Wasserversorgung und Tourismus auf den Kanarischen Inseln


Seminararbeit, 1995
15 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tourismus auf den Kanaren

3. Wasserversorgung auf den Kanaren

4. Zusammenfassung

5. Schriftenverzeichnis

1. Einleitung

Anhand der Problemstellung Wasserversorgung und Tourismus auf den Kanarischen Inseln wird wieder der Gegensatz von Ökonomie und Ökologie besonders deutlich. Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Industriezweig, von dem wiederum andere Industriezweige und Dienstleistungssektoren abhängen und profitieren, und der als größter Arbeitgeber die existentielle Grundlage für die auf den Kanaren lebenden Menschen darstellt. Auf der anderen Seite verbraucht aber gerade die Tourismusbranche enorm viel Energie und Ressourcen; nicht zuletzt die wichtigste und knappste Ressource auf den Kanaren, das Wasser. Deshalb spielt die Wasserversorgung eine bedeutende Rolle für das Leben auf den Kanaren Im vorliegenden Referat sollen die beiden Themenkomplexe Wasserversorgung und Tourismus auf den Kanarischen Inseln genauer untersucht werden und bestehende Verbindungen zueinander aufgezeigt werden. Am Ende werden einige Fragestellungen für die weitere Diskussion hervorgehoben.

2. Tourismus auf den Kanaren

Bereits im Jahre 1885 verbrachten zwischen 300 und 400 Touristen, die Mehrzahl lungen- oder rheumakranke Rekonvaleszenten, ihren ein- bis mehrmonatigen Kururlaub auf Teneriffa. Erst ab 1950 begann sich der Fremdenverkehr in den vorhandenen Einrichtungen neu zu etablieren. Die erste Touristenwelle auf Gran Canaria begann in den 50er Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1 Alle Besucher die mit dem Flugzeug auf die Kanaren kamen

(Spanisches Fremdenverkehrsbüro 1994)

Es waren vorwiegend Engländer und Skandinavier. Anfang der 70er Jahre erhöhten sich mit dem Aufbau von Hotelzentren, auch auf Fuerteventura und Lanzarote, die Besucherzahlen drastisch. Die Tab. 5 zeigt die Tourismusentwicklung auf Teneriffa seit 1950.

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Tab. 2 Tourismusentwicklung auf Teneriffa (Reifenberger 1991: 133)

Die Versorgungsintensität ist im Tourismusbereich größer als in einem deutschen

Krankenhaus. So kommen auf einen Arbeitnehmer im Hotelgewerbe 3,28 Touristen. Da der Urlaubsgast im allgemeinen aber kein Pflegefall ist, stellt diese Personaldichte einen weiteren Parameter der Unwirtschaftlichkeit dar. Die Folge des hohen Versorgungsgrades und einer geringen Auslastung sind die enormen Personalkosten. Diese waren auch der Grund, warum im zweiten Halbjahr 1990 auf der Insel Gran Canaria ein Fünftel der Berufstätigen entlassen wurde. Wirtschaftlich ist Teneriffa auf den Tourismus angewiesen. Zwar wird das

Hotelgewerbe in der Statistik mit nur 14 % Anteil am Gesamtaufkommen geführt, doch die Verflechtungen mit anderen Branchen sind eindeutig: der Dienstleistungssektor hängt in starkem Maße davon ab, ebenso die Bauwirtschaft, der Handel und der Transport. Selbst Landwirtschaft und Fischerei leben als Zulieferer zu einem großen Teil vom Umsatz mit den Urlaubern (Aigner 1990). Mitte 1990 waren 69,8 % aller Beschäftigten Teneriffas im Dienstleistungssektor tätig, in den Touristikzentren Puerto de la Cruz und Playa de las Americas sogar über 90 % aller Berufstätigen. Allerdings wurde, wie fast jede wirtschaftliche Aktivität auf Teneriffa, auch der Tourismus von ausländischen Unternehmen, nicht zuletzt von deutschen Unternehmen, in Gang gebracht

Als aktuelle Zentren gelten weiterhin Puerto de la Cruz und Los Cristianos (auf Teneriffa), Las Palmas und, besonders, der ausgedehnte Süden von Gran Canaria, sowie die Südostküste von Lanzarote, um Puerto del Carmen (Kunkel 1993).

