Die Auswirkungen des Transformationsprozeßes auf die Wirtschaftsstruktur der Verdichtungsräume Polens


Seminararbeit, 1996

17 Seiten


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1 Die Situation der Wirtschaft Polens

1.1 Grundzüge des wirtschaftlichen Transformationsprozesses in Polen

Die polnische Wirtschaft befindet sich gegenwärtig in einem Transformationsprozeß von der sozialistischen Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild. Nachdem Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten kommunistischen Blocks 1989 und dem Ende des Sozialismus wurde dieser Prozeß inganggesetzt. In Polen begann der Aufbau einer Demokratie in Verbindung mit einer sozialen Marktwirtschaft.

Die Ausgangslage für die Transformation Polens war jedoch sehr schlecht. Das Land befand sich in einer Wirtschaftskrise, die bereits Ende der 70er Jahre begonnen hatte und 1988 durch den beginnenden Zerfall der Sowjetunion verstärkt wurde. Die Exportwirtschaft Polens war sehr stark von den RGW-Staaten abhängig, 70% des Außenhandels wurde über sie abgewickelt. Die ehemaligen Wirtschaftspartner waren jedoch nun zahlungsunfähig geworden und konnten nicht mehr in ausreichendem Maße Rohstoffe liefern. Der Außenhandel mit den RGW-Staaten kam schließlich vollkommen zum erliegen und die neuen Absatzmärkte im Westen konnten mangels konkurrenzfähiger Produkte noch nicht erschlossen werden.

Man versuchte nun zunächst eine Wirtschaftsordnung nach dem Vorbild der neoliberalen Freimarktpolitik zu etablieren, die eine staatliche Lenkung der Wirtschaft weitgehend eindämmte. Staatliche Maßnahmen zum Schutz der Binnenwirtschaft wie Importbeschränkungen und Subventionen heimischer Produkte wurden damit ausgeschlossen. Weiterhin wurden umfassende Privatisierungen von ehemaligen Staatsbetrieben vorgenommen und ausländischen Unternehmen die Möglichkeit gegeben in Polen Tochterfimen zu gründen. Als Folge der fehlenden Schutzmaßnahmen wurde der polnische Markt anfangs mit Westprodukten überschwemmt, woraufhin die Produktion der heimischen Industrie um 20-40% zurückgeschraubt werden mußte. Die Arbeitslosigkeit stieg besonders in den wirtschaftlich unterentwickelten und strukturschwachen Gebieten in Nordpolen stark an (über 20%, Landesdurchschnitt 1993: 14,5%)1.

Ab 1991 stellten sich durch die Etablierung eines neuen Rechts- und Wirtschaftssystems und der Entwicklung des privatwirtschaftlichen Sektors erste Erfolge ein. Die staatlichen Großbetriebe wurden an die marktwirtschaftlichen Bedingungen angepaßt und ihre Schulden zum Teil erlassen. Die Bildung von joint ventures zwischen ausländischen und polnischen Unternehmen trug einen weiteren wichtigen Schritt zur Wirtschaftsentwicklung bei. Der privatwirtschaftliche Sektor konnte seinen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 30,9% 1990 auf 47,3% im Jahr 1992 steigern. Durch die zunehmend stabilisierte wirtschaftliche und politische Lage angezogen, gründeten auch namhafte ausländische Unternehmen neue Fabriken in Polen. Die neuen Industrieansiedlungen werden vor alllem in den vorhandenen Agglomerationsräumen aufgebaut. 70% der ausländischen konzentrieren ihre Aktivitäten auf sieben Ballungsgebiete. Die Hauptstadt Warschau profitiert am meisten von diesem Trend.

1.2 Ökologische Situation

Die Umweltbelastung ist in Polen von sehr großem Ausmaß, die gesamte ökologische Situation sehr bedenklich. Mehr als die Hälfte aller Städte verfügt nicht über eine Kläranlage, die Kanalisationssysteme sind stark überaltert, fast alle Flüsse sind stark verschmutzt. Die jährliche Emission von gasförmigen Schadstoffen durch die Industrie und Energiewirtschaft beträgt 5 Mio. mg. Von der Emissonsbelastung durch die Industrie sind besonders die Agglomerationen in Oberschlesien und Krakau betroffen, weil dort die Schwerindustrie und der Steinkohlebergbau vorherrschend sind. Im ländlichen Raum verursacht die Landwirtschaft durch unsachgemäße Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger und den Mangel an Kläranlagen weitere beträchtliche Umweltschäden.

