Qualitätskriterien der qualitativen Wirtschaftsprüfungsforschung


Bachelorarbeit, 2018

35 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.3 Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Wirtschaftsprüfung
2.2 Quantitative Forschung
2.3 Qualitative Forschung

3. Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden

4. Bedeutung der qualitativen Forschung für die Wirtschaftsprüfungsforschung

5. Qualitätskriterien der qualitativen Forschung
5.1 Credibility
5.2 Transferability
5.3 Dependability
5.4 Confirmability

6. Triangulation
6.1 Data-Triangulation
6.2 Investigator-Triangulation
6.3 Theory-Triangulation
6.4 Within-method-Triangulation
6.5 Between-method-Triangulation

7. Sampling
7.1 Purposive Sampling
7.2 Theoretical Sampling
7.3 Convenience Sampling
7.4 Extreme Cases
7.5 Critical Cases

8. Empirischer Forschungsteil
8.1 Ziel der Auswertung
8.2 Suchverlauf
8.3 Ergebnisse der Auswertung
8.3.1. Allgemein inhaltliche Ergebnisse
8.3.1.1. Qualitative Artikel pro Jahr
8.3.1.2. Autoren
8.3.1.3. Ort der Forschung
8.3.1.4. Forschungsdesign
8.3.1.5. Daten Erhebungsmethoden
8.3.1.6. Sampling
8.3.2. Qualitative Beurteilung der Artikel
8.3.2.1. Qualitätskriterien der Qualitativen Forschung
8.3.2.2. Credibility Maßnahmen
8.3.2.3. Dependability Maßnahmen
8.3.2.4. Confirmability Maßnahmen
8.3.2.5. Triangulations Ergebnisse

9. Resümee
9.1 Zusammenfassung und Diskussion
9.2 Implikationen für Forschung und Praxis

Literaturverzeichnis

GENDERKLAUSEL

Diese Bachelorarbeit orientiert sich am Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache der Johannes-Kepler-Universität Linz. Wenn Personenbezeichnungen nur in der männlichen oder in der weiblichen Form verwendet werden, dann sind darunter beide Geschlechterbezeichnungen gleichermaßen zu verstehen.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Vorteile und Nachteile von Qualitative und Quantitative Methoden

Abb. 2: Veröffentlichte qualitative Artikel pro Jahr

Abb. 3: Geschlechterverteilung

Abb. 4: Herkunft der Autoren

Abb. 5: Ort der Forschung (Kontinent)

Abb. 6: Forschungsdesign

Abb. 7: Erhebungsmethoden und Interviews

Abb. 8: Sampling Methoden

Abb. 9: Qualitätskriterien

Abb. 10: Credibility Maßnahmen

Abb. 11: Dependability Maßnahmen

Abb. 12: Confirmability Maßnahmen

Abb. 13: Triangulations Ergebnisse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

Die Anzahl an Artikel der Wirtschaftsprüfungsforschung welche jährlich veröffentlicht werden steigt kontinuierlich an.1 Gründe für das Ansteigen der Publikationen können das Inkrafttreten des Sarbanes-Oxley Act (SOX) im Jahr 2002 und die Einführung der International Financial Reporting Standards (IFRS) in der Europäischen Union sein.2 Besonders Artikel in denen qualitative Forschungsmethoden verwendet werden erlangen immer mehr an Bedeutung. Dies zeigt sich auch dadurch, dass die Veröffentlichungen in Journalen mit qualitativer Forschung beständig zugenommen haben.3

Womöglich, ist es eine soziologische Tatsache, dass insbesondere die Forschungsfelder des Controllings und der Wirtschaftsprüfung viele Wissenschaftler anzieht, die öfter Zahlen und Statistiken affin sind und dadurch das Feld der Forschung prägen. Dies spiegelt sich auch dadurch wieder, dass traditionell mehr quantitative als qualitative Forschungsmethoden in der Wirtschaftsprüfungsforschung zum Einsatz kommen.4

