Fachkommunikation, Fachsprache und Fachtexte. Eine theoretische Aufarbeitung


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachkommunikation

3. Fachsprache
3.1 Fachtext
3.1.1 Lexik
3.1.2 Syntax
3.1.3 Textebene

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bevor man sich genauer mit Fachkommunikation beschäftigt, sollte definiert werden, was überhaupt unter einem Fach zu verstehen ist: Roelcke (2005: 18) beschreibt das Fach als „mehr oder weniger spezialisierte[n] menschliche[n] Tätigkeitsbereich“. Hoffmann (1985: 170) bezeichnet es als „begrenz[ten] Kommunikationsbereich“ und auch Kalverkämper (1998: 6) bestimmt es unter anderem als „Kommunikationsraum“.

Bereits diese erste Überlegung verdeutlicht: Das Feld der Fachkommunikation ist geprägt durch „sehr diverse[…] Definitionsansätze“ (Heidrich/Schubert 2020: 9). Deshalb soll das Ziel dieser Arbeit sein, dem*der Leser*in einen Überblick über Fachkommunikation, Fachsprache und Fachtexte zu vermitteln und mitunter folgende Fragen zu beantworten: Was ist Fachkommunikation überhaupt? Was ist Fachsprache und was sind ihre Merkmale? Was sind Fachtexte und woran erkennt man diese?

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich somit um eine theoretische Aufarbeitung von Grundlagen der Fachkommunikation. Dabei werden insbesondere die Eigenschaften von Fachsprache und Fachtexten herausgestellt.

Zu Beginn wird in Kapitel zwei das Forschungsfeld der Fachkommunikation näher betrachtet, bevor im dritten Kapitel die Besonderheiten von Fachsprache herausgestellt werden. Kapitel 3.1 thematisiert schließlich die Eigenschaften von Fachtexten. Hierbei wird herausgearbeitet, durch welche Merkmale Fachtexte auf Wort-, Satz- und Textebene gekennzeichnet sind.

2. Fachkommunikation

Fachkommunikation ist ein breites Forschungsfeld (vgl. Heidrich/Schubert 2020: 10) und besteht „grundlegend aus dem Produzenten, dem Fachtext und dem Rezipienten“ (ebd.: 147). Sie kann definiert werden „als ein Sprechen im und über das Fach“ (Stolze 2009: 23). Sie umfasst zielgerichtete, informative, mit optimierten Kommunikationsmitteln ausgeführte einsprachige und mehrsprachige mündliche und schriftliche Kommunikationshandlungen fachlichen Inhalts, die von Menschen in Ausübung ihrer beruflichen Aufgaben ausgeführt werden. (Schubert 2007: 2010)

Die Fachkommunikationswissenschaft ist interdisziplinär ausgerichtet (vgl. Heidrich/Schubert 2020: 10) und erst seit kurzer Zeit eine eigene Wissenschaftsdisziplin, im Gegensatz zur Fachsprachenforschung, welche schon seit Jahrzehnten betrieben wird (vgl. ebd. 11). Während die Fachsprachenforschung und die Translationswissenschaft jeweils etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts existieren, hat sich die Fachkommunikationswissenschaft erst etwa mit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelt (vgl. ebd. 11). Die Vereinigung zu dieser integrativen Disziplin erfolgte schließlich, als im Laufe der Zeit in beiden Forschungsrichtungen – Fachsprachenforschung und Translationswissenschaft – die Einbeziehung von Kommunikationssituation und -akteuren in den Mittelpunkt rückte sowie aufgrund mehrerer Schnittstellen dieser beiden Wissenschaftsdisziplinen, wie zum Beispiel dem Fachübersetzen (vgl. ebd.: 11f.). Die Fachkommunikationswissenschaft verbindet also mehrere Teildisziplinen, als weitere Beispiele solcher seien die „technische Redaktion, [die] Übersetzung [und das] Dokumentationsmanagement“ (ebd.: 146) genannt.

Vor allem für die inter- und extrafachliche Fachkommunikation ist eine „Wissensasymmetrie“ (ebd.: 148) zwischen den Kommunikationsakteuren, welche in dem Fall auch Experten und Laien genannt werden, kennzeichnend – die Experten verfügen über „domänenspezifische[s] Wissen“ (ebd.: 147), welches den Laien für das Verstehen einer Mitteilung fehlt. Diese Problematik wird oft kritisiert und auch als Fach- oder Fachsprachenbarriere bezeichnet (vgl. ebd.: 147). Mittlerweile gibt es jedoch mehrere Forschungsbereiche, die sich hiermit näher befassen, zum Beispiel Verständlichkeitsmodelle, Leichte Sprache oder die Kommunikationsoptimierung (vgl. ebd.: 148).

