In der Arbeit wird die Frage beantwortet, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Vorlage von Boccaccio und der Parabel von Lessing bestehen und warum Lessing die “Ringparabel” als Kernstück seines Dramas wählte. Dafür wird zunächst die Entstehung des Dramas “Nathan der Weise” von G. E. Lessing näher betrachtet und der Begriff der Parabel definiert. Danach wird die Parabel von Lessing auf ihren Inhalt und ihre Form hin analysiert und im Anschluss mit Boccaccios Werk verglichen.
“Das wars! Das kann mich retten! - Nicht Kinder blos, speist man Mit Mährchen ab.”So kommt Nathan in dem Drama “Nathan der Weise” von Gotthold Ephraim Lessing auf die Idee, die Frage des Sultans, nach der wahren Religion, mit einem “Mährchen” zu beantworten. Dieses Märchen erzählt Nathan in Form einer Parabel, auch bekannt als die “Ringparabel”. Für diese hat sich der Autor eine ihm bereits bekannte Erzählung “Die drei Ringe” von Giovanni Boccaccio aus dem “Dekameron” als Vorlage genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung des Dramas “Nathan der Weise” von G. E. Lessing
3. Definition Parabel
4. Analyse der “Ringparabel” von Lessing
4.1 Inhalt
4.2 Form und Sprache
5. Vergleich der “Ringparabel” von Lessing mit “Die drei Ringe” von Boccaccio
5.1 “Die drei Ringe” von Giovanni Boccaccio
5.2 Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der "Ringparabel" in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" und ihrer Vorlage, der Novelle "Die drei Ringe" aus Giovanni Boccaccios "Dekameron". Ziel ist es, herauszuarbeiten, warum Lessing die Parabel als Kernstück seines Dramas wählte und wie er durch sie seine religionsphilosophischen Ansichten zur Toleranz sowie zur Ungreifbarkeit der absoluten Wahrheit vermittelt.
- Entstehungskontext des Dramas "Nathan der Weise" und Lessings Auseinandersetzung mit der Zensur.
- Literarische Definition und Funktion der Parabel im 18. Jahrhundert.
- Strukturelle Analyse von Inhalt, Form und sprachlicher Gestaltung der "Ringparabel".
- Vergleichende Untersuchung der Erzählstruktur, Symbolik und Intention zwischen Boccaccios Vorlage und Lessings Adaption.
Auszug aus dem Buch
4.1 Inhalt
Eingeleitet wird die “Ringparabel” durch ein Gespräch zwischen dem reichen und weisen Juden Nathan und dem Sultan Saladin von Jerusalem. Als Saladin Nathan in den Palast bestellt, geht dieser zunächst davon aus, dass der Sultan sich bei ihm Geld leihen möchte. Doch der Sultan versucht Nathan in eine Falle zu locken und anstatt ihn nach Geld zu fragen, stellt er ihm die Frage nach dem wahren Glauben “Von diesen drey Religionen kann doch nur eine die wahre seyn.” (V. 1843-1845). Da Nathan die Falle aber erkennt, beschließt er die Frage mit einer Parabel zu beantworten “Erlaubst du wohl dir ein Geschichtchen zu erzählen?” (V. 1905 - 1906). Diese sogenannte “Ringparabel” ist das Kernstück des Dramas und geht von Vers 1911 bis Vers 2054. Sie handelt von einem Mann, der einen Ring mit Zauberkraft besaß, der den Träger vor Gott und den Menschen angenehm machte, falls er ihn in dieser Zuversicht trug. Dieser Ring wurde in der Familie des Mannes von Generation zu Generation immer an den Sohn weitervererbt, der dem Vater am liebsten war. So kam es aber in einer Familie dazu, dass der Vater seine drei Söhne alle gleich lieb hatte und nicht wusste, wem er den Ring vererben sollte und somit jedem seiner Söhne den Ring versprach. Da er sich nicht entscheiden konnte ließ er zwei weitere, identische Ringe anfertigen und überreichte zu seinem Tod jedem Sohn einen Ring. Nach dem Tod des Vaters kam es allerdings zum Streit zwischen den Söhnen, denn jeder wollte wissen, wer den echten Ring mit der Zauberkraft geerbt hat. So gingen sie zu einem Richter, der entscheiden sollte. Der Richter wies die drei Söhne allerdings ab, da die Wunderkraft des Rings sich an keinem der jungen Männer offenbarte und er bezichtigte sie alle drei als betrogene Betrüger und dass der echte Zauberring wohl verloren gegangen sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach dem Vergleich zwischen der Ringparabel bei Lessing und ihrer Boccaccio-Vorlage sowie das Ziel der Arbeit vor.