In Abb. 2 ist die Qualität der ökologischen Lebensbedingungen in den einzelnen Wojwodschaften dargestellt. Anhand verschiedener Indikatoren, wie z. B. Emissionen, Waldschäden, Konzentration von Bevölkerung und Produktionsstätten, deren Werte aufsummiert und in einer Skala mit den Werten 1-100% zusammengefaßt wurden, stellt die Karte die Güte der Lebensbedingungen dar. Dabei steht der Wert 100% für die besten und der Wert 0 für die schlechtesten Lebensbedingungen. Für Gesamtpolen wurde dabei ein Wert von 23% ermittelt, die Räume mit den besten Lebensbedingungen in Polen erreichen nur Werte von ca. 50%. Insgesamt acht Wojwodschaften erreichen nur Werte unter 13%. Bereits 1983 veröffentlichte die polnische Regierung eine Liste, die 27 Gebiete als ökologisch bedroht auswies. Mittlerweile konnten die Schadstoffemissionen gesenkt werden, teilweise durch Neuinvestitionen und Aufbau moderner Industrieanlagen und andernteils durch die Schließung zahlreicher Betriebe, die mit der Wirtschaftskrise einherging.

2 Die städtisch industriellen Agglomerationen

2.1 Einführung

Im polnischen Raumordnungsplan bis zum Jahr 1990 wurden neun städtisch-industrielle Agglomerationen als bereits entwickelte Ballungsräume ausgewiesen. Diese Gebiete sind die monozentrischen Agglomerationen Warschau, Lodz, Krakau, Breslau, Posen und Stettin, die bizentrischen Agglomerationen Danzig/Zoppot und Thorn/Bromberg und der polyzentrische Verdichtungsraum Oberschlesien2. Weiterhin wies der Plan neun in der Entwicklung befindliche Agglomerationen aus: Lublin, Bialystok, Tschenstochau, Bielsko-Biala, Oppeln, Waldenburg, Liegnitz-Glogau, Staropolska und Rzeszow3.

In den Kernstädten, die zusammen nur einen Anteil von 1,3% an der Gesamtfläche Polens haben, lebten 1980 ca. 25% der Gesamtbevölkerung und 1/3 aller Erwerbstätigen hatten dort ihren Arbeitsplatz. Wenn man das Umland der Kernstädte bis zu den Grenzen der gleichnamigen Wojwodschaften der zehn Ballungsgebiete miteinbezieht, umfassen diese Räume zusammen nur 1/5 des Staatsgebiets, aber fast 41% aller Einwohner und 47% aller Beschäftigten. Die Hälfte aller Industriearbeitsplätze konzentrieren sich ebenfalls auf diese zehn Wojwodschaften. In Abb. 4 sind die wichtigsten demographischen Daten für die Kernstädte der entwickelten Agglomerationen und die gleichnamigen Wojwodschaften für 1993 dargestellt.

2.2 Die Warschauer Agglomeration

2.2.1 Einführung

Warschau ist mit 1,65 Mio. Einwohnern die größte Stadt Polens und gleichzeitig die Kernstadt des zweitgrößten Ballungsgebiets mit 2,4 Mio. Einwohnern4. Die polnische Hauptstadt stellt das politische, wissenschaftsleitende und kulturelle Zentrum des Landes dar. Seit dem Ende 2. Weltkrieg erfährt auch die dortige Industrie einen starken Ausbau, wodurch sie Warschau zu einer großen wirtschaftlichen Bedeutung verhelfen konnte. 1984 stand die Wojwodschaft Waschau mit 6,9% der gesamten industriellen Wertschöpfung nach Oberschlesien an zweiter Stelle.

2.2.2 Historisch- wirtschaftliche Entwicklung

Seit Ende des 16. Jh. begann Warschau mit der schrittweisen Übernahme von Hauptstadtfunktionen zunehmend an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung zu gewinnen. Durch ihre günstige Lage inmitten des großen Reiches wurde die Stadt zum wichtigsten Zentrum des westöstlichen Transithandels. Nachdem Warschau 1611 Hauptstadt geworden war, siedelten sich dort viele Adels- und Magnatenfamilien an. Im 17. und 18. Jh. wurden aufgrund des großen Einwohnerzuwachses umfangreiche Stadterweiterungen vorgenommen und die Siedlungsfläche jenseits der Stadtmauern ausgedehnt. Zwischen 1816 und 1866 stieg die Einwohnerzahl Warschaus von 86 000 auf 243 000 Einwohner an. In der Industrialisierungsphase entstanden in und um Warschau zahlreiche Manufakturen in der Textil-, Leder- und Pelzverarbeitungsbranche, der Metallverarbeitung und der Chemie. Von dem Bau der Eisenbahnlinien Warschau-Wien (1848) und Warschau-St. Petersburg-Moskau (1866) ging ein weiterer wichtiger Wachstumsimpuls aus. Die Bauernbefreiung im Jahr 1864 brachte in Verbindung mit der einsetzenden Landflucht einen weiteren Bevölkerungszuwachs, so daß die Einwohnerzahl bis 1897 bereits auf 597 000 Einwohner anwuchs.