1987 hat der Tourismus einen Anteil von 67 % des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Aber auch die Festlandsspanier haben das reisen entdeckt und bleiben im eigenen Land und genießen den "ewigen Frühling" auf den Kanaren. Dennoch ist der Tourismus kein risikofreies Geschäft. Viele Hoteliers klagen über mangelnde Auslastung (Borowski 1988). Wird z.B. in einem Jahr die Kapazität um 20.000 Betten erweitert, von 100.000 auf 120.000 erhöht, müßte auch die Belegungsquote um 20 % steigen. In den letzten Jahren war aber eine Steigerung von 5 % schon ordentlich. Einmal in den Teufelskreis hineingeraten, ist ein herauskommen fast unmöglich. Auf Teneriffa ist das Angebot an Übernachtungen bzw. die Anzahl der Betten höher als die Nachfrage von Urlaubern nach diesen. Unter Rentabilitätsgesichtspunkten gilt eine Reserve von 20 % für Spitzenzeiten als vertretbar. Damit verbunden ist die blinde Bauwut, deren Erfolgen erst einige Jahre später sichtbar werden. Um aber für Reiseveranstalter interessant zu bleiben ist wiederum ein Angebotsüberschuß absolut notwendig. Doch mit dieser Tatsache "spielen" viele Reiseveranstalter und warten daher bis zum letzten Moment, um eine Gruppe möglicher Gäste verschiedenen Unternehmen anzubieten, allerdings zu reduzierten Preisen (so kommen die "last minute"-Reisen zustande). Vor dem Hintergrund der tatsächlichen Zahlen (1989: Angebot an Übernachtungen 57.670.000 und Nachfrage an Übernachtungen 23.687.388 ergibt sich ein Angebotsüberhang an Übernachtungen von 33.982.612. Reifenberger 1991: 134) müßte ein sofortiger Baustopp auf den Kanaren gefordert werden. Wobei diese Forderung, gegen die mächtige Bauindustrie und die damit verbundenen Arbeitsplätze, wenig Chancen auf Durchsetzung hat. Nicht miteinbezogen ist die Anzahl illegal vermieteter Touristenbetten. Das Tourismusministerium schätzt die Einkünfte aus illegaler Vermietung im Jahr 1989 auf DM 42 Millionen. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn die Behauptung aufgestellt wird, der Tourismus auf den Kanarischen Inseln steckt in einer ernstzunehmenden Krise (Reifenberger 1991).

Die größte Umweltbelastungen entstehen durch die Folgen des Massentourismus, der sich auf wenige Orte konzentriert. Die auffälligsten Veränderungen zeigen sich im ungebremsten Bauboom. Planlos werden Hotel- und Appartmentanlagen errichtet und dadurch die Landschaft zergliedert. Darüber hinaus wird die Aggression von Einheimischen gegenüber Langzeiturlaubern, die Grundstücke kaufen und ihre Villen mit Mauern umziehen, und mit Bauspekulation unberührte Landschaften zubetonieren, immer größer.

Die Gelder der Urlauber fließen hauptsächlich in die Kassen der bevorzugten Touristenorte.

