaubt. Den Glauben an Jesu lehnt sie allerdings ab, da Jesus für sie nur eine "Erfindung" ist. Leider begründet sie dies nicht.

Auffällig ist, daß bislang keine Schülerin und kein Schüler - auch nicht die der ersten Gruppe - eine positive Äußerung zu Jesus gemacht haben. Wenn überhaupt von Jesus die Rede war, so äußerten diese Schülerinnen und Schüler ihr Mißfallen über Jesus und die Jesusüberlieferung. Rainer (4) und Eva (6) lehnen die biblischen Berichte über Jesus ab. Eva bringt in diesem Zusammenhang Überlegungen zur Reinkarnation. Diese sei etwas anderes "als das, was mit Jesus war". Und sie fügt hinzu: "ich betone war". Durch dies doppelte Vergangenheit macht sie deutlich, daß das Jesusgeschehen für sie in der Gegenwart keine Bedeutung mehr hat.

Bei 16 Schülerinnen und Schülern12 kommt Jesus überhaupt nicht vor13. Lediglich Ulrich und Horst (20+21) gehen positiv auf Jesus ein (s.u.).

Betrachten wir wieder die Äußerungen zur Gotteserwartung und -beziehung, so fällt auf, daß die Schülerinnen und Schüler, obwohl sie an Gott glauben, für sich persönlich wenig von ihm erwarten und ihre Gottesbeziehung nicht artikulieren. Rolf (15) und Jan (19) erwarten Schutz. Diese Schutzerwartung beziehen sie aber nicht auf ihr eigenes Leben, sondern sie bleiben in ihren Äußerungen global (Schutz der Menschen und der Welt). Stella (17) äußert den Glauben (und die Hoffnung), "daß die Seele nach dem Tod noch im Himmel leben wird." Sie sagt zwar nicht direkt, daß Gott dies bewirken soll, aber aus dem Kontext kann dies angenommen werden.

Ulf (15) stellt sich Gott als Freund vor. Er hat zwar manchmal seine Zweifel, aber an "Gott zu glauben ist nicht schlecht". Dies hat für seine Lebensausrichtung jedoch keine Konsequenzen, denn sein "Leben danach zu bestimmen" macht er nicht. Liegt es vielleicht daran, weil er die Pfarrer für "spießig", "nicht aufgeschlossen" und an den alten Vorstellungen" klebend hält? Möchte er nicht in der Form seinen Glauben leben? Oder sind ihm die ethischen Weisungen Jesu zu unbequem, findet er, daß sie nicht einzuhalten sind? Rolf (16) und Jan (19) scheinen sich über ihre Gottesbe-ziehung wenig Gedanken zu machen. Sie stehen dieser scheinbar gleichgültig gegen- über. Rolf: "Ich weiß nicht, warum ich an Gott glaube, es ist halt so, und der Mensch braucht den Glauben an etwas." Jan: "Ich glaube an Gott, weil ich ein Christ bin, weil ich ein Mensch bin..."14.

2.3.3. RELIGI Ö SES URTEIL

Stella (17) übt Kritik an religiösen Vorschriften, Traditionen und Maßstäben. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen Äußerlichkeiten (Mädchen müssen lange Haare, Tuch und Röcke tragen) und ethisch-moralischen Maßstäben (nicht vor der Hochzeit mit einem Jungen gehen und schlafen). Sie spricht von "Vorschriften", die "manche Völker haben". Sie scheint aus einer familiären oder zumindest gesellschaftlichen Umgebung zu kommen, in denen diese Regeln Gültigkeit haben.

Offenbar war und/oder ist dies für sie ein Konfliktfeld. Sie lehnt diese Vorschriften eindeutig ab, "weil die Menschen das selber ausgedacht haben und das nicht von Gott kommt." An Gott könne man auch glauben "ohne die Vorschriften und ohne in die Kirche zu gehen". Stellas Kritik an den Äußerlichkeiten halte ich für berechtigt. Es ist zu fragen und mit ihr zu diskutieren, ob der Glaube und das Leben aus dem Glauben ohne Verbindlichkeiten (z.B. das 6. Gebot vgl. dazu Jesu Aussagen in der Bergpredigt) und Gemeinschaft (z.b. Kirchgang) auskommt.

Für Marie (14) trägt Gott nicht die Verantwortung dafür, daß sich die Menschen gegenseitig töten: "Es sterben Menschen, die durch andere getötet werden und Gott soll sie holen, so ein Schwachsinn." Hier klingt die billige Vertröstung durch, mit der oft zu schnell unverschuldetes Leid und unverschuldeter Tod erklärt wird ("Gott hat das so gewollt!" "Gott hat ihn/sie zu sich geholt!").

2.3.4. FAZIT

Auffällig ist, daß die Schülerinnen und Schüler, obwohl sie aussagen, an Gott zu glauben, wenig von ihm erwarten und bei den meisten auch nicht sichtbar wird, daß sie eine persönliche Gottesbeziehung haben. Glaube ist Glaube an Gott. Gott ist durchaus nicht als der christliche Gott erkennbar, denn die Schülerinnen und Schüler äußern sich nicht bzw. wenn, dann nur ablehnend zu Jesus.

2.3.5. ULRICH UND HORST (20 + 21)

"Das Wort Gott ist ein kleines Wort für ein großartiges Wesen!", so schreibt Ulrich. Dementsprechend positiv und "großartig" fallen auch die Attribute aus, die er Gott beilegt: Er ist der Herrscher und Erschaffer der Welt. Er ist der Allmächtige, denn er kennt 1. die Zukunft, könnte 2., je nach Lust und Laune, die Erde zerstören und bestimmt 3. die Träume und Gedanken der Menschen und deren Handeln. Er ist ein unstrebliches, großes, gutmütiges Wesen. Diese Gutmütigkeit äußert sich darin, daß er Gerechtigkeit wallten läßt. Trotz dieser genauen Gottesvorstellung, sagt Ulrich, daß Gott "ein unbekanntes Wesen" ist. Ich denke, er will mit dieser Aussage die Großartigkeit Gottes ausdrücken, die nur mit zahllosen Attributen beschrieben werden kann. Letztendlich aber sind alle Wort zu gering, um Gott fassen zu können.

