Wenn aus dem Wir wieder ein Ich geworden ist. Liebeskummer


Bachelorarbeit, 2020

54 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Zusammenfassung

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsdefinition Liebeskummer und lovesickness
2.2 Bindungstheorie
2.3 Phasen von Liebeskummer
2.4 Copingstrategien
2.5 Fragestellungen

3 Methode
3.1 Vorgehen und Ein- und Ausschlusskriterien
3.2 Einbezogene Quellen

4 Ergebnisse
4.1 Ergebnisse „Bindungsstile Erwachsenenalter“ in Bezug auf Liebeskummer
4.2 Ergebnisse psychische und physische Auswirkungen von Liebeskummer
4.3 Ergebnisse angewandte Copingstrategien

5 Diskussion
5.1 Hypothesenprüfung
5.1.1 Hypothese 1
5.1.2 Hypothese 2
5.1.3 Hypothese 3
5.2 Interpretation und Integration der Ergebnisse
5.3 Kritische Betrachtung
5.4 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Anhang

Wenn aus dem Wir wieder ein Ich geworden ist - Liebeskummer

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Fragen, ob der Bindungsstil im Zusam­menhang mit der Ausprägung, wie auch Bewältigung von Liebeskummer steht, welche psychischen und physischen Auswirkungen Liebeskummer hat und welche Copingstrate- gien sinnvoll bei der Bewältigung von Liebeskummer sind. Anhand von 9 Studien und de­ren Ergebnisse konnte eine Tendenz dahingehend bestätigt werden, dass Personen mit ei­nem ängstlichen Bindungsstil die stärkste Ausprägung von Liebeskummer aufwiesen. Hin­gegen wiesen Personen mit einem vermeidenden Bindungsstil zum Zeitpunkt der Trennung die geringste Ausprägung von Liebeskummer auf. Menschen, die mit einem sicheren Bin- dungsstil klassifiziert wurden, wiesen häufiger aktive Copingstrategien auf. Als hilfreichste Copingstrategie wurde von den Probanden „Kontakte intensivieren“ genannt und ein ein­deutiger signifikanter Zusammenhang wies als hilfreich „das Schreiben über belastende Ereignisse“ auf. Die häufigsten Beschwerden von Liebeskummer umfassten Depression, verminderter Selbstwert, Schlaflosigkeit und verminderter Appetit. Es bleibt jedoch zu un­tersuchen, welche positive Auswirkungen Liebeskummer hat und im Allgemeinen steckt die Forschung bezüglich des Phänomens Liebeskummer noch in den Kinderschuhen.

Schlagworte: Liebeskummer, Partnerschaft, Emotionen, Coping, Suizid, Trennung, Verlust, Bindung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Tabellarische Übersicht der verwendeten Primärstu­dien

Tabelle 2: Stability of Attachment Classifications from Infancy to Adulthood (Waters, E., Merrick, S., Treboux, D., Crowell, J., & Albersheim, L., 2000)

Tabelle 3: Partialkorrelation zwischen Bindungsstil, Emotionaler Verletzungssensitivität und den Emotionen zum Zeitpunkt der Trennung und bei heutiger Bewertung (Zim­mermann und Celik, 2015)

Tabelle 4: Schreibeffekte und Veränderungen der Belastungsreaktionen (Studie I): Ska­lenmittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) sowie Ergebnisse der Varianzana­lysen (VA; Interaktionsterme) (Kröner-Herwig, Linkemann und Morris, 2004)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: (a) Zweidimensionales Modell der Bindungsstile im Erwachsenenalter nach Bartholomew und Horowitz (Asendorpf, J. & Banse, R., 2000)

Abbildung 2: PRISMA-Flussdiagramm für die Dokumentation der Recherche der Pri­märliteratur (adaptiert nach Moher et al., 2009)

Abbildung 3: Strukturgleichungsmodell der Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, standardisierte Regressionskoeffizienten sind an den Pfeilen dargestellt (Khoshkam, Bahrami, Ahmadi, Fatehizade, und Etemadi, 2012)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Herzschmerz, Liebesleid, gebrochenes Herz, all diese Bezeichnungen sind Synony­me für Liebeskummer, ein negativer, seelischer Zustand. Liebeskummer lässt sich als eine negative, emotionale Reaktion auf eine nicht erwiderte Liebe, eine Trennung von einem geliebten Menschen oder als eine Bedrohung der Partnerschaft definieren. In der psycholo­gischen Forschung ist Liebeskummer ein bisher kaum untersuchtes Themengebiet (Grau, 2002). Die psychologische Forschung hat sich vorrangig mit der Problematik von Schei­dungen (Schmidt-Denter, Beelmann & Hauschild, 1997; Schweitzer & Weber, 1985) und dem Verlust einer geliebten Person durch Tod (Conant, 1996; Stroebe, Stroebe, Gergen & Gergen, 1980; Wortman, Battle & Lemkau, 1997) auseinandergesetzt, trotz seinervielfalti­gen Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche eines Individuums. Liebeskummer hat viele Facetten, Isolation, anhaltende Depressionen, Alkoholmissbrauch, Drogenmissbrauch und Suizid können Folgen davon sein (Forman, 1987; Reißig, 1999). Bei Liebeskummer handelt es sich um einen Prozess und dieser verläuft in verschiedene Phasen. Hierbei spielt insbesondere das subjektive Erleben von Liebeskummer eine Rolle. Liebeskummer ist daher ein emstzunehmendes Problem (Maurer & Bred, 2013).

