Untersuchung zum Zusammenhang von Unterrichtsform und Unruhe


Seminararbeit, 1997
24 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

I Vorstellung

II Theorie und Beobachtung
1. Vorgehensweise
2. Medien und Hilfsmittel
3. Unterrichtsbeobachtung
4. Auswertung
5. Persönliche Beobachtungen
5.1. Thomas Grömling
5.2. Tina Haas
5.3. Christina Bräurle und Daniel Haag
5.4. Manuel Montero

III Bewertung

Literaturverzeichnis

Materialteil

I Vorstellung des Themas

Im Interesse an einer möglichst optimalen Gestaltung des Unterrichts haben wir, als zukünftige Lehrer, uns mit zwei Themenbereichen beschäftigt, die wir für sehr wichtige Elemente des Unterrichts halten; nämlich mit der Unruhe, die während des Unterrichts entsteht, und mit verschiedenen vom Lehrer gewählten Unterrichtsformen.

Die Unruhe ist deshalb ein bedeutender Faktor des Unterrichts, weil sie die Aufmerksamkeit der Schüler beeinflußt und somit den Verlauf einer Schulstunde bestimmen kann. Ist der Geräuschpegel zu hoch, so werden die Schüler vom Lerngegenstand abgelenkt, und eine aufmerksame Verfolgung des Unterrichts wird unmöglich.

Der zweite Themenbereich, die Unterrichtsformen, beschäftigt sich mehr mit dem Einflußbereich des Lehrers als dem der Schüler, denn der Lehrer gibt die Unterrichtsform vor, mit Hilfe derer die Schüler die Lerninhalte erfassen sollen; die Schüler können sie nur auf indirektem Weg verändern. Wenn der Lehrer zum Beispiel mit Gruppenarbeit in mehreren Versuchen scheitert, so wird er sie als ungeeignete Unterrichtsform in den Hintergrund stellen und nur selten wählen. Der Lehrer beeinflußt die Unterrichtsform also direkt, die Schüler beeinflussen sie nur indirekt. Genau umgekehrt zeigt sich dieses Verhältnis in der Beobachtung der Unruhe im Unterricht. Hier handelt es sich also um eine wechselseitige Beeinflussung, in der die Interaktion zwischen Schüler und Lehrer eine große Rolle spielt.

Besonders aus diesem Grund hielten wir es für interessant, die beiden Themenbereiche in Bezug zueinander zu setzen und die Zusammenhänge zu beobachten, die sich dabei ergeben. So gelangten wir also zu unserer Hypothese: Im Unterricht entstandene Unruhe ist auf eine bestimmte Unterrichtsform zurückzuführen.

Im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit sich diese Hypothese als wahr erweist, inwiefern der Lehrer also durch die von ihm gewählte Unterrichtsform die Unruhe unter den Schülern beeinflussen kann. Bei der Untersuchung ergaben sich noch einige weitere Fragen, die ebenfalls beantwortet werden sollen, wie zum Beispiel, ob Unruhe überhaupt ein negatives Element des Unterrichts sein muß oder ob sie auch positive Seiten haben kann, oder, welche Schlüsse man aus der Untersuchung ziehen kann.

II Theorie und Beobachtung

1.Vorgehensweise

Zunächst müssen noch Begriffe erklärt werden, die im Verständnis verschiedener Personen möglicherweise nicht dieselbe Bedeutung haben, wie zum Beispiel der Begriff "Unruhe". Unter Unruhe verstehen wir nicht nur Geräusche sondern auch jede Art von Bewegung oder Gestik, die als störend empfunden wird. Zum Beispiel stört ein Schüler den Unterricht auch, wenn er lautlos zum Papierkorb geht, um seinen Bleistift zu spitzen. Natürlich hat Empfindung immer etwas mit subjektiver Einschätzung zu tun, aber die Meinungen darüber, was im Unterricht als störend erachtet wird, können nicht sehr weit auseinanderliegen. Der nächste Begriff, der erklärt werden muß, ist die "Unterrichtsform". Einige Autoren nennen diese auch "Unterrichtsmethoden" 1, "Handlungsmuster" oder "Lehrform". Weder der Begriff selbst noch die Definition des Begriffes ist einheitlich festgelegt. Aber man versteht darunter die, sich immer wiederholenden, vom Lehrer vorgegebenen Unterrichtssituationen zur Vermittlung der Lerninhalte, an die Lehrer und Schüler gebunden sind. Glöckel2 unterteilt Unterrichtsform nochmals in die beiden Bereiche: Aktionsform und Sozialform. Die Aktionsformen sind wiederum aufgeteilt in darbietende, zusammenwirkende und aufgebende Formen. Zu den darbietenden Aktionsformen zählen alle Situationen, in denen ein Einzelner, sei es Lehrer oder Schüler, der übrigen Klasse den Unterrichtsgegenstand nahebringt. Als Beispiele dafür kann man Lehrervortrag, Vorlesen eines Textes, Schülerreferat oder Hausaufgabenvergabe nennen.

Zu den zusammenwirkenden Aktionsformen gehören die Unterrichtssituationen, in denen Schüler und Lehrer sich gemeinsam um den Unterrichtsgegenstand bemühen. Dazu gehören unter anderem die Besprechung von Hausaufgaben, Diskussionen, entwickelnde oder zielgerichtete Befragung und Rollenspiele.

Die aufgebenden Aktionsformen beinhalten alle Situationen, in denen der Lehrer die Schüler beauftragt, sich mit dem Unterrichtsgegenstand auseinanderzusetzen, also Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit oder auch Hausaufgaben, die die Schüler zu Hause erledigen müssen.

Nach Glöckel werden die Unterrichtsformen aber nicht nur in Aktionsformen unterteilt sondern außerdem noch in Sozialformen: Großklasse, Klasse, Abteilung, Gruppe, Partnergruppe und Einzelne.

