Kindsein in verschiedenen Kulturen


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

6 Seiten, Note: sehr gut


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Kindsein in verschiedenen Kulturen

Wie wollen in unseren Referat mit 3 verschiedenen Kindern in 3 verschiedenen Ländern und Kontinenten beginnen und ihre Geburt in den verschiedenen Kulturen beschreiben.

Unsere 3 Kleinen werden bald geboren: Paulina in Hamburg, Francis Mutia in einem südostkenianischen Dorf namens Musala und Ha le in Hanoi.

Paulina ist passiert, ihre Mutter hat die Pille abgesetzt und Paulina war nicht geplant. Doch jetzt wo Paulina da ist, sind ihre Eltern sehr glücklich, aber auch einige Sorgen nagen an ihnen, denn das ganze Umfeld ist kinderlos, und wo und wie soll man lernen, wie man eine gute Mutter bzw. ein guter Vater ist? Ihre Mutter Petra ist 32 Jahre alt. Während der Schwangerschaft hat sie viele Bücher über Schwangerschaft und die ersten Jahre mit einem Kind gelesen, z.B. welche Musik das Ungeborene unterhält. Petra hat sich schon immer ein Kind gewünscht. Sie hat auch hecheln geübt, die Erstausstattung ist schon gekauft und eine Familienwiege ist bereits mit weißem Stoff überzogen. Petra hat schon die

10 Vorsorgeuntersuchungen absolviert und war auch sonst noch ein paar mal beim Arzt. Diese Schwangerschaft war in puncto Job ein Debakel. Petra ist Ärztin und sie war schon die 3. Schwangere in ihrer Abteilung. Auch der Vater war zuerst nicht gerade erfreut, er war geschockt, doch die Freude kam bald. Also war der Gedanke an eine Abtreibung da.

Doch nun ist es soweit. Paulina hält sich zwar nicht an den Termin, doch es scheint alles in Ordnung zu sein, als Petra in der Hamburger Uni - Klinik liegt. Alle möglichen elektronischen Geräte stehen um sie herum und auch eine Hebamme ist da. Nach starken Wehenschmerzen nach dem Einnehmen des wehenauslösenden Gels spritze ihr der Arzt Schmerzmittel. Sie spürt nun also keinen Schmerz mehr, erlebt aber die Geburt aktiv mit. Für diese Injektion hat sie sich schon lange vor der Geburt entschieden. Der Kreissaal ist speziell für die Ankunft auf der Welt eingerichtet: Warme Farben der Tapeten usw..

Doch jetzt geht es los: Der Vater des Kindes drückt seiner Frau die Hand, während sie preßt. Und plötzlich hält der Vater die kleine Paulina in seinen Händen. Sie ist noch nicht von der Nabelschnur abgetrennt. Kurze Zeit später liegt Paulina auf der Brust ihrer Mutter. Sie hat Hunger.

Es ist 16.51 Uhr am 4. November 1998. Paulina Hoffmann ist da.

Wir machen einen Sprung nach Vietnam. Ha Le wird in eine konfuzianisch geprägte Familie hinein geboren. Diese Familie hat einerseits den kleinen Wohlstand des Postkommunismus genießt und andererseits unter der Ausdünnung des sozialen Netzes leidet. Mai, die zukünftige Mutter, ist 37 Jahre alt. Sie klopft immer wieder auf die Bauchdecke, sie spricht so mit dem Kind und wartet auch immer auf eine Antwort, die meistens auch kommt. Dieser so geheime Dialog bricht so kurz vor der Geburt auch in der Nacht nicht ab. Ihr

Mann sagt ihr, daß sie nicht mehr mit ihm in die Werkstatt kommen muß, aber sie sagt nur, daß ihr zu Hause immer langweilig sei. Und noch dazu muß sich ja jemand um das Geschäft, besonders um das Geldverwalten kümmern. Die einzigen Einkäufe, die sie vor der Geburt macht, sind ein Paket Windeln und ein Bademantel. Das genügt. In der Werkstatt werden die Kunden immer höflicher. Sie gehen mit den Zigaretten nicht mehr so nahe zu ihr hin. Es geht ihr gut, das sieht man, aber es ist ungehörig, vielleicht sogar gefährlich, nach dem Kind zu fragen. Zu viele neugierige Worte könnten böse Geister auf dessen Dasein aufmerksam machen. Mai hält sich auch fern von allem, was die Harmonie, die Pracht des Lebendigen stören könnte: Sie schneidet kein rohes Fleisch, wenn ein Beerdigungszug mit Heulgesängen ankündigt, verschwindet sie in einem Hauseingang, denn vor einem Jahr hat sie ein Kind verloren, und alle erinnern sich, wie traurig sie war.