Aus biologischer Sicht geht das Verliebtsein mit vielen körperlichen Prozessen ein­her. Das Glückshormon Dopamin, wie auch weitere aktivierende Neurotransmitter werden im Gehirn ausgeschüttet. So berichten Verliebte von einem Höhenflug der Gefühle. Diese Verliebtheit kommt einem Allmachtserleben gleich, so wird exzessiv an das Objekt der Begierde gedacht. Ein Gefühl, das wie unter Drogeneinfluss verglichen wird. Wenn mm das Herz gebrochen wird, trifft dies die liebende Person völlig unerwartet. Begleiterschei­nungen davon sind Gefühle von unendlicher Trauer und Hilflosigkeit. Durch den Wegfall der Botenstoffe wie Dopamin im Gehirn entsteht häufig ein seelisches Ungleichgewicht. Dies kann zur Folge haben, dass schwere körperliche Beschwerden auftreten, die mit Ent­zugssymptomen von Suchtkranken vergleichbar sind. Häufige physische Symptome sind Übelkeit, Schlafstörungen, Bauchschmerzen und Herzrasen. Durch den veränderten Hor­monhaushalt bei Liebeskummer tritt unter Umständen ein richtiges Krankheitsgefühl auf. Des Weiteren ist der Wegfall der Botenstoffe im Gehirn für eine depressive Stimmung ver­antwortlich und die allgemeine Sinnfrage nach dem Leben tritt häufig bei Betroffenen auf. Liebeskummer geht oft mit dem Erleben persönlicher Kränkung einher, dies äußerst sich in der eigenen Wahrnehmung als Ablehnung, sowohl durch ein unzulängliches Selbstwertge­fühl (Kaftan, 2020).

Liebeskummer wirft somit viele Fragen auf, welche Rolle spielen frühkindliche Trennungserfahrungen von Bezugspersonen (Bindungsstile), welche Auswirkungen hat Liebeskummer auf die psychische und physische Verfassung, (gibt es positive Auswirkun­gen von Liebeskummer?), welche Copingstrategien sind erfolgreich beim Bewältigen des Liebeskummers und sind dabei geschlechtsspezifische Unterschiede erkennbar? Diese Ba­chelorarbeit soll das oft vernachlässigte Thema Liebeskummer in unserer Gesellschaft neu beleuchten. Es handelt sich um eine Literaturarbeit, in der die bisher gewonnenen Erkennt­nisse zusammengetragen, analysiert, betrachtet und kritisch hinterfragt werden.

2 Theoretischer Hintergrund

In diesem Kapitel werden zunächst die für diese Arbeit relevanten Theorien und Hintergründe erläutert. Es erfolgt eine Darstellung der Bindungstheorie, um ein transparen­tes Wissen in Bezug auf Bindungsstile zu sicherzustellen. Die in der Forschung verwende­ten Messmethoden zur Erfassung des Bindungsmusters werden erläutert, frn weiterführen­den Teil wird auf die Phasen einer Trennung nach Senger (1995) eingegangen. Abschlie­ßend wird die Herleitung der Fragestellungen dieser wissenschaftlichen Arbeit behandelt.

2.1 Begriffsdefinition Liebeskummerund lovesickness

Bereits vor zwei Jahrhunderten beschrieb das Wort „Kummer“ schon sehr anschau­lich den Zustand einer Person mit Liebeskummer. John Bowlby, einer der modernen Bin­dungsforscher wie auch Trauerforscher, regt Fachleute an, den Begriff „Kummer“ zu ver­wenden. Er grenzt hierbei den Begriff „Kummer“ von „Trauer“ streng ab. So wird nach Bowlby der Begriff „Kummer“ verwendet, wenn ein Mensch kürzlich einen tragischen Verlust erlebt hat. „Trauer“ ist hingegen für Bowlby ein Prozess, der diesen Verlust bereits verarbeitet. Dieser Prozess wird im deutschsprachigen Raum oft als „Trauerarbeit“ be­zeichnet. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse und einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, verwendetet bereits 1917 den Begriff „Trauerarbeit“. Aus evolutionsgeschichtlicher Sicht ist laut Emotionspsychologie Kummer eine fundamentale, beziehungsweise eine der häufigsten negativen Emotionen. Hingegen zur Furcht, die einen Menschen zu einem Vermeidungsverhalten veranlasst, bringt Kummer ein Maß an „negati­ver Motivation“ mit sich und befähigt zur Ursachenbeseitigung (Senger, 2000).