Für Ulrich ist Gott, ebenso wie für Horst, der Vater Jesu. Horst fügt noch hinzu, daß Gott der Gott des Alten Testaments sei. Hier kommt ein Wissen um die Zusammengehörigkeit Alten und Neuen Testaments zum Vorschein. Und auch, daß Jesus der im Alten Testament verheißene Messias ist. Für Horst ist Gott ein "gutgläubiger Gott"15 und "eine Person..., die man sich ganz verschieden vorstellen kann." Hierfür nennt er als Beispiel die Gottesvorstellung von "kleinen Kinder", die "sich Gott als netten, alten Mann..., mit weißem Bart, einem weißen Gewand und Heiligenschein" vorstellen. Ich glaube nicht, daß Horst sich Gott auch noch so vorstellt. Sein Gottesbild deutet eher auf den helfenden, aber dennoch nicht anthropomorphen, sondern "abstrakten" Gott hin.

Horst äußert einige Gedanken über Jesus. Er ist der Sohn Gottes. So wurde Jesus zu seinen Lebzeiten bezeichnet. Die Menschen sahen in Jesus einen Wunderheiler. Sie glaubten, daß Gott "seine ganze Kraft und Wahrheit den kranken und schwachen Menschen" übertrage. Es wird nicht ganz deutlich, was Horst mit dieser Aussage meint. Ich glaube aber, daß er an die Übertragung der Kraft und Wahrheit Gottes auf Jesus denkt, die dieser dann den Menschen weitergegeben hat. Nur so kann ich mir den Zusammenhang erklären, in dem diese Aussage steht.

Die Gotteserwartungen und Gottesbeziehungen lassen sich bei Ulrich und Horst nicht voneinander trennen, denn beide Jungen haben eine persönliche Beziehung zu Gott. Von ihm erwarten sie ganz real Hilfe in ihrem Leben. Ulrich drückt dies so aus:

Gott hilft mir in schweren Entscheidungen, bestimmt mein Leben, verzeiht mir alles, beschützt mich (schon 16 Jahre lang). Er denkt viel an Gott und betet zweimal am Tag (Bitte um Schutz für die Familie, Bitte um Verzeihung für die Sünden).

Auch Horst äußert sich ähnlich. Er sagt, daß Gott ihm in machen schwierigen Situationen schon geholfen habe und daß er ihm Kraft gebe, "um wieder Sachen zu vollenden." Zum Gebet sagt er nichts.

Aus beiden Äußerungen geht hervor, daß sie eine lebendige Gottesbeziehung haben. Für beide Jungen ist Gott nicht eine ferne Macht, die mit dem eigenen Leben nichts zu tun hat, sondern sie rechnen beide mit Gott in ihrem ganz konkreten Alltag. Ja mehr noch, sie haben die Hilfe Gottes auch schon direkt ungewöhnlich. Wahrscheinlich meint Horst aber, Gott ist gut und erfahren.

Für Ulrich ist Gott der total gnädige, allversöhnende und liebende. Nach seinem Urteil vergibt Gott jedem Menschen, "egal ob derjenige ein Mörder oder ein Mönch ist." Jeder Mensch wird von Gott gleich behandelt, denn Gott "hält jeden Menschen für etwas Besonderes, jeder Mensch ist einmalig." Der strafende oder ungerechte Gott (warum läßt Gott das Leid auf der Welt zu?) kommt Ulrich nicht in den Blick. So auch bei Horst. Ihm kommt es auf Frieden, Ruhe und Fröhlichkeit in der Welt an. Daran hängt er sein Herz. Er lehnt die Menschen, die nicht an Gott glauben nicht ab. Er lehnt das Verständnis von Gott als einen Wunderheiler oder Hexenmeister ab. Obwohl er weiter oben in seinen Äußerungen von Jesus als dem Wunderheiler spricht. Es ist nicht ganz klar, wie er diese Aussage im Zusammen- hang mit Gott als Hexenmeister meint. Denkt er vielleicht an okkulte Praktiken, die Gott mit Wundern in Beziehung bringen? Für Ulrich jedenfalls ist Gott "unser heiliger Vater", ein Helfer, der im Leben Kraft gibt.

2.3.5.4. Fazit

Ulrich und Horst haben die intensivste Gottesbeziehung von allen Schülerinnen und Schülern. Für beide ist Gott eine bestimmende Größe in ihrem Leben.

3. WIE HILFREICH WAR DIE THEORIE FOWLERS BEI DER INTERPRETATION?

3.1. EINLEITUNG

Für mich war die Theorie Fowlers bei der Interpretation wenig hilfreich. Viellicht lag dies daran, daß ich doch relativ kurze Statements der Schülerinnen und Schüler vorliegen hatte. Um ein geordnetes und konkretes Gottesbild zu erheben, in dem auch die verschiedenen - oder wenigstens einige - Glaubensstufen zum Vorschein kommen, hätte ich sicherlich längere (Tiefen-) Interviews benötigt.