Diese Untergliederung wollen wir jedoch in unserer Arbeit vernachlässigen, da die Unterrichtsformen der Lehrer, die wir beobachteten, nicht so vielfältig waren, daß wir durch eine weitere Untergliederung zu tieferen Einsichten gelangen würden. Außerdem ist durch die Aktionsform meistens ohnehin die Sozialform festgelegt.

Zur Untergliederung einer Schulstunde ist nun nicht nur die Einteilung in verschiedene Unterrichts-formen sinnvoll, sondern auch eine zeitliche Untergliederung in: Stundenanfang - das ist der Zeitraum zwischen dem Klingeln zu Stundenbeginn und dem Zeitpunkt, an dem eine Unterrichtsform zustande kommt-, in Stundenmitte, die Zeitspanne, in der sich die verschiedenen Unterrichtsformen abwechseln, und in Stundenende, dem Zeitraum von den ersten Einpackgeräuschen bis zum Klingelzeichen.

2. Medien und Hilfsmittel

Im folgenden Punkt beziehe ich mich ausschließlich auf das Buch „Vom Unterricht“ von Hans Glöckel.3 Ebenso wie die Unterrichtsformen bilden die Medien und Hilfsmittel einen weiteren Teil des Unterrichts. Da durch sie auch Interaktion zwischen Lehrer und Schüler verursacht wird, werden sie hier angeführt.

Zunächst einmal muß unterschieden werden zwischen Medium und Hilfsmittel. Hilfsmittel sind die „technischen Vorrichtungen“, welche den Einsatz von Medien überhaupt erst ermöglichen. Dies können Bücher sein, Arbeitsblätter, Projektoren, Fernseher, Videorecorder, Hefte usw. Der zu erlernende Sachverhalt, der Unterrichtsgegenstand, wird durch die Unterrichtsmittel vertreten. Diese bilden somit das Medium, also den Vermittler für das Lernwissen, welches von den Schülern erworben werden soll.

Beim Einsatz eines Mediums sollte immer der Realitätsbezug im Hinterkopf des Lehrers behalten werden um sicher zu stellen, daß das Medium auch den gewünschten Lernerfolg bei den Schülern erzielt. Schließlich soll das Medium dem einzelnen Schüler den Zugang zum Sachverhalt, der vermittelt werden soll, erleichtern. Hierbei ist aber immer die Erläuterung und Erklärung durch den Lehrer unerläßlich.

In unserer Hospitation soll auch darauf geachtet werden inwiefern Hilfsmittel und Medien Auslöser für Unruhe darstellen können, bzw. in welchen Unterrichtsformen Medien am ehesten verwand werden.

3. Unterrichtsbeobachtung

Um im Unterrichtsgeschehen schnell und adäquat reagieren zu können, stand unsere Gruppe nun vor dem Problem der Operationalisierung. Ziel war es ein System zu entwickeln, mit Hilfe dessen wir schnell alles festhalten konnten was uns zur Beobachtung unserer Fragestellung wichtig erschien. Unter Heranziehung der Literatur und der gemeinsamen Entwicklung von Fragen in der Gruppe entwickelten wir eine Art Formblatt mit mehreren Spalten.4 Wir erhofften uns aufgrund der standardisierten Fragen und Kategorien möglichst rasch bei auftretender Unruhe alles für uns Relevante festhalten zu können und zugleich, aufgrund der Standardisierung des Unterrichtsaufschriebs, bessere Vergleichsmöglichkeiten innerhalb der Gruppe zu haben. Dies war besonders wichtig geworden, da unsere 5-köpfige

Gruppe an 3 Schulen den Unterricht verfolgte.5 Ebenso unterschiedlich wie die Gymnasien waren auch die Klassenstufen in denen wir hospitierten. Es handelten sich um zwei 6. Klassen, zwei 8. Klassen, eine 9. Klasse, drei 10. Klassen und eine 12. Klasse. Auch waren die Fächer vollkommen unterschiedlich. Vertreten waren Mathematik, Physik, Geschichte, Englisch, Religion, Französisch und Gemeinschaftskunde.

Aufgrund dieser vielen verschiedenen Aspekte (Klassenstufe, Schule, Fach, Stadt, Land) war es uns besonders wichtig, einen so allgemein als nötig gehaltenen Aufschrieb zum Vergleich zu haben, welcher aber immer noch aussagekräftig für unsere Fragestellung war. Die Tabelle unseres Formblattes war aus 8 Spalten aufgebaut. Die erste Spalte war gedacht um die Zeit festzuhalten, in der die von uns registrierte Unruhe erfolgte. Als wir den Zeitfaktor bei der Erstellung der Tabelle mit aufnahmen, maßen wir diesem Punkt noch keine große Bedeutung bei. Jedoch sollte er eine größere Bedeutung als ursprünglich von uns angenommen erhalten, durch die Auswertung der Daten am Ende der Untersuchung. Die nächste Spalte in der Tabelle war für die Festhaltung der Unterrichtsform gedacht. Es war von großem Interesse für uns, ob eine gewisse Unterrichtsform vielleicht einen größeren Unruhegrad aufweisen würde als eine andere. Wir unterschieden hierbei in die darbietenden Unterrichtsformen, in die zusammenwirkenden Unterrichtsformen und in die aufgebenden Unterrichtsformen.

In der folgenden Spalte sollte der nähere Grund der Unruhe festgehalten werden. Es interessierte uns was denn der unmittelbare Grund der Unruhe war. Hat ein Schüler gelacht, sich mit jemandem unterhalten, oder ist irgendwo etwas zu Boden gefallen. Wir erhofften uns nähere Rückschlüsse ziehen zu können ob der Grund der Unruhe vielleicht mit der Unterrichtsform oder aber etwas anderem zusammenhänge.