Bis 1914 wurde Warschau zur zweitgrößten Industriestadt Kongreßpolens, 17% aller Fabriken und 18% der Arbeiter konzentrierten sich dort. Besonders stark waren die Druckindustrie, Textil- und Lederbranche und die metallverarbeitende und die chemische Industrie vertreten. Zur gleichen Zeit entstanden rund um Warschau industrielle Subzentren, die gemeinsam mit der Stadt den Warschauer Industriebezirk bildeten. Durch die industrielle Entwicklung wurde auch die technische Infrastruktur, zumindest in den zentralen Stadtbereichen weitgehend ausgebaut (Kanalisation in der Innenstadt, Straßenbahn, Telefonzentrale). Während des 1. Weltkriegs wurden die meisten Industrieanlagen demontiert und nach Rußland abtransportiert, die Zahl der Industriebeschäftigen sank dadurch von 80 000 auf 20 000 Beschäftigte. Auch das Verkehrsnetz wurde stark zerstört. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Warschau erneut Hauptstadt des nun unabhängigen Polen und der Wachstumsprozeß setzte sich fort. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden die Festungsmauern abgerissen und das Stadtgebiet erweitert, sowie eine Eisenbahnlinie unter der Innenstadt angelegt und ein neuer Hauptbahnhof (1939) errichtet. 1939 hatte Warschau bereits 1,3 Mio. Einwohner und 100 000 Industriebeschäftigte, vorwiegend in der metallverarbeitenden Branche. In dieser Zeit wurden auch zahlreiche staatliche Großbetriebe in der Rüstungs- und Elektroindustrie gegründet. Während des 2. Weltkrieges wurde Warschau weitgehend zerstört, in einigen Stadtvierteln betrug der Anteil der zerstörten Bausubstanz 80%. Nachdem Krieg und der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee im Jahr 1945, begann der sozialistisch-planwirtschaftliche Wiederaufbau: der gesamte Grund und Boden der Stadt wurde in kommunalen Besitz gestellt. In der Innenstadt wurde in den 60er Jahren ein neues Handels- und Geschäftszentrum mit mehreren Hochbauten errichtet, in dem Büros, Geschäfte, Kaufhäuser und Freizeit- und Kultureinrichtungen entstanden. Warschau sollte auch wieder zu einem wichtigen Industriezentrum werden, weshalb man in den Außenbereichen der Stadt auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche neue Industriebetriebe ansiedelte. Stadtplanerisch war eine Entmischung von Wohn- und Industriegebieten vorgesehen. Warschau konnte seine Bedeutung als Industriezentrum wieder zurückgewinnen, wozu vor allem auch die Gründung neuer Betriebe der Elektro- und Maschinenbaubranchen als Schlüsselindustrien beitrugen. Bis 1984 stieg die Zahl der gesamten Industriebeschäftigten auf 211 995 Personen an, Warschau wurde zum elektrotechnischen Industriezentrum Polens. Weitere wichtige Industriebereiche waren bzw. sind die metallverarbeitende Branche mit 19,1% der Gesamtbeschäftigten5, die Maschinenbaubranche (10,1%), die Textilindustrie (8,8%), die Nahrungs- und Genußmittelindustrie (7,6%) und die chemische Industrie (6,5%). Die eisenschaffende Industrie, repräsentiert durch einen 1957 errichteten Großbetrieb mit 10 000 Beschäftigten, spielt im Vergleich zu den anderen Verdichtungsräumen eine untergeordnete Rolle, lieferte aber dennoch 6,1% der Landesproduktion (1980). Für die relativ alte Industrieregion Warschau ist eine strukturelle Veränderung geplant, wodurch die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Lebensqualität insgesamt verbessert werden soll. Der Aufbau des tertiären privatwirtschaftlichen Sektors wird dazu gefördert. Warschau ist außerdem der Verkehrsmittelpunkt Polens für den Personenverkehr. Die wichtigsten Eisenbahnlinien und Autostraßen (u. a. mehrere Europastraßen), sowie fast alle internationalen Fluglinien bilden dort einen Knotenpunkt.

2.3 Die Lodzer Agglomeration

2.3.1 Einführung

Lodz ist mit 0,5% der Landesfläche die kleinste Stadtwojewodschaft Polens, gehört aber gleichzeitig zu den am stärksten industrialisierten Regionen mit der höchsten Bevölkerungsdichte (3895 Ew./km²). 1984 wurde in Lodz 4% der gesamten Industrieproduktion hergestellt und 4,6% aller Industriebeschäftigten waren dort beschäftigt. Als zweitgrößte Stadt Polens verfügt Lodz über 833 700 Einwohner, hat jedoch als einzige Stadt der zehn entwickelten Agglomerationen ein negatives Wanderungssaldo von -0,2%. Der siedlungsprägende Wirtschaftssektor ist die Textilindustrie, der die Stadt ihre Entstehung und ihr späteres rapides Wachstum verdankt. Obwohl Lodz inmitten Polens liegt ist seine Verkehrsanbindung mit anderen Landesteilen eher schlecht, es liegt abseits der Verkehrswege in einer 'Verkehrssackgasse'.

