Desertifikation - Ursache und Bedeutung für den Menschen


Seminararbeit, 1994
12 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff "Desertifikation"

3. Geographische Verbreitung der Desertifikation

4. Ursachen und Folgen der Desertifikation
4.1. Ökologisch nicht angepaßter Ackerbau
4.2. Überweidung
4.3. Bewässerungslandwirtschaft
4.4. Sozio-ökonomische Faktoren

5. Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation
5.1. In der Landwirtschaft
5.2. In der Weidewirtschaft
5.3. In der Forstwirtschaft
5.4. In der Bewässerungslandwirtschaft
5.5. Im sozio-ökonomischen Bereich

6. Zusammenfassung

2. Der Begriff "Desertifikation"

Zum besseren Verständnis und wegen der Abgrenzung des Themenkomplexes ist es wichtig zu Beginn des Referates einige Begriffe zu definieren. Dies geschieht vor allem in Hinblick auf das immer wieder auftretende Mißverständnis bezüglich der Begriffe Dürre und Desertifikation.

Als Dürre wird die Zeit langanhaltender Wasserknappheit infolge einer ungenügenden Niederschlagsversorgung über mehrere Jahre hinweg bezeichnet. Die jährlichen Niederschlagssummen liegen demnach unter dem langjährigen Niederschlagsmittelwert. Die daraus resultierenden Folgen sind u.a. ausbleibende Ernteerträge und mangelhafte Trinkwasserversorgung für Mensch und Tier. Die Dürre ist ein normales klimatisches Phänomen in semiariden Regionen. Hält eine Dürre über mehrere Jahre an, so können sich Dürrekatastrophen einstellen. Aufgrund der ausbleibenden Wasserversorgung kommt es zur schlechten Ernährungslage für die Menschen in diesen Regionen (MENSCHING, 1990; S.3).

Fälschlicherweise wird die Desertifikation oft als "Verwüstung" oder "Verödung" bezeichnet. Diese Phänomene können aber auch dort auftreten, wo keine Wüsten entstehen können. Der Begriff desert encroachment kennzeichnet dahingegend nur den allgemeinen Vorgang des Vorrückens der Wüste in die Randgebiete.

Die Desertifikation beschreibt nun den Prozeß einer fortschreitenden Verschlechterung der Regenerationsfähigkeit des Ökosystems (Boden, Wasser und Vegetation) in ariden und semiariden Gebieten, die als Folge der unangepaßten Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt zu erklären sind (KLAUS, 1986; S.577). Selbstverständlich hängen die beiden Phänomene Dürre und Desertifikation eng miteinander zusammen und dennoch besitzt der Desertifikationsprozeß eine komplexere Ursachenkette (natürlicher und anthropogener Art) und eine nachhaltige, meist irreversible Wirkung. Die Auswirkungen sind sichtbar durch die Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse in Steppen- und Savannengebiete, die zuvor nicht von der Desertifikation betroffen waren. Daher sollte bei einer möglichen Übersetzung des Begriffes Desertifikation besser von der "Ausbreitung der naturbedingten Wüste und dem damit einhergehenden Vorrücken der Wüstengrenze bzw. des Wüstensaumes aufgrund anthropogener Ursachen" gesprochen werden (MENSCHING, 1979; S.350).

Abb.2 Die Vegetationszonen Afrikas südlich und nördlich der Sahara aus: Ibrahim (1978) Desertifikation, Wüstenbildung ein weltweites Problem

3. Geographische Verbreitung der Desertifikation

Desertifikationserscheinungen treten nur in Gebieten des ariden und semiariden Klimas auf. Anhand der Klimakarte von Köppen und Geiger (in Blüthgen, 1966) "Die Klimate der Erde" sind vor allem die Zonen der BS-Klimaten (Steppen), der Aw-Klimaten (Savannen) besonders desertifikationsanfällig. Desweiteren sind auch die Gebiete in den Cs-Klimaten (Sommertrockenheit und Winterregen) besonders gefährdet. In den BW-Klimaten (Wüste) kann die Desertifikation große Schäden wie Übersandung, Versalzung oder Oasensterben anrichten.

