Das Kind im Vorschulalter


Skript, 1999

20 Seiten, Note: 1


Gratis online lesen

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. Begriffsklärung

2. Körperliche Entwicklung

3. Kognitive Entwicklung
3.1 Denken
3.2 Sprache
3.3 Lernen

4. Sozial - Emotionale Entwicklung

5. Spielen und Gestalten

6. Verhaltensstörungen
6.1 Angst und Aggressivität
6.2 Erkennungsmerkmale - Schulversagen
6.3 Sprachstörungen
6.4 Psychosomatische Störungen
6.5 Methoden, die helfen können

NACHWORT

QUELLENVERZEICHNIS

ANHANG

EINLEITUNG

Dieses Lernskriptum soll einen umfassenden Überblick über die Entwicklungsstufe des 3-6- jährigen Kindes geben.

Wir werden versuchen auf die wichtigsten Punkte einzugehen und die Entwicklung des Kindes zu erklären.

1. BEGRIFFSKLÄRUNGEN

Was ist Entwicklung?

In kurzen Worten gefasst, kann Entwicklung als ein Kennzeichen alles Lebendigen bezeichnet werden. Sie ist durch biologisch - erbbedingte Voraussetzungen, Umwelteinflüsse und erzieherische Einwirkungen definiert und wird durch diese auch stark beeinflusst. Die Entwicklung ist vom jeweiligen Reifungsgrad des Kindes abhängig (vgl. Nickel/Schmidt- Denter; S.13ff). Entwicklung beschreibt einen kontinuierlichen Prozess, der nicht einmal dann abgeschlossen ist, wenn der Mensch erwachsen wird.

Was ist Entwicklungspsychologie?

„Aufgabe der Entwicklungspsychologie ist es, Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, nach denen sich das Verhalten des Menschen sowie seine Denkformen, seine Wahrnehmung, seine Haltungen und Einstellungen aber auch seine Leistungen im Laufe des Lebens verändern.“ (Zitat: Schenk-Danzinger; S.23)

2. KÖRPERLICHE ENTWICKLUNG

Heute lässt sich ein deutlicher Vorsprung an Körpergröße und Gewicht im Gegensatz zu Kindern in früheren Jahrzehnten beobachten. Einige Gründe dafür sind die Anhebung des Lebensstandards, die Art der Ernährung und die körperliche Pflege.

Das europäische und amerikanische Kind (im Alter von drei Jahren) ist in der Gegenwart im Durchschnitt 90cm groß und 14kg schwer. Die Körperlänge des Kindes erreicht am Anfang des dritten Lebensjahres ungefähr 50% der späteren Endgröße im Erwachsenenalter. Ab dem Alter von drei bis vier Jahren beträgt der jährliche Größenzuwachs bis zum Ende der Kindheit vier bis sechs Zentimeter pro Jahr. In ähnlicher Weise verläuft auch die Entwicklung des Körpergewichts. Im ersten Lebensjahr verdreifacht sich das Geburtsgewicht, danach sinkt die jährliche Gewichtszunahme und pendelt sich im Alter von drei bis sechs Jahren auf Werte um 30% ein.

Gegen Ende des Vorschulalters nimmt die Muskulatur zu, daher gelingen auch schon Übungen, die nur durch fortgeschrittene Grobmotorik durchführbar sind (Purzelbaum, Dreiradfahren). Die Feinmotorik wird erst nach und nach besser ausgebildet, da die großen Muskeln schneller wachsen. Gut erkennbar ist diese Entwicklung in den Stadien der Kinderzeichnung, wo die Verfeinerung der einzelnen Bewegungen deutlich zu sehen ist. In der Entwicklung der Körpermotorik macht das Kind im Vorschulalter die größten Fortschritte. Daher ist es besonders wichtig, dass Lehrer und Erzieher das Bewegungsbewusstsein durch gezielte Sporterziehung fördern. (vgl. Nickel/Schmidt-Denter, S. 67ff)