Die benachteiligten Gemeinden bekommen in vielerlei Hinsicht, nur die Nachteile des Massentourismus zu spüren. So sind die Einnahmen aufgrund der geringen Verweildauer der Touristen gering und die Müllberge, die beschädigten Denkmäler und die ökologischen Schäden der zertrampelten Landschaften umso größer. Verbesserungen soll ein Umweltverträglichkeitsgesetz und ein neuer Finanzierungsplan bringen. Letzterer soll die vom Massentourismus stark in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete und Ortschaften, die trotz großer Besucherzahlen nur geringe Einnahmen verbuchen können, eine Entschädigung bringen und sie damit an den Gewinnen der reichen Touristenzentren beteiligen. Ein neues Umweltschutzgesetz soll darüber hinaus bewirken, die Umweltzerstörung zu vermindern. Es wird strenger sein als die Vorschriften in anderen EU-Ländern: Strafen bei ökologischen Delikten, Pflicht der Wiedergutmachung, Unbedenklichkeitserklärungen beim Bau von Straßen, Industriebetriebe etc., Einspruchsrecht beim Verkauf von privatem Gelände, Erwerb wertvoller Naturzonen durch die kanarische Regierung. Die Inselregierung von Teneriffa will jetzt in kleinen Gemeinden bei Landkauf und Baugenehmigung ein Mitspracherecht haben. Doch niemand scheint zu wissen, wieviele Ausnahmeregelungen oder bereits erteilte Genehmigungen in den Schubladen der Bauspekulanten liegen. Umweltberater der kanarischen Regierung halten 20 Betten pro km² Inselfläche für das Höchstmaß der Umweltverträglichkeit. Für die Insel Gran Canaria bedeutet dies 31.200 Betten als Obergrenze. Tatsächlich sind heute bereits 188.820 Betten zuviel gebaut! Bereits kleinere Achtungserfolge können Bügerinitiativen oder Umweltgruppen verzeichnen. So konnte der Bau eines Golfplatzes verzögert oder den Baustopp einer Hotelanlage in einer bislang unberührten Bucht verhindert werden (Aigner 1990, Reifenberger 1992).

3. Wasserversorgung auf den Kanaren

Die natürlichen Wasserquellen sind Regen, Schnee und die Feuchtigkeit aus den Wolken. Allerdings versickern nur 20 % des auf diese Weise gewonnenen Wassers in den Boden, der Rest verdunstet oder gelangt über die Abflüsse ins Meer. Die westliche Kanarengruppe hat pro Jahr etwa die dreifache Wassermenge zu erwarten, wie die östlichen Inseln.

Der Wasserhaushalt der Inseln hat, nach der Inbesitznahme durch die Spanier und die damit verbundene intensive Landwirtschaft, sowie durch die erhebliche Entwaldung, wesentliche Änderungen erfahren. Während früher die Mehrzahl der Barrancos mehr oder weniger ständig fließende Wasserläufe aufwiesen, werden diese heute bereits in ihren Oberläufen für landwirtschaftliche Zwecke abgeleitet. Doch dieses Oberflächenwasser genügt bei weitem nicht um den Bedarf, der durch die intensive Landwirtschaft und durch die ständig steigenden Bevölkerungszahlen entsteht, zu decken. Die grundlegende Aufgabe der kanarischen Wasserwirtschaft ist es daher, die verhältnismäßig geringen natürlichen Wasservorräte zu erschließen, sie zu speichern und sie gerecht zu verteilen.

Fast alle noch vorhandenen Quellen auf Gran Canaria, Teneriffa, La Palma und La Gomera werden für die Zwecke der Bewässerungswirtschaft genutzt. Nur die Mineralquellen, und die für die Trinkwasserversorgung der Siedlungen unerläßlichen Quellen, sind davon ausgenommen. Die Quellen treten meist an einer Erosionsdiskordanz zwischen verwittertem Anstehenden und porösen jüngeren Basalten aus, deren Oberflächen optimale Infiltrationsbedingungen haben. Sie werden für die Bewässerungswirtschaft bereits oberhalb der Grenze des Kulturlandes erfaßt. Vorteil des Quellwassers ist sein niedriger Wasserpreis, der die Rentabilität der agrarischen Produktion merklich erhöht. Jedoch ist die Ergiebigkeit der für die Bewässerungswirtschaft bereitsgestellten Wassermengen zu gering, als daß sie eine ausschlaggebende Rolle spielen würde.