Demnach sind rund 30 % der gesamten Landfläche als desertifikationsgefährdete Gebiete einzustufen. Da die Desertifikation in erheblichem Maße von der Bevölkerungsdichte und - konzentration abhängt, insbesondere mit dem sich daraus ergebenden Einfluß auf die Landnutzungsintensität, sind gerade die überbevölkerten Gebiete auf dieser Erde von der Desertifikation stark betroffen. Anhand der "Weltkarte der Desertifikation", die anläßlich der UN-Konferenz über Desertifikation in Nairobi 1977 im Maßstab 1:25 Millionen veröffentlicht wurde, ist leicht ersichtlicht, daß die stark gefährdeten Gebiete entlang des nordafrikanischen Wüstengürtels, der Sahel-Zone, auf der arabischen Halbinsel, in Zentralasien, auf dem gesamten australischen Kontinent, im südlichen Teil Afrikas sowie im Westen der USA und im Südwesten Südamerikas zu finden sind.

Erwähnt werden sollte, daß diese erste Weltkarte der Desertifikation bei einer ganzen Reihe von Ländern auf Protest stieß. Selbstverständlich kann sie nur eine Tendenz angeben und nicht die aktuellen Verhältnisse wiederspiegeln. Von politischer Seite gab es Widerspruch, weil einige Länder, wie z.B. Bangla Desh und Zaire, mit der Abgrenzung der Desertifikationsgebiete nicht einverstanden waren. Um vor allem bei der Verteilung der Mittel zum Kampf gegen die Desertifikation berücksichtigt zu werden, würden sie sich selber als desertifikationsgefährdend eingestufen. Von wissenschaftlicher Seite wurde der Maßstab als zu klein betrachtet, um regionale Differenzierungen deutlicher darstellen zu können (IBRAHIM, 1978; 104ff).

4. Ursachen und Folgen der Desertifikation

Die unangepaßten Eingriffe des Menschen in das Ökosystem bedingen die Desertifikationsprozesse und führen zu ökologischen und sozio-ökonomischen Folge- erscheinungen. Dennoch können die anthropogenen Ursachen nicht losgelöst von den geoökologischen Faktoren gesehen werden.

Die ariden Bedingungen in den Tropen und in den Subtropen bieten hervorragende Voraussetzungen für die Ausbreitung der Desertifikation. Die vorherrschende Aridität (Verdunstungsmenge > Niederschlagsmenge) hat die Austrocknung des Bodens sowie die Verkürzung der Wachstumsperiode der Pflanzen zur Folge. Die daraus entstehenden Verdunstungsprozesse verändern das Mikroklima in diesen Gebieten, da es durch das Anwachsen der Albedo auf den vegetationsfreien Flächen (die eine um 10-15 % höhere Albedo besitzen, als unzerstörte Savannengebiete) zu weiteren Regenfalldefiziten kommt.

4.1. Ökologisch nicht angepaßter Ackerbau

Um Savannen, Steppen oder Wadis kultivierbar zu machen muß der Mensch ins Ökosystem "Wüste" eingreifen. Rodungen, Savannenbrände, Wanderfeldbau und mechanisierte Bodenbearbeitungsmethoden haben die Vegetation zerstört und den Baumbestand dezimiert. Übrig bleibt nur noch eine baumlose Graslandschaft. Durch die fehlende Schattenwirkung erfolgt eine höhere Verdunstungsrate, die, zusätzlich zu dem Selbstverstärkungseffekt Albedo, zur Austrocknung des Bodens und zur Verkürzung der Wachstumsperioden der Pflanzen führt. Die sich daraus ergebenden Ernterückgänge werden versucht durch die Überschreitung der agronomischen Trockengrenze (Begrenzung des Anbausystems) zu kompensieren.

Folge davon ist eine kürzere Brache, sowie die schlechte Regeneration der Pflanzenwelt bis hin zur Desertifikation von weiten Teilen des Landes. Problematisch wird es beim nicht angepaßten, großflächig betriebenen Ackerbau und bei nicht vorhandenen vegetativen Schutzstreifen. Werden zusätzlich noch in Hirseanbaugebieten die Wurzelstöcke der Pflanzen herausgerissen, ist der Desertifikationsprozeß nicht mehr aufzuhalten (MENSCHING, 1990; S. 42ff).

Als verstärkender Faktor kommt nach KLAUS (1986; S.578f) der exportorientierte Anbau (Cash Corps) hinzu. Er zeichnet sich durch den Anbau von Monokulturen (z.B. Baumwolle, Erndnüsse...) aus. Der Anbau ist auf Ertragsmaximierung ausgerichtet, der den Einsatz von chemischen Düngemitteln sowie von Pestiziden und Herbiziden nötig macht und sich meist negativ auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Zusätzlich verändert der Einsatz von Herbiziden die natürliche Artenzusammensetzung in der Umgebung der Felder.