2.3.2 Historisch-wirtschaftliche Entwicklung

Der Industriestandort Lodz entstand anfang des 19. Jh. im Zuge eines Wirtschaftsföderungsprogramms der kongreßpolnischen Regierung. Die Entwicklung der Textilindustrie spielte in diesem Programm eine große Rolle, bereits ab 1816 wurden ausländische Fachkräfte angeworben und in der Region angesiedelt. Obwohl die ökologischen Standortbedingungen dort für die Baumwollindustrie nicht optimal waren (Wasserknappheit durch fehlendes Oberflächengewässer), wurde Lodz zu einem Zentrum der Textilindustrie ausgebaut. Der Standort verfügte jedoch über einige wirtschaftliche Vorteile (Lage am Exportweg nach Rußland, Nähe zum Herkunftsland der Arbeitskräfte u. a.), weswegen eine Ansiedlung dort ideal erschien.

Die Geschichte des textilindustriellen Standorts Lodz begann mit dem Bau einer Tuchmachersiedlung im Jahr 1821. Zwischen 1824 und 1828 wurde dann 4 km südlich dieser Siedlung ein zweiter Industriestandort mit dem Namen 'Lodka' aufgebaut. Durch die Niederlage Kongreßpolens nach dem November Aufstand, geriet die Textilindustrie 1850 in eine Krise. Die Textilindustrie konnte nun nicht mehr staatlich unterstützt werden, der russische Absatzmarkt wurde durch Zollschranken unzugänglich und die polnische Armee fiel als ehemals größter Abnehmer aus. Daraufhin verlagerte sich die Textilindustrie auf die weniger konjunkturanfällige Baumwollverarbeitung, die danach in großen Fabriken betrieben wurde. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet war der sächsische Unternehmer L. Geyer, der 1833 als erster farbige Gewebe maschinell produzierte und 1837 die erste Dampfmaschine zum Antrieb von Spinnrädern nach Kongreßpolen brachte. Nach der Krise von 1850 erlebte die Lodzer Textilindustrie durch die Aufhebung der russischen Zollschranken einen erneuten Aufschwung. Es kam zu einer massenhaften Bevölkerungszuwanderung, die die Einwohnerzahl bis 1860 auf 32 000 anwachsen ließ. Der Boom hielt bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs weiter an und große Textilbetriebe mit bis zu 12 000 Beschäftigten wurden errichtet. Die positive Entwicklung der Textilindustrie induzierte auch das Entstehen zahlreicher Zulieferbetriebe. Im Jahr 1900 waren in der Lodzer Region bereits 80 000 Arbeitskräfte in der Textilindustrie beschäftigt. Die Einwohnerzahl der Stadt Lodz wuchs in dieser Zeit bis auf 315 000 Menschen an. Nach dem ersten Weltkrieg kam es durch den erneuten Wegfall des russischen Exportmarktes, die veränderten Weltmarktbedingungen (jap. Baumwollindustrie) und den geschwächten Binnenmarkt, zu einer Stagnation des Gewerbes. Während des zweiten Weltkriegs wurde Lodz von deutschen Truppen besetzt und 1000 von 2600 Textilbetrieben stillgelegt. Nach Kriegsende erholte sich die Lodzer Region nur sehr langsam, obwohl die Stadt nur sehr wenig zerstört war. Durch den guten Zustand der städtischen Bausubstanz kam es zwar zu einem hohen Bevölkerungszustrom (1950: 620 192 Ew.), die Stagnation der Textilindustrie hielt jedoch weiterhin an. Innerhalb der sozialistischen Planwirtschaft galt das Textilgewerbe als Konsumgüterindustrie und erfuhr deswegen nur geringe staatliche Förderung. Trotzdem blieb Lodz das Zentrum der Textilindustrie Polens. 1974 konzentrierten sich dort noch 23,9% aller in der Textilbranche Beschäftigten Industriearbeiter. Ab den 60er Jahren wurden Ansätze zu einer Umstrukrukturierung der Lodzer Industrie vorgenommen. Die Elektro- und Maschinenbauindustrie wurde stärker gefördert und konnte ihren Beschäftigtenanteil auf 18,8% verbessern. Weiterhin wurde die chemische Industrie ausgebaut, die ihren Beschäftigtenanteil auf 6,2% steigern konnte6.

Durch den wirtschaftlichen Transformationsprozeß der 90er Jahre befindet sich der Lodzer Textilstandort erneut durch den Wegfall des russischen Absatzmarktes in einer Krise. Die Textilproduktion ist rapide gesunken und zahlreiche Arbeitskräfte mußten entlassen werden. Vom Arbeitsplatzverlust sind vor allem Frauen betroffen, deren Gesamtbeschäftigtenzahl in der Textilindustrie 70% betrug.

2.4 Die Krakauer Agglomeration

2.4.1 Einführung

Die Stadtwojewodschaft Krakau umfaßt 1,0% der Fläche Polens und 3,3% der Gesamtbevölkerung. 1984 waren hier 3,4% aller Industriebeschäftigten und 3,9% der Industrieproduktion des Landes konzentriert7. Mit 745 100 Einwohnern (1993) ist Krakau die drittgrößte Stadt Polens. Der prägende Wirtschaftssektor ist die Eisen- und Stahlindustrie, weitere Branchen sind Maschinenbau, chem. Industrie, Elektrotechnik und Nahrungs- und Genußmittelindustrie.

