Die Stadt in der Republik Südafrika - Wandel von der Spätapartheid zur Postapartheid. Fallbeispiel Kapstadt


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

11 Seiten


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Die Stadt in der Republik Südafrika - Wandel von der Spätapartheid zur Postapartheid.Fallbeispiel Kapstadt

Die südafrikanische Stadt zeichnet sich durch eine mit keinem anderen Stadttyp vergleichbare

Struktur aus. Aufgrund der jahrelang vorherrschenden Politik der Apartheid, die durch eine strikte Rassentrennung und der daraus resultierenden Wohnsegregation zwischen den Weißen und den anderen Bevölkerungsgruppen gekennzeichnet war, hatte sich in Südafrika ein eigenständiges Stadtbild entwickelt, welches in vielen Verhältnissen annähernd an die US-Städte der 50er-60er Jahren erinnert.

Bevor das konkrete Fallbeispiel Kapstadt erläutert wird soll hier das Modell einer Apartheidstadt vorgestellt werden.

Modell der Apartheidstadt

Mit dem Schlagwort von der Apartheidstadt wird in erster Linie auf die rassenspezifische Ausweisung von Wohngebieten hingewiesen und der Unterschied zwischen ungeplanter und geplanter sowie gesetzlich verankerter Segregation unterstrichen. Die "ideale Apartheidstadt" gliedert sich in verschiedene rassenspezifische Sektoren, die von buffer zones in Form von physischen Barrieren, Verkehrsanlagen, Industrieeinrichtungen oder unbebauten Landstücken getrennt sind.

Die Abbildung unten stellt das Modell einer Apartheidstadt dar. Der Aufbau erinnert teilweise an die Strukturen der europäischen und südamerikanischen Städte. Die Industriebezirke liegen nahe dem CBD, es existiert eine klare räumliche Trennung der Funktionen sowie zwischen den Wohngebieten der verschiedenen sozialen Schichten. Alle wichtigen Verkehrslinien bilden die Leitlinien der Stadtentwicklung. Insgesamt fällt die südafrikanische Stadt unter die Sektorentheorie, die in diesem Fall eine zusätzliche Verstärkung durch die rassenbezogene Wohnsegregation erfährt. Auffallend ist, daß nahezu alle tertiäre Subzentren sich in den Wohnbezirken der weißen Mittel- bzw. Oberschicht befinden. Auch alle wichtigen Verkehrslinien. Die schwarzen townships sind weitgehend marginalisiert und haben räumlich keine gemeinsamen Berührungspunkte mit den "weißen" Wohngebieten. Auch von territorialem Ausmaß sind sie den Wohnbezirken der weißen Bevölkerung deutlich unterlegen. Die Wohngebiete der übrigen Bevölkerungsgruppen (Mischlinge, Asiaten) liegen (punktuell verteilt) ebenfalls deutlich von denen der weißen Ober- und Mittelschicht abgegrenzt, es besteht keine direkte Anbindung an den CBD. In allen diesen Merkmale spiegelt sich die rassistische Politik der Apartheid wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die in dem Population Registration Act von 1950 näher definierten Rechte der einzelnen Rassengruppen (Weiße, Mischlinge, darunter ursprünglich auch Inder und Schwarze) waren sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede spiegelten sich nicht nur in der Flächenausdehnung der ihnen zugewiesenen Gebiete wider, sondern auch in deren Untergliederung. Während die "weiße" Stadt durch eine sozio-ökonomische Viertelsbildung charakterisiert wird, waren die townships der Schwarzen ursprünglich nach ethnolinguistischen Gesichtspunkten aufgeteilt. Eine Besonderheit stellten sog. hostels dar - sie dienten als einfachste Sammelunterkünfte für alleinstehende Männer und Frauen, die im "weißen" Gebiet arbeiteten. Im Zentrum der Apartheidstadt liegt der (weiße) CBD, dessen Angebot an Waren und Dienstleistungen von allen Bevölkerungsgruppen nachgefragt wird.

Trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Wohnsegregation stimmten die gewachsenen Strukturen der südafrikanischen Städte nur selten genau mit den ausgewiesenen group areas überein. Als nicht konform mit dem Apartheidkonzept wurden einerseits die zentrumsnah gelegene nicht-weiße Wohnviertel angesehen, andererseits gemischtrassige Quartiere, die z.T. schon auf die frühe Industrialisierungs- und Verstädterungsphase zurückgehen oder als Folge von Invasions- und Sukzessionsprozessen entstanden sind. Eine landesweite Regelung zur Trennung von Wohngebieten nach Rassenzugehörigkeit bestand erst seit 1923. Sie galt zunächst auch nur für städtische Schwarze, während Inder und Mischlinge bis 1950, als der Group Areas Act in Kraft trat, von dieser weitgehend ausgenommen waren.

Als Mittel für eine Neuordnung der südafrikanischen Stadt wurden die Zwangsumsiedlungen angewandt, was nicht selten mit Slumsanierung verbunden war. Davon betroffen waren hauptsächlich nicht-weiße Bewohner. Solche disqualified persons wurden entweder in den townships untergebracht, oder, wenn sie sich nicht rechtmäßig in der Stadt aufhielten, einfach in die homelands abgeschoben. Paßgesetze dienten dazu, einen übermäßigen Zustrom schwarzer Arbeitsuchender in die Städte zu verringern (influx control). Es gab allerdings auch einige Ausnahmen: So durften z.B. Hausbedienstete auch außerhalb der townships auf den Grundstücken ihrer weißen Arbeitgeber wohnen.

Auswirkungen der Reformen auf den städtischen Bereich

Infolge zunehmender demographischer Auseinanderentwicklung von weißer und nicht-weißer Bevölkerung, wachsender politischer Emanzipation der Schwarzen und verstärktem internationalen Druck wurde es für die südafrikanische Regierung immer schwieriger, den Führungsanspruch der weißen Minderheit aufrechtzuerhalten. Nach den massiven Unruhen in den Homelands Mitte der 70er Jahre mußten daher grundlegende politische Reformen eingeleitet werden. Durch diese versuchte man die Gesetzespraxis an die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen, ohne dabei die Kernideologie der Apartheid aufzugeben. In Bezug auf die großen Städte hatte diese Politik sehr weitreichende Konsequenzen, die z.T. noch über die gesetzlich eingeräumten Möglichkeiten hinausgingen.

Entwicklung gemischtrassiger Gewerbegebiete in der City

Mit der Lockerung des Group Area Act wurden auch Beschränkungen im Handel, Gewerbe und Dienstleistungsbereich modifiziert. Diese Tätigkeiten durften zuvor nur innerhalb der für die jeweilige Bevölkerungsgruppe proklamierten Gebiete ausgeübt werden. So war den Nicht-Weißen der Zugang zum CBD grundsätzlich versperrt. Allerdings hatten sich bereits seit den 60er Jahren verschiedene Praktiken herausgebildet, diese gesetzlichen Einschränkungen zu umgehen. Besonders die indischen Händler haben es verstanden, alle notwendigen amtlichen Registrierungen, den Kauf eines Gebäudes oder den Abschluß eines Mietvertrags mit Hilfe weißer Strohmänner vornehmen zu lassen. Aber auch auf der Vermieterseite sind die Bestimmungen des Group Area Act oft mißachtet worden. Zu Beginn der 80er Jahre hat man geschätzt, daß auf diese Weise z.B. in Johannesburg 30-50% aller Läden im Zentrum illegal geführt wurden.

Aber nicht alleine dieser offensichtliche Widerspruch zu den bestehenden Gesetzen hatte die Regierung veranlaßt, über Anpassungsmöglichkeiten nachzudenken. Die Akzeptanz der nicht-weißen Unternehmer sollte auch dazu dienen, die Investitionstätigkeit anzukurbeln und vorhandenes Kapital in arbeitsplatzschaffende Wirtschaftszweige zu lenken. So sind in der ersten Hälfte der 80er Jahre nicht nur influx control und job reservation aufgehoben, sondern seit 1984 in allen großen Städten (darunter auch Kapstadt) sog. free trading areas geschaffen worden. In bestimmten Zonen, die üblicherweise den naheliegenden CBD mit umfaßten, war es nun allen Bevölkerungsgruppen möglich, ein Gewerbe zu betreiben oder Dienstleitungen anzubieten.