3. KOGNITIVE ENTWICKLUNG

Um einen besseren Überblick über die kognitive Entwicklung zu gewährleisten, unterteilen wir folgendermaßen:

- Denken
- Sprache
- Lernen

3.1. Denken

Jean Piagets Phase des voroperatorischen anschaulichen Denkens deckt sich in Bezug auf die kognitive Entwicklung mit dem Vorschulalter. Die Kinder sind in diesem Alter bereits fähig, über konkrete Ereignisse auf der Ebene der Vorstellung nachzudenken, sie werden unabhängiger von der direkten Beobachtung von Dingen und Vorgängen und sie verbessern im Laufe dieser Phase ihre Fähigkeit zum logischen Denken. Diese Entwicklung des Denkens ist für die weitere schulische Entwicklung ausschlaggebend. Piaget spricht vom „repräsentativen Denken“, das heißt, das Kind beginnt in zunehmendem Maße Symbole und Zeichen (Worte und Gesten) in seine Denkprozesse miteinzubeziehen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein Vorschulkind kann ein Auto bereits für sich repräsentieren

- durch das Wort „Auto“
- durch sein Vorstellungsbild eines Autos
- durch die Bewegung des Lenkraddrehens
- durch das Modell eines Autos
- durch einen beliebigen anderen Gegenstand

Kognitive Prozesse sind trotzdem noch in vielerlei Hinsicht eingeschränkt:

Durch Egozentrismus und mangelnde Reversibilität (damit ist gemeint, dass das Kind noch Schwierigkeiten hat, sich ein und dieselbe Sache aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven vorzustellen, sowie die Umkehrbarkeit von Handlungen in seine Denkprozesse miteinzubeziehen.

3.2. Sprache

Sprache bildet im Vorschulalter einen Schwerpunkt der kindlichen Lernfähigkeit. Dafür gibt es verschiedene Anzeichen:

- leichte Erlernbarkeit der Muttersprache
- Möglichkeit zwei Sprachen gleichzeitig zu erlernen (Zweisprachige Erziehung)
- Erweiterung des Wortschatzes durch die Phase des Fragealters
- gute Speicherfähigkeit für früh erworbene sprachliche Informationen (z. b. Kinderlieder, Gedichte, ...)

Bis zum 3. Lebensjahr reiht das Kind die Wörter dysgrammatikalisch aneinander. Erst ab dem 4. Lebensjahr kommt es zu einer fortschreitenden Grammatisierung der Sprache.

Das fünfjährige Kind kann schon fast wie ein Erwachsener Wünsche äußern, Fragen stellen und beantworten und Begründungen für sein Verhalten geben.

Zweijährige beherrschen durchschnittlich 200 Wörter, bis zum Beginn der Schulzeit erweitern sie ihren aktiven Wortschatz auf ca. 2.500 Wörter und verstehen etwa 13.000 Wörter. (Zum Vergleich: Der aktive Wortschatz eines gebildeten Erwachsenen umfasst etwa 20.000 bis 25.000 Wörter.)

Im dritten und vierten Lebensjahr verlagert sich das Neugierdeverhalten von der sensomotorischen Bewältigung - „begreifen durch Begreifen“ - auf die geistige Bewältigung, wobei die Sprache ein wichtiges Hilfsmittel darstellt. Diese Phase nennt man auch das Fragealter.

Die spontane , vermehrte sprachliche Aktivität im Fragealter hat drei wichtige Funktionen:

- Kontaktherstellung
- Wortschatzerweiterung und Begriffsbildung
- Informationsgewinn

Oft sind Eltern oder Erzieher mit der Beantwortung der Fragen überfordert. Aufgrund der obengenannten Funktionen wäre es aber besonders wichtig, die Kinder zum Fragen zu ermutigen und sich die Zeit zu nehmen ihnen befriedigende Antworten zu bieten.(vgl. Schenk-Danzinger, S. 136ff)

3.3. Lernen

Lernen ist eine Reaktion auf eine Aktion. Es entsteht eine neue Aktivität. Hierzu ein Beispiel:

Das Kind soll den richtigen Umgang mit Messer und Gabel beim Essen erlernen. Die Eltern zeigen dem Kind, wie Messer und Gabel richtig gehalten werden. Das Kind schaut den Erwachsenen beim Essen zu, es „übt“ die richtige Handhabung und hat schließlich durch das Lernen eine neue Aktivität geschaffen.