2.4.2 Historisch-wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftliche Entwicklung Krakaus begann 1257 mit der Ausstattung der Siedlung mit den Magdeburger Stadtrechten, durch die sie auch teilweise Hauptstadtfunktionen erhielt. Ihre günstige Lage an der Weichselfurt und an einem Kreuzungspunkt zweier europäischer Fernhandelswege leistete der Entwicklung zu einer reichen Kaufmannsstadt Vorschub. Im 15. und 16. Jh. wurde die Stadt auch dank der Entwicklung der Krakauer Uni zu einem geistig- kulturellen Zentrum. Der wirtschaftliche Abstieg begann 1611 mit dem Verlust der Hauptstadtfunktionen an Warschau und setze sich mit der Pestepidemie und den Schwedenkriegen in der Mitte des 17 Jh. fort. Es kam zu einem massiven Bevölkerungsrückgang. 1815 wurde Krakau zur selbständigen Stadtrepublik. Die damit verbundene Zollfreiheit begünstigte den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Stadt. Durch die Anlage mehrerer wichtiger Eisenbahnverbindungen (Oberschlesien-Breslau, Tschenstochau-Warschau, Lemberg) zwischen 1847 und 1870 entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und ist heute zweitgrößter Güterumschlagsplatz nach der oberschlesischen Agglomeration. Zwischen 1869 und 1900 wuchs die Einwohnerzahl von 49 837 auf 85 837 an. Nach dem ersten Weltkrieg verlor Krakau seine Funktion als Zentrum nationaler Kultur an Warschau. Im industriellen Bereich der bislang vernachlässigt worden war, kam es in der Zwischenkriegszeit zu einem Aufschwung. Im Süden der Stadt sowie in den südl. Vororten wurden zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt. Bis 1939 stieg die Einwohnerzahl bis auf 259 000 an. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Krakau von der starken Industrialisierungswelle erfaßt und die Zahl der Industriebeschäftigten wuchs rapide an (Anstieg von 1938-1978 von 28 000 auf 143 300). Krakau stieg dadurch zum viertgrößten Industriezentrum Polens auf. Ab Anfang der 50er Jahre wurden insgesamt 80 Industriebetriebe errichtet, darunter der staatliche Großbetrieb 'Eisenhüttenkombinat Lenin', der zwischen 1950 und 1975 durchschnittlich 65% der industriellen Investitionsmittel verschlang. Krakau wurde staatlich forciert zu einem Standort der Schwerindustrie umgewandelt. Die Krakauer Eisen- und Stahlindustrie produzierte 1975 46% der Gesamtproduktion der Branche. Moderne Schlüsselindustrien wie Elektro- und elektrotechnische Industrie spielten mit 7,8% Anteil an der Gesamtproduktion (1975) nur eine untergeordnete Rolle.

Als Folge der wirtschaftlichen Transformation in diesem Jahrzehnt stürzte die Schwerindustrie in eine tiefe Krise. Gleichzeitig entwickelten sich in Krakau aber auch moderne Industrien, und der Dienstleistungssektor wurde verstärkt ausgebaut.

Durch das Überwiegen der Schwerindustrie in Krakau selbst und die Nähe zu Oberschlesischen Industriegebiet, ist die Stadt starken Umweltbelastungen ausgesetzt. 90% der Gasemisionen und 70% der Staubemissionen werden von der Industrie verursacht8. Die Umweltbelastung werden jedoch aufgrund des Produktionsrückgangs in der Stahlindustrie in den nächsten Jahren sinken.

2.5 Die Danziger Agglomeration

2.5.1 Einführung

Die Danziger Agglomeration bildet einen Drei-Städte-Komplex aus den Städten Danzig, Gdingen und Zoppot. Sie ist mit 408 km² Fläche und 761 781 Einwohnern (1980) das größte Ballungsgebiet Nordpolens9. In diesem Gebiet das nur 5,5% der Gesamtfläche der Wojwodschaft Gdanskie (7394 km²) ausmacht, konzentrieren sich 54% der gesamten Einwohnerschaft der Region (1993: 1 444 800). Eine wirtschaftliche Hauptfunktion von Danzig ist die einer Hafenstadt. Der Ostseehafen ist der größte Seehafen Polens und der Hauptumschlagplatz für Massengüter. Weiterhin befindet sich dort mit der `Lenin-Werft' die größte Schiffswerft Polens, einige Reparaturwerften, eine Erdölraffinerie und eine Eisenbahnreparaturwerkstatt. Die übrigen Wirtschaftsbereiche der Industrie sind Maschinenbau, Elektronik, chemische Industrie, Maschinenbau, Nahrungsmittel-, Holz- und Metallindustrie.

Die zweite Großstadt Gdingen wurde erst in den Zwischenkriegsjahren erbaut und verfügt ebenfalls über einen bedeutenden Hafen, der auf Stückgut- und Containerverkehr spezialisiert ist. Weitere Wirtschaftsbereiche sind der Schiffsbau, die Hochseefischerei und Fischverarbeitung und andere Nahrungsmittelindustrien.