Dieses neue Angebot wurde von verschiedenen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während die Schwarzen die neu zugänglichen Bereiche hauptsächlich als Wohnflächen nutzten, die überwiegend in der unteren Preiskategorie lagen und somit auch erschwinglich waren, agierten die Inder (die in den großen Städten eine nicht zu verachtende Minderheit, in Durban sogar die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe bilden) als Rechtsanwälte, Versicherungsagenten u.ä. Dadurch sollten vor allem die Fühlungsvorteile zum Banken- und Versicherungsgewerbe im CBD wahrgenommen werden.

Der Abbau der gesetzlichen Schranken hat zwar den wenigen Nicht-Weißen neue Perspektiven einer wirtschaftlichen Betätigung eröffnet, er hat aber auch deutlich werden lassen, daß verschiedene Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich auf den damit verbundenen Wettbewerb vorbereitet sind. So haben Schwarze oft nicht genügend Kapital, ihnen mangelt es an Ausbildung im Management und Kenntnissen der englischen Sprache.

Die Banken verweigern ihnen häufig Kredite. An eine Bezahlung der Mitarbeiter kann anfangs überhaupt nicht gedacht werden; Geschäfte und andere Betriebe der Schwarzen sind nahezu ausschließlich one-man-companies. Diese vielfältigen Schwierigkeiten drücken sich oft in einer Mieterfluktuation aus. So müssen gerade Schwarze zunehmend auf den informellen Sektor ausweichen, wo sowohl die Mietzahlungen als auch steuerliche Belastungen nicht existieren. Aus diesen Entwicklungsprozessen resultierend stieg die Zahl der Straßenhändler in allen großen Städten enorm an.

Im Gegensatz zu den Schwarzen waren Inder in dieser Situation weitaus besser gestellt. Sie konnten auf eine lange Handelstradition im formellen Bereich zurückblicken. Hinsichtlich der Berufserfahrung und Sprachkenntnissen sind Inder den anderen nicht-weißen Bevölkerungsgruppen deutlich überlegen. Zudem erleichtern ein höherer Eigenkapitalanteil und bessere Kontakte zu Finanzwelt den Schritt in die Selbständigkeit.

Mit der endgültigen Aufhebung der Apartheidgesetze haben die free trading areas an Bedeutung verloren. Damit hat sich aber der Konkurrenzdruck unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen noch verschärft, da jetzt auch weiße Geschäftsleute Zutritt zu den townships haben und deshalb dort auch ihre kommerziellen Interessen wahrnehmen können. Daher ist zu befürchten, daß die Geschäfte schwarzer Inhaber kaum der Konkurrenz standhalten können.

Entstehung gemischtrassiger Wohngebiete in der Spät-Apartheid-Zeit Im Wohnbereich kam es bereits in den 70er Jahren zu der Nichteinhaltung des Group Areas Act.

Speziell in den Innenstädten von Johannesburg und Durban kam es zu einem informellen Einsickern nicht-weißer Bevölkerung in rechtlich als "weiß" geltende Wohngebiete. Mit dem dafür entstandenen Begriff der grey areas wird die Veränderung in der rassischen Zusammensetzung der Bevölkerung angesprochen.

Nichtweiße Personen "sickerten" in die für die Weißen reservierten Wohnbereiche der Innenstadt ein, um das hier häufig leerstehende Wohnungsangebot in Mietshochhäusern zu belegen. Der Leerstand betrug in der Regel 10-15%. Hingegen existierte in den townships ein gravierender Wohnungsmangel. Der langsame sich über Jahre vollziehende soziale Aufstieg unter Indern, Mischlingen und Schwarzen ließ zudem bei bessergestellten Einzelpersonen und Familien die Wohnansprüche steigen, die man in den "weißen" Wohngebieten zu verwirklichen glaubte. Die in der Regel kurze Wohndauer der weißen Mieter und die hohe Anonymität in Hochhäusern förderten den illegalen Zuzug Nichtweißer. Zudem war die Gleichsetzung der dunklen Hautfarbe mit dem illegalen Wohnstatus nicht möglich, da diese neuen Mieter von den mehreren nicht-weißen Hausangestellten, die Wohnrecht besaßen, nicht zu unterscheiden waren.