Das Kind muss in den ersten Jahren seiner Entwicklung noch viele wichtige Lernstadien durchlaufen, um jene geistigen Fähigkeiten, Funktionen und Fertigkeiten zu erwerben, die den Jugendlichen oder den erwachsenen Menschen kennzeichnen.

Lern- und Gedächtnisleistungen im Verlauf der Kindheit können sich vor allem dann verbessern, wenn

- Lernen und Einprägen konkrete Ziele haben (zum Beispiel Inhalte von Geschichten und Märchen bewusst mit den Kindern aufarbeiten)
- Lerninhalte systematisch gegliedert werden (zum Beispiel Vokabeln nach Kategorien lernen)
- Das Gelernte in eigene Worte gefasst werden soll ( zum Beispiel freies Nacherzählen eines Märchens)

Der Begriff Lernen umfasst auch noch mehr als nur das Hinzugewinnen neuer Fähigkeiten. Er umschließt außerdem alle Formen des sozialen Verhaltens sowie die Ausbildung von Einstellungen und Werthaltungen. Fehlt dabei ein wichtiger Faktor wie zum Beispiel Zuneigung, Anreize, etc. in der Umwelt des Kindes, kann es zu Entwicklungsstörungen kommen. Ein gezieltes Förderprogramm kann hier helfen. Sinnvoll ist dies aber nur, wenn das Kind mit Lerninhalten, Förderprogrammen udgl. nicht überfordert und das Programm individuell auf das Kind zugeschnitten wird. (vgl. Nickel/Schmidt-Denter, S. 23ff, Weinert, S. 85ff)

4. SOZIAL - EMOTIONALE ENTWICKLUNG

Das Handel des vier- und fünfjährigen wird bestimmt durch seinen Mut und seine Initiative, seine Experimentierfreude und die Suche nach Selbstvertrauen. Und plötzlich bekommt es wieder Angst vor der eigenen Courage und erlebt so immer wieder Krisenmomente - sie sind ein ganz wichtiger Faktor für die Entwicklung.

Auch die Beziehung zu den Eltern bleibt von diesen Krisenerlebnissen des Kindes nicht unberührt, und nicht selten kommt es zu trotzigem Aufbegehren gegen Vorschriften. So müssen sich Eltern und Erzieher in dieser Phase bemühen, dem Kind weiterhin ein verlässliches, berechenbares Umfeld zu bieten und es gleichzeitig eigene Erfahrungen in allen Lebensbereichen machen zu lassen.

Die Kinder fangen an Vergleiche zu ziehen. Die Neugier auf Unterschiede, Einordnungen, Geschlechts- und Altersunterschiede ist unerschöpflich. Soziale Rollen und mögliche zukünftige Rollen werden beobachtet, spielerisch erprobt und erfasst.

Das Kind lernt ein eigenes, von der Familie unabhängiges, soziales Bezugssystem kennen, den Kindergarten. Dort trifft es auf neue Kinder, mit denen es nicht nur kurze Zeit verbringt sondern mehrere Jahre.

In dieser Gruppe spielen, toben, streiten die Kinder miteinander, und schließen Freundschaften, ohne dass Vater und Mutter dabei sind und schützen, helfen oder vermitteln können.

Das Kind muss in der Gruppe seinen Platz finden, manche schließen sich aus oder werden ausgeschlossen. Doch Kinder suchen nach Spielpartnern, passen sich wechselnden Bedingungen an und drängen nach der Erfahrung, wie es ist, mit anderen in Kontakt zu kommen.