Die Ergebnisse der Interpretation decken sich aber dennoch grob mit den Ergebnissen Fowlers. So kann ich mit Fowler zunächst ganz allgemein feststellen, daß der "Glaube...so fundamental (ist), daß keiner von uns lange gut ohne ihn leben kann..."16. Die Ergebnisse der Untersuchung haben gezeigt, daß auch die Gruppe der Schülerinnen und Schüler, die nicht an Gott glauben, doch insgeheim etwas von ihm erwarten, Es scheint tatsächlich so zu sein, daß die Menschen seit der Schöpfung "eine genetisch angelegte Fähigkeit...zur Partnerschaft mit Gott"17 besitzen18. An dieser Stelle muß der Religionspädagoge ansetzen, um den Schülerinnen und Schülern bei der Aktivierung dieser Fähigkeit zu helfen. Bei dieser Arbeit kann die Theorie Fowlers ihm behilflich sein. Hat der Religionspädagoge erkannt, wie die Schülerinnen und Schüler seiner Klasse an Gott glauben, was sie vom Glauben und seinen Inhalten halten und wie sie Glaube und Welterfahrung zusammenbringen, dann kann er die einzelnen Schülerinnen und Schüler einer Glaubensstufe zuordnen. Er kann nun bei Fowler nachlesen, welche allgemeinen Grunderfahrungen und -voraussetzungen für die jeweilige Stufe verantwortlich sind. In einem letzten Schritt muß er überlegen, welche Themen und biblischen Texte angebracht sind, "um die potentielle Stärke des Glaubens...voll zu realisieren und die Neubearbeitung des Glaubens...auf dem Laufenden zu halten."19

3.2. ZUORDNUNG DER ÄUSSERUNGEN ZU DEN EINZELNEN GLAUBENSSTFUFEN

Fowler beschreibt in seinem Buch "Stufen des Glaubens" sechs solcher Stufen20. Diesen Glaubensstufen voran geht das Säuglingsalter und der "undifferenzierte Glaube" des Kleinkindes21. Stufe 1 ist der "intuitiv-projektive Glaube" der frühen Kindheit22. Es folgen der "mythisch-wörtliche Glaube" der Jahre 7-12 (Stufe 2)23, der "synthetisch-konventionelle Glaube" der Jugendzeit (Stufe 3)24, auf der Stufe 4 der "individuierend-reflektierende Glaube" der jungen Erwachsenen25, sowie auf der Stufe 5 der "verbindende Glaube" der mittleren Lebensjahre (30-60 Jahre)26. Die Glaubensspirale endet mit der sechsten und letzten Stufe, dem "universalisierenden Glauben" (ab 60 Jahre)27. Dieser Stufenfolge wohnt nun aber kein Automatismus und keine unbedingte Fortentwicklung inne28, denn:

1. Die Stufenabfolge ist ein dynamischer Prozeß, "bei dem jede folgende Spiralstufe mit der vorhergehenden verbunden ist und sie bereichert."29
2. "Übergänge von einer Stufe der Spirale zur nächsten (können) oft verzögert und schmerzvoll, verstörend und/oder erfolglos verlaufen."30
3. Mit jeder Stufe kann der Mensch die dunklen und die freudigen Stunden seines Lebens meistern31.
4. "Die Glaubensstufen...dürfen nicht als eine Leistungsskala verstanden werden, nach der der Wert von Menschen beurteilt werden kann."32

Auf welchen Stufen nun befinden sich die Schülerinnen und Schüler zum Zeitpunkt der Befragung?

Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich zwischen den Stufen 3 und 4, wobei die Mehrheit der vierten Stufe zuzurechnen ist. Von der Altersspanne haben wir hier die Zeit der Adoleszenz und der jungen Erwachsenenzeit. Horst und Ulrich gehören für mich zur Stufe 3, dem "synthetisch-konventionellen Glauben". Für sie ist Gott "ein bedeutender Anderer"33, "der sie führt, trägt, kennt und liebt"34, aber gleichzeitig ist Gott für sie keine anthropomorphe Größe mehr35, sondern ein Wesen, dem das "Halbdunkel des Mysteriums"36 innewohnt. Die prägenden Bilder, Werte und Glaubensinhalte werden von Horst und Ulrich nicht in Frage gestellt, sie werden "nicht zum Gegenstand ihrer Reflexion gemacht"37. Beide benennen in ihren Äußerungen Glaubensinhalte und Werte offensiv und selbstsicher, so daß ich denke, daß der Glaube für beide "eine Basis für Identität und Weltanschauung"38 geschaffen hat.

Damit ein Übergang zur Stufe 4, zum "individuierend-reflektierenden Glauben" erfolgen kann, muß das akzeptierte Werte- und Glaubenssystem kritisch überprüft und in Frage gestellt werden39. Es "muß eine Unterbrechung im Vertrauen auf äußere Autoritätsquellen stattfinden".40 In den Äußerungen der Schülerinnen und Schüler findet sich diese zunächst in der Kritik an der Institution Kirche sowie den Regeln und Riten, die die Menschen festgesetzt haben41. Dann aber wird mit der Kritik an der Autorität "Gott" Gott selbst verleugnet, indem er als Phantasiegestalt der Menschheit gesehen wird. Auch die fehlenden und negativen Äußerungen zu Jesus möchte ich dahingehend interpretieren, daß diese Schülerinnen und Schüler die Gottheit und Menschheit Jesu nicht als Einheit und Glaubenssatz denken können42.

"Glaubensbekenntnisse, Symbole und Mythen aus religiösen Traditionen"43 werden bei den Menschen, die sich auf der Stufe 4 befinden, hinterfragt, entmythologisiert.