Die 4. und 5. Spalte sollten der Operationalisierung des Unruhegrades dienen. Wir wollten zuerst in Erfahrung bringen ob die Unruhe von einem Schüler oder von mehreren verursacht oder initiiert wurde. Dabei stießen wir auf ein Problem. Wir waren 5 Individuen, die Unruhe auch ganz individuell beurteilten. Da wir nicht zusammen in die gleiche Klasse zur selben Zeit gingen, hatten wir somit auch keine Vergleichsmöglichkeiten wie wir uns zusammen auf eine gut vergleichbare Definition des Unruhegrades einigen sollten. Also bedienten wir uns einer mangelhaften und wohl eher zum Vergleich ungeeigneten Methode den Unruhegrad festzuhalten, es erschien uns aber als die einzig mögliche. Wir teilten eine Skala von 1-6 ein.

1 bezeichnete den Unruhegrad bei einer Person, der uns als schwach erschien. 2 war ein starker Unruhegrad bei einer Person und 3 eben ein sehr starker Unruhegrad bei einer Person. Dem gleichen Prinzip bedienten wir uns für mehrere Personen mit den Zahlen 4-6. Die sechste Spalte diente zum Festhalten der Themenbezogenheit der Unruhe. Wir wollten in Erfahrung bringen, ob die Unruhe inhaltlich etwas mit dem Unterricht zu tun hatte, oder ob sie vollkommen unabhängig davon war. Gerade durch diesen Punkt erhofften wir uns Aufschluß darüber, ob gewisse Unterrichtsformen eher Unruhe bedingen und wenn ja, ob sie dann auch themenbezogen sei und somit einen viel positiveren Stellenwert habe. Allerdings stießen wir hier oft auf das Problem, daß wir nicht eindeutig ausmachen konnten ob die Unruhe etwas mit dem Unterricht zu tun hatte oder nicht.

Schließlich war die folgende Spalte dazu gedacht die Reaktion des Lehrers festzuhalten. Wir wollten sehen wie der Lehrer auf welche Unruhe reagiert. Gerade aufgrund der Unterrichtsform hat uns dieser Punkt interessiert. Der Lehrer wählt diese auch im Hinblick auf die Stimmung und Reaktion der Klasse, und so erhofften wir uns dadurch erkennen zu können, ob eine Veränderung der Unterrichtsform durch den Lehrer bei Unruhe erfolgt und wenn ja, wann. Was wir aufgrund unseres Formblattes selten, meist nie, erkennen konnten, war die Tatsache, ob gerade die Reaktion des Lehrers nicht vielleicht auch weitere Unruhe bedingen könnte. Hierfür war unser Aufschrieb nicht schlüssig genug.

Die letzte Spalte hielten wir uns frei für alles andere was uns vielleicht erst im Unterricht auffallen sollte, an das wir aber zuvor noch nicht gedacht hatten. Hierzu gehört zum Beispiel ob Lob oder Ermahnung in der Klasse stattfindet und wie sich dies auf die weitere Unruhe auswirkt. Ebenso wurde teilweise auch auf die räumliche Situation des Lehrers und des Unruheherdes geachtet, inwiefern beides miteinander zusammenhängen könnte. Dieser Punkt floß aber nicht in die gemeinsame Datenauswertung mit ein.

4. Auswertung

Zunächst haben wir untersucht, wie die Unruhesituationen auf die einzelnen

Unterrichtsformen verteilt sind, was im Diagramm „Unterrichtsformen“ dargestellt ist. Dies sollte uns einen ersten kurzen Überblick geben. Hierbei stellten wir fest, daß 55% der von uns

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wahrgenommenen Fälle bei zusammenwirkendem Unterricht auftrat, 15% bei aufgebendem Unterricht, wobei der Großteil der Unruhe ( 13% ) auf die Einzelarbeit entfiel, und schließlich 30% bei darbietendem Unterricht- Lehrervortrag und Vorlesen zu je 13%. Wie oben erläutert haben wir die Unruhe kategorisiert und je nach Intensität mit einem bis sechs Punkte bewertet.

Intensität nach Unterrichtsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Mitteilung unserer Ergebnisse erhielten wir dann die im obigen Diagramm „Intensität nach Unterrichtsformen“ dargestellten Werte:

Bei darbietendem Unterricht haben wir Lehrervortrag, Vorlesen und Hausaufgabenvergabe unterschieden. Die Intensität war beim „ Vorlesen „mit 1,9“ am geringsten, bei der Hausaufgabenvergabe am höchsten, was man aber auch auf die fortgeschrittenen Zeit zurückführen kann, da Hausaufgaben meistens am Ende des Unterrichtes vergeben werden. Bei der aufgebenden Unterrichtsform wurde ein höherer Unruhepegel festgestellt, wobei die Gruppenarbeit mit 3,15 die Einzelarbeit übertraf. Da jedoch diese Unterrichtsform und hierbei speziell die Gruppenarbeit äußerst selten von den Lehrern gewählt wurde, muß dieses Ergebnis unkommentiert stehen bleiben. Die größte Unruhe konnten wir bei zusammenwirkendem Unterricht beobachten. Der gemittelte Wert lag hier bei 3,5.

Aus diesen Beobachtungen könnte man nun ableiten, da zusammenwirkender Unterricht mehr Unruhe bedingt als andere Unterrichtsformen, daß man als Lehrer auf eine solche Art von Unterrichtsgestaltung besser verzichten sollte. Unruhe kann aber auch positive Aspekte haben. Beispielsweise kann in einer Diskussion, die zumeist recht unruhig verläuft, ein Sachverhalt oft besser erarbeitet werden als bei Frontalunterricht. Man muß also unterscheiden, ob Unruhe themenbezogen ist oder nicht. Die haben wir im Diagramm „Themenbezogene Unruhe“ dargestellt:

Themenbezogene Unruhe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier steht - für jede Unterrichtsform getrennt - die absolute Anzahl der wahrgenommenen Unruhefälle der Anzahl der Situationen gegenüber, in denen die Unruhe Themenbezug aufwies. Wir stellten fest, daß es zwar bei zusammenwirkendem Unterricht am häufigsten unruhig war, die Unruhe jedoch fast zur Hälfte mit dem besprochenen Thema zusammenhing. Bei darbietendem Unterricht hingegen fiel der Themenbezug recht gering aus. Man sieht also, daß bei zusammenwirkendem Unterricht im Verhältnis oft Unruhe auftritt, die Beteiligung der Schüler am Unterrichtsgeschehen aber größer ist als bei den anderen Unterrichtsformen.