Durch den Anbau von Cash Corps soll die Handelsbilanz des Landes ausgeglichen werden.

Dafür ist es erforderlich, daß große Flächen mit Cash Corps bestellt werden und diese Flächen auf Gunststandorten wie z.B. Flußniederungen liegen. Der Anbau zur Selbstversorgung wird deshalb auf Ungunststandorte, außerhalb der Flußniederungen, abgedrängt wodurch der Desertifikationsprozeß auch auf den landwirtschaftlich weniger sinnvollen Flächen auftrit.

Die unangepaßte Landbewirtschaftung bedingt eine starke Vegetationszerstörung. Die dadurch verursachte Austrocknung der Böden und das Auflockern des Bodens durch eine intensive mechanische Bodenbearbeitung (z.B. Pflügen) begünstigt die äolische Deflation. Die von der Vegetation fixierten Sandgebiete werden wieder mobilisiert und es entstehen neue, jüngere Dünensysteme. Diese jungen Dünensysteme bewegen sich mit der Windrichtung in noch intakte Savannen- und Anbaugebiete hinein. Sie vernichten wertvolles Kulturland, gefährden Brunnen und Oasen und entwerten nomadisches Weideland. Besondere Gefahr droht den relativ fruchtbaren Böden im Unterlaufbereich von Wadisystemen (= ein, nur nach periodischen oder episodischen Regenfällen, wasserführendes Trockental), wenn mobile Dünen den Abfluß in den Unterlauf abschneiden.

Weitere Folgen äolischer Deflationsprozesse sind u.a. der auftretende Staubgehalt in der Luft, einhergehend mit der Häufigkeit von Staubstürmen, infolgedessen es zu Versandungen von Straßen, Feldern etc. kommt oder zur Bildung von Nebkadünen (rundliche Dünenformen). Die Winderosion ist auch dafür verantwortlich, daß auf gerodeten, sandigen Ackböden, fruchtbare Bodenkrumen ausgeblasen werden, da fehlende Sträucher oder Bäume keinen Windschutz mehr bieten können.

Durch die entstandenen Freiflächen ist die Gefahr von Bodenerosion erheblich größer geworden, da die bodenschützende Pflanzendecke nicht mehr vorhanden ist. Ursache für das Phänomen der linien- oder flächenhaften Erosion ist der oberflächlich vegetationslose, verhärtete Boden, aufgrund dessen die Infiltrationskapazität und -geschwindigkeit sinkt und dadurch sich der Obflächenabfluß verstärkt und Spülungsprozesse einsetzen. Je größer die Reliefunterschiede zwischen Hinterland und Vorfluter sind, desto größer ist die Tendenz zur Bildung von Abflußschluchten bishin zu sogenannten "Badlands", in denen jegliche Form landwirtschaftlichen Anbaus unmöglich ist. In hohem Maße sind flachgründige Böden davon betroffen, da durch die Beackerung und Beweidung dieser Böden der Gesteinsuntergrund bzw. Kalk-, Gips- oder Lateritkrusten sehr leicht freigelegt werden.

4.2. Überweidung

Hoher Tierbesatz, unterlassene Rotation der beweideten Flächen und wegen der großen Herden eingeschränkte Weidewanderungen zählen mit zu den Hauptursachen der Desertifikation. Die große Anzahl von Tieren dient zum einen als Status-Symbol, zum anderen als Versicherung für schlechte, ertragsarme Jahre. Desweiteren bedingt die Verbreitung von Tierkrankheiten zusätzlich die Notwendigkeit hoher Herdenzahlen.

Nach KLAUS (1986; S. 578) ist das Verschwinden der mehrjährigen Arten mit langer Vegetationsperiode, die, im Gegensatz zu den einjährigen, den Boden tiefgründiger durchwurzeln, zu beobachten. Außerdem überwiegen Dornensträucher gegenüber den genießbaren anspruchsvolleren Pflanzen, die vollständig abgefressen werden. Der Viehtritt verstärkt die Tendenz der vegetationslosen Flächen. Da die bodenschützende Pflanzendecke nicht mehr vorhanden ist, ist die Gefahr von Bodenerosion, durch die entstandenen Freiflächen, erheblich größer geworden.