Ein weiteres Charakteristikum der vierten Stufe ist, daß sich der Mensch bereit- findet zur Übernahme der "Verantwortung für die eigenen Bedingungen, Lebens- stile, Glaubensinhalte und Einstellungen"44. Dies zeigt sich daran, daß die vielen Schülerinnen und Schüler - vor allem die der ersten Gruppe - recht selbstbewußt und ohne Zweifel zu artikulieren, den Glauben ablehnen. Sie schieben für ihre Ablehnung niemanden vor (beispielsweise weder die Eltern noch die Gesellschaft), sondern sie sind sich darüber im Klaren, daß sie selber nicht an Gott glauben.

Über irgendwelche Folgen ihres Nichtglaubens denken sie nicht nach. Viele dieser Schülerinnen und Schüler können offensichtlich die Diskrepanz zwischen dem brutalen Weltgeschehen (Hunger, Leid, Tod) und der Allmacht Gottes nicht zusammnenbringen, wie es der "verbindende Glaube" (wieder) kann45.

Als Fazit kann mit Nipkow festgehalten werden: "Die Glaubensentwicklung (hat bei den meisten Schülerinnen und Schülern)...die Stufe des ``individuierend- reflektierenden Glauben'' (erreicht) Diese Stufe kann freilich auch die des größten Abstands zur Religion werden..., auf welcher man sich nahezu nur noch auf sich selbst und seine Kraft verläßt und Gott bestenfalls als Weltschöpfer am Anfang für möglich hält, der aber jetzt im eigenen Leben kaum noch eine Rolle spielt"46.

Es muß jedoch im Auge behalten werden, daß die Schülerinnen und Schüler fast alle in ihrem Inneren an der Frage nach Gott interessiert und auf der Suche zu ihm hin sind. Wie kann diese "innere Frage" nun im Religionsunterricht aufgenommen werden?

4. REAKTIONEN DES RELIGIONSUNTERRICHTES

Da die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in einer kritischen, ja ablehnenden Haltung zur Existenz Gottes steht, würde ich in einer ersten Unterrichtseinheit die Frage nach der Existenz Gottes thematisieren. Ist Gott wirklich oder ist er eine Fiktion der Menschen?

In einer zweiten Einheit würde ich die Frage der Schülerinnen und Schüler nach dem "wie ist Gott" aufnehmen. Ist Gott der Helfer in allen Lebenssituationen? Ist er Garant des Guten in der Welt? Wie steht es mit der Allmacht Gottes angesichts der Leides, der Kriege, des Hungers in der Welt?

Die dritte und letzte Unterrichtseinheit müßte sich mit der Schülerkritik an den kirchlichen Lehren und dem kirchlichen Handeln befassen.

In allen Unterrichtseinheiten muß es Stunden geben, die die Bedeutung Jesu Christi für die jeweilige Fragestellung herausstellen.

4.1. DIE FRAGE NACH DER EXISTENZ GOTTES

Daß Gott Mensch geworden ist, ist eine zentrale Aussage christlicher Verkündigung. Nipkow schlägt vor, "den Glauben an Gott...vom Glauben an Jesus Christus auszulegen..., weil hier für den Glauben Gott als Mensch sichtbar geworden ist und keine Hypothese mehr ist."47 Die Erfahrung der Jünger freilich bleibt den Schülerinnen und Schülern versagt. Ihnen und uns geht es nicht so, wie dem Thomas. Er durfte nocheinmal Jesu Wundmale sehen und berühren. Uns dagegen gilt (nur) die Seligpreisung Jesu: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." (Joh 20, 29). Hier wird der Glaube an das Wort gewiesen, an die apostolische Verkündigung. In diesem Satz Jesu verbirgt sich die Aufforderung zum vertrauensvollen Glauben. Das Wort der Apostel an Thomas (Joh 20, 25) erwies sich für ihn als wahr. Und so dürfen wir mit ihm glauben - auf das Wort hin. "Kluge Argumente" würden zum Problem, ob Gott wirklich oder nur eine Fiktion ist, nicht viel beitragen. Wichtiger seien "Erzählungen..., die von Menschen handeln oder von Menschen kommen, die Gott mit ihrem Leben bezeugen."48

Die Lebensgeschichten der Elisabeth von Thüringen oder des Bischofs Martin von Tours könnten beispielsweise besprochen werden. Aber auch die brieflichen Zeugnisse der Widerstandskämpfer im III.Reich wären ein gutes Beispiel, um den Schülerinnen und Schülern Glaubenszeugnisse näherzubringen. Eine gehaltvolle Sammlung von Selbstzeugnissen einiger Widerstandskämpfer, die von der Nazijustiz und ihren Helfershelfern ermordet wurden, bietet das Buch "Du hast mich heimgesucht bei Nacht"49. Als ein beredetes Zeugnis sei hier kurz aus dem Abschiedsbrief des Grafen Peter York von der Wartenburg an seine Frau zitiert:

"...Wir stehen wohl am Ende unseres schönen, reichen, gemeinsamen Lebens Daß Gott es so geführt hat...gehört zu der Unerforschlichkeit Seiner Ratschlüsse, die ich demutsvoll annehme. Ich glaubte mich durch das Gefühl der alle niederbeugenden Schuld getrieben und reinen Herzens. Ich hoffe deshalb auch zuversichtlich, in Gott einen gnädigen Richter zu finden Als wir vom letzten Abendmahl hinweggingen, da fühlte ich eine fast unheimliche Erhabenheit, ich möchte es eigentlich Christusnähe nennen..."50

Eindrucksvoll und für die Schülerinnen und Schüler vielleicht sogar etwas näher an ihrem Lebensumfeld ist die Geschichte von Rocky, alias Gerhard Bauer, die M. Ackermann in seinem Buch "Rocky - Der Mann mit der Maske"51 erzählt.

