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Jürgen Habermas - Faktizität und Geltung - Wandel der Rechtsparadigmen

Title: Jürgen Habermas - Faktizität und Geltung - Wandel der Rechtsparadigmen

Term Paper , 2002 , 13 Pages , Grade: gut

Autor:in: Thomas Schröder (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Der Kern der theoretischen Ausführungen Habermas’ findet sich in der Überlegung, dass das jeweilige Bild, welches eine Gesellschaft von sich selbst hat, das jeweilige Rechtsparadigma prägt und formt. Anders gesagt ist es also das implizite Verständnis, das die Mitglieder einer Gesellschaft von dieser Gesellschaft haben; das unreflektierte Selbstverständnis. Welche Mitglieder ihr implizites Verständnis jeweils zur Geltung bringen können, hängt ebenfalls von dem bestimmenden Paradigma ab. Es besteht demnach ein reziprokes Verhältnis zwischen den Paradigmen und der gesellschaftlichen Eigenwahrnehmung. Im Folgenden wird der Paradigmenwandel in Zusammenhang mit der Krise des Sozialstaats, den Habermas konstatiert, nachgezeichnet und kommentiert.
Das Hauptanliegen dieser Arbeit ist die Vertiefung der Frage, inwieweit das von Habermas beschriebene prozeduralistische Rechtsparadigma den Ausweg aus der dilemmatösen Situation des derzeitigen Sozialstaatsmodells weisen kann. Ein weiteres Anliegen dieser Arbeit ist die Diskussion der Habermasschen Überlegungen unter Zuhilfenahme wenigst möglicher Sekundärliteratur, was ein elaboriertes Eigenverständnis erfordert. Dieser Anspruch gründet sich in der Absicht, hinreichenden Spielraum für die Entfaltung eigener Theorieansätze und analytischer Lesarten zu gewähren. Selbstverständlich schließt dieser Anspruch das Einholen von sekundärliterarischen Ratschlägen nicht völlig aus.


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Deliberative Demokratie

2. Wandel der Rechtsparadigmen seit 1945

3. Freiheitsstatus im Sozialstaat

4. Partikularisierung der Rechts

5. Das Dilemma des sozialstaatlichen Paternalismus

6. Kommunikative Reproduktion von Legitimität

7. Privatrechtliches Dilemma im Sozialstaat

8. Rechtliche und faktische Gleichheit

9. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Rechtsparadigmen bei Jürgen Habermas, insbesondere im Kontext der Krise des Sozialstaats. Ziel ist es, zu analysieren, ob das von Habermas entwickelte prozeduralistische Rechtsparadigma einen Ausweg aus der dilemmatösen Situation moderner Sozialstaatsmodelle bieten kann.

  • Analyse des Zusammenhangs zwischen gesellschaftlichem Selbstbild und Rechtsparadigmen.
  • Untersuchung des Verhältnisses von privater und öffentlicher Autonomie.
  • Kritische Diskussion der deliberativen Demokratie und ihrer Voraussetzungen.
  • Theoretische Auseinandersetzung mit der Dialektik von rechtlicher und faktischer Gleichheit.

Auszug aus dem Buch

5. Das Dilemma des sozialstaatlichen Paternalismus

Privatautonomie, die als allgemeines Freiheitsrecht verstanden wird, bedingt immer auch ein allgemeines Gleichheitsrecht, nämlich das Recht auf Gleichbehandlung gemäß Normen. Das Sozialstaatsmodell sieht die Trennung von Wirtschaft und Staat in unterschiedliche Handlungssphären vor; die Wirtschaft ist demnach liberal institutionalisiert, der Staat dient der Verwirklichung des Gemeinwohls. Das Sozialstaatsmodell ist an die Erwartung geknüpft soziale Gerechtigkeit durch den Ausschluss individueller Freiheitssphären zu realisieren, sie also in Form eines negativen Rechtsstatus zu gewähren und gleich zu verteilen.

Um die Änderung der Prämissen nachvollziehen zu können, unter denen gesellschaftliche Selbstwahrnehmung stattgefunden hat, muss zunächst das gewandelte Hintergrundverständnis erläutert werden, das dies bewirkt hat. Das neue implizite gesellschaftliche Selbstbild setzt sich zusammen aus einem schwer durchdringlichen Geflecht von Faktoren.