Die englische Definition „lovesickness“ weicht drastisch von der deutschen Be­zeichnung ab. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff„lovesickness“, nicht wie das deutsche Wort „Liebeskummer“, als Reaktion auf eine unglückliche Liebe oder Trennung verwendet, sondern vielmehr als persönliche Disposition verstanden. Als „lovesick“ be- zeichnete Personen werden daher als neurotisch, narzisstisch, gestört, oral fixiert, ich- schwach, infantil, emotional abhängig, besitzergreifend etc. beschrieben (Forman, 1987; Martin & Bird, 1959). Man geht von einem chronischen Liebesbedürfhis aus, das von den Merkmalen wie Dosissteigerung und Entzugserscheinungen gekennzeichnet ist und mit einer Sucht verglichen wird. Ursachen hierfür liegen vermutlich in traumatischen Verluster­lebnissen oder einem Mangel an Zuwendung in der Kindheit (Forman,1987).

2.2 Bindungstheorie

In den 1960er Jahren ist die Bindungstheorie entstanden. Sie hat ihre Wurzeln in der Bindungsentwicklung von Pflegekindern und im ethologischen, psychoanalytischen und evolutionsbiologischen Denken und wurde von John Bowlby formuliert (Grossmann & Grossmann, 2004). Laut Bowlby (2006a) gibt es ein evolutionär tief verankertes Bindungs- system, das bei Kindern die Nähe zur primären Bezugsperson sicherte. Aus ethologischer Sicht entspringen Bindungen der menschlichen Natur und fungieren als Schutzfunktion. Kinder, welche sich in einer psychischen und physischen belastende Situation befinden (beispielsweise Erschrecken, Müdigkeit, Verletzung, Unwohlsein), haben das Bedürfnis nach Trost, Schutz oder Hilfe und wenden sich an die Eltern oder Eltemersatzfiguren. Dies wird als Bindungsverhalten bezeichnet, von Bowlby definiert als „das Aufsuchen und Auf­rechterhalten der Nähe eines anderen Lebewesens“ (Bowlby, 2006a, S. 192). Kinder benut­zen Bindungsverhaltensweisen wie Schreien, Weinen, Anklammem oder Protest, um be­vorstehende Trennungen zu vermeiden und die Aufmerksamkeit der Bezugsperson zu er­langen. Bowlby beschreibt die Bindung an die Mutter als eine „komplexe, reiche und loh­nende Beziehung“ (Bowlby, 2005, S. 11) und betont, „dass sie die Grundlage für die seeli­sche Gesundheit und die Charakterentwicklung bildet“ (Bowlby, 2005, S. 11). Die Bin­dungsperson steht dem Kind als sichere Basis zur Verfügung, wenn eine vertrauensvolle Bindung zwischen Bezugsperson und Kind aufgebaut wurde. Dies wird deutlich, wenn das Kind seine Umwelt erkundet (Explorationsverhalten) und zur schutzbietenden Person zu­rückkehrt, wenn es in eine belastende Situation, wie oben geschildert, gerät (Bowlby, 1995). Kinder gehen beim Erkunden der Umwelt auf Nummer sicher und behalten stets ihre sichere Basis im Blick. Dies macht sich bemerkbar in dem sie regelmäßig in Verbin­dung zur Bezugsperson bleiben, indem sie wiederholt zu ihr zurückkehren, wie auch in Interaktion mit dieser treten. Es ist von besonderer Bedeutung, dass die Bezugsperson an­gemessen auf die Situation reagiert und die Signale richtig deutet, wenn Kinder sich be­droht fühlen und somit ihr Explorationsverhalten abbrechen. Beim Ausfallen einer Reakti- on oder gar beim Misslingen angemessen auf die Umstände zu reagieren, kann es zu trau­matischen Erfahrungen kommen (Bowlby, 1995). Das Kind entwickelt mit der Zeit, basie­rend auf den Erfahrungen, wie die Bezugsperson auf eine bestimmte Situation reagiert, ein internales Arbeitsmodell. Dieses internale Arbeitsmodell beinhaltet die Annahmen des Kindes darüber mit welcher Wahrscheinlichkeit die Bezugsperson auf das gezeigtes Bin­dungsverhalten reagieren wird (Schleiffer, 2015). Die internalen Arbeitsmodelle unter­scheiden sich in Abhängigkeit von den Bindungserfahrungen.