Rocky (1926-1987) kommt über verschiedene Lebensstationen52 1985 zum Glauben an Gott. Eindrucksvoll wird Rockys schwieriger Lebensweg beschrieben, Rockys Suche nach einem Lebenssinn, den er dann im Glauben an Jesus Christus findet. Dieser Glaube gibt ihm Kraft, auch für andere dazusein und ihnen - sogar noch vom Sterbebett aus - diesen Glauben zu verkündigen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen bei diesen Geschichten genau hinhören und hierbei erkennen, daß es Menschen gegeben hat und gibt, die fest mit Gott in ihrem Leben rechnen. Menschen, die die Lebenserfahrung, die oft gegen Gott sprechen kann, und den Glauben an Gott miteinander verbinden können.

2. IST GOTT HELFER IN ALLEN LEBENSSITUATIONEN?

Wie schon erwähnt rechnen auch die Schülerinnen und Schüler, die nicht an Gott glauben, mit seinem Eingreifen - oder erhoffen es zumindest. Sei es als Helfer in Notsituationen, beim Lottospiel (Nr. 8 + 9) oder als Beseitiger von Hunger, Tod und Leid in der Welt (Nr. 1 + 5). Bleibt diese Hilfe aus, so ist dies "die erste Einbruchsstelle für den Verlust des Glaubens an Gott."53

Der Religionsunterricht kann allerdings "die Erfahrung des helfenden Gottes"54 nicht vermitteln. Auch hier bleibt nur "Bericht, Erzählung, Meditation und Gespräch"55, in denen die Erfahrungen anderer Menschen mit dem helfenden Gott zur Sprache kommen. Nipkow schlägt erneut die Arbeit mit biographischen und autobiographischen Texten vor56. Ferner biete die Lebensgeschichte Hiobs eine gute Anschaulichkeit, da Hiob - genau wie die Jugendlichen - "zwischen Resignation und Rebellion schwankt"57.

Weitere biblische Texte wären die Klagepsalmen der Bibel, in denen die Beter Gott offen ihre Not im Leiden ins Gesicht schreien und Anklage gegen ihn erheben (z.B. Ps 13, 31, 35, 41, u.a.). Die Jugendlichen sollten anhand dieser Texte erkennen:

1. "Selbst in der tiefsten Hoffnungslosigkeit bleibt Gott allein der Angeredete. Weder wird von Menschen Hilfe erwartet noch verliert der Geplagte...das Ziel aller Not, Gott, aus den Augen."58
2. Es ist legitim, gegen Gott massiv Anklage zu führen und ihm die eigene Erfahrung des "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" entgegen zu schleudern. Dies kann Mut machen, in ähnlichen Situationen sich nicht von Gott abzuwenden, sondern sich mit dem eigenen Leid an ihn zu wenden und mit Gott im Gebet zu ringen.
3. Die Antwort auf all' die Klagerufe der Psalmisten und der betenden Ankläger heute ist Jesus Christus "als die einzige Hilfe in den Leiden, denn in ihm ist Gott bei uns."59 Jesus selbst hat im Garten Gethsemane und am Kreuz seine Not und Anklage vor Gott gebracht. Er selbst hat gespürt, was es heißt von Gott verlassen zu sein. Ja mehr noch, er, Gott selbst, ist um unseretwillen ans Kreuz und in den Tod gegegangen60.

Aber Gott will weder Leiden noch Tod, darum hat er neben das Kreuz den Ostermorgen gestellt, an dem die Welt vernahm: "Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind." (1.Kor. 15, 20).

3. KRITIK AN DER KIRCHE

Da ich noch nicht auf die kirchkritischen Äußerungen eingegangen bin, rufe ich sie an dieser Stelle nochmals gebündelt in Erinnerung. Die Schülerinnen und Schüler hatten Folgendes an der Kirche auszusetzen:

"Beim Wort Gott denke ich daran, daß jetzt wieder einmal ein langweiliger Kirchenbesuch drankommt."

"Ich behaupte auch, daß die Kirche Gott ganz falsch betrachtet und darstellt." "Wenn ich an Gott denke, denke ich an Kirche, Langeweile, `stocksteif'."

"Warum ich nicht mehr zu Kirche gehe! Weil ich zu schnell einschlafe und weil es zu altmodisch ist."

"Das, was mich am meisten an der Glaubensgeschichte stört, ist die Kirche. Die Pastoren sind nicht aufgeschlossen. Das ganze ist total veraltet. Es muß alles neu überdacht werden und von den alten Vorstellungen weggegangen werden. Der Motorradgottesdienst in Berge ist ein gutes Beispiel."

"Mich stören an der Kirche zwei Dinge:

1. Es gibt Pastoren, die sich gegen die menschlichen Bedürfnisse und Interessen wenden.
2. Ich finde den Gottesdienst zum Kotzen, da er nur für die alten Menschen gemacht wird."

Hauptkritikpunkt ist der "langweilige", "stocksteife" Gottesdienst, der "nur für die alten Menschen gemacht" ist.

Hiermit treffen die Schülerinnen und Schüler ins Herzstück und Zentrum der christlichen Gemeinde, den Gottesdienst. In der Tat bietet sich Sonntag für Sonntag dem kritischen Betrachter ein seltsames Bild. In den meisten evangelischen Gemeinden finden sich nur wenige Menschen ein, die am Gottesdienst teilnehmen möchten. Der Altersdurchschnitt liegt weit über dem Alter der Jugendlichen. Die Orgel hebt an und spielt 3 - 5 Minuten Bach oder sonst etwas - für die Jugendlichen - Apokryphes. Mühsam werden 300 - 400 Jahre alte Lieder gesungen. Ein Pastor - schon von der meßbaren Entfernung weit weg von der Gemeinde - müht sich in einer "One-man-show" ab. Die Liturgie ist nicht nur von gestern, sondern von vorgestern...