Seit dem Jahr 1860 werden durch die Berge horizontale Stollen gesprengt, sog. galerías, mit denen das Wasser, das durch den porösen Vulkanboden hindurchsickert und sich schließlich auf einer undurchlässigen Schicht sammelt, angezapft wird. Bei dieser Art der Erschließung der Grundwasservorkommen werden die Grundwasser führende Bereiche in hochpermeablen Pyroklastika und klüftigen Laven erschlossen, die durch annähernd undurchlässige, steilstehende Gänge gegliedert sind. Nach Entwässerung eines solchen Bereiches läßt sich das Wasser des nächsten durch Weitertreiben des Stollen bis zum nächsten Gang hin erschließen (Rothe 1986). Insbesondere die durch das Ganggestein gebildeten Kammern werden dabei aufgeschlossen. Die Stollenhöhe ist durchschnittlich 1,5 m, ihre Länge meist 500 bis 800 m, manchmal aber auch mehr als 2 km. Allein auf der Insel Teneriffa sind bis heute 940 Stollen mit einer Gesamtlänge von über 2000 km angelegt worden. Im Durchschnitt werden pro Stollen 20.000 bis 30.000 hl Wasser pro Tag gefördert (Matznetter 1956). Die Betreibung solcher Anlagen ist mit einem großen Risiko verbunden, da oftmals überhaupt kein Wasser oder nur eine unbedeutende Menge gefördert wird, die die immensen Baukosten keineswegs amortisieren. Seit 1925 wird noch eine weitere Methode angewendet, bei der die Anzapfung des

Grundwassers durch Ausschachtung tiefer Brunnen (pozos) erfolgt, was vor allem in den flacher gelegenen Gebieten vorteilhaft ist. Die Brunnen besitzen einen

Durchmesser von 3 m und sind in der Regel 150 bis 300 m tief. Das Wasser wird dabei entweder durch Verbrennungsmotoren oder durch Windräder gefördert. Letztere gibt es vor allem im küstennahen Bereich. Sie haben die besondere Aufgabe, das schon etwas brackische Wasser dieser Zone zu fördern. Die Brunnen liefern ca. 10.000 hl Wasser pro Tag. Sie sind meist im Grunde der Barrancos oder im Ansatz ihrer Seitenhänge angelegt, von wo sie den unterhalb fließenden Grundwasserstrom anzapfen. Vom Brunnenschacht können horizontale Stollen abzweigen bzw. die Speichergesteine durch horizontale Bohrungen weiter erschlossen werden. Das von ihnen geförderte Wasser dient in erster Linie zur Bewässerung der cultivos ordinarios (unter cultivos ordniarios werden auf den Kanaren alle kultivierten Pflanzen zusammengefaßt, die nicht für den Export, sondern ausschließlich für den lokalen Konsum bestimmt sind - alle Getreidesorten, Kartoffeln, Leguminosen, Zwiebeln, Gemüse und Futterpflanzen). Ein nicht zu unterschätzendes Problem bei der Anlage von Brunnen, ist die Absenkung des Grundwasserspiegels. So wurde z.B. auf der Insel Gran Canaria der Grundwasserspiegel von mindestens 2362 Brunnen in nur zwei Jahrzehnten um mehrere hundert Meter abgesenkt (Matznetter 1956, Aschbacher 1990, Rothe 1986, Reifenberger 1992, Baillon 1994).