Allerdings sind qualitative Forschungsmethoden oft die Quelle fundierter, reichhaltiger Beschreibungen und Erklärungen von Prozessen in identifizierbaren lokalen Kontexten. Mit qualitativen Daten kann der chronologische Ablauf bewahrt werden, zudem können Forscher genau erkennen, welche Ereignisse zu welchen Konsequenzen führten und fruchtbare Erklärungen ableiten. Gute qualitative Daten führen dann auch eher zu zufälligen Befunden und zu neuen Integrationen.5 Gleichwohl schreibt schon Mintzberg, dass es möglich ist, alle Arten von Beziehungen in „harten“ quantitativen Daten aufzudecken, aber nur durch die Verwendung „weicher“ qualitativer Daten können diese auch erklärt werden.6

In der Vergangenheit, wurde eine Voreingenommenheit von Topjournalen gegenüber qualitativer Forschung angenommen. Shah und Corley dementieren und erklären, dass die meisten Redakteure ein gesteigertes Interesse an hochwertiger qualitativer Forschung zeigen.7 Die Schlagworte hier sind "hohe Qualität", denn viele Journalredakteure sehen sich mit schlecht durchgeführter qualitativer Forschung konfrontiert, die nicht abgelehnt werden muss, weil sie qualitativ basiert, sondern einfach deshalb, weil ihre Strenge nicht den hohen Standards des Journals entspricht.8 Damit dieses Problem gelöst werden kann, schlagen Lincolns und Guba das Konzept der Qualitätskriterien vor.9

1.2 Zielsetzung und Forschungsfrage

Das Ziel dieser Arbeit ist, die Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden, sowie die Bedeutsamkeit der qualitativen Forschung für die Wirtschaftsprüfungsforschung aufzuzeigen. Die Qualitätskriterien nach Lincoln und Guba werden erläutert und mögliche Triangulations- sowie Sampling Methoden gezeigt. Daraus lässt sich folgende Forschungsfrage ableiten:

Inwiefern tragen die Qualitätskriterien nach Lincoln und Guba zur Qualitätssicherung in der qualitativen Wirtschaftsprüfungsforschung bei?

1.3 Vorgehensweise

Anhand von 210 Artikel des externen Audits die seit 1980 veröffentlicht wurden, werden mit Hilfe eines 28 Kriterien umfassenden Katalogs, der in Anlehnung an Hlady-Rispal und Jouison-Laffitte erarbeitet wurde, verschiedene Punkte der qualitativen Wirtschaftsprüfungsforschung und allgemeine statistische Informationen untersucht. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Einhaltung der Qualitätskriterien sowie die Formen der Triangulationen und des Samplings gelegt.10

1.4 Aufbau der Arbeit

Die Gliederung der Arbeit umfasst acht Kapitel. In der Einleitung wird die Ausgangssituation, die Problemstellung sowie die Zielsetzung und Forschungsfrage behandelt. Anschließend werden die Begriffe „Wirtschaftsprüfung“, „quantitative“ und „qualitative“ Forschung näher bestimmt. Im folgenden Kapitel werden quantitative und qualitative Forschungsmethoden gegenübergestellt und deren Vor- und Nachteile dargestellt. Anschließend wird die Bedeutung der qualitativen Forschung für die Wirtschaftsprüfung erläutert. Ergänzend werden in den Kapiteln fünf, sechs und sieben die Gütekriterien der qualitativen Forschung, die möglichen Formen der Triangulation sowie die Sampling Methoden näher erklärt. Im achten Kapitel werden die Ergebnisse der Empirischen Forschung präsentiert.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Wirtschaftsprüfung