Mary Ainsworth war eine Pionierin auf dem Gebiet Bindungsverhalten und leistete mit ihrer Studie einen entscheidenden Beitrag für die Forschung. Während ihrer Studien in Uganda und Baltimore sammelte sie in den 1950er und 1960er Jahren umfangreiches Be­obachtungsmaterial, welches mehrere Stunden umfasste. Anhand dieser Daten formulierte sie drei unterschiedliche Bindungskategorien, der entscheidende Einflussfaktor zur Ausbil­dung eines der Bindungsmuster war die mütterliche Feinfühligkeit (Schleiffer, 2015). So zeichnet sich eine feinfühlige Mutter nach Ainsworth durch mehrere Kriterien aus, sie ist (1) in der Nähe des Säuglings weiterhin für ihn verfügbar und jederzeit in der Lage seine Signale wahrzunehmen sowie (2) diese Signale angemessen und richtig zu deuten und (3) unmittelbar auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Im ersten Lebensjahr eines Kindes entwickelt sich in Abhängigkeit, wie feinfühlig die Mutter beziehungsweise andere primäre Bindungspersonen auf die kindlichen Signale reagieren, ein Bindungsmuster (Schleiffer, 2015). Ainsworth unterschied die folgenden Bindungsmuster (Schleiffer, 2015, Fremmer- Bombik, 1995): (1) Sichere Bindung: Die Bezugsperson nimmt feinfühlig sowohl dieBin- dungsbedürfhisse als auch die Erkundungsbedürfhisse des Kindes wahr und reagiert ange­messen darauf. Das Kind macht die Erfahrung, dass es sich auf seine sichere Basis, meist die Mutter, verlassen und ihr vertrauen kann. (2) Unsicher-vermeidende Bindung: Ein Kind mit diesem Bindungsmuster hat seine Bezugsperson in vielen bindungsrelevanten Situatio­nen als zurückweisend erlebt. Es wird daher vermeiden, weiterhin solche Wünsche auszu­drücken, obgleich es sie empfindet. (3) Unsicher-ambivalente Bindung: Je nach der eigenen aktuellen Befindlichkeit verhält sich die Bezugsperson dem Kind gegenüber unterschied­lich. Das Kind kann die Antwortbereitschaft der Bezugsperson nicht sicher einschätzen, sie wird für das Kind unvorhersehbar. Organisiertes Bindungsverhalten bei Kindern zeigt sich gegen Ende des ersten Lebensjahres, welches sich soweit gefestigt hat, dass es sich im La­bor unter standardisierten Bedingungen beobachten und bewerten lässt (Schleiffer, 2015). Mary Ainsworth und Barbara Wittig entwickelten den Fremde Situation Test (FST), dieser etablierte sich zum Standardverfahren zur Messung des Bindungsmusters (Schleiffer, 2015) (s. Kap. 2.3.1).

Mary Main definierte 1990 ein viertes Bindungsmuster, da sich eine Reihe von Kindern im FST keine der drei Bindungskategorien eindeutig zuordnen ließen. Oftmals zeigten diese Kinder ein widersprüchliches Verhalten und erschienen ängstlich und ver­wirrt. Beispielsweise gingen sie erst auf die Mutter zu, unterbrachen dann jedoch ihr Vor­haben und erstarrten an Ort und Stelle, ohne von der Mutter auf den Arm genommen wer­den zu wollen. Diese Kinder hatten offensichtlich noch keine organisierte Strategie entwi­ckelt um mit dem Trennungsstress, wie er im FST hervorgerufen wird, umzugehen (Schleiffer, 2015). Main benannte dieses Bindungsmuster desorientiert beziehungsweise desorganisiert. Sie postulierte, dass es sich nicht um eine neue Form der Verhaltensorgani­sation handelt, sondern um eine Unterbrechung des organisierten Verhaltens (Main, 1995).

Daher werden die bestehenden Klassifikationen, um die Hauptbindungskategorie „desorganisiert-sicher“ erweitert. Erst wenn die Verhaltensorganisation eines Kindes in keine der genannten Klassifizierung sich zuordnen lässt, wird diese Verhaltensweise als unklassifizierbar bezeichnet (Grossmann & Grossmann, 2004). Laut Ainsworth und Main entwickeln und verfestigen sich diese Bindungsmuster in den ersten Lebensjahren (Bowlby, 1995). Die Bindungsentwicklung vollzieht sich in vier Phasen (Ainsworth et al., 1978; Ainsworth, zitiert nach Grossmann & Grossmann, 2004, S. 73; Bowlby, 1995; Bowlby, zitiert nach Schleiffer, 2015, S. 29).

Da frühe Untersuchungen zu den vier Bindungsstilen eine hohe Stabilität über Zeit­räume von vielen Monaten ergaben und eine frühe sichere Bindung an die Mutter mit spä­terer sozialer Kompetenz gegenüber Gleichaltrigen korrelierte, schien es gerechtfertigt, im Sinne von Bindung von einem stabilen Persönlichkeitsmerkmal des Kindes zu sprechen (Ainsworth et al., 1978).

So leiteten Hazan und Shaver (1987) diesen Ansatz auf Erwachsene über. Es ist da­von auszugehen, dass das Bindungssystem auch bei Erwachsenen in belastenden Situatio­nen aktiviert wird, wobei als sicherheitsspendende Bezugsperson vor allem der/die Part- ner/Partnerin fungiere. Erwachsene unterscheiden sich in ihrem Bindungsstil, der analog zur Klassifikation von Ainsworth et al. (1978) in einer sicheren und zwei unsicheren Vari­anten (vermeidend und ängstlich-ambivalent) vorkommt. Hazan und Shaver (1987) opera­tionalisierten die drei Hauptbindungsstile durch prototypische Beschreibungen. Die Befrag­ten sollten ankreuzen, welche Beschreibung am besten auf ihre wichtigste (aktuelle oder frühere) Liebesbeziehung passt. Die Autoren konnten an zwei Stichproben von Erwachse­nen die Bezeichnung der drei Hauptbindungsstile durch eine Vielzahl von Korrelationen mit externen Variablen erklärbar machen.