Dennoch gehörten willkürliche Polizeirazzien zum Alltag. Hauseigentümer nutzten die Illegalität ihrer Mieter häufig zu Ausbeutung und Vernachlässigung der Gebäudeunterhaltung aus (das letztere führte oft zu Verslumisierung). 1982 wurden jegliche Zwangsräumungen generell untersagt, sofern sich kein alternativer Wohnraum für die "Eingesickerten" in den townships finden ließ (was in den meisten Fällen der Fall war). Die grey areas in Kapstadt waren Sea Point und Woodstock.

Um den Widerspruch zum bestehenden System der group areas abzuschaffen, ohne die geltenden Apartheidgesetze zu verändern, wurden einzelne innerstädtische grey areas 1988 zu free settlement areas erklärt. Dabei handelte es sich um Gebiete, in denen gemischtrassiges Zusammenleben von nun an offiziell erlaubt war. Damit reagierte die südafrikanische Regierung (verspätet) auf die Dynamik des Wohnmarktes. Durch die Schaffung der free settlement areas eröffnete sich einerseits die Möglichkeit, bereits bestehende grey areas zu legalisieren, mit dem Ziel, den ausbeuterischen Vermietungspraktiken ein Ende zu setzen; andererseits konnten völlig neue Wohngebiete ohne rassische Einschränkungen entstehen. Diese lagen in ihrer Mehrzahl in den Randbereichen der großen Ballungsräume.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hinsichtlich der Bebauungsdichte, der Lage im suburbanen Raum sowie der Gebäude- und Grundstückspreise sollten die neu entstandenen free settlement areas auch für weiße Käufer interessant sein. In der Regel handelte es sich um neu erbaute Einzelhäuser, seltener um Doppelhäuser. Die Zielgruppe der Käufer sollten die Mittelschichten aller Bevölkerungsgruppen bilden. Da aber die Schwarzen in der Regel nicht über ausreichende Finanzmitteln verfügten, wurde das Angebot in erster Linie von den kaufkräftigeren Indern wahrgenommen. Erst später bekamen die Schwarzen ein Übergewicht. Doch insgesamt läßt sich die akute Wohnungsnot der schwarzen Bevölkerung auf diese Weise nicht lösen. Die Weißen siedelten nur selten in den free settlement areas. Dies ist ein mehr oder weniger direkter Hinweis auf das Erbe der Apartheid. Die rassenbezogenen Vorurteile seitens der weißen Bevölkerung bestehen auch nach dem Ende des Apartheidregimes weiterhin fort und es ist nicht abzusehen, ob diese irgendwann vollständig abgebaut werden können.

Die Abbildung 1b stellt die veränderte Struktur einer südafrikanischen Stadt nach der Aufhebung der Apartheidgesetze dar. Zu erkennen ist, daß neben den nun legalisierten gemischtrassigen Wohngebieten insbesondere im Innenstadtbereich (free settlement areas) auch informelle Bebauung weiter zunahm. Zudem sind ehemals homogene Wohnbezirke der verschiedenen Bevölkerungsgruppen deutlich "aufgesplittert" worden. Als Folge der rassischen Vermischung ist ein häufiger Wegzug der weißen Oberschicht aus den alteingesessenen Wohngebieten zu beobachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kapstadt - die Metropole am Kap der Guten Hoffnung Seit dem Ende des Apartheidregimes in Südafrika haben sich auch die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen von Kapstadt sowie seine Bedeutung für das Land und die Kapregion verändert. Die Wirtschaft zeichnet sich durch eine zunehmende Tertiärisierung aus. Der Kapstädter Raum gilt als Zuwanderungsraum in der Südafrikanischen Republik schlechthin. Die Immigranten zeichnen sich durch eine hohe soziale Heterogenität aus.