Die Wirtschaftsprüfung ist eine professionelle Dienstleistung, die von Experten als Antwort auf die wirtschaftliche und regulatorische Nachfrage erbracht wird. Wirtschaftsprüfung dient zwei wichtigen Kontrollfunktionen. Erstens sind sie Detektivkontrollmechanismen, mit denen Wirtschaftsprüfer Abweichungen von vorgegebenen Standards identifizieren und untersuchen. Zweitens werden sie als präventive Kontrollmechanismen eingesetzt, da die Erwartung einer Prüfung Einzelpersonen davon abhalten sollte, betrügerische Finanzberichterstattung vorzunehmen oder leichtfertig Fehler zu machen.11

Es gibt verschiedene Formen von Prüfungen. Grundsätzlich, kann zwischen interner und externer Prüfung unterschieden werden. Die interne Prüfung deckt alle Operationen in der Organisation ab und bietet einen verlässlichen Einblick in das, was wirklich passiert, wenn es um entsprechende Angemessenheit und solide Kontrolle über ein Unternehmen geht. Die externe Prüfung kontrolliert die von der Organisation erstellten Abschlüsse und gibt ein unabhängiges Gutachten darüber ab, ob die Abschlüsse ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild des Unternehmens für das betreffende Jahr vermitteln.12

2.2 Quantitative Forschung

Der Begriff quantitative Forschung bezieht sich auf Ansätze von empirischen Untersuchungen, die Daten in numerischer statt in narrativer Form sammeln, analysieren und darstellen.13 Eine quantitativ orientierte Forschung hat zum Ziel, Hypothesen über Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen an der Realität zu überprüfen.14

Quantitative Forschungen umfassen immer die Konzepte von Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit. Das Ausmaß der Objektivität eines Messinstruments zeigt sich im Grad der Unabhängigkeit der jeweiligen Person, die das Messinstrument anwendet.15 Zuverlässigkeit wird als eine Eigenschaft der Instrumente angesehen, die quantitative Forscher verwenden, um die Phänomene zu messen, die sie untersuchen. Ein Instrument gilt als zuverlässig, wenn es bei gleicher oder vergleichbarer Person konsistent die gleichen Ergebnisse liefert.16

Damit die Gültigkeit einer Forschung festgestellt werden kann, führen quantitative Forscher normalerweise eine Zählung durch, damit das Ausmaß, in dem eine Studie und die Schlüsselkomponenten der Studie gültig sind, zu bewerten. Sowohl die interne als auch die externe Gültigkeit werden bewertet. Die interne Gültigkeit bezieht sich darauf, ob ein in einer Studie verwendetes Instrument tatsächlich misst, was es vorgibt zu messen. Die interne Gültigkeit eines Instruments kann auf verschiedene Arten beurteilt werden.17

Externe Gültigkeit bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse einer Studie auf eine größere Population der Stichprobe der Studie angewendet werden können. Wiederum werden statistische Verfahren verwendet, damit beurteilt werden kann, inwieweit eine Studie diese zweite allgemeine Art von Gültigkeit aufweist. Großteils werden statistische Verfahren verwendet, um das Ausmaß zu bestimmen, in dem das Ergebnis einer Studie zufällig entstanden sein könnte.18

2.3 Qualitative Forschung

Qualitative Daten, meist in Form von Worten und nicht in Zahlen, waren in einigen Bereichen der Sozialwissenschaften schon immer die Grundlage. Sie sind eine Quelle fundierter, reichhaltiger Beschreibungen und Erklärungen von Prozessen in identifizierbaren lokalen Kontexten. Mit qualitativen Daten kann man den chronologischen Ablauf bewahren, genau sehen, welche Ereignisse zu welchen Konsequenzen führten, und fruchtbare Erklärungen ableiten. Gute qualitative Daten führen dann auch eher zu zufälligen Befunden und zu neuen Integrationen.19

Die qualitative Forschung ist heute ein bedeutender Forschungszweig in den Sozialwissenschaften, welcher ein breites Spektrum von Phänomenen umfasst. Qualitative Studien teilen ein naturalistisches und situiertes Anliegen als Grundlage ihrer Untersuchung. Sie versuchen, Phänomene aus der Perspektive eines Menschen zu untersuchen und achten dabei auf den Kontext, in dem sie entstehen.20