Jedes Kind braucht seine Zeit, um seinen Platz zu finden und seine Beitrag zu leisten. Dann entwickelt sich ein Gruppengefühl, die anderen werden „meine Gruppe“, „wir“.

Im Bereich der Kindergärten gibt es zwei alternative Modelle, die wir kurz vorstellen möchten:

Modell Montessori

Die pädagogischen Ideen der italienischen Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori sind im Bereich der Kindergarten- und Vorschulpädagogik von großer Aktualität und eine wichtige Ergänzung der Konzepte kindlicher Entwicklung. Sie helfen aber auch im Erziehungsalltag, Kinder besser zu verstehen und auf sie einzugehen.

Wichtige Grundsätze sind z.B. Das Kind steht im Mittelpunkt; Hilf mir, es selbst zu tun; Sensibilität für Ordnung; Selbstbestimmung und Selbständigkeit; Konzentrationsfähigkeit und Kinder lernen voneinander

Waldorferziehung

Diese Erziehung stützt sich auf das anthroposophische Konzept Rudolf Steiners.

Kindern, die einen Waldorfkindergarten oder eine Steiner-Schule besuchen, soll nicht nur Wissen und Können vermittelt werden sondern auch ein stützender Lebensgehalt und ein Sinnhorizont für das Leben.

Der Kindergarten soll eine „schützende Hülle“ für die Kinder und für die pädagogischen Ziele sein.

Es gibt genaue Vorstellungen darüber, was die kindliche Phantasie anregt, welche Räume, Farben, Materialien und Stoffe ihm gut tun. Die Waldorfpädagogik gibt klare Strukturen, Rhythmen und Regeln vor.

Spielen hat in diesem Alter eine besondere Bedeutung, denn im Spielen geht der Prozess des Lernens weiter, und es werden die Fundamente für den Fortgang der kognitiven und emotionalen Entwicklung gelegt. (König-Becker, S. 76ff)

5. Spielen und Gestalten

Das Spielen und Gestalten ist eine weitere Form des Lernens. Aus diesem Grund möchten wir diesem Thema ein eigenes Kapitel widmen.

Im Wesentlichen gibt es drei Merkmale des Spiels, welche die Vielfalt des Spielverhaltens beschreiben:

1) Spielen ist eher ein spontanes Verhalten und weniger von außen initiiert.
2) Spieltätigkeiten werden um ihrer selbst willen ausgeführt, sie motivieren Kinder gleichsam von innen heraus.
3) Spielen bereitet Vergnügen, es ist also von positiven Gefühlen begleitet.

Spielen ist eine Begegnung und Auseinandersetzung mit der sozialen und dinglichen Umwelt eines Kindes. Spiele haben keinen äußeren Zweck, sind zwanglos und bereiten Vergnügen.

Zu Beginn des 3. Lebensjahres beschäftigt sich das Kind zunehmend mit Herstell- oder Konstruktionsspielen. Das prägendste Merkmal dieser Spiele ist, dass das Kind ein bestimmtes Ziel anstrebt. Etwa vom dritten bis vierten Lebensjahr an beginnt das Kind bewusst einen bestimmten Gegenstand herzustellen. Die Benennung des Ziels kann sich allerdings im Laufe des Spiels noch wiederholt ändern. Zum Beispiel: das Kind baut aus Steinen einen Turm. Während des Spiels wird der Turm zum Auto, dann zum Flugzeug.

Ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Spiels ist das Phantasie- und Rollenspiel. Dabei kann das Kind Umwelterfahrungen verarbeiten und neue soziale Beziehungen erproben. Seinen Höhepunkt erreicht es im vierten Lebensjahr, da es zu diesem Zeitpunkt das Konstruktionsspiel größtenteils ablöst. Im Rollenspiel setzt sich das Kind mit den Personen seiner Umgebung und mit dem, was sie tun auseinander. Das Kind stellt das Verhalten der Erwachsenen spielerisch dar. Beispiel: Kind sieht die Mutter beim Kochen, das Kind kocht anschließend in der Puppenküche für seine Puppen.

