Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen


Skript, 2000

6 Seiten


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>>Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen<<

(Jirina Prekop und Christel Schweizer)

BEGLEITENDE GEDANKEN FÜR DEN WEG

Das magische Erleben der Kinder in den ersten sieben Jahren

Kinder leben in einer urkindlichen Erlebniswelt. Sie können Situationen nicht analysieren und sehen sich selbst als Mittelpunkt der Welt und Zentrum aller Ereignisse.

Die Bilderwelt des Kindes

+ Vorbilder:

Für Kinder ist Nachahmung in den ersten Lebensjahren besonders wichtig. Bei wechselnden Bezugspersonen wird der seelische Formungsprozess nachhaltig gestört. Erst in der Pubertät hat das Kind den Drang, sich von den Vorbildern abzugrenzen.

+ Abziehbilder:

Sprechen Erwachsene Urteile (Vorurteile) gegenüber Kindern aus, so verfestigen sich diese und ihm werden die Möglichkeiten zur Kompensation der Schwächen eingeschränkt.

+ Eigene Bilder:

Kinder können nicht zwischen Realwelt und Traumwelt unterscheiden. Ihre Bilder entstehen aus Vorbildern und aus Seelisch

- Geistigen Bildern.

Vorbild allein genügt nicht

Kinder merken sich Aktivitäten, die sie bei Erwachsenen gesehen haben und machen sie - durch den bestimmten Gegenstand angeregt - nach.

Sie können die Folgen ihres Tuns nur abschätzen, wenn sie es am eigenen Leib erfahren. Den Kindern müssen deshalb Grenzen gesetzt werden und aber auch Bestätigung durch Lob widerfahren.

Soll man Kinder tragen?

Häufig wird dies übertrieben. Kinder soll man nicht in ihrem Bewegungsdrang einschränken! In anderen Kulturen erleben die Kinder, die am Körper getragen werden, vielmehr das gemeinsame Schwingen und dynamische Bewegen mit, als die Kinder unserer modernen Eltern.

Besonders in den ersten Lebensmonaten sollte man Kinder viel am Körper tragen, danach nur noch ab und zu (ev. im Tragetuch). Der Körperkontakt sollte dennoch erhalten bleiben!

Kinder brauchen Krisen

„Pflegeleichte Kinder“ haben später oft Probleme, mit Krisensituationen umzugehen. Das Kind braucht von früh an, Krisen um zu Reifen, jedoch muss immer das Positive überwiegen! Die erste Krise ist für das Kind bereits die Geburt.

Eltern sollten ihre Kinder nicht von möglichen Problemen fernhalten, sondern helfen, diese zu bewältigen. Nach und nach soll das Kind lernen, mit Enttäuschungen alleine fertig zu werden. hat ein Kind Ängste, sollten die Eltern zeigen, wie sie mit ihrer Angst umgehen und dem Kind als Vorbild und Stütze helfen.

Es gibt auch verborgene Ängste, die nicht so ohne weiteres nachvollziehbar sind. (Sie wirken sich oft psychosomatisch aus oder zeigen sich in Verhaltensauffälligkeiten)

Loslösung

- In der gesunden Entwicklung wächst die Lust zur Loslösung stufenweise:
- Grundbedürfnisse nach Bindung und Geborgenheit müssen in den ersten 3 Lebensjahren gesättigt sein.
- Das Selbst des freien Menschen entwickelt sich nur über das aktive Erfahren des eigenen Willens im Fühlen und Denken. Unnötige Verbote hemmen die Entwicklung!
- Wichtig und entscheidend ist die sogenannte „Trotzphase“ Das Kind stößt an Grenzen, wenn es alles machen will, wie das Vorbild. Es fühlt die Einengung des „ich“ durch das „du“. Mit etwa 4 - 5 Jahren erkennt es zusätzlich auch, dass es ein Geschlecht hat und es beginnt eine Loslösung vom gegengeschlechtlichen Elternteil.

Ohne Freunde keine Loslösung

Bis zur Ausbildung des Ich - Gefühls kann das Kind keine echten Freundschaften schließen. Etwa im sechsten Lebensjahr kann sich das Kind als Mitglied einer Gruppe fühlen. Kinder sollen ihre Freunde selbst aussuchen und auch mit nach Hause bringen dürfen.

ALLTÄGLICHE SITUATIONEN: STOLPERSTEINE AUF DEM WEG

Die Nächte mit dem Kind

Das Kind bemerkt, dass bei lautem Schreien in der Nacht jemand kommt. Es empfindet sich als ein „allmächtiger Puppenspieler“ und es verliert somit die Möglichkeit, sich bei den „marionettenartig“ empfundenen Eltern geborgen zu fühlen und sie zu achten. Ein Kind verlangt im Grunde nachts nach nichts anderem als nach Sicherheit. Je unruhiger das Kind ist, desto kräftiger muss es gewiegt werden. (Wiege, Hängematte oder am Körper).

Mein Kind ist aggressiv

Medien konfrontieren Kinder schon sehr bald mit Bruchstücken unerlöster Aggression.

Hass soll zugelassen und ausgedrückt, aber auch unbedingt abgebaut werden!