Im Zentrum des qualitativen Forschungsprozesses steht der Wunsch, die Zielgruppe des Interesses möglichst selbst zu Wort kommen zu lassen, damit die subjektive Sichtweise erfasst werden kann. Grundlegende Annahme ist hierbei, dass Menschen selbstreflexive Subjekte sind, die als Experten ihrer selbst agieren und auch so verstanden werden sollten. Das Ziel qualitativer Forschung liegt in der Exploration unbekannter Phänomene und in der Entwicklung neuer Theorien und Modelle. Aus diesem Grund weist die qualitative Forschung starke Tendenzen einer induktiven Vorgehensweise auf.21

Die Qualitative Forschung bedient sich unstrukturierter Methoden der Datenerhebung d. h., nicht standardisierter sowie nicht numerischer Daten.22 Tatsächlich kann die Bezeichnung von qualitativer Forschung besonders irreführend sein und verweist auf Forschungsansätze, die alles andere als homogen sind. Einige qualitative Forscher setzen ihren analytischen Blick auf einen einzelnen Fall, während andere darauf aus sind, mehrere oder viele Fälle zu untersuchen. Manche qualitative Forscher beschränken die Datensammlung auf Dokumente und formale Inschriften, während andere Monate als Teilnehmer auf dem Gebiet verbringen, um detaillierte Beobachtungen darüber zu generieren. Aufgrund dieser Heterogenität des qualitativen Feldes kann es für Neulinge sehr schwierig sein eine Beurteilung zu treffen, was glaubwürdig bzw. nicht glaubwürdig ist.23

Die Qualität in qualitativer Forschung sicher zu stellen ist auf vielen Ebenen eine große Herausforderung. Lincoln und Guba bieten einen Rahmen mit den Kriterien Credibility, Transferability, Dependability, Confirmability damit die Qualität in qualitativer Forschung sichergestellt wird.24 Zusätzlich, können Formen von Triangulationen eingesetzt werden, damit die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass Befunde und Interpretationen glaubwürdig sind.25 Im fünften und sechsten Kapitel wird näher auf die einzelnen Kriterien eingegangen.

3 Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden

Ob quantitative oder qualitativ geforscht werden soll, stellt nach Schumann die Grundfrage der sozialwissenschaftlichen Forschung dar.26 Generell, gilt die quantitative Forschung als eher objektbezogen, das hießt, sie sucht nach Erklärungen und versucht so, begründende universelle Gesetze im sozialen Verhalten zu entwickeln, indem sie statistisch misst, was sie für eine statische Realität hält.27 Im Gegensatz dazu, verfolgt die qualitative Forschung eher ein interpretatives vorgehen, dies rückt ein subjektbezogenes Verstehen in den Vordergrund. Daher sollte die Realität objektiv von den Forschern untersucht werden, die einen Abstand zwischen sich und dem was untersucht wird, legen sollten.28

Nach Shah und Corley, gibt es viele Kontexte, in denen quantitative und qualitative Methoden zum Aufbau und zur Verfeinerung von Theorien verwendet werden können. Durch das verwenden sowohl von quantitativen als auch qualitativen empirischen Methoden kann es Forscher helfen, dass interessierende Phänomen vollständig zu verstehen.29

Es gibt einige Situationen oder Fragen, die qualitative Forschungsmethoden besser veranschaulichen als quantitative oder umgekehrt. Zum Beispiel sind qualitative Methoden besonders effektiv, um ein höchst individualisierts Programm zu studieren, in dem Lernende mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen, Zielen und Interessen in ihrem eigenen Tempo fortschreiten. In diesem Fall können quantitative Verfahren sparsame statistische Daten, nur mittlere Erkenntnisse und Unterrichtsstunden liefern. Damit jedoch die Bedeutung des Programmes für die einzelnen Teilnehmer verstanden werden kann, sollten ihre Standpunkte und Erfahrungen mit ihren eigenen Worten durch solch qualitative Methoden und Techniken veranschaulicht werden.30