Da der Wanderungsumkreis großer Herden nicht allzu weit ist, sind Überweidungserscheinungen und daraus folgende Desertifikationsprozesse vor allem in nächster Umgebung von technisch angelegten Tiefbrunnen zu finden.

4.3. Bewässerungslandwirtschaft

Die Bewässerungslandwirtschaft wird von Tiefbrunnen, Stauwerken und natürlichen Flüssen mit Wasser versorgt. Sie gilt im Vergleich zum Regenfeldbau als sicherer Produktionsstandort, solange die Bewässerung der in Kultur genommenen Flächen gesichert ist. Da in ariden Klimazonen, wie schon erwähnt, die Verdunstungsmenge die Niederschlagsmenge überwiegt, kommt es sehr schnell zur Austrocknung der Böden. Die dadurch aufsteigende Wasserbewegung fördert den Aufwärtstransport von Salzen, die im Oberboden auskristallisieren. Die Austrocknung der Böden hat zur Folge, daß sich die Bodenporen langsam mit Luft füllen und dadurch die Wasserleitfähigkeit gemindert wird. Das behindert sowohl den kapillaren Aufstieg des Wassers, als auch die Infiltration des Niederschlagswassers und damit die Durchspülung der Böden mit Ableitung des salzangereicherten Wassers.

Der hohe Salzgehalt vermindert die Ertragsfähigkeit der Böden - relativ salzresistente Kulturpflanzen sind u.a. Gerste, Beta-Rüben, Baumwolle, Reis, Hirsearten, Zwiebeln Zuckerrohr und Dattelpalmen (MENSCHING, 1990; S. 46ff).

Ein weiteres Problem ist die übermäßige Absenkung des Grundwasserspiegels infolge der technischen Tiefwasserentnahme. Dadurch kommt es zur Degradation der fossilen Grundwasservorkommen, deren Bildungen auf die quartären Feuchtezeiten zurückzuführen sind.

An sich ist bei jeder Brunnennutzung eine Absenkung des Grundwasserspiegels völlig normal. Doch ist die aktuelle Grundwasserneubildung in ariden Gebieten sehr gering, also zu vernachlässigen. Da die Niederschlagsmengen in ariden Gebieten kleiner ist als die entsprechende Verdunstungsmenge, und die Nachflußmenge ungleich der Wasserentnahme, besteht bei übermäßiger Beanspruchung des Wasserhaushaltes die Gefahr einer permanenten Absenkung des Grundwasserspiegels und damit verbunden die Notwendigkeit eines erhöhten technischen Aufwandes zur Wasserentnahme bei gleichzeitiger fehlender Regenerationsfähigkeit der Ressource "Wasser".

4.4. Sozio-ökonomische Faktoren

Desertifikationerscheinungen machen sich vorallem in der Umgebung von Bevölkerungsdichte deutlich bemerkbar. Es kommt gerade in der Nähe von Brunnen oder Siedlungen zur Bevölkerungskonzentration, die eine Ausweitung der Kulturfläche und den Überbesatz der Tierhaltung zur Folge hat. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums ist die Bevölkerungsdichte in solchen Teilen der Tropen und Subtropen besonders hoch - Wanderungsbewegungen von Millionen von Menschen sind unvermeidbar. Gleichzeitig ist im Umkreis dieser Siedlungen eine echte "Verwüstung" des Baumbestandes zu verzeichnen, da Holz die einzige Energiequelle ist.

Im Zusammenhang mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von durchschnittlich ungefähr drei Prozent in der Sahel-Zone ist eine Verschlechterung des Ernährungsstandes aufgrund der niedrigen Ertragsfähigkeit der Böden festzustellen. Hier schließt sich der Teufelskreis, da die katastrophale Ernährungssituation die Notwendigkeit bei der landbewirtschaftenden Bevölkerung größer werden läßt, die Ackerflächen auszudehnen, den Tierbestand zu vergrößern, die Regenerationszeit des Naturraumes zu verkürzen und damit unweigerlich die Desertifikationsprozesse zu beschleunigen. Infolge der sich abzeichnenden Hungersnot kommt es zur Unterernährung der Bevölkerung, zu Krankheiten und zu Seuchengefahren. Diese existenzielle Angst schürt soziale Unruhen und führt nicht selten in Aufstände und Stammeskonflikte.