Es wurde ein Erwachsenenbindungsinterview von Main, Kaplan und Cassidy (1985) entwickelt. Das Interview Namens Adult Attachment Interview (AAI) besteht im Kem da­rin, dass die Befragten ihre Beziehung zur Mutter und zum Vater in der Kindheit durch 5 Adjektive frei beschreiben und diese Charakterisierung dann anhand von Erinnerungen an bestimmte Ereignisse belegen sollen. Die Auswertung beruht auf theoretischen Annahmen über Abwehrmechanismen bei den Befragten. Daher stehen besonders die Formaspekte der Schilderung der Beziehung (z.B. Kohärenz und Konsistenz) sowie das Verhältnis von In­halt und Form im Vordergrund. Versuchspersonen, die offen und frei über detaillierte Erin­nerungen an widersprüchliche und unangenehmen Gefühle gegenüber den Eltern berichten, werden als sicher klassifiziert, während Probanden, die ihre Beziehung zu den Eltern als durchwegs positiv schildern, ohne diese durch bestimmte Ereignisse belegen zu können als unsicher. Es gibt vier Hauptkategorien von Bindungsstilen, sicher-autonom, unsicher­distanziert, unsicher-verwickelt und unverarbeitet-traumatisiert. Die Bindungsstile sind von folgenden Merkmalen des Interviews gekennzeichnet, (1) sicher-autonom, Wertschät­zung der Beziehung, kohärente und objektive Darstellung (2) unsicher-distanziert, Auswir­kung bindungsrelevanter Erfahrung wird abgestritten, abgewertet oder „geschönt“. Zum Beispiel kann die Darstellung fast perfekter Eltern nicht mit konkreten Erinnerungen belegt werden (3) unsicher-verwickelt, aktiv-ärgerliche oder passive Verstrickung mit der vergan­genen Beziehung, irrelevante langatmige Schilderungen (4) unverarbeitet- traumatisiert, vor allem bei traumatischen Erlebnissen plötzlicher Wechsel im Sprachstil, Gedankenfehler (Asendorpf, J. & Banse, R., 2000).

Zudem wurden zwei Interviewverfahren von Bartholomew und Horowitz (1991) entwickelt, in denen nach aktuellen Bindungserfahrungen in Freund- und Partnerschaften (Peer Attachment Interview) und Bindungserfahrungen mit den Eltern (Family Attachment Interview) gefragt wird. Anhand der Auswertung konnte ein zweidimensionales Modell von Bindungsstilen festgemacht werden, die 4 Bindungsstile unterscheiden sich danach, wie weit das Selbstbild und das Bild der Bezugsperson positiv versus negativ sind, (siehe Abbildung 1, (a)).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: (a) Zweidimensionales Modell der Bindungsstile im Erwachsenenalter nach Bartholo­mew und Horowitz (Asendorpf, J. & Banse, R., 2000)

2.3 Phasen von Liebeskummer

In den letzten Jahrzehnten setzten sich viele Wissenschaftler intensiv mit der Trauer infolge des Verlustes eines geliebten Menschen durch den Tod auseinander. Wie sich aus einer Fülle von Daten erschließen lassen konnte, geht der Verlust eines geliebten Menschen mit einem Trauerprozess, der in verschiedene Phasen verläuft, einher. In der Trauer- Literatur sind daher häufig drei- und vier Phasen-Modelle zu finden. Uneinigkeit herrscht allerdings in Bezug auf die Dauer der Trauer sowie der Phasenabläufe. Somit fallt die Zeit­spanne sehr unterschiedlich aus, umgangssprachlich spricht man dennoch oftmals von ei­nem Trauerjahr, welches wissenschaftliche Studien stützen. Ähnlich verhält es sich mit Liebeskummer. Untersuchungen haben ergeben, dass auch die Verarbeitung von Liebes­kummer in verschiedene Phasen verläuft. Hierbei ist es nicht möglich die Phasen strickt voneinander abzugrenzen, häufig handelt es sich um Mischformen. Sie können unterschied­lich lange dauern, wie auch mehrmals wiederkehren. Selbst nach der Bewältigung einer bestimmten Phase ist es durchaus möglich, dass ein „flash back“ (zurückfallen) in eine frühere Phase auftritt. Dies ist oft gekennzeichnet von einer Form massiver Sehnsucht und Regressionstendenzen. Eine statistische Auswertung hat ergeben, dass Frauen länger als Männer trauern. Der gesamte Trauerprozess umfasst bei Männern durchschnittlich 10,7 Monate und bei Frauen 14,7 Monate. Dieser Unterschied lässt sich darauf zurückführen, dass Männer Gefühle von Sexualität besser abgrenzen können als Frauen. Liebeskummer verläuft in den folgenden fünf Phasen: (1) Phase: Die Bedrohung, (2) Phase: Lähmung, (3) Phase: Verhandeln, (4) Phase: Regression, (5) Phase: Akzeptanz. Im nachfolgenden Ab­schnitt werden die einzelnen Phasen nach Senger (2000) erläutert. Diese Phasenverläufe sind basierend auf Trennungen von Liebesbeziehungen und schließt somit den Liebes­kummer einer einseitigen Liebe von Personen aus (Senger, 2000).