Die grundlegenden Vorteile der Qualitativen Forschung sind ihre flexible Anwendung, die Möglichkeit durch persönliche Gespräche neue Sachverhalte zu entdecken bzw. zu hinterfragen. Die quantitative Forschung bietet im Gegenzug exaktere Ergebnisse, es ist möglich eine größere Stichprobe zu analysieren und dies ist meistens nicht ganz so kostenintensiv.31

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachteile der qualitativen Methode sind, die sehr hohen Anforderungen an die Personen welche die Interviews und Beobachtungen durchführen. Die Auswertung der individuellen Daten ist sehr zeitaufwendig. Die quantitative Methode ist im Vergleich zur qualitativen sehr unflexibel, da die Erhebungsformen standardisiert sind. Weiters können keine Gründe für ein eventuell auftretendes Verhalten ermittelt werden und der Forscher erhält keine Verbesserungsvorschläge.32 Die folgende Grafik soll die grundlegendsten Unterschiede noch einmal im Detail auflisten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vorteile und Nachteile von qualitative und quantitative Methoden

4 Bedeutung der qualitativen Forschung für die Wirtschaftsprüfungsforschung

Die traditionelle Wirtschaftsprüfungsforschung ist sehr stark quantitativ geprägt, dies rührt daher, da die Forscher oft sehr Zahlen affin sind.33 Was später auch in den Auswertungen gut illustriert wird, spielen auch Englischkenntnisse durch aus eine nicht zu unterschätzende Rolle, wenn es um die Publikation qualitativer Artikel geht. Viele Forscher denken, dass es anspruchsvoller ist eine qualitative Forschungsarbeit zu veröffentlichen als eine quantitative da sie oft das Gefühl haben, dass sie dem Umfang des verlangten Vokabulars nicht gerecht werden können. Hierbei sind Länder mit englischsprachiger Muttersprache klar im Vorteil.34

Humphrey kritisierte noch 2008, dass es in Arbeiten von hoch angesehen Forschern, keine ernsthaften Überlegungen hinsichtlich des Potenzials unternommen werden, qualitative Ansätze oder Betrachtungsweisen zu integrieren. Obwohl einige ihrer identifizierten Forschungsfragen mehr Gewicht auf die Notwendigkeit von qualitativen Forschungen legen.35

Inzwischen, hat die qualitative Forschung einen höheren Stellenwert in der Wirtschaftsprüfungsforschung und bekommt mehr Raum zu Veröffentlichung in akademischen Journalen.36 Qualitative Methoden können neue Begrifflichkeiten und Interpretationen verworrener Phänomene wie der Organisationskultur hervorbringen. Zusätzlich kann die Wirtschaftsprüfungsforschung davon profitieren, dass alternative Sichtweisen Komplementaritäten erzeugen können, bei denen jeder neue Winkel eine inkrementelle Zunahme von Wissen erzeugt.37 Allerdings argumentiert Power, dass keine qualitativen Methoden gegenüber einer anderen bevorzugt werden soll, noch werden quantitative außen vorgelassen.38

5 Qualitätskriterien der qualitativen Forschung

Die qualitative Forschung ist geprägt von einer Leitphilosophie welche Kreativität, Exploration, konzeptionelle Flexibilität und geistige Freiheit betont. Daher ist es besonders in der qualitativen Forschung schwierig, Qualitätskriterien in ein starres Konzept zu packen und so eine Regulierung oder Beschränkung zu schaffen.39 Allerdings ist es wichtig, die qualitative Forschung verteidigungsfähig zu machen. Dies lässt sich durch empirische Forschung sicherstellen. Diese Qualität muss wiederum durch spezifische Standards der Qualitätssicherung gegeben sein.40

