Das jugoslawische Modell der Wirtschaftsentwicklung unter Tito -Arbeiterselbstverwaltung - sozialistische Marktwirtschaft


Seminararbeit, 1997
8 Seiten

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Gliederung :

1. Entwicklung der jugos. Wirtschaft unter Tito

2. Ziel und Ideologie der Arbeiterselbstverwaltung bzw. sozialistischen Marktwirtschaft

3. Funktionsweise und Organisation/Struktur der Arbeiterselbstverwaltung

4. Probleme und Kritik

5. Bilanz

6. Quellenangaben

1. Entwicklung der jugoslawischen Wirtschaft unter Tito :

- Einführung der Arbeiterselbstverwaltung ab 1950.
- 1963 Namensänderung FNRJ -> SFRJ
- erst ab 1965: "Jugoslawien erhält ein der Eigenverwaltung entsprechendes Gesicht"( Liebe)
- in der neuen Verfassung von 1974 rechtlich verankert
- davor fast jährlich Reformen (wichtigste: 1964/65 : Freigabe der Rohstoffpreise)

Grundlage und Voraussetzung für die Entwicklung der Arbeiterselbstverwaltung war der Kominformkonflikt 1948

Folgen : (1) Befreiung aus der Vormundschaft Moskaus

(2) Minimalste Wirtschaftsbeziehungen zu den sowjetsozialistischen Staaten

2. Ziel und Ideologie der Arbeiterselbstverwaltung bzw. sozialistischen Marktwirtschaft

"Die Fabriken den Arbeitern - die Leitung der Produktion den Produzenten "

- Man hatte erkannt das durch das Modell der sowjet. Planwirtschaft der Arbeiter genauso

von seiner Arbeit entfremdet wird wie im Kapitalismus ; Abhilfe durch Mitbestimmung

- jugoslawische Gesetzgeber:

"In frei vereinter Arbeit organisieren und erweitern die Werktätigen in den Unternehmen

auf der Grundlage gesellschaftlicher Mittel und Selbstverwaltung ständig Produktion, Umsatz und andere wirtschaftliche Tätigkeiten und befriedigen dabei ihr Einzel und gemeinschaftliches Interesse "

- "Delegation der Verantwortung von unten nach oben " (Gumpel) (entspr. Demokratie)

- 3. Grundprinzipien zum Aufbau des Sozialismus

(1) Der Prozeß des Absterbens des Staates kann nicht in die Zukunft verschoben

werden. Er soll sofort beginnen.

(2) Die KPJ muß sich vom Staatsapparat distanzieren, wenn sie nicht die

Wesensmerkmale einer Klassenpartei verlieren und Teil des Machtapparates werden will

(3) Das Staatseigentum muß Gesellschaftsbesitz werden und ist der Verwaltung der

unmittelbaren Produzenten, d.h. der Arbeiter zu übergeben.

=> Verknüpfung von Demokratie und Sozialismus

Übertragung des Prinzips der Arbeiterselbstverwaltung auf alle Bereiche des Staates führt zur "sozialistischen Marktwirtschaft"

3. Funktionsweise und Organisation, Struktur der Arbeiterselbstverwaltung

Funktionsweise

- Zur Verwirklichung des Kommunismus wird das Kollektiv dem Markt ausgesetzt um einen "Ü berflußan Waren zu erlangen, so daßdie Erzeugnisse des Massenverbrauchs nicht mehr ihren eigenen Wert besitzen" (vgl. Gumpel)

Voraussetzungen :

(1) Produktionsmittel und Konsumgüter müssen frei erwerbbar sein
(2) Gewinnmaximierung, d.h. der Arbeiter erhält die Möglichkeit sich ein möglichst hohes Einkommen zu sichern
(3) Existenz eines Arbeitsmarktes
(4) Gestaltung der Produktionspolitik (durch Produzenten) frei von staatlicher Bevormundung u.a.

- selbständige Aufteilung des erwirtschafteten Gewinns
- selbständige Außenwirtschaftsbeziehungen

Finanzierung:

- vor allem durch Eigenmittel der selbstverwalteten Wirtschaft und Krediten, die sich aber an Rentabilitätskriterien orientieren
- durch Ausländer (Beteiligung bis 49 % erlaubt)

Organisation & Struktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- "Grundorganisation der frei vereinten / assoziierten Arbeit" als Basisstruktur
- bei größerer Stärke Unterteilung in "ökonomische Einheiten"
- Zusammenschlüsse mehrere "Grundorganisationen der frei vereinten / assoziierten Arbeit" bilden Unternehmen

Rotationsprinzip :

-Wechsel des Arbeiter- und Verwaltungsratesrates alle zwei Jahre (jedes Jahr eine Hälfte)
- "Niemand kann in zwei aufeinanderfolgenden Perioden in den Arbeiterrat oder in dasselbe Vollzugsorgan gewählt werden " (Art. 102, Abs.3 der Verfassung)

