Recycling und Verwertung von Siedlungsabfällen auf landwirtschaftlich genutzten Böden


Hausarbeit, 1995

18 Seiten


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Recycling und Verwertung von Siedlungsabfällen auf landwirtschaftlich genutzten Böden

Ziel des Wirtschaftens sollte eine möglichst nachhaltige Wirtschaftsweise sein, das bedeutet:

- Schaffung von Stoffkreisläufen (Recycling)
- Einsparung von Ressourcen und Deponieflächen

Kosten Anfallende Mengen pro Person:

- Kommunale Reststoffe 120 - 240 kg pro Jahr
- 3,6 Mio t TM/a Abwasser 150 l pro Tag
- 35 kg Klärschlamm TS pro Jahr (90.000 t P pro Jahr)

In der Landwirtschaft können Komposte und Klärschlamm nutzbringend eingesetzt werden.

Wirkungen:

1. Zufuhr org. Substanz als Humusquelle
2. Beitrag zur Nährstoffzufuhr

-> Schließen des Nährstoffkreislaufs. Die weltweiten Phosphatreserven werden bei derzeitigem Verbrauch auf 500 Jahre begrenzt sein, die Verwertung als P-Dünger macht rund H des Gesamtverbrauchs aus. Durch umfassende KS-Verwer- tung kann die Mineraldüngeranwendung im Bereich Phosphat um 1 verringert werden. Der Einsatz von Klärschlamm in der Landwirtschaft verringert den Kohlendioxidausstoß ( bei Verbren- nung), den Deponieflächenbedarf und die Kosten der Entsorgung:

1t TM Verwertung:

- 400 DM Deponierung:
- 1000 DM Verbrennung:
- 1400 DM Ablaufschema der Kompostierung Einteilung der Phasen (nach der Temp.) anhand eines Tafelbildes.

Lebensbedingungen für Mikroorg. schaffen: Sauestoffgehalt (Grobporenanteil),Wassergehalt,C/N,pH 55% 45% 20-30:1 7-7,5 damit diese: Verfügbarkeit der Inhaltsstoffe verbessern, pflanzenschädigende Stoffe abbauen, Unkrautsamen sowie Pilze,Viren u. Bakterien abtöten, Dauerhumusformen aufbauen und somit ein marktfähiges Produkt entsteht.

Technische Verfahren und Ablauf der Kompostierung Ausgangsstoffe : Grünschnitt, organische Haushalts- und Gewerbeabfälle (Panseninhalte), Rückstände aus der Nahrungsund Futtermittelindustrie:

1. Flächenkompostierung (offenes Verfahren) An der Bodenoberfläche finden mikrobielle Umsetzungs- und Mineralisierungsprozesse in einer dünnen Schicht organischer Stoffe statt. Produktionsschritte: Zerkleinerung und breitflächig abgelegtes Gut (Mulch) -> schnelle, gleichmäßige Rotte Eigenschaften: Da das Rottegut große Kontaktflächen zur Umwelt besitzt findet keine Erwärmung statt. keine thermische Entseuchung und keine Abtötung von Unkrautsamen dies bedeutet, daß hier nur Reststoffe zum Einsatz kommen sollten, die möglichst wenig Unkrautsamen enthalten und hygienisch unbedenklich sind. Als Möglichkeit läßt sich hier die Kombination mit einem anderen Verfahren nennen: Vorrotte und Hygienisierung durch Mietenkompostierung anschließend wird das Rottegut breitflächig auf dem Feld ausgestreut.

2. Mietenkompostierung a) Konditionierung

1. Reststoffannahme, wiegen, entladen, sichten

2. Stein- und Störstoffauslese z.B. Glas; Kunstoffe und Metalle (stellen oftmals auch Schadstoffe dar) um Kompostqualität zu sichern. technische Möglichkeiten der Störstoffauslese: Siebung Magnetabscheidung von Metallteilen Windsichten diese Prozesse reichen nicht aus, darum ist die manuelle Auslese ( Reduktion der Störstoffe um 80-95 %) z.B am Verleseband unumgänglich .

3. Zerkleinerung Der jeweiligen Struktur entsprechend muß das zu kompostierende Material gehächselt werden. ( z.B astige und strauchige Grünabfälle) Ziel ist es, die spezifische Oberfläche zu vergrößern um so dem mikrobiellem Abbau mehr Angriffsfläche zu bieten; hier zeigt sich, daß die Einhaltung einer exakten Schnittlänge nicht wichtig ist, sondern die Zerfaserung des Materials.

4. Entwässern bei Einbezug schlammförmiger Stoffe. TS-Anteil erhöhen durch z.B. Zugabe von Kalk

5. Mischen Die Zusammensetzung des zu kompostierenden Materials sollte möglichst homogen und je nach vorhandenen Ausgangstoffen möglichst gut kompostierbar sein. Dies bedeutet zum Einen, daß der vorliegenden Position andere organische Abfälle beigemischt werden. z.B. fallen im Winter anteilmäßig viele Küchenabfälle an, deren Kennzeichen hohe Feuchte und geringe Struktur sind. Hier werden strukturgebende organische Stoffe wie Rindenmulch, Stroh oder Holzhächsel beigemischt. ( u.a. Verringerung der Feuchte, Verbesserung des Gasaustausches) Außerdem sollte die vorliegende zu kompostierende Position intensiv durchmischt werden, um Homogenität zu erreichen.(Vereinfachung der Steuerung des Rotteprozesses) Beim Mischen können eventuell benötigte Stoffe noch zugegeben werden: Nährstoffe (-> C/N Verhältnis beeinflussen) Wasser Impfen mit Rotteorganismen Zuschlagstoffe (Kalk, u.a.)

6. Aufbau einer Miete Besonders bei nicht drainierten Kompostierungsflächen (Asphalt oder Beton) ist es wichtig eine saugfähige Matte aus Holzhackgut (Di>b) Trapezmiete Die Mietenform ist abhängig von der Art der Ausgangsmaterialien: Die kleiner dimensionierten Dreiecksmieten eignen sich besser für strukturarme Stoffe (Grasschnitt, Bioabfälle), da diese Stoffe sehr schnell zu Verdichtung und damit zu O2- Mangel neigen. Der Gasaustausch ist verbessert durch die relativ große Oberfläche (im Vergleich zum Volumen) und durch den geringeren Eigendruck (da geringe Schütthöhe). Nachteilig: hoher Rotteflächenbedarf Bei strukturreichen Stoffen (z.B. holzreiche Pflanzenabfälle) kann ein größerer Mietenquerschnitt gewählt werden, die Trapezmiete. Vorteil: Die Fläche des Kompostplatzes wird besser ausgenutzt Da der Kernbereich der Trapezmiete (80-85%) größer ist als bei Dreiecksmieten (55%) sind sie unempfindlicher gegenüber Witterungseinflüssen und vor allem bedingen höhere und konstantere.