Lincoln und Guba schlagen eine eigene Vier-Punkte-Kriterienliste vor, mit der die Erreichung der Qualitätskriterien ermöglicht werden kann, welche die vier Begriffe "Credibility", "Transferability", "Dependability" und "Confirmability" beinhaltet. Diese Punkte entsprechen jenen der quantitativen Forschung mit den Begriffen "interne Validität", "externe Validität", "Zuverlässigkeit" und "Objektivität".41

5.1 Credibility

Credibility bezieht sich auf die Wahrheit der Daten bzw. der Ansichten der Teilnehmer und deren Interpretationen und Darstellungen. Die Credibility wird dadurch erhöht, dass der Forscher seine Erfahrungen beschreibt und die Forschungsergebnisse mit den Teilnehmern verifiziert. Damit die Credibility bei der Berichterstattung von qualitativen Studien unterstützt wird, hilft längeres Beschäftigen mit dem Themenfeld, eine externe Überprüfung, das Verfeinern von Arbeitshypothesen und Mitgliederüberprüfungen. Triangulationen sorgen ebenfalls dafür Credibility zu gewähren und werden im Kapitel sechs näher beschrieben.42

5.2 Transferability

Die Transferability soll die Übertragbarkeit der Forschung sicherstellen. Genau dies, stellt sich bei der qualitativen Forschung als ein sehr herausforderndes Unterfangen dar. Denn im Gegensatz zur quantitativen Forschung, in der genau die Übertragbarkeit anhand statistischer Relevanz geprüft werden kann, ist es in der qualitativen Forschung nur möglich eine genaue “thick description” zu liefern und in dieser exakt die Zeit und den Kontext zu beschreiben.43

5.3 Dependability

Dependability, bezieht sich auf die Konstanz der Daten. Eine direkte Technik diese sicher zu stellen, ist wie bereits bei der Credibility eine Art von Triangulationen durchzuführen. Nach Lincoln und Guba, gibt es keine Credibility ohne Dependability so reicht eine Demonstration des ersteren aus, um letzteres festzustellen. Die schrittweise Nachbildung einer Studie stellt eine weitere Möglichkeit dar, Dependability zu garantieren. Dabei beschäftigen sich mindestens zwei Personen unabhängig voneinander mit den Datenquellen. Ähnlich wie in der Finanzprüfung können sich Lincoln und Guba auch eine permanente Überprüfung der Studie vorstellen, damit Dependability entsprechend Rechnung getragen werden kann.44

5.4 Confirmability

Die Confirmability bezieht sich auf die Fähigkeit des Forschers zu zeigen, dass die Daten die Antworten der Teilnehmer und nicht die Vorurteile oder Standpunkte des Forschers darstellen. Dies kann durch Aufzeichnung der Interviews, detaillierte Protokolle, Notizen sowie Transkriptionen erreicht werden. Zusätzlich kann der Forscher die Confirmability nachweisen, indem er beschreibt, wie Schlussfolgerungen und Interpretationen festgestellt werden und veranschaulicht, dass die Ergebnisse direkt aus den Daten abgeleitet wurden.45

6 Triangulation

Triangulation, ist ein wichtiges Thema und Werkzeug in der qualitativen Forschung. Die Triangulation, auf ihre Grundzüge reduziert, soll einen Befund stützen, indem sie zeigt, dass unabhängige Maße damit übereinstimmen oder zumindest nicht widersprechen.46 Viele Aspekte der Triangulation hängen eng mit der Datenerhebungsphase zusammen.47 Triangulation bezieht sich auf die Kombination mehrerer Methoden, empirischer Materialien, Beobachter oder Perspektiven in einer einzigen Studie. Die Verwendung von Triangulation ist ein Versuch, ein tieferes Verständnis des untersuchten Phänomens zu erlangen und kann Strenge und Breite hinzufügen.48

Denzin schlägt folgende fünf Arten der Klassifizierung von Triangulationen vor: Data-Triangulation, Investigator Triangulation, Theory Triangulation, Within-method Triangulation und Between-method Triangulation.49

[...]