Von großer Bedeutung ist auch das Rezeptionsspiel. Darunter wird das Betrachten von Bildern oder das Zuhören beim Vorlesen einer Geschichte verstanden.

Beim Regelspiel ist der Ablauf fest geregelt. Sie vermitteln wichtige Erfahrungen sowohl in geistiger Hinsicht als auch bezüglich der sozialen Interaktion. Dazu gehören zum Beispiel Würfel- und Gesellschaftsspiele, verschiedene Bewegungsspiele und andere.

Die durch die Spielformen gewonnenen Erfahrungen setzt das Kind zum Teil im Umgang mit Spielsachen ein und es erprobt dabei auch Formen des sozialen Verhaltens. Dadurch ist es dem Kind leichter möglich, Kontakt mit Gleichaltrigen aufzunehmen und erste soziale Erfahrungen zu sammeln.

Eltern und Erzieher sollten bei der Auswahl des Spielmaterials folgende Punkte berücksichtigen:

- Der Spielgegenstand soll dem Alter des Kindes angepasst sein. Eine Überforderung des Kindes durch das Spielmaterials kann durch Enttäuschung und Ablehnung führen.
- Das Spielzeug soll die Phantasie des Kindes nicht einschränken.
- Das Spielzeug soll vielseitig verwendbar sein und viele verschiedene Spielmöglichkeiten bieten (zum Beispiel Baukasten)
- Das Spielzeug soll in Form, Gestalt und Farbe aufeinander abgestimmt sein (Kunterbuntes Spielzeug wirkt ablenkend.
- Es sollte nicht zu viel Spielzeug auf einmal angeboten werden. Ø Das Spielmaterial soll robust und haltbar sein.

Eine spezielle Form des Spiels ist die Kinderzeichnung. In der Frühphase des Zeichnens fährt das Kind meistens nur mit Farbstiften auf der Unterlage hin und her. Im weitesten Sinne können diese Kritzeleien als Funktions- oder Tätigkeitsspiele bezeichnet werden. Die Bewegungen wirken anfänglich verkrampft und eckig. Erst im Verlauf zum dritten bis vierten Lebensjahr ist der Übergang zum Konzeptkritzeln, Die Zeichnungen des Kindes erhalten Darstellungsteile, wie Kopffüßler, Kastenformen, etc. Anfangs erfolgt die Benennung der Zeichnung erst nachträglich, später wird die Zeichnung zuerst benannt und dann gezeichnet.

Da das zeichnerische und bildnerische Gestalten in hohem Maße durch Umweltfaktoren positiv wie negativ beeinflusst wird, sollte auch seine erzieherische Förderung den Eltern und Erziehern ein besonderes Anliegen sein. Ähnlich wie das Kinderspiel ermöglicht es eine kindgemäße und vor allem schöpferische Betätigung und Umweltbewältigung.

BILD

(aus Nickel/Schmidt-Denter, S. 162)

6. Verhaltensstörungen

6.1 Angst und Aggressivität

Angst und Aggressivität zeigen ähnliche körperliche Symptome (blass werden, zunächst schwere Atmung, dann beschleunigte Atmung und Herzschlag,...).

Über die Ursachen von Angst gibt es verschiedene Theorien:

Theorie nach Freud: Angst ist von Anfang an vorhanden ist.

Der lerntheoretische Ansatz: Angst wird als Reaktion erlernt

Theorien über Aggressivität:

- die Triebtheorie (Freud): Aggression ist ein Grundtrieb des Menschen
- die Frustrations-Aggressions-Hypothese (Dollard): Aggression wird ausgelöst durch eine vorhergehende Frustration
- Berkowitz: Frustration löst nicht direkt Aggression aus, sondern Angst und diese Angst führt dann zu aggressiven Reaktionen.