Uns war klar, daß Unruhe nicht nur von den verschiedenen Unterrichstformen abhängen kann, sondern daß auch der zeitliche Aspekt eine wichtige Rolle spielt. Hierzu haben wir eine Unterrichtsstunde in 5-minuten Blöcke unterteilt. Das Ergebnis ist im Diagramm

Intensitätverteilung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Intensitätsverteilung“ dargestellt:

Es fällt auf, daß die Intensität am Stundenanfang und am Ende einer Stunde am höchsten ist.

Dies ist auch nicht verwunderlich, da zu Stundenbeginn oft organisatorische Fragen geklärt werden und am Stundenende die Hausaufgaben vergeben werden. Zudem war bei den Schülern gegen ende eine gewisse „ Vorfreude „ auf die Pause zu spüren. In der Stundenmitte hingegen, d.h. zwischen der 20. und 35. Minute, verhielten sich die Schüler verhältnismäßig ruhig und arbeiteten meistens konzentriert mit.

Abschließend bleibt festzustellen, daß man als Lehrer am besten eine ausgewogene Mischung der verschiedenen Unterrichtsformen wählt, um der Monotonie entgegenzuwirken. Hierbei sollte man den oben dargestellten zeitlichen Aspekt berücksichtigen und die Kernpunkte des Unterrichtes in der Stundenmitte besprechen.

5. Persönliche Beobachtungen in den Klassen

5.1. Thomas Grömling

Meine Hospitation verrichtete ich am Hölderlin Gymnasium in Heidelberg6 im Zeitraum vom 2. Juni bis zum 19. Juli. Mit zwei Lehrerinnen ging ich in eine 8. Klasse in Geschichte, in eine weitere 8. Klasse in Französisch und in eine 10. Klasse in Gemeinschaftskunde. Zusätzlich zu den Ergebnissen, die wir durch die Auswertung der Daten gewonnen haben, sind mir in den drei genannten Klassen noch einige Aspekte aufgefallen, welche ich hier noch anführen möchte.

Der Einsatz von Unterrichtsmitteln (Medien und Hilfsmitteln) ist in unsere Bewertung leider nicht mit eingeflossen, da die Datenmenge nicht ausreichend für eine Umsetzung war. Diesen Punkt habe ich jedoch in meinen Klassen durchaus beobachten können. In allen Klassen wurden Hilfsmittel eingesetzt und dies recht häufig, d.h. mindestens jede zweite Stunde. Den absoluten Vorzug genoß hierbei der Overhead-Projektor. Bei diesen Einsätzen des Mediums konnte ich immer eine erhöhte Unruhetätigkeit in den Klassen feststellen. Auffällig war jedoch der Grad der Themenbezogenheit. Dieser war sehr hoch, 2 von 3 Fällen mit Unruhe waren themenbezogen. Obwohl dies meist Augenblicke der Präsentation von Wissen durch die Lehrerin waren mündete dieser Medieneinsatz immer in eine zusammenwirkende Unterrichtsform. Darum ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich, daß bei den Medieneinsätzen viel Unruhe von mir verzeichnet werden konnte, da diese Unterrichtsform besonders von Unruhe, allerdings meist themenbezoger, gekennzeichnet ist, wie ja unsere Datenauswertung deutlich macht.

Ein einziges mal habe ich im Französischunterricht den Einsatz einer Audio-Kassette mittels eines Recorders verzeichnen können, doch trotz der vollkommen anderen „Natur“ dieses Mediums war die Auswirkung auf den Unterricht und das Vorkommen in der Unterrichtsform absolut vergleichbar mit dem Overhead-Projektor.

Ebenso aufgefallen und nicht in die Datenauswertung mit eingegangen, ist die räumliche Position von Lehrer und der Unruheherd in der Klasse. So habe ich feststellen können, daß der Unruheherd fast immer am weitesten vom Lehrer entfernt ist. Um so schneller entstand Unruhe, wenn der Lehrer sich in einem Eck des Raumes befand und eben nicht direkt vor der Klasse oder in der Mitte des Mittelganges. Um so größer und plötzlicher war auch die Unruhe, wenn der Lehrer den Schülern den Rücken zuwand. Fast augenblicklich stellte sich Unruhe ein und war, so weit ich das dann beurteilen konnte, nicht themenbezogen. Meistens wurde den Schülern der Rücken in der darbietenden Unterrichtsform zugewand. Bei einem Gang zur Tafel um Ergebnisse dort für alle sichtbar festzuhalten, oder bei der Hausaufga- benkontrolle, oder eben dem Vorlesen. Dies geschah in der zusammenwirkenden Unter- richtsform sehr viel weniger.

Weitere Faktoren haben die Unruhe in Klassen oft bedingt, welche nicht durch den Lehrer in irgendeiner Form beeinflußbar waren. So kamen in meiner ersten Hospitationsstunde in der 8. Klasse Geschichte in der 4. Stunde die englischen Austauschschüler an und der Rest der Stunde war somit von Unruhe gekennzeichnet. Ebenso verheerend auf den Unruhegrad wirkte sich auch der Abi-Scherz der Abiturienten aus. Aufzuzählen wären noch viele von uns nicht durch unser Formblatt erfaßbare und letztendlich operationalisierbare Fakten, die fast unzählig sind.

Abschließend werde ich hier noch eine Befragung von 7 Schülern der 8. Klasse Geschichte kurz wiedergeben, welche ich am Ende meiner Hospitation, ohne Anwesenheit der Lehrerin, durchführen durfte.

Die hier aufgeführten Antworten sind zum Teil widersprüchlich, geben aber die Meinung mehrerer Befragter Schüler und SchülerInnen wieder.