„Als […] zentrale gesellschaftlich verankerte Rahmenbedingung für Fachkommunikation gilt […] das Kommunikationsmittel, also die Fachsprache“ (Kalverkämper et al. 1998: 32). Zur begrifflichen Abgrenzung von Fachkommunikation und Fachsprache dient auch die folgende Erläuterung von Sandrini und Mayer (2008: 18):

Bis vor wenigen Jahren stand in […] Praxis und […] Forschung der Begriff der Fachsprache im Vordergrund. […] Allmählich wurde deutlich, dass nicht das Kommunikationsmittel Sprache im Vordergrund stehen kann, sondern vielmehr die gesamte Kommunikationssituation mit den entsprechenden fachlichen Kommunikationsinhalten. […] Der Fokus verschob sich daher von der Fachsprache zum allgemeineren Begriff der Fachkommunikation […]. (Sandrini/Mayer 2008: 18) Auf Fachsprache wird im anschließenden Kapitel drei ausführlicher eingegangen.

3. Fachsprache

Das „Mittel der Fachkommunikation ist die Fachsprache“ (Stolze 2009: 42). Durch sie wird eine Art „Abgrenzung, eine ,Verbesonderung‘“ erreicht (Kalverkämper et al. 1998: 35). Das Interesse an Fachsprache begann bereits „in der vorwissenschaftlichen Periode [mit der] sehr früh einsetzenden sammlerischen Beschäftigung mit den Sonderwortschätzen der Jäger, Fischer und Handwerker“ (Heidrich/Schubert 2020: 11). Fachsprache kann definiert werden als Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten (Hoffmann 1985: 53)

Möhn und Pelka (1984: 26) beschreiben Fachsprache auch als Variante der Gesamtsprache, die der Erkenntnis und begrifflichen Bestimmung fachspezifischer Gegenstände sowie die Verständigung über sie dient und damit den spezifischen kommunikativen Bedürfnissen im Fach allgemein Rechnung trägt. [Sie] ist primär an Fachleute gebunden, doch können an ihr auch fachlich Interessierte teilhaben. (Möhn/Pelka 1984: 26)

Stolze (2009: 43) merkt allerdings an, dass die Gemeinsprache – also die „Varietät, die in einer Sprachgemeinschaft […] als allgemeines Verständigungsmedium dient“ – die „Wurzel [ist], aus der die Fachsprache hervorging.“ Linguistisch kann zwischen Gemein- und Fachsprache keine eindeutige Unterscheidung gemacht werden (vgl. ebd.: 44).

Fachsprache ist auch „das Ergebnis von fachlichem Handeln, das sich in Form eines Textes realisiert und entweder intra-, inter- oder extrafachlich geprägt ist“ (Heidrich/Schubert 2020: 146, Hervorh. JP). Fachsprache ist durch Verständlichkeit, Präzision und Effizienz gekennzeichnet und kann verschiedene kommunikative Funktionen besitzen, zum Beispiel stellt sie „fachliche[…] Gegenstände und Sachverhalte“ (ebd.: 148) dar. Auch die Verwendung spezifischer sprachlicher Mittel, auf die im Folgenden noch genauer eingegangen wird, sowie eine hohe Normhaftigkeit in Lexik, Syntax und Text ist für Fachsprache charakteristisch (vgl. Kalverkämper et al. 1998: 48).

Fachsprache manifestiert sich in Fachtexten (vgl. ebd.: 48), welche im nächsten Kapitel 3.1 näher betrachtet werden.

3.1 Fachtext

Auch „Fachtexte […] [sind] an Fachwissen gebunden, welches die Verstehensvoraussetzung bildet“ (Stolze 2009: 56). In Kalverkämper et al. (1998: 18) wird der Fachtext auch beschrieben als „„eigentliche[r] Ort [der] Fachwissen-Repräsentation“. Fachtexte sind also spezielle Texte, „für deren Produktion und Rezeption zusätzlich zum Alltagswissen noch Fachwissen nötig ist“ (Knobloch et al. 1998: 476).

Knobloch et al. (ebd.: 460) merken an, dass „eine strenge Trennung zwischen Fachsprache und Gemeinsprache […] zum Scheitern verurteilt [sei]“, „stattdessen […] [kann eher von einem] Spektrum von Texten unterschiedlichen Fachlichkeitsgrads“ (ebd.: 460) gesprochen werden. So entsteht ausgehend von einem „ dynamischen Textmodell […] eine [gleitende] Skala mit Textsorten von jeweils unterschiedlichen Fach(sprach)lichkeitsgraden “ (Kalverkämper et al. 1998: 49, Hervorh. im Original). „Im Fachtext verweben sich [somit] gemeinsprachliche und fachsprachliche Phänomene“ (Stolze 2009: 45). Es ist daher „nicht leicht, Fachlichkeit von Texten begrifflich zu definieren“ (Knobloch et al. 1998: 446, Hervorh. im Original).