Temperaturen im Kernbereich eine bessere Hygienisierung. Im Verlauf der Rotte ändert sich das Luft-Wasser-Feststoffverhältnis in der Kompostmiete aufgrund mikrobieller Zersetzung und natürlichen Setzungsprozessen. Problematisch: -mangelhafte Hygienisierung der Randbereiche -bei partiellem O2- Mangel werden von Mikroorganismen durch Umstellung des Stoffwechsels geruchsintensive organische Zwischenprodukte gebildet. (In Kompostmieten stellt sich meist ein aerob-anaerobes Gleichgewicht ein, bei dem anaerobe Stoffwechselprodukte aus dem Mieteninneren als Substrat von der äußeren Mikroflora verwendet und aerob abgebaut werden. Bei einer Störung dieses Gleichgewichts, etwa durch Umsetzen werden Übergangsstoff- wechsel produkte als Geruchsemissionen an die Umgebung abgegeben. Das Umsetzen kann also einerseits Geruchsemissionen vermeiden helfen, andererseits bewirkt der Vorgang des Umsetzens eine starke Geruchsentwicklung.)

Möglichkeiten der Reduktion von Geruchsemissionen:

- Abdecken der Miete mit strukturreichem, sorptionsfähigem Material (z.B. Holzhächsel)
- Umsetzen Vorteile der Umsetzung von Mieten:
- Auflockerung anaerober Zonen in der Kompostmiete
- Homogenisierung des Rottegutes durch Mischung der Rand- und Kernzonen
- Gewährleistung einer Hygienisierung des gesamten Rottematerials durch einen erneuten Temperaturanstieg

Technik des Umsetzens: Umsetzen mit speziellen Kompostmietenumsetzgeräten (mietenformabhängig) Umsetzen mit unspezifischem Gerät Wobei Dreiecksmietenumsetzgeräte die Miete überfahren und Trapezmietenumsetzgeräte das Rottegut seitlich entnehmen und auf ein Förderband übergeben, welches eine neue Miete aufschüttet. Zur Verbesserung des Gasaustausches werden vereinzelt zwangsbelüftete Mietenkompostierungsverfahren angewendet, wobei hier die Miete mit einer Folie abgedeckt wird und eine drückend-saugende Belüftung durchgeführt wird.

3. Reaktorkompostierung Reaktor oder Bioreaktor = abgegrenzter Behälter oder Raum in dem ein gesteuerter biologischer Prozeß (hier Rotteprozeß) abläuft. d.h. es wird ein hoher technischer Aufwand zur Optimierung der Kompostrotte bezüglich der Sauerstoff-Wasser-, und Nährstoffversorgung betrieben und gleichzeitig wird ein unkontrollierter Austritt von Schadgasen und Sickerwasser vermieden. Die Kompostierung im Reaktor kann bis zum Ende der Rotte (reifer Kompost) durchgeführt werden, aus Kostengründen wird jedoch die Reaktorkompostierung nur für die Vorrotte (Phase der Hygienisierung) eingesetzt, während die Hauptrotte (Nachrotte) in den kostengünstigeren Mieten durchgeführt wird.

A ) Statische Reaktoren :

a) Preßkanalreaktor
b) Boxenreaktor
c) Brikkollarreaktor keine Bewegung und Mischung des Rottegutes

a)Der Preßkanalreaktor ist ein ca. 300 m² großer mit einer Länge von 18 m, der an einer Firstseite geöffnet ist. An der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine Einlaßöffnug an der der Reaktor befüllt wird. Nach Erreichen einer maximalen Befüllhöhe wird das Rottegut durch ein Preßschild verdichtet und in Richtung des offenen Reaktorendes gedrückt. Hier wird das Rottegut durch eine Abkämmwalze abgetragen und Fördereinrichtungen zugeführt. Die kontrollierte Belüftung findet durch den gelochten Boden des Reaktors statt. Die Verweildauer im Reaktor beträgt ca. 5-7 Tage (max. Feuchte 45 %), nach dieser Intensivrottephase ist eine Nachrotte durch Mietenkompostierung erforderlich.

b)Boxenreaktor: Die Rotteboxen sind geschlossenen Behälter mit 30 - 60 m³ Inhalt, in denen eine gesteuerte Rotte durch kontrollierte Luftzuführung/Luftabführung durch den gelochten Reaktorboden. Ziel ist eine Hygienisierung des Rottematerials innerhalb weniger Tage durch Steuerung des Rotteprozesses über die Parameter Temperatur und Sauerstoff (Kohlendioxyd). Hierbei wird Frischkompost erzeugt, welcher zur Nachrotte in eine Miete oder in einen Reaktor umgesetzt wird. Eine Sonderform des Boxenreaktors stellen Container dar, welche mit dem Radlader befüllt und mit Kran oder LKW transportiert werden und auf dem Rotteplatz aufgestellt werden (Inhalt: ca. 20 m³) c)Brikollar-Reaktor: Dieser Reaktor stellt eine Sonderform dar, da die Gesamtmenge an Bioabfall in kleine Einheiten gegliedert und so gestapelt wird, daß in allen Bereichen des Stapels eine ungehinderte Luftzufuhr gewährleistet ist.(Nach der Aufbereitung wird der Bioabfall in Brikollare- Presse zu kleinen Preßlingen geformt, in welche Lüftungskanäle eingelassen sind. Gewicht:30 kg, Feuchte: 55%) Die Preßlinge werden auf Paletten gestapelt und in die Rottehalle transportiert, dort erfolgt die dreitägige Einlagerung in ein Hochregalsystem (geringer Platzbedarf). Die einzelnen geschlossenen Lagerbereiche sind separat lüftungstechnisch steuerbar. Bei diesem Verfahren kommt es sehr schnell zu einer Selbsterhitzung des Rottegutes auf 60-70o C, so daß nach einer sechswöchigen Rotte ein hygienisch einwandfreies Produkt mit einer Restfeuchte von 35 % entsteht. Der Kompost kann nach der Aufbereitung direkt verwertet oder zur Nachrotte zu einer Miete aufgesetzt werden.

B ) Dynamische Reaktoren:

a) Trommelreaktor
b) Mietenraktoren mit Schaufelrad- Trommel- Schneckenumsetzer.

Trommelreaktoren sind zylindrische, sich um die Längsachse kontinuierlich oder diskontinuierlich drehende Reaktoren. Einfluß auf den Rotteprozeß ist über die Parameter "Temperatur", "Feuchtegehalt" und "Sauerstoffgehalt" gewährleistet. Die durchschnittliche Verweilzeit des Rottegutes in der Trommel beträgt 3-5 Tage. Es handelt sich hierbei um Frischkompost. Bei kontinuierlich sich drehenden Trommeln findet eine besonders intensive Durchmischung des Rottegutes statt. starker Zerkleinerungseffekt infolge der Selbstvermahlung. (hohe Mengen an strukturreichen Materialien notwendig) Bei diskontinuierlich sich drehenden Rottetrommeln tritt ein weniger starker Zerkleinerungseffekt auf. Der aus der Trommel ausgetragene Frischkompost wird zu Dreiecksmieten aufgebaut und einer Nachrotte unterzogen.

Mietenreaktoren

1)Die Reaktorkompostierung mit Schaufelradumsetzern stellt eine Weiterentwicklung der offenen Mietenkompostierung dar, bei denen die Rotte in geschlossenen Hallen mit Abluftaufbereitung (desodorieren) und Sickerwassererfassung und -behandlung erfolgt. Es werden hier modifizierte Umsetztechniken angewandt. Das Schaufelradumsetzaggregat befindet sich an einer Krananlage, welche in Portalbauweise gebaut ist und die gesamte Miete überspannt. Es kann somit an jedem Punkt der Miete mit dem Umsetz- vorgang begonnen werden. Während die langsam drehenden Schaufelräder den Kompost abtragen, fährt der Querwagen die Breite der Kompostmiete ab. Auf diese Weise wird kontinuierlich eine ca. 0.20 m dicke Schicht bei einer bis zu 2.50 m hohen Miete abgetragen. Über die Schaufelräder wird das Kompostmaterial einem Förderband übergeben und locker zu einer neuen Miete aufgesetzt.(Wobei auch gleichzeitig eine Bewässerung erfolgen kann). Nach einer acht- bis zehnwöchigen Rotte wird das Rottegut über die Schaufelbänder zur Konfektionierung weitergeleitet.
2) Trommelumsetzer (bei Tunnelreaktoren) Der Trommelumsetzer arbeitet in einem oben offenen Tunnelreaktor. Das Umsetzgerät wird über Schienen geführt, die auf den Seitenwänden des Reaktors befestigt sind.(Trommelbreite = Breite des Reaktors = 3-5m) Je nach Größe der Trommel beträgt die Mietenhöhe 1,50 - 1,80 m. Der Trommelumsetzer durchläuft beim Umsetzvorgang automatisch die Miete. Nach dem Durchlaufen eines Reaktors wird das Umsetzgerät zum nächsten Tunnelraktor gefahren. Die Beschickung bzw. Der Austrag des Rottegutes erfolgt durch einen Radlader. Nach einer Intensivrottephase von c.a. 30 Tagen wird das Rottegut ausgetragen und einer Nachrotte unterzogen, es kann auch direkt verwertet werden.
3) Schneckenumsetzer (bei Trapezmieten des Dynacomb-Verfahrens) Der in Portalbauweise gebaute Schneckenumsetzer überspannt die Trapezmiete in voller Breite und ermöglicht den Mietenauf- und -abbau sowie ein Mischen und Homogenisieren der Miete. Das Kompostrohmaterial wird dem Trogkettenförderer des Portalgerätes zugeführt, dieser ist über Hubvorrichtungen in der Höhe verstellbar. Der nach unten geöffnete Förderer setzt den zugeführten Rohkompost über die Breite des Rottefeldes auf. Nachdem eine Miete aufgebaut ist, wird das Gerät quer zur Hallenlängsachse versetzt, so das eine weitere Miete daneben aufgebaut werden kann. Die Mietenhöhe wird durch den Durchgang des Portalgerätes begrenzt. Zum Mischen und Homogenisieren des Rottegutes ist eine vertikal fördernde Mischschnecke an dieser Portalkonstruktion angebracht, die an jedem Punkt der Miete eingesenkt werden kann. Nach Beendigung der Intensivrotte (8-10 Wochen) wird der Kompost durch den abgesenkten Trog- kettenförderer ausgetragen. Der Frischkompost wird verwertet oder zur Nachrotte einer Mietenkom- postierung unterzogen.

c) Konfektionierung Nach erfolgter Rotte wird die Konfektionierung des Fertigkomposts durchgeführt um ein transportables, lagerfähiges, ausbringbares und vermarktungsfähiges Produkt zu erhalten. Hierzu können folgende Verfahrensschritte gehören: mischen trocknen zerkleinern sieben (Siebüberlauf wird meist als Starthilfe für frisches Rottegut verwendet) ? Fremdstoffe auslesen u. absacken Klärschlamm Bei Klärschlamm handelt es sich um eine Suspension von Feststoffen bestimmter Teilchengröße in Wasser. Es ist der Anteil, welcher aus der flüssigen Phase des Abwassers herausgetrennt werden kann, der jedoch nicht zum Sieb-, Rechen- oder Sandfang gehört. Die Schlämme sind ein Feststoff - Wassergemisch, die Kenngröße ist der Trockensubstanzgehalt TS deren Anteil bei 0,5 - 7 % liegt mit 1/3 mineralischem und 2/3 organischem Anteil.

Der sog. Rohschlamm fällt an durch Sedimentation von feinverteilten Schwebstoffen im Vorklärbecken und in den Absetzbecken nachfolgender biologischer oder chemischer Behandlungsstufen. Kritische Eigenschaften des Rohschlammes: Starke Fäulnisneigung mit Schadgas- und Geruchsemissionen Geringe Feststoffkonzentration , hoher Wasseranteil bedingt großes Volumen und damit erhöhte Transportkosten Seuchenbedenkliche Stoffe können enthalten sein Schadstoffe ( Schwermetalle, organische Schadstoffe, ..) Lösungsansatz: Klärschlammbehandlung Entwässerung durch hohe Temperatur, Abpressen oder Zugabe von Polymeren, Metallsalzen oder Branntkalk Stabilisierung (höhermolekulare, energiereiche Schlamminhaltsstoffe werden in niedermolekulare, energiearme Formen überführt = Verringerung org. TM) dies bewirkt eine Verminderung von Geruchsstoffen Hygienisierung : Erhitzen (30 min. bei mind. 70° C) Kompostieren in Mieten oder Reaktoren Behandlung mit Branntkalk (Erwärmung auf mind. 55° C und ein pH-Wert von 12,5) Radioaktive Behandlung durch c-Strahler wie Ko60 Die Art der Klärschlammbehandlung bedingt die zu berücksichtigenden Eigenschaften bei der Verwertung von KS in der Landwirtschaft.(z.B. pH-Wert, Gehalt an org. gebundenen Nährstoffen,..) Durchschnittliche Nährstoffgehalte von Komposten und Klärschlämmen Kompost in % d. TrS N in 30 t: P2O5 in 30 t: K2O in 30 t: Bioabfall u. Grüngut 1,31 393 kg 0,83 249 kg 1,36 408 kg Die mittleren Nährstoffverhältnisse entsprechen mit N : P : K = 1 : 0,26 : 0,74 weitgehend dem Pflanzenentzug wichtiger Kulturpflanzen zB Winterweizen. Bezüglich der Nährstoffgehalte stellt Kompost aus Bioabfällen u. Grüngut einen ausgeglichenen Mehrnährstoffdünger dar, problematisch ist jedoch z.T. die Verfügbarkeit dieser Nährstoffe.

Darüberhinaus wirkt dieser Kompost mit einem CaO-Gehalt von 2,76 % i.d.TrS eine deutliche Kalkwirkung aus. Düngewirkung von Kompost Die Wirkung aller Nährstoffe bis auf Stickstoff entspricht der Wirkung von Mineraldüngern, so daß für die Hauptnährstoffe leicht berechnet werden kann, welche Kompostmenge für eine auf Entzug basierende Düngung aufgebracht werden muß. Stickstoff liegt fast vollständig in organisch gebundener Form vor, welcher erst durch Mineralisation ver- fügbar wird ( als Ammonium oder Nitrat ). Als Ammonifikation bezeichnet man dabei die Bildung von freiem Ammonium, v.a. durch Desaminierungsreaktionen (Abbau der Aminossäuren). Dieses kann direkt von der Pflanze aufgenommen werden, wird aber als freies Ion in gut durchl ü fteten B ö den rasch zu Nitrat oxidiert:

Ammonium à Nirit Nitrit à Nitrat Diese schwer bestimmbare N-Mineralisation aus unterschiedlich stabilen Komponenten der org. Substanz in Verbindung mit der Möglichkeit der Immobilisation bei weitem C/N - Verhältnis macht eine Vorhersage der Gesamtfreisetzung von N aus org. Ausgangsmaterialien besonders schwierig. Beeinflussende Größen sind Temperatur, pH-Wert, Wassergehalt, N-Gehalt, Zersetzungsgrad, Nähr- stoffangebot und Mikroorganismen-Populationen, besonders in der Landwirtschaft sind die Einflüsse von Witterung, Bodeneigenschaften und Bewirtschaftung noch hinzuzunehmen. Demzufolge ist eine pauschale Angabe wieviel N im ersten Anwendungsjahr und in den folgenden mineralisiert wird nahezu unmöglich: als grobe Anhaltswerte sind auf jeden Fall unter 10 % , durch- schnittlich max 6 % Gesamtmineralisationsleistung angebbar.

Bei Kompostanwendung steigt der Gesamt- N -Gehalt des Bodens an und hieraus resultierend auch das N-Nachlieferungsvermögen, was sich positiv auf Erträge auswirkt. Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, daß die unkontrollierte N- Nachlieferung auch Nachteile beeinhaltet z.B. die Verfügbarkeit von Stickstoff in der Vorerntezeit bei Zuckerrüben verringert die Ausbeutbarkeit des Zuckers. Nährstoff Gesamtgehalte kg/mg TS % verfügbar zur Zeit der Anwend. Anwendungsjahr/ Summe der Folgej. % anrechenbar vom Gesamtgehalt Stickstoff 8 - 15 ~ 4 N-min+10/25 40 Phosphat 4 - 10 ~ 30 50/50 100 Kali 6 - 15 ~ 80 80/20 100 Quelle: Laga M 10 Es sollte jedoch bei organischen Düngern nicht nur die reine Düngewirkung bei Betrachtung der Ertragsauswirkungen berücksichtigt werden, sondern auch positive Nebeneffekte Beachtung finden: erhöhte Dehydrogenasaktivität und Bodenatmung deutet auf gesteigerte Mikroorganismenaktivität hin Die Aktivierung der Bodenorganismen führt zu einer verstärkten Bildung von Ausscheidungs- produkten, die durch ihre chelatisierende und/oder versauernde Wirkung die Nästoffverfügbarkeit beeinflussen. positive Einflüsse bzgl. Phytopathogener Pilze und saprophytischer Krankheitserreger (Auftreten von Antagonismen) langfristige Ertragssteigerungen aufgrund der Verbesserung bodenphysikalischer Eigenschaften pos. Wirkung auf Porosität, Aggregatstabilität, Wasserhaltekapazität, Kationenaustauschkapazität,..

Bei der Zufuhr von Kompost ist die Wirkung bei unterschiedlichen Reifegraden zu beachten: Noch nicht ausgereifter Frischkompost kann schneller mineralisiert werden, jedoch können hier Pflanzenunverträglichkeiten auftreten (Mikroorganismen -> O2 - Mangel und Bildung von Phytotoxinen im Wurzelraum der Pflanzen) Reifekompost, der absolut pflanzenverträglich ist führt dem Boden schwerer abbaubares Material zu, welches pos. Auswirkungen auf Bodenstruktur und KAK (Dauerhumusformen,...) haben. Die N-Min- eralisation läuft jedoch in geringeren Raten ab. Während Kompost große Mengen an Kalium enthält, ist bei Klärschlämmen der Phosphatgehalt hervorzuheben: Klärschlamm NH4 in 5t N in 5t P2O5 in 5t K2O in 5t Flüssigschlamm 4-8%TS 1,4 70 3,6 180 kg 3,9 195 kg 0,2 10 kg KS entwässert 22% TS 1,1 55 2,8 140 kg 3,6 180 kg 0,2 10 kg KS Kalkzugeg. 33% TS 0,05 2,5 1,4 70 kg 3,4 170 kg 0,16 8 kg Klärschlamm hat einen rel. hohen Anteil an Ammonium, welcher unmittelbar Pflanzenverfügbar aber nach Nitrifikation ( bis +5° C) Auswaschungsgefährdet ist. Entwässerter Klärschlamm (Ammoniumgehalt verringert) kann auch im Herbst ausgebracht werden, während stickstoffreiche Flüssigschlämme ähnlich Gülle zu bewerten sind. Phosphor- Wirkung: Etwa 33 % des organisch gebundenen Phosphors liegt als Polysaccharid- P vor und ist somit gut verfügbar. Besitzt die Kläranlage jedoch eine 3. Reinigungsstufe (Chem. Stufe) ist die Phosphatverfügbarkeit vermindert: Werden hier Kalke als Fällungsmittel zugegeben so werden Ca-Phosphate gebildet welche zur Nachlieferung an Phosphaten zur Bodenlösung beitragen, bei Verwendung von Metallsalzen z.B. Fe - Ionen entstehen Fe-Phosphate die das Phosphat ausflocken lassen. Meist werden diese Salze im Überschuß zugegeben (bessere u. schnellere Wirkung) was bewirkt, daß bei Ausbringung dieses KS die im Boden verfügbaren Phosphate (in der Bodenlösung) zusätzlich festgelegt und damit nicht direkt pflanzenverfügbar werden.( Bei P-Erhaltungsdüngung in der Gehalts- klasse C ist dies nicht so bedeutend wie bei P-Mangel). Niedrige pH-Werte wirken sich in diesem Fall nachteilig aus (pH <6). ( Ebenso wie sich hohe pH - Werte bei Ca - Phosphaten nachteilig auswirken) Bei langjähriger Anwendung von Klärschlamm hat dies deutlich pos. Auswirkungen auf Humusgehalt u. N- Gehalt des Bodens(org. N-Pool). Die Bodenverbessernde Wirkung ist aber nicht so deutlich ausgeprägt wie bei Kompostanwendung, KS ist in erster Linie ein Phosphatdünger (u. Stickstoffdünger), bei Kalkhaltigen KS (s.o.) kann dem Boden eine geringe Menge der Versauerung entgegenwirkenden Kalks zugeführt werden. Die insgesamt durch eine KS- Aufbringung ( 5 t ) ausgebrachte Menge an Nährstoffen, dürfte in Mineraldüngerform Kosten von rund 350 - 400 DM/ha ausmachen. Der Vollständigkeit halber sollen hier auch die zugeführten Mikronährstoffe Erwähnung finden: Cu, Zn, ... Düngegesetzgebung: Düngeverordnung, Entwurf der Kompostverordnung, Klärschlammverordnung Die Düngeverordnung bestimmt die Grundsätze der guten fachlichen Praxis beim Düngen: eine pflanzenbedarfs- und standortgerechte Düngung soll den Interressen des Landwirts und der Erzeugung qualitativ hochwertiger Produkte dienen, wobei gleichzeitig ressourcen- schonender Einsatz der Düngemittel und Schutz der Umwelt enorme Wichtigkeit besitzen. Es werden hier aber keine Düngenormen aufgestellt, sondern auf Grundsätzen beschränkt dem Landwirt ein Leitfaden vorgegeben den er den örtlichen Gegebenheiten gemäß umzusetzen hat. Durch Einbeziehung in das Düngemittelgesetz unterliegen die Sekundärrohstoffdünger dieser Verordnung. (Allg.: Verordnungen regeln die Umsetzung eines Gesetzes)

§ 1 Sachlicher Geltungsbereich (auf landwirtschaftl. incl. gartenbaul. genutzten Flächen)

§ 2 Grundsätze der Düngemittelanwendung

1) zeitliche und mengenmäßige Ausbringung von Düngemitteln sind so zu gestalten, daß: Nährstoffe von Pflanzen ausgenutzt werden Nährstoffverluste durch Bewirtschaftung Einträge in Gewässer vermieden werden N - Düngemittel so aufgebracht werden, daß sie während des Wachstums verfügbar sind u sich an ihrem Bedarf orientieren (außerdem muß der Boden sie aufnehmen können, d.h. er darf nicht tiefgefroren,wasser- gesättigt oder stark schneebedeckt sein. N - Verluste bei der Ausbringung von tier. Wirtschaftsdünger nur mit 20 % der ges.

Menge anrechenbar

2) Anforderungen an die Ausbringtechnik sachgrechte Mengenbemessung verlustarme Ausbringung 3) direkter Eintrag in Oberflächengewässer oder auf benachbarten Flächen durch ausreichenden Abstand vermeiden

§ 3 Besondere Grundsätze für die Anwendung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft

1) Wirtschaftsdünger sind wie Mehrnährstoffdünger zu behandeln
2) Ammoniakverflüchtigung vermeiden (à bodennahes Ausbringen, direktes Einarbeiten,..)
3) nach Ernte nur eingeschränkte Düngung möglich: bis 40 kg Ammonium-N oder 80 kg Ges.- N
4) Ausbringverbot für flüssige Dünger: Gülle, Jauche und Flüssigklärschlämme bis 10 % TS.
5) auf Moorböden erhöhte Gefahr der Nährstoffauswaschung beachten
6) Ausnahmneregelung für viehstarke Regionen: Böden der Klasse D u. E dürfen mit erwartetem Pflanzenentzug gedüngt werden, wenn keine Gefahr für Gewässer besteht (sonst hier keine Viehhaltung mehr möglich)
7) Flächenbezogene Obergrenze für N aus tier. Wirtschaftsdüngern: 210 kg/ha auf Grünland und 170 kg/ha auf Ackerland im Betriebsdurchschnitt à Ziel ist die Flächenbindung der Tierhaltung

§ 4 Grundsätze der Düngebedarsermittlung

1) Zu beachten bei der Ermittlung des Düngebedarfs einer Bewirtschaftungseinheit ist: (Bewirtschaftungseinheit: einheitl. Bewirtschaftung, Standortverhältnisse u. Nährstoffbedarf der Pflanzen, max. 5 ha)

a) Nährstoffbedarf der Pflanzen unter zu erwartendem Ertrag und Qualität
b) im Boden pflanzenverfügbare Nährstoffe und Nährstoffestlegung
c) pH-Wert und Humusgehalt
d) durch Bewirtschaftung (auch Bewässerung) aufgebrachte Nährstoffmenge, die während des Wachstums des Pflanzenbestands zur Verfügung steht - Untersuchung der Wirtschaftsdünger vorgeschrieben
e) Anbaubedingungen (Kulturart, Vorfrucht, Bodenbearbeitung, Bewässerung)

6) Die im Boden verfügbaren Nähstoffmengen sind vom Betrieb zu ermitteln Bodenanalyse oder Übernahme von Werten ähnlicher Standorte für N jedes Jahr Bodenanalyse für P,K einmal pro Rotation. Bei späten N- Gaben Pflanzenanalyse, Methode der Düngefenster Untersuchungen und Bodenproben sind nach wissenschaftl. anerkannten Methoden durchzuführen.

§ 5 Nährstoffvergleiche

1) Vergleich der jeweiligen Schläge auf Betriebsebene für alle Betriebe > 10 ha landw. gen. Fläche
2) Im Vergleich müssen enthalten sein: Zufuhr von N, Phosphat und Kali (jew. in kg/ha) aus Handelsdünger, ;Klärschlamm u. Kompost, Sickstoff aus Rhizobien importierte Nährstoffe

§ 6 - 9 Aufzeichnungspflicht, Ordnungswidrigkeiten, Ubergangsvorschriften, Inkraftreten(Januar 1996)

Mit Modifizierung der Düngegesetzgebung fallen die Siedlungsabfälle unter die Sekundärrohstoffdünger und sind gemäß DüMG nur als diese landbaulich verwertbar. Da hierdurch die Anwendungsgrundsätze jetzt auch für Sekundärrohstoffdünger gelten hat dies Auswirkungen auf die auszubringende Menge.

Bioabfall- und Kompostverordnung (Entwurf vom 16.12.96) Bioabfälle: organische Abfälle zur Verwertung aus: Siedlungsabfällen, Nahrungs- und Futtermittelindustrie, Be- und Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe, Abfälle mit wesentlichen Anteilen biologisch abbaubarer Substanzen Anforderungen an die Hygiene: Seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit muß gegeben sein - Salmonella - Grenzwerte: (Laga M 10- Qualitätskriterien für Kompost) TMV (Tabakmosaikvirus) Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora br.) Tomatensamen (< 2 % keimfähige Samen pro Probe) Höchster Anteil an Verunreinigungen: 5 % Steine, 0,5 % Glas- und Fremdstoffe 0,1 % Kunststoffe (>20 mm) Je angefangener 2000 t Bioabfälle (TM) oder mind. jedes Vierteljahr zu prüfen: pH-Wert, Salzgehalt, Gehalt an organ. Substanz, Trockenrückstand, Anteil der Verunreinigungen Schwermetallgehalte Höchstwerte in mg/kg TM Blei 150 Cadmium 1,5 Chrom 100 Kupfer 100 Nickel 50 Zink 500 Beschränkungen und Verbote der Aufbringung: - 30 t Bioabfälle (TM) in 3 Jahren (= 10 t pro ha u. a) - keine Aufbringung in Naturschutzgebieten -

Verboten in Zonen I und II von Wasserschutzgebieten sowie im Bereich von Uferrandstreifen auf einer Breite von 10 m ( Wasserschutzgebiete Zone I: Einzugsbereich von Grundwasser für Trinkwasserbrunnen Zone II: 50 m Abstand zu unterirdischer Wasserscheide zu ñ ) Ergänzung: Die maximal zulässige Ausbringungsmenge bei Einhaltung der Schwermetallgehaltgrenzw. beträgt 5 t/ha*a im Durchschnitt der Jahre. Die Phosphatgehalte und Grenzwerte für Schwermetalle sind die begrenzenden Parameter. Die Kompostgaben können für mehrere Jahre, höchstens jedoch für 5 Jahre zusammengefaßt werden.. Auf Böden von PH 5 und niedriger ist eine Kompostanwendung untersagt. Klärschlammverordnung (AbfKlärV) vom 15.4.92 Höchstwerte für Schwermetalle im Boden (ð unterschiedliche Toxizität und Mobilität) (diese gelten auch für Kompostanwendung) mg/kg TM Blei 100 Cadmium 1,5 (Cd ist sehr mobil, auch in Böden im neutralen Reaktionsbereich) Chrom 100 Kupfer 60 Nickel 50 Quecksilber 1 Zink 200 Bei leichten Böden mit Tongehalt < 5% oder pH 5-6 gilt : Cd 1 , Zn 150 mg/kg TM Auf Böden mit pH < 5 Aufbringungsverbot Höchstwerte für Schadstoffe in Klärschlamm: Schwermetall mg/kg TM Blei 100 Cadmium 10 / 8 auf leichten Böden Chrom 900 Kupfer 800 Nickel 200 Quecksilber 8 Zink 2500 / 2000 auf leichten Böden AOX- Grenzwert: 500 mg/kg TM ( AOX: adsorbtiv gebundene halogen- organische Verbindungen) Polychlorierte Biphenyle: 0,2 mg/kg TM Polychlorierte Dibenzodioxine/- furane: 100 ng TE/kg TM TE= Toxizitätseinheiten Aufbringverbote: auf Gemüse- und Obstanbauflächen (in den Bestand) auf Dauergrünland, Forstflächen und Naturschutzflächen in Zonen I und II von Wasserschutzgebieten im Bereich von Uferrandstreifen auf einer Breite von 10 m bei pH- Werten von 5,0 und niedriger

Aufbringungsbeschr ä nkungen:

der Anbau von Feldgemüse ist im Aufbringungsjahr und im darauffolgenden Jahr verboten der Anbau von Feldfutter oder Zuckerrüben (sofern das R.-Blatt verfüttert wird) ist nur dann erlaubt, wenn der Klärschlamm vor der Aussaat aufgebracht wird und tiefwendend eingearbeitet (gepflügt) wird bei Silomaisanbau darf nur Klärschlamm aufgebracht werden wenn dies vor der Saat und eine Einarbeitung erfolgt Aufbringmenge: 5 t TM Klärschlamm pro ha in 3 Jahren ( 10 t TM Klärschlammkomposte pro ha in 3 Jahren, wenn ½ Schadstoffgehalte )

Diese Mengen werden in der Regel nicht erreicht, da gemäß Düngeverordnung nach Entzug gedüngt wird, und hier der Phosphatgehalt begrenzend wirkt. Haftung: Es besteht eine zivilrechtliche Haftung des Klärschlammabgebers bei der Abgabe von Klärschlämmen, dien icht den Anforderungen der Klärschlammverordnung entsprechen. Die Abdeckung "denkbarer" Schäden erfolgt über den Klärschlammfonds ( finanziert durch Klärschlammabgeber).

Probleme bei der Verwertung und dem Recycling von Siedlungsabfällen Gesetzgebung:

a) Wie vorstehend aufgeführt handelt es sich bei der Kompostverordnung nur um einen Entwurf, d.h. er ist noch nicht verabschiedet und damit noch keine rechtsverbindliche Grundlage für die Kompostanwender (z.B. der Landwirt). Hieraus ergeben sich Schwierigkeiten bei der Vorgabe von Grenzwerten für Schadstoffe und Haftungsfragen. (Grenzwerte existieren als Richtwerte bei der Vermarktung des Kompostes z.B unter dem Gütesiegel der Gütegemeinschaft Kompost oder dem "blauen Engel", diese liegen bei ~ 5 der AbfKlärV)

b) Die Düngeverordnung ( "gute fachliche Praxis beim Düngen") sieht eine Düngung in Höhe des Entzuges vor. Der Boden soll sich in der Gehaltsstufe C für den jeweiligen Nährstoff befinden. Den viehhaltenden Betrieben wird aber zugestanden eine Bestandsdüngung in Höhe des Entzuges durchzuführen, auch wenn der Boden sich in der Gehaltsstufe D od. E z.B. für Phosphat befindet. Voraussetzung hierfür ist, daß kein Austrag des Nährstoffs in Gewässer zu befürchten ist und daß angefallener wirtschaftseigener Dünger dafür verwendet wird. Als Konsequenz hieraus ergibt sich, daß in "Viehhaltungsregionen" ( Westfalen, Teile Niedersachsens, ...) keine Sekundärrohstoffdünger ( Klärschlamm, Kompost), in den meisten Fällen aufgrund des Phosphatgehalts, aufgebracht werden können. Dieser Mangel an Nachfrage führt zu Export oder anderweitige Beseitigung ( Ver- brennung, Deponierung, ...) von Nährstoffen und stellt neben der zusätzlichen Umweltbelastung die Prinzipien des Kreislaufabfallwirtschaftsgesetz in Frage. Schadstoffe: Die Herangehensweise an die Schadstoffproblematik beeinhaltet auch heute noch in weiten Kreisen vorhandene Subjektivität bei der Erörterung der Schadstoffproblematik. Das schlechte image des Klärschlamms aus der Vergangenheit hat sich bis heute gehalten, weshalb die Kompostanwendung von vielen Leuten der Klärschlammanwendung vorgezogen wird, wobei die Gründe dafür meist im psychologischen Bereich anzusiedeln sind. Probleme der Rezyklierung von Siedlungsabfällen: Einbringen bodenfremder Stoffe Überlastung des Abbau- und Filtervermögens Stoffausträge in Grund- und Oberflächenwässer Anreicherung persistenter Stoffe ( Schwermetalle, organische Schadstoffe) Übergang unerwünschter Stoffe in die Nahrungskette Boden Pflanze, Tier, Mensch Seuchenhygienische Bedenken Schwermetalle In Klärschlämmen sind die Schwermetallgehalte in den letzten 15 Jahren um 90 % gesunken, welches eine starke Absenkung der Schwermetallgrenzwerte in der novellierten AbfKlärV 1996 nach sich zog. Aktuelle Belastungssituation (mg/kg TS)(n. Angaben d. LUFA Bonn, 1992) Schwermetall Vorsorglicher Höc Kärschlamm hstwert lt. AbfKlV Böden mittlere Gehalte in Schlämmen mittlere Gehalte in Böden Pb 900 100 159 35 Cr 900 100 91 24 Hg 8 1 2 0,1 Cu 800 60 330 15 Ni 200 50 38 15 Cd 10/5* 1,5/1,0* 3 0,4 Zn 2500/2000* 200/150* 1318 67 n = 6800 n = 18100 * bei pH 5,0 - 6,0 ; bei pH < 5 keine KS- Ausbringung zulässig

Dies stellte ´92 in Bayern eine Bilanz auf für Böden, die regelmäßig mit Klärschlamm gedüngt werden und zwar für die besonders umweltrelevanten Elemente Cadmium, Blei und Zink. Ein Erreichen des zulässigen Grenzwertes, bei dem eine weitere Klärschlammaufbringung verboten, jedoch noch keine Anbaubeschränkung gegeben ist, bei Cadmium und Blei eine Zeitspanne von rund 800 Jahren, bei Zink von 165 Jahren. Sauerbeck ermittelte zum Teil noch höhere Anreicherungsfristen, 1100 Jahre für Cd und Hg, 1500 J. für Cr und 2600 Jahre für Ni. Im Falle von Blei und Zink kommt Sauerbeck auf ähnliche Zeiträume. In 30 -Jährigen Klärschlammdüngungsversuche des Institutes Bonn konnten keine Anhebung der Schwermetallgehalte im Boden im Vergleich zu mit Stallmist oder Mineraldüngern gedüngten Kontrollparzellen festgestellt werden. In diesem Versuch veränderten sich die Schwermetallgehalte im Weizenkorn nicht. Erst bei wesentlich erhöhten Gaben ließ sich ein geringer Anstieg nachweisen, besonders bei Kupfer und Zink. Schwermetallgehalte (ppm = mg/kg) im Boden nach langjähriger Klärschlammdüngung (1962-1990) Düngung Cd Cr Cu Ni Pb Zn Mineraldüngung 0,56 16 20 18 54 99 100 dt Stallmist/Jahr 0,46 18 23 17 52 96 200 dt Stallmist/Jahr 0,53 14 38 17 54 99 1,86 dt KS TM/Jahr 0,56 19 21 18 51 103 3,72 dt KS TM/Jahr 0,49 21 25 20 64 129 7,44 dt KS TM/Jahr 0,68 23 31 19 64 165 Zufuhr von Klärschlamm (KS Trockenmasse) und Stallmist jedes 2. Jahr Bei Komposten (deren SM- Richtwerte maximal bei einem sechstel der Werte liegen die in KS zul. sind) gestaltet sich die Situation ähnlich: um die tolerierbaren Richtwerte für die Anreicherung des Bodens mit dem jew. Schwermetall werden nach Poletschny (1993) für Jahre benötigt. Cd 330 Cr 450 Cu 530 Hg 1040 Ni 600 Pb 320 Zn 160

In der Diplomarbeit von D. Herbich, der die Schwermetallbelastung bei KS-aufbringung untersucht hat, wurde festgestellt, daß abhängig von der Bodenart, Gehalt an org. Sub- stanz, Kationenaustauschkapazität, Bewirtschaftungsform (Pflanzenwahl, Nutzung als Tierfutter Kupfer, ) die Grenzwerte der Klärschlammverordnung für Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Cadmium als zu hoch angesetzt sind. In den zwei in Bielefeld gelegenen untersuchten Teilgebieten wurden Vorschläge der Absenkung der Grenzwerte für Zink auf 50 mg/kg TS Boden und Cadmium bis pH 6 : 0,4 mg/kg, bis pH 6,5 : 0,8 mg/kg, darüberliegende pH- Werte max 1,0 mg/kg ausgearbeit. Insbesondere für diese beiden ähnlich mobilen Schwermetalle erwiesen sich die vorhandenen Grenzwerte als problematisch, wobei Cd das Schwermetall mit dem größten Gefährdungspotential ist. Bei best. Pflanzenarten: Weizen, Mais (-silage), welche zu den akkumulierenden Pflanzen zählen besteht auch schon bei sehr niedrigen Cd-Gehalten des Bodens die Gefahr, das es zu einer Überaschreitung des Lebensmittel- richtwertes bei Backweizen und des Futtermittelrichtwertes für Maissilage kommt. Im ersten Teilgebiet wurde darum von einer weiteren Cd- Fufuhr durch Klärschlamm abgeraten. Anmerkung: Von besonderer Wichtigkeit bei der Betrachtung eines möglichen Biotransfers sind die Bodenbedingungen: dessen Sorptionsvermögen (Tonanteil) und der pH- Wert.

Besondere Beachtung sollte auch die Sorptionsf ä higkeit der Unterböden im Hinblick auf Auswaschung und Grundwasserkontamination finden Auch das unterschiedliche Aneignungsvermögen der Schwermetalle von Pflanzen sollte Beachtung finden. Auch sollten die geogen bedingten Unterschiede in den Schwermetallgehalten Beachtung finden: die Gehalte der Böden des Rhein. Schiefergebirges sind durchschnittlich doppelt so hoch wie in anderen Naturräumen in NRW. Organische Schadstoffe In Siedlungsabfällen wurden bisher über 300 verschiedene organische Fremd-Verbindungen gefunden, davon über 40 regelmäßig. Hiervon wurden in die AbfKläV lediglich die polychlorierten Biphenyle (PCB) die polychlorierten Benzodioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF) als untersuchungspflichtig aufge- nommen, daneben der AOX- Wert als Summenparameter der adsorbtiv gebundenen halogen-organischen Verbindungen. Die bestehenden Grenzwerte sind nicht toxikologisch begründet !

Zur Kontrolle der Belastung von Klärschlämmen mit org. Schadstoffen sind Intervalle von zwei Jahren für die untersuchungspflichtigen Verbindungen vorgeschrieben. Der durchschnittl. PCB- Gehalt in KS ist in den letzten 15 Jahren um 40 % gesunken. Von allen organischen Fremdstoffenstellen stellen die Tenside die mengenmäßig stärkste Belastung der Klärschlämme dar( bis mehrere g pro kg). Diese waschaktiven Stoffe sind relativ instabil, so daß sie schon in wesentlichem Umfang während der Verweildauer in Faultürmen abgebaut werden, dieser Abbau setzt sich im Boden fort. Aus diesem Grund werden die Gehalte an Tensiden in KS toleriert. Polyzyklische Aromate ( PAK) wurden als nicht untersuchungspflichtig befunden, da bei wiederholter KS- Düngung keine Anreicherung in Böden und auch keine Aufnahme durch Pflanzen (es handelt sich um große Moleküle) nachgewiesen werden konnte. In Komposten hat sich die Belastung mit organ. Schadstoffen als weitaus geringer erwiesen: Bei PCDD/PCDF wurden Werte gefunden, die sich im Gehaltsbereich von Streu aus industriefernen ausgewählten Standorten (Luftdeposition) befindet. Kommentar und Anmerkungen: - Es ist nicht auszuschließen, daß irgendwann ein bisher noch unbekannter Schadstoff in mit Klärschlamm oder Kompost gedüngten Flächen entdeckt wird, oder daß Grenz- werte noch weiter herabgesetzt werden. - Organische Schadstoffe sind auf deren Toxizität bis heute nicht untersucht worden, aber Grenzwerte wurden festgesetzt. - Bei der Festlegung von Grenzwerten wird jeder Schadstoff einzeln untersucht und der Grenzwert nur für das Einwirken dieses einen Schadstoffes festgelegt. Wie wirkt sich bei Auftreten von mehren Schadstoffen in höheren Dosen dies auf einen Organismus aus ?

Die Forschung könnte in einigen Jahren herausfinden, daß einige Metaboliten von organischen Schadstoffen kanzerogen und auch von Pflanzen aufgenommen werden, was geschieht dann mit belasteten Böden ? - Gerade in der heutigen Zeit findet eine bedeutende Zerstörung des Bodens in weiten Teilen der Erde statt ( Erosion, Vergiftung, Degradierung), wir berauben uns damit unserer Lebensgrundlage. - Zur Risikohaftung besteht ein Klärschlammfond, der von Klärwerksbetreibern gespeist wird, die Beweislast liegt jedoch beim Landwirt. - In Pachtverträgen für kommunale, kirchliche oder staatliche Flächen ist häufig ein Verbot der Klärschlammaufbringung enthalten.

Quellen: Nitsch H. : Untersuchungen zur Nährstoffwirkung eines Bioabfallkompostes aus Getrenntsammlung der Stadt und des Landkreises Bayreuth in einem Feldversuch, Dipl-arbeit 1994 Finck A. : Dünger und Düngung 2.Aufl., 1992 Wimmer M.: Bebrütungsversuche zur Stickstoffmineralisation in zwei Bioabfallkomposten unter- schiedlicher Herstellung, Dipl- arbeit 1994 Werner W.: Recycling biogener Siedlungsabfälle in der Landwirtschaft,Vorträge N 408, 1993 LAGA Merkblatt M 10: Qualitätskriterien und Anwendungsempfehlungen für Kompost ..,1995 Hilbrich D. : Bewertung der Schwermetallbelastbarkeit durch Klärschlammaufbringung auf landw. genutzte Böden in Bielefeld , Dipl-arbeit Schießl K. : Lachgas- Emissionen aus offener Mietenkompostierung , Dipl,-arbeit 1995 Thom¾ - Kozmiensky: Kompostierung von Abfällen, EF- Verlag Berlin KTBL: Arbeitsblätter zu technischen Verfahren der Kompostierung

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Recycling und Verwertung von Siedlungsabfällen auf landwirtschaftlich genutzten Böden
Autor
Jahr
1995
Seiten
18
Katalognummer
V96130
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Recycling, Verwertung, Siedlungsabfällen, Böden
Arbeit zitieren
Dirk Schneide (Autor), 1995, Recycling und Verwertung von Siedlungsabfällen auf landwirtschaftlich genutzten Böden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96130

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