Abb. 1 Systeme der Grundwassererschließung auf den Kanaren. Oben: Brunnen mit seitlichen Bohrungen, typisch für Gran Canaria. Unten: Stollen, typisch für Teneriffa. (Rothe 1986: 17 nach Dingman & Nuñez 1969)

Aufgrund erhöhter Anforderungen (Landwirtschaft, völlig neuer, auf den Tourismus ausgerichtete Siedlungen, den Häfen etc.) und durch Unregelmäßigkeiten oder gar Ausbleiben von Niederschlägen bedingt, wächst z.B. auf Gran Canaria zunehmend die Bedeutung und die Zahl kleinerer und größerer Staudämme (presas), deren Speichervermögen insgesamt (auf genannter Insel) auf 100 Millionen m³ Wasser geschätzt wird. Der Grund für die Errichtung von Stauwerken liegt in den günstigen Reliefverhältnissen, gerade auf Gran Canaria. Ausbleibender Regen Mitte der 70er Jahre haben z.B. das fast völlige Austrocknen solcher wichtigen Reservoire verursacht (Kunkel 1993).

Heute stammen 22,6 % des Wassers aus Brunnen, nur noch 2,3 % aus Quellen und 75,1 % aus Stollen. Ein Drittel dieser Stollen sind bereits aufgegeben, weil man teilweise nie fündig wurde oder weil sie schon trockengefallen sind. 1952 wurden pro Meter Bohrung noch 712 l im Jahr gefördert, heute sind es nur noch 101 l pro Jahr. Entscheidend zur Verbesserung im Leitungs- und Speicherungssystem hat der Übergang von der früher üblichen Holzbauweise (meist Teakholz) zur überwiegenden Verwendung von Stein oder Beton beigetragen.

Seit 1970 ist die auf Teneriffa geförderte Wassermenge rückläufig wie anhand von Tab. 3 zu erkennen ist. (Reifenberger 1991).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3 Wassergewinnung Teneriffas (Reifenberger 1991: 137)

Nach Matznetter (1956) sind die Besitzverhältnisse und der Verteilungsmodus des Wassers ausschlaggebende Indikatoren für die Leistungsfähigkeit der Bewässerungswirtschaft. In der Regel ist auf den Kanaren der Wasserbesitz und die Wasserverteilung in Form von "heredades" bzw. "comunidades de regantes" genossenschaftlich organisiert. Bei den heredades handelt es sich um die Verteilung einer gemeinschaftlichen Wassermenge, die nicht Kollektivbesitz im eigentlichen Sinne ist. Der Mitbesitz am Wasser wird in Anteilen erworben, wobei jeder Anteil einer bestimmten verteilten Wasserportion entspricht. Diese Wasserportion kann nun vom Anteilsbesitzer selber verbraucht oder mit einem anderen Anteilsbesitzer ausgetauscht werden oder an einen nicht an der heredad Beteiligten weiterverkauft werden. Die einzelnen heredades nutzen jeweils eine oder auch mehrere bestimmte Quellen bzw. Wassererschließungsanlagen. Der Verteilungsmodus des Wassers ist unter den einzelnen heredades nicht einheitlich. So läuft auf Teneriffa die gesamte Wassermenge durch die Verteileranlagen und wird entsprechend ihrem Anteil den einzelnen Teilnehmern zugeleitet. Da dieser ständig schwache Zufluß für eine ununterbrochene Bewässerung nicht ausreicht, sind die Grundbesitzer gezwungen sich eigene Sammelbecken anzulegen, die eine durchgängige Bewässerung gewährleisten. Eine andere Variante wird auf La Palma praktiziert. Die einem Teilnehmer zustehende gesamte Wassermenge (entsprechend seines Anteils) wird auf einmal, in einem zeitlich abgestuften Turnus, zugeleitet. Auch die Verbindung der beiden beschrieben Systeme kommt auf den Kanaren vor, z.B. auf Gran Canaria. Dort wird die einem Anteilsbesitzer zustehende Wassermenge in einem festen, zur Bewässerung ausreichenden Portionen, bestimmten Turnus zugeleitet.