So - oder so ähnlich - der Eindruck, den man haben kann, wenn man sonntags einen Gottesdienst betrachtet. Wie nun kann die Freude am Gottesdienst geweckt werden?

Zunächst einmal ist es wichtig, daß den Schülerinnen und Schülern ein Verständnis vom Gottesdienst vermittelt wird. Eine kurzer geschichtlicher Abriß des Gottesdienstes muß gegeben werden. Wer z.B. weiß, daß bereits Jesus61 und die Urgemeinde62 die Psalmen (im Gottesdienst) gebetet haben, der blickt auf den Introitus mit anderen Augen.

Ebenso ist es mit den weiteren Teilen des Gottesdienstes. Alle sind nicht aus Willkür oder weil man keine neueren Stücke hat im Gottesdienst plaziert. Sie atmen vielmehr den Hauch der Geschichte und der Verbundenheit mit den Vätern und Müttern des Glaubens seit Urzeiten.

Hinzu kommt, daß die Jugendlichen über die verschiedenen Funktionen der gottes-dienstlichen Stücke informiert werden müssen, daß man ihnen ihren Sinngehalt erschließen muß.

Wer z.B. weiß, daß die Worte der Salutatio schon im Alten Testament gesprochen wurden63 und daß die Salutatio "Zuspruch der Gegenwart des Herrn an die, die sich zum Gottesdienst versammelt haben"64 bedeutet, der erlebt den Gottesdienst anders, der erlebt ihn bewußter.

Ein weiterer Punkt könnte sein, daß der Religionslehrer mit den Schülerinnen und Schülern die alten Gesangbuchlieder interpretiert und ihnen die Entstehungsumstände der Lieder sowie die Persönlichkeit des Liederdichters vorstellt.

Wer z.B. weiß, daß Paul Seratus das Lied "Es ist das Heil uns kommen her"

(ELKG 242) als verurteilter Ketzer im Gefängnis, von dem Feuertod bedroht, gedichtet hat, der wird dieses Lied mit anderem Verständnis singen. Eine weitere Maßnahme, um Verständnis für den Gottesdienst zu wecken, wäre dadurch gegeben, wenn die Jugendlichen einen Schulgottesdienst in eigener Regie durchführen könnten. Sie müßten sich Gedanken zu den Lesungen, Gebeten, Liedern, Fürbitten usw. machen, und würden so quasi im Tun lernen, daß der Gottesdienst ein organisches Ganzes ist, aber auch, daß es einige Arbeit macht, einen Gottesdienst vorzubereiten und durchzuführen. Der Religionslehrer könnte Kontakt zu den Pfarrämtern aufnehmen und darum bitten, daß die Jugendlichen der Gemeinden von Zeit zu Zeit Gottesdienste vorbereiten dürfen. Ferner könnte er vorschlagen, die Jugendlichen an den "normalen" Gottesdiensten zu beteiligen (z.B. Lektorendienste). Freilich gingen diese letzten beiden Vorschläge schon über den Verantwortungs- bereich des Religionspädagogen hinaus.

5. SCHLUSSWORT

Der Religionsunterricht ist eine hohe seelsorgerliche Herausforderung und Aufgabe für den Religionspädagogen. Der Lehrer hat eigentlich keine anonyme Masse vor sich, sondern Jugendliche, die mit ihrer ganz eigenen Glaubensgeschichte in den Unterricht kommen. Den Fragen, Sehnsüchten und Wünschen der einzelnen Schülerinnen und Schüler muß der Religionsunterricht Rechnung tragen.

Der Religionsunterricht darf nicht im vorletzten Bereich des christlichen Lebens stehenbleiben und nur informierend über soziale, kirchengeschichtliche und religionsgeschichtliche Themen handeln. Dies befriedigt die elementaren Fragen der Jugendlichen nicht. Der Religionsunterricht muß die Frage nach Gott, seinem Wesen und Wirken immer wieder in den Mittelpunkt stellen. Er muß die Glaubens- erfahrungen und Anfragen der Schülerinnen und Schüler behandeln. Christlicher Religionsunterricht hat eindeutige christliche Antworten auf die Fragen der Jugendlichen zu geben, denn es zeigt sich, daß gerade "die spezifischen christlich-kirchlichen Glaubensinhalte so gut wie gar nicht in den Blick kommen."65 Hier sind nicht nur die Religionspädagogen, sondern auch und gerade die Kirchen gefordert:

Wie kann es angehen, daß die befragten Jugendlichen das Christusgeschehen in ihren Antworten nicht zur Sprache bringen?

Wie kann es angehen, daß sie im Fragen nach dem Leid an Kreuz und Auferstehung vorrübergehen?

Woher kommt die totale Ablehnung des Gottesdienstes, der doch das Zentrum der christlichen Gemeinde ist?

Hier gilt es die Schwächen der Kindergottesdienst- und Elternarbeit, des Konfirmanden- und Religionsunterrichtes zu analysieren und zu beseitigen.

Freilich, ist bei den Jugendlichen ein Teil des Defizites "an christlichem Glaubenswissen...darin begründet, daß die lebensgeschichtlichen Erfahrungsvoraussetzungen kaum gegeben sind"66, d.h.: die Jugendlichen haben in ihrem bisherigen Leben scheinbar noch nicht genug erlebt, um die zentralen Aussagen der christlichen Botschaft zu erfassen67.

