Max Weber - Der Werturteilsstreit


Exzerpt, 2001

9 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) MAX WEBER UND DER WERTURTEILSSTREIT

II. LOGISCHE UND ERKENNTNISTHEORETISCHE ASPEKTE DER WERTPROBLEMATIK

IV. ZUM PROBLEM DER PRAKTISCHEN ANWENDUNG DER WISSENSCHAFT

V. ZUR KRITIK DES ZWECK-MITTEL-DENKENS IN DEN SOZIALWISSENSCHAFTEN

VI. ZUR KRITIK DER „KRITISCHEN THEORIE“

VII. ZUM PROBLEM EINER ADÄQUATEN SOZIALEN ORDNUNG

LITERATUR

Die Wertfreiheitsproblematik und der normative Hintergrund der Wissenschaft

I.) Max Weber und der Werturteilsstreit

Behandlung normativer Probleme (Erbe der Antiken Philosophie) reicht bis in den Zuständigkeitsbereich der modernen Sozialphilosophie und insofern auch in den Bereich der Sozialwissenschaften David Hume stellt im sog. „Humeschen Gesetz“ die These auf, dass sich aus Aussagen über tatsächliche Zustände und Zusammenhänge (Sachaussagen /Tatsachenaussagen) keine Werturteile (Sollsätze, „normative Konsequenzen“) ableiten lassen Diese These allerdings ist oft bestritten worden, aber nie mittels stichhaltiger Argumente widerlegt.

Oftmals (trotz Hume) ist es in modernen sozialwissenschaftlichen Analysen zu Umschärfen im Zusammenhang zwischen den nicht explizit normativen Passagen und den Tatsachenaussagen gekommen. Außerdem scheint die wiss. Erkenntnis selbst z.T. auf Werturteilen zu beruhen, so dass die strikte Trennung von letzteren und den Sachaussagen sehr problematisch ist.

Die gängige Argumentation knüpft auch heute noch an das methodolgische Prinzip der Wertfreiheit nach Weber an; demnach können Realwissenschaften ausschließlich über Handlungsmöglichkeiten informieren. Sie können keine Anweisungen zu Handlungen leisten und insofern auch keine normativen Aussagen formulieren.

Kritik am Weberschen Wertfreiheitsprinzip:

Geringer praktischer Nutzen der so restringierten Wissenschaft für die Lösung sozialer Probleme. Aufrichtung von Erkenntnisschranken und Verzicht auf mögliche Erkenntnisse.

II. Logische und erkenntnistheoretische Aspekte der Wertproblematik

Weber hat bei seinen Untersuchungen zur Methodologie der Sozialwissenschaften fast alle Aspekte der Wertfreiheitsproblematik abgehandelt; eine logische und systematische Analyse der normativen Aussagen hat er jedoch unterlassen.

Die moderne moralphilosophische Diskussion hat zur Systematisierung der Probleme beigetragen. Folgende Extrempositionen gelten mittlerweile als unhaltbar:

1.) Expressive Deutungen, d.h. Deutungen in Form von Werturteilen „als bloßer Ausdruck von Gefühlen usw.“, die den Bezug zur Realität nicht berücksichtigen.
2.) Deutungen, die der normativen Funktion von Aussagen nicht Rechnung tragen, sie z.B. auf Tatsachenaussagen reduzieren.
3.) „Deutungen, die die Möglichkeit rationaler Argumentation über Wertprobleme und den Anspruch auf objektive Geltung nicht verständlich machen können“ (z.B. in der Werbung, Rhetorik)

Im Alltagsdenken und in der philosophischen Diskussion verbreitet ist ein „Wert- Platonismus“, die Annahme nämlich, dass Werte, Normen oder Wertverhalte Bestandteile der Wirklichkeit sind, die durch Erkenntnisakte erfasst werden können. In diesem Sinne wäre die Deutung akzeptabel, der zufolge normative Aussagen insofern einen normativen Realitätsbezug haben, als sie bestimmte Sachverhalte für das Handeln auszeichnen bzw. ausschließen. Hierbei wird allerdings immer auf allgemein akzeptierte Wertmaßstäbe oder Handlungsmaximen Bezug genommen.

Bsp: „Die Verteilung des Sozialprodukts im Lande L und im Zeitraum Z ist ungerecht.“: Ein solches Urteil enthält präskriptive Sinnkomponenten („ungerecht“), die in rein kognitiven -wahrheitsfähigen - Aussagen nicht vorkommen.

Die Diskussion eines derartigen Urteils kann in zweierlei Weise verlaufen: Es kommt zur

1.) Infragestellung des Inhaltes bzw. der Anwendbarkeit einer Aussage oder zur
2.) Infragestellung der Norm (hier: Was ist gerecht/ ungerecht?)

Letzteres führt zur Frage der letzten Wertaxiome, die nach Webers Auffassung kritikimmun sind (These von der Kritikimmunität letzter Vorraussetzungen). III. Methodologische Aspekte der Wertproblematik (der Sozialwissenschaften)

Es lassen sich hier drei Fragekomplexe unterscheiden:

1.) Das Problem der Wertungen im Objektbereich der Wissenschaften
2.) Das Problem der Wertungen in der Forschungspraxis der Wissenschaften
3.) Das Problem der Wertungen innerhalb sozialwissenschaftlicher Aussagesysteme, d.h. die Frage, inwieweit sozialwissenschaftliche Aussagen selbst den Charakter von Werturteilen haben.

zu 1.) Das Problem ist nicht kontrovers, da Wertungen als Verhaltensweisungen für soziale Tatbestände konstitutiv sein können und somit in den Objektbereich der Sozialwissenschaften fallen.

zu 2.) Es gilt 1.), soweit die betreffenden Wertgesichtspunkte am Ziel des Erkenntnisgewinnes orientiert sind.

Problematisch ist , dass methodologische Konzeptionen selbst an Werturteilen ausgerichtet sind. Diese Werturteile wiederum sind orientiert an den Zielen der Erkenntnis.

(Ideologieproblematik)

zu 3.) Das eigentliche Werturteilsproblem liegt darin, das es offensichtlich keine Notwendigkeit zur Aufnahme von Werturteilen in analytischen Aussagesystemen gibt. Weber fordert mit dem Prinzip der Wertfreiheit die Vermeidung von Werturteilen innerhalb solcher Systeme.

Kritik / Einwände:

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Max Weber - Der Werturteilsstreit
Hochschule
Universität Konstanz  (Geisteswissenschaftliche Sektion)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V9610
ISBN (eBook)
9783638162678
ISBN (Buch)
9783656884941
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ohne Sekundärliteratur. 374 KB
Schlagworte
Weber; Max Weber; Werte; Wert; Werturteil; Werturteilsstreit
Arbeit zitieren
Thomas Schröder (Autor), 2001, Max Weber - Der Werturteilsstreit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9610

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