Die Stadt Zoppot liegt zwischen Danzig und Gdingen und ist ein bekanntes Seebad, das nun auch die Funktion einer Wohnstadt für die Erwerbstätigen der benachbarten Großstädte übernommen hat.

2.5.2 Historisch-wirtschaftliche Entwicklung

Die Stadt Danzig entstand im 13. Jh. aus mehreren Siedlungszellen am Unterlauf der Mottlau, die mit deutschen Stadtrechten ausgestattet waren. Bis Mitte des 15. Jh. wurde die Stadt vom deutschen Orden beherrscht und gehörte bis Mitte des 16. Jh. dem Bund der deutschen Hansestädte an. Danzig war eine bedeutende Handelsstadt von der aus der Export von Holz,

Teer, Metall und Getreide nach England, Frankreich und Skandinavien betrieben wurde. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. erlebte Danzig eine wirtschaftliche Blütezeit und entwickelte sich zu bedeutendsten Umschlagsort des Handels zwischen Ost- und Westeuropa. Der Schiffsverkehr im Danziger Hafen stieg rapide an und erreichte schon im Jahr 1583 (2229) eine fast genauso große Anzahl von Schiffen wie 1984 (2377).

Durch die Kriege des 17 Jh. und die Verarmung der Bevölkerung im Hinterland brach der Absatzmarkt für die teuren importierten westeuropäischen Waren zusammen und die Stadt Danzig büßte ihren Reichtum ein. Im Jahre 1772 wurde Danzig durch die neue Gebietsaufteilung nach der Teilung Polens vollkommen von seinem Hinterland isoliert. Zusätzlich lenkte Preußen die Handelsströme um und versuchte den Güterverkehr über den Danziger Hafen lahmzulegen. Der wirtschaftliche Abwärtstrend hielt bis zur Angliederung der Stadt Danzig an Preußen an (1793). Der Schiffsverkehr und damit der Warenumschlag im Danziger Hafen nahmen wieder zu und die Stadt erlebte einen erneuten Aufschwung. Im 19 Jh. gab es eine weitere Blütezeit, zwischen 1827 und 1890 wurden mehrere große Schiffswerften gegründet. Außerdem entstanden zwischen 1869 und 1899 eine chemische Fabrik, eine Düngemittelfabrik, eine Superphosphatfabrik, eine Waggonfabrik und mehrere Zuckerraffinerien. Um die Jahrhundertwende gab es in Danzig 122 Industriebetriebe mit rund 15 000 Beschäftigten. Einen Eisenbahnanschluß erhielt die Stadt erst zwischen 1852 und 57 mit dem Bau der Strecke Danzig-Bromberg-Berlin. Von 1872 bis 1877 wurde eine weitere Strecke gebaut, die Danzig über Mlawa mit Warschau verband und von dort aus nach Rußland weiterführte. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffahrt mußte der kleine mittelalterliche Hafen modernisiert werden, um die großen modernen Schiffe aufnehmen zu können. 1879 wurde deshalb ein neues Hafenbecken ausgehoben und das alte Fahrwasser verbreitert. Die positive industrielle Entwicklung und die neu geschaffenen Kapazitäten des Hafens ließen den Güterumschlag von 0,79 Mio. t im Jahr 18979 auf 2,4 Mio. t im Jahr 1914 ansteigen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Danzig durch den Versailler Vertrag zur 'Freien Stadt' erklärt und wurde somit zu einem selbständigen deutschen Staat unter Aufsicht des Völkerbundes erklärt. Die Stadt war jedoch in die polnischen Zollgrenzen einbezogen und Polen war der freie Zugang zum Danziger Hafen gewährt worden. Dies war für beide Seiten eine politisch unbefriedigende Lösung und ließ Konflikte zwischen Deutschen und Polen aufkommen. Auf die Wirtschaft hatte die politische Stellung Danzigs jedoch zunächst keinen Einfluß. Die