In der ersten Phase Bedrohung wird oftmals eine Gefahr wahrgenommen. Sigmund Freud formulierte diese Intuition treffend als das „Vorbewusste“. In dieser Phase ist es al­lerdings nicht möglich, diese Bedrohung genau zuzuordnen, es handelt sich um ein Gefühl. In der Studie gaben mehr als die Hälfte der Frauen und Männer an, dass diese vor der Trennung eine böse Vorahnung hatten, als ob in absehbarer Zeit etwas unheilvolles Ge­schehen würde. Senger (2000) bezeichnet dieses Gefühl als Atmosphärisch. Unter Atmo­sphärisch lässt sich in diesem Zusammenhang eine besondere zwischenmenschliche Sin- neswahmehmung erklären. Laut Wissenschaft gibt es eine Verbindung zwischen dem Nah­rungsverhalten und dem Maß der atmosphärischen Stimmung eines Säuglings. So können Trinkfaulheit, krampfartiges Erbrechen und Ausspucken ein atmosphärischer Protest sein. Diese Annahme deckt sich mit einigen Aussagen der Probanden, die beim gemeinsamen Essen mit dem/der Partner/Partnerin oftmals das Gefühl hatten, dass etwas nicht stimmt. Es könnte sich hierbei auch um einen Urinstinkt handeln, da der Urmensch nur in einer gesi­cherten Umgebung die Nahrungsaufnahme vollziehen konnte und diese nicht durch Angst oder Aggression gestört wurde. Zusammenfassend geht man davon aus, dass diese Vorah­nung oder das „Gespür für Atmosphärisches“ besonders in Krisensituationen aktiviert wird. Zudem hatten einige der Studienteilnehmer eine besondere Sensibilität für Ton, Sprachme­lodie und Semantik. Des Weiteren besteht eine Tendenz, dass dieses vorbewusste Wissen mit somatischen Beschwerden einhergehen kann. Diese körperlichen Beschwerden stehen in keinem Zusammenhang die von ungewöhnlichen Stressbelastungen verursacht werden. Die körperlichen Beschwerden von Liebeskummer treten häufig in Form von Hautproble­men, Muskel- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Angst, Schlaf­losigkeit und Magenbeschwerden auf. Diese Ansicht stützen ebenfalls Psychosomatiker mit der sogenannten,,Periodentrauer“. Blutungen, die außerhalb der Periode auftreten, stehen häufig in Verbindung von ausgefallener Trauerarbeit.

Die zweite Phase Lähmung beinhaltet das Wahrhaben der Trennung. Die Erkennt­nis, dass die Liebesbeziehung zu Ende ist, ist gekennzeichnet durch die natürliche Reaktion des Weinens. Die ersten Tränen in dieser Phase der Lähmung werden meist durch den in­nerlichen Stress ausgelöst und dienen zum ersten Stress- und Angstabbau und sind somit keine echten „Trauertränen“. Viele der Probanden der Studie berichten von einer Lähmung beziehungsweise einer inneren Leere. Nach der Beendigung der Partnerschaft tritt zumeist eine Orientierungslosigkeit auf. Die ursprüngliche „wir“ Definition als Liebespaar muss revidiert werden, dies führt zu einer starken psychischen Belastung und beansprucht viele innere Ressourcen. Wenn der gewohnte Bezugsrahmen einer Person wegfallt, handelt es sich um eine existenzbedrohende Katastrophe. Alle vorhandenen Ressourcen werden zur Bewältigung der Situation eingesetzt. Dabei berichten Betroffene oft von dem Gefühl nur noch „funktionieren“ zu müssen als wären sie ein Roboter. In dieser Phase wird von De­pression, innerer Leere, unendlicher Traurigkeit, Hilflosigkeit berichtet. Die Sinnhaftigkeit des Lebens stellen Betroffene häufig in Frage und eine Antriebslosigkeit stellt sich ein. Selbst sehr aktive Frauen, wie auch Männer, sind von dieser Antriebslosigkeit betroffen. So stellen alltägliche Dinge die größten Herausforderungen dar. In der zweiten Phase sind die Liebeskummerleidenden gezwungen ihre alte Identität abzulegen und eine neue zu erwer­ben. Eine neue Selbstdefinition aufzubauen ist ein Prozess und in dieser Phase noch nicht greifbar beziehungsweise noch nicht möglich. So befindet man sich in dieser Phase des Liebeskummers in einer Rollendiffiision und ist handlungsunfähig. Senger (2000) spricht von dem Phänomen der erlernten Hilflosigkeit. Als Grundlage dafür dient das Experiment der erlernten Hilflosigkeit bei Hunden von dem amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier. „Von einer geliebten Person abgelehnt, zurückgestoßen zu werden bedeutet, dass die äußerst wichtige Quelle der Bestätigung nicht mehr zur Verfü­gung steht.,,Die Phase der Lähmung kann so lange anhalten, solange andere Kontrollmög­lichkeiten noch nicht ausgebildet werden können“ (Senger, 2000, S. 43).