Da in Afrika und in vielen anderen Gebieten der Dritten Welt, die in Bereichen von Desertifikationszonen liegen, die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine moderne Landwirtschaft nicht vorhanden sind, tritt das Phänomen der Landflucht auf, das ein Bevölkerungswachstum in den Städten auslöst. Dadurch kommt es zum Arbeitskräftemangel auf dem Land und zur zwangsläufigen Verarmung der ländlichen Bevölkerung. Um dem entgegen zu wirken sind die ländlichen Familien bemüht möglichst viele Kinder zu haben, um ihre Ernährungsgrundlage zu sichern (Überbevölkerung !).

5. Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation

Bei sämtlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation hängt der Erfolg entscheidend davon ab, wie groß die Bevölkerungsakzeptanz bei den einzelnen Maßnahmen ist. Desweiteren müssen alle Einzelmaßnahmen in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, dem eine gründliche und langjährige Sammlung mit anschließender Aufbereitung aller wichtigen geoökologischen, ethnisch-demographischen und sozio-ökonomischen Daten zu Grunde liegt. Die sich aus der Analyse der erhobenen Daten ergebenden Detailmaßnahmen müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein und den gegebenen regionalen sowie natürlichen Gegebenheiten angepaßt sein. Dazu eignet sich nach MENSCHING (1990; S. 96f) das "Monitoring-System", das die Veränderung von Boden, Wasserhaushalt, Vegetation, Klima und Erosionsvorgängen, unter Zuhilfenahme von Luft- und Satellitenbildern, dokumentiert und analysiert.

Mit in sich logischen Konzeptionen (Landnutzungsplänen) muß sowohl bei den betroffenen Ländern als auch bei den Geldgeberländern auf die Dringlichkeit des Problems hingewiesen werden. Auch muß, neben finanziellen Mitteln, das technische Know-how den betroffenen Ländern zur Verfügung gestellt werden und gleichzeitig darauf geachtet werden, daß die Verbreitung von Korruption und Mißmanagement in den Ländern aufgelöst wird, damit die Maßnahmen gegen die Desertifikationsprozesse nicht ebenso kläglich scheitern, wie der größte Teil der Entwicklungshilfe durch die Industrienationen.

5.1. In der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft (Regenfeldanbau) muß erreicht werden, daß die klimatisch- agronomische Trockengrenze nicht mehr überschritten wird. Die Verbesserung der Anbaumethoden (z.B. besseres Saatgut, richtige Arbeitsgeräte), Änderung der Fruchtfolge, angepaßte Düngung sind dafür geeignete Voraussetzungen. In stark reliefierten Gebieten sind vegetative Schutzstreifen (Bepflanzungen) als Windschutz und zur Festigung der Böden absolut notwendig. Um schneller auf Desertifikationsprozesse reagieren zu können ist eine Landnutzungskartierung unumgänglich. Sie geben grobe Informationen über die Anbausituation und ihre Schwankungen in Abhängigkeit zu der Niederschlagsvariabilität.

5.2. In der Weidewirtschaft

Ziel bei den Maßnahmen in der Weidewirtschaft muß sein, daß die natürliche Regenerationsfähigkeit der Pflanzendecke, die Grundlage für die Weidewirtschaft, gesichert wird.

Dazu muß der Viehbestand und die Bevölkerung, die von der Weidewirtschaft abhängig sind, erfaßt werden, um damit die Belastbarkeit des Weideareals ermessen zu können. Es muß versucht werden, daß es zu einer Rotation der Weiden (um die Regenerationsfähigkeit der Böden zu verbessern) bei gleichzeitiger Kontrolle des gesundheitlichen Zustandes der Tiere kommt. Daneben würde auch eine verbesserte Vermarktungsorganisation von Vieh und tierischen Produkten dazu beitragen, die minimalste und die maximalste Herdengröße für ein bestimmtes Areal zu errechnen.

5.3. In der Forstwirtschaft

In der Forstwirtschaft ist es unabdingbar, eine Bestandsaufnahme der Fauna und Flora sowie eine Standortkartierung einzuklagen. Da Holz als Brennstoff und als Baustoff Verwendung findet ist eine ständige Neupflanzung erforderlich (die Benutzung alternativer Energiequellen und Baustoffe müßten vorangetrieben werden). Daneben ist eine geregelte Nutzung notwendig, damit sich der Baumbestand wieder vergrößern kann. Baum- bzw. Schutzstreifen dienen als Schutzmaßnahme vor Winderosion und der besseren Kontrolle des Abflusses von Oberflächenwasser. Wirtschaftliche Nebeneffekte forstlicher Maßnahmen können verwertbare Baumfrüchte, ätherische Öle, Fasern, Gerbstoffe, Gummiarabicum sein, aber auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft u.v.m..