- Aggressionen des Kindes dürfen nicht durch Prügel oder Isolierung bestraft werden!
- Konflikte sollen von Eltern und Kind durch Sprache gelöst und ausgetragen werden!
- Streit muss mit Versöhnung enden!

Das Kind soll aber auch lernen, mit seinen Enttäuschungen allein zurechtzukommen. Hass gegen die Eltern muss durch frontale Umarmung und direkte Auseinandersetzung behoben werden. Regeln zum Austragen von Konflikten:

- keine Waffen verwenden!
- Schwächere müssen geschützt und nicht geschlagen werden!
- Schaden muss wieder gutgemacht werden!
- es sollen keine Feindschaften entstehen!

Es geht auch ohne Klaps

Ein „Nein“ darf sich nicht in ein „Ja“ umwandeln! Das „Nein“ soll ein Verbot aber keine Androhung von Strafe sein.

Das Kind muss wissen, dass es sich auf das Verbot verlassen kann, aber dass es andere Möglichkeiten hat, seinem Tatendrang zu folgen. Steigerung oder Unterstützung des „Nein“ ist Berührung und klare Körpersprache.

Kinder ohne Sitzfleisch

Auffallende Unruhe beginnt meist ab der 2. Hälfte des ersten Lebensjahres. Oft ist sie gekoppelt mit einem einschneidenden Erlebnis für das Kind.

Frühgeborene, die die Enge im Mutterleib nicht erfahren konnten, müssen dies durch Getragenwerden an der Haut und Festgehaltenwerden nachholen können.

Kinder müssen rechtzeitig lernen, den Bewegungsdrang selbst zu steuern und sich nach Gefühlen anderer zu richten.

Zur ungestörten Persönlichkeitsentwicklung benötigt das kleine Kind den Halt und die Einengung in dem ihm Geborgenheit vermittelnden Nest, das es vor unnötigen Reizen abschirmt.

Sauberkeit

Jedes Kind entwickelt gerne aus eigenem Antrieb die Steuerung der Ausscheidungsfunktionen. Bis ins 4. und 5. Lebensjahr haben viele Kinder nachts noch keine Kontrolle über ihre Blasenfunktion.

Das Geschenk

Die schönsten Geschenke für das Kleinkind sind die, bei denen der Gebende erlebt und wahrgenommen wird und nicht der materielle Wert im Vordergrund steht.

Ein Geschenk an ein Kind soll zum gemeinsamen Erlebnis werden. Dies gilt auch, wenn das Kind gemeinsam mit den Eltern jemand anderem ein Geschenk macht.

Die gemeinsame Mahlzeit

Mahlzeiten sollten zelebriert werden und als Ruhepunkt im Familienleben angesehen werden. Man sollte Kindern kein Ersatzessen anbieten, wenn es eine Speise verweigert.

Pflichten und Selbstbewusstsein

Es ist wichtig, das Kind teilhaben zu lassen an Arbeiten, die es mitmachen kann, ihm schon früh kleinere Pflichten zu übertragen und es immer wieder für deren Ausführung zu loben.

Verwirrung durch Worte

Erst nach dem 4. und 5. Lebensjaht stellt das Kind „Warum - Fragen“. Bis dahin stellt es Fragen, weil es sein will, wie die Großen. Verwirrung durch Geld

Kinder haben heute oft keinen Bezug mehr dazu, wo das Geld herkommt. Sind die Eltern „Sklaven“ des Konsums, so überträgt sich die Einstellung auf das Kind. Eltern sollen mit dem Kind suchen, was es besser hat (nicht materialistisch) als andere Kinder.

Die berufstätige Mutter

Lebt ein Kind alleine mit der Mutter, die ihrem Kind zuliebe nicht mehr arbeiten geht, artet das oft in eine Hass - Liebe aus, die für Mutter und Kind zur Qual wird.

Im ersten Jahr ist die Mutter meist noch unabkömmlich, später kann es stundenweise wieder auf die Mutter verzichten, wenn sie arbeiten geht.

Das Kind in der geschiedenen Familie

Die kindliche Seele wird durch die Scheidung der Eltern aufs gröbste verletzt.

Das Vorschulkind kann noch nicht über seine Kümmernisse sprechen, und macht deshalb mit Verhaltensstörungen auf sich aufmerksam.

Das Kind steht zwischen zwei Fronten und dies ist eine sehr belastende Situation und eine Überforderung. Verheiraten sich die Eltern wieder, so entstehen neue Verwirrungen. Es ist wichtig, dass...

... ein Elternteil nie den anderen vor dem Kind schlecht macht.

... das Kind nicht zum Verbündeten gegen den Partner wird.

... sich das Kind auf das andere Elternteil freuen kann.

... Besuche regelmäßig stattfinden.

... die Liebe des Kindes nicht erkauft wird.

Kind und Religiosität

Man kann dem Kind beibringen, wie man ein aktives Gebet entwickelt und mit Schutzengeln spricht.

Nicht durch den Kirchenbesuch entsteht die Religiosität, sondern durch den Umgang mit der, vom Kind mitgebrachten, natürlichen Religiosität.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen
Autor
Jahr
2000
Seiten
6
Katalognummer
V96074
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Gäste
Arbeit zitieren
Birgit Madlmayr (Autor), 2000, Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96074

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