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Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklungsindustrie

Eine explorative Studie

Title: Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklungsindustrie

Master's Thesis , 2019 , 133 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nicole Ondrusch (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Die Arbeit stellt sich die Frage, wie (in welcher Form) agieren, reagieren, entwickeln sich Menschen, deren Arbeitsergebnisse sich nicht verändert haben, wohl aber die Art, wie sie zu diesem Ergebnis kommen (in anderen Vorgehensmodellen).
Der Wandel der Vorgehensmodelle in IT-Projekten von klassischen hin zu agilen Vorgehen hat zu vielfältigen Forschungsfragen und mannigfaltigen Veröffentlichungen geführt, die Forschungslandschaft mithin ungemein belebt. Offenbar scheinen diese Vorgehen Fragen aufzuwerfen, untersuchungs- und diskussionswürdig zu sein. Die Untersuchungen umfassen zum einen normative Darstellungen, beschäftigen sich also mit der Frage, wie agile Projekte sein sollen, und geben Gründe hierfür an, die sowohl in den Defiziten der klassischen Vorgehen zu finden sind als auch Begründun-gen in Psychologie und Verhaltensforschung (mit Blick auf die Zusammenarbeit im Team) finden. Empirische Studien untersuchen zweitens gewisse Phänomene agiler Projekte wie etwa die Motivation des Teams, die Auswirkungen von Transparenz oder das Leben agiler Werte in agilen Entwicklungsteams. Und drittens tragen systematische oder strukturelle Studien zur Theoriebildung agiler Projektvorgehen bei, die agile Projekte etwa kategorisieren, miteinander vergleichen und in einen Gesamt-zusammenhang bringen. Wir werden auf verschiedene, für diese Arbeit relevante Forschungen in Kapitel 3 eingehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung: Motivation und Fragestellung