5.4. In der Bewässerungslandwirtschaft

Um das Problem der Niederschlagsvariabilität einhergehend mit den kurzfristig auftretenden und erusiv wirkenden Oberflächenabflüssen in den Griff zu bekommen, sind Wasserstauanlagen (Steinwälle, Staubecken, Zisternen usw.) traditionelle Maßnahme. Dadurch wird zum einen die Wasserversorgung für die Bevölkerung wesentlich verbessert, wie auch die des Bodenwasserhaushaltes.

Zudem vermindern solche Anlagen die Erosionsgefahr, wenn sie flächenhaft angelegt und dem Relief angepaßt werden. Bei Brunnenbewässerung ist darauf zu achten, daß keine Holzbalken zum Bau von Brunnen verwendet werden. Die Bevölkerungszahl und die zu versorgenden Tiere müssen den Kapazitäten der Tiefbrunnen angepaßt werden, damit eine intensive Tiefbrunnenbenutzung nicht zur Absenkung des Grundwasserspiegels führt. Hilfreich in diesem Zusammenhang ist eine angepaßte Migrationsplanung, da die Problematik von Umweltflüchtlingen in Zukunft den Versorgungsdruck auf bestimmte Gebiete anwachsen läßt.

5.5. Im sozio-ökonomischen Bereich

Als letzter Bereich zur Bekämpfung der Desertifikation sollen Einrichtungen zur Versorgung und infrastrukturelle Maßnahmen betrachtet werden. Um eine ausreichende Wasserversorgung gewährleisten zu können, müssen die Entnahmestellen hygienisch verbessert und ständig qualitativ überprüft werden (in einigen Ländern sind z.B. Handpumpen Motorpumpen vorzuziehen). Die Lebensmittelversorgung geschieht in den meisten Ländern der Dritten Welt durch kleine Märkte. Hier ist es wichtig, auf die hygienische Behandlung der Waren zu achten und für ausreichend Kühl- bzw. Lagerräume zu sorgen.

Die kleinen, zentralen Orte müssen verkehrstechnisch an die Siedlungen mit höheren Funktionen angeschlossen werden. Infrastrukturelle Verbesserung muß es vorallem auf dem Gebiet des Handwerks bis hin zur Kleinindustrie geben (Abeitsplätze schaffen).

Es müssen veterinärmedizinische Stationen aufgebaut werden, um Tierkrankheiten und Seuchen zu verringern. In diesen Zentren muß die humanmedizinische Versorgung gewährleistet werden. Der Schulunterricht sollte mehr auf die praktischen Belange der Bevölkerung abgestimmt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung des Wissens über die unterschiedlichen Nutzungsweisen innerhalb ihres Lebensraumes und deren Folgen (z.B. anhand der Desertifikation).

Wichtig wird in diesem Zusammenhang auch sein, ob es gelingt einen flächenhaftes Netz von Beratungsstellen zu entwickeln, die wissenschaftliche Daten sammeln, in Entwicklungshilfeprojekte eingebunden sind und die versuchen, ihre Erfahrungen der Bevölkerung vor Ort zu vermitteln (MENSCHING, 1990; S.95ff und IBRAHIM 1992; S. 72ff).

6. Zusammenfassung

Unter Desertifikation wird der Prozeß verstanden, der die Degradation der Regenerationsfähigkeit des Ökosystems in ariden und semiariden Gebieten, als Folge der unangepaßten Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt, beschreibt. Nach dieser Begriffsbestimmung sind rund 30 % der gesamten Landoberfläche als desertifikations- gefährded einzustufen. Vor allem sind Gebiete in Nordafrika, Zentralasien, der gesamte australische Kontinent, der Westen der USA und der Südwesten Südamerikas in besonderem Maße davon betroffen.

Die Ursache der Desertifikation ist hauptsächlich anthropogen (durch ökologisch nicht angepaßten Ackerbau, Überweidung, Fehler in der Bewässerungslandwirtschaft und durch verschiedene sozio-ökonomische Faktoren) bedingt, aber auch die geo-ökologischen Faktoren sind bei der Ursachenforschung zu berücksichtigen. Die Folgen sind die Degradation des Ökosystems, also des Bodens, der Vegetation und des Wassers.