Im Gegensatz zu den anderen südafrikanischen Metropolen kann Kapstadt auf eine lange bauhistorische Tradition zurückblicken. Während die anderen südafrikanischen Städte von einer eher funktionalen Bau- und Stadtentwicklung geprägt wurden, stellt Kapstadt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar. Darüber hinaus wirkt sich die spektakuläre Nachbarschaft des Tafelbergmassivs positiv aufs Besucherimage aus.

Kapstadt wurde 1652 als Versorgungsstation der Holländisch-Ostindischen Kompanie gegründet. Die weiße Bevölkerung (Holländer, Deutsche, Hugenotten) breitete sich unter räumlicher Verdrängung der Ureinwohner aus. Die Einfuhr malaiischer und schwarzer Sklaven bis zu Beginn des 19.Jh trug zur Vergrößerung der Bevölkerungsvielfalt am Kap bei. Seit 1806 stand Kapstadt unter britischer Herrschaft. Die Briten förderten die weiße Zuwanderung, somit stieg deren Bevölkerungsanteil 1855 auf beachtliche 62% an.

Sowohl der Schachbrettgrundriß als auch die Physiognomie (holländischer Baustil) lassen bis heute europäische Einflüsse erkennen. Der CBD liegt erwartungsgemäß in unmittelbarer Nähe des Hafens, wichtige Verkehrslinien ziehen sich der Küste entlang sowie parallel zum Tafelbergmassiv. Aufgrund der Küstenlage ergeben sich für Kapstadt einige Unterschiede im Vergleich zu dem Modell der "klassischen" Apartheidstädte. So konnten dort informelle gemischtrassige Wohnbezirke in der Nähe zum Hafen entstehen (z.B. District Six Abb.1). Es handelte sich dabei um Neuankömmlinge aus dem

Umland oder von Übersee (die letzteren kamen im Verlauf des Bergbaubooms am Witwaterstrand Ende des 19.Jhs und verblieben hier). Die Bevölkerung nahm bis 1904 auf 107000 Personen zu.

Bevölkerungsentwicklung in den 90er Jahren

Aufgrund des internationalen Boykotts des Apartheidregimes war die wirtschaftliche, Bedeutung Kapstadts weitgehend auf Südafrika beschränkt. Die Demokratisierung der Gesellschaft seit 1990 und die ersten freien Wahlen 1994 haben zu einer grundlegenden Veränderung dieses Zustands beigetragen. So ist Kapstadt zu einem Magneten sehr heterogener Bevölkerungsgruppen geworden. Besonders auffallend ist die steigende Zuzugsrate der schwarzen Bevölkerung (hauptsächlich aus dem ländlich geprägten Eastern Cape (ehem. Homelands Ciskei und Transkei) =>siehe Diagramm). Dieser Trend hält unvermindert an, die Ursachen dafür liegen in der hohen Arbeitslosigkeit in der "Heimatregion Eastern Cape". Ergebnis dieser Entwicklung ist eine zunehmende Afrikanisierung der Bevölkerung. Die schwarze Bevölkerung wächst jährlich um 4%, wobei die Hälfte dieses Anstiegs mit den Zuwanderungen zu begründen ist.

Jahre Weiße Mischl. Asiaten Schwarze Absolut

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Regional zeichnet sich ein Migratiosprozess vom Großraum Johannesburg nach Kapstadt ab. Als wirtschaftliche Boomregion zieht das westliche Kapland vor allem weiße Familien an (im Diagramm nicht deutlich abzulesen, da es sich um einen relativ aktuellen Trend handelt). Die ausländischen Käufer spielen am Immobilienmarkt ebenfalls eine signifikante Rolle.