Planung

"An die Stelle des allmächtigen Staates traten nun die selbständigen Unternehmen, die in einem vom Staat gesetzten Rahmen ihre Produktionspläne selbst erstellten" (Gumpel)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- "Plan" wird als Richtlinie / "informelle Prognose" und nicht als verpflichtende Auflage aufgefaßt ; ist damit variabel und kann an geänderte Bedingungen angepaßt werden

4. Probleme und Kritik :

- Bildungsmangel der Arbeiter => Hervorhebung von Managern und Technokraten
- Arbeiter sind tendentiell an Gewinnausschüttung (= mehr Lohn) interessiert, statt an Investitionen
- oktroyierte Demokratie ; nicht von den Arbeiter erkämpft sonder von oben diktiert
- Konsumbürger ; gesättigter Markt
- negative Außenhandelsbilanzen

=> hohe Inflation ; Erhöhung der Lebenshaltungskosten um 15-18 % durchschnittlich "Es ist auf längere Zeit nicht tragbar, daß wir viel mehr verbrauchen, als wir produzieren. Wir müssen

uns damit abfinden, unbedingt Verbrauch und Produktion in ein richtiges Verhältnis zueinander zu bringen " Edvard Kordelj - slow. Sozialismustheoretiker 1971

- staatlich geförderte Kartell- und Monopolbildung obwohl dezentralisiert werden sollte
- Bindung der einzelnen Industriezweige an regionale Gegebenheiten
- Förderung schwach entwickelter Gebiete als Widerspruch zur Arbeiterselbstverwaltung
- Bürokratie und Koordinierungsprobleme
- Was kann man in einer Marktwirtschaft planen ???

5. Bilanz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fazit 1: Das Land lebte über seine Verhältnisse ; der erreichte Lebensstandard beruhte vor allem auf geliehenem Geld
Fazit 2: Es bildete sich trotz allem eine Technokratenschicht
Fazit 3: Das System trug nicht zur Einigung des Landes bei, es stärkte eher regionale Disparitäten

" ... Tito's decentralization had given it not one national economy but eight. None of the republics traded with each other."(Bondi)

Quellenangaben :

Literatur :

LIENAU , Cay : "Materalien zum HS Südosteuropa" , Münster 1997 ; GUMPEL, Werner : "Das Wirtschaftssystem" aus :GROTHUSEN, K.-D., Hrsg : "Südosteuropa-Handbuch : Jugoslawien" ; Vandenhoeck&Ruprecht ; Götingen ; HILDEBRANDT, Walter : "Die innenpolitische Abwendung vom Stalinismus nach dem Kominformkonflikt " aus :"Osteuropa-Handuch : Jugoslawien " Böhlau-Verlag 1954 ;

LIEBE, Klaus "6mal Jugoslawien, 1 mal Albanien" ; Piper&Co. Verlag, München ; EGER, Thomas : "Das regionale Entwicklungsgefälle in Jugoslawien" aus "Schriften der Gesamthochschule Paderborn, Reihe Wirtschaftswissenschaften ; Schöningh, München, 1980 ;

BÜSCHENFELD, Herbert : "Jugoslawien" ; Klett-Länderprofile ; SOERGEL, W. : "Arbeiterselbstverwaltung oder Managersozialismus", München 1979 ; Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Mannheim 1975 ; ROGGEMANN, Herwig ; "Das Modell der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien" ; europ. Verlagsgesellschaft 1970 Internet :

http://www.xs4all.nl/%7etank/radikal/balkan ("Jugoslawien nach dem zweiten Weltkrieg" ; u.a. Texte zu Jugoslawien)

http://www.stud.uni..hann ( "Bundesrepublik Jugoslawien" ; Wirtschaftsinfos) http://lgm.fri.uni-lj/tito (Titos-Homepage)

http://wsvv.clas.virginia.edu/2rsbbc/yugos ("What is going on in (Ex-) Yugoslavia, Anyway ?! "; Zeitungsartkel aus Carlotteville,

Virginia, USA vom 16.9.1991, Copyright by Richard Bondi (1991-95)

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Details

Titel
Das jugoslawische Modell der Wirtschaftsentwicklung unter Tito -Arbeiterselbstverwaltung - sozialistische Marktwirtschaft
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Seminar: Südosteuropa, Seminarleiter. Prof. Dr. Cay Lienau
Autor
Jahr
1997
Seiten
8
Katalognummer
V96246
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modell, Wirtschaftsentwicklung, Tito, Marktwirtschaft, Seminar, Südosteuropa, Seminarleiter, Prof, Lienau
Arbeit zitieren
Heike; Arning Becker (Autor), 1997, Das jugoslawische Modell der Wirtschaftsentwicklung unter Tito -Arbeiterselbstverwaltung - sozialistische Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96246

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