Quellen aggressiven Verhaltens:

- erlittene Aggressivität: Dazu gehören z.B. körperliche Strafen im Elternhaus, auch wenn sie nur in geringem Ausmaß eingesetzt werden, da das Kind eine “sozial minderwertige Form der Konfliktlösung” lernt.
- beobachtete Aggressivität: Das Kind übernimmt das Verhalten, das es bei anderen beobachtet, allerdings meist nur dann, wenn die beobachtete aggressive Person mit ihrem Verhalten Erfolg hat, also direkt oder indirekt belohnt wird.

Auch ein verwirrender Erziehungsstil, bei dem das Kind für das gleiche Verhalten unterschiedliche Reaktionen erfährt, oder Laisser-faire-Stil, der dem Kind keine Orientierung über richtiges und falsches Verhalten bietet, können aggressives Verhalten auslösen.

Hinter demonstrativ aggressivem Verhalten steht immer Angst. Daher muss man bei aggressiven Kindern immer versuchen herauszufinden, wovor sich das Kind fürchtet, und dort gezielt mit der Hilfe beginnen.

6.2 Erkennungsmerkmale für späteres Schulversagen

- Frühsymptome der neurotischen Leistungsänderung

Gemeint ist damit, dass ein Kind Leistungsanforderungen als bedrohlich erlebt und mit Leistungsversagen reagiert. Hierfür gibt es Frühsymptome, die schon im Kindergartenalter auftreten.

- Intentionale Lü>Das bedeutet, dass das Kind nicht fähig ist, die Umgebung so wahrzunehmen wie andere Kinder das tun. So hat eine sorgfältig gestaltete Umgebung keinen Aufforderungscharakter, das Kind weiß mit Spielen nichts anzufangen, bei Spielvorschlägen scheitern sie daran, das geeignete Material dafür zu finden.

- Spielhemmung:

Sie ist ein häufiges Zeichen für spätere Verhaltensauffälligkeit: Einem Kind, das nicht spielen kann, fehlt das Erleben der Freude an kindlicher Tätigkeit und an neuerworbenen Fähigkeiten. Es lernt auch nicht, im Spiel Konflikte zu lösen und kann dann auch mit realen Konflikten nicht umgehen.

- Ungeduld:

Das Kind erlebt Wartenmüssen als Unrecht, alle müssen seine Wünsche sofort erfüllen, es kann auch vorläufige Lösungen nicht akzeptieren.

- aggressive Gehemmtheit:

Diese Kinder sind häufig überangepasst, Konflikte und Widerspruch werden vermieden, die Kinder glauben, sich Zuneigung durch ständiges angepasstes Verhalten verdienen zu müssen.

- Frühsymptome der Legasthenie

Legastheniker haben häufig in folgenden Bereichen Schwierigkeiten:

- Synästhesie = verschiedene Sinneseindrücke können nicht leicht miteinander
- verbunden werden.
- Synthese und Analyse auf der Abstraktionsebene = sie können Teile nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen und aus einem Gesamtbild kein Teilbild herauslösen
- Symbolbildung = leichte Figuren können nicht mit dem Sinngehalt verbunden werden.
- Hilfe im Kindergarten

- Konzentrationsschwächen

Man spricht erst dann von einer Konzentrationsschwäche, wenn das Kind sich auch mit selbstgewählten Beschäftigungen nur kurze Zeit beschäftigen kann. Ein Grund dafür kann Reizüberflutung sein und so kann man Hilfe leisten, indem man einen Raum für das Kind zur Verfügung stellt, indem nur wenig Material und damit Reizeinflüsse vorhanden sind.