In meiner ersten Frage wollte ich erfahren, ob ihrer Meinung nach in der Klasse auftretende Unruhe mit dem Unterricht zu tun habe oder aber davon unabhängig sei. Die Schüler haben dies einmütig bejaht. Jedoch war ein Teil der Auffassung, daß Unruhe dann vorkomme, wenn es besonders langweilig sei und eben ein anderer Teil meinte, daß Unruhe dann vorkomme, wenn es besonders spannend sei.

Mit Frage Nummer 2 wollte ich wissen ob ihrer Meinung nach Unruhe themenbezogen ist, oder nicht und wann sie denn lauter sei. Einige meinten, daß sich themenbezogene Unruhe und nicht themenbezogene Unruhe die Waage halten würden. Alle meinten aber, daß nicht themenbezogene Unruhe lauter sei.

Auf die Frage, wann den ihrer Meinung nach die Unruhe am größten sei antworteten alle, daß dies der Fall bei Müdigkeit und Unkonzentriertheit sei. Ein Schüler meinte noch, daß dies auch der Fall sei, wenn der Lehrer die Gruppendynamik der Klasse zum Diskussions- gegenstand mache.

Weiterhin waren sich alle einig, daß in größeren Klassen viel schneller Unruhe entstehe, da eben mehr Leute anwesend sind und so die Chance, daß jemand Unruhe verursacht größer sei. Dementsprechend seien kleinere Klassen viel ruhiger, da man da viel schneller auffalle, die Mitarbeit würde aber in einer kleineren Klasse viel mehr Spaß machen.

Im großen und ganzen bestätigen die Schüler die Auswertung unserer Daten, vor allem im Punkte Themenbezogenheit. Was wir jedoch nicht bestätigen können ist, daß nicht themen- bezogene Unruhe lauter sein soll. Ebenso kann ich aus meiner Beobachtung auch nicht be- stätigen, daß kleinere Klassen viel ruhiger sind als größere. Der Geschichtsunterricht in der 8. Klasse war weit ruhiger, als der daran anschließende Französischunterricht. Dabei war die Geschichtsklasse 27 Schüler stark und die Französischklasse nur 8 Schüler. Dennoch muß auch bemerkt werden, daß die Themenbezogenheit in der unruhigeren Französischklasse überdurchschnittlich hoch war.

5.2. Tina Haas

In mehreren Stunden Beobachtung einer sechsten Klasse und zweier zehnter Klassen im Religionsunterricht jeweils beim selben Lehrer fielen mir folgende Punkte auf: Die Unterrichtsformen, die der Lehrer wählte, beschränkten sich auf Lehrervortrag, Vorlesen, entwickelnde Befragung, Diskussion und Einzelarbeit.

Lehrervorträge fanden nur sehr selten statt und auch nur für wenige Minuten; meistens wurde der Inhalt der letzten Stunde zusammengefaßt. Dabei entstand in beiden Klassenstufen nur in geringem Maße Unruhe.

Vorgelesen wurde in der sechsten Klasse meistens von Schülern, in den zehnten Klassen ausschließlich vom Lehrer. Es entstand in beiden Fällen zwar relativ häufig Unruhe, allerdings von geringer Intensität.

Einen Großteil des Unterrichts machten die zusammenwirkenden Aktionsformen aus. Wobei sich der Lehrer in der sechsten Klasse auf entwickelnde Befragung beschränkte, da eine Diskussion in dieser Klasse unmöglich gewesen wäre und weil das Thema dafür ungeeignet war. In den zehnten Klassen kamen Diskussionen häufiger zustande als entwickelnde Befragung. Sowohl in der sechsten als auch in den zehnten Klassen wurde bei dieser Unterrichtsform häufig gestört, jedoch war die Mitarbeit im Unterricht auch relativ hoch.

Einzelarbeit bestand in den zehnten Klassen aus dem Lesen von Texten unter einer bestimmten Fragestellung, in der sechsten bestand sie immer aus der schriftlichen Zusammenfassung des in der Stunde Besprochenen, was in vielen Fällen zu Partnerarbeit oder sogar zu Gruppenarbeit entartete. In beiden Klassenstufen lagen die Werte der durchschnittlichen Unruheintensität beträchtlich höher als bei anderen Unterrichtsformen; meistens war die Unruhe aber themenbezogen.

Auffällig an der Methodik des Lehrers war, daß er auch nur wenige Medien benutzte. Die Tafel war nur sehr selten und nur zum Anschrieb von unbekannten Wörtern oder von Fremdwörtern in Gebrauch. Oft benutzte er Bücher zum Lesen von Texten. Manchmal teilte er auch Kopien aus; mit Bildern für die Sechstklässler und mit Texten für die Zehntklässler. Da ich in beiden Klassenstufen den selben Lehrer beobachtete, der auch in jeder Klasse weitgehend die gleichen Unterrichtsformen anwandte, war es mir möglich, die beiden Klassenstufen miteinander zu vergleichen, und es zeigten sich interessante Ergebnisse. Wenn man die durchschnittliche Anzahl der Unruhesituationen pro Unterrichtsstunde berechnet, ergeben sich folgende Zahlen: In der sechsten Klasse wurde durchschnittlich 25,7 mal gestört, in den zehnten Klassen 13,5 mal, also fast nur halb so oft. Hier sollte man erwähnen, daß die Schülerzahlen in den zehnten Klassen zwischen 15 und 20 schwankte, in der sechsten Klasse zwischen 20 und 25. Außerdem war das Unterrichtsthema in den zehnten Klassen realitätsnäher als in der sechsten Klasse. Trotzdem ist es beachtlich, daß in der sechsten Klasse fast doppelt so oft gestört wurde.

Auch wenn man die Werte der durchschnittlichen Unruheintensität der beiden Klassenstufen miteinander vergleicht, schneidet die sechste Klasse schlechter ab, denn bei Werten, die zwischen eins und sechs liegen können, sind die Zahlen der Sechstklässler bei allen Unterrichtsformen um mindestens 0,5 höher als die der Zehntklässler. So lag zum Beispiel die Unruheintensität bei den zusammenwirkenden Unterrichtsformen in den zehnten Klassen bei 3,0; in der sechsten Klasse allerdings bei 3,85.