2 Grundlagen und Begrifflichkeiten

2.1 Vorgehensmodelle im Software Engineering

2.1.1 Klassisches Software Engineering: Das Wasserfallmodell

2.1.2 Agile Projektvorgehen

2.2 Soziologische Grundlagen und Betrachtungen

2.2.1 Funktionale Systeme und Organisationen – eine sehr kurze Einführung

2.2.2 Eine Betrachtung der Vorgehensmodelle

3 Einordnung in aktuelle Forschung

4 Methodik der Arbeit

5 Ergebnisse I: Hintergründe und Gründe agiler Vorgehensmodelle

5.1 Alter Wein in neuen Schläuchen - Neues und Bekanntes im agilen Vorgehen

5.2 Gründe für Agilität in den Projekten

5.3 Die Fiktion einer vollständig durchdachten, alles umfassenden Lösung

6 Ergebnisse II: Betrachtungsweisen und Bewertungen von Agilität

6.1 Wahrnehmung der Stabilität der eigenen Aufgabenbeschreibung

6.2 Agilität folgt keiner feststehenden, einheitlichen Definition

6.3 Individuelles Erleben und Bewerten von Agilität

6.4 Eignung von Projekten für agile Vorgehen

6.5 Schwierigkeiten verschiedener Blickwinkel

7 Ergebnisse III: Betrachtung und Bewertung sozialer Komponenten

7.1 Die Illusion selbstorganisierter Teams

7.2 Motivation und Zufriedenheit

7.3 Anforderungen von Scrum an Mitarbeiter und Kunden

8 Ergebnisse IV: Adaptionen im Projektvorgehen

8.1 Strategien und Elemente aus dem klassischen Software Engineering in agilen Projekten

8.2 Strategien der Adaption

8.3 Schwierigkeiten durch Adaptionen, Mischformen und Derivate

9 Ergebnisse V: Ausblicke und die Zukunft in Projekten und Projektvorgehen

9.1 Wider den Dogmatismus

9.2 Kombinierte Vorgehen sind die Zukunft

9.3 Agile Organisationen: Agilität in Projekten ist nicht ausreichend

10 Zusammenfassung und Ausblick

A Fragen der Qualitativen Interviews

A.1 Einführungsfragen

A.2 Konkrete Fragen zum Projektalltag

A.3 Allgemeine Fragen zum Projektvorgehen

A.4 Konkrete Fragestellungen und ihre Lösungen

A.5 Abschlussfragen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Masterarbeit untersucht empirisch, wie Projektmitglieder in Softwareentwicklungsumgebungen den Übergang von klassischen zu agilen Vorgehensmodellen erleben, bewerten und welche Strategien sie bei der täglichen Arbeit entwickeln, wenn sich zwar die Art der Zusammenarbeit, nicht aber das angestrebte Endergebnis verändert hat.

  • Wandel von klassischen hin zu agilen Vorgehensmodellen
  • Soziologische Perspektiven auf Organisationen und Arbeitsprozesse
  • Individuelles Erleben und Bewältigungsstrategien der Projektmitarbeiter
  • Bedeutung von Dokumentation, Rollenverständnis und Kommunikation
  • Zukunft der Projektarbeit und agile Organisationsstrukturen

Auszug aus dem Buch

5.1 Alter Wein in neuen Schläuchen - Neues und Bekanntes im agilen Vorgehen

Veränderungen bedeuten eigentlich: Etwas ist anders, als es zuvor war. Wenn nun Eingabe und Ausgabe einer Aktivität nach Änderung dieser nahezu gleich bleiben, dann darf durchaus die Vermutung geäußert werden, dass sich an der Aktivität als solche gar nichts verändert hat. Bei Vorgehensmodellen für die Erstellung von Software ist dies der Fall. Es scheint Menschen zu geben, die sich gar nicht so sicher sind, ob sich wirklich viel oder sogar irgendetwas geändert hat. Während andere diskutieren, was gut oder schlecht an der Veränderung ist oder wie es dazu kommen konnte, gibt es auch Stimmen, die behaupten, dass Agilität nichts anderes ist als das, was schon immer war, dass eigentlich nichts Neues gefunden werden konnte. In den frühen Phasen der Einführung von Agilität haben Merisalo-Rantanen et al. (2005) Anhaltspunkte gefunden, dass XP-Programming als ein agiles Vorgehen gar nicht so viel Neues bringt, und schreiben schon im Abstract:

The results of our research suggest that XP is a combination of best practices of traditional information systems development methods.

Merisalo-Rantanen et al. (2005) kommen also zu der Ansicht, dass viele Ansätze und Methoden schlichtweg schon da waren und nicht erst mit Agilität Einzug in unseren Berufsalltag genommen haben. Jegliche Veränderung durch agile Vorgehensweisen plausibel zu negieren wird angesichts der Fülle an Literatur zur Einführung von agilen Vorgehensweisen und deren Schwierigkeiten oder der Vor- und Nachteile dieser gegenüber bislang bekannten Projektvorgehen schwerfallen. Nichtsdestotrotz finden wir das Phänomen auch in den Antworten der Interviewten wieder. Interviewpartner zeigen immer wieder und an verschiedenen Stellen der Interviews auf, dass viele Ideen, viele Gedanken, viele Methoden überhaupt nicht neu sind, dass diese als Paradigmenwechsel angesehene Veränderung auch viele alte Denkweisen beinhaltet, mindestens an diese anschließt und sich an vielen Fragestellungen und Durchführungen gar nicht viel verändert hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Motivation und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die Motivation der Arbeit und definiert die zentrale Forschungsfrage zum Wandel der Vorgehensmodelle.

2 Grundlagen und Begrifflichkeiten: Es werden die theoretischen Grundlagen des klassischen Software Engineerings sowie agiler Methoden vorgestellt und soziologische Aspekte von Organisationen beleuchtet.

3 Einordnung in aktuelle Forschung: Der aktuelle Forschungsstand zu agilen Methoden, deren Einführung und Anpassung in Unternehmen wird kritisch diskutiert.

4 Methodik der Arbeit: Die Vorgehensweise bei den qualitativen Experteninterviews sowie die Art der Datenauswertung werden detailliert beschrieben.