Im Jahre 1990 wurden auf Teneriffa 163.000.000 m³ Wasser verbraucht. Jeder Tinerfeño verbraucht pro Tag 157 l Wasser. Hierin ist die von der Industrie benötigte Menge eingeschlossen. Für jedes Kilo Bananen werden 779 l Wasser benötigt. Für jeden Touristen werden pro Tag 586 l Wasser verwendet. Diese Menge beinhaltet allerdings auch die Bewässerung von Anlagen, Golfplätzen, Wäschereien, Gewerbebetriebe aller Art, die dem Tourismusbereich als Zulieferer dienen.

Nach Reifenberger (1991) könnte die Wasserbilanz von Teneriffa sogar positiv sein, wenn die Politiker sich entscheiden würden, Stauseen zu bauen. Bislang gibt es nur Kapazitäten für 8,1 Mio m³. Somit fließen jedes Jahr 125 Mio m³ oder 94 % des Regens ungehindert ins Meer und das nur weil mit Wasser aus Stauseen kein Geschäft zu machen ist, wie im Gegensatz z.B. mit Wasseraktien (Anteile an Wasserstollen).

Die Trockenlegung der Insel Teneriffa ist nach Reifenberger (1991) eine politische

Entscheidung, welche nur den Interessen der Brunnen- und Galeriebesitzern dient. Von 1935 bis 1985 ist das Grundwasserniveau um 770 m gesenkt worden, d.h. jedes Jahr wird der Grundwasserspiegel im Durchschnitt um 15,40 m gesenkt.

Ein weiterer Grund für diese desaströse Wasserwirtschaft wird in dem unvernünftigen

Festhalten am Bananen- und Tomatenanbau gesehen. Teneriffa ist damit ein Paradebeispiel, wie aufgrund von Gewinnmaximierung eine mit Wasser ausgezeichnet versorgte Insel in knapp 140 Jahren in die totale Abhängigkeit von Energie zur Destillierung von Meerwasser gerät (Reifenberger 1991). Allein 143 Millionen m³ Wasser oder 87,8 % des gesamten Wasserverbrauchs beruhen auf Mißwirtschaft!

Auf Gran Canaria zeichnen sich zwei regulierende Einzeltrends ab: Zum einen der Verfall der Bananenmonokulturen, die durch Pflanzungen ersetzt werden, die weniger teures Wasser benötigen. Zum anderen die vorangetriebene Aufforstung der Hochwälder, die in den Jahrhunderten zuvor abgeholzt wurden (u.a. für die holzbeheizten Zuckerraffinerien). Eine Selbstregulierung des Wasserhaushaltes ist allerdings auch auf Gran Canaria nicht in Sicht (Stromer 1987).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4 Wasserverschwendung auf Teneriffa (Reifenberger 1991: 138)

Der touristische Wasserverbrauch von 13,9 Mio m³ beträgt ca. ein Zehntel der

Wasserverschwendung auf Teneriffa (Reifenberger 1991). Die Wasserkosten bilden eine enorme finanzielle Belastung bei der Errichtung von Touristenzentren; dazu gehört nicht zuletzt der hohe Wasserverbrauch pro Hotelgast. Aus diesem Grund greifen immer mehr Hotels auf eigene Versorgungsquellen zurück, z.B. auf Reinigungs- und Entsalzungsanlagen, sog. "Potabilizadoras" (Eames 1994). Besonders betroffen sind vor allem die Großstädte, die größeren Touristenzentren und die wasserarmen Inseln Lanzarote und Fuerteventura (Aschbacher ). Allerdings arbeiten die Entsalzungsanlagen teuer und umweltbelastend. So müssen zur Gewinnung von 100 l Süßwasser 6 l Öl verheizt werden. Im Vergleich zu den östlichen Inseln, sind auf den westlichen noch keine Meerwasserentsalzungsanlagen gebaut worden (Baillon 1994). Nach Reifenberger (1992) ist aufgrund der hohen Wasserpreise auf Gran Canaria eine Ausweitung der mit Erdöl betriebenen Wasserentsalzungsanlagen mehr als unwahrscheinlich. So kostet Haushaltswasser je nach Gemeinde zwischen DM 0,80 und 5,65/m³, in Touristenzentren ca. DM 4,- und das Bewässerungswasser DM 1,10/m³. Die staatlichen Subventionen für die Wasserdestillation betragen ca. 25 Millionen DM pro Jahr.