Der Zuzug afrikanischer Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten (Angola, Burundi, Ruanda etc.) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Schätzungsweise liegt die Einwanderungsrate dieser Ethnien bei 200 Personen/Monat. Illegale Einwanderer wollen ebenfalls vom wirtschaftlich hohen Standard der Stadt profitieren. Parallel existiert aber auch ein Abwanderungsstrom der weißen Bevölkerung, der jedoch deutlich unter dem aus der Apartheidzeit liegt. Insgesamt dürfte die Bevölkerungszahl aber weiterhin ansteigen, wohnen doch bereits über 2,5 Mio. Menschen im Großraum Kapstadt. Dabei existieren zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen ganz entscheidende sozio-ökonomische Disparitäten: Sie schwanken zwischen den Ansprüchen des internationalen Jet-sets und einer zunehmenden Armut der schwarzen Bevölkerung (aufgrund der Einwanderungen aus dem wirtschaftlich schwachen Eastern Cape).

Wirtschaftliche Entwicklung

Mit einem realen Wirtschaftswachstum von 5% rangiert Kapstadt an der Spitze in Südafrika. Die erwirtschafteten Umsätze entfielen dabei zu 78% auf den tertiären, zu ca. 18% auf den produzierenden Sektor. Die Bedeutung des produzierenden Sektors ist aber schon seit Jahren rückläufig.

Der Niedergang der chemischen Industrie in den 70er Jahren sowie Rückgang in der Textil- und Schuhindustrie aufgrund ausländischer Importe nach dem Ende der Apartheid förderten Initiativen zum sog. TechnoCape. Es handelt sich dabei (siehe Luftbild der Innenstadt - Technikon ) um HighTech-Betriebe, die ihre Forschungskapazitäten im Western Cape konzentrieren sollen.

Die Handelstonnage im Hafen von Kapstadt konnte innerhalb von 1989-1996 mehr als verdoppelt werden. Insbesondere die Lebensmittelproduzenten konnten von dieser Entwicklung profitieren (Ausfuhren gehen größtenteils in die EU).

Tourismus stellt zur Zeit eine der wichtigsten Einnahmequellen dar. Besonders ausländische Touristen, deren Anzahl zwischen 1994 und 1995 um 77% anstieg, tragen zu dieser positiven Entwicklung bei. Dagegen liegt der Zuwachs bei inländischen Besuchern nur bei 5%.

Auch auf dem Immobilienmarkt ist Kapstadt gegenüber den anderen Städten im Vorteil. So liegt der Prozentanteil der im CBD stehenden Gebäude nur bei 7,2% gegenüber 18,2% in Johannesburg. Als Sitz des südafrikanischen Parlaments verfügt die Stadt über einen festen Mieterstamm für Büroflächen und Hotelzimmer.

Soziale Entwicklungen

Eins der größten Probleme der Stadt ist die Wohnungsnot unter den nicht-weißen Bevölkerungsgruppen, die immer noch weitgehend segregiert in den Großwohnsiedlungen und Squatter-Gebieten leben. Bei den letzteren handelt es sich um ein Erbe aus der Apartheidzeit, als informeller Bau noch seinen Höhepunkt hatte. Squatter sind einfache Hüttenviertel ohne jegliche Infrastruktur, die überwiegend von Schwarzen bewohnt werden.

Ein township 12km südöstlich der City wurde 1927 ursprünglich für 850 Personen gebaut, 1989 umfaßte er 16500 Menschen. Nach neuesten Schätzungen sind es jetzt über 80000.

Ca. 74000 schwarze Familien wohnen in Kapstadt in Squatters bzw. Hostels. Anfang 1997 fehlten insgesamt 134000 Wohneinheiten.

Die Einkommensdisparitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind nach wie vor enorm. Während das durchschnittliche Einkommen von Schwarzen unter 10000 Rand, das der Mischlinge bei 21000 liegt, beträgt das durchschnittliche Einkommen eines Weißen ca. 56000 Rand. Ein Drittel der aus Eastern Cape Eingewanderten war 1995 arbeitslos. Trotz des allgemein gestiegenen Lebensniveaus unter Schwarzen existieren nach wie vor sehr viele Straßenkinder und Bettler in der Innenstadt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres großes Problem ist die konstant ansteigende Kriminalität Kapstadt hat sich zu einem internationalen Umschlagplatz für die Drogendealer entwickelt. Die Straßengangs sind teilweise schwer bewaffnet. In der Innenstadt wurde zu diesem Zweck eine Videoüberwachung eingerichtet.