Dagegen war der Anteil der themenbezogenen Unruhresituationen fast gleich (sechste Klasse: 34%, zehnte Klassen: 30%).

Interessant ist es auch, die Zahl der Ermahnungen zu betrachten: In den zehnten Klassen ermahnte der Lehrer in den vier beobachteten Schulstunden 18 mal, durchschnittlich also 4,5 mal pro Stunde, in der sechsten Klasse durchschnittlich 12 mal. Was zur Folge hatte, daß die Schüler auf die Ermahnungen -auch auf persönliche Ermahnungen- kaum mehr reagierten. Oft wurde die Unruhe in der Klasse auch durch die Anwesenheit oder Abwesenheit einzelner Schüler beeinflußt: In einem Fall (zehnte Klasse) war ein Schüler weniger aufmerksam und störte, wenn sein Tischnachbar fehlte. In einem anderen Fall (zehnte Klasse) störte eine Schülergruppe weniger, als ein bestimmter Schüler fehlte.

Am beeindruckendsten war die Veränderung der Aufmerksamkeit aber an einem sehr heißen schwülen Tag, denn mit der sechsten Klasse war an diesem Tag wegen ihrer Lebhaftigkeit kaum Unterricht möglich, mit der zehnten Klasse kam zwar Unterricht zustande, die Schüler störten nicht, aber sie waren nicht aufmerksam und schliefen fast ein.

Insgesamt konnte ich aus meinen Auswertungen entnehmen, daß die Unruhe im Unterricht zwar durch die Unterrichtsform beeinflußt werden kann, daß allerdings andere Faktoren auch eine große Rolle spielen. Zum Beispiel ist sie sehr stark von der Klassenstufe abhängig, von der Anzahl der Schüler in einer Klasse, von einzelnen Schülern und sogar von banalen Dingen, wie dem Wetter.

5.3. Christina Bäurle und Daniel Haag

Mein Erfahrungsbericht kann leider nicht sehr ausgedehnt sein, da ich das „Pech“ hatte, in äußerst ruhigen Klassen untergebracht worden zu sein. Dennoch konnte ich einige interessante Beobachtungen machen:

Wenn Unruhe aufkam, so stand diese meist in Zusammenhang mit organisatorischen Dingen. Bei einer Klasse war z. B. ein Ausflug in den Holiday-Park geplant. Während die Lehrerin noch versuchte, organisatorische Angelegenheiten zu regeln, unterhielten sich die Schüler untereinander über die Eintrittspreise, über die Achterbahn usw. Nachdem dann die Lehrerin zum eigentlichen Unterricht überging, kehrte wieder völlige Ruhe ein.

Ein anderer „Unruheherd“ war auch immer die Hausaufgabenkontrolle, die meist zu Beginn der Unterrichtsstunde stattfand. Die Unruhe war dann meist sehr intensiv, aber durchaus auch themenbezogen, so daß man hier von einer „produktiven Unruhe“ sprechen kann. Neben der Hausaufgabenkontrolle bildete auch die Hausaufgabenvergabe zum Stundenende einen Rahmen für aufkommende Unruhe. Wollte der Lehrer noch irgendeine Anmerkung machen, so war dies fast unmöglich, da nahezu alle Schüler schon damit beschäftigt waren, ihre Sachen einzupacken und sich mit dem Nachbarn über die bevorstehende Pause zu unterhalten. Außerdem kam auffallend häufig Unruhe auf, sobald ein Schüler eine falsche Antwort gab, wobei sich diese Unruhe fast immer in Gelächter und im Vor-Sich-Hermurmeln der richtigen Antwort äußerte. Eine andere Situation, in der immer Unruhe aufkam, war der Tafelanschrieb des Lehrers, wobei hier selten ein Themenbezug zu beobachten war: Während sich die einen über den schmerzenden Sonnenbrand unterhielten, tauschten die anderen die neusten Schminktips aus und schmiedeten Pläne für den Nachmittag. Die Unruhe während des Tafelanschriebs war aber nicht nur eine verbale Unruhe, sondern äußerte sich auch vor allem in zahlreichen Gestikulationen, wobei die Bandbreite vom Kaugummibläschen-Machen bis hin zum Schaukeln auf dem Stuhl reichte. Die Lehrerin ermahnte ihre Schüler nur selten, so daß sie auch die Unruhe nicht in den Griff bekam. Daraus ergibt sich die Vermutung, daß die im Unterricht entstandene Unruhe auch sehr stark vom Lehrerverhalten abhängt. Diese Vermutung bestätigte sich in meinen Beobachtungen dahingehend, daß sich eine Klasse, die im gesamten Lehrerkollegium als sehr laut und unruhig galt, bei einer Lehrerin, die durch ihr Auftreten die Klasse völlig im Griff hatte, sehr ruhig verhielt und konzentriert arbeitete. Zudem wurde diese Vermutung von einer Schülerin bestätigt, die auf meine Frage hin, warum die Klasse in manchen Unterrichtsstunden so laut sei, in anderen hingegen so aufmerksam und ruhig, antwortete: “Wir wissen eben, bei wem wir`s uns leisten können und bei wem nicht!“

Als eine weitere Unterrichtsform, die stets von Unruhe gekennzeichnet war, ist die Diskussion zu nennen, wobei aber auch immer ein Themenbezug zu beobachten war. Die Unruhe war dergestalt, daß sich meistens zwei Tischnachbarn über das Diskussionsthema unterhielten und ihre Meinungen austauschten. Auch die Einzelarbeit war oft begleitet von Unruhe, welche aber viel weniger intensiv war als bei anderen Unterrichtssituationen.

Alles in allem habe ich beobachtet, daß die Unruhe im Unterricht stark von der jeweiligen Unterrichtsform abhängt, daß es aber auch noch eine Menge anderer Faktoren gibt, wie z.B. das Lehrerverhalten, die zum Unterrichtsverlauf und damit auch zur Entstehung von Unruhe entscheidend beitragen.