Das Problem der Desertifikation darf nicht ausschließlich als ein naturwissenschaftliches Problem behandelt werden, sondern auch als entwicklungspolitisches, da die meisten Länder, die als desertifikationsgefährdend eingestuft werden, Entwicklungsländer sind, die von der finanziellen Hilfe der Industrieländer abhängig sind. Unter Berücksichtigung dieses entscheidenden Aspektes müssen vor allem die Bekämpfungsmaßnahmen der Desertifikation, in erster Linie Verbesserung der Regenerationsfähigkeit des Ökosystems, gesehen werden.

Literaturverzeichnis:

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) und Zentralstelle für Ernährung und Landwirtschaft (ZEL) (1987): Schlußbericht über das Fachkolloquium "Praktische Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation in Ländern des Sahel im Rahmen deutscher Projekte der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern" am 16./17. September 1986 in Bonn.- 33 S.; Feldafing.

IBRAHIM, F. N. (1978): Desertification, ein weltweites Problem, eine Auswertung der UNKonferenz über Desertifikation in Nairobi 1977.- Geogr. Rdsch., 30 (3): 104-107, 3 Abb.; Hamburg.

IBRAHIM, F. N. (1978): Desertifikation, Wüstenbildung - ein weltweites Problem.- 32 S., 18 Transparente; Düsseldorf (Hagemann).

IBRAHIM, F. N. und MENSCHING, H. G. (1979): Karteninterpretation: Desertification in der tunesischen Steppenregion.- Geogr. Rdsch., 31 (9): 355-356; Hamburg.

IBRAHIM, F. N. (1992): Gründe des Scheiterns der bisherigen Strategien zur Bekämpfung der Desertifikation in der Sahelzone.- Geomethodica., 17: 71-93; Basel.

KLAUS, D. (1986): Desertifikation im Sahel, ökologische und sozialökonomische Konsequenzen.- Geogr. Rdsch., 38 (11): 577-583, 3 Abb., 1 Tab.; Braunschweig.

KRINGS, Th. F. (1980): Kulturgeographischer Wandel in der Kontaktzone von Nomaden und Bauern im Sahel von Obervolta.- Hamburger Geographische Studien.

MENSCHING, H. G. (1979): Desertification, ein aktuelles geographisches Forschungsproblem.- Geogr. Rdsch., 31 (9): 350-355, 1 Abb., 1 Tab.; Hamburg.

MENSCHING, H. G. (1990): Desertifikation, ein weltweites Problem der ökologischen Verwüstung in den Trockengebieten der Erde.- XIII + 171 S.,15 Abb.,12 Fotos; Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).

OSMAN, M. (1990): Verwüstung, die Zerstörung von Kulturland am Beispiel des Sudan.127 S; Bremen (edition CON).

SEMMEL, A. (1987): Reliefgeschichte und Desertifikation am Nordrand der westlichen Sahara.- Geogr. Rdsch. 39 (7-8): 429-434, 11 Abb.; Braunschweig.

STEIN, Ch. (1979): Das Thema "desertification" im Unterricht, zum Einsatz der Kartenbeilage "Landnutzung im tunesischen Steppenhochland".- Geogr. Rdsch., 31 (9). 357- 362, 2 Abb.; Wolfsburg.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Desertifikation - Ursache und Bedeutung für den Menschen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Proseminar
Note
1
Autor
Jahr
1994
Seiten
12
Katalognummer
V96223
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Desertifikation, Ursache, Bedeutung, Menschen, Proseminar
Arbeit zitieren
Michael Pachmajer (Autor), 1994, Desertifikation - Ursache und Bedeutung für den Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96223

Kommentare

  • Davia Rieprecht am 27.2.2001

    Desertifikation.

    Super.Sehr gut ausgearbeitet

  • Gast am 24.11.2001

    Desertifikation - Ursache und Bedeutung für den Menschen.

    Vielen Dank!
    Endlich etwas zum Thema, was man brauchen kann! (Ich suche die natürlichen Ursachen der D.)
    mfg Isabella

  • Gast am 1.7.2002

    Endlich was für MR.

    thx!
    kann ich für erdkunde gut gebrauchen.

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