Diese Seminararbeit beinhaltet die Geschichte der Musikpädagogik (19. und 20. Jahrhundert), einen Einblick in die Subwissenschaften der Musikpädagogik und zusätzlich einen Diskurs, ob die Musikpädagogik als eigenständige Wissenschaft überleben kann.
Zunächst wird versucht, die Musikpädagogik zu bestimmen und im Anschluss wird der geschichtliche Diskurs vorgestellt. Danach wird die Forschung präsentiert und daraufhin – in Verbindung mit einer kritischen Auseinandersetzung – kommen die heutigen Herausforderungen, gefolgt mit einem Fazit. Bezüglich der Leitfrage wird die Musikpädagogik überprüft, inwiefern sie als Wissenschaft fortgeschritten ist und mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
3. Die Geschichte der Musikpädagogik
3.1. Geschichte der Musikpädagogik im 19. Jahrhundert
3.2. Geschichte der Musikpädagogik im 20.Jahrhundert
4. Musikpädagogische Forschung
4.1. Historische Musikpädagogik
4.2. Systematische Musikpädagogik
4.3. Empirische Musikpädagogik
4.4. Komparative Musikpädagogik
5. Heutige Herausforderungen der Musikpädagogik
5.1. Das Spannungsfeld zwischen Musikpädagogik, Musikerziehung und Musikdidaktik
5.2. Das Theorie-Praxis-Problem
5.3. Die Legitimation als Wissenschaft
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den aktuellen Forschungsdiskurs und die strukturellen Herausforderungen der Musikpädagogik als junge Disziplin. Ziel ist es, die wissenschaftliche Fundierung des Fachs zu hinterfragen und zu analysieren, inwieweit die Disziplin in der Lage ist, sich als eigenständige Wissenschaft zu etablieren und ihre Position gegenüber angrenzenden Feldern zu legitimieren.
- Historische Entwicklung und theoretische Genese der Musikpädagogik
- Strukturierung musikpädagogischer Forschung in ihre Teildisziplinen
- Analyse des Spannungsfelds zwischen Musikpädagogik, Musikerziehung und Musikdidaktik
- Das Problem der Theorie-Praxis-Vermittlung im schulischen Alltag
- Die wissenschaftliche Legitimation und der Bedarf an einer einheitlichen Gesamtkonzeption
Auszug aus dem Buch
3.1. Musikpädagogik im 19. Jahrhundert
Im Zeitalter der Romantik erlebte die preußische Bildung eine Reform durch Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), welcher im Jahre 1809 zum Direktor von Kultus und Unterricht ernannt wurde (vgl. Heise, 1986, S.35). Auch er war von dem Humanitätsideal – „der Mensch benötigt eine einheitliche und harmonische Bildung“– überzeugt und wollte ein humanistisches Schulsystem mit einer Grundbildung für das ganze Volk erreichen (vgl. ebd.). Jedoch 16 Monate nach seiner Amtseinführung wurde er schon wieder entlassen und Johann Wilhelm Süverns (1775 - 1829) wurde sein Nachfolger (vgl. ebd.). Gründe dafür waren, dass das Gesamtkonzept von Humboldt in erster Stelle kein schulpädagogisches Programm war und konnte höchstens auf Schüler mit einem hohen Bildungsgrad übertragen werden.
Doch trotzdem waren seine Ideen und Maßnahmen so von Bedeutung, dass diese bis ins 20. Jahrhundert immer wieder aufgegriffen wurden (vgl. ebd.). Humboldt nahm das neu-humanistische Gedankengut und die „Methode“ von Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827) und bestimmte somit die Gegenstände des Musikunterrichtes (vgl. Heise, 1986, S.36). Die Methode von Pestalozzi war „das Instrument, mit dem einerseits die schulischen Aufgaben aus den subjektiven Möglichkeiten [..] bestimmt werden konnten, andererseits aber die den Gegenständen zugrunde liegenden objektiven Strukturen [.] herauszufinden waren […].“ (ebd.). Durch diese Methode wurde versucht, den Musikunterricht neu zu reformieren und in neu-humanistischen Gymnasien und Realschulen einzubeziehen; jedoch stoß man dabei auf folgendes Problem, dass der „allgemeine Musiklehrer“ oft nicht singen konnte, geschweige denn Ahnung über die Methode von Pestalozzi hatte. Die Musiklehrer ignorierten daraufhin die pestalozzinische Methode und setzten auf klassische Werke, welche die Schüler lernten sollten zu singen (vgl. Heise, 1986, S.37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Musik als universelle Sprache ein und erläutert die Problematik der Musikpädagogik als junge, wissenschaftlich umstrittene Disziplin.