Fazit

In Kapstadt ist eine hohe soziale Polarität zu beobachten. Wachsende Kriminalitätsprobleme sowie nach wie vor bestehende Wohnsegregation, die jedoch sozioökonomische und nicht mehr rassistische Ursachen hat, sind nur zwei Probleme. Wenn die Bevölkerungszahl auch weiterhin ansteigt so dürften die Wohnungs- und Versorgungsprobleme noch weiter zunehmen. Der erwartete wirtschaftliche Aufschwung aus der olympischen Bewerbung 2004 fällt nun weg, die industrielle Basis ist nach wie vor schwach. Das bedeutet, daß die Zukunft von Kapstadt vor allem in der High-Tech-Industrie sowie im tertiären Sektor (u.a. Tourismus) zu suchen ist. Kapstadt ist in nahezu allen anderen Aspekten besser gestellt als z.B. Johannesburg oder Midrand. Doch aufgrund der anhaltenden Zuwanderung der schwarzen Bevölkerung aus dem Eastern Cape, von der die meisten auch in Kapstadt arbeitslos bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit bis die Informalisierung ähnliche Ausmaße angenommen hat wie bereits in anderen Städten geschehen.

Quellen:

J. Bähr, U. Jürgens, S. Bock, Auflösung der Segregation in der Postapartheidstadt?, Petermanns Geographische Mitteilungen 1/1998

J. Bähr, U. Jürgens, Die Stadt in der Republik Südafrika, GR 7-8/1993

U. Jürgens, Kapstadt - Entwicklungspotentiale und -hemmnisse im neuen Südafrika, GR 4/1998

U. Jürgens, J. Bähr, Die Öffnung südafrikanischer Innenstädte für nicht-weiße Unternehmer, Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 3/1992

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Die Stadt in der Republik Südafrika - Wandel von der Spätapartheid zur Postapartheid. Fallbeispiel Kapstadt
Veranstaltung
Erdkunde LK Klasse 13
Autor
Jahr
1998
Seiten
11
Katalognummer
V96275
ISBN (eBook)
9783638089517
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein besonderer Dank geht an Herrn Dr. Jürgens, einem der Verfasser der Quellenartikel, ohne wessen freundlicher Unterstützung das Ganze nicht möglich gewesen wäre
Schlagworte
Stadt, Republik, Südafrika, Wandel, Spätapartheid, Postapartheid, Fallbeispiel, Kapstadt, Erdkunde, Klasse
Arbeit zitieren
Andrej (Autor:in), 1998, Die Stadt in der Republik Südafrika - Wandel von der Spätapartheid zur Postapartheid. Fallbeispiel Kapstadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96275

Kommentare

  • Gast am 28.10.2004

    Vielleicht mal die eigene Perspektive überprüfen!.

    Hallo,

    also mir gefällt die Arbeit nicht gut. Neben einer etwas sterilen Perspektive werden permanent Apartheid Begriffe reproduziert. Wenn du schon nicht auf Begriffe wie "Rassentrennung" oder "gemischtrassig" verzichten kannst, solltest Du wenigstens erklären, warum du die benutzt. Interessant finde ich das der Begriff weiß in Anführungszeichen gesetzt wurde, schwarz aber nicht. Essentialisierung der Schwarzen, während man Weiße ja nicht als solche bezeichnen könne, oder wie? Welche Hautfarbe scheint wohl der Autor zu haben?

  • Gast am 30.7.2002

    Re: Gut abgeschrieben!.

    kannst du vielleicht mal den link zu der arbeit nennen, die du meinst?

  • Gast am 28.5.2002

    Gut abgeschrieben!.

    Abschreiben kann ich auch. Vgl. anderes Referat eines Studenten, das ebenfalls hier veröffentlicht ist. Die gleiche Begriffsverwendung ist offensichtlich. Setzen und Sechs!

  • Gast am 30.4.2001

    Die Stad in der Republik Südafrika.

    hi!!!Dein Referat ist einfach klasse und ich konnte es echt gut verwenden!!!Danke dass du es ins net gegeben hast!!!!

  • Gast am 11.12.2000

    positiv.

    ist ne saumäßig gute arbeit

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