5.4. Manuel Montero

Meine Beobachtungen fielen in den von mir besuchten Klassen äußerst unterschiedlich aus, da sie sich sowohl in der Unterrichtsform als auch im Alter stark unterschieden. Ich besuchte einen 12er Mathematik-Leistungskurs und eine 6. Klasse, ebenfalls in Mathematik. Im Leistungskurs war vor allem bemerkenswert zu sehen, daß Ruhe keineswegs mit konzentrierten Arbeiten gleichzusetzen ist. Die von mir besuchten Stunden lagen freitags in den ersten beiden Stunden und waren vor allem durch eine enorme allgemeine Ermattung geprägt. So kam es, daß es zu so gut wie keiner meßbaren Unruhe kam, da dies Schüler wohl überfordert hätte. Der Unterricht war folglich durch die Passivität der Schüler geprägt. Ganz anders dagegen war der Unterricht in der 6. Klasse. Es handelte sich hierbei um eine Übungsstunde vom E-Kurs7 Mathematik. Die Sitzordnung in diesem Zimmer war so, daß immer vier Tische zu einer Einheit geformt wurden, mit dem Ziel, die Gruppenarbeit zu fördern bzw. die gegenseitige Unterstützung zu erleichtern. Die Stunden liefen dabei normalerweise so ab, daß der Lehrer nach einer kurzen Erläuterung der Problematik, den Schülern Aufgaben aus dem Buch gab, die sie in Einzelarbeit zu lösen hatten. Während diese rechneten, lief er herum und schaute manchen über die Schulter. Interessant war dabei, daß fast alle sehr aktiv mitwirkten, da sie als erste die Ergebnisse haben wollten, während sich aber manche dieser Arbeit entzogen, indem sie so taten als würden sie überlegen. Wenn dann der Lehrer kam, behaupteten sie einfach sie hätten nichts verstanden. Allgemein läßt sich zu meinen Besuchen in dieser Klasse noch sagen, daß ich nicht geglaubt hätte, wieviel Dynamik in einer Unterrichtsstunde sein kann, denn es war oft unmöglich bei Unruhesituationen auf dem laufenden zu bleiben zumal sie meist wie eine Epedemie über die Klasse zogen.

III Bewertung und Perspektive der Untersuchung

Bei der Bewertung unserer Ergebnisse sind uns einige Fehler hinsichtlich unseres Projektes aufgefallen, die nun im Folgenden diskutiert werden sollen. Neben diesen Kritikpunkten soll auch die Frage „Was würden wir anders machen?“ im Vordergrund stehen, d.h., es soll dargestellt werden, wie die Fehler und Ungenauigkeiten in Zukunft zu vermeiden sind. Die Frage, ob diese Fehlerquellen überhaupt vollständig eliminiert werden können, soll schließlich am Schluß der folgenden Ausführungen im Mittelpunkt stehen.

Der erste Kritikpunkt an unserem Projekt bezieht sich schon gleich auf die aufgestellte These: “Im Unterricht entstandene Unruhe ist auf eine bestimmte Unterrichtsform zurückzuführen.“ Das Problem hierbei liegt in der Definition von Unruhe: Ist mit Unruhe nun die Störung des Unterrichts durch verbale Äußerungen gemeint oder sollte zu Unruhe schon jede „unruhige“ Bewegung eines Schülers gezählt werden? Da wir uns auf eine globale Definition von Unruhe einigten, die sowohl störende Gestikulationen als auch verbale Äußerungen beinhaltet, konnten die verschiedenen Arten von Unruhe nicht berücksichtigt werden. Eine weitere Schwierigkeit, die ebenfalls mit der Definition von Unruhe zusammenhängt, betrifft die Intensität der Unruhe. Da unsere Gruppe aus fünf Personen bestand, gab es natürlich auch fünf verschiedene Auffassungen von Unruhe bzw. von der Intensität der Unruhe. Was für den einen schon sehr laut war, empfand der andere eher als leise. Hier spielt also die Subjektivität bei der Beurteilung der Lautstärke eine große Rolle.

Ein weiteres Problem bei unseren Beobachtungen bestand darin, daß wir den Unterricht in verschiedenen Klassenstufen und auch in verschiedenen Klassen verfolgten. Da ältere Schüler in der Oberstufe im allgemeinen eher ruhiger sind als jene Schüler, die sich vielleicht gerade in der Pubertät befinden, lassen sich hier große Unterschiede bezüglich der Intensität der Lautstärke feststellen, die aber in unseren Diagrammen nicht berücksichtigt werden konnten. Die Tatsache, daß die Unruhe im Unterricht auch sehr stark vom Alter der Schüler abhängt, bedeutet sicherlich auch eine Ungenauigkeit hinsichtlich unserer These.

Zudem waren wir in verschiedenen Fächern untergebracht, woraus sich folgendes Problem ergab: Da es im allgemeinen sowohl bestimmte Lieblingsfächer gibt, in denen die Aufmerksamkeit von vornherein größer ist, als auch eher unbeliebte Fächer, die schon einen Rahmen für Störungen bilden, beinhalten die Diagramme, die dies nicht berücksichtigen, diesbezüglich eine weitere Fehlerquelle. Außerdem läßt sich hinsichtlich der Fächer sagen, daß bestimmte Fächer, wie etwa die Fremdsprachen, eine stärkere Mitarbeit und Beteiligung am Unterricht voraussetzen als andere (z.B. Geschichte), wodurch auch der „Geräuschpegel“ schon höher ist. Hier kann man von einer Art „produktiven Unruhe“ bzw. von einer themenbezogenen Unruhe sprechen, die wiederum von der „störenden Unruhe“ abzugrenzen ist. Hier stellten sich für uns einige Probleme, diese Abgrenzung vorzunehmen und die beiden „Unruhearten“ im Unterricht zu unterscheiden.