Aber stimmt das wirklich? Sind die Jugendlichen heute nicht tagtäglich dem Leiden, dem Tod und dem Krieg in der Welt ausgesetzt? Die Medienflut, die über sie hin-wegrollt, bringt doch quasi jeden Toten der Welt ins Haus. Und gerade diese globalen Zusammenhänge von Leid, Hunger, Krieg und Tod waren es doch, die bei der Frage nach der Existenz Gottes diese verleugneten. Auf persönliches Leiden sind diese Schülerinnen und Schüler ja eben nicht eingegangen. Würden sie anders reagieren, wenn sie Leid im persönlichen Umfeld erfahren hätten? Interessant wäre eine Untersuchung, die herausarbeitet, welchen Einfluß die Medien auf die Entwicklung des Gottesbildes haben.

Ein weiterer Aspekt, der das Zurückgehen des Wissens um zentrale christliche Aussagen erklären könnte, ist die Tatsache, daß die Jugendlichen immer weniger in ihren eigenen Familien gelebte Glaubenspraxis erfahren. Wenn z.B. weder die Eltern noch die Großeltern (noch die Religionslehrer) am christlichen Leben der Ortsgemeinde teilnehmen, dann ist der Weg in die Gemeinde für die Kinder und Jugendlichen weit. Es fehlen die "Vorbilder im Glauben" (1.Thess 1,6f; 1.Tim 4,12)68.

Erzwingen können wir sie nicht, die "Vorbilder im Glauben", und ob wir solche "Vorbilder" sind, wer mag dies schon von sich zu behaupten?! Aber vielleicht sollten auch die Religionspädagogen ihren Unterricht wieder mehr als Verkündigung und weniger als sozial-ethischen und religionsphilosophischen Unterricht sehen, zu Beginn der Stunde die Hände falten und Gott die Ehre geben:

AHerr, unser Gott, wir tragen Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen, für ihren Glauben, für ihre Bildung, für ihre Gesundheit. Es fällt uns schwer, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Gib uns allen, Eltern und Lehrern, Geduld und gute Einfälle. Leite und schütze unsere Kinder.

Herr, erbarme dich über uns.

Erwachsenwerden, 76. 36

Amen.@69

6. LITERATURVERZEICHNIS

* Ackermann, M., Rocky - Der Mann mit der Maske, Wuppertal, 9.Aufl. 1990

* Bonhoeffer, D., Die Psalmen - Das Gebetbuch der Bibel, Bad Salzuflen, 13.Aufl. 1989

* Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Göttingen, 10. Aufl. 1986

* Dietz, O., Unser Gottesdienst, München, 3.Aufl. 1989

* Dröge, H.-J. (Hrsg.) u.a., ORATE FRATRES, Göttingen, 3.Aufl. 1970

* Fowler, J., Glaubensentwicklung: Perspektiven für Seelsorge und kirchliche Bildungsarbeit, (übersetzt von S. Denzel u. S. Naumann), München 1989

* ders., Stufen des Glaubens, (übersetzt von A. Roellenbleck, H. Streib u. U. Fischer), Gütersloh 1991

* Gollwitzer, H., u.a., Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Aufzeichnungen und Abschiedsbriefe des Widerstandes 1933 bis 1945, 3.Aufl., München 1969

* Nipkow, K. E., Erwachsenwerden ohne Gott? Gotteserfahrung im Lebenslauf, München, 4.Aufl. 1992

* Schuster, R. (Hrsg.), Was sie glauben. Texte von Jugendlichen, Stuttgart 1984

[...]


1 Die Fragen habe ich dem Buch "Was sie glauben. Texte von Jugendlichen" von R.Schuster (Hrsg.), (Stuttgart 1984) entnommen.

2 Nipkow, Erwachsenwerden, 68. 8

3 Nipkow, Erwachsenwerden, 52.

4 Nipkow, Erwachsenwerden, 54.

5 Mir stellt sich hier allerdings die Frage, ob es überhaupt Menschen gibt, die keine Gottesbeziehung haben. Zumal erst recht, wenn wir "Gott" nicht als den christlichen Gott verstehen.

6 Die Klasse hatte gerade eine U.E. zum Thema Schöpfung abgeschlossen.

7 Die wahrscheinlich einige Passagen ihrer Äußerungen voneinander

8 Jochen, Rainer, Nicole, Eva, Melanie, Katja, Thomas und Fred (4-10).

9 Frank, Matthias und Olaf. Sofern Olafs Äußerung dahingehend interpretiert werden kann.

10 Nipkow, Erwachsenwerden, 19.

11 In diesem Kapitel frage ich die einzelnen Unterpunkte nicht gesondert ab, da sonst der Zusammenhang der Äußerungen verloren ginge.

12 Siehe Schüleräußerungen 1-3, 7-17 und 19.

13 Dies könnte daran l iegen, daß die Satzanfänge auf den Fragebögen keine Stellungnahme zu Jesus verlangten. Dennoch ist es verwunderlich, daß in einer Umfrage zum Glauben die meisten Schülerinnen und Schüler, getaufte und konfirmierte Christen, die einen evangelischen Religionsunterricht besuchen, Jesus mit keinem Wort erwähnen. Wenn etwas aus dem Konfirman- denunterricht, den Gottesdienstbesuchen und dem Religionsunterricht "hängen bleiben muß", dann doch wohl das "solus Christus" und das "pro nobis". Aufklärung über das Jesusbild der Schülerinnen und Schüler könnte eine gezielte Umfrage zu diesem bringen.

14 Dazu siehe oben, Seite 12.

15 Was sich Horst unter "gutgläubig" vorstellt, sagt er nicht direkt. Das Wort an sich ist recht

16 Fowler, Stufen, 23.

17 Fowler, Glaubensentwicklung, 78.

18 Vgl. z.B. Röm 1, 19f und Luther: "Denn es ist nie kein Volk so rauchlos gewesen, das nicht einen Gottesdienst aufgerichtet und gehalten habe. Da hat idermann zum sonderlichen Gott aufgeworfen, dazu er sich Guts, Hülfe und Trost versehen hat." (Gr. Kat., S.563, Abschn. 16, Z.37-42).