Merkmale der dritten Phase Verhandeln sind, dass Betroffene versuchen alle vor­handenen Ressourcen zu mobilisieren, um so langsam wieder eine Kontrolle über die Situa­tion zu erhalten und einen abrupten Verlust zu vermeiden. Die Motivation liegt in dem Er­halt der Beziehung oder zumindest in einem Aufschub des endgültigen Auseinandergehens. 50 Probanden versuchten mit drei unterschiedlichen Methoden die Beziehung zu retten. Senger (2000) spricht von einem sogenannten Übergangsritual. Die drei Methoden umfas- sen, (1) die Beziehungsintensität zu reduzieren, (2) die Struktur der Beziehung zu ändern, (3) die Beziehung toleranter zu gestalten. Welche der erwähnten Methoden gewählt wurden war von Beziehungskonflikten, Charaktereigenschaften und den individuellen Lebensge­schichten beziehungsweise Hoffnungen abhängig. Das Endergebnis war in jeden Fall das­selbe, dass weder das alte noch das neue Partnerschaftsmuster funktionierte. Das Über­gangsritual erleichtert die Überleitung für den eigentlichen Trauerprozess und der neuen Identitätsfindung. So erlangt man erst eine neue Identität, wenn man das Scheitern der Be­ziehung akzeptiert. Erst dann ist es möglich die alte Paaridentität abzulegen und ein neues Selbstkonzept zu entwickeln. Ein Nachteil des Übergangsrituals ist, je mehr Zeit in das Verhandeln investiert wird, desto mehr Konfusion, Selbstzweifel und Überforderung tritt auf.

Personen, die sich in der vierten Phase Regression befinden, haben nun zur Kennt­nis genommen, dass die Liebesbeziehung gescheitert ist. Eine große Rolle spielt hier die erste Trennungserfahrung von der Mutter durch die Geburt. Es wird für diese Phase das Wort „Mutterleibsregression“ verwendet, da Betroffene in dieser Phase oftmals dunkle, wärmespendende Umgebungen aufsuchen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Umge­bungen zum Beispiel die Zuflucht in das Bett oder in eine Badewanne ein Urgefühl von Schutz und Geborgenheit darstellt. Es kann der verstärkte Wunsch nach Schlaf auftreten, wie auch Schlaflosigkeit. Senger (2000) sieht dies als symptomatisches Verhalten für eine Regression. Sie interpretiert die Schlaflosigkeit als Ausdruck mangelnder Harmonie mit der Umwelt, während der verstärkte Wunsch nach Schlaf ein regressiver Rückzug oder auch eine Flucht von der vermeintlichen feindlichen Umwelt ist. Des Weiteren werden in dieser Phase die eigentlichen Ursachen, die zum Scheitern der Liebesbeziehung führten, nicht wahrgenommen. Stattdessen wird eine Person oder ein bestimmtes Verhalten dafür verant­wortlich gemacht. Nicht ganz die Hälfte aller Männer und ein Drittel der Frauen machten sich schwere Selbstvorwürfe und gaben sich die Schuld für das Scheitern der Beziehung. Selbstvorwürfe können ebenso ein Indiz dafür sein, dass bereits unbewusst eine Trennung erwünscht war. Besonders hervorzuheben in diesem Prozess des Liebeskummers ist, dass in dieser Phase die häufigsten Selbstmordgedanken auftreten, da sich viele der Betroffenen einen Zustand der Ruhe, Geborgenheit, und Erlösung wünschen. Frauen sehen öfter als Männer eine existenzielle Bedrohung in der Phase der Regression. Das Scheitern der Lie­besbeziehung wird als Selbstwertminderung erlebt und verursacht ein Gefühl der Wertlo­sigkeit. Nach Abschluss dieser Phase beinhaltet Liebeskummer großes, persönliches Wachstum- und Entwicklungspotenzial.

Die fünfte Phase Akzeptanz ist von Sehnsucht, aber auch von einem Neuanfang ge­kennzeichnet. Häufig drehen sich die Gedanken noch häufig um den Liebesverlust. Senger (2000) sieht in der Phase der Akzeptanz viele Parallelen zu Menschen, die die geliebte Per­son durch den Tod verloren haben. So fühlen sich die Hinterbliebenen, wie auch Menschen mit Liebeskummer, oft zu den Orten die gemeinsam mit der geliebten Person besucht wor­den sind, hingezogen. Ebenfalls kann es auftreten, dass sich diese Menschen zu einer Per­son, die die der verlorenen Person sehr ähnelt, hingezogen fühlen. In dieser Phase beginnt der eigentliche Trauerprozess. Das Weinen beinhaltet nun „echte Trauertränen“ und kann lange, wie auch intensiv auftreten. Zudem ist diese Phase von einem auffälligen starken Wechselspiel zwischen Rückzug und Aktivität geprägt. Dies ist erforderlich für die Neu­entwicklung der eigenen Identität. Die Bildung der neuen Identität nimmt langsam Form an. Der Verlust der Liebesbeziehung wird akzeptiert und verinnerlicht. Langsam richtet sich der Blick der leidenden Person wieder nach vorne und ist zukunftsorientiert. Dies kann einen enormen Schritt für die Wachstums- und Persönlichkeitsentwicklung bedeuten.