Industrie erlebte unter anderem durch die Ansiedlung von Filialbetrieben großer elektrotechnischer Konzerne sogar einen weiteren Aufschwung. Der seewärtige Exporthandel über den Danziger Hafen nahm ebenfalls zu und erreichte 1928 mit einem Güterumschlag von 8,6 Mio. t seinen Höhepunkt. Durch den Bau eines weiteren Hafens in der Danziger Bucht nahe dem ehemaligen Fischerdorf Gdingen gingen diese Zahlen jedoch langsam zurück. Der Gdingener Hafen wurde von der polnischen Regierung aus politischen und militärischen Gründen angelegt, um eine Zugangsverweigerung zum freien Danziger Hafen umgehen zu können. Mit dem Bau des Hafens war im Jahr 1921 begonnen worden und bis zu seiner Fertigstellung 1938 wurden immer größere Gütermengen dorthin umgeleitet. Für den Umschlag von Kohle aus dem oberschlesischen Industriegebiet wurde 1933 eine Eisenbahnverbindung mit dem Gdingener Hafen geschaffen. Bereits in diesem Jahr hatte der Gdingener Hafen dem Danziger Hafen den Rang als Hauptgüterumschlagsplatz abgelaufen. Durch den Bau von zwei größeren Werften und mehreren Nahrungsmittelindustriebetrieben wurden viele Arbeitskräfte benötigt und das ehemals kleine Dorf mit 13 000 Einwohnern im Jahr 1921 wurde zu einer Stadt mit 120 000 Einwohnern im Jahr 1939.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Danziger Agglomeration dem Deutschen Reich angegliedert. Der Gdingener Hafen wurde zu einem deutschen Marinestützpunkt und 50 000 polnische Einwohner wurden aus der Stadt ausgewiesen. Nach dem zweiten Weltkriegs und der Übernahme Danzigs und Gdingens durch die Rote Armee, begann man zunächst mit dem Wiederaufbau der beiden zerstörten Städte und ihrer Industrieanlagen. Auf Betreiben der Sowjetunion, die der größte Abnehmer für Schiffe war, wurde die Instandsetzung der Werften forciert. 1967 wurde aus der ehemaligen 'Danziger- Werft' die 'Lenin-Werft' als größte Werft Danzigs gegründet. Die Lenin-Werft beschäftigte 1978 15760 Mitarbeiter und ist auf die Herstellung von Hochseefischverabeitungsschiffen, Frachtern und Containerschiffen spezialisiert. Die Gdingener Werft ist auf den Bau von Schiffen mit großer Tonnage u.a. auch Flüssiggastanker spezialisiert und beschäftigte 1978 10 620 Personen. Der Schiffbau erlebte nach dem Krieg einen massiven Aufschwung und verschaffte Polen 1973 den 8. Platz in der Rangordnung der Weltschiffsproduzenten. Die Häfen beider Städte wurden seit den 60er Jahren modernisiert und in Gdingen ein Containerterminal angelegt. Der Danziger Hafen wurden um den neuen sogenannten Nordhafen erweitert. Im Zuge der Wirtschaftskrise Anfang der 80er Jahre ging der Güterumschlag in den Häfen von Danzig und Gdingen stark zurück. Gegenwärtig wird versucht in der Danziger Agglomeration modernere Industrien anzusiedeln und den privaten Dienstleistungssektor aufzubauen, sowie die Bedeutung der Stadt Danzig als Bildungs- und Kulturstandort zu stärken.

Einen nicht unwesentlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region leistet auch der Fremdenverkehr. Der kleine Ort Zoppot, der ab 1823 zum Seebade- und Kurort ausgebaut wurde ist eines der wichtigsten Fremdenverkehrszentren Polens. Im Jahr 1980 zählte die Wojwodschaft Gdanskie insgesamt 580 000 Besucher und hatte eine Übernachtungskapazität von ca. 18 000 Betten. Der Freizeitwert der Danziger Bucht wird jedoch wiederum durch die starke Wasserverschmutzung beeinträchtigt.

2.6 Die Oberschlesische Agglomeration (GOP)

2.6.1 Einführung

Die Grenzen des Oberschlesischen Ballungsgebietes entsprechen in etwa den Grenzen der Wojwodschaft Kattowickie, die sich auf einer Fläche von 6650 km² erstreckt und in der 3 954 300 Menschen leben (1993). Unter dem Oberschlesischen Industriegebiet GOP (Gornoslaski Okreg Przemyslowy) versteht man dagegen nur den Revierkern, der insges. 14 Städte auf 1100 km² Fläche umfaßt. Das Oberschlesische Ballungsgebiet ist das Zentrum der polnischen Montanindustrie, die besonders beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg das Zugpferd der volkswirtschaftlichen Entwicklung Polens darstellte. Im Jahr 1984 wurde in diesem Gebiet rund 98% der Steinkohleförderung, 32% der Koksproduktion, 54% an Rohstahl und 100% der Gesamtproduktion des Landes an Zink und Blei erzeugt.

2.7 Die Breslauer Agglomeration

2.7.1 Kurzbeschreibung

Breslau zählt 642 300 Einwohner (1993) und ist damit die viertgrößte Stadt Polens. Nach Ende des 2. Weltkrieges und einer dreimonatigen Belagerung im Jahr 1945 war die Bausubstanz der Stadt zu 70% zerstört. Die wertvollen historischen Gebäude wurden beim Wiederaufbau weitestgehend rekonstruiert und die restliche Stadt unter modernen Gesichtspunkten neu aufgebaut.

Für die Industrie sind die metallverarbeitenden Branchen an diesem Standort bestimmend. In Breslau steht die größte Fabrik für Eisenbahnfahrzeuge in Polen. Weitere wichtige Branchen sind die elektrotechnische und elektronische Industrie, Maschinenbau und Buntmetallverhüttung. Daneben existieren auch noch Betriebe der chemischen, Nahrungsmittel-, und Konfektionsindustrie. Im Jahr 1977 waren ca. 1115 000 Personen in der

Industrie beschäftigt. Breslau ist auch ein kulturelles und wissenschaftliches Zentrum mit einer Oper, einer Philharmonie, mehreren Theatern und acht Hochschulen.