Ein Zeitsprung: Mai liegt im Kreissaal, aber man hört von ihr keinen Schrei, kein Wort. Nebenan schreit eine Frau, als nähme die Qual kein Ende. Mai liegt auf einer schmalen Liege, in einem weiten Kleid, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, gleich wie sie vor einer Stunde das Bach- Mai- Krankenhaus in Hanoi betreten hat. Der Kreissaal ist karg, vom Boden bis zur Decke weiß gekachelt, von Neon grell beleuchtet. Es ist das größte Krankenhaus von Hanoi, und die Geburt wird professionell abgewickelt. Die Krankenschwestern sagen kein Wort, solange alles nach Plan verläuft. Im übrigen haben die Schwestern genug zu tun mit der Anämie im Nebenraum, die Frau schreit immer noch und verliert immer mehr Blut. Diese Frau wird bald neben Mai liegen, ausgezehrt und mit einer Blutkonserve. Mai erinnert sich an die Geburt ihres ersten Sohnes, bei der es ihr genau so gegangen ist, und ihr Mann mußte einige Kilometer fahren, um ihr eine Blutkonserve zu besorgen. Eine schwere Wehe kommt, die Ärztin fragt, ob es denn noch gehe. Das Krankenhaus wird umgebaut und der Preßlufthammer dröhnt.

Der vietnamesische Staat investiert immer weniger in die Gesundheitsversorgung seiner Bürger. Aber im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ist das Netz der medizinischen Basisversorgung sehr gut. Auch die Kindersterblichkeit ist vergleichsweise niedrig.

Aber wer kein Geld hat, geht immer seltener zum Arzt. Auch die Zahl der Klinikpatienten wird immer niedriger. „Bevor du stirbst oder ein Kind bekommst, mußt du sparen“, hat Mai gesagt. Sie hat 780.000 Dong für die 5 Ultraschalluntersuchungen gezahlt. Das sind dort 2 Monatseinkommen eines Lehrers.

Aber jetzt geht es wirklich los, die Haare sind schon zu sehen. Das Kind ist draußen, aber die Nabelschnur hat sich zwei mal um den Hals gewickelt. Ein Schnitt, und mit einer glitschenden Bewegung schlüpft der Junge in die Hände der Ärztin. Eine Schrecksekunde lang läßt er sich Zeit, doch dann schreit er und rudert mit den Armen.

Es ist 16.00 Uhr am 15. November 1998. Nguyen Ha le ist da.

Jetzt sind wir in Kenia bei der Familie David. Die 34 Jahre alte Susanna erwartet ihr 9. Kind. Von dem bißchen Eigenland kann sich die Familie nicht ernähren. 6 Kinder hätten sie noch einigermaßen durchgebracht. Jetzt aber wächst die Not. Der Vater arbeitet in der Hauptstadt und sieht seine Familie nur sehr selten. Trotz allen mit ihm verbundenen Problemen wird der kleine Francis der Boss im Haus.

Susanna krümmt sich schon seit der Nacht in Schmerzen und die Hebamme ist schon am Vorabend zu ihr in die Hütte gekommen. Diese fordert nun alle auf, sämtlich Knoten im Haus zu lösen, denn irgend etwas hält das Kind im Leib der Mutter. Außerdem sagt sie Susanna sie solle herumlaufen damit sich das Kind endlich löst.

Diese Hebamme holt schon seit 20 Jahren im Dorf Musala in den Hügeln des südöstlichen Kenias die Kinder zur Welt. Sie hat keine anderen Hilfsmittel als ihre Hände, eine Rasierklinge zum Durchtrennen der Nabelschnur und, vor allem, das sogenannte Ohr, ein spirituelles Organ, mit dem sie zum Ungeborenen Kontakt aufnehmen kann. Dieses Ohr zu besitzen ist Schicksal. In dieser Nacht wittert das Ohr Lebensangst und brunnentiefe Erschöpfung. Dieses Kind wird nicht leicht zur Welt kommen.

Susannas übrige Kinder sind rasch hintereinander zur Welt gekommen, kaum hat sie sich von einer Schwangerschaft erholt, trug sie schon das nächste in sich. Ihre Kraft ist davongelaufen, mit jeder Geburt ein wenig mehr. Jetzt hat sie kaum noch welche. Dieses Kind hätte nicht sein sollen.

Die Hebamme murmelt der Mutter Zuspruch zu und beschwört das Baby. Endlich öffnet sich der Muttermund und die Preßwehen setzen ein. Der Kopf erscheint. Und da gibt Susanna auf. Susanna hört nicht mehr hin, wenn die Hebamme sie mehrmals zum Pressen auffordert. Susanna hat schon vor 2 Jahren bei ihrer 7. Geburt um das Sterben zu Gott gebetet. Die Nachbarin ist auch bei dieser Geburt heute dabei, und sie hält Susanna jetzt Mund und Nase zu und läßt nicht locker, so sehr die Gebärende auch um sich schlägt in ihrer Not, und während sie fast erstickt in einem Krampf rettet sie ihr Kind vor dem Ersticken: Es kommt. Milchschmierig, schwarzhaarig, hellhäutig wie alle afrikanischen Neugeborenen, mit genügend Lebenskraft für den ersten Schrei.

