Der kulturökologische Ansatz des Julian H. Steward


Seminararbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition

3. Kulturökologie
3.1. Entstehungsgeschichte
3.2. Schulen und Denkweisen der Kulturökologie
3.2.1. Umweltdeterminismus und Possibilismus
3.2.2. Die „cultural ecology“ nach Julian H. Steward
3.2.3. Kulturmaterialismus und „kultureller Adaptionismus“
3.2.4. „Systems-ecology“ (Neofunktionalismus) und „Individuumsvorteil“ – Ansatz
3.3. James H. Steward
3.3.1. Sein Leben (1902 – 1971)
3.3.2. Seine Forschung in Südamerika

4. Fazit

Literatur:

1. Einleitung

Die Kulturökologie ist ein Ansatz dessen Wurzeln auf den Geographen Ratzel am Ende des 19. Jh. zurückgehen. Dennoch ist diese Theorie thematisch auch heute noch sehr aktuell, da sich die Interaktion zwischen Mensch und Natur seit den letzten Jahrzehnten mehr und mehr problematisiert hat. Die Beziehungen zwischen Kulturen und ihrer natürlichen Umwelt bildeten seit jeher das Forschungsinteresse der Kulturökologie. In der heutigen Zeit ist dabei festzustellen, dass Problematiken wie Waldsterben oder Umweltverschmutzungen deutliche Anzeichen für ein großes Missverhältnis zwischen Natur, Mensch und Kultur darstellen. „Dabei lässt sich die Kulturökologie von der Frage leiten, wie weit menschliche Kulturformen wiederum ihre natürliche Umwelt prägen.“ (Bargatzky 1986, S. 13). Die Kulturökologie ist in der Ethnologie mit vielen Nachbarwissenschaften vernetzt und wird und wurde auch von anderen Fachdisziplinen wie z. B. der Geographie oder Soziologie mitgeprägt. Julian Haynes Steward war ein wichtiger Vertreter der Kulturökologie, welcher mehrere Jahrzehnte lang am theoretischen Diskurs maßgeblich beteiligt war und viele Denkanstöße aus seiner Forschungstätigkeit in Südamerika mit einbrachte.

In meiner Ausarbeitung will ich die Besonderheiten des Ansatzes von Julian Haynes Steward im Kontext der allgemeinen Kulturökologie darstellen. In diesem Zusammenhang soll auch seine Forschungstätigkeit in Südamerika aufgegriffen werden und Zielsetzung in diesem Zusammenhang ist, inwieweit diese Feldforschung eine Rolle für seinen Ansatz der Kulturökologie gespielt hat.

2. Definition

Im Nachschlagewerk „Neues Wörterbuch der Völkerkunde“ herausgegeben von Walter Hirschberger wird Kulturökologie folgendermaßen definiert: „Die Ökologie befasst sich als naturwissenschaftliche Disziplin mit den vielfältigen Beziehungen der Tiere und Pflanzen untereinander und zu ihrer unbelebten Umwelt. Die ethnologische Forschungstradition der Kulturökologie (engl. cultural ecology) bezieht den Menschen in die Erörterung dieser Beziehungen mit ein. Sie wird von der Frage geleitet, wie weit menschliche Kultur- und Gesellschaftsformen durch die Art der Auseinandersetzung mit ihrer natürlichen (belebten und unbelebten) Umwelt geprägt werden und wie weit Kultur und Gesellschaft wiederum auf die natürliche Umwelt zurückwirken.“ (Hirschberger 1988, S. 273)

Im meiner Arbeit will ich mich an dieser sehr allgemeinen Definition orientieren.

Es gibt verschiedene Ansätze, Strömungen und Theorien, welche sich in der Forschungstradition entwickelt haben. Die wichtigsten Schulen der Kulturökologie sollen, nach einem kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte, erläutert werden.

3. Kulturökologie

3.1. Entstehungsgeschichte

Der Beginn der kulturökologischen Forschungstradition in der Ethnologie geht auf Friedrich Ratzel (1844 – 1904), dem Begründer der Anthropogeographie, zurück. Im Folgenden griffen viele Ethnologen, durchaus auch mit unterschiedlicher Ausrichtung, diesen Ansatz auf. Zu diesen gehörten u. a. Marcel Mauss, John. W. Benett und Julian H. Steward, welcher in dieser Arbeit besonders berücksichtigt werden soll. An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf die Unterschiede zwischen Kulturökologie und „cultural ecology“ eingehen. Laut Bargatzky postuliert sich die Lehre Stewards als „ein reziprokes Verhältnis zwischen einem so genannten „Kulturkern“ (cultural core) und den Gegebenheiten der natürlichen Umwelt. Dies Verhältnis führt, Steward zufolge, zu bestimmten Formen der Umweltanpassung der Kultur, die an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten angetroffen werden können.“ (Bargatzky 1986, S. 14 – 15) Nach meiner oben genannten Definition umfasst die Kulturökologie aber eine viel umfassendere Forschungsrichtung in der Ethnologie, welche sich um die Aufklärung der Beziehungen zwischen Kultur, sozialer Organisation und natürlicher Umwelt bemüht, ohne dabei einer bestimmten Lehre verpflichtet zu sein. (Ellen 1982, S. 281 z. n. Bargatzky 1986, S. 15) Von anderen Wissenschaftlern wird diese Unterscheidung zwischen Kulturökologie und „cultural ecology“ aber nicht aufgegriffen. Sie verwenden diese Begriffe als Synonyme. (vgl. Teherani 1992, S. 32) Dennoch steht außer Frage, dass beide Begriffe mehr oder weniger von Steward in die Ethnologie eingebracht wurden. Erstmals setzte sich Steward 1937 in seiner Arbeit „Ecological Aspects of Southwestern Society“ mit der Problematik einer kulturökologischen Forschung auseinander und er konkretisierte dieses Konzept nach Abschluss empirischer Untersuchungen in den 50er Jahren. (s. a. a. O.) Auf die einzelnen Schulen und den damit verbundenen Forschungstraditionen werde ich im Punkt Theorien eingehen.

Ab den 50er Jahren erlebte die Kulturethnologie einen besonderen Aufschwung, insbesondere in den USA. Diese Strömung bedient sich keiner einheitlichen Begriffe oder Erklärungsmodelle und besitzt kein homogenes Gepräge, sondern gliedert sich in eine Reihe von Einzelansätzen. (Bargatzky 1986, S.15)

Die historische Dimension ist auch bei der Gliederung der kulturökologischen Ansätze zu beachten, da die Erkenntnisse der verschiedenen Schulen aufeinander aufbauen. An dieser Stelle will ich mich an die systematische Gliederung Bargatzkys, aus seinem Buch Einführung in die Kulturökologie, anlehnen und mich auch inhaltlich an Ihm im nächsten Abschnitt orientieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der kulturökologische Ansatz des Julian H. Steward
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Völkerkunde und Afrikanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Lebenswirklichkeiten Amazoniens - Forschung und Repräsentation
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V9620
ISBN (eBook)
9783638162746
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansatz, Julian, Steward, Proseminar, Lebenswirklichkeiten, Amazoniens, Forschung, Repräsentation
Arbeit zitieren
Markus Nowak (Autor), 2003, Der kulturökologische Ansatz des Julian H. Steward, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9620

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