Jahr Lanzarote Fuerteventura Gran Canaria Teneriffa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 5 Die demographische Entwicklung der einzelnen Inseln und des Archipels von 1900 bis 1989; die Angaben für Fuerteventura und Lanzarote zählen die wenig besiedelten Nebeninseln mit (Kunkel 1993: 36)

Problematisch für die Wasserversorgung ist neben den steigenden Touristenzahlen auch die veränderte demographische Entwicklung. Die nachstehende Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung und die Einwohnerdichte pro Quadratkilometer. Wahrend die Bevölkerung aller Inseln (außer auf La Gomera) zunahm, hat die kleine Insel Hierro eben erst eine vergleichbare Dichte der 20er Jahre erreicht. Teneriffa und Gran Canaria absorbieren weiterhin die Zuwanderer kleinerer Nebeninseln. Fuerteventura und Lanzarote erleben dagegen einen rasanten Anstieg, wobei aller Wahrscheinlichkeit nach sich die demographische Situation auch auf den Westinseln einpendeln wird. Die Bevölkerungsdichte von Gran Canaria ist mit 460 Einwohner pro km² doppel so hoch wie in Deutschland. Las Palmas hatte im Jahr 1986 eine Einwohnerdichte von 3.566 Bürgern pro km². In Deutschland wird dieser Wert nur von München mit 4.107 Bürgern pro km² übertroffen (Kunkel 1993). Alle Wasserwerke auf den Kanaren befinden sich heute in Privatbesitz. Die Kommunalverwaltungen kaufen das teure Wasser nach Bedarf ein und verteilen es dann an die Endverbraucher, mit denen auf Zählerbasis abgerechnet wird. Das Wasser für Berieselungsanlagen wird ebenfalls von privaten Wasserwerken oder Privatleuten verkauft.

Wasser für Bewässerungszwecke wird in überall sichtbaren, offenen Tanks gespeichert, die von den galerías oder Brunnen gespeist werden. Der Wasserkäufer muß die vereinbarte Mengen immer, auch wenn es regnen sollte, abnehmen, damit ein Überfließen der Versorgungsreservoirs vermieden wird.

Ein großes Problem auf den Kanaren ist die Wasserqualität. Da der

Grundwasserspiegel unter den Meeresspiegel fällt, wird das Wasser brackig und salzig. Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Problem, ist der hohe natürliche Fluorgehalt, der besonders bei Kindern zu Zahnkrankheiten führt (Baillon 1994). Nach Reifenberger (1992) fördert nur ein Drittel der Brunnen auf Gran Canaria noch verwertbares Brackwasser, d.h. mit einem NaCl-Gehalt bis 0,5 g/l. Der Spitzennitratwert des Wassers beträgt 270 mg/l und liegt damit sechs mal höher als der Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l, aufgestellt von der WHO. Die Flüssigkeit ist somit hervorragend als Düngemittel geeignet, beim Menschen wirkt sie jedoch stark cancerogen. Der extrem hohe Nitratwert ist auf den jahrzehntelangen Mineraldüngermißbrauch in den Bananenplantagen zurückzuführen. Zum Trinken und Kochen wird auf Gran Canaria nur Mineralwasser verwendet.