Es ist 11.05 Uhr am 5. November 1998. Francis Mutia David ist da.

Folien

KINDERARBEIT

Was ist Kinderarbeit?

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen definiert Kinderarbeit in Artikel 32:

(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen können.

Wie viele Kinder müssen arbeiten?

Laut UN gibt es heute 300 Millionen Kinderarbeiter unter 15 Jahren bis zum Jahr 2000 sollen es bereits 375 Millionen Kinder sein.

Laut ILO arbeiten allein in den Entwicklungsländern 370 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren. 120 Millionen dieser Mädchen und Jungen arbeiten vollzeit, 250 Millionen Kinder teilzeit.

Von diesen 370 Millionen Kinderarbeitern arbeitet der größte Teil in Asien (61 Prozent), auf Afrika entfallen 32 Prozent, auf Lateinamerika sieben Prozent. Sämtliche Zahlen sind Näherungswerte, da die Datenerhebung über oft illegale Arbeitsverhältnisse schwierig ist und aus vielen Ländern gar keine oder nur mangelhafte Angaben vorliegen.

Auch in den Industriestaaten arbeiten Kinder: In Deutschland arbeiten laut einer Studie der Bundesländer insgesamt 600.000 Kinder, von den 13- bis 15jährigen arbeiten 40 Prozent.

300 Millionen Kinder arbeiten, viele von ihnen werden brutal ausgebeutet Mithun durchsucht die Müllhaufen in Bombay nach Plastik und Alufolie und verkauft seine Ausbeute an einen Müllhändler. Mo bedient jeden Tag die Freier, die scharenweise in das Bordell in Bangkok kommen. Djedje pflückt während der Erntezeit zusammen mit Eltern und Geschwistern von

morgens bis abends Kaffeebohnen. Jane ist am Ende ihrer Karriere als Turnerin, weil ihre Wirbelsäule wegen zu hoher Belastungen schwer geschädigt ist. Betty näht jeden Tag zehn Stunden lang Puppenkleider im Industriegebiet von Medan in Indonesien. Alberto schleppt Kohleloren durch die Stollen eines Schachtes in Bolivien.

Mithun ist acht Jahre alt, Mo zwölf, Djedje sieben, Jane, Betty und Alberto sind 13. Sie sollten eigentlich zur Schule gehen und genug Freizeit haben, sie sollten vor Ausbeutung und gefährlicher Arbeit geschützt sein. So zumindest wollen es die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und die Gesetze ihrer Länder. Kinderarbeit ist fast überall auf der Welt verboten und dennoch eine Massenerscheinung. Laut UNO arbeiten weltweit 300 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Eine neue Untersuchung der IAO gibt an, daß 120 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren Tag für Tag schuften und 250 Millionen Kinder stunden- oder wochenweise arbeiten. 140 Millionen Kinder zwischen sechs und elf Jahren gehen laut UNESCO nicht zur Schule - das ist ein Viertel der Kinder in den Entwicklungsländern - auch dies ein Indikator für Kinderarbeit.

SOS KINDERDÖRFER

Die Mutter

Die SOS-Kinderdorf-Mutter lebt mit fünf bis sieben Kindern als Familie zusammen und betreut die Kinder und Jugendlichen bis zu Ihrer Selbstständigkeit. Sie ist gut ausgebildet und kann sich bei Bedarf Hilfe von SpezialistInnen innerhalb und außerhalb des SOS-Kinderdorfes holen.

Die Geschwister

Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters wachsen wie Geschwister gemeinsam auf.

Leibliche Geschwister werden nicht getrennt und so können auch größere Geschwistergruppen zusammen bleiben. Die Kinder besuchen öffentliche Schulen, weil großer Wert auf die Integration in die umliegende Gemeinde gelegt wird.

Das Haus

Das Haus ist der beschützende äußere Rahmen. Jede SOS-Kinderdorf- Familie lebt in einem Einfamilienhaus, wo sich die Familie nach ihren Wünschen einrichten kann.

Das Dorf

Jedes SOS-Kinderdorf besteht aus 10 bis 15 Häusern und oft gibt es auch einen Kindergarten, den auch Kinder der umliegenden Gemeinde besuchen. Die Familienhäuser sind in die Dorfgemeinschaft eingebettet. und auf diese Weise wird den Kindern das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit vermittelt.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Kindsein in verschiedenen Kulturen
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V96157
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindsein, Kulturen
Arbeit zitieren
Anna Sprenger (Autor), 1999, Kindsein in verschiedenen Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96157

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