19 Fowler, Stufen, 133. 21

20 Ich werde nur auf die Glaubensstufen näher eingehen, zu denen die Jugendlichen zu rechnen sind.

21 Fowler, Stufen, 136-138.

22 A.a.O., 139-151.

23 A.a.O., 151-167.

24 A.a.O., 167-192.

25 A.a.O., 192-201.

26 A.a.O., 201-217.

27 A.a.O., 217-229.

28 "Aber wie wir immer wieder gesehen haben, erfolgen Glaubensstufenübergänge nicht automatisch oder unvermeidbar. Sie können bei einer Person oder Gruppe langsamer vor sich gehen als bei der anderen und einige Menschen finden ihr Gleichgewicht auf früheren Stufen als andere.", A.a.O., 293.

29 A.a.O., 291.

30 A.a.O., 291.

31 "Jede Stufe besitzt das Potential für Ganzheit, Gnade und Integrität und für Stärken, die sowohl für Schicksalsschläge als auch für Segnungen des Lebens ausreichen.", A.a.O., 291f.

32 A.a.O., 133.

33 A.a.O., 171.

34 A.a.O., 173.

35 Diese Gottesbilder sind charakteristisch für die zweite Stufe (a.a.O., 155). Wie fließend die Stufeneinteilung zu verstehen ist, zeigt sich daran, daß einige Schülerinnen und Schüler (Nr. 4, 10 und 18) noch anthropomorphe Gottes- bilder zu Papier gebracht haben, obwohl sie sich sonst schon auf der Stufe 4 befinden.

36 Fowler, Stufen, 173.

37 A.a.O., 179.

38 A.a.O., 191.

39 Fowler, Glaubensentwicklung, 97.

40 Fowler, Stufen, 197.

41 Vgl. Nr. 2, 6, 9, 12, 15-17.

42 Ist dieses wieder möglich, so haben die Schülerinnen und Schüler hier die vierte Stufe hinter sich gelassen und sie haben sich hin zur Stufe 5, dem "verbindenden Glauben" entwickelt, der "dialektische Dimensionen" denken kann (Fowler, Glaubensentwicklung, 103).

43 Fowler, Glaubensentwicklung, 100.

44 Fowler, Stufen, 200.

45 Fowler, Stufen, 216.

46 Nipkow, Erwachsenwerden, 84.

47 Nipkow, Erwachsenwerden, 74.

48 A.a.O., 75.

49 "Du hast mich heimgesucht bei Nacht", hrsg. von H. Gollwitzer, K. Kuhn und R. Schneider, München, 3. Aufl. 1969.

50 A.a.O., 91.

51 Michael Ackermann, Rocky Maske, Wuppertal, 9. Aufl. 1990.

52 Soldat im II. Weltkrieg; "DDR"-Gefängnissen wegen - Der Mann mit der 1948 - 1957 Haft in Fluchthilfe; Krankenpfleger in Hannover; Beginn eines Doppellebens; seit 1964 arbeitslos; Ganzkörpertätowierung; Kontakt mit "Alkoholikern, sexuell Perversen, Fernsehnleuten und Hells Angels" (S. 31); Einbrüche, Erpressung, Diebstahl; Krankheiten: Tuberkolose, Knochen- und Prostatakrebs; Heraus- gabe einer Schallplatte; Tournee mit Udo Lindenberg; Heroinabhängigkeit. 50 A.a.O., 91. 9. Aufl. 1990.

53 Nipkow, Erwachsenwerden, 56.

54 A.a.O., 57.

55 A.a.O., 57.

56 A.a.O., 58.

57 A.a.O., 58.

58 Bonhoeffer, Psalmen, 33.

59 A.a.O., 34.

60 "Gott leidet selbst, wenn Menschen leiden und will für sie leiden; dies zeigt das Kreuz." ; Nipkow, Erwachsenwerden, 59.

61 Vgl. z.B. Mt 26,30, 27,46; Joh 13,18, 15,25.

62 Vgl. Eph 5,19; Kol 3,16, Jak 5,13.

63 Vgl. Ri 6,12; Ruth 2,4, u.a..

64 Dietz, Gottesdienst, 61.

65 Nipkow, Erwachsenwerden, 89.

66 A.a.O., 91.

67 A.a.O., 90f.

68 "Glauben wird personal übertragen. So lautet die immer wider mit Recht geäußerte religionspädagogische Vermutung." Und Nipkow führt ein Zitat eines Berufsfachschülers an, der sagt, er glaube an Gott, weil sein familiäres Umfeld an Gott glaube und ihm gezeigt habe, daß es Gott gibt; Nipkow, Erwachsenwerden, 76.

69 Orate Fratres, 182.

103 von 103 Seiten

Details

Titel
Gottesvorstellungen von Jugendlichen erarbeitet an Einzelbefragungen und verglichen mit der Theorie
Veranstaltung
Seminar: Interpretation von Schüleräußerungen im Religionsunterricht
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
103
Katalognummer
V96031
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Interpretiert werden einzelne Schüleräußerungen auf ihre Aussagen zu ihrem Gottesbild. Diese Gottesvorstellungn werden mit der Glaubensstufentheorie Fowlers verglichen. Abschließend werden religionspädagogische Maßnahmen auf die darlegeten Befunde andiskutiert
Schlagworte
Gottesvorstellungen, Jugendlichen, Einzelbefragungen, Theorie, Seminar, Interpretation, Schüleräußerungen, Religionsunterricht
Arbeit zitieren
Dieter Garlich (Autor), 1999, Gottesvorstellungen von Jugendlichen erarbeitet an Einzelbefragungen und verglichen mit der Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96031

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