- Herabsetzung der Prägnanz

Prägnanz ist die Fähigkeit Bilder oder andere Sinneseindrücke (akustisch, optisch,...) so genau wahrzunehmen, dass bereits geringe Differenzen zwischen Sinneseindrücken erkannt werden können. Mangelhafte Prägnanz ist eine Syndromkomponente von Legasthenie, da ja gerade Lesen und Schreiben genaue Differenzierung erfordert (z.B. 1 und 7, n und m,...)

- Orientierungsschwäche

Besondere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Orientierung, wie die Unterscheidung von links und rechts, oben und unten erfordert. Das führt z.B. dazu, dass das Kind Schwierigkeiten hat d, b, p, q auseinander zukennen.

6.3 Sprachstörungen

Gesichtspunkte der Beurteilung von Sprache sind:

- Formale Richtigkeit (Syntaktik)
- Inhaltliche Stimmigkeit (Semantik)
- Bedeutungsgehalt (Pragmatik) = Die Bedeutung des Gesagten ist klar
- Sprechverlauf = rhythmischer Redefluss

Fehler in der Kindersprache und deren Ursache:

- Sensorische Fehler ➔ die Wahrnehmung des Kindes ist noch nicht ausreichend differenziert, es kann die gehörte Sprache nicht durchgliedern
- Motorische Fehler ➔ die Artikulationsfähigkeit des Kindes ist noch nicht genügend entwickelt.
- Reproduktive Fehler ➔ die Erinnerungsfähigkeit des Kindes ist noch mangelhaft, häufig handelt es sich um Flüchtigkeitsfehler. Der Zuhörer versteht trotzdem den Sinn.

- Sprachstörungen, alarmierende Zeichen

Unter Sprachentwicklungsstörung versteht man eine nicht altersgemäß entwickelte Sprache. Symptome einer möglichen Sprachstörung sind:

- Verringerter Wortschatz
- Erschwerte Wortfindung
- Fehlerhafte grammatische Durchgliederung
- Stammeln (Dyslalie)

Die Ursachen einer Sprachstörung müssen in fachärztlichen Untersuchungen ausfindig gemacht werden, erst dann kann eine sinnvolle Behandlung stattfinden (je nachdem ob die Ursache eine verringerte Hörfähigkeit oder z.B. eine Intelligenzdefekt ist, sieht die Behandlung völlig unterschiedlich aus.)

- Stottern, die häufigste Sprechstörung

Folgende Punkte sind bei der Betrachtung des Stotterns wichtig:

- Stottern kann ein Symptom der Verdrängung sein und weißt dadurch auf eine psychosomatisch Störung hin. In diesem Fall darf nicht nur das Symptom, also das Stottern, behandelt werden, sondern dessen Ursache.
- Es geibt keine Beweise für eine Veranlagung zum Stottern.
- Es gibt kaum Stotternde, die in jeder Situation stottern (d.h. beim singen flüstern schreien )

- Möglichkeit der Hilfe

Zur Heilung von Sprachstörungen stehen heute folgende Methoden zur Verfügung:

- Behandlung durch einen ausgebildeten Sprachheilpädagogen / Logopäden.
- Durchführung einer Psychotherapie (z.B.: in Form einer Spieltherapie), durch einen entsprechend ausgebildeten Diplompsychologen
- Durchführung einer Heilpädagogischen Spieltherapie, durch einen entsprechend ausgebildeten Heilpädagogen.
- Durchführung einer Verhaltenstherapie, durch einen entsprechend ausgebildeten Verhaltenstherapeuten

6.4 Psychosomatische Störungen

- Einnässen stört immer die Familie, manchmal auch das Kind:

Zunächst erklären wir wichtige Fachbegriffe:

Enuresis = nächtliches Einnässen

Diuresis = Einnässen tagsüber

primäre Enuresis = Einnässen von früher Kindheit an, es hat nie eine kontrollierte Miktion (= Harnlassen gegeben)

sekundäre Enuresis = Einnässen, nachdem eine kontrollierte Miktion schon vorlag Enuresis perpetua = tägliches Einnässen

Nur bei sehr wenigen Enuretikern ist eine organische Ursache dafür verantwortlich, die der Urologe feststellen kann. Es gibt sehr viele Hypothesen über Enuresie in der einschlägigen Literatur.