5 Ergebnisse I: Hintergründe und Gründe agiler Vorgehensmodelle: Die Hintergründe für den Wechsel zu agilen Modellen werden untersucht, wobei besonders die Kritik an klassischer Dokumentation im Fokus steht.

6 Ergebnisse II: Betrachtungsweisen und Bewertungen von Agilität: Dieses Kapitel analysiert, wie agiles Arbeiten in der Praxis unterschiedlich definiert, wahrgenommen und bewertet wird.

7 Ergebnisse III: Betrachtung und Bewertung sozialer Komponenten: Der Fokus liegt auf der sozialen Dynamik, wie etwa der Selbstorganisation von Teams und den Anforderungen an Mitarbeiter und Kunden.

8 Ergebnisse IV: Adaptionen im Projektvorgehen: Es wird dargestellt, wie Teams in der Praxis agile Ansätze mit klassischen Elementen kombinieren und anpassen.

9 Ergebnisse V: Ausblicke und die Zukunft in Projekten und Projektvorgehen: Das Kapitel bietet einen Ausblick auf künftige Entwicklungen, einschließlich hybrider Ansätze und der Forderung nach agileren Organisationen.

10 Zusammenfassung und Ausblick: Die Ergebnisse werden synthetisiert und Ansätze für zukünftige Forschung aufgezeigt.

Schlüsselwörter

Agile Vorgehensmodelle, Software Engineering, Projektmanagement, Scrum, Systemtheorie, Organisationssoziologie, Selbstorganisation, Wissensarbeit, Projektkultur, Change Management, Dokumentation, Agile Transformation, Empirische Sozialforschung, hybride Vorgehen, Teamdynamik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel von klassischen hin zu agilen Projektvorgehensmodellen in der Softwareentwicklungsindustrie und untersucht, wie die betroffenen Menschen diesen Übergang erleben und bewältigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen agilem Narrativ und gelebter Praxis, die Bedeutung sozialer Faktoren wie Motivation und Teamdynamik sowie die Anpassung von Methoden an spezifische Projektanforderungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, wie sich Menschen verhalten, agieren und ihre Arbeit bewerten, wenn sich die Art der Projektdurchführung (Vorgehensmodell) ändert, während Ziel und Ergebnis der Arbeit gleich bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine explorative Studie, die auf qualitativen, semistrukturierten Interviews mit zwölf Experten (Projektleiter, Entwickler, Fachexperten) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kapitel 2-4) und eine umfangreiche Ergebnisdarstellung (Kapitel 5-9), die Hintergründe, Bewertungen, soziale Komponenten und Adaptionsstrategien der Praxis behandelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Agile Vorgehensmodelle, Selbstorganisation, Organisationssoziologie, hybride Vorgehen und Projektkultur charakterisiert.

Warum wird der "Wasserfall" trotz Agilität noch genutzt?

Die Arbeit zeigt, dass klassische Elemente wie Dokumentation oder hierarchische Strukturen als stabilisierend und sicherheitsgebend wahrgenommen werden, insbesondere wenn die Anforderungen komplex oder die Kundenbeziehungen noch nicht vollständig auf agile Prinzipien eingestellt sind.

Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich "Agilität"?

Ein zentrales Resultat ist, dass es kein universelles "richtiges" agile Vorgehen gibt. Stattdessen findet in den Unternehmen ein pragmatisches "Durchwursteln" oder eine bewusste Adaption statt, bei der agile Konzepte mit alten Erfahrungen und neuen Erfordernissen kombiniert werden.

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Details

Title
Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklungsindustrie
Subtitle
Eine explorative Studie
College
LMU Munich
Grade
1,3
Author
Nicole Ondrusch (Author)
Publication Year
2019
Pages
133
Catalog Number
V961126
ISBN (eBook)
9783346323552
ISBN (Book)
9783346323569
Language
German
Tags
vorgehensmodelle softwareentwicklungsindustrie eine studie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Ondrusch (Author), 2019, Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklungsindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961126
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