Es verschiedene Ansätze, Fachtextsorten zu klassifizieren (vgl. zum Beispiel Göpferich 1995, Glaser 1990). Eine Fachtextsorte ist ein Bildungsmuster für die geistig-sprachliche Verarbeitung eines tätigkeitsspezifischen Sachverhalts, das in Abhängigkeit vom Spezialisierungsgrad von kommunikativen Normen bestimmt ist, die einzelsprachlich unterschiedlich ausgeprägt sein können. (Gläser 1990: 29)

Die Fachtextsorte kann also als eine Klasse von Texten mit übereinstimmenden Merkmalen auf formaler und funktionaler Ebene verstanden werden, die von der jeweiligen Fachgemeinschaft abhängen. Fachtextsorten können aufgrund ihrer kommunikativen Funktion – die zum Beispiel informativ, instruktiv oder direktiv sein kann –, ihrer formalen Merkmale – also hinsichtlich sprachlicher Mittel und Textinhalt – oder aufgrund der jeweiligen Kommunikationssituation klassifiziert werden.

Bei der Bestimmung eines Fachtexts gibt es in der Literatur viele Ansätze, die sich an einer pragmatischen Sichtweise orientieren (vgl. Roelcke 2010: 91). Das heißt, der kommunikativen Funktion des Textes wird mehr Bedeutung beigemessen als seinen sprachlichen, strukturellen Merkmalen, wenn es um die Bestimmung eines Fachtextes geht (vgl. ebd.: 92). Dennoch sollen im Folgenden auch die Eigenschaften von Fachtexten im Bereich der Lexik und Syntax und abschließend auf Textebene beleuchtet werden.

3.1.1 Lexik

In Kalverkämper et al. (1998: 18) wird als „offensichtlichste, weil den Gebrauch und das Verstehen grundlegend betreffende Auffälligkeit der Fachkommunikation“ die Verwendung von Fachwörtern genannt. Diese sind „präziser und kontextautonomer“ (Fluck 1991: 47) als gemeinsprachliche Wörter, „tragen die Aussage und konstituieren eigentlich die Fachsprachen“ (ebd.: 47). Das Fachwort kann hierbei definiert werden als die kleinste bedeutungstragende und zugleich frei verwendbare sprachliche Einheit, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten menschlichen Tätigkeitsbereichs gebraucht wird (Heidrich/Schubert 2020: 155)

Einzelne Fachbereiche können durch Standardisierung auch eigene Systeme von Terminologien entwickeln (vgl. Fluck 1991: 48). So kann ein gemeinsprachliches Wort terminologisiert werden, indem ihm durch Verwendung in einem speziellen Fachbereich eine andere Bedeutung zugewiesen wird. Das Wort „Wurzel“ aus der Gemeinsprache beschreibt beispielsweise in einem zahnmedizinischen Fachkontext einen Teil des Zahns, im Fach Mathematik eine Rechenoperation (vgl. ebd. 50).

Gerade für Fachsprache ist eine ständige Erweiterung des Wortschatzes charakteristisch. Diese ist abhängig von der jeweiligen „Forschungs- und Entwicklungssituation“ und eine „Notwendigkeit in allen wissenschaftlichen und technisch innovativen Tätigkeitsfeldern“ (von Hahn 1983: 87): Denn durch mehr und mehr Spezialisierung in den Fächern werden immer neue Fachbegriffe gebraucht, um eindeutig kommunizieren zu können. Die Wortschatzerweiterung erfolgt zum Beispiel durch Wortzusammensetzungen (vgl. Fluck 1991: 49, vgl. von Hahn 1983: 86, vgl. Stolze 2009: 49). Wichtiges Element solcher Wortzusammensetzungen sind Substantive. Häufig wird ein Grundbegriff mit einem weiteren Wort, das diesen näher bestimmt, zusammengefügt. Aber auch mit anderen Wortarten können Worte zusammengesetzt werden: Adjektive drücken beispielsweise meist eine gegensätzliche Bedeutung aus, wie zum Beispiel bei den Begriffen „Dickdarm“ und „Dünndarm“ (vgl. Fluck 1991: 52). Eine weitere Möglichkeit der Wortzusammensetzung ist das Anhängen von Abkürzungen (vgl. Fluck 1991: 49, vgl. von Hahn 1983: 92). „Totale Neuschöpfungen sind in Fachsprachen […] selten[er]“ (von Hahn 1983: 87).

In der Fachsprache gibt es außerdem viele Wortableitungen, oft beispielsweise werden Personen- oder Gerätebezeichnungen durch Suffigierung von Verben geschaffen (vgl. Fluck 1991: 52f.), zum Beispiel „Lackierer“ (ebd.: 52) oder „Bohrer“ (von Hahn 1983: 92). Aber auch der Präfixgebrauch ist kein seltenes Phänomen (vgl. Stolze 2009: 49).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Fachkommunikation, Fachsprache und Fachtexte. Eine theoretische Aufarbeitung
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation)
Veranstaltung
Grundlagen der Fachkommunikation
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V961922
ISBN (eBook)
9783346315151
ISBN (Buch)
9783346315168
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachsprache, Fachkommunikation, Fachtext
Arbeit zitieren
Jule Prasser (Autor), 2020, Fachkommunikation, Fachsprache und Fachtexte. Eine theoretische Aufarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961922

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