5. Zusammenfassung

Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsbereich auf den Kanarischen Inseln. In manchen Tourismuszentren sind bis zu 90 % aller Berufstätigen in dieser Branche beschäftigt. Zu dem hängen viele andere Branchen (Bauwirtschaft, Handel, Transport) direkt mit der Tourismusindustrie zusammen. Insofern sind die ökologischen Auswirkungen einer solchen expansiven Industrie nicht zu vernachlässigen. Der an vielen Stellen betriebene, oftmals planlose, Bau von Hotel- und Appartmentanlagen zergliederte die Landschaft und versiegelte die Flächen. Mit Hilfe von Umweltverträglichkeitsgesetzen oder Umweltschutzgesetzen wird versucht, die Umweltzerstörung zu vermindern. Diese Maßnahmen stehen wiederum den Interessen einer prosperierenden Bauwirtschaft diametral entgegen. Der Korruption von Ausnahmeanträgen wird in einer solchen Situation der Boden bereitet. Die Wasserversorgung geschieht über natürliche Quellen, horizontale Stollen (galerías), tiefen Brunnen (pozos) und kleinere oder größere Staudämme (presas).

Das große Problem ist hierbei die enorme Mißwirtschaft. Allein 143 Millionen m³ Wasser oder 87,8 % des gesamten Wasserverbrauchs beruhen auf Mißwirtschaft. Ursachen dafür sind: die Ausrichtung auf Monokulturen (Banane), die Verluste aus Trinkwasserleitungen, die Einleitung der Abwässer ins Meer (anstatt sie in Kläranlagen wieder aufzubereiten) oder die Sickerverluste durch Undichtigkeit.

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist vor allem die Beziehung Tourismus und Wasserversorgung zu betrachten. Heute verbraucht bereits jeder Urlauber 586 l Wasser pro Tag; im Vergleich dazu verbraucht jeder Tinerfeño pro Tag etwa 157 l Wasser! Viele Hotels greifen daher auf eigene Versorgungsanlagen zurück, z.B. auf Reinigungs- und Entsalzungsanlagen. Allerdings sind die Entsalzungsanlagen teuer und umweltbelastend, da zur Gewinnung von 100 l Süßwasser 6 l Öl verheizt werden muß. Die staatliche Subvention für die Wasserdestillation beträgt ca. 25 Millionen DM pro Jahr.

6. Schriftenverzeichnis

Aigner, G. (1990): Teneriffa DuMont Reisetaschenbücher.- 240; Köln.

Aschbacher, H. (1990): Teneriffa, La Palma, Gomera, Hierro.- 2035: 234; Pforzheim. Baillon, A. (1994): Wasser.- Apa Guides Teneriffa: 243-248, 3 Fotos; München.

Borowski, B. (1988): Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote. Baedekers Allianz Reiseführer.- 175; Ostfildern-Kemnat.

Eames, A. (1994): Wasser.- Apa Guides Gran Canaria: 235, 1 Foto; München.

Kunkel, G. (1993): Die Kanarischen Inseln und ihre Pflanzenwelt.- 230, 177 Abb., 13 Kt, 32 Bilder; Stuttgart.

Matznetter, J (1956): Agrargeographische Grundzüge der Kanarischen Inseln.- 409; Wien. Reifenberger, A. (1991): Teneriffa Handbuch.- 243; Kiel.

Reifenberger, A. (1992): Gran Canaria Handbuch.- 327; Kiel.

Rothe, P. (1986): Kanarische Inseln.- Gwinner, M. P. [Hrsg.] Sammlungen Geologischer Führer, 81: 226, 64 Abb., 9 Tab.; Berlin.

Stromer, K. (1987): Gran Canaria selbst entdecken.- 19: 158, 14 Kt; Zürich.

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Wasserversorgung und Tourismus auf den Kanarischen Inseln
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Forschungsseminar Trockenräume
Note
1
Autor
Jahr
1995
Seiten
15
Katalognummer
V96232
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die in der Ausarbeitung erwähnten Abbildungen sind leider nicht verfügbar.
Schlagworte
Wasserversorgung, Tourismus, Kanarischen, Inseln, Forschungsseminar, Trockenräume
Arbeit zitieren
Michael Pachmajer (Autor), 1995, Wasserversorgung und Tourismus auf den Kanarischen Inseln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96232

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