Eine weitere Fehlerquelle kann darin gesehen werden, daß jeder von uns den Unterricht in einer anderen Schulstunde, d.h., zu einer anderen Zeit verfolgte. Mögliche Einflüsse, die die erste oder letzte Stunde oder der „berüchtigte Montag“ auf das Schülerverhalten haben können, wurden von uns auch nur unzureichend berücksichtigt. Weiterhin ist zu bemerken, daß wir unser Projekt nicht gemeinsam an derselben Schule durchführten, sondern daß wir an ganz verschiedenen Schulen untergebracht waren. Hier könnten sich eventuelle Verschiebungen aus dem Unterschied zwischen Stadtschule und Landschule ergeben. Die Tatsache, daß in Stadtschulen die „Grundstimmung“ im allgemeinen schon sehr viel lauter und aggressiver ist, als in Landschulen, kann als eine weitere Ungenauigkeit an unserem Projekt betrachtet werden.

Schließlich muß der Zeitraum der Beobachtung als Kritikpunkt gelten, denn dieser war zum einen zu kurz, zum anderen vielleicht auch ungeschickt gewählt, da sich unsere Beobachtungen auf das Ende des Schuljahres erstreckten, was möglicherweise ebenfalls Einfluß auf die Unruhe im Unterricht hat.

Neben den genannten Faktoren gibt es auch noch viele andere Faktoren, die die Unruhe bzw. die Intensität der Unruhe beeinflussen können. Auf einige soll nun kurz eingegangen werden: Zunächst sei auf das Wetter verwiesen, das starke Auswirkungen auf das Schülerverhalten haben kann. So wurde z.B. von unserer Gruppe beobachtet, daß die Schüler an heißen Tagen sehr unruhig sind und daß somit schon eine Basis für im Unterricht aufkommende Unruhe vorhanden ist. Andere Faktoren, wie etwa bevorstehende Klausuren oder Schülerausflüge haben ähnliche Auswirkungen. Schließlich spielt auch die Persönlichkeit des Lehrers eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Unruhe. So wurde z.B. beobachtet, daß ein und dieselbe Klasse sich bei verschiedenen Lehrern auch ganz unterschiedlich verhielt. Da das Lehrerverhalten bzw. die Persönlichkeit des Lehrers bei unseren Auswertungen nicht berücksichtigt werden konnte, liegt diesbezüglich sicherlich eine weitere Ungenauigkeit vor.

Nachdem nun mögliche Fehlerquellen aufgezeigt wurden, soll im Folgenden erläutert werden, wie diese Faktoren, die eine eventuelle Verschiebung des Ergebnisses bedingen, vermieden werden können.

Zunächst wäre es sicher ratsam, dieselbe Klasse zur selben Zeit über einen längeren Zeitraum zu besuchen. Außerdem sollte nur eine Schule für das Projekt gewählt werden, und auch nur ein Fach sollte die Basis für die Beobachtung bilden. Neben diesen Faktoren, die relativ leicht umgangen werden können, gibt es auch noch andere, die wesentlich schwieriger zu umgehen sind. So müßte man z.B. immer genau an den Tagen den Unterricht besuchen, an denen es nicht zu heiß und nicht zu kalt ist. Aus der sich daraus ergebenden geringeren Anzahl von zur Verfügung stehenden Tagen könnten sich aber wiederum Probleme ergeben, die mit obengenannten Faktoren, z.B. mit bevorstehenden Klausuren, zusammenhängen.

Was den Faktor Subjektivität anbelangt, so kann dieser grundsätzlich auch nicht völlig ausgeschaltet werden. Eine Möglichkeit, die Subjektivität auf ein Minimum zu reduzieren besteht jedoch darin, daß alle Mitglieder einer Gruppe zusammen eine Unterrichtsstunde besuchen und ihre gemeinsame Beobachtung sozusagen „trainieren“, d.h., daß man sich während des Unterrichts immer wieder über die individuelle Wahrnehmung der Unruhe verständigt, um somit zu einer übereinstimmenden Beurteilung der Intensität der Unruhe zu kommen. Schließlich bleibt noch der Faktor, der mit der Persönlichkeit des Lehrers zusammenhängt und der natürlich auch immer bestehen bleiben wird.

Literaturvezeichnis

Glöckel, H.: Vom Unterricht. Bad Heilbrunn/Obb 1990

Meyer, H.: Unterrichtsmethoden, I: Theorieband. Frankfurt am Main 1987 Terhart, E.: Lehr-Lern-Methoden. Weinheim/München 1989

Materialteil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1Vgl. Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden, Band I, S.38. Hier gibt er auch verschiedene Definitionen des Begriffs an. Auch E. Terhart (Lehr-Lern-Methoden, S.23f) verwendet den Begriff "Unterrichhtsmethode".

2 Vgl. Hans Glöckel: Vom Unterricht S.57f.

3 Glöckel, Hans, Vom Unterricht, S. 38 - 49

4 siehe Materialteil

5 Hölderlin Gymnasium Heidelberg, Adolf-Schmitthenner-Gymnasium Neckarbischofsheim, Internationale-

6 Plöck 40/42, 69117 Heidelberg

7 E-Kurs ist in der Orientierungsstufe der Kurs in den besseren Mathematikschüler kommen. Im Prinzip soll es möglich sein je nach Stärke den Kurs zu wechseln.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Untersuchung zum Zusammenhang von Unterrichtsform und Unruhe
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Proseminar: Urkundung von Unterricht und Schule
Autoren
Jahr
1997
Seiten
24
Katalognummer
V96059
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untersuchung, Zusammenhang, Unterrichtsform, Unruhe, Proseminar, Urkundung, Unterricht, Schule
Arbeit zitieren
Manuel Montero Pineda (Autor)Christina Bäurle (Autor)Thomas Grömling (Autor)Daniel Haag (Autor)Tina Haas (Autor), 1997, Untersuchung zum Zusammenhang von Unterrichtsform und Unruhe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96059

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