Eine in ihrer Komplexität gesteigerte Gesellschaft zeigt sich in der Differenzierung von funktional spezifizierten Handlungsbereichen sowie in der Verdrängung ihrer handelnden Akteure in die Rolle von „Klienten“ (Habermas, 1992, 488) und konfrontiert ihre Mitglieder mit anwachsender systemischer Kontingenz (vgl. Luhmann, 1984, 47). Eine solche Gesellschaft setzt sich selbst dem Druck der Erwartung aus, diese Kontingenz durch administrative Regulationen, also durch staatlich initiierte Steuerungsleistungen normativ zu verringern.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Rechtsparadigmen und Zielsetzung der theoretischen Untersuchung.

1. Deliberative Demokratie: Darstellung des Modells der Diskursethik als Versuch, faire politische Entscheidungsfindung prozedural zu sichern.

2. Wandel der Rechtsparadigmen seit 1945: Analyse der gesellschaftlichen Selbstwahrnehmung als Basis für den Paradigmenwandel des Rechts.

3. Freiheitsstatus im Sozialstaat: Erörterung der Spannung zwischen negativer Freiheit vor staatlichen Eingriffen und positiver Freiheit durch staatliche Handlungsnormen.

4. Partikularisierung der Rechts: Untersuchung der internen Differenzierung des Rechtssystems und ihrer Auswirkungen auf die individuelle Selbstbestimmung.

5. Das Dilemma des sozialstaatlichen Paternalismus: Analyse des Konflikts zwischen paternalistischer staatlicher Steuerung und dem Anspruch auf private Autonomie.

6. Kommunikative Reproduktion von Legitimität: Erläuterung der Entstehung von Legitimität aus der zivilgesellschaftlichen Kommunikation.

7. Privatrechtliches Dilemma im Sozialstaat: Kritik an den hohen Anforderungen an juristische Kompetenz bei gleichzeitigem Anspruch auf einklagbares Recht.

8. Rechtliche und faktische Gleichheit: Diskussion des Verhältnisses von Gleichbehandlung, Integration und dem prozeduralistischen Rechtsparadigma.

9. Resümee: Zusammenfassende Bewertung des Habermasschen Konzepts als theoretischer Schlüssel für komplexe Rechtszusammenhänge.

Schlüsselwörter

Habermas, Faktizität und Geltung, Rechtsparadigma, Sozialstaat, Deliberative Demokratie, Diskursethik, Privatautonomie, Öffentliche Autonomie, Kommunikative Rationalität, Rechtsstaat, Legitimität, Systemtheorie, Gleichheit, Prozeduralismus, Rechtssituation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die soziologische und rechtsphilosophische Analyse von Jürgen Habermas, insbesondere sein Werk "Faktizität und Geltung", um den Wandel der Rechtsparadigmen im Kontext des modernen Sozialstaats zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die deliberative Demokratie, das Verhältnis von privater und öffentlicher Autonomie, der Sozialstaat sowie die Frage nach der Legitimität von Recht durch diskursive Prozesse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu prüfen, ob Habermas' prozeduralistisches Rechtsparadigma den Sozialstaat aus seiner aktuellen, als dilemmatös wahrgenommenen Situation herausführen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf einer intensiven Auseinandersetzung mit Primärtexten von Habermas sowie Bezügen zur Systemtheorie (Luhmann) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kapitel, die Themen wie den Freiheitsstatus im Sozialstaat, die Partikularisierung des Rechts, das Dilemma des Paternalismus und das Verhältnis von rechtlicher und faktischer Gleichheit detailliert beleuchten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Faktizität und Geltung, deliberative Demokratie, prozeduralistisches Rechtsparadigma, Privatautonomie und soziale Gerechtigkeit.

Wie bewertet der Autor den Begriff "Klienten" im Sozialstaat?

Der Autor greift Habermas auf, um zu verdeutlichen, dass durch die zunehmende administrative Regulation Bürger in eine passive Klientenrolle gedrängt werden, was ihre individuelle Autonomie untergräbt.

Welche Bedeutung hat das "Kommunikationsrecht" nach Häberle in diesem Kontext?

Es dient als theoretischer Ansatz, um Verfahrensteilhabe als soziales Leistungsrecht zu etablieren und die Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb des Rechtswesens zu stärken.

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Details

Title
Jürgen Habermas - Faktizität und Geltung - Wandel der Rechtsparadigmen
College
University of Göttingen  (Politikwissenschaftliche Fakultät)
Grade
gut
Author
Thomas Schröder (Author)
Publication Year
2002
Pages
13
Catalog Number
V9608
ISBN (eBook)
9783638162654
ISBN (Book)
9783638757164
Language
German
Tags
Wandel der Rechtsparadigmen PAradigmen des Rechts Paradigma Habermas Faktizität Geltung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Schröder (Author), 2002, Jürgen Habermas - Faktizität und Geltung - Wandel der Rechtsparadigmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9608
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