2.8 Die Posener Agglomeration

2.8.1 Kurzbeschreibung

Posen ist mit seiner Einwohnerzahl von 582 800 Menschen10 die fünftgrößte Stadt Polens. In der Industrie waren dort 1977 155 000 Personen Beschäftigt. Die Hauptindustriezweige sind Maschinenbau, elektrotechnische, chemische und Nahrungsmittelindustrie. Weiterhin ist die Stadt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt auf der Strecke Berlin-Moskau (gepl. Autobahn A2) und ein kulturelles und wissenschaftliches Zentrum mit acht Hochschulen.

2.9 Die Stettiner Agglomeration

2.9.1 Kurzbeschreibung

Mit 417 700 Einwohnern ist Stettin die siebtgrößte Stadt Polens und die größte Stadt in Nordwestpolen. Stettin wurde im 2. Weltkrieg zu 65% zerstört und nach 1945 modern wiederaufgebaut und die historischen Bauwerke rekonstruiert. Nach Danzig verfügt die Stadt über den zweitgrößten Seehafen Polens mit 16 Mio. t Güterumschlag im Jahr 1975 und mehrere große Schiffsbau und Reparaturwerften. Weitere Industrielle Wirtschaftsbereiche sind der Maschinenbau, die elektrotechnische, chemische, Nahrungsmittel-, Papier- und die Konfektionsindustrie. Außerdem befindet sich in Stettin die einzige Eisenhütte an der Küste Polens. Insgesamt waren in der dort ansässigen Industrie im Jahr 1977 75 000 Menschen beschäftigt. Nach dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch wird nun der Handels- und Dienstleistungssektor verstärkt entwickelt und dort neue Arbeitsplätze geschaffen. Stettin ist auch ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum mit fünf Hochschulen.

2.10 Die Agglomeration Bromberg-Thorn

2.10.1 Kurzbeschreibung

Der bizentrische Verdichtungsraum Bromberg-Thorn wird von den gleichnamigen beiden Städten bestimmt, um die sich ein kleineres Ballungsgebiet gebildet hat.

Bromberg ist mit 384 800 Einwohnern (1993) die neuntgrößte Stadt Polens und ein wichtiges Industriezentrum mit ca. 80 000 Beschäftigten (1977). Nach Thorn hatte die Stadt zwischen 1980 und 1993 den zweitgrößten Bevölkerungszuwachs (+9,4%) der zehn entwickelten Ballungsgebiete. Die wichtigsten Industriezweige sind die chemische, elektrotechnische und elektronische Industrie, die Nahrungsmittel- Holz-, Konfektions- und Schuhindustrie und der Maschinenbau. Bromberg bildet einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt auf den Strecken Kattowitz-Bromberg-Danzig, und Berlin-Bromberg-Warschau. Außerdem verfügt die Stadt über einen Binnenhafen am Zusammenfluß von Weichsel und Bromberger Kanal, der die Einzugsgebiete von Oder und Weichsel verbindet.

Thorn hat 203 100 Einwohner und mit +14, 1% zwischen 1980 und 1993 den größten Bevölkerungszuwachs der zehn Ballungsgebiete. Die Stadt besitzt noch viele historische Baudenkmäler und wurde erst nach 1945 zu einem Industriezentrum ausgebaut. In den 60er Jahren wurde dort eine große Kunstfaserfabrik, eine Wollspinnerei und eine Phosphatdüngemittelfabrik errichtet. Weiter Industriebranchen sind die Maschinenbau- und Metallindustrie, sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Literatur

Forster, H./Kortus, B. (Hg.): Sozialgeographische Probleme der Agglomerationen von Krakau und

Oberschlesien, Paderborn 1989, Bochumer Geographische Arbeiten H. 51

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Kortus, B./Rajman, J.: Systembedingte Wandlungsprozesse in Polen, in: Studien zur internat. Schulbuchforschung Bd. 81/1994, S. 15-36

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Abb. 4: Verdichtungsräume Polens 1993 (nach: Kapala 1988, S. 164, Stat. Bundesamt 1995, S. 34-37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 s. Abb. 1

2 im folgenden nach: Kapala 1988, S. 164-243, Leszczycki 1977, S. 50-53 u. 114-147, Pelzer 1991, S. 343-355

3 s. Abb. 3

4 s. Abb. 5

5 Datenstand 1974

6 Datenstand: 1970

7 s. Abb. 6

8 s. Kortus 1989, S. 1-8

9 s. Abb. 7

10 Datenstand: 1993

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen des Transformationsprozeßes auf die Wirtschaftsstruktur der Verdichtungsräume Polens
Autor
Jahr
1996
Seiten
17
Katalognummer
V96234
ISBN (eBook)
9783638089104
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Transformationsprozeßes, Wirtschaftsstruktur, Verdichtungsräume, Polens
Arbeit zitieren
Stefan Herbert (Autor:in), 1996, Die Auswirkungen des Transformationsprozeßes auf die Wirtschaftsstruktur der Verdichtungsräume Polens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96234

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