1 Vgl. HUMPHREY, C. (2008), S. 170.

2 Vgl. PORTE M. S./SAUER-AMARAL, I./PINHO, J. C. C. (2015), S. 119.

3 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 147ff.

4 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 150.

5 Vgl. MILES M. B:/HUBERMAN A. M. (1994), S. 1.

6 Vgl. MINTZBERG, H. (1979), S. 587.

7 Vgl. SHAH, S. K./CORLEY, K. G. (2006), S. 1829.

8 Vgl. SHAH, S. K./CORLEY, K. G. (2006), S. 1829.

9 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 301.

10 Vgl. HLADY-RISPAL, M./JOUISON-LAFFITTE, E. (2014), S. 600.

11 Vgl. KAGERMANN ET AL (2008), S. 2.

12 Vgl. PICKETT, K.H.S (2004), S. 54f.

13 Vgl. DÖRING, N./BORTZ, J. (2016), S. 15.

14 Vgl. RAITHEL, J. (2006), S. 8.

15 Vgl. RAITHEL, J. (2006), S. 45.

16 Vgl. GIVEN, L. M. (2008), S. 713.

17 Vgl. GIVEN, L. M. (2008), S. 714.

18 Vgl. GIVEN, L. M. (2008), S. 714.

19 Vgl. MILES M. B:/HUBERMAN A. M. (1994), S. 1.

20 Vgl. DENZI & LINCOLN, 2005 S.

21 Vgl. FLICK, U. (2014), S. 12f.

22 Vgl. DÖRING, N./BORTZ, J. (2016), S. 16.

23 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 149f.

24 Vgl. CRESWELL, J. W./MILLER, D. L. (2000), S. 124.

25 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 305.

26 Vgl. SCHUMANN, S. (2018), S. 149.

27 Vgl. BRYMAN, A. (1988), S. 107f; YILMAZ, K. (2013), S. 312f.

28 Vgl. BRYMAN, A. (1988), S. 50f; CRESWELL, W./POTH, C. N. (2017), S168.

29 Vgl. SHAH, S. K./CORLEY, K. G. (2006), S. 1822.

30 Vgl. PATTON, M. Q. (2002), S. 13ff.

31 Vgl. HÄDER, M. (2010) S.69.

32 Vgl. HÄDER, M. (2010) S.69.

33 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 150; HUMPREY, C. (2008), S. 179.

34 Vgl: HUMPREY, C. (2014), S. 62.

35 Vgl. HUMPREY, C. (2008), S. 177.

36 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 147ff.

37 Vgl. GENDRON, Y./POWER, K. (2015), S. 149f.

38 Vgl. POWER, K. (2003), S. 392.

39 Vgl. SEALE, C. (1999), S. 468.

40 Vgl. MEY, G./MRUCK, K. (2014), S. 93.

41 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 300.

42 Vgl. COPE, D. G. (2014), S. 89.

43 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 316.

44 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 317f.

45 Vgl. LINCOLN, Y. S./GUBA, E. G. (1985), S. 318ff.

46 Vgl. MILES, M. B./HUBERMAN, M. A. (1994), S. 266f.

47 Vgl. EISENHARDT, K. M. (1989), S. 537f.

48 Vgl. JICK, T. D. (1979), S. 602.

49 Vgl. DENZIN, N. K. (1973), S. 301.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Qualitätskriterien der qualitativen Wirtschaftsprüfungsforschung
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung)
Veranstaltung
Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung
Note
1
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V960836
ISBN (eBook)
9783346308023
ISBN (Buch)
9783346308030
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitativ, Audit, Forschung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Qualitätskriterien der qualitativen Wirtschaftsprüfungsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960836

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