- Möglichkeiten zur Hilfe

Richtige Hilfe hängt davon ab, wie Enuresis überhaupt entsteht. Dazu gibt es verschiedene Theorien.

Die tiefenpsychologische Betrachtungsweise geht davon aus, dass zwischen der Enuresis und der Sexualität eine enge Beziehung besteht. So wird die Enuresis für eine neurotische Störung mit einem hysterischen Symptom gehalten (Kemper).

Man glaubt, dass das Kind:

- eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung aufweist
- eine für das Kind zu geringe Bestätigung für seine Leistungen findet
- eine Umwelt, der es sich zärtlich verbunden fühlt, nicht findet
- Enttäuschungen in aggressiver Weise zu kompensieren versucht

Bei diesen Ursachen wird eine analytische Behandlung empfohlen, dem Kind soll dadurch geholfen werden, seine Persönlichkeitsstruktur zu ordnen.

Die lerntheoretische Betrachtungsweise geht davon aus, dass auch das Miktionsverhalten erlernt werden kann. Es ist aber dem Kind nicht geholfen, wenn die Eltern es immer wieder in der Nacht wecken um das Einnässen zu verhindern. Der Weckreiz muss so wie bei den anderen automatisch dann einsetzen, wenn ein gewisser Druck der Harnblase schon besteht. So wurde eine Hilfe erfunden, die ich selbst unter dem Namen Klingelhose kenne. Diese Hose reagiert sobald nur ein Tropfen Harn auf die Hose gelangt und es ertönt ein Klingelton. Das Kind will unterbewusst diesen Weckton nicht hören und nach einiger Zeit verspürt es noch bevor es zum Weckruf kommt den Harndrang. Diese Hilfe wird vor allem bei primären Enuretikern angewandt.

Außerdem gibt es auch noch die medikamentöse Behandlung, für die eine Reihe von Psychopharmaka zur Verfügung stehen. Es zeigte sich aber, dass die Häufigkeit des Einnässen wieder stieg, sobald das Medikament abgesetzt wurde.

Andere psychosomatische Störungen sind

- Daumenlutschen, Nägelkauen, Haarausreißen

6.5 Methoden, die helfen können

Viele Methoden können nur von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Einige davon sind:

- Heilpädagogische Spieltherapie
- Heilpädagogische Übungsbehandlung
- Heilpädagogische Rhythmik
- Verhaltenstherapie

NACHWORT

Wir hoffen es ist uns gelungen, unsere Arbeiten gut zu verbinden und zusätzliche Informationen gut einzufügen, und somit einen umfassenden Überblick über die Entwicklungspsychologie im Vorschulalter zu geben.

QUELLENVERZEICHNIS

- König- Becker, Cornelia: Mein Kind von 3 bis 6. Ravensburger, Berlin 1998
- Niegl, Agnes: Frühe Kindheit. Fundament des menschlichen Lebens. Niederösterreichisches Pressehaus, Wien 1985
- Rossmann, Peter: Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Verlag Hans Huber, Bern 1996
- Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten. Herder, Freiburg 1998
- Schenk-Danzinger, Lotte: Entwicklungspsychologie. 22. Auflage; Bundesverlag,Linz 1993
- Schmidt-Denter Ulrich, Nickel Horst: Vom Kleinkind zum Schulkind. Ernst Reinhardt, GmbH & Co Verlag, 1995
- Weinert, Franz: Entwicklung im Kindesalter. BELTZ, München 1998

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Das Kind im Vorschulalter
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autoren
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V96084
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kind, Vorschulalter
Arbeit zitieren
Markus Woschitz (Autor)Marina Bauer (Autor)Judith Kühschelm (Autor)Kerstin Horvath (Autor), 1999, Das Kind im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96084

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Kind im Vorschulalter



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden