Liebe als Kosten-Nutzen-Maximierung? Zur Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen

Eine empirische und theoretische Analyse des Erklärungswerts ökonomisch orientierter Theorien


Bachelorarbeit, 2016

65 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Paarbeziehungen - ein Thema zwischen Soziologie und Psychologie
2.1 Die Rational-Choice-Theorie
2.2 Einschränkungen der RC- Theorie durch die Kognitionspsychologie

3 Ökonomisch orientierte Theorien der Partnerschaft
3.1 Definition: Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen
3.2 Der austauschtheoretische Ansatz
3.2.1 Interdependenztheorie
3.2.2 Equity-Theorie
3.2.3 Investitionsmodell
3.2.4 Kritik an der sozialen Austauschtheorie
3.3 Der familienökonomische Ansatz
3.3.1 Überlegungen zur Partnersuche
3.3.2 Matching als Voraussetzung für eine stabile Paarbeziehung
3.3.2.1 Homogamie
3.3.2.2 Einkommenserwerb und Arbeitsaufteilung als Sonderfall 25
3.3.3 Investitionen
3.3.4 Kritik an der familienökonomischen Theorie
3.4 Zusammenfassung und Gegenüberstellung der beiden Ansätze
3.5 Einschränkung der ökonomisch orientierten Theorien

4 Alternative Erklärungsansätze für die Aufrechterhaltung von Beziehungen
4.1 Der lern- und verhaltenstheoretische Ansatz
4.2 Der bindungstheoretische Ansatz

5 Diskussion
5.1 Die Rolle der Emotionen und der Liebe
5.2 Vergleich der verschiedenen theoretischen Ansätze
5.2.1 Psychologische versus soziologische Erklärungsansätze
5.2.2 Methodische Einschränkungen
5.2.3 Der Erklärungswert für die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen

6 Fazit und Ausblick

Quellen

Zusammenfassung

Das Eingehen und Aufrechterhalten einer Paarbeziehung gehört zu den bedeutendsten Zielen der Lebensgestaltung. In dieser Arbeit werden der austauschtheoretische und der familienökonomische Ansatz in Bezug auf ihren Erklärungswert für die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen unter- sucht. Die zugrundeliegenden Annahmen dieser ökonomisch orientierten Theorien werden mithilfe einer theoretischen Analyse sowie empirischer Ergebnisse auf ihre Vorhersagekraft für die Bezie- hungsstabilität überprüft. Im Allgemeinen zeigt sich eine gute empirische Vorhersagekraft, obwohl einige Beziehungsprozesse nicht erklärt werden können. Aufgrund dessen werden alternative Theo- rien aus der Psychologie konstatierend dargestellt. Es wird diskutiert, welche Rolle Emotionen und Liebe in den Ansätzen einnehmen, sowie außerdem abgewogen, welcher der theoretischen Ansätze die Beziehungsstabilität am genauesten erklären und vorhersagen kann. Es zeigt sich, dass die öko- nomisch orientierten Theorien hierzu besser geeignet sind. Für ein umfassendes Verständnis für die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen ist jedoch die Vereinigung verschiedener Ansätze notwen- dig. Abschließend werden die Grenzen der vorliegenden Arbeit sowie Implikationen für weitere wissenschaftliche Auseinandersetzungen aufgezeigt.

One of the major goals of a lifetime is to establish and maintain a lasting romantic relationship. This thesis discusses the two concepts of exchange theory and family economics. The assumptions underlying these economically oriented theories require a detailed review regarding their explana- tory value for the maintenance of romantic relationships. The ability of these theories to make pre- dictions as to how and if a romantic relationships is maintained is discussed on the basis of empiri- cal data and theoretical examination. Results show that these theories are generally able to make predictions, but cannot fully account for all the data. Therefore, alternative theories of psychologi- cal origin are contrastively introduced. The concepts of emotions and love are discussed for all the- oretical approaches. Additionally, the theories are compared regarding their ability to explain and predict relationship stability. The outcome of this comparison shows that economically oriented theories are better suited to predict the end of a relationship. However, it seems appropriate to inte- grate different theoretical approaches for a comprehensive understanding of romantic relationships.

Limitations of the thesis and further implications for research are illustrated.

Vorbemerkungen

Aus Gründen der Vereinfachung wird in der vorliegenden Arbeit primär die männliche Form ver­wendet. Personen weiblichen wie männlichen Geschlechts sind darin gleichermaßen eingeschlos­sen.

Kursivschrift wird in der vorliegenden Arbeit zur erstmaligen Einführung neuer Termini, für fremdsprachige Ausdrücke sowie für Wörter, welche als linguistisches Beispiel dienen, verwendet. Einfache Anführungszeichen (, ‘) werden zur Kennzeichnung beschreibender oder umgangssprach­licher Begriffe verwendet. Diese sollen so von zitierten Textsegmenten zu unterscheiden sein.

1 Einleitung

Ungeachtet der abnehmenden Zahl an Eheschließungen (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt, 2008) und der ho­hen Anzahl an Scheidungen (Statistisches Bundesamt, 2008) werden Partnerschaften und die Grün­dung einer eigenen Familie nach Umfragen des Statistischen Bundesamtes (2013) nach wie vor als äußerst wichtiges Ziel der Lebensgestaltung bewertet. Dies ist insbesondere dahingehend interes­sant, als dass die Befragten der Familiengründung und einer Partnerschaft eine höhere Bedeutsam­keit zuordnen als dem Beruf oder Arbeitsplatz (Statistisches Bundesamt, 2013). Eine feste Paarbe­ziehung stellt außerdem für die meisten Menschen eine wichtige Voraussetzung für ihr persönli­ches Glück und Wohlbefinden dar (Diener, Gohm, Suh, & Oishi, 2000; Statistisches Bundesamt, 2013). So ist es nicht erstaunlich, dass im Rahmen einer studentischen Befragung erhobene Daten besagen, dass sich 99,2 Prozent der Frauen und 98,9 Prozent der Männer eine feste Partnerschaft wünschen (Pedersen, Miller, Putcha-Bhagavatula, & Yang, 2002).

Auf Grundlage der hohen Scheidungsrate kann jedoch ein Rückschluss auf die Instabilität von Paarbeziehungen gezogen werden, was damit im Gegensatz zu den Wünschen nach einer andauern­den Partnerschaft steht. In diesem Zusammenhang kann zudem festgestellt werden, dass eine Scheidung verschiedene negative Folgen auf die persönliche Psyche, Gesundheit oder die ökono­mische Situation der Betroffenen hat (Amato, 2000). Ähnliche Folgen können für eine nichteheli­che Trennung erwartet werden.

Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger eine Betrachtung der theoretischen Annah­men vorzunehmen, welche zur Scheidung oder Trennung führen sowie umgekehrt zur Stabilität ei­ner Beziehung beitragen können.

In der vorliegenden Arbeit werden Theorien vorgestellt, die die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen1 erklären und damit gleichermaßen aufzeigen, welche Faktoren zu einer Trennung oder Scheidung führen. Es wird dabei primär auf den austauschtheoretischen sowie auf den fami­lienökonomischen Ansatz zurückgegriffen, welche auf dem ökonomischen Paradigma beruhen und von einer Kosten-Nutzen-Analyse als Grundlage für das Eingehen, Aufrechterhalten und Beenden von Partnerschaften ausgehen. Der austauschtheoretische Ansatz versteht Prozesse in Paarbezie­hungen als Konsequenz auf bestimmte soziale Austauschprozesse, während der familienökonomi­sche Ansatz Partnerschaften als Produktionsgemeinschaften versteht und Beziehungsprozesse mit wirtschaftlichen Begriffen beschreibt. Beide Ansätze wurden im Laufe der Zeit weiter ausdifferen­ziert und haben infolgedessen weitere Theorien und Thesen hervorgebracht. Im Folgenden werden diese unter dem Begriff ökonomisch orientierte Theorien zusammengefasst (und so von anderen Theorien der Partnerschaft abgegrenzt).

Eine ökonomisch orientierte Sichtweise auf Paarbeziehungen scheint zunächst ungewöhn­lich, da seit dem Ende des 18. Jahrhunderts vom Ideal der romantischen Liebe ausgegangen wird. Demnach gilt die Liebe als wichtigste Voraussetzung für eine Ehe (Lenz, 2006; Riehl-Emde, 2003). In der westlichen Gesellschaft gründen heutzutage ein Großteil der Paarbeziehungen und Ehen auf Liebe. Das Vorhandensein dieser Gefühle scheint in der Moderne als einzige oder zumin­dest als wichtigste Legitimation für Beziehungen zu gelten und alle Rationalitäten außer Acht zu lassen (Hill & Kopp, 2001; Lenz, 2006).

Nicht trotz, sondern aufgrund dieses offensichtlichen Widerspruchs erscheint eine Ausei­nandersetzung mit ökonomisch orientierten Theorien sinnvoll. Diese Sichtweise steht dem moder­nen Bild von Paarbeziehungen mit der Annahme einer Kosten-Nutzen-Maximierung gegenüber und bedarf deshalb einer näheren Betrachtung. Darüber hinaus ist vor dem Hintergrund gestiegener Mobilitätsanforderungen im beruflichen und privaten Kontext zu erwarten, dass Kosten-Nutzen­Abwägungen eine stark wachsende Rolle spielen und Entscheidungen im Rahmen von Partner­schaften heutzutage zunehmend von Gewinnerwartungen abhängen (Brandtstädter & Felser, 2003; Pairfam, o.J.). So haben beispielsweise Paare in Fernbeziehungen, welche in besonderer Weise von diesen veränderten Mobilitätsanforderungen beeinflusst werden, deutlich höhere subjektive und ob­jektiven Beziehungskosten, was sich wiederum auf die Beziehungszufriedenheit auswirkt (Gardner, 2005).

Eine weitere Besonderheit der ökonomisch orientierten Theorien besteht darin, dass sie teilweise schon über 50 Jahre alt sind und dennoch heutzutage in vielen empirischen Studien zur Paarbeziehung als theoretische Grundannahme vorausgesetzt werden (Breitenbach, 2013; Gollwit- zer & Schmitt, 2009). Es ist demnach zu vermuten, dass sich die theoretischen Annahmen bereits mehrfach als relevant zur Analyse von Partnerschaften erwiesen haben.

Aus diesem Grund untersucht die vorliegende Arbeit, inwiefern sich die theoretischen An­nahmen tatsächlich in der Empirie abbilden und inwieweit sich daraus die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen erklären lässt. Die Forschungsfrage lautet deshalb:

Welchen Erklärungswert weisen ökonomisch orientierte Theorien für die Aufrechter­haltung von Paarbeziehungen auf?

Zu diesem Zweck behandelt das zweite Kapitel den Ursprung der Theorien, während da­rauf aufbauend im nachfolgenden Kapitel die beiden Ansätze und die daraus entstandenen Theorien und Thesen dargestellt und mithilfe empirischer Befunde auf ihren Erklärungswert für die Auf­rechterhaltung von Beziehungen überprüft werden. In diesem Kontext findet zudem eine kritische Beleuchtung der Ansätze statt. Im Anschluss werden in Kapitel vier alternative Partnerschaftstheo­rien vorgestellt, welche die vernachlässigten Aspekte der ökonomisch orientierten Theorien in den Vordergrund stellen. Daran anschließend wird diskutiert, welcher der theoretischen Ansätze sich am ehesten dazu eignet, die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen zu erklären und vorherzusa­gen.

2 Paarbeziehungen - ein Thema zwischen Soziologie und Psychologie

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Aufrecht­erhaltung von romantischen Paarbeziehungen. Dabei soll eine romantische Paarbeziehung, syno­nym verwendet mit den Begriffen Partnerschaft, Liebesbeziehung oder Beziehung, verstanden wer­den als eine persönliche Beziehung, welche sich vor allem durch die Aspekte Intimität, Sexualität und Bindung von anderen Beziehungen abgrenzt. Es wird dabei ausschließlich auf heterosexuelle Partnerschaften eingegangen, da sich homosexuelle Beziehungen durch bestimmte Merkmale von diesen unterscheiden (Kurdek, 1998) und daher keine eindeutigen Aussagen mehr möglich wären.

Die verschiedenen Aspekte von Liebesbeziehungen werden interdisziplinär erforscht (O- golsky, Lloyd, & Cate, 2013). Die Faktoren, welche einen Einfluss auf die Stabilität und Aufrecht­erhaltung von Paarbeziehungen haben, werden dabei hauptsächlich von zwei Wissenschaftsdiszip­linen nähergehend untersucht: der Soziologie und der Psychologie. Dabei unterscheidet sich jedoch der Fokus der jeweiligen Fragestellungen für die Forschung. Während die Psychologie zumeist in­dividuelle Faktoren betrachtet und sich für das Konflikt- und Bewältigungsverhalten von Paaren interessiert, untersucht die (Familien-)Soziologie in erster Linie soziostrukturelle Bedingungen für bestimmte Phänomene im Kontext von Paarbeziehungen (Gründler, 2012). Trotz dieser Abgren­zung gibt es vor allem im Forschungsfeld der Paarbeziehungen einige Überschneidungen zwischen der Soziologie und der Sozialpsychologie (Schneewind, 2010). Sozialpsychologen interessieren sich in diesem Kontext mehr für das Verhalten von Individuen, welches sich aus einer sozialen Si­tuation ergibt, während Soziologen das gezeigte Verhalten als Ausgangspunkt für die Erklärung ei­ner sozialen Situation heranziehen. Zu beachten gilt hierbei jedoch die wechselseitige Verflechtung und Abhängigkeit beider Disziplinen (Scherke, 2009; Schneewind, 2010). Vor diesem Hintergrund erscheint deshalb die Verwendung sowohl von psychologischen als auch von soziologischen Theo­rien für die Erklärung der Aufrechterhaltung von Beziehungen angemessen.

In der vorliegenden Arbeit wird von Seiten der Soziologie die Rational-Choice-Theorie verwendet, um einen Rahmen für die Theorien zu bilden, welche von einem subjektiv rationalen Akteur ausgehen, dessen Ziel eine Nutzenmaximierung durch sein Handeln darstellt (Esser, 1991). Sowohl der austauschtheoretische als auch der familienökonomische Ansatz gehen darauf zurück und haben dabei gemeinsam, dass ihnen das ökonomische Verhaltensparadigma zugrunde liegt (Kunz, 2004). In der vorliegenden Arbeit soll der Fokus jedoch primär auf die mikrosozialen, indi­viduellen und dyadischen Aspekte dieser Theorien gelegt werden, um deren psychologische Kom­ponenten zu verdeutlichen. Makrosoziologische Perspektiven sollen nur insofern einbezogen wer- den, als dass sie für das Verständnis der theoretischen Grundannahmen von Bedeutung sind. Au­ßerdem muss angemerkt werden, dass der austauschtheoretische Ansatz im Rahmen der theoreti­schen Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung durch psychologisch orientierte Autoren seit mehreren Jahrzenten sowohl in der Soziologie wie auch in der Psychologie angewendet wird.

Die vorliegende Arbeit soll nun aufzeigen, inwiefern sich die ökonomisch orientierten The­orien dafür eignen, die Aufrechterhaltung von Beziehungen zu erklären. Zu diesem Zweck wird im Folgenden zunächst der Rational-Choice-Ansatz inklusive seiner Einschränkung durch die Kogniti­onspsychologie vorgestellt.

2.1 Die Rational-Choice-Theorie

Die aus der Soziologie kommende Rational-Choice-Theorie bildet die Grundlage für die ökonomisch orientierten Theorien der Partnerschaft (Kunz, 2004) und wird aus diesem Grund zu­nächst kurz darstellt. Die Rational-Choice-Theorie geht davon aus, dass das Handeln des Menschen durch Restriktionen beschränkt wird: Natürliche Restriktionen, welche sich aufgrund der Knapp­heit aller Ressourcen ergeben sowie soziale Restriktionen, die durch soziale Konventionen oder in­stitutionelle Vorgaben entstehen (Esser, 1993).

Gleichermaßen geht auch die Ökonomie davon aus, dass der Mensch in seinem Handeln durch institutionelle Bedingungen, Normen, Werte und Regeln eingeschränkt ist (Frey, 1990). Dies erklärt, weshalb ökonomische Analysen nicht-wirtschaftlicher Vorgänge, wie sie beispielsweise mithilfe des ökonomischen Verhaltensmodells durchgeführt werden können, teilweise ebenfalls mit dem Begriff Rational Choice gekennzeichnet werden.2

Im Rahmen der Rational-Choice-Theorie wird angenommen, dass Menschen mit ihren be­schränkten Ressourcen danach streben, durch bestimmte Handlungen ihre Bedürfnisse zu befriedi­gen (Kunz, 2004). Um diese zu befriedigen, sind Individuen von Anderen abhängig, da diese über komplementäre Ressourcen verfügen, welche durch soziale Interaktionen ausgetauscht werden können (Hill & Kopp, 2006). Demnach können Personen ihren Nutzen nur maximieren, indem sie einen wechselseitigen Austausch von Ressourcen mit anderen Individuen vornehmen. Dieser Pro­zess findet auch im Rahmen von Paarbeziehungen statt (Hill & Kopp, 2006).

Weiterhin geht die Rational-Choice-Theorie von einem ,subjektiv rationalen’ Akteur aus. Das bedeutet, dass Personen sich in der Interpretation von Situationen an ihrem subjektiven Erfah­rungshintergrund orientieren. Dabei kann die subjektive Sichtweise entgegengesetzt zu einer ,ob- jektiv rationalen‘ Verhaltensweise sein. Daher wird in diesem Zusammenhang auch von einer bounded rationality gesprochen (Esser, 1991). Das Menschenbild, welches der Rational-Choice- Theorie zugrunde liegt, ist das von Lindenberg (1985) entwickelte RREEMM-Modell. Darin wer­den die Modelle des Menschen aus den Disziplinen Ökonomie, Soziologie und Psychologie in ei­nem Modell vereint (Esser, 1993). Das RREEMM-Modell geht von einem Mensch (m an) aus, wel­cher über Ressourcen verfügt (r esourceful), in seinem Handeln jedoch eingeschränkt ist (r estric­ted). Außerdem verfügt er über bestimmte Erwartungen hinsichtlich seines Handelns (e xpecting) und bewertet die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten (e valuating), was sich wiederum in sei­nen Präferenzen niederschlägt (Lindenberg, 2001). Unter Berücksichtigung der bounded rationality wird sich der Mensch für die Handlungsalternative entscheiden, welche ihm den größten erwarteten Nutzen verspricht (m aximizing) (Mayerl, 2009).

Häufig wird unter der Rational-Choice-Theorie verstanden, dass sich Menschen eigennüt­zig verhalten und eigene Ziele ohne Rücksicht auf andere durchsetzen. Ob egoistisches oder altruis­tisches Verhalten gezeigt wird, ist jedoch immer von der jeweiligen Situation abhängig. Da Part­nerschaften und Familien auf Dauer angelegt und gewünscht sind, erscheint hier ein an anderen ori­entiertes Handeln unumgänglich, da sich andernfalls Nachteile für die eigene Person ergeben (Be­cker, 1991). Im Kontext von Paarbeziehungen führt demnach altruistisches Handeln zur Nutzenma­ximierung (Hill & Kopp, 2006).

2.2 Einschränkungen der RC- Theorie durch die Kognitionspsychologie

Die Rational-Choice-Theorie wird vielfach kritisiert, da Menschen nicht ausschließlich ra­tional handeln. Vielmehr bleibt bei diesem Konzept zu wenig berücksichtigt, dass menschliches Verhalten zu einem Großteil von intuitiven und gewohnheitsmäßigen Handlungen geprägt ist und nicht in jeder Situation eine Kosten-Nutzen-Kalkulation durchgeführt wird. So weisen auch die Be­gründer der Interdependenz-Theorie (vgl. Kapitel 3.2.1), Thibaut und Kelley (1959), darauf hin, dass Handlungen meist auf Grundlage von erlernten Verhaltensweisen ausgeführt werden und da­bei im Laufe der Zeit automatisiert werden.

In Verbindung mit kognitionspsychologischen Annahmen lässt sich der Zusammenhang zwischen Nutzenmaximierung und tatsächlichem Verhalten näher erklären. Die Kognitionspsycho­logie vertritt die These, dass bestimmte Erfahrungen in Form von Skripten und Schemata im Den­ken abgespeichert werden, auf welche dann in der jeweiligen Situation zurückgegriffen wird. Wäh­rend sich Schemata auf das Wissen über Dinge und Situationen beziehen, versteht man unter Skrip­ten das Wissen über bestimmte Handlungsabläufe (Stocké, 2002).

In Bezug auf Paarbeziehungen kann sich dies dahingehend äußern, als dass eine Person über die Vorlieben und die Schwachstellen des Partners sowie über bestimmte ,Verhaltensstan- dards‘ in der Beziehung in Kenntnis ist, ohne dabei vor jeder partnerschaftlichen Handlung zwi­schen Kosten und Nutzen abwägen zu müssen. Lässt sich das Verhalten des Partners jedoch nicht mithilfe dieser partnerschaftlichen Skripte oder Schemata erklären, kommt es zu Suchprozessen nach alternativen Skripten und Schemata.

Diese kognitionspsychologischen Annahmen sind demnach der Grund dafür, dass inner­halb von Paarbeziehungen nicht bei allen Handlungen Kosten-Nutzen-Kalkulationen vorgenommen werden (Esser, 1991; Hill & Kopp, 2006). Es kann also davon ausgegangen werden, dass nach der Rational-Choice-Theorie postulierte Vorgänge primär dann ablaufen, wenn in einer vorliegenden Handlungssituation nur unzureichende Skripte oder Schemata vorliegen. In Situationen mit ver­gleichsweise geringem Kosteneinsatz wird dagegen auf Routinen zurückgegriffen (Quandt & Ohr, 2004).

Ob und wann ein Akteur von einem automatisch-spontanen zu einem rational kalkulieren­den Schema wechselt, wird von Esser (1991, 2002) mithilfe des Framing oder Bezugsrahmenwech­sels theoretisch beantwortet. Ein Mechanismus, der zum Framingwechsel führt, ist zum Beispiel die Sättigung. Das bedeutet, dass Personen sich nach der Befriedigung ihrer Bedürfnisse anderen Aktivitäten zuwenden. Bezugsrahmenwechsel können aber auch bewusst stattfinden. So kann eine Person zwischen verschiedenen Verhaltensweisen wechseln. Als Beispiel kann hier eine private Feier genannt werden, bei der durch das Hinzukommen eines Geschäftskollegen bewusst von ei­nem skripthaften Verhalten zu einer offizielleren Verhaltensweise gewechselt wird (Hill & Kopp, 2006).

Die Rational-Choice-Theorie mit der Erweiterung um die kognitivpsychologischen Annah­men kann als Ausgangsbasis für die Erklärung von Paarbeziehungen angenommen werden und bie­tet somit einen Rahmen für die folgenden theoretischen Ansätze.

3 Ökonomisch orientierte Theorien der Partnerschaft

Im Folgenden werden verschiedene Theorien zu Paarbeziehungen vorgestellt, welche auf der Rational-Choice-Theorie basieren und von einer Kosten-Nutzen-Maximierung eines subjektiv rationalen Akteurs ausgehen. Während der austauschtheoretische Ansatz den dyadischen Austausch fokussiert, stehen beim familienökonomischen Ansatz die Produktions- und Marktprozesse im Vor­dergrund (Hill & Kopp, 2006). Zunächst ist hierfür jedoch eine Definition der Begrifflichkeit der Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen vonnöten.

3.1 Definition: Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen

Als Kriterium für die Aufrechterhaltung von Beziehungen kann das Konstrukt der Bezie­hungsstabilität herangezogen werden. Die Präzisierung des Begriffs der Beziehungsstabilität wirft jedoch einige Probleme auf, da dieser sowohl für die Beschreibung einer gleichbleibenden und da­mit stabilen Beziehungsqualität als auch für das ,(End-)Ergebnis‘ einer Partnerschaft, also die Fort­führung oder Beendigung jener, verwendet wird (Karney & Bradbury, 1995). Für die vorliegende Arbeit ist nur das letztgenannte Verständnis der Beziehungsstabilität von Bedeutung, wobei auch diese Definition noch weiterer Erläuterungen bedarf.

Bei der Beziehungsstabilität kann es sich zum einen um eine eindimensionale Kategorie handeln, welche binär gemessen wird: Besteht eine Beziehung zu einem zweiten (oder einem wei­teren) Messzeitpunkt noch, ist sie als stabil einzustufen (Zimmermann, 2009). Demgegenüber exis­tieren auch detailliertere Skalen zur Messung der Beziehungsstabilität. Diese beziehen sich auf die verschiedenen Stadien des Trennungsprozesses, welche die Schritte von den ersten Trennungsge­danken bis zum endgültigen Vollzug der Trennung erfassen (Brandtstädter & Felser, 2003). Stabili­tätsbezogene Kognitionen können oftmals eine Trennung zu einem späteren Zeitpunkt vorhersagen (Arranz Becker & Hill, 2010). Dabei ist jedoch anzumerken, dass Trennungsgedanken nicht in al­len Fällen zur tatsächlichen Trennung führen, während umgekehrt manche Trennungen ohne vorhe­rige Überlegungen und Pläne durchgeführt werden wie beispielsweise nach der Untreue eines Part­ners (Zimmermann, 2009).

Da es in der vorliegenden Arbeit um die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen geht, er­scheint das eindimensionale Konzept mit seinen Polen bestehende Beziehung vs. Trennung grund­sätzlich geeigneter. Da die Erfassung des formalen Beziehungsstatus jedoch mit definitorischen Unklarheiten (z.B. Scheidung zeitlich nicht gleichbedeutend mit Trennung, Auszug aus dem ge­meinsamen Haushalt nicht gleichbedeutend mit Trennung) verbunden ist (Arranz Becker, 2008), wird in der vorliegenden Arbeit stellenweise auch auf die subjektive Wahrnehmung der Bezie­hungsstabilität zurückgegriffen. So ist es auch möglich, etwaige Trennungsbarrieren zu berücksich­tigen, welche in den verwendeten Theorien teilweise eine wichtige Rolle spielen.

Die Beziehungsstabilität ist wiederum von mehreren Faktoren abhängig. So stellt beispiels­weise eine hohe Beziehungs- bzw. Ehezufriedenheit einen der stärksten Prädiktoren für die Stabili­tät einer Paarbeziehung dar (Karney & Bradbury, 1995; Clements, Stanley, & Markman, 2004).3 Aus diesem Grund wird im Folgenden stellenweise auch darauf zurückgegriffen.

3.2 Der austauschtheoretische Ansatz

Das einflussreichste theoretische Konzept im Kontext von Paarbeziehungen ist der aus­tauschtheoretische Ansatz (Karney & Bradbury, 1995).

Die soziale Austauschtheorie geht, ähnlich wie die Rational-Choice-Theorie, von einer Ressourcendeprivation aus, welche dazu führt, dass Menschen auf den Tausch von Ressourcen mit anderen Personen angewiesen sind (Arranz Becker, 2008). Dabei wird zwischen dem ökonomi­schen und dem sozialen beziehungsweise dem reziproken Tausch unterschieden. Beim ökonomi­schen Tausch wird Ware gegen Geld oder andere Ware getauscht, wobei Zeitpunkt sowie Ausmaß der Gegenleistung festgelegt sind. Beim sozialen Tausch handelt es sich dagegen um eine soziale Interaktion, deren Gegenleistung nicht genau spezifiziert ist und sogar ganz ausbleiben kann (Hill & Kopp, 2006).

Nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung werden alle Interaktionen nach ihren Kosten und Belohnungen bewertet (Thibaut & Kelley, 1959). Als Belohnungen gelten alle Ressourcen, die innerhalb einer Beziehung ausgetauscht werden können. Nach der Ressourcentheorie von Foa und Foa (2012) werden Ressourcen definiert als „anything that can be transmitted from one person to another“ (S. 16). Alle Ressourcen lassen sich in sechs Klassen einteilen, welche gemäß der Res­sourcentheorie folgendermaßen angeordnet werden:

Je stärker die Dimension des Partikularismus bei einer Ressource ausgeprägt ist, desto stär­ker ist die jeweilige Ressource an eine bestimme Person oder Situation gebunden. Die Konkretis- musdimension beschreibt die Gegenständlichkeit der Ressourcen; je niedriger eine Ressource auf dieser Achse angeordnet ist, desto abstrakter ist die jeweilige Ressource (Foa & Foa, 2012). Die Theorie geht weiter davon aus, dass zwei Ressourcen leichter gegeneinander ausgetauscht werden können, je näher sie auf dem Schaubild beieinander liegen. Die Ressourcen Geld und Liebe sind beispielsweise sehr weit voneinander entfernt, was darauf hindeutet, dass ein solcher Austausch sehr selten stattfindet (Foa & Foa, 2012; Hill & Kopp, 2006).

Die soziale Austauschtheorie versucht nun das den Tauschakten zugrunde liegende Han­deln zu erklären. Dabei geht sie von einem subjektiv rationalen Akteur aus, welcher durch sein Handeln seinen eigenen Nutzen maximieren und gleichzeitig die Kosten möglichst gering halten möchte.

In Bezug auf Paarbeziehungen bedient sich die soziale Austauschtheorie unter anderem der lerntheoretischen Perspektive, indem sie die Annahme trifft, dass belohnende und zufriedenstel­lende Interaktionen wiederholt werden und Beziehungen aus diesem Grund am ehesten mit den Personen (weiter-)geführt werden, welche eine wiederkehrende Belohnungen erwarten lassen (Ar- ranz Becker, 2008; Hill & Kopp, 2006). Dies erklärt das Eingehen und das Aufrechterhalten von Beziehungen, da somit der Austausch von sozialen Grundbedürfnissen als dauerhaft gesichert gilt.

Während in der Soziologie vor allem die austauschtheoretischen Ansätze von Homans (1972), Blau (1964) und Adams (1965) verwendet werden, sind in der Psychologie vor allem die Interdependenztheorie (Kelley & Thibaut, 1978; Thibaut & Kelley, 1959) und das daran aufbau­ende Modell zur Ehestabilität (Lewis & Spanier, 1979), die Equity-Theorie (Walster, Walster, & Berscheid, 1978) sowie das Investitionsmodell (Rusbult, 1980) relevant (Freie Universität Berlin, o.J.), welche in den folgenden Unterkapiteln näher beschrieben werden.

3.2.1 Interdependenztheorie

Die Interdependenztheorie wurde in ihrer ersten Version 1959 von Thibaut und Kelley entwickelt und von den gleichen Autoren im Jahr 1978 in einer modifizierten und weiterentwickelten Form erneut veröffentlicht. Sie geht auf die ökonomische Spieltheorie zurück, in der Personen in Bezug auf ihre Handlungsoptionen wechselseitig voneinander abhängig sind, was sich wiederum im Na­men der Interdependenztheorie niederschlägt (Scholl, 2007). Damit hängt auch der Nutzen, welcher sich aus einer Beziehung ergibt, maßgeblich vom Partner ab. Dieser hat einen großen Einfluss da­rauf, welchen individuellen Nutzen ein Partner aus der Beziehung zieht (Gollwitzer & Schmitt, 2009).

Wie zufrieden Personen in ihrer Liebesbeziehung sind, hängt gemäß der Interdependenz­theorie demnach davon ab, ob und in welchem Ausmaß der jeweilige Partner die Bedürfnisse des anderen befriedigt. Die Zufriedenheit in einer Partnerschaft ergibt sich durch die wechselseitigen Belohnungen, worunter jegliche Befriedigungen, Annehmlichkeiten und Freuden innerhalb einer Beziehung zu verstehen sind (Thibaut & Kelley, 1959). Demgegenüber entstehen in einer Partner­schaft auch Kosten. Darunter sind Kompromisse, welche man für die Partnerschaft auf sich nimmt und das Aufgeben von eigenen Interessen, die im Widerspruch zu denen des Partners stehen, zu verstehen (Grau, 1997). Die Differenz zwischen den wahrgenommenen Belohnungen und den ein­gebrachten Kosten wird als Outcome bezeichnet, wobei Personen umso zufriedener sind, desto mehr die Belohnungen gegenüber den Kosten überwiegen (Grau, 1997). Das lässt sich auch durch die Untersuchung von Bui, Peplau und Hill (1996) belegen, nach der die Beziehungszufriedenheit mit den subjektiv wahrgenommenen Kosten und Nutzen innerhalb der Beziehung korreliert.

Die Beziehungszufriedenheit hängt darüber hinaus von einem Bewertungsmaßstab ab, mit dem Personen die Attraktivität ihrer Beziehung vergleichen. Dieses sogenannte comparison level entsteht durch frühere Erfahrungen mit Ex-Partnern sowie durch soziale Vergleiche mit anderen. Kommt es bei diesem Vergleich zu einer negativen Bilanz, bedeutet das jedoch nicht zwangsläufig, dass eine Person sich trennt. Ob eine Beziehung beendet wird, hängt ebenso von den verfügbaren Alternativen sowie der Abhängigkeit vom Partner ab. Thibaut und Kelley (1959) verweisen hierbei auf das Vergleichsniveau für Alternativen. Demnach denken Personen, die sich in einer Beziehung befinden, auch über außerhalb der aktuellen Beziehung bestehende Möglichkeiten nach. Darunter fallen sowohl reale Personen als auch die Vorstellung über einen fiktiven Partner sowie das imagi- nierte Leben als Single.

Die Einschätzung der eigenen Chancen auf dem Partnermarkt spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Ergibt sich im Vergleich für die bestehende Partnerschaft eine negative Bilanz und werden die eigenen Chancen hoch eingeschätzt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Trennung bei einer sub­jektiv negativen Belohnungs-Kosten-Bilanz hoch (Mikula & Stroebe, 1991).

Das Vergleichsniveau für Alternativen, gemessen durch den Vergleich mit früheren Bezie­hungen sowie den Vergleich mit anderen möglichen Partnern stellt demnach einen Prädiktor für die Trennungswahrscheinlichkeit dar. Empirisch zeigt sich, dass die subjektiv eingeschätzte Qualität von Alternativen einen Einfluss auf die Beziehungsstabilität hat, indem eine positivere Beurteilung von Alternativen die Trennungswahrscheinlichkeit erhöht (Attridge, Berscheid, & Simpson, 1995; Bui et al., 1996; Simpson, 1987; Felmlee, Sprecher, & Bassin, 1990; Sprecher, 2001).

Einige Studienergebnisse deuten dabei auch auf Mediatoreffekte hin. So wies die Arbeit von Sprecher (2001) nach, dass die Beurteilung von möglichen Alternativen mit der subjektiven Qualität der Beziehung korreliert. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass es bei hoher Bezie­hungszufriedenheit zu kognitiven Abwertungen von Alternativen kommt (Lösel & Bender, 2003).

Anschließend an die Thesen der Interdependenztheorie entwickelten Lewis und Spanier (1979) ein Modell zur Ehestabilität, in welchem sie die Ehezufriedenheit und die Stabilität der Ehe als zwei voneinander unabhängige Faktoren definierten. Zwar wirkt sich gemäß ihrer Theorie eine hohe Beziehungszufriedenheit üblicherweise positiv auf die Beziehungsstabilität aus; dies ist je­doch nicht zwangsläufig der Fall, da der externe Druck, verheiratet zu sein sowie die Alternativen außerhalb der Beziehung ebenfalls eine Rolle für die Aufrechterhaltung einer Beziehung spielen (Lewis & Spanier, 1979). Demnach können auch Paarbeziehungen existieren, welche zwar un­glücklich, aber trotzdem stabil sind, da der externe Druck, verheiratet zu bleiben, zu hoch ist. Gleichermaßen sind auch Beziehungen möglich, welche zwar befriedigend, aber trotzdem instabil sind, da der externe Druck niedrig und die subjektive Qualität der Alternativen außerhalb der Paarbeziehung hoch sind (Karney & Bradbury, 1995).

3.2.2 Equity-Theorie

Die Equity-Theorie geht auf den Soziologen Homans (1972) zurück, wurde dann vom Psychologen Adams (1965) weiter strukturiert und letztlich von Walster, Walster et al. (1978) abgeändert und erweitert. Sie wird aufgrund ihrer weitreichenden Bekanntheit sowohl in der Soziologie als auch in der Psychologie angewendet (Rohmann, 2003).

Die Grundannahme der Equity-Theorie besagt, dass der individuelle Fokus nicht aus­schließlich auf den Netto-Erträgen der Kosten und Nutzen innerhalb einer Partnerschaft liegt, son­dern dass die wahrgenommene Ausgewogenheit von Belohnungen und Kosten ebenfalls von gro­ßer Bedeutung ist (Brandtstädter & Felser, 2003). Personen sind demnach zufriedener mit ihrer Be­ziehung, wenn sie eine Ausgewogenheit wahrnehmen, als wenn sie sich benachteiligt oder bevor­teilt fühlen. Dabei sind benachteiligte Personen jedoch noch unzufriedener als diejenigen, die be­vorteilt werden (Rohmann, 2003). Der Zusammenhang zwischen Equity und Beziehungszufrieden­heit gilt empirisch als gut gesichert (u.a. Matthews & Clark, 1982; Utne, Hatfield, Traupmann, & Greenberger, 1984). Die Studie von Buunk und van Yperen (1991) lässt allerdings darauf schlie­ßen, dass dies vor allem für Menschen mit einer hohen Austauschorientierung zutrifft.

Ein ungerecht erlebtes Verhältnis von Kosten und Belohnungen führt gemäß der Equity- Theorie zu Spannungszuständen bei beiden Partnern und wird durch bestimmte Strategien wie kog­nitive Umstrukturierungen oder veränderte Interaktionen wiederherzustellen versucht (Lösel & Bender, 2003). Werden diese Strategien nicht (ausreichend) eingesetzt, kann dies die Beziehung destabilisieren was wiederum einen Beziehungsabbruch zur Folge haben kann (Brandtstädter & Felser, 2003).

[...]


1 Unter Paarbeziehungen werden persönliche Beziehungen verstanden, welche sich vor allem durch die As­pekte Intimität, Sexualität und Bindung von anderen Beziehungen abgrenzen. Damit sind gleichermaßen ehe­liche wie nichteheliche Beziehungen mit eingeschlossen.

2 Dylla (2008) weist darauf hin, dass die Bezeichnung Rational Choice als Oberbegriff für viele verschiedene Termini verwendet wird, welche allesamt eine ökonomische Perspektive auf die Welt beschreiben (für einen Überblick siehe Dylla, 2008, S. 63 f.). Das ökonomische Verhaltensmodell wird bei Frey (1990) und bei Kirchgässner (1991) detailliert beschrie- ben.

3 Anmerkung: Dieser Effekt gilt jedoch nur teilweise umgekehrt: Eine niedrige Beziehungszufriedenheit führt nicht zwangsläufig zur Instabilität einer Beziehung und damit zur Trennung oder Scheidung (Zimmer­mann, 2009). Der negative Zusammenhang zwischen Beziehungzufriedenheit und Trennungsrisiko wurde zwar mehrfach bestätigt (Rosand, Slinning, Roysamb, & Tambs, 2014; Schoen, Astone, Rothert, & Standish, 2002), jedoch sind die Korrelationen meist nur gering (Karney & Bradbury, 1995).

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Liebe als Kosten-Nutzen-Maximierung? Zur Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen
Untertitel
Eine empirische und theoretische Analyse des Erklärungswerts ökonomisch orientierter Theorien
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
65
Katalognummer
V961342
ISBN (eBook)
9783346308702
ISBN (Buch)
9783346308719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe, Paarbeziehung, Rational-Choice, Austauschtheorie, Familien, Familienökonomie, Equity, Homogamie, Bindungstheorie, Beziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Liebe als Kosten-Nutzen-Maximierung? Zur Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961342

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