2.4 Copingstrategien

Bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen Copingstrategien eine entscheiden­de Rolle. Grundsätzlich wird zwischen funktionalen und dysfunktionalen Copingstrategien unterschieden. Unter funktionalen Copingstrategien werden jene verstanden, die langfristig bei der Bewältigung von Liebeskummer geeignet sind. So sind übliche funktionale Coping- strategien Rückzug, Auseinandersetzung mit der Situation, Ablenkung durch Freunde oder einem Hobby nachgehen (Maurer, 2018). Ward und Kennedy (2001) postulieren, dass Stressbewältigung durch Humor, Akzeptanz, Annäherung und direkte, problemorientierte Strategien, wie planvolles und aktives Coping forderlich für die Bewältigung eines Prob­lems sein kann. Außerdem versteht man unter dysfunktionale Copingstrategien jene, die kurzzeitig beim Stressabbau hilfreich sind aber langfristig schaden und ungeeignet sind (Maurer, 2018). Personen, die sich beispielshalber aufgrund von Liebeskummer in eine Sucht flüchten, um den Schmerz zu betäuben, laufen langfristig Gefahr abhängig zu wer­den. Womit in weiterer Folge wieder ein Problem entsteht. Die häufigsten dysfunktionale Copingstrategien umfassen Süchte, Verdrängung, Rache an dem/der ehemaligen Lebens- partner/in zu nehmen und eine exzessive Lebensweise (Maurer, 2018).

2.5 Fragestellungen

Vor dem bisherigen theoretischen Hintergrund ist Liebeskummer als Stress auslö­sendes Ereignis definiert. Somit macht die Sichtung der Forschungsliteratur erkennbar, dass einige Persönlichkeitseigenschaften und Ressourcen forderlich für die Bewältigung von Stresserleben im Sinne von Liebeskummer sind. Diese sorgen für mehr psychisches Wohl­befinden und können ebenfalls hilfreich für stressbedingtes Wachstum sein (Carver, 1998). So kann Liebeskummer durchaus eine Chance sein, neues kreatives Potenzial zu entfalten (Senger, 2000). Aus dieser Annahme bildete sich folgende Forschungsfrage, welche positi­ve Auswirkungen von Liebeskummer gibt es? Ebenso wurde bereits im vorherigen Teil thematisiert, dass frühkindlichen Trennungserfahrungen Auswirkungen auf spätere Bin­dungen im Erwachsenenalter haben. Daraus lässt sich folgende Hypothese ableiten:

Hl: Bindungsstile, beziehungsweise frühkindliche Trennungserfahrungen spielen eine Rolle bei der Ausprägung und Bewältigung von Liebeskummer.

Aus den aktuellen Erkenntnissen und theoretischen Überlegungen können noch zwei weitere Hypothesen abgeleitet und in dieser wissenschaftlichen Arbeit geprüft werden:

H2: Liebeskummer hat negative psychische und physische Auswirkungen auf die den Liebeskummer erlebende Person.

H3: Copingstrategien haben eine Auswirkung bei der Bewältigung von Liebes­kummer:

a.) Funktionale Coping- Strategien haben positive Auswirkungen bei der Bewäl­tigung von Liebeskummer.
b.) Dysfunktionale Coping- Strategien haben negative Auswirkungen bei der Bewältigung von Liebeskummer.

3 Methode

In diesem Teil der Arbeit wird die Methodik beschrieben, mit der die relevanten Primärstudien ausgewählt wurden. Dabei wird außerdem das grundlegende Vorgehen bei der Literaturrecherche und festgelegte Ein- und Ausschlusskriterien erläutert, sowie ein Überblick über die letztendlich in diesem Review verwendeten Primärstudien gegeben.

3.1 Vorgehen und Ein- und Ausschlusskriterien

Um geeignete Literatur für die Bearbeitung des Themas zu finden, wurden über den Zugang der Femuniversität Hagen die EBSCOhost® Datenbanken genutzt. Darunter be­fanden sich unter anderem PsycINFO®, PsycARTICLES® und PSYNDEX®. Zusätzlich wurde die Datenbank PsyJoumals der Hogrefe miteinbezogen. Darüber hinaus wurde eine sogenannte Rückwärtssuche durchgeführt, indem die Literaturverzeichnisse der ausgewähl­ten Quellen nach relevanter weiterer Literatur durchsucht wurden.

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Titel
Wenn aus dem Wir wieder ein Ich geworden ist. Liebeskummer
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
54
Katalognummer
V962711
ISBN (eBook)
9783346315397
ISBN (Buch)
9783346315403
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebeskummer, Lovesick, broken heart, liebesleid trennung, partnerschaft, gesundheit, verlust, coping, emotionen, bindung, suizid, lovesickness
Arbeit zitieren
Sarah Haider (Autor), 2020, Wenn aus dem Wir wieder ein Ich geworden ist. Liebeskummer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/962711

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