2. Entstehung des Dramas “Nathan der Weise” von G. E. Lessing: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe, wie den Fragmentenstreit und die Zensurproblematik, die zur Entstehung von Lessings Drama führten.
3. Definition Parabel: Hier wird der Gattungsbegriff der Parabel theoretisch hergeleitet und von verwandten Formen wie der Fabel abgegrenzt.
4. Analyse der “Ringparabel” von Lessing: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Untersuchung von Inhalt sowie Form und Sprache der Ringparabel innerhalb des Dramas.
4.1 Inhalt: Dieser Abschnitt fasst die Handlung der Ringparabel zusammen und analysiert ihre Funktion als Antwort auf Saladins Fangfrage.
4.2 Form und Sprache: Hier werden die metrischen Besonderheiten (Blankvers) und die rhetorischen Mittel der Parabel analysiert.
5. Vergleich der “Ringparabel” von Lessing mit “Die drei Ringe” von Boccaccio: Dieser Teil widmet sich dem direkten Gegenüberstellen der beiden literarischen Werke.
5.1 “Die drei Ringe” von Giovanni Boccaccio: Es erfolgt eine Einordnung der Novelle Boccaccios in den Kontext des "Dekameron".
5.2 Vergleich: Hier werden die zentralen Unterschiede herausgearbeitet, insbesondere hinsichtlich der Wirkungsweise des Rings und der Rolle des Richters.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont Lessings Intention, durch die Parabel zur religiösen Toleranz und moralischem Handeln aufzurufen.
Schlüsselwörter
Ringparabel, Nathan der Weise, Gotthold Ephraim Lessing, Giovanni Boccaccio, Dekameron, Religionsphilosophie, Toleranz, Parabel, Aufklärung, Fragmentenstreit, Literaturvergleich, Blankvers, Moral, Religion, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die berühmte "Ringparabel" aus Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" und vergleicht sie mit ihrer Vorlage, der Novelle "Die drei Ringe" von Giovanni Boccaccio.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind Religionsphilosophie, das Konzept der Toleranz, die literarische Gattung der Parabel sowie die Entstehungsgeschichte des Dramas im Kontext der Zensur im 18. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lessing die Vorlage von Boccaccio modifizierte, um seine Ansichten über die Gleichwertigkeit der Weltreligionen und die Bedeutung moralischen Handelns darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analysemethode, die auf Werkinterpretation, historischer Kontextualisierung und vergleichender Textanalyse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, eine Definition der Gattung Parabel, die detaillierte Analyse der Ringparabel (Inhalt und Form) sowie einen direkten Vergleich mit der Boccaccio-Novelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Ringparabel, Toleranz, Aufklärung, Religionskritik, Boccaccio, Lessing und Literaturvergleich.
Welche Rolle spielt die Zensur bei der Entstehung des Dramas?
Die Zensur durch den Herzog von Braunschweig war ein entscheidender Auslöser; Lessing wählte das Theater als Plattform, um seine religionskritischen Gedanken unter Umgehung der direkten Zensur zu verbreiten.
Warum spielt der "Richter" eine so zentrale Rolle in Lessings Version?
Der Richter ist eine Ergänzung Lessings, die über die Vorlage hinausgeht. Er verschiebt den Fokus von der theoretischen Frage nach der "wahren" Religion hin zur praktischen Aufforderung zu moralischem Handeln und Toleranz.
- Arbeit zitieren
- Viktoria Engmann (Autor:in), 2020, Analyse der “Ringparabel” von Gotthold Ephraim Lessing und Vergleich mit “Die drei Ringe” von Giovanni Boccaccio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960695