2. Begriffsbestimmung: Hier wird der Versuch unternommen, den Begriff Musikpädagogik zu definieren und gegen angrenzende Disziplinen wie Musikdidaktik und Musikerziehung abzugrenzen.
3. Die Geschichte der Musikpädagogik: Dieser Abschnitt beleuchtet die historischen Ursprünge des Musikunterrichts sowie die Entwicklung der Disziplin im 19. und 20. Jahrhundert, inklusive der unterschiedlichen Verläufe in DDR und BRD.
4. Musikpädagogische Forschung: Die Unterteilung in historische, systematische, empirische und komparative Musikpädagogik wird erläutert, um die fachliche Struktur der Forschung darzulegen.
5. Heutige Herausforderungen der Musikpädagogik: Dieses Kapitel thematisiert die terminologischen Unklarheiten, das Theorie-Praxis-Problem und die schwierige wissenschaftliche Legitimation des Fachs.
6. Fazit: Das Fazit fasst den Entwicklungsstand der Disziplin zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren wissenschaftlichen Strukturierung sowie einer zeitgemäßen Gesamtkonzeption.
Schlüsselwörter
Musikpädagogik, Musikerziehung, Musikdidaktik, Musikunterricht, historische Musikpädagogik, systematische Musikpädagogik, empirische Musikpädagogik, komparative Musikpädagogik, Bildungsreform, Pestalozzi, Forschungsdiskurs, Wissenschaftstheorie, Theorie-Praxis-Problem, musikalische Bildung, Bamberger Propeller.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Musikpädagogik als noch junger wissenschaftlicher Disziplin, ihren historischen Ursprüngen, ihrer aktuellen Struktur und den damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich ihrer Anerkennung als eigenständige Wissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Definition des Fachs, die Einteilung in Teildisziplinen (historisch, systematisch, empirisch, komparativ) sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Position der Musikpädagogik zwischen Musikdidaktik und Musikerziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu überprüfen, inwieweit die Musikpädagogik als eigenständige Wissenschaft fortgeschritten ist und mit welchen strukturellen Problemen sie bei der Abgrenzung von Nachbardisziplinen zu kämpfen hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende fachwissenschaftliche Diskurse und Modelle (wie das Bamberger Fachstrukturmodell) aufgearbeitet und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Disziplin, die Darstellung der musikpädagogischen Teildisziplinen sowie die Diskussion gegenwärtiger Herausforderungen wie das Theorie-Praxis-Problem und die Legitimationskrise als Wissenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Musikpädagogik, Musikdidaktik, Musikerziehung, Forschungsdiskurs, Theorie-Praxis-Problem und wissenschaftliche Legitimation.
Wie unterscheidet sich die Musikpädagogik von der Musikdidaktik?
Während sich die Musikdidaktik primär auf das „Was“ und „Wie“ der Vermittlung von Lerngegenständen konzentriert, versteht sich die Musikpädagogik als umfassendere Disziplin, die auch erzieherische und bildungstheoretische Aspekte integriert.
Warum wird die Musikpädagogik als Disziplin in der Krise beschrieben?
Der Autor argumentiert, dass ein Mangel an einheitlichen Definitionen, eine veraltete Gesamtkonzeption und das Fehlen eigener empirischer Methoden die Anerkennung der Musikpädagogik als eigenständige, unabhängig forschende Wissenschaft erschweren.
- Arbeit zitieren
- Nicolai Wolk (Autor:in), 2020, Musikpädagogik. Forschungsdiskurs und Herausforderungen einer noch jungen Disziplin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960680